Guten Abend, Clarice! oder warum wir Serienkiller lieben - Peter Waldbauer - E-Book
Beschreibung

Das Phänomen Serienkiller beherrscht seit über einem viertel Jahrhundert die Medien. Der Startschuss fiel 1989, als der Roman „Das Schweigen der Lämmer“ von Thomas Harris erschien. Zwei Jahre später wurde das Buch verfilmt mit Jodie Foster und Anthony Hopkins in den Hauptrollen. Der Thriller gewann fünf Oskars und begründete die Kultfigur des Dr. Hannibal Lecter. Seit Anfang der 1990er Jahre haben unzählige Thriller, als Buch oder Film, den Serienkiller zum Inhalt. 2013 startete die amerikanische Fernseh-Serie „Hannibal“. Das anhaltende Interesse kumuliert auch in einer großen Anzahl von Sachbüchern. Das Thema ist zur zeitlosen Subkultur geworden. Doch das ausgelutschte Genre der Serienkiller-Bücher und -Filme taugt auch hervorragend als Satire. Über das, was als echter Schauer konzipiert worden ist, kann man sich schrecklich amüsieren. In 29 Kapiteln informiert dieses Buch in schaurig-lustiger Weise über Aspekte des Serienkiller-Themas, aufgelockert durch Exkurse unter der schönen Überschrift „Dr. Lecter plaudert aus der Praxis“. Hier stellt „der Doktor“ uns reale Serienkiller vor und zwar relativ sachlich. Auch gibt es kurze Einschübe, in denen „Hannibal“ (also wieder der Doktor) uns Ratschläge erteilt. Wir sollten ihnen folgen, wollen wir nicht schutzlos den Serienkillern ausgeliefert sein. So ist es kein Zufall, dass die gute Clarice uns schon im Titel begegnet, denn die Inhalte der Hannibal-Lecter-Trilogie ziehen sich als roter Faden durchs ganze Buch.

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Seitenzahl:96

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Inhaltsverzeichnis
Der Serienkiller – das bekannte Wesen
FBI-Faustformel zur Schnellerkennung
Das ideale Opfer
Begriffsdefinition und Abgrenzung
Der Titel – Wer darf sich überhaupt Serienkiller nennen?
Urkunde
Der Spezialist
Warum morden Serienkiller immer wieder?
Serienkiller-Typen
Der Erkennungstest
Serienkiller und ihre Künstlernamen
Tipps für Eltern: So erkennen Sie einen künftigen Serienkiller
Sie besuchen einen Serienkiller im Gefängnis oder in der Anstalt
Das Inserat
Serienkiller – Deutsch, Deutsch – Serienkiller
Das Fahrzeug des Serienkillers
Der Beruf des Serienkillers
Der Serienkiller auf Hausbesuch
Der Serienkiller plant Ihre Entführung
In der Gewalt des Serienkillers
Richtiges Verhalten als Angehöriger eines Entführungsopfers
Nach der Tat: So schützt sich der Serienkiller vor Entdeckung
Das Profiling – Wie man einen Serienkiller fängt – Teil 1
Die proaktive Falle - Wie man einen Serienkiller fängt – Teil 2
Böse Briefe
Die Verhaftung des Serienkillers
Der Serienkiller wird psychiatrisch untersucht
Der Serienkiller hilft der Polizei
Dem Serienkiller gelingt die Flucht
Top Twenty – Die ewige Bestenliste
Nachwort
Autorenvita

Guten Abend, Clarice! 

Oder warum wir Serienkiller lieben

Impressum:

Copyright © by Peter Waldbauer, 2018

Peter Waldbauer

Berliner Straße 49

68723 Schwetzingen

Buchumschlag: Jacqueline Spieweg, FarbRaum4.de

Bildnachweis: 

© Manekina Serafima/Shutterstock.com

© Elena Kharichkina/Shutterstock.com

Der Serienkiller – das bekannte Wesen

Die Welt ist voller Serienkiller. Überall lauern Monster, Mörder und Psychopathen. Allein in den USA gibt es gefühlt etwa 10 Millionen Exemplare. In Deutschland, einem Land, das geographisch kaum kleiner ist als die Vereinigten Staaten, sind es fast genauso viele.

Immer sind sie männlichen Geschlechts, weshalb wir in diesem Ratgeber auf die Political Correctness getrost verzichten können und nur in der maskulinen Form von ihnen sprechen.

Mörder jeder Couleur jagen das weibliche Wesen. Zu allen Zeiten und an allen Orten der Welt: Ob in Frankreich oder Österreich, Polen oder Portugal, Vereinigtes Königreich oder Vereinigte Staaten, Russland oder Griechenland, Italien oder Israel, Mond oder Mars, überall grassiert die Serienkiller-Pandemie. Entdeckt wurde der Bazillus bereits im Jahr 1888 im Londoner Westend. Damals taufte man ihn auf den provisorischen Namen „Jack the Ripper“. Unzählige Ableger folgten seitdem. Neben anderen Infektionskrankheiten wie Aids, Rinderwahnsinn, Schweinegrippe und der Steuergesetzgebung stellt die Serienkilleritis eine ernste Bedrohung der Menschheit dar.

Auch Sie, sofern Sie weiblich, jung, ledig, verlobt, verheiratet, verwitwet, getrennt lebend oder geschieden sind, könnten eines Tages Opfer werden. Deshalb sollten Sie unbedingt diesen Ratgeber lesen, denn damit werden Sie einen Serienkiller unter einer Million Männern totsicher erkennen. So können Sie beizeiten die Flucht ergreifen oder - in Anwandlung ähnlich morbider Phantasien - sich ihm bereitwillig in die Arme werfen.

In diesem Buch erfahren Sie das gesamte Wissen des Universums zum Thema Serienkiller. Mit Hilfe dieser wertvollen Informationen werden Sie nicht länger das ahnungslose, leichte Opfer abgeben. Der Serienkiller, der Sie will, wird sich ganz schön anstrengen müssen oder sich an Ihnen die Zähne ausbeißen. Nach der Lektüre der folgenden 987 Seiten sind Sie ihm nicht nur ebenbürtig, nein – ab heute sind Sie ihm überlegen.

FBI-Faustformel zur Schnellerkennung

Vielleicht gehören Sie ja zu den wenigen Glücklichen, die sich noch 23 Stunden pro Tag der Leistungsgesellschaft aussetzen dürfen. Sie verfügen über einen zwar zeitraubenden, aber hochdotierten Job, sonst hätten Sie wohl kaum die 199,99 € für dieses umfassende Standardwerk so mühelos hinblättern können. Fall Sie also weder Zeit noch Nerven haben, sich die nächsten neun Monate in das Gehirn von Wahnsinnigen einzuarbeiten, hier vorab die FBI-Faustformel zur Schnellerkennung:

Wie Sie sehen, schließt diese mathematisch hochkomplexe Formel etwa die Hälfte der Weltbevölkerung aus, nämlich die weibliche. Womit wieder einmal bewiesen wäre, dass Frauen mit ihren Gefühlen besser zurecht kommen als Männer oder – was das Gleiche ist – die besseren Menschen sind. Frauen machen so eine Sch… einfach nicht (Keine Regel ohne Ausnahme: Aileen Wuornos 1956 - 2002).

Was das Alter betrifft: Es dauert einfach eine gewisse Zeit, bis der Wahnsinn ausbricht. Die Jahre davor ist der Serienkiller-Anwärter noch mit den üblichen Vorbereitungen aufs Erwachsenwerden beschäftigt wie Pupertät genießen, Führerschein machen oder Beruf erlernen. Danach, also frühestens ab Anfang 20, hat er Zeit für die Dinge, die ihm wirklich wichtig sind im Leben. Manche Spätpubertierende, die für alles ein wenig länger brauchen, kommen erst um die dreißig oder noch später in die Gänge.

Warum „weiß“ werden Sie fragen? Nun, Serienkiller haben per se keine Vorurteile, sie morden jedoch lieber in Ihrer eigenen Hautfarbengruppe und zwar so zuverlässig, dass man daraus eine Regel ableiten kann. Naja, es gibt auch hier eine berühmte Ausnahme. Jeffrey Dahmer (1960 – 1994) war toleranter als seine Kollegen und hatte auch einige Schwarze unter seinen Opfern. Vielleicht kannte er auch einfach die FBI-Faustformel nicht.

Auf den folgenden Seiten erfahren Sie nun alles über Serienkiller: wo sie vorkommen, ihre Vorgehensweisen, ihre Tricks und wie Sie diesen begegnen können. Mit Hilfe praktischer Checklisten können Sie Ihr neu erworbenes Wissen gezielt anwenden.

Das ideale Opfer

Sie wissen also jetzt, nach wem Sie Ausschau halten müssen. Aber sind Sie als Opfer auch geeignet? Mit anderen Worten: Erfüllen Sie die hohen Kriterien bei der Opferauswahl? Serienkiller sind nämlich wählerischer als die Jungfrau beim Abschlussball. Falls Sie nicht in das strenge Opfermuster des Jack-The-Ripper-Imitators passen, verschmäht er Sie und lässt Sie links liegen. Das wollen Sie doch nicht. Wie jeder normale Mensch streben auch Sie nach Anerkennung und Aufmerksamkeit. Hier die Kriterien, nach denen er Sie auswählt:

• Ihr Alter

• Ihr Aussehen

• Ihre Frisur

• Ihr Beruf

• Ihr Lebensstil

Daraus ergibt sich folgende

Checkliste für das ideale Opfer

• Sie sind jung.

• Sie sind attraktiv.

• Sie sind extrovertiert.

• Sie tragen lange (dunkle) Haare mit Mittelscheitel.

• Sie verkehren an belebten Orten wie Strand, Skihütte, Disco, Altstadtfest oder Mensa.

Wenn Sie obige Anforderungen erfüllen, sind Ihre Chancen, eines Tages seine Bekanntschaft zu machen, als gut bis sehr gut zu bezeichnen. Erfüllen Sie die Anforderungen nur zum Teil, dürfen Sie sich deshalb keineswegs sicher fühlen.

Wo kann es Sie nun treffen, fragen Sie? Da Serienkiller streng nach der Devise handeln „Ich-begehre-das-was-ich jeden-Tag-sehe“, schlägt er nicht nur in der Skihütte oder Disco zu, sondern schon in Ihrer unmittelbaren Umgebung: Beim Bäcker, beim Metzger, beim Obst und Gemüsehandler, in der Apotheke, auf der Bank, in Ihrem Freundes- und Bekanntenkreis oder unter Nachbarn.

Hannibal rät

Verdächtig ist grundsätzlich jeder den Sie kennen oder der Sie kennt. Wenn Sie es nicht glauben, fragen Sie den alten Lateinlehrer Marc Aurel.

Dr. Lecter plaudert aus der Praxis

Sie glauben, unter vielen Menschen kann Ihnen nichts passieren? Je belebter der Ort, desto gefährlicher. Theodore (Ted) Robert Bundy (1946 – 1989), der populärste Serienkiller seit Jack The Ripper, entführt seine Opfer sogar am hellichten Tag und mitten im größten Trubel. Dem ehemaligen Jurastudenten halfen dabei sein gutes Aussehen, sein Charme und seine Redegewandheit.

Eine Frau, die in der Hotelllobby auf Ihren Freund wartete, hatte er schon einige Zeit beobachtet. Im geeigneten Moment sprach er sie in der Lobby an, gab sich als Autoritätsperson aus (Angehöriger des Sicherheitsdienstes oder leitender Angestellter) und lockte sie mit dieser List in ein Zimmer, wo er Sie überwältigte. Der Hotellobby-Trick war bei Bundy keine Ausnahme. Immer wieder verfing seine Masche und er überredete die Frauen, ihn zu abgelegenen Orten zu begleiten.

Begriffsdefinition und Abgrenzung

Zu Beginn jeder wissenschaftlicher Auseinandersetzung mit einem Thema (gelehrtendeutsch: Thematik oder Themenbereich) steht die Begriffsdefinition und deren Abgrenzung.

Das sagt der Duden:

„Se/ri/en/kill/er“, der;

ugs. für Serienmörder; lateinisch: homo serienkillus;

beinahe ausnahmslos männlichen Geschlechts;

begeht eine Reihe gleichartiger Morde aufgrund von Obsession (sog. Zwang zur Serie);

juristische Klassifizierung unter § 211, StGB (Mord);

psychiatrische Klassifizierung als Psychopath oder Soziopath; Gewaltstraftäter;

leitet an emotionaler Fehlfunktion und verminderter sozialer Anpassung;

erfolgreiche Therapie bisher empirisch nicht belegt;

der gemeine Serienkiller kommt weltweit vor und jagt bevorzugt allein in freier Wildbahn, selten zu zweit; oft tage- und nächtelanges Auflauern der Beute;

aufgrund familiär-sozialer Konditionierung ist die Spezies nicht vom Aussterben bedroht;

man unterscheidet verschieden Oberarten (organisiert, unorganisiert) und Unterarten (sexueller Sadist, Kannibale, Pyromane, etc.)

Verwandte und Bekannte

Da es den Serienkillern so ungeheuer (!) viel Spaß macht und sie einfach nicht aufhören können (siehe Kapitel „Warum morden Serienkiller immer wieder?“), reihen sie sich nahtlos in die Reihe anderer Serienverbrecher ein:

• Serienvergewaltiger

• Seriensteuerhinterzieher

• Serienbankräuber

• Serienfremdgänger

• Serieneinbrecher

• Serienzechpreller

• Serienbrandstifter

• Serienausredenerfinder

• Serienbombenleger

• Serienabmahner

• Serienbittsteller

• Seriendarsteller

• Serienfernsehschauer (Serienjunkies)

• Serienromanschreiber

• Serienbriefabsender

• Serienversager

Der Titel – Wer darf sich überhaupt Serienkiller nennen?

Ist die Bezeichnung „Serienkiller“ eigentlich gesetzlich geschützt oder darf sie jeder ungestraft für sich verwenden, wie zum Beispiel den Titel „Psychologe“?

Mitte der 1970er Jahre, zu Zeiten von David Berkowitz, bezeichnete man Bluttaten, die ohne jede Gewinnabsicht verübt werden und sich daher von „normalen“ Verbrechen unterscheiden, als „Morde an Unbekannten“. Dies traf den Sachverhalt aber nur oberflächlich, denn viele Täter kennen ihre Opfer sehr wohl (ich sage nur: Nachtsichtgerät und Lieferwagen). 

1953 ging John Reginald Christie noch als „Massenmörder von Notting Hill” in die Krimimalgeschichte ein. Etwa dreißig Jahren später fing man an, die „Morde an Unbekannten“ wissenschaftlich zu unterscheiden in: Mehrfachmörder, Massenmörder, Spree-Killer und Serienmörder. Bevor wir aber die Haarspaltemaschine anschalten, der Reihe nach:

Der Mehrfachmörder ist einfach ein nichtssagender Oberbegriff, der lediglich andeutet, dass es um mehr als einen Toten geht. Soweit, so gut, bzw. schlecht.

Zum Massenmörder adelt einen die Anzahl von vier Toten, es dürfen natürlich auch mehr sein. Wichtig ist, dass der Killer sie an einem Ort und sozusagen in einem Akt tötet.

Typisch dafür ist etwa der Amoklauf in der McDonalds-Filiale oder an Schulen und natürlich ist ein Massenmord, wie wir aus der Geschichte wissen, beliebig steigerbar.

Etwas komplizierter sieht die Sache beim Spree-Killer aus, der irgendwo zwischen Massenmörder und dem klassischen Serienmörder anzusiedeln ist. Auch der Spree-Killer bringt mehrere Menschen um, aber an verschiedenen Orten. Allerdings erfolgt das Töten aus einem Ablauf heraus und damit innerhalb relativ kurzer Zeit. Man denke hier an einen Amokfeldzug durch die Stadt oder jemand besucht der Reihe nach sämtliche Leute, die ihn früher in der Schule geärgert haben, um sie aus dem Genschatz der Menscheit zu entfernen.

Beim Serienmörder hingegen liegt zwischen allen Morden ein gewisser Zeitraum (Tage, Wochen oder sogar Monate) und somit ist jede Tötung ein Einzelfall. Was nicht heißen soll, dass ein Serienkiller nicht auch mehrere Menschen am selben Tatort auf einmal umbringen kann, aber zur Serie wird es eben erst dadurch, das die einzelnen Taten zeitlich relativ weit auseinander liegen. Mindestens solange, bis der Killer sich zwischendurch wieder abgeregt hat.