Beschreibung

Auch die zerbrochenste Seele wird durch die Liebe Gnade finden ... Xavier "AK" Deyes scheut keine Gefahr. Als der MC erfährt, dass eine der Heiligen Schwestern von Zion von einem Menschenhändlerring verschleppt wurde, zögert AK daher keine Sekunde sich freiwillig zu melden. Seit seiner letzten Begegnung mit dem Kult geht ihm Phebe nämlich nicht mehr aus dem Kopf. Obwohl sie kaum mehr als einen Moment miteinander hatten, erinnert er sich an jedes noch so kleine Detail: rote Haare, blaue Augen, Sommersprossen und ein Lachen, das für AK nach dem Himmel auf Erden klang. Doch als er Phebe endlich aufspürt, ist sie nicht mehr dieselbe: unter Drogen gesetzt und seelisch gebrochen bringt AK nicht nur Phebe zurück ins Hauptquartier der Hangmen, sondern auch die Dämonen seiner eigenen Vergangenheit. Phebe und AK müssen sich entscheiden, ob sie für ewig verflucht sein wollen oder zusammen Frieden finden können. "Eine Serie, die einem lange im Gedächtnis bleibt." HYPABLE Band 5 der düster-sinnlichen "Hades'-Hangmen"-Reihe von USA-TODAY-Bestseller-Autorin Tillie Cole

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Inhalt

Titel

Zu diesem Buch

Widmung

Anmerkung der Autorin

Glossar

Prolog

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Epilog

Bonuskapitel

Leseprobe

Die Autorin

Tillie Cole bei LYX

Impressum

TILLIE COLE

Hades’ Hangmen

AK

Roman

Ins Deutsche übertragen von Silvia Gleißner

Zu diesem Buch

Xavier »AK« Deyes scheut keine Gefahr. Als der MC erfährt, dass eine der Heiligen Schwestern von Zion von einem Menschenhändlerring verschleppt wurde, zögert AK daher keine Sekunde sich freiwillig zu melden. Seit seiner letzten Begegnung mit dem Kult geht ihm Phebe nämlich nicht mehr aus dem Kopf. Obwohl sie kaum mehr als einen Moment miteinander hatten, erinnert er sich an jedes noch so kleine Detail: rote Haare, blaue Augen, Sommersprossen und ein Lachen, das für AK nach dem Himmel auf Erden klang. Doch als er Phebe endlich aufspürt, ist sie nicht mehr dieselbe: unter Drogen gesetzt und seelisch gebrochen bringt AK nicht nur Phebe zurück ins Hauptquartier der Hangmen, sondern auch die Dämonen seiner eigenen Vergangenheit. Phebe und AK müssen sich entscheiden, ob sie für ewig verflucht sein wollen oder zusammen Frieden finden können.

Dieses Buch enthält explizite Szenen, derbe Wortwahl, Gewalt und die Schilderung von sexuellen Übergriffen. Leser*innen, die derart heftige Darstellungen nicht lesen möchten oder durch sie an ein Trauma erinnert werden könnten, wird hiermit geraten, diesen Roman nicht zu lesen. Alle sexuellen Handlungen zwischen Held und Heldin sind einvernehmlich.

Für AK.

Ich habe lange darauf gewartet, deine Geschichte niederzuschreiben.

Anmerkung der Autorin

Wie alle Bände der Hades’ Hangmen enthält der fünfte Teil AK ebenfalls religiöse Praktiken und Erfahrungen, die vielen ungewohnt und unbekannt sein mögen, jedoch inspiriert sind von Glaubensvorstellungen und Traditionen vergangener und existierender Sekten und neuer Religiöser Bewegungen.

Zu Phebes Figur in dieser Geschichte und ihrer Rolle als »Geheiligte Schwester« wurde ich durch eine tatsächliche Glaubensvorstellung angeregt, die sich in vergangenen und existierenden Sekten und neuen Religiösen Bewegungen finden lässt. Die Praktik der »sexuellen Rekrutierung« ist extrem umstritten und verstörend.

Bitte nehmt zur Kenntnis, dass diese Geschichte auch explizite Szenen verstörender und tabuisierter Praktiken, sexuellen Missbrauchs und übermäßiger Gewalt enthält. Manche LeserInnen könnten daran Anstoß nehmen.

Ich möchte euch bitten, eure Rezensionen, Updates und Bearbeitungen SPOILERFREI zu halten, damit alle LeserInnen eine spannende Lektüre haben.

Vielen Dank und viel Spaß beim Lesen!

Glossar

(nicht in alphabetischer Reihenfolge)

Terminologie des Ordens

Der Orden: Apokalyptische Neue Religiöse Bewegung. Glaubensvorstellung basiert auf ausgewählten christlichen Lehren und dem starken Glauben daran, dass die Apokalypse kurz bevorsteht. Zuvor angeführt von Prophet David (erklärte sich selbst zu einem Propheten Gottes und Nachfahren König Davids), den Ältesten und den Jüngern. Nachgefolgter Anführer ist Prophet Cain (Neffe von Prophet David).

Die Mitglieder leben zusammen in einer abgeschiedenen Gemeinde, basierend auf traditioneller und bescheidener Lebensweise, Polygamie und unorthodoxen religiösen Praktiken. Sie glauben, die Außenwelt sei sündhaft und böse. Kein Kontakt zu Nichtmitgliedern.

Gemeinde: Grundstück im Besitz des Ordens und kontrolliert von Prophet Cain. Abgeschieden lebende Gemeinschaft. Kontrolliert von Jüngern und Ältesten und schwer bewaffnet für den Fall eines Angriffs von der Außenwelt. Männer und Frauen leben in getrennten Bereichen der Gemeinde. Die Verfluchten sind getrennt von allen Männern (ausgenommen den Ältesten) in eigenen privaten Quartieren untergebracht. Das Gelände wird durch einen großen Grenzzaun geschützt.

Neu Zion: Neue Gemeinde des Ordens. Entstand nach der Zerstörung der vorherigen Gemeinde im Kampf gegen die Hades’ Hangmen.

Älteste des Ordens (ursprüngliche Gemeinde): Bestehen aus vier Männern: Gabriel (tot), Moses (tot), Noah (tot) und Jacob (tot). Verantwortlich für die alltägliche Führung der Gemeinde. Stellvertreter von Prophet David (tot). Verantwortlich für die Schulung der Verfluchten.

Ratsälteste von Neu Zion: Männer von erhabenem Status in Neu Zion. Ernannt von Prophet Cain.

Hand des Propheten: Position von Bruder Judah (tot). Stellvertreter von Prophet Cain. Beteiligt an der Führung von Neu Zion und allen religiösen, politischen oder militärischen Entscheidungen den Orden betreffend.

Wächterjünger: Männliche Mitglieder des Ordens. Beauftragt mit der Verteidigung des Landbesitzes der Gemeinde und der Mitglieder des Ordens.

Göttliche Teilhabe: Ritueller Sexualakt zwischen männlichen und weiblichen Mitgliedern des Ordens. Gilt als Hilfe für die Männer, dem Herrn beständig näherzukommen. Wird in Massenzeremonien vollzogen. Häufige Nutzung von Betäubungsmitteln für übersinnliche Erfahrungen. Frauen ist es verboten, Lust zu erfahren, als Strafe dafür, dass sie Trägerinnen der Erbsünde von Eva sind, und sie müssen den Akt auf Verlangen als Teil ihrer schwesterlichen Pflichten vollziehen.

Erweckung: Übergangsritus des Ordens. An seinem achten Geburtstag muss ein Mädchen sexuell »erweckt« werden, von einem Mitglied der Gemeinde oder, bei besonderen Gelegenheiten, einem Ältesten.

Heiliger Kreis: Religiöse Praktik, die das Konzept der »freien Liebe« erkundet. Sexueller Verkehr mit vielen Partnern in der Öffentlichkeit.

Geheiligte Schwester: Auserwählte Frau des Ordens, deren Aufgabe es ist, die Gemeinde zu verlassen, um die Botschaft des Ordens mithilfe sexueller Handlungen zu verbreiten.

Die Verfluchten: Frauen oder Mädchen, die vom Orden als von Natur aus zu schön und angeboren sündhaft erachtet werden. Leben vom Rest der Gemeinde getrennt. Gelten als zu große Versuchung für Männer. Man glaubt, dass die Verfluchten wesentlich wahrscheinlicher Männer vom rechten Wege abbringen.

Erbsünde: Christliche Glaubenslehre des Augustinus, die besagt, dass jeder Mensch in Sünde geboren ist und einen angeborenen Drang zum Ungehorsam gegenüber Gott besitzt. Die Erbsünde ist das Ergebnis des Ungehorsams von Adam und Eva gegenüber Gott, als sie von der verbotenen Frucht im Garten Eden aßen. In der Lehre des Ordens (aufgestellt von Prophet David) wird Eva die Schuld an der Verführung Adams zur Sünde zugewiesen, und daher werden die Schwestern des Ordens als geborene Verführerinnen und Versucherinnen betrachtet und müssen den Männern gehorchen.

Sheol: Begriff im Alten Testament mit der Bedeutung »Grube«, »Grab« oder »Totenreich«. Ort für die Toten.

Glossolalie: Unverständliche Sprechweise von Gläubigen im Zustand religiöser Ekstase. Annahme des Heiligen Geistes.

Diaspora: Zerstreuung einer Gemeinschaft außerhalb ihrer ursprünglichen Heimat.

Hügel der Verdammnis: Hügel am Rand der Gemeinde. Wird genutzt zur Isolierung von Bewohnern von Neu Zion und für Bestrafungen.

Männer des Teufels: Bezeichnung für die Hades’ Hangmen.

Gefährtin des Propheten: Von Prophet Cain auserwählte Frau zu sexueller Fürsorge. Erhabene Stellung in Neu Zion.

Hauptgefährtin des Propheten: Ernannt von Prophet Cain. Erhabene Stellung in Neu Zion. Bezeichnet die Gefährtin, die dem Propheten am nächsten steht. Erwählte Sexualpartnerin.

Himmlische Andacht: Akt des spirituellen Geschlechtsverkehrs. Teil des Glaubens und praktiziert von Mitgliedern des Ordens. Zweck ist das Erreichen einer engeren Verbindung zu Gott durch sexuelle Erfüllung.

Heimführung: Rückführung einer Person in sein oder ihr Land. Die Heimführung des Ordens beinhaltet die Rückführung aller Mitglieder der Glaubensgemeinschaft aus auswärtigen Gemeinden nach Neu Zion.

Erste Berührung: Erster Geschlechtsverkehr mit einer Jungfrau.

Terminologie der Hades’ Hangmen

Hades’ Hangmen: Onepercenter Outlaw MC. Gegründet im Jahre 1969 in Austin, Texas.

Hades: Gott der Unterwelt in der griechischen Mythologie.

Gründungschapter: Erste Niederlassung des Clubs. Gründungsort.

Onepercenter: Die American Motorbike Association (AMA) soll einmal verkündet haben, neunundneunzig Prozent der Biker seien gesetzestreue Bürger. Biker, die sich nicht den Regeln der AMA unterwerfen, nennen sich selbst »Onepercenter« (das übrige, nicht gesetzestreue eine Prozent). Die große Mehrheit der Onepercenter gehört Outlaw MCs an.

Kutte: Lederjacke, die von Outlaw-Bikern getragen wird. Geschmückt mit Aufnähern und Grafiken, die die spezifischen Farben des Clubs zeigen.

Patched-in: Wenn einem Neumitglied die volle Mitgliedschaft gewährt wird.

Kirche: Clubtreffen für Vollmitglieder. Geleitet vom Präsidenten des Clubs.

Old Lady: Frau mit Status einer Ehefrau. Wird von ihrem Partner beschützt. Status gilt als unantastbar durch Clubmitglieder.

Clubschlampe: Frau, die das Clubhaus für zwanglosen Sex mit Clubmitgliedern besucht.

Braut: Bezeichnung für Frauen im Biker-Milieu. Kosename.

Zum Hades/Im Hades: Slang. Bezieht sich auf Sterbende oder Tote.

Zum Fährmann/Beim Fährmann: Slang. Sterbend oder tot. Bezieht sich auf Charon in der griechischen Mythologie. Charon war der Fährmann der Toten, ein Unterweltdämon (Geistwesen). Transportierte Seelen der Verstorbenen in den Hades. Die Gebühr für die Überfahrt über die Flüsse Styx und Acheron in den Hades bestand in Münzen, die beim Begräbnis auf die Augen oder den Mund des Toten gelegt wurden. Wer die Gebühr nicht zahlte, blieb zurück und musste einhundert Jahre lang an den Ufern des Styx umherwandern.

Organisationsstruktur der Hades’ Hangmen

Präsident (Präs): Anführer des Clubs. Inhaber des Richterhammers, der die absolute Macht des Präsidenten repräsentiert. Der Hammer wird genutzt, um Ordnung in der Kirche zu halten. Das Wort des Präsidenten ist Gesetz innerhalb des Clubs. Er lässt sich von altgedienten Clubmitgliedern beraten. Niemand stellt die Entscheidungen des Präsidenten infrage.

Vizepräsident (VP): Stellvertreter. Führt die Befehle des Präsidenten aus. Hauptsächlicher Kommunikator mit anderen Chaptern des Clubs. Übernimmt alle Verantwortungen und Pflichten des Präsidenten in dessen Abwesenheit.

Road Captain: Verantwortlich für alle Clubtreffen. Recherche, Planung und Organisation von Clubtreffen und Ausfahrten. Hochrangiger Cluboffizier, berichtet nur an den Präsidenten oder VP.

Sergeant-at-Arms: Verantwortlich für die Sicherheit im Club, Wachdienst und Ordnung bei Club-Events. Meldet unangemessenes Verhalten an den Präsidenten und den VP. Verantwortlich für Sicherheit und Verteidigung des Clubs, seiner Mitglieder und Anwärter.

Schatzmeister: Führt Buch über alle Einnahmen und Ausgaben. Führt Buch über alle Aufnäher des Clubs, die ausgegeben oder aberkannt wurden.

Sekretär: Verantwortlich für Erstellung und Pflege aller Clubberichte. Muss Mitglieder bei Notfalltreffen benachrichtigen.

Prospect: Probemitglied des MC. Darf an Treffen teilnehmen, aber keine Versammlungen in der Kirche besuchen.

Prolog

AK

Plano, Texas-KlanVor elf Jahren …

»Ich gehe zu den Marines!«, verkündete ich und stürmte in die Küche.

Devin, der gerade am Tisch saß und die Zeitung las, blickte auf. »Was?«, rief er stirnrunzelnd.

Ich stand da und rang nach Luft, denn ich war ganz aus der Puste gekommen, als ich nach Hause rannte. Dann zog ich die Lederjacke aus und warf sie über eine Stuhllehne. »Ich habe mich gerade verpflichtet.« Ich lächelte und scheiterte grandios dabei, die Aufregung aus meiner Stimme herauszuhalten. »Genau wie du. Ich bin dem Corps beigetreten.«

Devin sah mich blinzelnd an, sagte aber nichts. Er brachte mich ganz aus dem Konzept. »Dev …« Er schlug fest mit der Faust auf die Tischplatte. Dann stand er auf und rieb sich übers Gesicht. »Was zur Hölle hast du bloß angestellt, X?«

Ich schüttelte verständnislos den Kopf. »Was? Was ist denn?«

Mein Bruder seufzte und schaute aus dem Küchenfenster. »Was los ist? Du fragst mich, was los ist?« Er holte tief Luft und atmete langsam wieder aus, als wolle er sich beruhigen. »Das ist nicht das Leben, das ich für dich wollte. Du bist mein kleiner Bruder, und du hast mehr Grips in deinem dummen Schädel, als ich je hatte. Ich habe damit gerechnet, dass du aufs College gehst oder so. Nicht zum verdammten Corps.«

»Ich will nicht aufs College, Dev. Ich will dort drüben sein und auch kämpfen. An deiner Seite.«

Dev sah nach wie vor aus dem Fenster, doch ich bemerkte, wie er zusammenzuckte. »Dev …«, versuchte ich es wieder, mir fiel allerdings nichts ein, was ich noch sagen konnte. Mein Bruder benahm sich merkwürdig.

»Du hast ja keine Ahnung, wie es da draußen ist, X.« Endlich wandte er sich mir zu. Er hatte einen gequälten Ausdruck im Gesicht, und jedes Wort kam wie ein Gewehrschuss. »Nicht die geringste Ahnung, verdammt.«

Ich konnte es nicht ertragen, ihn so zerknirscht zu sehen, also ging ich zu ihm und legte die Hand auf seinen angespannten Arm. »Ich will kämpfen, Dev. Ich …« Ich lachte, denn mir war klar, dass sich das gleich total pathetisch anhören würde. »Ich will für unser Land kämpfen, so wie du. Ich … ich will so sein wie du, Dev. Das wollte ich schon immer.«

Devins Augen funkelten. Seufzend packte er mich am Kragen und drückte mich an seine breite Brust. Ich kämpfte um Luft, als er mich fest umarmte. »Wann musst du dich melden?« Devins Stimme klang rau, als bekäme er die Worte kaum aus dem Mund.

»In acht Wochen.«

»Fuck, Kleiner«, sagte er. »Welcher MOS-Code?«

»Scout Sniper.« Ich zuckte mit den Schultern. »Du weißt ja, dass ich echt gut im Schießen bin.«

Devin versteifte sich und zwang sich dann, sich wieder locker zu machen. Es mussten mehrere Minuten vergangen sein, bis er mich wieder losließ. Ich war achtzehn, Dev sechsundzwanzig. Er war zum Corps gegangen, als er in meinem Alter war, und sobald er konnte, hatte er uns aus dem erbärmlichen Dasein mit unseren dauerbesoffenen Eltern geholt und uns ein besseres Leben ermöglicht.

Er hatte uns gerettet. Aus der verdammten Gosse geholt.

Er war mein gottverdammter Held.

Devin wich zurück und drückte mir einen Kuss auf die Stirn. Inzwischen war ich ein paar Zentimeter größer als er und immer noch nicht ausgewachsen, aber neben Dev hatte ich mich stets kleiner gefühlt. Er hatte einfach so eine überlebensgroße Haltung – also, zumindest früher mal. Nach den letzten beiden Einsätzen hatte er sich verändert. Und der letzte, im Irak, war der schlimmste gewesen. Ich wusste, es lag daran, dass er sein Zuhause vermisste. Aber wenn ich am Ende am selben Ort wie er stationiert wurde, musste er nicht mehr allein sein. Dann wären wir echte Waffenbrüder.

»Ich wollte, dass du es einmal besser hast und etwas aus deinem Leben machst, Kleiner«, erklärte er.

Ich sah ihm direkt in die Augen. »An deiner Seite kämpfen, für unser Land und die Freiheit? Besser geht es doch gar nicht«, sagte ich leise.

Devins Miene blieb unverändert. Ich sah keinerlei Freude darin. Nur Enttäuschung. »Ich meinte so was wie Arzt oder Rechtsanwalt werden oder so, X.« Er tippte mir an den Kopf. »Irgendwas, wo du das hier benutzt.«

»Scharfschützen sind die total krassen Typen, Dev. Das hat der Rekrutierungsoffizier auch gesagt. Schlau, geduldig, konzentriert. Man muss etwas Besonderes sein, um Scout Sniper zu werden. Dazu braucht es Fähigkeiten, die nicht jeder hat.« Ich warf mich in die Brust. »Und ich kann so jemand sein.« Ich schluckte den Kloß hinunter, der mir auf einmal die Kehle zuschnürte. »Ich kann gut darin sein … wie du. Ein guter Marine.«

Devins Schultern sanken herab, und ein kurzer Ausdruck von Stolz huschte über sein Gesicht. »Ich weiß, dass du das kannst, Kleiner«, sagte er mit erstickter Stimme. »Darum mache ich mir keine Sorgen, das habe ich nie. Ich wollte nur … nur …«

»Wir können gemeinsam kämpfen, und wenn wir Urlaub haben, können wir nach Hause kommen, Bier trinken, an unseren Harleys rumschrauben und einfach herumfahren, bis wir wieder ausrücken müssen.Dasist genau meine Vorstellung vom amerikanischen Traum.« Ich grinste breit. »Stell dir das mal vor, Dev. Das wird unser Leben.« Ich sah ihm direkt in die Augen. »Für mich gibt es nichts Besseres als Familie, unser Land zu verteidigen und auf freier Straße zu fahren. Das ist es, was ich will. Ganz echt.«

Dev sah aus, als wollte er widersprechen und mir irgendwelchen Mist erzählen, um mich davon abzubringen, aber da kam eine Stimme von der Tür.

»Was willst du ganz echt, Xavier?« Ich drehte mich um und sah, dass meine Schwägerin Tina mich und meinen Bruder neugierig musterte.

Bevor ich antworten konnte, legte Dev ihr den Arm um die Schultern und sagte: »Der kleine Scheißer hat sich gerade beim Corps eingeschrieben. Scout Sniper.«

Tinas Augen wurden groß, und ich sah eine Mischung aus Stolz und Sorge darin. »Stimmt das, Xavier?«

»Jawohl, Ma’am.«

Sie drückte sich die Hand auf den Mund, und anschließend machte sie einen Satz vorwärts und umarmte mich. »Ich bin ja so stolz auf dich«, flüsterte sie. Danach trat sie einen Schritt zurück. »Also, dann muss ich mir ab jetzt um euch beide Sorgen machen, wenn ihr weg seid. Na großartig!«

Ich knuffte Devin spielerisch in die Schulter. »Ich passe auf ihn auf, versprochen«, sagte ich und lachte, als mein Bruder die Augen verdrehte.

Tina lachte auch, aber ich sah, dass sie immer noch besorgt war.

Devin und sie waren ein Paar, seit sie fünfzehn waren. Tina sagte immer, ich wäre auch ihr Bruder; so betrachtete sie mich. Allerdings war sie mehr als eine Schwester. Für mich war sie die einzige Mutter, die ich je wirklich gehabt hatte. Sie hatte mich aufgezogen, sich um mich gekümmert, wenn ich krank war, und mir mit der Schule geholfen. Wenn Dev weg war, im Einsatz, gab es bloß sie und mich. Na ja, sie, mich und …

»Onkel X!« Kleine Füße trappelten durch den Flur, und mein vierjähriger Neffe kam hereingestürmt.

»Zane! Sieh zu, dass du herkommst, Junge!«

Er warf sich an meine Beine, und ich hob ihn hoch.

»Weißt du was?«, fragte ich, als er den Kopf an meine Schulter legte.

Er hob den Kopf und sah mich an.

»Ich werde Soldat, genau wie dein Dad.«

Ihm blieb der Mund offen stehen. »Wow! Ein echter Soldat? Genau wie Daddy?«

»Jawohl.«

»Cool!«

»Tja«, meinte Devin neben uns, »sieht wohl so aus, als sollten wir ein paar Steaks kaufen gehen. Es passiert schließlich nicht alle Tage, dass der kleine Bruder zu einem gottverdammten Mann wird.«

»Einem gottverdammten Mann!«, wiederholte Zane laut. Ich konnte nicht anders als über sein niedliches Gesicht lachen. Ich liebte diesen Kleinen. Er war mein verdammter Schatten, immer in meiner Nähe. Und ich spürte plötzlich ein schmerzhaftes Ziehen in der Magengegend. Ich würde die ganze Familie vermissen, wenn ich ausrücken musste, aber dieser kleine Scheißer würde mir am meisten fehlen. Er war das gottverdammt Beste in meinem Leben.

Tina nahm mir Zane aus den Armen und tippte ihm auf die Nasenspitze. »Nicht fluchen, kleiner Mann. So etwas dürfen nur erwachsene Männer.«

Zane sah aus, als wollte er protestieren, doch Tina bedachte ihn mit ihrem berüchtigten Blick, der sämtliche Männer der Familie Deyes warnte, schleunigst die Klappe zu halten, denn ansonsten würden sie es mit ihr zu tun bekommen.

Zane schnaubte, aber als ich ihm verstohlen zuzwinkerte, grinste er zurück. Und ich konnte schon vor mir sehen, wie er sich entwickeln würde. Zane war genau wie Dev und ich. Ein Deyes durch und durch. Er würde uns zweifellos ins Corps folgen. Wir alle würden der Flagge dienen, alt werden, eben unser Leben leben.

Devin legte mir die Hand auf die Schulter. »Geh und hol deine Maschine, Kleiner. Wir fahren eine Runde, danach wird gegrillt, und dann machen wir aus dir den besten Scharfschützen, der je für die USA gekämpft hat.«

Genau so machten wir es.

Und es war der schönste Tag in meinem Leben.

Kapitel 1

AK

Quartier der Hades’ Hangmen Austin, TexasHeute …

Ich machte die Knöpfe meiner Jacke auf und versuchte in der stickigen Hitze ein wenig Luft zu bekommen. Das Tor schlug hinter uns zu. Ich hob die Hand und wischte mir Sand und Dreck aus dem Gesicht. Mein ganzer Körper fühlte sich an, als bestünde er aus Staub und Schmutz.

Ich konnte kaum die Beine bewegen, so erschöpft war ich. Ich blickte auf meine Hand und sah sie zittern.

»Alles in Ordnung?«, fragte Bones.

Ich warf meinem Spotter und engsten Freund einen Blick zu. Er war auch kreidebleich im Gesicht, aber ich konnte erkennen, dass er sich, genau wie ich, zusammenriss. Eine merkwürdige Mischung aus Adrenalin und Schuldgefühlen tobte in mir, als ich an die letzten beiden Tage zurückdachte. Das Geräusch der Kugeln, die aus dem Lauf meiner Waffe kamen und die Schädel der Scheißkerle durchschlugen. »Direkter Treffer!«, kam es von Bones neben mir, während ich meine Ziele im Auge behielt.

»Drei«, meldete Bones und hob seine schlaksigen Arme, um seinen Helm abzunehmen.

Ich nickte bestätigend, sagte aber nichts, denn ich war mir sowieso nicht sicher, ob mein Mundwerk mitmachen würde.

Drei.

Jeder ein direkter Treffer.

Dann sah ich ihn aus seinem Zelt kommen. Er eilte auf mich zu. »X!«, rief er. Ich blieb auf der Stelle stehen, und der Sand knirschte unter meinen Füßen.

Bones legte mir die Hand auf die Schulter. »Wir sehen uns später, ja? Schlaf ein wenig.«

»Ja«, antwortete ich. Bones ging, und ich sah meinen Bruder an.

»Ich habe es über Funk gehört.« Devin legte mir die Hand an den Hinterkopf und senkte sie dann an meine Schulter. Meine Haare waren inzwischen weg. Abrasiert. Ich war jetzt ein Marine durch und durch. »Alles gut?«

»Ja«, antwortete ich und lachte dann. Ich hatte keine verdammte Ahnung, wieso ich das tat. »Mir geht es gut.« Ich sah mich um – die Zelte, die Marines, die umherliefen, die Trucks, die be- und entladen wurden. Es war total komisch – der Gegensatz von dort draußen zu hier drin. Jenseits und diesseits des Tors, zwei völlig verschiedene Welten.

»Drei.« Ich spürte, wie Devin die Hand wegnahm. »Ich habe drei von den Typen erwischt.« Ich lachte wieder und grinste vor lauter Anspannung. Aber mein Herz hämmerte. Und meine Hände wollten einfach nicht aufhören zu zittern.

Devin legte den Arm um meine Schulter und ging mit mir vom Eingang zur Basis weg. »Na komm, X. Du brauchst einen Drink.«

Ich ließ mich von Devin zu seinem Zelt führen. Aber selbst als er mir bedeutete, mich zu setzen, und mir einen Whiskey gab, ließ ich meine Waffe nicht los. Ich konnte sehen, dass er mich voller Sorge betrachtete, doch das war mir egal. Ich hatte gerade drei Menschen getötet. Meine allerersten bestätigten Abschüsse.

Als mein Becher leer war, füllte Devin nach. »Es wird einfacher.« Er setzte sich auf den Rand seiner Koje, genau vor mich hin.

Ich sah ihm in die Augen. »Von diesem Moment an wird es zu deiner zweiten Natur und macht dir nicht mehr so viel aus. Versprochen.«

Ich holte tief Luft und ließ seine Worte sacken – und ich hoffte, dass er recht hatte …

Der Geruch von brutzelndem Speck riss mich aus meinem Traum. Mein Herz hämmerte wie irre, als ich mich an jenen Tag erinnerte. Meine Hände zitterten, als wäre ich zurück in der trockenen Hitze. Auf der verdammten Basis … mit Dev. Sieh zu, dass du runterkommst, befahl ich mir und versuchte die Erinnerung aus meinem Kopf zu verdrängen.

Es dauerte fünf Minuten, bis sie verschwand.

Meine Lider fühlten sich schwer an, als ich sie einen Spalt öffnete und zusammenzuckte, als die Sonne durchs Fenster hereinschien. Ich stöhnte und griff mir an den Kopf, als die Auswirkungen vom Tequila gestern Nacht in meinen Schädel krachten und mir ein verdammt lautes Hallo, kennst du mich noch? zubrüllten.

»Shit«, knurrte ich, schob die Beine über die Bettkante und wartete darauf, dass das Zimmer aufhörte, ständig zur Seite zu kippen. Als der Schaukelstuhl in der Ecke aufhörte, sich im Kreis zu drehen, stemmte ich mich auf die Füße und streckte meinen steifen Nacken.

Irgendwas zog an meinem Oberkörper. Ich schaute nach unten: Da waren doch tatsächlich Kratzspuren vom Hals bis zum Unterleib. Ich hatte in Jeans geschlafen, denn ich war offensichtlich zu betrunken gewesen, um mich auszuziehen.

Was zur Hölle war passiert? Ich ging ins Bad und schloss die Augen, während ich ungefähr einen Viertelliter Tequila auspisste.

Dann ging ich zum Waschbecken, tauchte das Gesicht in kaltes Wasser und spülte danach den Mund mit Mundwasser aus. Anschließend ging ich durch die Tür und folgte dem Geruch von Speck. Ash stand am Herd, schon in Jeans und Hangmen-Shirt. Ein totaler Flame im Miniformat in meinem Zuhause. Tattoos, Piercings und dazu diese vollkommen schwarzen Haare und Augen.

Er blickte auf, als ich in die Küche kam. Der kleine Scheißer wagte es doch tatsächlich, spöttisch zu grinsen. Ich zeigte ihm den Mittelfinger und ließ mich auf einen Stuhl fallen. Zwei Gläser tauchten vor mir auf: eins mit Orangensaft und eins mit einem Tequila-Shot.

Ich stöhnte, als ich erst den Patrón kippte und dann den O-Saft bis zum letzten Tropfen austrank. »Danke, Kleiner«, sagte ich und hörte ihn daraufhin lachen. »Wieso zum Teufel hast du keinen Kater wie ich, du kleiner Mistkerl? Das Letzte, was ich weiß, ist, dass du und Slash mit Viking einen Whiskey nach dem anderen um die Wette gekippt habt.«

Er zuckte mit den Schultern. »Stimmt. Ich habe einfach nie so richtig einen Kater.«

»Ich hasse dich.« Ich schlug halbherzig in Richtung seiner Schulter, aber der Mistkerl wich einfach aus.

Ich rieb mir über die Augen. Essensgeruch drang mir in die Nase, und ich ließ die Hand sinken, um ein komplettes Frühstück vor mir zu sehen. Mein Magen knurrte anerkennend. Ash grinste immer noch spöttisch, also nickte ich und sagte: »Na schön, ich verzeihe dir.«

»Und was? Dass ich sechzehn bin und Alkohol besser vertrage als du, alter Mann?«

Ich stopfte mir fettige Eier und Speck in den Mund und schluckte. »Ich lasse es dir durchgehen. Aber nur, weil es mich jetzt gerade zu viel Anstrengung kosten würde, dich auszuknocken.«

Ich schlang mein Frühstück in mich hinein, lehnte mich dann zurück und rieb mir über den Bauch. Als meine Finger über die frischen Kratzer dort strichen, zuckte ich zusammen. »Weißt du, was hier passiert ist?«

Ash ließ die Gabel sinken und wackelte mit den Augenbrauen. »Na klar.« Er lehnte sich zurück und tat so, als würde er nachdenken. »Sie war so gerade mal ein Meter fünfzig groß, hatte blau gefärbte Haar und die größten Titten, die du je gesehen hast.«

Ich zermarterte mir das Hirn in dem Versuch, mir die letzte Nacht zu vergegenwärtigen, doch ich erinnerte mich nur bruchstückhaft daran, wie ich sie über mein Bett im Clubhaus gebeugt vögelte … und sie mir den Leib zerkratzt hatte, als ich sie umdrehte und noch mal von vorn anfing.

Das und ihr künstliches Gejaule. Clubschlampe eben. So eine sollte lernen, sich einfach brav hinzulegen und mich machen zu lassen, ohne das ganze schrille Gemaunze.

»Fuck«, stöhnte ich.

Ash wurde still, und dann schaute er mich durch sein schwarzes Haar, das ihm in Strähnen ins Gesicht fiel, hindurch an und fragte: »Weißt du noch, was ich dir gestern Nacht erzählt habe?«

Ich versuchte nachzudenken. Schließlich gab ich es auf und schüttelte den Kopf. »Tut mir leid, Kleiner. Du musst meinem Gedächtnis auf die Sprünge helfen.«

Ash zog den Kopf ein, und plötzlich war das Kind wieder da, das er gewesen war, als wir ihn in diesem verdammten Höllenloch in West Virginia gefunden hatten. In letzter Zeit machte Lil’ Ash sich echt gut. Der Kleine war witzig. Und vertrauenswürdig. Er passte in den Club. Er liebte das Leben bei den Hangmen, tat alles, was er konnte, um hierzubleiben, und gab sich derart Mühe, es allen recht zu machen, als glaubte er, wir würden ihm jeden Moment sagen, dass er sich verpissen solle.

Aber das würden wir nie tun. Er war jetzt einer von uns. Doch ich war mir sicher, dass Ash sich nicht gestattete, das zu glauben. Außerdem liebte der Junge seinen Bruder. Und Flame … tja, Flame war eben Flame. Allerdings kannte ich ihn besser als jeden anderen. Er liebte Ash, war aber nicht fähig, ihm das zu zeigen oder zu sagen.

»Ich … ich habe dir erzählt, dass ich mich für die Marines interessiere. Ich will Scharfschütze werden, so wie du.«

Das hatte ich nicht erwartet. Also rechnete ich auch nicht mit der verdammten Brechstange, die mir in den Leib krachte, als er mir das sagte. Ich erstarrte und sah Ash an, der mit gesenktem Kopf am Tisch saß und nervös seine Hände knetete.

»Du willst dem Corps beitreten?« Meine Kehle war wie zugeschnürt, und es war ein echter Kampf, den Satz herauszubringen. »Du bist erst sechzehn.«

»Ich … ich weiß, aber du bringst mir schon seit Monaten Schießen bei, und du hast es selbst gesagt: Ich bin gut.«

»Das bist du auch, genau genommen sogar erstaunlich gut, aber erst musst du deinen Abschluss machen.«

Ash nickte, aber ich konnte sehen, dass meine Reaktion ihm nicht gefiel.

Ich beugte mich vor. »Gehst du denn nicht gern in die Schule?«

»Na ja.«

Ich seufzte und gab mir Mühe, mich zusammenzureißen. Diese Unterhaltung war mir nur zu vertraut. Mir gefror das Blut in den Adern, und mir war, als würden mir zwei massige Hände die verdammte Luft abdrücken. »Ash«, sagte ich leise und sah, wie er ein trauriges Gesicht machte, »sieh mich an.«

Er tat, was ich sagte. In all den Monaten, die er bereits bei mir lebte, hatte der Junge noch nie etwas falsch gemacht. Er tat immer, was ich sagte. In der Hinsicht hätte er einen verdammt guten Marine abgegeben – gehorsam, diszipliniert. Aber das würde ich unter meiner Aufsicht nicht geschehen lassen.

Keine verdammte Chance.

»Alles okay?«, fragte Ash.

Ich rutschte auf meinem Stuhl hin und her. »Du bist schlau, Junge. Klug. Aber du bist noch jung. Ich weiß, du siehst das anders, oder zumindest empfindest du es anders. Fuck, nach dem, was du durchgemacht hast, verstehe ich das auch. Du bist kein normaler Teenager. Hast nicht bloß Mädchen im Kopf oder das, was andere Sechzehnjährige eben so machen. Aber ich werde mein Einverständnis nicht dazu geben, dass du so früh dem Corps beitrittst. Das wird nicht passieren.«

Ash blickte aus dem Fenster, und ich fuhr fort: »Und ich bin mir absolut sicher, dass Flame das auch nicht zulassen wird.« Ash drehte ruckartig den Kopf zu mir. Er wirkte überrascht. »Unser Bruder käme nicht klar damit, wenn du gehst, also geben wir ihm besser keinen Grund, auszuflippen, ist das klar?«

»Flame?«, fragte Ash verwirrt. »Ich …« Seine Schultern sanken herab. »Ich bin mir nicht sicher, ob es ihm etwas ausmachen würde.«

Und da war er. Der Grund, wieso Ash mich wegen einer Karriere bei den Marines um Rat fragte. Ich nahm Ashs halb volle Tasse Kaffee und kippte das heiße Gebräu in mich hinein. »Ich verstehe, dass er nicht viel mit dir redet. Ich kapiere auch, dass er die meiste Zeit mit Maddie verbringt. Aber ich sage dir jetzt was: Dieser Psycho liebt dich mehr, als er dir je wird sagen können. Okay?«

Ash schluckte, und verdammt, aber wenn mich nicht alles täuschte, hatte er Tränen in den Augen. »Glaubst du?«

Ich legte ihm die Hand auf die Schulter. »Du bist einer der ganz wenigen Menschen, die er in seiner Nähe duldet. Da gibt es Madds, klar, weil sie sein Mädchen ist, und sie ist zu ihm durchgedrungen, als es sonst niemand mehr geschafft hat. Dann Vike und ich. Das ist eine ziemlich lange Geschichte – wir haben zusammen eine Menge Mist gesehen und durchgestanden.« Ich drückte seine Schulter. »Und dann dich.«

Ash holte scharf Luft und atmete langsam wieder aus.

»Er ist durch und durch ein Hangman, und er würde alles für seine Brüder tun, aber er hat die übrigen von ihnen nie so sehr in seine Nähe gelassen wie uns«, fuhr ich fort und zeigte aus dem Fenster auf unsere kleine Ansammlung von Hütten, tief im Land um das Quartier der Hangmen. »Das, genau hier, ist das, was ihn davon abhält, zu zerbrechen. Und ob du es glaubst oder nicht: Davon bist du jetzt ein wichtiger Teil.«

Der Schraubstock um meine Kehle wurde lockerer, als ich ein Lächeln auf seinen gepiercten Lippen aufflackern sah. »Im Moment, Kleiner, bist du der vierte Mann in unserem verkorksten Trio.« Ich grinste. »Und ich werde mich nicht mit Flame herumschlagen, wenn der durchdreht, weil wir ihm sagen, dass du eingezogen wirst und ich nichts dagegen habe. Irgendwie mag ich meinen Schwanz, und ich würde es vorziehen, wenn er möglichst weit weg vom Sägemesser deines Bruders bleibt.«

Ash lachte, und ich grinste erleichtert und schob ihm meinen leeren Teller hin. »Also, dann leg mal los. Diese Teller waschen sich nicht von allein ab.«

Ash stand vom Tisch auf, aber als er die Teller eingesammelt hatte, hielt ich ihn am Ellbogen zurück. »Außerdem dachte ich, du arbeitest gern an Motorrädern, oder? Du verbringst Stunden mit Flame bei seiner Harley oder im Shop mit Tank. Tank meint, du bist richtig gut und könntest der verdammt beste Mechaniker werden, den wir haben. Wenn du zu den Hangmen gehörst, Bruder, dann hast du ausgesorgt.«

»Ich mag Motorräder«, antwortete er nach ein paar Sekunden des Schweigens. »Ich mag sie wirklich. Sie ergeben Sinn für mich.«

»Dann bleibe dabei, ja? Und wenn du erst Vollmitglied im Club bist, bekommst du auch einen Anteil an den Profiten der Hangmen. Dann wird es dir echt bestens gehen, Kleiner.«

Der Gedanke, zum Vollmitglied bei den Hades’ Hangmen zu werden, gefiel ihm offensichtlich, denn er strahlte vor Stolz.

»Also dann, jetzt wird abgespült«, befahl ich. »Bis du Vollmitglied bist, musst du die Routinearbeiten machen.« Ich zuckte mit den Schultern. »So ist es nun einmal.«

»Jawohl, Sir«, antwortete er, denn er wusste, dass ich es hasste, wenn der Jungspund mir das Gefühl gab, alt zu sein.

Das saß wirklich.

Ich griff hinter mir in den Schrank, nahm zwei Ibuprofen heraus und schluckte sie trocken hinunter. Gerade als ich aufstehen wollte, um ins Bad zu gehen, flog die Vordertür auf, und einer unserer Männer schlenderte herein.

»Morgen, ihr Schwanzlutscher! Scheißwundervoller Tag heute!«

Ich stöhnte laut auf, als Vikings gottverdammte Stimme sich in meinen Schädel bohrte. Ich schaute ihn an, und er grinste mich an wie ein hässlicher Riese. Dann schnüffelte er und stürmte gleich darauf blitzschnell zum Herd, um zu sehen, was noch zu essen da war.

»So langsam denke ich, ich sollte mir vielleicht auch so einen Jungen mieten und ihn mir als Mitbewohner zulegen. Er kocht, macht sauber … fuck!« Er drehte sich zu Ash um, der sein Bestes gab, unseren Arsch von Bruder zu ignorieren. »Lutschst du auch Schwänze?«

Ich machte den Mund auf, um ihm zu sagen, dass er endlich sein dummes Maul halten solle, aber da sagte Ash: »Und selbst wenn, dann bestimmt nicht deinen. Habe gehört, der ist nur drei Zentimeter lang.«

Viking blieb der Mund offen stehen. Dann warf er den Kopf in den Nacken, machte einen Satz nach vorn und nahm Ash fest in den Schwitzkasten. »Du kleiner Scheißer!«, rief er und beehrte uns mit seinem donnernd dröhnenden Lachen.

Ash schob ihn von sich. »Du kannst das Essen haben. Das ist sowieso übrig.«

Vike schnappte sich die Reste, brachte sie zum Tisch, ließ sich auf einen Stuhl fallen und schaufelte sich das Essen in den Mund wie ein wildes Tier. Sein Blick fiel auf meinen Oberkörper, und er grinste mit dem Mund voll Ei und zwinkerte über meine Kratzer.

Scheiß. Die. Wand. An.

Ash brachte ihm einen Kaffee, und Vike trank ihn auf Ex und stellte den Becher auf den Tisch für Nachschub. »Hast du die Nachricht von Styx bekommen?«, fragte er dann.

»Nein. Bin eben erst aufgestanden.« Ich blickte mich suchend nach meinem Handy um, aber ich hatte keine Ahnung, wo es gerade war.

»In zwanzig Minuten ist Kirche. Tanner hat endlich eine Spur für uns.«

Mein Puls fing zu rasen an, während mein Herz mit dem plötzlichen Ansturm von Adrenalin klarzukommen versuchte.

»Dachte mir, dass dir das gefällt.«

»Hat er sie gefunden?« Phebe. Ich sah den Rotschopf bildlich vor mir. Nicht dass ich nicht pausenlos an die Kleine dachte, seit wir erfahren hatten, dass sie verschwunden war.

»Keine Ahnung.« Vike beugte sich vor und strich sich über den Bart. »Aber in letzter Zeit langweilen mich die Standardfahrten und das ganze Gerede von der Hochzeit des Präs total. Wen interessiert so was? Ich will Klan-Abschaum jagen.«

Meine Finger auf dem Tisch zuckten bei dem Gedanken, Phebe aufzuspüren und den Scheißkerl auszuschalten, der sie in seiner Gewalt hatte. Zu viele Nächte war ich schon wach gelegen und hatte mir vorgestellt, wie ich aus dem Typen Hackfleisch machte. Ihm den Bauch aufschlitzte und zusah, wie sein Blut und seine Eingeweide vor meine Füße quollen. Und ich würde grinsen. Ich würde dabei grinsen, mit Phebe an meiner Seite, während wir zusahen, wie das Arschloch langsam und qualvoll starb.

Tanner hatte länger gebraucht als er dachte, um etwas über den Mistkerl Meister herauszufinden. Und ich war unruhig. Ich war mit Vike einer Meinung. Es war zu ruhig gewesen. Ich war nicht mehr bei den Marines, aber ich brauchte immer noch den Rausch des Kampfes, des Tötens, in meinem Leben.

Bei den Hangmen gab es davon jede Menge.

Und wie es aussah, würde es bald wieder losgehen.

Verdammt gut.

»Ich ziehe mich an.«

Ich stand auf und warf mich in Shirt, Kutte und Stiefel. Nur Minuten später waren wir aus der Hütte raus, Ash hinter uns. Wenn Kirche war, schenkte der Prospect Getränke aus und machte alles, was Styx ihm sonst noch so auftrug. Ich lehnte mich an meine Hütte und zündete mir eine Zigarette an, während Vike an Flames Tür hämmerte. »Sieh zu, dass du rauskommst, Flame! Wir müssen los!«

Durch das Fenster der Hütte sah ich Flame zur Tür gehen, und Maddie eilte hinter ihm her. Er drehte sich zu ihr um, und das, was bei Flame einem Lächeln am nächsten kam, breitete sich in seinem Gesicht aus, bevor er sich vorbeugte und sein Mädchen küsste.

Mir wurde es schwer ums Herz. Die Zigarette brannte ungeraucht in meiner Hand runter. Ich konnte nicht glauben, dass Flame so etwas hatte.

»AK«, schnitt sich Vikes Stimme durch meine Gedanken, »bist du so weit?«

Ich nickte und sah Flame herauskommen.

Er grüßte mich mit einem Nicken und ließ den Blick dann über den Hof schweifen. Ich wusste, nach wem er suchte – das machte er jeden Tag. Aber nur mir fiel es auf. Ich war der Einzige, der darin ausgebildet war, nichts zu übersehen. Als er Lil’ Ash sah, entspannten sich seine Schultern.

Ash winkte. »Hey, Flame.«

»Alles gut?«, fragte Flame kurz angebunden und musterte seinen Bruder von oben bis unten.

»Ja«, antwortete Ash und lächelte ein wenig. Ich wusste, er hatte Flames Versuch, Zuneigung zu zeigen, erkannt. Ich zwinkerte Ash zu, um ihm zu bestätigen, dass er richtiglag.

Maddies zierliche Gestalt tauchte in der Tür auf. »Viking, AK.« Flame ging instinktiv zu ihr, als seien die beiden Magneten oder so.

»Madds«, grüßte ich.

Vike grinste. »Morgen, Zuckerschnecke.«

Flame sah den frechen Kerl mit hochgezogener Lippe an, aber so war Vike eben. Einfach nicht zu bremsen.

»Hallo, Asher«, sagte Maddie zu Ash. Dann stupste sie Flame am Arm und drängte ihn mit ihrem Blick, etwas zu tun.

Darauf biss Flame die Zähne zusammen und sagte, ohne Ash anzusehen: »Du kommst heute Abend zum Essen.«

Maddie schüttelte unzufrieden den Kopf. Sie war nicht sauer, weil er so besitzergreifend war. Sie wusste, dass er kein Kotzbrocken war, er war einfach … fuck, er war eben einfach Flame.

»Ash, was Flame gerade fragen wollte, war, ob du heute Abend gern mit uns essen möchtest. Ich koche etwas Besonderes.«

Ash sah mich an und ich machte eine Kopfbewegung, dass er annehmen solle. »Ja. Danke. Gerne«, antwortete Ash, und Maddie schenkte ihm ein strahlendes Lächeln.

Flame schob sie zurück ins Haus. Ein paar Minuten später kam er wieder und blieb neben mir stehen.

»Alles gut bei dir?«, fragte ich.

Flame nickte, ohne mich anzusehen. So ging es jeden Tag zwischen uns, Himmel, mehrmals am Tag. Alles gut bei dir? war mehr als nur eine beiläufige Frage. Es war Flames Mitteilung, dass sein Kopf nicht gerade voll war mit verkorkstem Mist. Zeug aus seiner Vergangenheit.

»Gut.« Ich warf die Zigarette auf den Boden, stieß mich von der Wand ab und ging voran den Hügel hoch zum Quartier.

Zur Kirche.

Wo Tanner besser ein paar richtig gute Neuigkeiten haben sollte.

Denn ich wollte unbedingt auf Jagd gehen.

»Also?«, fragte Ky.

Tanner rieb sich über den Kopf. Der Bruder hatte seit Wochen keine Grillparty oder Cluborgie mehr besucht. Nicht dass er sich je mit einer Frau vergnügt hätte – er war immer noch zu fixiert auf seine Hispanicbraut unten in Mexiko. Er war damit beschäftigt gewesen, Meister aufzuspüren. Anders als die meisten White-Power-Mistkerle, mit denen Tanner und Tank aufgewachsen waren, war dieser Meister unauffindbar und nicht zu orten. Und obwohl Tanner ein Wunderkind am PC war, erwies sich Meister als jemand, der echt schwer zu fassen war.

»Ehrlich gesagt habe ich nicht damit gerechnet, irgendwas Brauchbares über den Kerl zu finden.« Tanner nickte Tank zu. »Natürlich wussten wir von ihm. Ich wusste, dass es Abmachungen mit meinem Vater und meinem Onkel gab, aber ich bin ihm nie selbst begegnet. Er gehört zur Aryan Brotherhood, arbeitet aber eng mit dem Klan zusammen. Und es gibt nichts über ihn. Keine verfolgbaren Mails, keine Rechnungen, keine SMS. Nichts.«

Ich biss die Zähne zusammen und warf Styx einen Blick zu, der aufmerksam zuhörte. Ky wollte dem Präs wegen der Hochzeit ursprünglich nichts von dem Plan, Phebe zu holen, erzählen, doch das hielt er nicht lange durch. Styx wusste, dass sein VP etwas im Schilde führte. Er konnte ihn durchschauen wie ich Flame und Vike. Also erzählte Ky es ihm, und Styx war Feuer und Flamme für den Plan. Er hatte die Hochzeit sowieso einen Monat nach hinten verschieben müssen, um den Pastor zu bekommen, der nach Maes Wunsch die Zeremonie durchführen sollte, also hatte er Zeit.

»Aber du hast etwas gefunden?«, übersetzte Ky Styx’ Gesten.

Tanner seufzte, und seine dunklen Augenringe verrieten, wie hart der Bruder gearbeitet hatte. »Ich habe etwas.« Er schüttelte den Kopf, und mir gefror das Blut in den Adern. Ich wusste: Was immer Tanner auch gefunden hatte, es war nichts Gutes.

Tanner öffnete die Akte vor sich und warf dem Präs ein Foto zu. Styx sah es sich an und gab es dann an Ky weiter. »Eine Geisterstadt mitten im Nirgendwo?«

Ky reichte das Foto herum. Vike gab es mir, und ich betrachtete es. Das Bild war eine Luftaufnahme und ziemlich körnig, aber soweit ich erkennen konnte, war es bloß ein weitläufiges Stück Land, übersät mit baufälligen alten Gebäuden.

Ich gab das Foto weiter. »Das gehört dem Kerl?«

Tanner sah mich an. »Ja, oder zumindest gehörte es seinem Vater. Der ist inzwischen tot, aber die Urkunden laufen immer noch auf seinen Namen. Ist schon seit Ewigkeiten in Familienbesitz. Hat eine Weile gedauert, bis ich es aufspüren konnte.« Er schüttelte den Kopf. »Meister ist berüchtigt im Klan. Stimmt’s, Tank?«

»Ja«, bekräftigte der. »Ich bin ihm auch nie begegnet, aber jeder hat von ihm gehört. Der Blödmann macht bereits seit Jahren mobil für den Rassenkrieg, den die kommen sehen. Richtig ernster Scheiß, so in der Größenordnung wie der Bombenanschlag in Oklahoma City. Soviel wir wissen, ist der Kerl total fanatisch, wenn es um die Vorherrschaft der weißen Rasse geht. Wenn ihr denkt, dass Hitler ein Irrer war, dann stellt euch mal vor, der hätte ein Kind, das nicht nur vollkommen krank im Kopf, sondern auch muskelbepackt ist, und dann habt ihr Meister. Der Wichser ist nicht mal Deutscher. Er wünscht sich bloß, er wäre einer, und gibt die ganze Zeit deutsche Phrasen von sich, als wäre er ein waschechter Berliner. Total wahnhaftes Arschloch.«

»Das wird nicht einfach«, schloss Tanner und sah Vike, Flame, Hush, Cowboy und mich an. Wir fünf waren diejenigen, die sich bereit erklärt hatten, auf die Suche nach Phebe zu gehen. Hush und Cowboy nickten mir zu, um mich wissen zu lassen, dass sie immer noch dabei waren.

»Also ist er jetzt in dieser Geisterstadt?«, fragte Ky wieder in Übersetzung von Styx’ Frage in Zeichensprache. »Wenn ja, dann fahren wir eben alle da hin und schnappen ihn uns, bringen den Mistkerl zum Reden und lassen uns von ihm erzählen, wo er Phebe versteckt hat.«

Tanner beugte sich vor. »Er lebt nicht nur in der Geisterstadt oder versteckt sich da, sondern hat da auch sein Unternehmen.«

»Sein Unternehmen?«, echote Ky. Diesmal kam die Frage von ihm selbst.

Tanner nickte. »Soweit ich sagen kann, ist es ein Bordell. Mitglieder der Aryan Brotherhood, des Klans oder Leute, die mit dem Klan sympathisieren, können für eine Nacht oder ein paar Tage hingehen.« Tank neben ihm rührte sich unbehaglich. »Ich bin nicht sicher, aber ich glaube, es geht dabei nicht nur um Blasen und Vögeln. Das muss richtig verkorkster Scheiß sein. Wenn man Meisters Ruf glauben darf, würden wir da in ein organisiertes und waffenstarrendes Höllenloch marschieren.« Tanners Miene verfinsterte sich. »Ich weiß, dass der Klan den Ruf hat, aus zurückgebliebenen Hinterwäldlern zu bestehen. Ich will nicht lügen – als ich aufgewachsen bin, waren die meisten Kumpane meines Vaters solche Typen. Dumm wie Bohnenstroh und nicht fähig, irgendwas zu erledigen, ohne es zu versauen. Skinheads, Soldaten niederen Rangs, ihr wisst schon?«

»Aber es gab auch Mitglieder, die anders waren«, fuhr Tank fort. Er warf Tanner einen verlegenen Blick zu. »Wir waren anders, haben den Anfang gemacht.«

Tanner nickte. »Es ist nicht die Norm, ein paar von uns waren allerdings gut. Schlau, starke Kämpfer oder schlicht ausgemachte Psychos. Die Skinheads und Rednecks sind die Fußsoldaten. Leute wie wir oder Meister sind so was wie die verdammte SS. Die Planer, die Anführer, die Generäle – die, die so sehr an die Sache glauben, dass sie in dem, was sie tun und wozu sie fähig sind, echt tödlich sind. Meister ist ein echtes Mitglied der Aryan Brotherhood. Er bereitet sich auf Krieg vor. Der Kerl ist was Besonderes.«

»Und jetzt ist er in unserer Gegend, um uns in die Suppe zu spucken?«

Tanner nickte. »Kommt aus dem Norden von Texas. Hatte davor noch nie mit uns zu tun. Aber der Klan wird von Tag zu Tag stärker, indem er seine Kräfte mit anderen weißen Rassistengruppen vereint – wie die Brotherhood –, und dann der Mist, den man rund um die Uhr in den Medien findet, von Weißen und Schwarzen, die einander an die Gurgel gehen. Also ist er ins Hauptquartier gekommen.« Der Bruder biss die Zähne zusammen. »Zu meinem Vater und meinem Onkel, die ihn davor schützen, dass die Feds ihn zu fassen kriegen.« Er seufzte und fuhr sich übers Gesicht. »Soweit ich herausfinden konnte, gibt es dieses Geisterstadtbordell erst seit letztem Jahr oder so. Er will etwas finanzieren.«

»Die handeln nicht mit Waffen?«, fragte Cowboy lässig. »Ich dachte, Rider hätte gesagt, dass es in dem Vertrag mit der Sekte darum ging?«

»Rider war sich sicher, dass es um Waffen ging. So war es zumindest, als er mit dem Klan verhandelte – da ging es rein um Waffen. Der Klan verkaufte sie weiter und kassierte einen Anteil dafür.«

»Sein Schweißzwilling«, spuckte Hush aus. »Der hat den Deal geändert, oder? Als Rider im Sektenknast war?«

»Schätze ja«, antwortete Tanner nach ein paar Sekunden des Schweigens.

»Womit zum Teufel handeln die dann? Was hat Judah ihnen gegeben, wenn nicht Knarren aus Israel?«

»Frauen«, antwortete Tanner. »Frauen aus der Sekte, denke ich. Ich weiß es nicht zu einhundert Prozent. Aber das ist die einzige Verbindung, die ich herstellen kann.«

»Frauen?«, fragte Ky, und Styx setzte sich unvermittelt gerader hin. Ky schlug mit der Faust auf den Tisch, und Flame neben mir hatte zu zucken begonnen. Den drei Brüdern, die mit den Sektenbräuten zusammen waren, wurde sehr schnell klar, dass das auch ihre Old Ladys hätte treffen können, wären die nicht davongekommen.

»Sie machen sie zu Huren?«, fragte Cowboy.

»Das nehme ich an«, meinte Tanner. »Die Luftaufnahme ist alles, was ich bekommen konnte, und die ist schon Jahre alt. Neue Fotos gibt es nicht. Keine Ahnung, wie voll oder geschäftig die Stadt ist. Sie hat auch einen Code als Flugverbotszone, zweifellos eine Vereinbarung mit meinem alten Herrn. Keine Ahnung, wie viele Frauen dort sein könnten, oder was sie da tun müssen. Es hat mich Wochen gekostet, nur die Infos hier zu bekommen.«

»Er hat Phebe dort als Hure?«, knurrte Ky. »Fuck!« Er packte sein Glas und donnerte es an die Wand, sodass es in unzählige Stücke zerbrach.

»Sie war vorher schon eine.«

Ich versteifte mich, als ich die Stimme am hinteren Tischende hörte. Ich drehte mich um, um zu sehen, wer es war – Smiler. Der sonst so schweigsame Bruder sah uns alle der Reihe nach an.

»Rede«, befahl ich.

Smiler zuckte daraufhin nicht zusammen. »Ich habe mit Rider gesprochen.« Der Rest von uns konnte nicht glauben, dass er immer noch mit dem Ex-Propheten redete, was dem Bruder scheißegal war. »Er hat mir einiges über den Aufbau der Sekte erzählt.« Er sah erst Ky und dann mich an und sagte: »Über Phebe.«

Ky schwieg. So wie er die Zähne zusammenbiss, wurde mir klar, dass er bereits wusste, was Smiler gleich sagen würde.

»Den größten Teil ihres Lebens war sie eine Hure für die Sekte. Ging hinaus in die Welt und köderte Männer, sich der Gemeinde anzuschließen, indem sie ihren Körper anbot. Sobald sie dort waren, wurden sie natürlich Mitglieder. Weiber so viele sie wollten, in jedem Alter, das sie wollten. Er sagte, Lilahs Schwester sei die oberste Gemeindehure gewesen, die mit dem höchsten Rang. Diese Weiber glaubten alle, sie würden ›Gottes Werk‹ tun oder so. Der alte Prophet hat die Praktik vor Jahren ins Leben gerufen, als er expandieren wollte.«

Mir drehte sich der Magen um. Ich hatte die Hände zu Fäusten geballt, und ich spürte mein Blut kochen und mörderisches Gift in mir toben. Ich dachte an Phebe, ihre roten Haare und die Sommersprossen auf ihrem Gesicht. Ich sah vor mir, wie sie einen Kerl nach dem anderen vögelte und mit diesen verdammten blauen Augen, die mich so angestarrt hatten, in die Falle lockte. Es weckte den Drang in mir, ein paar Kehlen aufzuschlitzen.

Ich war mordlustig.

»Fuck. Dann hat Judah also die Sektenhuren an Meister für sein Bordell verkauft?«, meinte Hush. »Deshalb ist Meister immer mal bei der Sekte geblieben. Da hat er sich dann seine Huren ausgesucht.«

»Shit. Und ich dachte, wir wären schon krank«, polterte Vike.

»Also, wie ist der Plan?«, fragte ich Styx. Er sah mir in die Augen, aber bevor er Zeichen geben konnte, ergriff Tanner das Wort.

»Es ist nicht so einfach, dass wir da nur reinstürmen und die Wichser ausschalten müssen. Die werden Waffen von Topqualität und Soldaten mit Militärausbildung haben. Das ist kein Sexring für Rednecks. Wenn das Meisters Ding ist, dann steckt mehr dahinter. Viel mehr.«

»Also?«, fragte ich.

»Also brauchen wir einen Plan«, erklärte Tank.

»Dann lass uns einen Scheißplan machen!«, rief Ky. Styx pfiff den Anwärtern, dass sie reinkommen sollten. Lil’ Ash und Slash betraten den Raum, und Ky nickte ihnen zu: »Wir brauchen Essen, Alk, und sorgt dafür, dass immer Nachschub da ist. Wir werden noch eine Weile hier sein.«

Lil’ Ash und Slash gingen. Und dann machten wir uns ans Planen. Versuchten herauszufinden, wie zum Teufel wir in dieses Geisterstadt-Hurenhaus reinkommen sollten.

Die ganze Zeit hatte ich nur Rot im Schädel. Rot für Blut, Rot für den Nebel, der sich vor meine Augen gesenkt hatte. Und über allem anderen sah ich langes rotes Haar. Langes rotes Haar und helle Haut, an einen Baum gefesselt.

Sommersprossen.

Blaue Augen.

Phebe.

Das Sektenmädchen, das zu Meisters Hure geworden war.

Kapitel 2

Phebe

Arme und Beine taten mir weh, als ich mich auf dem Bett umdrehen wollte. Ich schwitzte, und es war so heiß, dass ich nach Luft rang, als ich den Mund aufzwang. Ich bewegte die Zunge, aber die rührte sich kaum in meinem trockenen Mund.

Ich hatte Durst.

Solchen Durst.

Ich atmete durch die Nase weiter und wartete darauf, dass der Schmerz in den Muskeln verging. Danach zwang ich die Augen auf. Ich zuckte zusammen, als ich ins Licht sah, das zwischen verwaschenen Vorhängen vor dem winzigen hohen Fenster durchschien. Vergeblich versuchte ich die Helligkeit wegzublinzeln. Mein Kopf pochte, und mir knurrte der Magen. Doch ich zwang mich, mich aufzusetzen. Ich wollte aufschreien, als meine Muskeln gegen die Bewegung protestierten. Ich blickte auf meine nackten Gliedmaßen hinab und kämpfte die Übelkeit nieder, als ich auf die Blutlache zwischen meinen Beinen auf den schmutzigen Laken sah.

Bruchstückhafte Erinnerungen von gestern Nacht drängten sich durch den dichten Nebel, der immer in meinem Kopf zu herrschen schien. Meister, der mich aufs Bett niederdrückte. Mich mit seinem großen muskelbepackten Körper bedeckte und mir wehtat. Und mir den süßen Trank injizierte, der mir jegliche Angst und alle Schmerzen nahm.

Ich mochte Meisters Trank.

Ich brauchte ihn.

Danach sah ich, wie er meine Arme packte, seinen Mund auf meinen drückte und mich so in die Lippen biss, dass sie bluteten. Er leckte das warme Blut weg. Ich erinnerte mich daran, dass seine Hände meine Beine auseinanderzwangen. Und daran, dass seine Finger meine intimste Stelle fanden und grob hineinstießen. Ein Finger, zwei, und dann noch mehr. Mehr, bis ich den Schrei nicht mehr unterdrücken konnte.

Und schließlich hörte ich sein Lachen, denn meine Schmerzen schienen ihn froh zu stimmen. Bevor seine Hand sich um meinen Nacken legte und seine ganze Faust sich aus mir zurückzog. Doch das befreiende Gefühl war nur von kurzer Dauer, bis er sein Glied in mich stieß. Und er war noch brutaler als zuvor. Rammte sich in mich und raubte mir den Atem, indem er mir die Kehle zudrückte. Ich kratzte nach ihm, grub die Krallen in seine Haut, aber er grollte bloß lauter und sein Glied wurde noch härter. Bis er sich dann endlich in mich ergoss und mit einem langen, lauten Stöhnen auf mich sank.

Danach hatte ich mit stillen Tränen in den Augen an die Decke gestarrt, während ich mich von seinem Trank überfluten und aus dieser Hölle davontreiben ließ.

Das ließ ich gern mit mir machen.

Ich verließ kaum dieses Zimmer und dieses Bett. Ich wusste nicht, wie lange ich schon hier war. Die meiste Zeit sah ich niemanden außer Meister. Manchmal nahm er mich mit hinaus, damit ich mir die Beine vertreten konnte in diesem … diesem … was immer das auch hier war. Manchmal erlaubte er mir, mir die Sonne ins Gesicht scheinen zu lassen, frische Luft zu riechen, wenn er der Ansicht war, dass ich es verdient hatte. Aber das kam nur selten vor. Ich enttäuschte ihn immer, und er tat mir stets weh. An jenen kostbaren Tagen, die ich draußen im Freien verbringen durfte, sah ich gelegentlich auch einige Männer, doch die sprachen nie ein Wort mit mir.

Andere Frauen sah ich keine.

Ich war allein.

Außer mir war bloß Meister da.

Als ich das Schloss meiner Tür aufgehen hörte, erstarrte ich mit weit aufgerissenen Augen und wartete darauf, dass er hereinkam. Mein Arm juckte, und meine Beine bewegten sich unruhig auf der nassen Matratze. Die Kette an meinem Handgelenk zog sich straff, als meine Arme vor Aufregung zuckten. Das Blut rauschte in meinen Adern, und mein Puls hämmerte in Vorfreude, was Meister mir bringen würde.

Er hätte den Trank, der mich vergessen ließ.

Ich lächelte.

Dann war er im Zimmer, so groß und dominant wie immer mit seinem Stiernacken und dem rasierten Kopf. Er trug Jeans und ein weißes Tanktop. Die Muskeln an seinen überall tätowierten Armen wölbten sich. Seine blauen Augen fixierten sich auf mich, und so wie jedes Mal, wenn ich ihn sah, durchlief mich Angst und hielt mich auf der Stelle fest.

»Phebe«, sagte Meister leise. Ich ließ ihn nicht aus den Augen, als er um mein Bett herumging und am Fußende stehen blieb. Er streckte die Hand aus und umkreiste mit dem Finger sachte meinen Fußknöchel. Die unersättliche Hitze, die sich durch meinen Körper brannte, wurde unter seiner Berührung plötzlich zu Eis. Und dann wanderten seine Finger meinen Unterschenkel hinauf und weiter hoch, über die Innenseite meines Oberschenkels, bis sie zwischen meinen Beinen anhielten.

Ich wandte den Blick nicht von seinen Augen ab, die beim Anblick des Blutes, das sich zwischen meinen Beinen gesammelt hatte, aufloderten. Mir stockte der Atem, als seine Finger über meine Schamlippen glitten. Ich wollte aufschreien, als ich den rohen Schmerz fühlte – die Nachwirkungen von gestern Nacht. Aber ich unterdrückte den Schrei – nur um dann die Beherrschung zu verlieren und mich zu übergeben, als Meister die blutigen Finger an seinen Mund führte und über die feuchten Fingerspitzen leckte.

Ich rollte mich auf die Seite, zu dem Eimer, den er immer neben stehen mir ließ, und würgte trocken, als mein Körper vergeblich versuchte, sich zu übergeben. Nichts kam heraus. Stattdessen gierte mein Körper nach dem Trank. Er gierte nach der Flüssigkeit, die alles Böse wegnehmen und bloß das Gute hereinlassen würde. Ich spürte, wie sich die Matratze neben mir senkte. Meister schob mir das lange, klebrige Haar aus dem überhitzten Gesicht.

»Sch …«, flüsterte er liebevoll. Er strich mir über den Rücken und fuhr mit dem Finger durch die Ritze zwischen meinen Pobacken. Ich stöhnte, mir war übel, und ich fühlte mich verloren, während die sengende Hitze der Gier durch meine Adern raste.

Aber er hörte nicht auf. Meister hörte nie auf, egal wie sehr ich protestieren wollte. Er nahm. Er nahm und nahm und nahm.

Er zog mich hoch und legte mich dann flach aufs Bett. Mir schwirrte der Kopf, als ich mich zu konzentrieren versuchte. Es dauerte mehrere Sekunden, bis mein Blick klar wurde und das Zimmer wieder in Sicht kam.

Meister zog meinen angeketteten Arm zu sich heran. Mein Handgelenk ruhte auf seinem Schoß, und seine Finger strichen auf und ab über die oben liegende Innenseite meines Arms. Meine Haut war blasser als ich sie je in Erinnerung gehabt hatte. Übersät mit roten Malen, manche blutunterlaufen und verschorft, manche frisch und nässend.

»Ist es das hier, was du willst, Liebchen?«, fragte Meister mit einer Stimme, so sanft wie ein Flüstern. Ich hatte keine Ahnung, was die Bezeichnung bedeutete, aber wenn er mich so nannte, war er immer sanft.

Fast liebevoll.

Und jedes Mal, wenn er das tat, verleitete er mich beinahe dazu zu glauben, dass er sich wirklich etwas aus mir machte.

Ich presste die Augen zu und nickte. Meine Adern platzten fast vor Verlangen. Sie fühlten sich an, als wollten sie aus meiner Haut heraus, auf der Suche nach dem Rausch, nach dem sie gierten, nach der Flüssigkeit, die Balsam für meine gefolterte Seele war.

Für meine sündige Seele.

Als ich die Augen öffnete, hielt Meister eine Spritze hoch, damit ich sie sehen konnte. Ich widerstand dem Drang, mich draufzustürzen und sie mir in die Haut zu stoßen. Meister hatte die Kontrolle. Und ich hatte gelernt, dass es bei ihm keinen freien Willen gab.

Während mein Verstand in ein Kaleidoskop voller finsterer Erinnerungen und Schmerz abdriftete, fühlte ich den vertrauten Stich der Nadel in eine Vene. Dann kam ein Auflodern von Licht, und Glückseligkeit floss durch meinen Leib, trug mich hinauf in himmlische Sphären, eine Hülle aus Wärme und schmerzloser Freiheit.

Als sei ich umschlungen in der Sicherheit von Gottes Armen, holte ich tief Luft, ließ Ruhe über meinen Geist kommen und ihn mit Licht und Leben tanzen. Kein Stress, kein Schmerz … nur ein Fluss aus Frieden.

Ich spürte, wie die Nadel wieder aus der Ader glitt, gefolgt von Meisters Bartstoppeln, als er sich über mich beugte, um mich zu küssen und mir zu sagen, dass er bald zurück wäre. Ich hörte die Tür nicht zufallen, als er ging. Ich schloss die Augen und ließ mich in die Sonne fallen.

Ich befand mich in einem Wald, tief in einem magischen Himmel. Ich tanzte unter den Bäumen, fühlte das Laub durch meine Finger rieseln und das weiche Gras unter meinen Füßen. Leise Musik schwebte in der Luft und drängte meinen Körper, sich im Takt zu wiegen.

Ich liebte es zu tanzen. Es war das, was ich von allen Dingen auf der Welt am liebsten tat.

Ich drehte mich, und dann lächelte ich, als ich meine Rebekah auf die Lichtung kommen sah, so wunderschön, wie ich sie immer gesehen hatte. Das lange blonde Haar fiel ihr bis auf den Rücken, und ihre blauen Augen leuchteten vor Freude.

»Rebekah«, hauchte ich. Anschließend schloss ich sie in die Arme und drückte sie fest an mich.

Rebekah lachte ihr süßes Lachen an meinem Ohr. »Es geht mir gut, Phebe.« Ihre sanfte, zarte Stimme umwehte mich wie ein Gebet.

»Wirklich?«, fragte ich mit zugeschnürter Kehle. »Das letzte Mal, als ich dich gesehen habe … was Judah getan hatte … was diese Männer getan hatten …«

»Sch …«, tröstete mich Rebekah und streichelte durch mein Haar. »Ich bin glücklich und …« Sie löste sich von mir und wandte sich zum Waldrand. »Komm«, rief sie jemanden. Ein hohes Kichern drang durch die warme Nacht, und mein Herz zog sich zusammen, wie ich es nicht für möglich gehalten hätte.

»Grace.« Ich schlug mir die Hand vor den Mund, um das Schluchzen aufzuhalten, das aus meiner Kehle drang. Grace rannte in Rebekahs wartende Arme und drückte sie … wie ein Kind sich an seine Mutter drücken würde.

»Sie hat dich gefunden«, keuchte ich, und mir liefen Tränen über die Wangen.

»So ist es«, sagte Rebekah, und Grace streckte die Arme nach mir aus, damit ich sie umarmte. Ich schloss das kleine blonde Mädchen in die Arme und weinte in sein weiches Haar.

»Du bist jetzt in Sicherheit«, flüsterte ich und spürte, wie Grace nickte. Dann öffnete ich die Augen und sah, dass Rebekah uns betrachtete. In ihren Augen stand so viel Liebe. »Verzeih mir, Rebekah«, flehte ich. »Dass ich dich nicht gerettet habe, als ich es hätte tun sollen. Dass ich dich nicht beschützt habe, als du noch jung warst. Das, was Judah dir auf diesem Hügel angetan hat …«