Beschreibung

Auf der Flucht vor ihrer Vergangenheit, betritt sie eine Welt, von der sie sich immer fernhalten sollte ... Eine leblose junge Frau vor dem Hauptquartier seines MCs zu finden hat River "Styx" Nash gerade noch gefehlt. Seit er mit nur 26 Jahren völlig überraschend zum Anführer der Hades' Hangmen wurde, hat er genug damit zu tun, seine Position vor seinen Brüdern zu behaupten und seinen Feinden die Stirn zu bieten. Von Geburt an ohne Stimme kein leichtes Unterfangen. Gewalt und Unnahbarkeit sind Styx' Sprache. Seit er denken kann, lässt er niemanden wirklich an sich heran. Doch als die schöne Mae plötzlich die Augen aufschlägt, weiß er augenblicklich, dass er diesen Blick schon einmal gesehen hat. Dass er ihr schon einmal begegnet ist. Dass sie eine der wenigen Menschen ist, mit denen er sprechen kann - und dass er sie nie wieder gehen lassen wird! "Ich liebe alles an diesem Buch! Diese Geschichte zeigt Tillie Coles unglaubliches Talent!" Totally Booked Blog Band 1 der düster-sinnlichen Hades'-Hangmen-Reihe von USA-Today-Bestseller-Autorin Tillie Cole

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EPUB

Seitenzahl: 569


Inhalt

TitelZu diesem BuchWidmungAnmerkung der AutorinGlossarProlog1234567891011121314151617181920212223242526EpilogPlaylist zum BuchDanksagungenDie AutorinTillie Cole bei LYX.digitalImpressum

TILLIE COLE

Hades’ Hangmen

Styx

Roman

Ins Deutsche übertragen von Silvia Gleißner

Zu diesem Buch

Eine leblose junge Frau vor dem Hauptquartier seines MCs zu finden hat River »Styx« Nash gerade noch gefehlt. Seit er mit nur 26 Jahren völlig überraschend zum Anführer der Hades’ Hangmen wurde, hat er genug damit zu tun, seine Position vor seinen Brüdern zu behaupten und seinen Feinden die Stirn zu bieten. Von Geburt an ohne Stimme kein leichtes Unterfangen. Gewalt und Unnahbarkeit sind Styx’ Sprache. Seit er denken kann, lässt er niemanden wirklich an sich heran. Doch als die schöne Mae plötzlich die Augen aufschlägt, weiß er augenblicklich, dass er diesen Blick schon einmal gesehen hat. Dass er ihr schon einmal begegnet ist. Dass sie eine der wenigen Menschen ist, mit denen er sprechen kann – und dass er sie nie wieder gehen lassen wird!

»Ich liebe alles an diesem Buch! Diese Geschichte zeigt Tillie Coles unglaubliches Talent!« TOTALLY BOOKED BLOG

An all die Tapferen, die mich zu dieser Geschichte inspirierten.Möget ihr am Ende euer Glück finden.Und möge eure Stimme gehört werden.

Anmerkung der Autorin

Ich wollte mir nur einen Moment Zeit nehmen, um zu erklären, warum in diesem Buch bestimmte Aspekte thematisiert werden.

Ich habe Vergleichende Religionswissenschaft studiert und in diesem Fach auch meinen Bachelorabschluss gemacht. Dank herausragender Dozenten, von denen viele als Experten auf ihrem gewählten Gebiet gelten, erhielt ich die Gelegenheit, Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen mit den verschiedensten Glaubensrichtungen zu treffen.

Einer meiner fachlichen Schwerpunkte im letzten Studienjahr war Neue Religiöse Bewegungen (NRMs), Kulte und Sekten. Ich hatte das Glück, derzeitige und ehemalige Mitglieder solcher religiöser Gruppen kennenzulernen und mit ihnen zu arbeiten. Die meisten waren glücklich mit der Wahl ihres Lebensstils, andere jedoch nicht. Ich würde sagen, dass neunzig Prozent der Personen, die ich befragt habe, zur ersten Gruppe gehörten, doch nie werde ich die erschütternden und manchmal verstörenden Bekundungen und Zeugenaussagen der restlichen vergessen.

Unglücklicherweise gibt es unter den ehrenwerten Mitgliedern einiger NRMs auch eine sehr kleine Anzahl von Opportunisten und Individuen, die aus Gründen, die den meisten unbekannt sind, entscheiden, Religion und ihren Einfluss auf unschuldige Menschen zu nutzen, um persönlichen Gewinn daraus zu ziehen – sei es Macht, Kontrolle oder traurigerweise etwas noch viel Schäbigeres.

Hades’ Hangmen – Styx wurde inspiriert von Zeugenaussagen ehemaliger Mitglieder mehrerer NRMs und den Anführern, welche die Macht, die sie über ihre Mitglieder hatten, missbrauchten – vor allem über Frauen.

Salome, die weibliche Protagonistin dieser Geschichte, erträgt Situationen, die wahren Begebenheiten zugrunde liegen, welche mir Überlebende solcher Gruppen anvertraut haben. Es war mir sehr wichtig, dieses Thema anzusprechen, da es dabei um Menschlichkeit geht, was den meisten überhaupt nicht bewusst ist.

Opfer dieser »opportunistischen« Gruppen haben oft keine Stimme, und ich wollte den vielen Frauen eine Chance geben, gehört zu werden.

Hades’ Hangmen – Styx ist reine Fiktion, doch die Glaubenslehren, Praktiken und Erfahrungen von Salome, ihren Schwestern und dem Orden in dieser Geschichte wurden auch angeregt von mehreren tapferen Frauen, die sich entschlossen hatten, ihre Geschichte mit mir zu teilen.

Ich glaube absolut an Religionsfreiheit und Respekt, und ich habe viele Freunde verschiedener Glaubensrichtungen. Die meisten Mitglieder von NRMs, mit denen ich gearbeitet habe, waren ehrliche und gute Menschen und haben den schlechten Ruf, den so viele von ihnen haben, nicht verdient. Aber ich finde es inakzeptabel, wenn gewisse Leute das Vertrauen und die Freundlichkeit verletzbarer, reiner und gottesfürchtiger Menschen für ihre eigenen egoistischen Zwecke missbrauchen.

Danke, dass ihr euch die Zeit nehmt, diese Anmerkung zu lesen, und ich hoffe, euch gefällt das Buch.

Tillie x

Glossar

(nicht in alphabetischer Reihenfolge)

Terminologie des Ordens

Der Orden: Apokalyptische Neue Religiöse Bewegung. Glaubensvorstellung basiert auf ausgewählten christlichen Lehren und dem starken Glauben, dass die Apokalypse kurz bevorsteht. Angeführt von Prophet David (erklärt sich selbst zu einem Propheten Gottes und einem Nachfahren König Davids), den Ältesten und den Jüngern. Die Mitglieder leben zusammen in einer abgeschiedenen Gemeinde, basierend auf traditioneller und bescheidener Lebensweise, Polygamie und unorthodoxen religiösen Praktiken. Sie glauben, die Außenwelt sei sündhaft und böse. Kein Kontakt zu Nichtmitgliedern.

Gemeinde: Grundstück im Besitz des Ordens und kontrolliert von Prophet David. Abgeschieden lebende Gemeinschaft. Kontrolliert von Jüngern und Ältesten und schwer bewaffnet für den Fall eines Angriffs von der Außenwelt. Männer und Frauen leben in getrennten Bereichen der Gemeinde. Die Verfluchten sind getrennt von allen Männern (ausgenommen den Ältesten) in eigenen privaten Quartieren untergebracht. Das Land wird durch einen großen Grenzzaun geschützt.

Älteste: Bestehen aus vier Männern: Gabriel, Moses, Noah und Jacob. Verantwortlich für die alltägliche Führung der Gemeinde. Stellvertreter von Prophet David. Verantwortlich für die Schulung der Verfluchten.

Wächterjünger: Männliche Mitglieder des Ordens. Beauftragt mit der Verteidigung des Landbesitzes der Gemeinde und der Mitglieder des Ordens. Folgen dem Befehl der Ältesten und Prophet Davids.

Göttliche Teilhabe: Ritueller Sexualakt zwischen männlichen und weiblichen Mitgliedern des Ordens. Gilt als Hilfe für die Männer, dem Herrn beständig näherzukommen. Wird in Massenzeremonien vollzogen. Häufige Nutzung von Betäubungsmitteln für übersinnliche Erfahrungen. Frauen ist es verboten, Lust zu erfahren, als Strafe dafür, dass sie Trägerinnen der Erbsünde von Eva sind, und sie müssen den Akt auf Verlangen als Teil ihrer schwesterlichen Pflichten vollziehen.

Die Verfluchten: Frauen oder Mädchen, die vom Orden als von Natur aus zu schön und angeboren sündhaft erachtet werden. Leben vom Rest der Gemeinde getrennt. Gelten als zu große Versuchung für Männer. Man glaubt, dass die Verfluchten wesentlich wahrscheinlicher Männer vom rechten Wege abbringen.

Erbsünde: Christliche Glaubenslehre des Augustinus, die besagt, dass jeder Mensch in Sünde geboren ist und einen angeborenen Drang zum Ungehorsam gegenüber Gott besitzt. Die Erbsünde ist das Ergebnis des Ungehorsams von Adam und Eva gegenüber Gott, als sie von der verbotenen Frucht im Garten Eden aßen. In der Lehre des Ordens (aufgestellt von Prophet David) wird Eva die Schuld an der Verführung Adams zur Sünde zugewiesen, und daher werden die Schwestern des Ordens als geborene Verführerinnen und Versucherinnen betrachtet und müssen den Männern gehorchen.

Terminologie der Hades’ Hangmen

Hades’ Hangmen: Onepercenter Outlaw MC. Gegründet im Jahre 1969 in Austin, Texas.

Hades: Gott der Unterwelt in der griechischen Mythologie.

Gründungschapter: Erste Niederlassung des Clubs. Gründungsort.

Onepercenter: Die American Motorbike Association (AMA) soll einmal verkündet haben, neunundneunzig Prozent der Biker seien gesetzestreue Bürger. Biker, die sich nicht den Regeln der AMA unterwerfen, nennen sich selbst »Onepercenter« (das übrige, nicht gesetzestreue eine Prozent). Die große Mehrheit der Onepercenter gehört Outlaw MCs an.

Kutte: Lederjacke, die von Outlaw-Bikern getragen wird. Geschmückt mit Aufnähern, die die spezifischen Farben des Clubs zeigen.

Patched-in: Wenn einem Neumitglied die volle Mitgliedschaft gewährt wird.

Kirche: Clubtreffen für Vollmitglieder. Geleitet vom Präsidenten des Clubs.

Old Lady: Frau mit Status einer Ehefrau. Wird von ihrem Partner beschützt. Status gilt als unantastbar durch Clubmitglieder.

Clubschlampe: Eine Frau, die das Clubhaus für zwanglosen Sex mit Clubmitgliedern besucht.

Braut: Bezeichnung für Frauen im Biker-Milieu. Kosename.

Zum Hades/Im Hades: Slang. Bezieht sich auf Sterbende oder Tote.

Zum Fährmann/Beim Fährmann: Slang. Sterbend oder tot. Bezieht sich auf Charon in der griechischen Mythologie. Charon war der Fährmann der Toten, ein Unterweltdämon (Geistwesen). Transportierte Seelen der Verstorbenen in den Hades. Die Gebühr für die Überfahrt über die Flüsse Styx und Acheron in den Hades bestand in Münzen, die beim Begräbnis auf die Augen oder den Mund des Toten gelegt wurden. Wer die Gebühr nicht zahlte, blieb zurück und musste einhundert Jahre lang an den Ufern des Styx umherwandern.

Schnee: Kokain.

Eis: Crystal Meth.

ATF: Bureau of Alcohol, Tobacco, Firearms and Explosives.

Organisationsstruktur der Hades’ Hangmen

Präsident (Präs): Anführer des Clubs. Inhaber des Richterhammers, der die absolute Macht des Präsidenten repräsentiert. Der Hammer wird genutzt, um Ordnung in der Kirche zu halten. Das Wort des Präsidenten ist Gesetz innerhalb des Clubs. Er lässt sich von altgedienten Clubmitgliedern beraten. Niemand stellt die Entscheidungen des Präsidenten infrage.

Vizepräsident (VP): Stellvertreter. Führt die Befehle des Präsidenten aus. Hauptsächlicher Kommunikator mit anderen Chaptern des Clubs. Übernimmt alle Verantwortungen und Pflichten des Präsidenten in dessen Abwesenheit.

Road Captain: Verantwortlich für alle Clubtreffen. Recherche, Planung und Organisation von Clubtreffen und Ausfahrten. Hochrangiger Cluboffizier, berichtet nur an den Präsidenten oder den VP.

Sergeant-at-Arms: Verantwortlich für die Sicherheit im Club, Überwachung und Ordnung bei Club-Events. Meldet unangemessenes Verhalten an den Präsidenten und den VP. Verantwortlich für Sicherheit und Verteidigung des Clubs, seiner Mitglieder und Prospects.

Schatzmeister: Führt Buch über alle Einnahmen und Ausgaben. Führt Buch über alle Aufnäher des Clubs, die ausgegeben oder aberkannt wurden.

Sekretär: Verantwortlich für Erstellung und Pflege aller Clubberichte. Muss Mitglieder bei Notfalltreffen benachrichtigen.

Prospect: Probemitglied des MC. Darf an Treffen teilnehmen, aber keine Versammlungen in der Kirche besuchen.

Prolog

»Du bleibst hier, River. Kapiert?«

Ich drehte die Klimaanlage im Truck hoch, nickte und signalisierte: kapiert.

Dann wurde die Fahrertür zugeschlagen und mein Paps marschierte mit dem Prospect in den Wald, den Leichensack mit dem ersten von vier toten Mexikanern dabei.

Ich wartete, bis sie außer Sichtweite waren, und sprang heimlich aus dem Truck. Meine Füße trafen mit einem Knirschen auf das vertrocknete Gras.

Ich legte den Kopf nach hinten und holte tief Luft. Ich war gern draußen, saß gern hinten bei Paps auf dem Motorrad – und am liebsten war ich überall da, wo keiner war, der von mir erwartete, dass ich redete.

Ich ging zur Ladefläche des Trucks, brach einen langen dünnen Zweig von einer Zeder in der Nähe ab und fing an, in die Gräser um mich herum zu hauen, nur um mich zu beschäftigen. Leichen zum Fährmann zu schicken konnte Stunden dauern – graben, Kalk drauf und wieder zuscharren –, also schlenderte ich zu den Bäumen und machte mich auf die Suche nach Schlangen im hohen Gras.

Keine Ahnung, wie lange ich durch die Gegend lief, aber als ich wieder vom Boden hochschaute, fand ich mich tief im Wald wieder. Um mich herum war es absolut still, und ich hatte mich total verirrt.

Shit. Paps’ Anweisung war sonnenklar gewesen. Du bleibst hier, River. Kapiert? Verdammt, er würde mich umbringen, wenn er mich suchen gehen musste. Die Regeln für das Abladen von Leichen waren simpel: graben, abladen, abhauen.

Ich sah mich suchend um, erspähte einen Hügel und machte mich auf den Weg in höheres Gelände. Der Plan war, dass ich mich zum Truck zurückarbeitete, bevor mein Paps auftauchte und sauer wurde.

Ich hielt mich an Baumstämmen fest, stieg den steilen Hügel hinauf und klopfte mir getrockneten Lehm und Rindenkrümel von den Jeans, als ich oben war. Als die wieder so ziemlich sauber waren, suchte ich stirnrunzelnd den Horizont ab. Knapp zweihundert Meter vor mir war ein riesiger gottverdammter Zaun. Er war so groß, dass mir die Kinnlade runterfiel; höher und breiter als alles, was ich je gesehen hatte. Mit rollenweise Stacheldraht oben drauf erinnerte er mich an ein Gefängnis. Ich schaute mich um, aber Fehlanzeige – es war nichts zu sehen hinter dem Zaun, außer noch mehr Wald. Ich fragte mich, was das war. Wir waren hier ganz tief in der Pampa, meilenweit weg von den Randgebieten von Austin, meilenweit weg von irgendwo. So weit raus aus der Stadt kommen eigentlich keine Leute … die wissen es besser. Mein Paps meinte, in der Gegend passieren nur schlimme Sachen: Leute kommen um, Leute verschwinden, es gibt viel Gewalt und es passieren unerklärliche Dinge. Das war schon seit Jahren so; deswegen hatte mein Paps die Stelle auch zum Entsorgen von Leichen ausgesucht.

Inzwischen dachte ich gar nicht mehr daran, einen Weg zurück zum Truck zu finden. Ich arbeitete mich durch hohes Gras bis zum Rand des Zauns vor. Neugier und Aufregung knisterten in mir. Ich ging gern auf Entdeckungsreise – aber dann, ganz plötzlich, fiel mir etwas hinter dem Zaun ins Auge, und ich kriegte einen Mordsschreck.

Da war jemand.

Ich erstarrte und fixierte die Augen auf die Umrisse einer winzigen dünnen Gestalt. Es war ein Mädchen in einem langen grauen Kleid. Ihr Haar war zu einer komischen Frisur hinten am Kopf zusammengebunden.

Sie sah aus, als wäre sie ungefähr in meinem Alter. Vielleicht ein paar Jahre jünger?

Mein Herz hämmerte wie verrückt, als ich auf die Kleine zuschlich. Ihr winziger, zerbrechlich aussehender Körper versank in dem dunklen Gewand, als sie sich zwischen die Wurzeln eines großen Baums kauerte. Ihre Schultern bebten vom Weinen und ihr Körper zitterte vor Schluchzen, aber sie gab keinen Laut von sich.

Ich ging auf die Knie, schob die Finger durch die Maschen des Zauns und starrte sie an. Ich wollte etwas sagen, doch ich blieb stumm – außer mit Kyler und Paps konnte ich mit niemandem sprechen. Und selbst das kam nicht oft vor.

Ich schloss die Augen, konzentrierte mich auf den Versuch, meine Kehle zu lockern, und mühte mich, die Worte rauszulassen, die nie rauswollten. Ein Kampf, den ich ständig bestritt, aber einer, den ich nur selten gewann.

Mir blieb der Mund offen stehen und ich entspannte langsam meine Gesichtsmuskeln, als die Kleine auf der Stelle erstarrte und ihre Augen sich in meine bohrten. Ich stolperte rückwärts und nahm die Finger vom Zaun. Sie hatte große blaue Augen. Ihre kleine Hand hob sich ans Gesicht, um über die nassen Wangen zu wischen; ihre Unterlippe zitterte und sie atmete schwer.

Von da, wo ich jetzt war, konnte ich sehen, dass ihr Haar kohlschwarz und ihre Haut ganz blass war. Jemanden wie sie hatte ich noch nie gesehen. Andererseits kannte ich nicht viele Jugendliche in meinem Alter; durch das Leben im Club war das bei allen so. Klar gab es Kyler, aber der war mein bester Freund, mein Bruder im Club.

Auf einmal bekam die Kleine Panik: Ihr Gesicht wurde ganz weiß, sie kam blitzschnell auf die Füße und drehte den Kopf zurück zum Wald. Als sie sich rührte, drängelte ich mich hektisch wieder zum Zaun, und das Metall quietschte, als ich dagegenprallte. Sie erstarrte, schaute zurück und schnappte sich einen Ast, während sie mich ansah.

Wer bist du?, fragte ich ganz schnell in Zeichensprache.

Sie schluckte nervös und legte den Kopf schief. Vorsichtig trat sie vorwärts, ohne ein Wort zu sagen. Neugierig starrte sie auf meine Hände, sah die Zeichen, die ich machte, und zog die dunklen Augenbrauen ganz tief nach unten.

Je näher sie kam, umso kürzer wurden meine Atemzüge, und mir wurde überall warm. Ihr kohlschwarzes Haar war zu einem festen Knoten am Hinterkopf gebunden und bedeckt mit einem sonderbaren weißen Tuch. Ich hatte noch nie jemanden gesehen, der so eine Frisur hatte wie sie. Sah echt schräg aus.

Als sie ungefähr zwei Meter vor mir stehen blieb, holte ich Luft, drückte meine Bauchmuskeln fest zusammen und fragte wieder in Zeichensprache: Wer bist du?

Sie sagte nichts, sondern starrte mich nur ausdruckslos an. Gottverdammt! Sie verstand Gebärdensprache nicht. Überhaupt verstanden die nicht viele. Mein Gehör war völlig in Ordnung, aber ich redete nicht. Ky und Paps waren die Einzigen, die für mich übersetzen konnten, und gerade jetzt war ich auf mich allein gestellt.

Ich holte noch mal tief Luft, schluckte dann und gab mir echt Mühe, meine Kehle locker zu bekommen. Ich schloss die Augen, ging in Gedanken durch, was ich sie fragen wollte, und schließlich, mit einem langsamen und kontrollierten Ausatmen, gab ich wirklich mein Bestes, etwas zu sagen.

»W-W-Wer b-bist d-d-du?«

Geschockt kippte ich nach hinten und riss die Augen auf. Das hatte ich noch nie zuvor geschafft: einen vollkommen fremden Menschen anzusprechen. Meine Hände wurden ganz zappelig vor Aufregung. Mit der Kleinen konnte ich reden! Ich konnte reden … damit war sie Nummer drei.

Neugierig kam sie näher. Nur noch ein paar Schritte entfernt kniete sie sich langsam auf den Waldboden, den Kopf zur Seite gelegt, und starrte mich mit einem komischen Ausdruck im Gesicht einfach nur an.

Ihre großen blauen Augen ließen mich nicht mehr los. Ich schaute zu, wie sie mich eingehend musterte. Ich dachte daran, was sie sehen musste: mein dunkles unordentliches Haar, schwarzes T-Shirt und schwarze Jeans, schwere schwarze Stiefel und Lederbänder an den Handgelenken mit dem Zeichen der Hangmen darauf.

Als sie mir wieder in die Augen sah, schienen ihre Lippen fast unmerklich so was wie ein Lächeln zu formen. Ich krümmte den Finger in ihre Richtung, dass sie näher kommen solle.

Sie drehte sich hastig weg und blickte sich in alle Richtungen um. Nachdem sie sich versichert hatte, dass wir allein waren, stand sie auf und kam vorsichtig weiter auf mich zu. Der Saum ihres langen Kleides schleifte über eine schmutzige Stelle auf dem schlammigen Boden.

Jetzt, als sie vor mir stand, fiel mir wieder ganz deutlich auf, wie winzig sie aussah. Ich war groß, also musste sie den Kopf nach hinten legen, um zu mir aufzusehen. Ich drückte mich an den Zaun, und mir drehte sich der Magen um. Sie sah müde aus, und ihre blauen Augen zuckten im Augenwinkel, als sie auf mich zuschlurfte, so als täte ihr etwas weh.

Ich merkte, dass ihr unwohl war, also deutete ich auf den Waldboden als Zeichen, dass wir uns hinsetzen sollten. Sie nickte, senkte den Blick und ließ sich langsam und schmerzerfüllt auf die Knie fallen.

Sie gab keinen Laut von sich. Ich hoffte auf noch ein Wunder, holte ganz tief Luft und atmete langsam wieder aus. »W-Was i-ist das h-h-h-hier? L-L-Lebst d-du h-hier?«, stotterte ich, machte immer wieder eine Pause und überdachte die Wörter, während ich mich damit abmühte, sie herauszubringen. Eine Welle von Aufregung überrollte mich … Ich redete … schon wieder!

Sie schaute auf meinen Mund, sagte aber immer noch nichts, ihre schwarzen Augenbrauen fest zusammengezogen, ihre rosigen Lippen voller Konzentration gespitzt. Mir war klar, sie fragte sich, wieso ich so komisch redete; das machten alle. Sie fragte sich bestimmt, wieso ich stotterte. Keine Ahnung. War einfach schon immer so. Ich hatte schon vor Jahren aufgehört, das ändern zu wollen. Inzwischen redete ich mit den Händen. Ich ließ mich nicht gern auslachen, weil ich stotterte … doch sie lachte mich nicht aus … nicht mal ein bisschen. Sie sah nur, na ja, verwirrt aus.

Ich schaute verlegen zu Boden und da fiel mir auf, dass ihre Hände direkt an ihrer Seite des Zauns lagen, nur Zentimeter entfernt von meinen. Ohne nachzudenken, griff ich durch den Zaun und strich mit dem Finger über ihre Fingerknöchel. Ich wollte sie nur berühren und mich davon überzeugen, dass sie echt war. Ihre Haut sah so weich aus.

Sie schnappte nach Luft, zog die Hand zurück, als wäre meine Berührung Feuer, und drückte sie an ihre Brust.

»I-I-Ich t-tu d-dir n-n-nicht w-weh«, krächzte ich so schnell ich es herauszwingen konnte, denn ihr entsetzter Blick machte mir Sorgen. Schließlich sollte sie ja keine Angst vor mir haben, das wollte ich nicht. Mein Paps sagte mir immer, dass die Leute mich fürchten, mir misstrauen mussten, zu meiner Sicherheit. Die meisten Leute in meiner Welt würden meine Zeichensprache als Schwäche deuten – so viel war mir klar –, also riet Paps mir, dass ich härter werden und meine Fäuste statt Worte benutzen müsse. Inzwischen hielten die Leute mich einfach für gefährlich. Wie Ky gesagt hatte: Ich war geboren, um gefürchtet zu werden: der Wortlose Hangman.

Aber genau jetzt wünschte ich mir mehr als alles andere, dass ich das alles eintauschen könnte, nur um zu lernen, wie man richtig sprach. Ich wollte nicht, dass sie Angst vor mir hatte. Nicht die Kleine mit den großen blauen Augen – Augen wie die von einem Wolf.

Sie setzte sich wie in Trance zurück, und ihre Wolfaugen saugten mich ein. Sie sah aus wie ein Geist – nein, wie eine Göttin –, wie auf den Malereien an der Wand im Quartier. Wie die Göttin Persephone, die Frau von Hades, dem Gott der Unterwelt, den die Hangmen als ihr Zeichen trugen.

Mit einer schnellen Bewegung schob sie die zitternde Hand zum Zaun; ihre eisblauen Augen mit den weißen Sprenkeln in der Iris ließen mich nicht los, und das Helle darin leuchtete, als sie mich anstarrte.

Ich blieb absolut still. Sie war total verängstigt, und ich wollte sie nicht erschrecken. Ich hatte noch nie jemanden wie sie gesehen. Meine Hände wurden feucht, und mein Herz klopfte echt schnell.

Nervös fuhr sie mit einer Fingerspitze über meine Hand, und ihre Wangen wurden von einem Moment zum anderen ganz rot. Ich atmete mühsam, und mein hämmerndes Herz brachte mich aus dem Konzept.

Ich krümmte den Zeigefinger, hakte ihn vorsichtig um ihren und drückte die Stirn an den harten Stacheldraht.

Sie spitzte die leicht geöffneten rosigen Lippen und wackelte mit der Nasenspitze. Mir blieb die Luft weg … Sie war wunderschön.

»K-Komm n-n-n-näher«, flüsterte ich mit einem Hauch von Verzweiflung in der Stimme.

Ihre Nasenspitze zuckte wieder, woraufhin ich lächelte. »D-Du bist s-so w-w-wunderschön«, platzte ich heraus und biss mir gleich darauf auf die Lippe. Ich ballte die Hände zu Fäusten und wurde immer frustrierter, weil ich nicht besser sprechen konnte.

Sie runzelte die Stirn und schüttelte den Kopf, und mir wurde klar, sie konnte mich verstehen. Ich wollte so unbedingt, dass sie mir antwortete.

»W-W-Wieso bist d-d-du g-ganz a-allein hier d-draußen?« Die Kleine fing zu zittern an, und das Weiße in ihren Augen schien das Blaue zu verdrängen.

Sie sah so verloren aus, und ich fragte mich, warum. Ich wollte, dass sie sich besser fühlte, und ich wollte, dass dieser Ausdruck in ihrem hübschen Gesicht von traurig zu glücklich wurde. Ich hatte keine Ahnung, was ich tun sollte.

Plötzlich fielen mir die Brüder im Club ein, und wie sie ihre Frauen glücklich machten. Bevor ich wusste, was passierte, beugte ich mich schnell vor und drückte meine Lippen durch den winzigen Spalt im Stacheldraht auf ihre.

Ihre Lippen waren ganz weich.

Ich bewegte den Mund nicht, weil ich nicht wusste, was ich tun sollte, also ließ ich nur meine Lippen auf ihren. Ich machte die Augen ein wenig auf und sah, dass sie ihre ganz fest zugedrückt hatte. Ich schloss die Augen sofort wieder und hoffte, der Moment würde noch ein wenig länger dauern.

Ich hob die Hand und strich mit dem Finger langsam über ihr Gesicht, aber sie wich mit einem Keuchen zurück. Sie stolperte rückwärts und wischte sich wütend über den Mund. Tränen kullerten ihr über die Wangen.

Ich bekam Angst und platzte heraus: »Es … es … es … t-t- t…« Ich verstummte, schlug mit der Hand gegen den Zaun und verfluchte Gott, weil ich nicht anständig reden konnte. Dann holte ich tief Luft, schloss die Augen und versuchte es noch einmal. »E-Es t-tut mir … l-l-leid, i-i-ich w-w-wollte d-dich n-nicht e-e-erschrecken«, brachte ich heraus.

Sie rollte sich wieder neben dem Baum zusammen. Das graue Kleid schlotterte ihr am Leib und sie hatte die Hände fest verschränkt, während sie leise etwas vor sich hin flüsterte und sich dabei vor und zurück wiegte. Ich horchte genauer hin. Es klang wie ein Gebet. »Vergib mir, oh Herr, denn ich habe gesündigt. Tu mit mir, was du für angemessen hältst. Vergib mir, oh Herr, denn ich habe gesündigt. Ich war schwach und muss Buße tun.«

»R-Rede mit m-m-mir. G-Geht’s dir gut?«, fragte ich laut, und meine Stimme wurde kräftiger, als ich am Zaun rüttelte und nach einem Weg suchte, zu ihr durchzukommen. Ich wusste nicht warum, aber aus irgendeinem Grund wollte ich sie unbedingt in den Arm nehmen. Ich wusste, ich musste die Dinge in Ordnung bringen. Sie war so traurig … so verängstigt …, was mir überhaupt nicht passte.

Das Mädchen wurde ganz reglos, verstummte und sah mich wieder nur an.

»River? Wo zum Teufel steckst du?« Paps’ Stimme, die tief aus dem Wald nach mir rief, riss mich aus meiner Trance.

Ich ließ den Kopf in meine Hände fallen.

Nicht jetzt, nicht jetzt!

Ich drehte den Kopf zu dem Mädchen und brachte hastig heraus: »S-sag mir d-deinen N-N-Namen.« Verzweifelt warf ich einen Blick über die Schulter und sah Paps in der Ferne durch den Waldrand stapfen, auf der Suche nach mir.

»B-B-B-Bitte … einen N-namen … i-ir-irgendwas …«

Die Kleine wiegte sich schneller vor und zurück, und ihre blassen Lippen bewegten sich wieder in ihrem Gebet.

»River! Du hast fünf Sekunden, um hier aufzukreuzen! Stell mich ja nicht auf die Probe!«

»Ein N-Name! Ich b-bi-bitte dich!«

Sie erstarrte zur Salzsäule, sah zu mir hoch – nein, sie sah durch mich durch –, und mit merkwürdig geweiteten Pupillen flüsterte sie: »Mein Name ist Sin, wie die Sünde. Wir allesind Sünde.«

Sie würgte an ihren Worten und gab ein verängstigtes Wimmern von sich, als sie meinen Paps vom Fuß des Hügels brüllen hörte. Sie duckte sich ins schwere Gebüsch, kroch hastig auf Händen und Knien davon und schrie plötzlich auf, als hätte sie wieder Schmerzen.

»Nein! Geh nicht!«, rief ich ihr deutlich nach, doch es war zu spät. Ich ging vom Zaun weg und sah, wie der letzte Zipfel ihres langen Kleides in der Dunkelheit des Waldes verschwand. Eine innere Leere ließ mir fast die Beine wegknicken, aber dann drückte ich mir vor lauter Schock die Finger auf die Lippen. Meine Sprache … Zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich etwas deutlich und ohne zu stottern ausgesprochen … Nein! Geh nicht!

»River!!!«

Ich drehte mich eilig um und rannte den Hügel hinunter zu Paps.

»RIVER!!!«

Ich rannte schneller, jagte mit hochgerissenen Knien durch das hohe Gras und rannte zurück in mein Leben – zurück zu meinem Paps und dem MC; und die ganze Zeit fragte ich mich, ob ich Sin je wiedersehen würde …

… das Mädchen mit den Wolfaugen.

1

Salome

Fünfzehn Jahre später …

Lauf, lauf, immer weiterlaufen …

Ich zwang die müden Beine weiter. Meine Muskeln brannten, als hätte man ihnen Gift injiziert, und meine nackten Füße, die immer wieder auf den kalten harten Waldboden trafen, waren völlig taub, aber ich würde nicht aufgeben … denn das durfte ich nicht.

Atmen, laufen, einfach in Bewegung bleiben …

Mein Blick huschte hektisch durch den dunklen Wald, auf der Suche nach den Jüngern. Keiner zu sehen, doch das war nur eine Frage der Zeit. Bald würden sie bemerken, dass ich fehlte. Aber ich konnte nicht bleiben und meine vorbestimmte Pflicht gegenüber dem Propheten erfüllen; nicht nach dem, was heute Nacht geschehen war.

Meine Lungen brannten unter keuchenden Atemzügen, und mein Brustkorb hob und senkte sich vor Überanstrengung.

Überwinde den Schmerz. Lauf weiter, lauf einfach weiter.

Ungesehen passierte ich den dritten Wachtturm und gönnte mir einen kurzen Moment der Freude – der Grenzzaun war nicht mehr weit. Ich gestattete mir die Hoffnung, dass ich am Ende wirklich freikommen konnte.

Dann heulte die Alarmsirene auf, und ich kam zitternd zum Stehen.

Sie wissen Bescheid. Jetzt kommen sie mich holen.

Ich zwang meine Beine, noch schneller zu laufen; Dornen und spitze Zweige bohrten sich in meine Fußsohlen. Ich biss die Zähne zusammen und wiederholte im Geiste: Fühl keinen Schmerz. Fühl keinen Schmerz. Denk an sie.

Sie durften mich nicht finden. Ich durfte mich nicht von ihnen finden lassen. Ich kannte die Regeln. Lauf niemals weg. Versuch niemals wegzulaufen. Aber ich war auf der Flucht. Ich war entschlossen, ihrer Bösartigkeit ein für alle Mal zu entkommen.

Ich erblickte die hohen Pfosten des Grenzzauns, und meine Arme bewegten sich mit neuer Kraft, als ich die letzten Schritte sprintete. Ich stieß heftig gegen das harte Metall, und die Pfosten knirschten unter der Wucht des Aufpralls.

Hektisch suchte ich nach einer Lücke.

Nichts.

Nein! Bitte!

Ich rannte zu jedem Pfosten – keine Lücken, keine Löcher … keine Hoffnung.

In Panik fiel ich zu Boden, grub die Finger in die trockene Erde, wühlte, buddelte um meine Freiheit. Meine Finger krallten sich in den harten Dreck – Fingernägel brachen ab, Haut schürfte sich auf, Blut floss, doch ich hörte nicht auf. Ich hatte keine andere Wahl, als einen Weg nach draußen zu finden.

Die Sirene heulte weiter und schien immer lauter zu kreischen, wie ein Countdown bis zu meiner Wiederergreifung. Wenn sie mich fanden, würde man mich ständig überwachen und schlimmer behandeln als je zuvor – ich wäre noch mehr eine Gefangene, als ich jetzt schon war.

Lieber würde ich sterben.

Wie lange bin ich schon weg? Sind sie nahe? Panische Gedanken tobten in meinem Kopf, aber ich wühlte weiter.

Dann hörte ich die Hunde näher kommen. Bellen, Knurren, tollwütige, bösartige Wut der Wachhunde des Ordens, und ich buddelte noch fieberhafter.

Die Wärter unter den Jüngern trugen Schusswaffen; große halb automatische Pistolen. Sie verteidigten dieses Land wie Löwen. Sie waren brutal, und sie erwischten ihre Beute immer. Man würde mich einfangen und bestrafen, genau wie sie. Mich foltern für meinen Ungehorsam.

Genau. Wie. Sie.

Die Spürhunde waren lauter geworden, und das harte schwere Hecheln und das nervenaufreibende Bellen kamen immer näher. Ich unterdrückte den Schrei, der mir aus der Kehle wollte, und grub weiter, wühlte, buddelte, schaufelte – um frei zu sein. Mit der ständigen Sehnsucht nach Freiheit …

Ich will endlich frei sein.

Einen Moment lang erstarrte ich, als ich Stimmengewirr hörte. Scharfe Befehle waren zu hören. Waffen wurden geladen, hörbar entsichert; schwere Stiefel stampften immer näher.

Sie waren zu nahe.

Ich kreischte fast vor Frust und Entsetzen auf, als ich zu dem Schluss kam, dass die Lücke unter dem Zaun nicht groß genug für mich aussah. Doch ich musste weitermachen. Ich hatte keine Wahl. Ich musste es versuchen. Ich konnte nicht einen Tag länger in dieser Hölle leben.

Mit dem Kopf zuerst zwängte ich mich durch den winzigen Spalt unter dem Zaun, und mein Oberkörper schrabbte über die gerade ausgegrabene Erde. Meine Schulter schrammte an dem schartigen Metall des Stacheldrahtzauns vorbei, aber das war mir gleich – was war schon eine Narbe mehr?

Ich nutzte die Hände als Krallen und schleifte meinen Körper vorwärts. Ich hörte deutliche Stimmen, das klare Timbre der Brüder und ihre wilden Hunde, die ständig hungrig gehalten wurden und nun voller Blutdurst heulten.

»Sie wird nach Lücken oder schwachen Gliedern suchen. Sichert das zweite Team am Nordtor. Wir gehen nach Süden, und egal was passiert: Findet sie! Der Prophet wird den Zorn des Allmächtigen über uns bringen, wenn wir sie verlieren!«

Ich unterdrückte einen angstvollen Aufschrei und schob und kroch vorwärts. Ich drängte mich durch den trockenen Matsch und zappelte verzweifelt mit den Beinen. Tiefe Schrammen bedeckten meine Haut. Mein weißes Hemd zerriss an den Dornen des Stacheldrahts, und ich sah hilflos zu, wie mein Blut auf den trockenen Boden tropfte.

Nein! Fast wollte ich frustriert aufschreien. Die Hunde würden mein Blut wittern. Darauf waren sie trainiert.

Mit einem letzten Ruck war ich mit dem Oberkörper durch, nur die Beine fehlten noch. Ich drehte mich auf den Rücken, grub die Fersen in die Erde und mühte mich, in Freiheit zu kommen.

Ein Gefühl, nein, eine Woge von Euphorie bei der Erkenntnis, dass ich fast frei war, löste sich blitzschnell wieder auf, als ich um einen Busch in der Nähe einen schwarzen Hund herumlaufen sah. Ich konzentrierte mich auf einen Baum jenseits des Zauns – ein Ziel, zu dem man kriechen konnte – und wollte mich vorwärtsziehen, aber plötzlich jagte ein stechender Schmerz durch mein linkes Bein. Messerscharfe Zähne bohrten sich in meine Haut, und als ich nach unten sah, hielt ein muskulöser Wachhund meinen linken Unterschenkel mit seinen Zähnen gepackt; knurrend grub er sich in mein schwaches Gewebe.

Ich wurde blass vor Schmerz und kämpfte die aufsteigende Übelkeit nieder. Mit den Handflächen schlug ich auf den Waldboden und fand Halt an einem großen Stein. Ich schluckte einen Schrei hinunter, der aus meiner Kehle wollte, zog mein zerfleischtes Bein weg vom Zaun auf mein Ziel zu. Der Hund wollte seinen großen Kopf unter den Zaun hindurchzwängen, packte mein Bein noch fester und schüttelte es hin und her, als würde er mit einem Stock spielen.

Mit letzter Kraft griff ich ihn an. Der Stein, an den ich mich gezogen hatte, wurde locker in meinen Händen, und ich schlug den Hund damit auf den Kopf, immer und immer wieder. Von seinen gefletschten Zähnen tropfte weißroter Schaum, und seine schwarzen Augen brannten höllisch vor Wut. Die Wärter ließen ihre Hunde hungern, damit sie blutrünstig wurden, und sie zwangen sie, gegeneinander zu kämpfen, damit sie ständig wütend waren. Die Wärter argumentierten, je hungriger die Hunde waren, umso bösartiger seien sie, wenn sie Deserteure jagten.

Ich holte Luft durch die Nase und versuchte mich zu konzentrieren; ich musste nur den Griff des Hundes lockern, nur ein klein wenig, um mein verletztes Bein freizubekommen.

Und dann passierte es.

Mit einem letzten Schlag des Steins zuckte der wütende Hund zurück und schüttelte den malträtierten Kopf. Ich zog mich aus dem flachen Loch heraus, und mein Atem ging in kurzen heftigen Zügen, als mein Körper den Schockzustand erreichte.

Als ich vom Zaun wegkroch, ging mir nur ein Gedanke durch den Kopf: Ich habe es tatsächlich getan.Ich bin frei.

Der Hund war noch benommen von den Schlägen, aber er stürzte sich auf den winzigen Spalt. Noch einmal schnappten seine großen Kiefer mit den scharfen Zähnen zu und rissen mich aus meiner Benommenheit. Ich kroch weiter, füllte den Leerraum hastig mit so viel Dreck, wie ich zusammenbekam, und versuchte dann aufzustehen, doch mein verletztes Bein hielt die Anstrengung nicht aus. Es konnte mein Gewicht nicht tragen. Innerlich schrie ich: Nicht jetzt! Bitte, Herr, gib mir die Kraft, weiterzulaufen.

»Hier! Sie ist hier!«

Ein schwarz uniformierter Jünger tauchte aus dem dichten Laubwerk auf und sah wütend auf meine kauernde Gestalt jenseits des Zauns. Er nahm seine Sturmhaube ab, und mir wurde es ganz schwer ums Herz. Diese lange Narbe auf der Wange würde ich überall wiedererkennen. Gabriel, Prophet Davids Stellvertreter. Sein schwerer brauner Bart verbarg den Großteil seines Gesichts, wie es bei allen Brüdern des Ordens üblich war. Aber Gabriel war der Jünger, den die Meinen am meisten fürchteten, der Mann, der verantwortlich war für die Gräueltat, die ich heute Nacht mit angesehen hatte … verantwortlich dafür, dass ich sie verlor …

Kopfschüttelnd kam Gabriel langsam näher, während er ein Ts-ts vor sich hin murmelte, und ging in die Hocke, um mir in die Augen zu sehen. »Salome, du törichtes Mädchen. Du hast doch nicht geglaubt, du könntest so einfach abhauen, oder?«

Ein spöttisches Grinsen trat in sein Gesicht, und er lehnte sich noch näher an den Metallzaun. »Komm zurück, hier durch, und stelle dich deiner Bestrafung. Du hast gesündigt … schwer …« Er lachte gönnerhaft, und die anderen Jünger taten es ihm pflichtbewusst nach. Ich schauderte am ganzen Körper vor Entsetzen. »Muss wohl in der Familie liegen.«

Ich versuchte seinen Spott zu ignorieren. Mit verstohlenen Blicken suchte ich die Umgebung nach einem Fluchtweg ab.

Plötzlich richtete Gabriel sich auf und machte schmale Augen. »Denk nicht einmal daran. Wir werden dich finden, wenn du wegläufst. Du gehörst hierher, zum Propheten, zu deiner Gemeinde. Er wartet schon am Altar, und nach den heutigen Ereignissen ist er begierig darauf, die Zeremonie fortzusetzen. Außerhalb des Zauns gibt es nichts für dich. Nur Täuschung, Sünde und Tod.«

Ich kroch zu meinem Baum, meinem Ziel, und zog mich an der rauen dicken Rinde vom Waldboden hoch. Mit aller Kraft versuchte ich seine Worte auszublenden, aber ich kam ins Wanken. Noch mehr Jünger brachen durchs dichte Unterholz, um mich stolpern zu sehen; ihre großen Schusswaffen waren, ganz präzise, auf meinen Kopf gerichtet.

Sie konnten nicht – würden nicht – schießen. Prophet David würde das nicht erlauben. Im Grunde konnte mir nicht viel passieren. Doch selbst wenn es mir heute gelang, auszubrechen, würden sie die Suche nach mir nie aufgeben. Ich senkte den Blick auf das Tattoo an meinem Handgelenk, rieb über die Schrift und las den Text, der mir als Kind auf die Haut gezwungen worden war. Ich glaubte einfach nicht mehr an den Orden. Wenn mich das zu einer Sünderin machte, dann war ich froh, eine Gefallene zu sein.

Ich ignorierte das Zittern meiner Hände, streckte sie nach unten aus und riss einen langen Stoffstreifen von meinem Rocksaum ab. Den band ich um die offene Wunde am Bein, um die Blutung zu stillen.

»Denk nach, Salome. Dein Ungehorsam wird harte Bestrafung über alle Töchter bringen. Das willst du deinen Schwestern doch bestimmt nicht antun? Delilah und Magdalene? Willst du ihnen Schmerz zufügen, weil du schwach warst und der Versuchung nachgegeben hast?«

Gabriels ruhiger Tonfall ließ mich innerlich erstarren. Meine Schwestern. Ich liebte sie, ich liebte sie mehr als alles andere … aber ich musste das tun. Ich konnte nicht zurück, nicht jetzt. Ich hatte den Weckruf, den ich brauchte, um endlich den Absprung zu schaffen, zu fliehen. Ich wusste, es musste so viel mehr im Leben geben, als … bei ihnen zu sein.

Mit einem letzten Blick auf die einzige Familie, die ich je gekannt hatte, drehte ich mich um, zog das linke Bein hinter mir her und floh in die dichte Finsternis des Waldes.

Lauf, lauf einfach weiter …

»Verdammt!«, kreischte Gabriel und gab schrill seinen Befehl: »Los alle. Macht euch zu den Toren auf und schwärmt aus. Verliert sie nicht!«

Sie waren auf dem Weg. Die Tore waren nicht weit entfernt, aber weit genug, um mir wertvolle Zeit zu verschaffen. Ich brauchte nur Zeit.

Ich schleppte mich tiefer in den Wald und zwang mich, schneller zu laufen. Ich trieb mich hart an, trieb meinen Körper bis an die Grenze und betete bei jedem Schritt. Ich schrie nicht, schluchzte nicht einmal, wenn tiefe Zweige mir ins Gesicht schlugen oder ich überall am Körper von überwucherten Büschen getroffen wurde.

Ich wusste, ich blutete stark. Ich hatte Schmerzen, lief allerdings weiter. Aber obwohl zerschlagen und zerschrammt, wusste ich: Meine Alternative zurück im Orden wäre weit schlimmer.

Ich lief an einem Baum nach dem anderen vorbei, und es wurde immer dunkler. Ich wich Schlangen und anderen Kriechtieren aus, und die Stunden vergingen, doch ich blieb nicht stehen. Der Mond schien hoch über mir, als das Tageslicht langsam schwand und ich immer schwächer wurde – Blut lief langsam, aber beständig mein Bein hinab. Ich verband die Wunde neu mit einem anderen schmutzigen Stofffetzen, doch vor allem blieb ich unentdeckt von den Wächterjüngern. Ich war müde … trieb mich allerdings weiter.

Dann, endlich, als ich meine körperliche Grenze erreicht und die Hoffnung fast verloren hatte, fand ich eine Straße. Mit neuer Kraft stolperte ich einen steilen Hügel hinunter und landete hart auf dem bröckelnden Beton des unebenen Asphalts.

Ich war stolz auf mich, dass die Jünger mich nicht gefunden hatten. Aber ich durfte nie aufhören, wachsam zu sein. Ich konnte nicht frei sein, bis ich ganz weit weg war.

Ich humpelte neben der Straße entlang, eine stille, verlassene Fahrbahn. Das Zirpen der Grillen und das Schuhu der Eulen waren die einzigen Laute in der Dunkelheit. Ich wusste nicht, wo ich war. Ich hatte den Orden noch nie zuvor verlassen.

Ich hatte mich vollkommen verirrt.

Noch während ich versuchte, einen Plan zu fassen, was ich als Nächstes tun sollte, flammten plötzlich Lichter um eine enge Kurve herum auf. Sie blendeten mich. Ich hob die Hand, um meine Augen vor dem grellen Licht zu schützen, als ein riesiges Fahrzeug in Sicht kam. Ein großer schwarzer Wagen, der langsamer wurde. Ein großer schwarzer Wagen, der neben mir anhielt. Das Fenster wurde heruntergekurbelt und enthüllte das geschockte Gesicht einer älteren Frau.

»Himmel, Schätzchen! Wieso bist du ganz allein hier draußen? Brauchst du Hilfe?«

Eine Außenseiterin.

Prophet Davids Lehren bombardierten meine Gedanken: Sprich niemals mit den Außenseitern. Sie sind des Teufels. Sie tun des Teufels Werk.

Doch ich hatte keine Wahl.

»Helfen Sie mir. Bitte«, krächzte ich. Ich hatte schon lange nichts mehr zu trinken gehabt, und meine Kehle fühlte sich an, als hätte ich Sand geschluckt.

Die Außenseiterin beugte sich vor, und die schwere Tür ging auf. »Steig ein, Schätzchen. Die Straße hier ist kein Platz für ein junges Ding wie dich, vor allem nicht um diese Zeit, mitten in der Nacht. Gibt gefährliches Volk hier in der Gegend, und du willst bestimmt nicht, dass die dich ganz allein finden.«

Ich humpelte vorwärts, griff nach dem langen silberfarbenen Geländer an der Seite und kletterte hinauf auf den warmen Sitz. Ich mahnte mich, wachsam zu bleiben, immer auf der Hut zu sein.

Die schmalen braunen Augen der Dame wurden ganz groß, und ihr graues Haar sah wie ein flaumiger Heiligenschein um ihren Kopf aus. »Schätzchen, dein Bein! Du musst in ein Krankenhaus. Wie ist das passiert? Sieht ja schlimm aus!«

»Bitte bringen Sie mich nur in die nächste Ortschaft. Ich brauche keinen Heiler«, flüsterte ich. Mein Kopf fühlte sich leicht an, und mein Atem wurde langsam in der schweren Brust.

»Nächste Ortschaft, Mädchen? Die ist meilenweit weg. Du brauchst sofort Hilfe! Was ist denn passiert? Du siehst übel aus.« Plötzlich schnappte sie nach Luft. »Bitte sag mir, dass du nicht angegriffen wurdest. Sag mir, dass kein Kerl sich dir aufzwingen wollte.« Ihr Blick wanderte über meinen Körper zu dem Blut, das inzwischen an meinem Bein nach unten tropfte, und danach schaute sie suchend hinter sich über die großen Spiegel an der Tür. »Oh nein … hat dich jemand … gegen deinen Willen genommen?«

Ich mied ihren Blick. Sie konnte mich kontrollieren; man hatte mich gelehrt, dass jeder außerhalb des Ordens mich in Versuchung führen würde. Ich gehörte zu Prophet Davids auserwähltem Volk, von allen anderen beneidet. Ich musste ihrer Falle ausweichen.

»Ich wurde nicht angegriffen. Bitte. Nur … bringen Sie mich in die nächste Ortschaft«, bat ich noch einmal.

Der große Wagen fuhr mit einem ohrenbetäubenden Hupsignal auf die unbeleuchtete Straße. Ich zuckte zusammen, als ich es hörte, und starrte aus dem großen Fenster, tief ins Gebet versunken. Vater unser, der du bist im Himmel, geheiligt werde …

»Woher kommst du, Schätzchen?«, unterbrach mich die Stimme der Frau – sanft und lockend. Sie klang wie ein Schlaflied. Verbarg sie böse Absichten? Oder war sie aufrichtig? Ich wusste es nicht … Ich wusste es einfach nicht! Ich war so benebelt, dass ich mich nicht konzentrieren konnte.

Also schwieg ich.

»Bist du aus diesem Wald gekommen? Und falls ja, wie? Woher? Da drin gibt es nichts als Bäume und Bären. Niemand, der bei Verstand ist, geht in diesen Wald. Zu viele unheilige Dinge, die in diesen alten Bäumen lauern. Ich habe sogar Gerüchte gehört, über eine Testeinrichtung der Regierung da drin oder so.« Ich wagte nicht in ihre Richtung zu schauen. Sie redete weiter, aber ich konnte ihre Stimme ausblenden.

Wir fuhren weit, und viele Stunden vergingen. Ich wusste nicht, wo wir waren, doch mit jeder zurückgelegten Meile entspannte ich mich etwas mehr. Ich war müde, und zu meiner großen Freude schmerzte mein Bein nicht mehr. Ich war vollkommen taub und schläfrig. Ich kämpfte darum, die Augen offen zu halten, und als mir klar war, dass ich nicht mehr lange wach bleiben konnte, war es Zeit zu handeln.

»Bitte halten Sie an«, drängte ich und drückte die Handflächen an die große Fensterscheibe. Mein Blick suchte die Ödnis draußen ab, nach einem Ort, an den ich mich flüchten konnte. Erleichtert seufzte ich auf, als ich ein Stück weit entfernt von der Straße ein rechteckiges graues Gebäude sah. Da konnte ich Unterschlupf finden … mich verstecken … mich ausruhen, bis ich wieder stark genug war, um meine Reise fortzusetzen.

Die Frau fuhr langsamer und schüttelte den Kopf. »Himmel, nein! Ich lasse dich doch nicht hier! Bis zur Stadtmitte ist es noch ein ganzes Stück. Ein Mädchen wie du gehört nicht an einen solchen Ort. Es ist gefährlich hier. Voll mit bösen, bösen Leuten. Weißt du denn überhaupt, was das hier für ein Ort ist?«

Meine Sicht wurde verschwommen und tunnelartig, und mir drohte schwarz vor Augen zu werden. »Meine Freundin ist hier. Sie wartet schon«, sagte ich panisch; die Lüge kam mir überraschend leicht über die Lippen.

Plötzlich fuhr der Wagen auf den knirschenden Kies und kam ruckartig zum Stehen. »Hier hast du Freunde?« Ihre Stimme klang schockiert.

»Ja.«

»Also, da soll mich doch … Hatte dich nicht für so eine gehalten. Der Teufel hat viele Gesichter, schätze ich. Erklärt irgendwie deinen Zustand. Ich nehme an, die haben beschlossen, dir eine Lektion zu erteilen, hm? Haben dich irgendwo abgeladen und alleingelassen, damit du selbst nach Hause findest? Und hier bist du und kriechst voll Blut und blauer Flecken zurück in die Höhle des Bösen.«

Ich begriff nicht, was sie meinte. Was hieß so eine? Ich stemmte die Tür auf und ließ mich ohne ein weiteres Wort auf den harten Boden fallen. Ich musste mich verstecken. Ich musste nur die Kraft für noch ein paar Schritte mehr finden.

Mit einem lauten Fauchen kroch das große Fahrzeug weiter in die Ferne, und ich taumelte die lange Straße entlang auf das abgelegene Gebäude zu. Da es riesig und umzäunt war, wirkte es sehr imposant. Aber am wichtigsten war, dass es nahe war, und das schwer aussehende hohe Tor war gerade so weit offen, dass ich mich hindurchquetschen konnte.

Das war zwar geschafft, doch meine Sicht wurde rasch schwächer. Ich wusste, ich konnte nicht weitergehen. Meine Reserven waren erschöpft, also legte ich mich auf den groben harten Boden hinter einer Reihe großer, breiter Container und gab dem Drängen meiner Lider nach Schlaf nach. Das Letzte, das ich sah, als ich aufblickte, war … Satan … an die Wand des Gebäudes gegenüber gemalt. Er saß auf einem großen Thron und hatte eine blauäugige Frau an seiner Seite.

Durch den Schrecken hellwach, zitterte ich in Panik vor dem Bild, und die Worte der Dame in dem großen Auto hallten in meinem Kopf. Wo in aller Welt bin ich?

Bald darauf, als ich nicht länger fähig war, dem Schlaf zu trotzen, ging mir ein letzter Gedanke durch den Kopf, ehe ich in Bewusstlosigkeit versank: Dort draußen gibt es nichts als Täuschung, Sünde und Tod …

2

Styx

Schäumend vor Wut stürmte ich durch die Tür ins Gebäude. Ein paar Clubschlampen machten schnell, dass sie mir aus dem Weg kamen – richtige Entscheidung.

Ich stürmte in mein Büro, blieb an der nächsten Wand stehen und knallte die Hände gegen die Zementwand. Ich schloss die Augen, atmete langsam und überlegte mir genau, was ich sagen wollte. Ich durfte vor den Brüdern nicht die Fassung verlieren.

Ky, mein Vizepräsident und bester Freund, machte leise die Tür hinter mir zu. Seine Stiefel polterten schwer auf dem Hartholzboden. Ich drehte mich zu ihm um, und er nickte, um mir zu signalisieren, dass wir allein waren. Voller Frustration atmete ich lang gezogen aus.

»V-Verdammte Di-Di-Di-Diablo-D-D-D-Dreckskerle!«, brachte ich aus meinem verdammten kaputten Mundwerk.

Ky starrte mich mit ausdruckslosem Blick an. Dann ging er zur Bar und schenkte mir einen Bourbon ein – er wusste, was er zu tun hatte. Er hielt mir ein volles Glas Alk hin und gab mir damit meine Art von Arznei. Mit einem geübten Zug kippte ich den Drink runter … dann noch einen … und noch einen. Endlich merkte ich, wie es lockerer wurde, das ständig präsente Tau, das mir die Seele aus dem Hals würgte.

»Mehr?« Ky stand an der Bar parat, die Flasche Bourbon in der Hand.

Ich räusperte mich und versuchte zu sprechen. »I-I-Ich …«

Scheiße! Mit einer Handbewegung gab ich meinem VP das Zeichen, dass er mir noch einen Drink einschenken sollte … und noch einen … und dann noch einen, um sicherzugehen.

Er zog die blonden Augenbrauen hoch und fragte wortlos, ob ich mehr brauchte.

»Ist … ist … ist schon besser«, sagte ich und seufzte erleichtert. Das Zimmer drehte sich irgendwie um mich, aber wenigstens hatte die Scheißpython, die sich dauernd um meine Stimmbänder schlängelte, beschlossen, mal ein Nickerchen zu halten.

»K-Ky, du gehst dem M-M-Mist besser mal auf den G-Grund, oder wir ziehen … in den Krieg, hörst du? I-Ich bin so ziemlich fertig mit dem ganzen Ha-Ha-Haufen!«

Kys Miene veränderte sich. Er wurde ganz kreidebleich und hob die Hände, um seine Worte zu betonen. »Styx, Mann, ich schwöre, wir hatten alles geklärt. Irgendein Wichser hat den Deal hinter unserem Rücken platzen lassen.« Dieses Scheißding war sein Deal gewesen, und er hatte offensichtlich keine Ahnung, was zur Hölle schiefgelaufen war.

Ich rieb mir mit einer Hand über die Stirn und zeigte mit der anderen zur Kapelle. Ky hatte meine Anweisung kapiert, denn er nickte.

Ich schnappte mir die halb leere Flasche Bourbon, trank direkt daraus und fühlte, wie die Flüssigkeit mir die Kehle hinunterbrannte.

Ky ging los, um die Brüder zu versammeln, und gab mir damit Zeit, mich zusammenzureißen. Ich tigerte im Büro hin und her, und mir war klar, dass Ky die Wahrheit sagte. Diese verdammten Diablos. Es mussten die Diablos sein! Wie konnte ein Deal, der nach monatelangen Gesprächen mit den Russen klar war, in ein paar Tagen einfach so platzen?

Irgendwer hatte uns ausgebootet. Das war die einzige Erklärung. Und irgendein Arschloch würde dafür sterben!

Ich ging aus dem Büro in die Kapelle und kippte mir dabei weiter das braune Zeug hinter die Binde. Es half mir, flüssiger zu sprechen. Die verdammten Wörter, die mir immer gerade so außer Reichweite in der Kehle stecken blieben und nie rauswollten.

Schnell füllten die Brüder den Raum, und die Anspannung tropfte aus jeder Pore, als sie mich furchtsam anstarrten. Sollten sie auch. Ich war echt so weit, irgendwem den Arsch aufzureißen. Ich roch eine Ratte. Eine Ratte in meiner eigenen Scheißbruderschaft. Mein alter Herr würde sich im Grab umdrehen. Niemand verrät einen Bruder. Also niemand, der ein langes und schmerzloses Leben führen will.

Ich grinste in mich hinein, als die Brüder sich fast in die Hose machten, während sie mich beobachteten. Es gibt nur eins, was andere Leute davon abhält, einen in der Luft zu zerreißen, weil man ein stummes Weichei ist, und das ist die Tatsache, dass man ein kaltblütiger Killer mit stahlharten Fäusten ist. Schon lustig, dass keiner sich offen traut, einen darauf anzusprechen, dass man an Scheißvokabeln erstickt, wenn ein Schlag in die Fresse reicht, um vom Hals abwärts gelähmt zu sein.

Ky machte die Tür zu; das Zeichen, dass alle Hangmen anwesend waren. Ich gönnte mir noch einen Schluck Bourbon und setzte mich auf den obersten Sitz, den Richterhammer in der Hand. Mein VP stand rechts neben mir und musterte meine harte Miene mit angespanntem Blick, während er darauf wartete, dass ich anfing.

Ich zog mein Lieblingsmesser aus dem Stiefel – ein KM2000-Kampfmesser von der Deutschen Bundeswehr – und rammte es in die hölzerne Tischplatte vor mir. Die Klinge bohrte sich durch die dicke Eiche wie durch Fleisch.

Alle um mich herum rissen die Augen auf.

Standpunkt klargemacht.

Ich lehnte mich zurück und bedeutete Ky, mit der Übersetzung anzufangen.

Falls irgendwer weiß, was zur Hölle heute Abend passiert ist, sollte er besser anfangen zu reden … und zwar auf der Stelle.

Keiner sagte etwas, und keiner sah mir in die Augen. Ich spürte das Prickeln von Zorn im Unterkiefer.

Mit den Ellbogen auf dem Tisch machte ich weiter: Dieser Deal war seit vier Monaten auf dem Tisch. Abladen, Transport, das ganze verdammte Programm. Alles war bis aufs kleinste Detail genau geplant. Und dann kommen wir zum vereinbarten Ort, haben eine ganze Wagenladung mit Zeug dabei, nur damit wir gesagt kriegen, dass irgendein anderer Lieferant auf unserer Wiese spielt und uns unterboten hat. Diese Bastarde! Die Frage ist … Ky lehnte sich auf seinem Stuhl zurück und beobachtete meine Hände, die sich immer schneller bewegten, je wütender ich wurde. Wer klaut uns hier das Geschäft? Noch wichtiger: Woher zum Henker wussten die von dem Deal? Das ist bis jetzt nirgends zu erfahren.

Ich nutzte Kys Atempause, schnappte mir mein Messer, zeigte damit auf jeden einzelnen Bruder am Tisch und sah ihm in die Augen. Dann nahm ich die Klinge zwischen die Zähne und machte weiter: Fünfzig Kisten mit AK47-Kalaschnikows, zehn Kisten M82A1-Scharfschützengewehre und zehn Kisten voll mit Halbautomatikwaffen in bester Qualität – und jetzt kein Käufer. Die Kolumbianer nehmen das Zeug nicht mehr zurück. Das heißt, Folgendes wird passieren, übersetzte Ky mit wachsendem Zorn, während er darauf wartete, dass ich zu Ende kam.

Ich fuhr mit der Zunge über die Messerspitze und roch den dicken Gestank von Verrat. Einschüchterung spülte immer eine Ratte heraus. Und im Einschüchtern war ich ein gottverdammter Experte – mein alter Herr war ein guter Lehrer gewesen. Der schalldichte Schuppen hinten raus war nicht für Schreinerarbeiten da, das war schon mal klar.

Ich ließ das Messer langsam wieder in den Tisch vor mir gleiten und signalisierte dann: Wir finden einen neuen Käufer, und zwar bald … damit unsere Freunde vom ATF bei uns anklopfen. Dann finden wir raus, wer es gewagt hat, sich mit uns anzulegen. Ich – Styx – hat die Diablos schwer im Verdacht, aber im Moment könnte es wirklich jeder sein. Immerhin ist unsere Liste an Feinden kilometerlang.

Ky räusperte sich. »Kann ich offen sprechen, Präs?«

Mit knappem Nicken erteilte ich ihm das Wort.

»Ich weiß, du hast Streit mit den Diablos, Bruder. Verdammt, ich will sie genauso gern im Hades sehen wie du, aber die handeln ausschließlich mit Drogen. Zumindest hab ich noch nie was davon gehört, dass sie auch im Waffengeschäft sind. Ich sag ja nur. Für mich riecht das nicht nach den Mexikanern.«

Da hatte er nicht unrecht. Die Mexikaner in diesem Teil von Texas schafften für die Drogenkartelle Kokain über die Grenze.

Ich ließ nachdenklich die Knöchel knacken, und das Leder meiner Kutte knarzte bei der Bewegung. Urplötzlich warf ich mein KM2000-Kampfmesser quer durch den Saal und sah zu, wie es in die Wand gegenüber einschlug wie in Butter, genau in die Mitte des Clubabzeichens.

Auf eine Kopfbewegung von mir sah Ky meinen Zeichen zu und übersetzte: Wer käme noch infrage? Stehen wir gut mit den Leuten von Austin?

Viking – unser Sekretär, Mitte dreißig, rotes Haar, helle Haut, langer roter Bart und ein verdammter Riese von einem Kerl – nickte. »Ja. Wir zahlen ihnen gutes Geld dafür, dass wir ihr Gebiet durchqueren dürfen. Mit denen gibt es keinen Ärger.«

»Die Iren?«, fragte Ky.

»Die halten die Füße still nach der Drogenrazzia. Tommy O’Keefe ist zurück zur Grünen Insel geschippert. Sechs Brüder sitzen«, berichtete Tank – mein Schatzmeister, Ex-Neonazi, kräftig gebaut, einunddreißig und überall tätowiert. Er fuhr sich über die Messernarbe an seinem rasierten Kopf, die er sich mal im Knast eingefangen hatte.

Ich atmete lang gezogen aus, nahm einen großen Schluck Schnaps und fragte: Irgendeine Idee, wer die Knarren wollen könnte? Ky gab meine Frage weiter.

AK – Sergeant-at-Arms, Riesenkerl, langes braunes Haar, Kinnbart, Ende zwanzig, konnte jedes Ziel perfekt treffen, Ex-Marine und Scharfschütze – hob den Kopf.

»Ich habe einen Kontakt bei den Tschetschenen. Die könnten interessiert sein. Sie sind im Krieg mit den Roten. Das könnte die perfekte Rache sein. Wir erzählen ihnen, womit die Russen sich eindecken. Die werden gleichziehen wollen. Wir liefern und schicken damit den roten Wichsern eine Nachricht, dass sie uns nie wieder unterbieten sollen.«

Ich nickte und spürte einen Anflug von Erleichterung in den Knochen.

Fädel das ein, befahl ich per Zeichensprache, und die Brüder um den Tisch schienen sich zu entspannen.

Flame – durchgeknallter Hurensohn mit falschem Irokesenschnitt, fünfundzwanzig, orangefarbene Flammentattoos am Hals, Narben und Piercings über den halben Körper verteilt – stand auf, tigerte knurrend hin und her und schlug sich dabei abwechselnd auf die Arme. Er hatte den Großteil seines Lebens stationär und ambulant im Irrenhaus verbracht, hatte ein totales Wutproblem, war dann ausgebrochen und hatte zum Spaß Gesindel massakriert. Irgendwelcher echt abgefahrener Scheiß. Ein paar Jahre später stieß er auf uns, und wir rekrutierten ihn. Er half uns im Krieg mit den Mexikanern und bewies hundertprozentige Loyalität zum Club. Also machten wir ihn zum Mitglied. Jetzt ließen wir ihn auf solche los, die es verdient hatten, auf total abgefahrene Art und Weise abzukratzen. Der durchgeknallte Bastard war da echt erfinderisch.

Flame zog mein Messer aus der Wand, fuhr sich damit über die Unterseite seines Armes und stöhnte dann, als würde ihm gerade irgendeine Schlampe einen blasen. Blut tropfte auf den Boden. Er zischte genüsslich und schloss die Augen. Shit, war der Typ gebaut. Würde er nicht ständig wie ein Mörder dreinblicken, wäre er ziemlich gut aussehend. Die Frauen lagen verdammt richtig damit, dem Psycho aus dem Weg zu gehen. Falls ihn irgendeine anfasste, würde er ihr mit einer Hand das Herz herausreißen.

Ky verdrehte die Augen und sah mich an. Ich begriff, was er sagen wollte. Flame brauchte ein Ventil. Das würde er auch bald genug kriegen. Wir alle. Krieg kam auf uns zu. Ich konnte es in den Knochen spüren.

»Alles gut, Bruder?«, fragte Ky Flame. Wir starrten ihn alle nur an, während er blutete und einen ziemlichen Ständer in der Hose hatte.

Flame kam zu mir und hielt mir mein blutiges Messer hin. Seine schwarzen Augen loderten. »Muss Blut sehen. Diese Petze braucht eine Lektion. Die Rache brennt in mir, Styx. Läuft wie Gift durch meine Adern.«

»Bruder, sobald wir eine Spur haben, bist du an der Reihe«, beteuerte Ky ihm, und ich nickte zustimmend.

Flame lächelte, sodass seine weißen Zähne leuchteten und sein mit schwarzer Tinte tätowiertes Zahnfleisch mit dem Schriftzug Schmerz darauf sich gegen das gerötete Fleisch abhob. »Fuck, ja!«

Ich musterte die anderen Brüder und suchte nach Zuckungen oder sonstigen Anzeichen von Furcht.

Immer noch nichts.

Nicht die geringste Regung.

Ich rutschte auf meinem Stuhl und gestikulierte. Mein VP übersetzte. »Sonst noch was?«

Kollektives Kopfschütteln beantwortete die Frage. Ich nahm den Richterhammer und schlug auf das Hartholz.

Dann drehte Ky sich zu den Brüdern um und ließ sein charmantes Lächeln aufblitzen. »Also, ich weiß ja nicht, wie es bei euch ist, aber ich reiße jetzt eine auf.«

Ich stand vom Stuhl auf, und die Brüder suchten das Weite, um sich jeder eine Schlampe für die Nacht zu suchen. Alle schweigend und eindeutig angefressen. Ky blieb zurück.

Kyler Willis; siebenundzwanzig, Aussehen wie ein Model, groß, schlank, glattes blondes Haar, bei dem jede feucht wurde. Mein bester Freund. Sein alter Herr war VP meines alten Herrn gewesen. Nachdem sie beide im Krieg gegen die Mexikaner letztes Jahr über den Jordan gingen, wurde ich zum Präs und Ky zum VP gewählt – nur die Besten für das Gründungschapter der Hangmen. Wir lebten, atmeten und bluteten für Hades. Als unsere alten Herren abtraten, wollte ich die Wahl kippen. Wer in aller Welt wollte schon einen stummen Stotterer als Anführer? Aber die Brüder wählten einstimmig. Die Hades’ Hangmen blieben bei der rechtmäßigen historischen Linie. Also fand ich mich mit sechsundzwanzig als Präs des berüchtigtsten tödlichen MC der gesamten Staaten wieder.

Bloß kein Druck.

Oh ja, verdammt richtig!

Ky legte mir die Hand auf die Schulter. »Wir kriegen sie. Keiner legt sich mit uns an, Styx. Jeder weiß, wie wir die Dinge hier in Texas regeln. Diese Wichser haben gerade ihr eigenes Todesurteil unterzeichnet.«

Ich lachte schnaubend und fuhr mir mit der Hand über die unrasierten Wangen. »W-Wir beide regeln das zügig. St-Stimmt’s?« Ich zuckte zusammen, als mein Stottern wieder voll durchkam. Der Alk konnte mir nur immer ein paar Momente verschaffen, bevor die Würgeschlange mich wieder fest im Griff hatte. Verständigung per Zeichensprache war etwas, das ich mit der Zeit immer mehr hasste, aber aus irgendeinem kranken Grund konnte ich nur mit Ky reden. Und jetzt, wo mein alter Herr in den Hades gefahren war, war er da der Einzige.

Er grinste mich an. »Na klar.«

Ich seufzte und sagte: »F-F-F-Fuck! D-Du … du s-solltest P-Präs sein, K-Ky.«

Daraufhin stellte sich Ky ganz dicht vor mich hin. »Einen Scheiß sollte ich! Du bringst ums Verrecken keine Wörter raus, das habe ich kapiert. Aber deine Hände sind deine Wörter. Du führst, indem du ein Exempel statuierst, Bruder. Du stehst immer ganz vorn, teilst die erste Runde Feuer aus und steckst genauso ein. Du bist der Präs der Hangmen, also halt die Scheißklappe! Dein alter Herr wollte immer, dass du ihm nachfolgst, so wie es bei seinem alten Herrn auch war. Gut, ist vielleicht ein paar Jahre zu früh dazu gekommen, aber du hast dir schon seit Jahren einen Namen hier in der Gegend gemacht. Alter ist nur eine Scheißzahl in diesem Leben. Hier geht es nur darum, Schneid zu haben, und davon hast du jede Menge! Herrgott, Styx, du bist der berüchtigte Wortlose Hangman!«

Ky trat einen Schritt zurück, rieb sich die Hände und grinste breit. »Außerdem bin ich viel zu hübsch, um den Chef zu spielen. Ich komm ganz gut damit klar, dein Sprachrohr zu sein. Ihr wisst doch alle, wie gern ich meine eigene Stimme höre!«

Verdammt, da hatte er wirklich recht. Manchmal fragte ich mich, wieso in aller Welt er eigentlich sein Leben hier im Club vergeudete. Sein Aussehen und seine Persönlichkeit boten ihm alles, was er bräuchte, um auch anderswo Erfolg zu haben. Doch wie bei mir war es auch bei ihm alles, was wir kannten. Wir waren Hangmen auf Lebenszeit – geboren und aufgezogen, um eine Kutte zu tragen.

Da gab es keinen Ausweg.

Aber so einen wollte ich auch gar nicht.