Hammerson Inc. - Drucie Anne Taylor - E-Book

Hammerson Inc. E-Book

Drucie Anne Taylor

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Beschreibung

Band 1: Begierde *** Elena steht das Wasser bis zum Hals. Einst hat die junge Frau die Ranch ihrer Großeltern übernommen, doch Bankschulden drohen, ihr den Boden unter den Füßen wegzureißen. Als ein Geschäftsmann aus Texas das Gästehaus auf ihrer Farm mietet, ist es um Elena geschehen. Adam Hammerson ist nicht nur äußerst charismatisch und charmant, sondern auch unheimlich gutaussehend. Zwischen den beiden funkt es gewaltig und Elena lässt sich auf eine leidenschaftliche Affäre ein. Mit ihm vergisst sie ihre Geldsorgen und den Druck, den die Bank auf sie ausübt. Wenn nicht bald ein Wunder geschieht, wird sie die Ranch verlieren, die ihre Familie mühsam aufgebaut hat. Sie verliebt sich in Adam, doch er hat ein Geheimnis, das ihre Welt in Schutt und Asche legt. Und auf einmal steht Elena vor dem Nichts. *** Band 2: Verlangen *** Elena tut alles, um Adam zu vergessen. Allerdings gelingt es ihr nicht, die Gefühle für den charismatischen CEO zu unterdrücken. Deshalb schafft sie es einfach nicht, ihm zu widerstehen, als er plötzlich in Austin auftaucht und ihr klarmacht, dass er um sie kämpfen will. Auch wenn die Verletzung tief sitzt, lässt sie sich erneut auf ihn ein. Sie ahnt nicht, dass im Hintergrund Fäden gezogen werden, die nicht nur sie in Gefahr bringen werden … *** Band 3: Lust *** Traumatisiert versucht Elena, ins Leben zurückzufinden, doch die Angst lässt sie nicht los. Adam setzt alles daran, sie in Sicherheit zu wiegen, aber solange ihre Peiniger auf freiem Fuß sind, traut sie sich kaum vor die Haustür. Sie verliert sich in Flashbacks, die ihr immer wieder Bilder ihrer Entführung zeigen und sie verzweifeln lassen. Am Ende seiner Kräfte gibt er auf, da Elena jede Form der Hilfe verweigert. Als sie endlich einsieht, dass sie allein nicht gegen ihre Erinnerungen ankommt, wirft eine neue Erkenntnis die beiden aus der Bahn, denn in der Vergangenheit von Adams Familie lauert ein Geheimnis, das seine Welt in ihren Grundfesten erschüttert. Können sie der Vergangenheit trotzen oder wird all das zerstört, wofür die beiden gekämpft haben?

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Hammerson Inc.

SAMMELBAND

DRUCIE ANNE TAYLOR

Inhalt

Begierde

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Verlangen

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Lust

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Epilog

Über die Autorin

Weitere Werke der Autorin

Rechtliches und Uninteressantes

Copyright © 2021 Drucie Anne Taylor

Korrektorat: S. B. Zimmer

Satz und Layout: Julia Dahl

Umschlaggestaltung © Modern Fairy Tale Design

Auflage: 01 / 2023

Alle Rechte, einschließlich das, des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten.

Dies ist eine fiktive Geschichte, Ähnlichkeiten mit lebenden, oder verstorbenen Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Begierde

Elena steht das Wasser bis zum Hals. Einst hat die junge Frau die Ranch ihrer Großeltern übernommen, doch Bankschulden drohen, ihr den Boden unter den Füßen wegzureißen.

Als ein Geschäftsmann aus Texas das Gästehaus auf ihrer Farm mietet, ist es um Elena geschehen. Adam Hammerson ist nicht nur äußerst charismatisch und charmant, sondern auch unheimlich gutaussehend.

Zwischen den beiden funkt es gewaltig und Elena lässt sich auf eine leidenschaftliche Affäre ein. Mit ihm vergisst sie ihre Geldsorgen und den Druck, den die Bank auf sie ausübt. Wenn nicht bald ein Wunder geschieht, wird sie die Ranch verlieren, die ihre Familie mühsam aufgebaut hat. Sie verliebt sich in Adam, doch er hat ein Geheimnis, das ihre Welt in Schutt und Asche legt.

Und auf einmal steht Elena vor dem Nichts.

KapitelEins

Seufzend zerknülle ich den Brief der Bank. Wenn nicht bald ein Wunder geschieht oder ein unerwarteter Geldsegen über mich kommt, bin ich am Ende. Die Bank verlangt die Rückzahlung des Hypothekendarlehens, aber die Ranch wirft kaum etwas ab.

Wie konnte ich nur so dumm sein und sie von Grandpa übernehmen?

Ich wusste doch, wie es um das Land bestellt ist. Grandma und er haben sie jahrzehntelang bestellt und waren einigermaßen erfolgreich, ich dachte, ich könnte daran anknüpfen. Ich habe die Felder vergrößert, um mehr Ertrag zu erzielen, aber dummerweise bleibe ich darauf sitzen. Wegen des Baus eines Gästehauses habe ich eine Hypothek aufgenommen, weil ich dachte, dass dann Touristen kommen würden. Für das Ranch-Erlebnis schlechthin steht es nun auf dem Grundstück und Leute aus der Stadt können hier Urlaub machen können, leider habe ich nur alle paar Monate mal eine Buchung. Die Menschen bleiben lieber in der Stadt oder fliegen an exotische Orte. Dummerweise kommen wir gerade so über die Runden, weil ich auf dem Markt kaum etwas verkaufe. Die Leute möchten alles billig einkaufen, aber Bio-Qualität hat nun mal ihren Preis. Selbst bei Sonderangeboten verkaufe ich nicht mehr und die spülen mir dann ein dickes Minus in die Kasse. Ein noch dickeres als ohnehin schon. Ich habe schon zwei meiner vierzehn Pferde verkauft, weil ich die Hypothekenraten irgendwie tilgen musste, aber die zwölf verbliebenen Tiere möchte ich nicht auch noch verkaufen müssen. Sie bedeuten mir zu viel, denn ich bin mit ihnen aufgewachsen. Auf jeden Fall muss bald ein Wunder geschehen, sonst muss ich die Ranch verkaufen, was ich um jeden Preis vermeiden will.

»Guten Morgen, Elle«, sagt Jackson, mein Vorarbeiter, der sich gemeinsam mit seinem Bruder George um die Dinge kümmert, die ich allein nicht hinkriege.

»Morgen«, erwidere ich und schnappe das Papierknäuel, das von dem Brief der Bank übrig geblieben ist. »Gut geschlafen?«

»Wie immer zu wenig.« Er lächelt mich an. »Die Pferde sind versorgt und die Kühe gemolken.«

»Danke, Jackson.« Ich stehe auf, dabei entfalte ich das Knäuel und falte es sauber zusammen. »Hast du Hunger?«

»Ich habe schon gefrühstückt«, antwortet er.

»Oh, okay.« Ich gehe zur Anrichte und lege den Brief in die Krempelschublade, in der ich das Nähgarn und anderen Kleinkram aufbewahre. Danach nehme ich mir einen Kaffee. »Ich kümmere mich gleich um die Hühner.«

»Das erledigt George gerade.«

Ich seufze. »Dann werde ich nachher nach dem Käse sehen.« Da wir Kühe auf der Farm haben, machen wir auch Käse, weil wir oft auf der Milch sitzen bleiben. Als ich mir den Kaffee genommen habe, drehe ich mich zu Jackson um.

»Du siehst mitgenommen aus.«

Ich schaue ihn irritiert an. »Ich bin bloß müde, ich habe letzte Nacht nicht besonders gut geschlafen.«

»Und der Brief, den du eben hast verschwinden lassen?«, hakt er nach. Verdammt, er ist viel aufmerksamer, als ich angenommen habe.

Ich beiße mir auf die Unterlippe, dann seufze ich schwer. »Eine Mahnung von der Bank.«

»Schon wieder?«, fragt er verwirrt. »Ich dachte, du hättest alles geklärt.«

»Das dachte ich auch, aber sie geben mir keinen weiteren Aufschub, sondern wollen jetzt zwei Raten auf einmal.« Ich seufze resigniert. »Und ich kann nicht noch eine Hypothek aufnehmen.«

Er nickt. »Und wenn ich versuche, einen Kredit aufzunehmen, mit dem wir die Hypothek zurückzahlen? Vielleicht kriegen wir es dann hin, die Ranch zu retten.«

Ich winke ab. »Das kann ich nicht annehmen.«

Jackson schnalzt mit der Zunge. »Vielleicht können wir wegen des Gästehauses eine Werbeanzeige schalten. Es kann doch nicht sein, dass hier niemand Urlaub machen will.«

»Scheinbar haben die Städter keine Lust aufs Landleben. Ich meine, sie erholen sich hier meistens nicht, sondern packen mit an, solche Leute sind selten geworden«, entgegne ich seufzend und trinke einen Schluck Kaffee. »Aber vielleicht kann ich noch mal eine Anzeige in den sozialen Netzwerken schalten.«

»Und wir sollten ein vernünftiges Instagram-Profil erstellen, auf dem du vom Farmleben berichtest. Für solche Dinge interessieren sich die Leute. Du könntest Videos drehen, die dich beim Kochen zeigen, und so was, darauf stehen die Menschen doch.«

»Ich bin nicht so wild darauf, mich im Internet zu zeigen«, gebe ich zurück.

»Irgendwas müssen wir tun, Elle.«

Ich nicke langsam. »Ich lasse mir diese Instagram-Sache durch den Kopf gehen. Vielleicht kannst du das bisherige Profil überarbeiten und wir starten damit neu durch.«

»Kein Problem.«

»Danke, Jackson«, ich schenke ihm ein Lächeln und stelle meine Kaffeetasse weg. »Ich geh dann mal in die Käserei.«

»Ist ja nett, wie du den alten Verschlag nennst«, lacht er.

Ich lache auf. »Es klingt besser als Holzhütte, in der der Käse reift.«

»Stimmt.«

Ich lasse Jackson alleine und mache mich auf den Weg. Als ich die hintere Veranda betrete, lasse ich meinen Blick über das Grundstück schweifen. Hier ist es wunderschön und ich liebe die Ranch. Ich bin auf der Farm aufgewachsen, da meine Eltern mich nicht wollten, und meine Mom mich einfach bei meinen Großeltern gelassen hat, bevor sie abgehauen ist. Ich habe sie nie kennengelernt, aber bekam bis zu meinem achtzehnten Lebensjahr jährlich eine Karte zu Weihnachten und zum Geburtstag, die immer nur mit Mary und William unterschrieben war. Ich trage den Namen meiner Großeltern, da sie mich adoptiert haben, nachdem sich Mary und William ewig nicht gemeldet hatten. Vor zwei Jahren habe ich die Ranch übernommen und meine Großeltern sind nach Florida gezogen, bis heute habe ich es nicht geschafft, die beiden zu besuchen. Flora und Gus Howard waren und sind meine Eltern und sie fehlen mir. Grandma und ich telefonieren zweimal pro Woche, aber ich verschweige den beiden meine finanziellen Probleme. Sie sollen nicht wissen, dass ich ihr Lebenswerk vollständig gegen die Wand gefahren habe und jetzt nicht mehr weiß, wie ich die Ranch retten soll.

Ich mache mich auf den Weg zu der Hütte, in der Grandma immer den Käse gemacht hat, dieser wird glücklicherweise von einem Supermarkt in der Stadt gekauft, sodass ich wenigstens ein kleines regelmäßiges Einkommen habe. Aber wir sind zum größten Teil Selbstversorger, sodass wir nur auf wenige Dinge aus dem Supermarkt angewiesen sind.

* * *

»Elle?«, ruft Jackson, er klingt euphorisch. »Elle, wo steckst du?«

Ich richte mich auf und verlasse die kleine Käserei. »Was ist denn?«, erwidere ich, als ich sehe, dass er auf mich zukommt.

Vor mir hält er inne und atmet tief durch. »Wir haben eine Buchung für das Gästehaus.«

Meine Gesichtszüge entgleisen, denn es kommt überraschend, dass jemand hier Urlaub machen will. Im letzten Jahr kam es nur zweimal vor, dass jemand das Gästehaus gebucht hat. »Wirklich?«

»Ja, gleich für zwei Wochen. Der Typ will das volle Programm und sagte, dass er schnellstmöglich herkommen will.«

»Wow«, stoße ich aus. »Und wann kommt er?«

»Schon morgen.«

»Oh Fuck«, sage ich leise. »Dann muss ich alles abstauben, lüften und putzen.«

»Soll ich dir helfen?«

Ich schüttle den Kopf. »Nicht nötig. Ihr wolltet doch zu dem Wettbewerb für Zuchtbullen«, erwidere ich.

»Aber erst am Wochenende.«

»Trotzdem müsst ihr packen und übermorgen ist schon Wochenende.«

»Stimmt, ich habe die ganze Zeit im Kopf, dass erst Montag ist«, erwidert er zerknirscht. »Schaffst du es überhaupt, dich alleine um alles zu kümmern?«

»Für ein paar Tage werde ich es hinkriegen, außerdem kann ich Brighton anrufen und fragen, ob er mir hilft.« Brighton Keller ist der Besitzer der Nachbarranch, der im Gegensatz zu mir lebt, als sei er Gott in Frankreich. Seine Ranch läuft großartig – er ist beneidenswert.

»Na gut.«

»Wie heißt der Gast?«, erkundige ich mich.

»Adam Hammerson. Er kommt aus Houston.«

»Das ist ein weiter Weg«, stellte ich fest.

Er lacht leise. »Na ja, es sind nur ein paar Meilen.«

»Es sind gut zweihundertfünfzig Meilen, Jackson«, halte ich amüsiert dagegen. »Und wenn er nicht aus dem Stadtzentrum kommt, hat er sogar einen weiteren Weg.«

»Er klang so überheblich, ich bin mir sicher, dass er fliegt.«

»Möglich«, erwidere ich. »Ich werde dann mal dafür sorgen, dass das Gästehaus vorzeigbar ist, und später werde ich noch ein paar Flaschen Wasser, Brot und Aufschnitt hinbringen, damit er erst mal versorgt ist.«

»Mach das.«

»Was hast du jetzt vor?«, erkundige ich mich.

»Ich werde mit George einkaufen fahren, wir wollen heute Abend grillen.«

»In Ordnung, dann sehen wir uns später«, sage ich lächelnd.

»Ich komme mit dir zum Haupthaus.«

»Alles klar.«

Er bietet mir seinen Arm an und ich hake mich bei ihm ein. »Wie viel will die Bank diesmal haben?«

»Dreitausend Dollar und die habe ich nicht. Ich will meine Großeltern nicht danach fragen, sie sollen ihren Ruhestand genießen.«

»Wir haben aber keine andere Möglichkeit, außer sie zu fragen oder einen Kredit aufzunehmen.«

»Ich habe kein Geld, um es zurückzuzahlen«, entgegne ich seufzend.

»Was das betrifft …«, beginnt er.

Ich schaue zu ihm hoch. »Jetzt sag mir bitte nicht, dass ihr mich verlasst.«

»Das nicht, aber wir schauen uns nach Jobs um, damit wir versorgt sind. Du konntest schon länger nicht zahlen und unsere Ersparnisse sind bald aufgebraucht, deshalb müssen wir auch sehen, wo wir bleiben.«

»Verstehe ich«, sage ich leise, auch wenn es mich trifft. Wenn ich die beiden verliere, stehe ich ganz alleine da.

»Aber wenn wir Jobs haben, können wir dir in unserer Freizeit helfen und Miete für die alte Scheune zahlen, die wir ausgebaut haben«, meint er.

Ich seufze resigniert. »Ich verstehe euch, Jackson. Ihr solltet nicht ausbaden müssen, dass ich rote Zahlen schreibe.« Ich hole tief Luft. »Vielleicht sollte ich die Ranch verkaufen, dann bin ich die Schulden los und kann mir eine Wohnung in der Stadt suchen.«

»Du liebst die Ranch und wirst sie nicht verkaufen. Vielleicht solltest du ein paar Hektar Land verkaufen oder dich um den Weinberg kümmern oder ihn vermieten, der Weißwein lief immer gut und Mr. Churchill fragt ständig, wann wir die nächste Weinlieferung vorbeibringen.« Mr. Churchill hat ein Weingeschäft in der Stadt und ja, der Sauvignon blanc lief immer gut, aber ich habe kein Händchen für den Weinbau. Zwei Ernten haben sich aus unerfindlichen Gründen verabschiedet und ich weiß nicht, wie ich es anstellen soll, dass die nächste gelingt.

Wir erreichen das Haupthaus und vor der Veranda löse ich mich von Jackson. »Ich hole mal das Putzzeug und mache mich daran, das Gästehaus zu putzen.«

»Geht klar, hab Spaß.« Er räuspert sich. »Brauchst du etwas vom Einkaufen?«

»Bier, am besten ein ganzes Fass. Wobei … wann kommt Mr. Hammerson morgen an?«

»Er sagte, er würde um die Mittagszeit ankommen«, erwidert Jackson lächelnd.

»In Ordnung, dann weiß ich Bescheid.«

Er nickt mir zu und statt ins Haus, geht er drumherum. Wahrscheinlich wartet George schon auf ihn.

* * *

Ich habe das ganze Gästehaus geputzt, sogar die Fenster, obwohl das eine Arbeit ist, die ich hasse. Danach habe ich noch das ganze Geschirr gespült, das im Haus ist, damit sich Mr. Hammerson nicht beschweren kann. Die Betten sind gemacht, auch wenn ich nicht weiß, ob er alleine oder mit mehreren Personen anreist. Keine Ahnung, was jemand aus Houston hier will, aber ich werde mich nicht beschweren. Der Aufenthalt kostet vierzig Dollar pro Nacht und er bleibt für zwei Wochen, das sind mehr als fünfhundert Dollar mehr in meiner Kasse, für die ich Mr. Hammerson dankbar bin. Ich bin gespannt, ob er sich hier erholen will, um Abstand vom Trubel der Stadt zu kriegen, oder er das Landleben kennenlernen will, weil er sich neu orientieren möchte. Aber das werde ich sicher bald erfahren.

»Elle?«, ruft George, als ich das Gästehaus verlasse.

Ich drehe mich zu ihm um, da ich gerade die Tür abgeschlossen habe, und schaue ihn fragend an. »Was gibt’s, George?«

»Jax hat den Grill angeworfen, kommst du?«

»Ja, ich muss aber vorher unter die Dusche, weil ich voller Staub bin und es mich überall juckt«, antworte ich aufrichtig.

»Oh, Flora hat angerufen, sie sagte, du sollst sie morgen zurückrufen, weil sie und Gus heute ausgehen.«

»Alles klar«, sage ich lächelnd. Meine Großeltern sind gerade mal Mitte sechzig, meine Eltern haben mich sehr früh bekommen und das wird wahrscheinlich der Grund dafür gewesen sein, dass sie mich bei Granny und Gramps gelassen haben.

»Sollen wir mit dem Grillen warten?«, fragt George. »Dann kannst du in aller Ruhe duschen.«

»Nicht nötig, ich beeile mich und bin in einer halben Stunde bei euch. Jackson soll mir einfach einen Burger warmhalten.«

»Wir haben Steaks gekauft, keine Burger.«

»Dann soll er mir ein Steak warmhalten«, erwidere ich grinsend und gehe gemeinsam mit George über den Weg zurück zum Haupthaus. Jackson steht am gemauerten Grill, den Grandpa gebaut hat, und Rauch steigt auf. Wahrscheinlich hat er ihn gerade angefeuert.

»Hey, schon hungrig?«, fragt Jackson, als wir ihn erreichen.

»Ja, aber ich gehe noch duschen und mache danach einen Salat«, antworte ich. »Es gibt Menschen, die sich nicht nur von Fleisch ernähren.«

Er lacht. »Alles klar.«

* * *

Nach der Dusche habe ich einen gemischten Salat zubereitet, den ich gerade nach draußen bringe. George und Jackson sitzen am Tisch, der reich gedeckt ist. »Wer soll das denn alles essen?«, erkundige ich mich irritiert.

»Wir«, antwortet George grinsend.

Ich schnaube. »Ihr sollt nicht immer so viel einkaufen, jetzt müssen wir wieder tagelang grillen.«

»Wenn Mr. Hammerson morgen da ist, wird er sich uns bestimmt anschließen und Männer essen bekanntlich mehr als Frauen.«

Ich grinse belustigt. »Ich hoffe, dass er ein guter Esser und kein Fitnessfanatiker ist, sonst bekommen wir Spaß.«

»In erster Linie wirst du ihn haben, immerhin bist du die Gastgeberin«, sagt Jackson amüsiert.

»Sehr nett, danke«, entgegne ich und strecke ihm die Zunge raus. »Ihr habt gar kein Brot auf den Tisch gestellt.«

»Weil es nur unnötig satt macht«, meint er.

George schüttelt wie ich den Kopf. »Du weißt, dass Elle immer Brot zum Essen möchte, sonst würde sie nicht ständig Maisbrot backen und uns damit vollstopfen.«

»Ihr seid große Männer, die schwer arbeiten, ihr braucht die Kohlenhydrate«, halte ich überzeugt dagegen.

»Was Elle sagt«, stimmt George mir zu.

Elle ist mein Spitzname, eigentlich heiße ich Elena, aber meine Großeltern haben mich schon immer Elle gerufen. Ich höre zwar auch auf meinen richtigen Vornamen, bevorzuge inzwischen aber den Kosenamen. George und Jackson sind mir eine wirklich große Hilfe und ich habe keine Ahnung, wie ich die Ranch bestellen soll, wenn sie sich neue Jobs suchen und eventuell finden. Sie sind wie Brüder für mich und ja, Jackson sagte, dass sie mir helfen würden, aber wenn ich auf mich allein gestellt bin, werde ich die Ranch verkaufen müssen, da ich allein nicht klarkommen werde.

Verdammt, warum musste denn alles den Bach runtergehen?

Ich dachte wirklich, dass das Gästehaus eine gute Idee wäre, aber der Bau hat eine Menge Geld verschlungen, weshalb ich die Hypothek aufnehmen musste. Dabei hatte mir sogar der Bankmitarbeiter versichert, dass die Menschen immer häufiger Urlaub auf dem Land machen würden, insbesondere in dieser Gegend. Das Texas Hill Country ist für seine Weinberge bekannt und mal ehrlich, es gibt genügend Menschen, die Wein trinken, plus ich habe hier eine Ranch samt Weingut. Es ist eigentlich viel zu viel, um es zu dritt zu bewältigen, aber ich musste mehrere Mitarbeiter entlassen, weil ich sie nicht mehr bezahlen konnte. Mir steht das Wasser wortwörtlich bis zum Hals und ich kann kein Land sehen. Meinen Wagen habe ich schon verkauft, seither fahre ich mit Grandpas altem Pick-up herum, der schon wesentlich bessere Zeiten gesehen hat und immer wieder liegenbleibt, wenn ich längere Strecken fahre.

Die beiden unterhalten sich, nachdem Jackson die Steaks vom Grill geholt hat. Ich habe mich als Einzige am Salat bedient, weshalb ich froh bin, dass ich nicht zu viel gemacht habe. Außerdem habe ich vorhin noch das Brot geholt, damit ich nicht nur Fleisch und Salat esse, sonst habe ich später wieder Hunger.

Sie trinken Bier, ich habe auch eine Flasche vor mir stehen, aber ich beteilige mich nicht an ihrem Gespräch, obwohl man sagt, dass es mit Alkohol geselliger wird. Ich hänge meinen Gedanken nach, während ich esse und immer wieder mal an der Bierflasche nuckle. Ich weiß einfach nicht, wie ich meine finanziellen Probleme lösen soll.

* * *

KapitelZwei

Ich habe gerade die Hühner versorgt, als ich höre, dass ein Wagen über die Auffahrt fährt. Sie ist nicht befestigt und das Geräusch von Kies unter Autoreifen ist unverkennbar. Ich stelle den Eimer ab, setze meinen Hut wieder auf und mache mich auf den Weg vor das Haupthaus, dabei werfe ich einen Blick auf meine Armbanduhr. Bestimmt handelst es sich um Mr. Hammerson, also werde ich ihn begrüßen.

Als ich um das Haus herumgehe, sehe ich eine schwarze Mercedes Limousine, die gerade vor der Veranda parkt. Ein unglaublich großer muskulöser Mann steigt aus, er trägt einen schwarzen Anzug, der sicher maßangefertigt ist, und geht um den Wagen herum. Er öffnet den Kofferraum, während er augenscheinlich telefoniert.

Ich begebe mich zur Veranda. »Guten Tag«, grüße ich ihn freundlich und ringe mir sogar ein Lächeln ab, von dem ich hoffe, dass es meine grünen Augen erreicht.

Er hat ein Handy am Ohr. »Ich werde mich melden, Mutter, aber vorerst bin ich nicht erreichbar … Weil ich Urlaub mache … In Ordnung und ja … Alex weiß Bescheid und kümmert sich um alles. Bis dann, Mutter.« Er beendet das Gespräch und steckt das Smartphone weg, danach richtet er seinen Blick auf mich. »Guten Tag, Sie müssen Ms. Howard sein.«

Ich nicke. »Die bin ich. Mr. Hammerson?«

»Schuldig im Sinne der Anklage«, erwidert er lächelnd und ich schmelze dahin. Dieser Mann ist unheimlich charismatisch und, o Gott, ich bekomme weiche Knie.

»Herzlich willkommen auf der Howard Ranch, ich hoffe, Sie hatten eine angenehme Reise.«

»Die hatte ich, danke.« Er holt sein Gepäck aus dem Kofferraum und schultert den Riemen seiner ledernen Reisetasche, danach nimmt er noch einen Trolley aus dem Kofferraum und schließt die Klappe. »Ist dieses das Gästehaus?«

»Nein, ich zeige es Ihnen. Wenn Sie lieber mit dem Auto fahren möchten, müssen Sie hinter dem Haupthaus links abbiegen und nach etwa dreißig Metern stehen Sie vor dem Gästehaus.«

»Ich werde den Wagen später holen. Ich habe stundenlang im Auto gesessen und muss mir die Beine vertreten«, erwidert er.

»In Ordnung, dann hole ich die Schlüssel und bringe Sie zum Gästehaus.«

»Danke, Ms. Howard.«

»Sagen Sie bitte Elena oder Elle, ich werde nicht besonders gern mit Ms. Howard angesprochen«, lasse ich ihn wissen und steuere die Veranda an.

»Sehr gern.«

Ich deute auf die Sitzgruppe. »Wenn Sie möchten, können Sie Platz nehmen. Ich bin sofort wieder bei Ihnen.«

»Danke, Ms. Howard.« Er schenkt mir ein weiteres charmantes Lächeln und mein Herz beginnt, einen Mambo zu tanzen. Danach kommt Mr. Hammerson die kurze Treppe hoch und stellt sein Gepäck ab, schließlich nimmt er auf der Bank Platz, die gleich neben der Haustür steht.

Ich betrete das Haus und hole den Schlüssel, der am Schlüsselbrett hängt. Ich habe mehrere für das Gästehaus, da ich morgens immer frische Milch in den Kühlschrank stelle, so habe ich es bisher bei jedem Gast gemacht, allerdings ist Mr. Hammerson erst der fünfte, der sich hierher verirrt hat.

Als ich den Schlüsselbund habe, gehe ich wieder zu ihm. »So, da bin ich wieder. Kommen Sie bitte.« Ich greife nach dem Griff des Trolleys, damit er nicht behaupten kann, dass er sein Gepäck allein tragen musste, wenn er wieder zu Hause ist.

»Lassen Sie mich das Gepäck nehmen«, sagt Mr. Hammerson, kommt an meine Seite und nimmt mir den Trolley wieder ab, dabei streifen seine Finger meinen Handrücken.

Es kommt mir so vor, als würde ein elektrischer Impuls durch meinen Arm fahren, der sich in meinem Bauch entlädt. Ich ziehe meine Hand zurück. »Ich bringe Ihnen jeden Morgen frische Milch, außerdem befinden sich Brot, Aufschnitt und einige Flaschen Wasser im Kühlschrank, sowie Kaffee im Hängeschrank daneben. Wenn Sie möchten, bringe ich Ihnen gleich noch eine Kanne selbst gemachten Eistee.«

»Das ist nett, aber ich trinke keinen Tee.«

»Was trinken Sie denn?«, erkundige ich mich, als ich ihn über den angelegten Weg zum Gästehaus führe.

»Bevorzugt Kaffee oder Wasser, selten Cola oder andere Softdrinks.«

»In Ordnung.«

»Und ab und zu genehmige ich mir ein Glas Wein.«

»Ich habe auch zwei Flaschen Sauvignon blanc in den Kühlschrank gelegt, zwei weitere stehen auf der Anrichte.«

»Vielen Dank, Ms. Howard … Ich meine, Elena.«

Ich verziehe meine Lippen zu einem Lächeln, sage aber nichts weiter, sondern nicke bloß. Wir erreichen das Gästehaus, ich schließe die Tür auf und lasse ihm den Vortritt.

»Danke«, wiederholt er und betritt das Haus. Als ich ihm folge, lässt er seinen Blick schweifen. »Es sieht viel besser aus, als auf der Internetseite.«

»Danke«, ist es nun an mir zu sagen. »Die Schlafzimmer befinden sich oben, hier unten gibt es eine Gästetoilette, das Wohnzimmer, die Küche sowie ein Esszimmer. Sie haben WLAN-Empfang, das Passwort liegt in der Küche, außerdem meine Festnetz- und meine Handynummer, falls Sie etwas brauchen. Sie können mich jederzeit anrufen. Frühstück gibt es bis zehn Uhr, Mittagessen …«

»Ich werde mich selbst versorgen«, fährt er mir über den Mund.

»Oh, in Ordnung. Wenn Sie möchten, nehme ich Sie später mit zum Supermarkt, da ich noch ein wenig einkaufen muss«, lasse ich ihn wissen.

»Gibt es Restaurants in der Stadt?«

Mühsam halte ich meine Miene unter Kontrolle. »Ja, die gibt es. Ich kann Ihnen gern die Adressen raussuchen.«

»Das werde ich schon schaffen. Ist es in Ordnung, wenn ich die Ranch ein wenig erkunde oder möchten Sie das nicht?«

»Sie können sich frei bewegen, aber bitte betreten Sie nicht die eingezäunten Areale, ich möchte Sie ungern vor den Pferden oder den Kühen retten müssen«, antworte ich lächelnd, als ich zu ihm hochschaue. Guter Gott, dieser Mann ist bestimmt um die zwei Meter groß und ich muss den Kopf in den Nacken legen, um in sein Gesicht schauen zu können.

»Danke.«

»Und wenn Sie das Landleben kennenlernen möchten, ich stehe jeden Morgen um halb fünf auf und gebe Ihnen gern einen Crashkurs im Kühe melken.«

Er schnaubt amüsiert. »Ich denke, darauf werde ich verzichten.«

»Das kann ich nachvollziehen.« Ich schaue mich um. »Na dann, ich werde Sie jetzt allein lassen. Richten Sie sich ein und vielleicht haben Sie Lust, später mit uns zu essen. Wir haben vor, zu grillen.«

Mr. Hammerson nickt. »Falls ich nicht in die Stadt fahre, werde ich darauf zurückkommen. Danke für die Einladung.«

»Gern.« Ich wende mich ab und laufe gegen die Fliegengittertür. »Dass ich dieses Ding immer übersehe«, nuschle ich, schiebe sie auf und verlasse das Gästehaus.

»Ich hoffe, Sie haben sich nicht verletzt«, sagt er hinter mir.

Ich drehe mich um, als ich die Veranda verlassen habe. »Alles gut, so fest ist die Fliegengittertür ja nicht«, erwidere ich lächelnd. »Melden Sie sich, falls Sie etwas brauchen, Mr. Hammerson.«

»Das werde ich«, entgegnet er freundlich, dann wende ich mich schon ab und mache mich auf den Weg zum Haupthaus. Ich bin in Versuchung, einen Blick über meine Schulter zu werfen, aber ich möchte Mr. Hammerson nicht das Gefühl geben, dass ich noch nie einen Mann seines Kalibers gesehen habe. Ich beschleunige meine Schritte, damit ich der Versuchung nicht erliege, und erreiche schließlich das Haus, als Jackson gerade herauskommt.

»Wem gehört denn die Luxuskarre vor der Tür?«

»Unserem Gast. Mr. Hammerson ist vorhin angekommen«, antworte ich.

»Ah, krasser Schlitten. So einen wollte ich auch immer haben.«

»Vielleicht lässt er dich eine Probefahrt machen«, erwidere ich grinsend.

Jackson schüttelt den Kopf. »Ich glaube kaum, dass er mich dieses Auto fahren lässt. So eins könnte ich mir nicht mal leisten, wenn ich mehr verdienen würde.«

Und schon habe ich wieder ein schlechtes Gewissen. »Es tut mir leid, dass ich im Moment nicht flüssig genug bin, um euch zu bezahlen«, entschuldige ich mich. Ich hasse die Gewissensbisse, die ich deshalb ständig, eigentlich immer habe.

»Im Moment läuft’s halt nicht so gut, aber ich bin mir sicher, dass sich das wieder ändert.«

»Hoffen wir es. Mr. Hammerson sieht so aus, als hätte er einige Kontakte, sicher wird er ihnen von seinem Urlaub erzählen und wenn wir Glück haben, kommen danach auch seine Freunde hierher, um Ferien zu machen«, sinniere ich.

»Das sagtest du bisher nach jedem Gast und von keinem kamen Freunde.«

»Ja«, gebe ich missmutig zurück. »Lass uns ins Haus gehen, ich werde mich jetzt ums Mittagessen kümmern.«

»Alles klar.« Jackson öffnet mir die Fliegengittertür und lässt mir den Vortritt, wofür ich mich bedanke. »Ich habe mich gestern Abend noch um das Instagram-Profil gekümmert, vielleicht sollten wir ein Live Video machen, während du kochst, dann kannst du erzählen, was du zubereitest.«

»Ich wollte Makkaroni mit Käse machen, ich glaube nicht, dass sich das jemand ansieht«, antworte ich lachend.

»Dann machen wir eins, wenn du mal aufwändiger kochst, okay? Ich glaube schon, dass so ein Kochkurs etwas reißt. Du könntest damit einige Fans gewinnen, immerhin kochst du wie deine Grandma.«

»Warten wir es ab. Du könntest die Pferde und die Weideflächen fotografieren, auch das Haus und so, das würde den Followern sicher gefallen«, schlage ich vor. »Vielleicht im Sonnenuntergang, dann sieht es hier immer so malerisch aus.«

Er nickt. »Alles klar, ich kümmere mich nach dem Mittagessen darum, aber Mr. Hammerson müsste seinen Wagen wegfahren.«

»Das wird er sicher gleich tun, aber ich wollte ihm erst mal die Möglichkeit geben, sich einzurichten«, erwidere ich.

»Okay.«

* * *

Nach dem Mittagessen bin ich in den Stall gegangen, um eines der Pferde zu satteln. Ich möchte das Gelände in Augenschein nehmen, was auf dem Rücken eines Pferdes am schnellsten geht. Als ich den Sattel auf Dantes Rücken befestigt habe, führe ich ihn aus dem Stall. Kaum stehen wir davor, steige ich auf seinen Rücken.

»Ms. Howard?«

Ich schaue mich um und erkenne Mr. Hammerson, der auf mich zukommt. »Kann ich etwas für Sie tun, Mr. Hammerson?«

»Ist es möglich, dass ich mir ein Pferd ausleihe, um auszureiten?«

Ich hebe die Augenbrauen. »Dann müssen Sie mir eine Verzichtserklärung unterschreiben, damit ich nicht haftbar gemacht werde, falls Sie sich verletzen.«

»Das ist kein Problem.«

»In Ordnung. Wie viel wiegen Sie? Ich will keines meiner Pferde überlasten, weil ich ihr Gewicht nicht kenne.«

Mr. Hammerson hebt eine Augenbraue. »Ich reite selbst und werde mir ein Pferd aussuchen, wenn das in Ordnung ist.«

Daraufhin schüttle ich den Kopf. »Ist es nicht, tut mir leid.« Ich steige von Dantes Rücken und deute zum Haupthaus. »Ich binde ihn fest, dann hole ich die Verzichtserklärung und einen Kugelschreiber.«

»Alles klar.«

Mein Blick fällt auf seine Schuhe. »Sind Sie sicher, dass Sie in diesen feinen Tretern aufs Pferd wollen?«

»Ich habe leider meine Stiefel vergessen, aber ich bin in der Lage, auch in diesen Schuhen zu reiten.«

»Okay.« Ich greife an die Zügel und führe Dante zum Hitchrack, an das ich ihn binde. »Wir sehen uns gleich, mein Hübscher«, wende ich mich leise an ihn, anschließend mache ich mich auf den Weg zum Haupthaus.

Mr. Hammerson kommt an meine Seite. »Kümmern Sie sich ganz allein um die Ranch?«

»Nein, ich habe Angestellte«, erwidere ich. »Aber jeder, der hier Urlaub macht, hat die Möglichkeit mitanzupacken.«

»Kommt es häufig vor, dass die Gäste mitanpacken?«

Ich lache leise. »Häufiger als man denkt, aber wir haben hier nicht so viele Besucher.«

»Warum nicht?«

»Vermutlich möchten nicht mehr viele Menschen einen Urlaub auf dem Land machen«, antworte ich.

»Dabei ist es hier wirklich schön. Ich sah, dass ich vom Schlafzimmer aus einen Blick auf den Weinberg habe. Gehört er zur Ranch?«

»Ja, er gehört dazu.« Warum ist er so neugierig? Als ich mal im Urlaub war, was wirklich lange her ist, habe ich mich nicht so sehr für unsere Unterkunft interessiert.

»Also, ist das hier eine Ranch samt Weingut«, stellt er fest.

»Es ist nur noch eine Ranch. In den letzten zwei Jahren haben die Weinstöcke nicht genug Trauben getragen, weshalb wir keinen Wein gekeltert haben«, rede ich mich heraus. Er muss nicht wissen, dass die Traubenernten ausgefallen sind, weil ich kein Händchen dafür habe. Jackson und George kennen sich überhaupt nicht damit aus und Grandpa hatte angeboten, noch einmal herzukommen, um mir ein weiteres Mal alles zu erklären, aber er soll seinen Ruhestand genießen. Wenn die Ernste dieses Jahr wieder unbrauchbar ist, werde ich ihn bitten, herzukommen, damit er mir hilft – sofern ich dann noch Eigentümerin der Ranch bin. Ich verstehe sowieso nicht, warum sie unbedingt nach Florida wollten, denn hier ist es auch das ganze Jahr warm. Aber gut, wahrscheinlich wollten sie etwas Anderes als die Ranch sehen, die sie jahrzehntelang bestellt haben.

»Sie wissen, dass Sie den Weinberg vermieten können, oder?«, erkundigt er sich.

»Ja, aber bisher hat sich niemand gemeldet, der ihn mieten möchte. Ich kümmere mich trotzdem um die Pflanzen, aber ich keltere keinen Wein.«

»Ist es wirklich so, dass man sich barfuß in einen Bottich stellt, um die Früchte zu pressen?«

Ich lache auf. »Nein, bei uns lief es nie so, wobei ich nicht weiß, wie meine Großeltern den Wein vor dreißig oder vierzig Jahren hergestellt haben.« Wir erreichen das Haus und ich öffne die Fliegengittertür. »Am besten kommen Sie mit rein.«

»Danke.«

Ich halte ihm die Tür auf, danach gehe ich weiter in mein kleines Büro. Grandma hat hier früher genäht, aber ich brauchte einen Ort, an dem ich die ganzen Unterlagen verwahren konnte, denn bei Grandpa waren sie immer im gesamten Haus verteilt. »Nehmen Sie Platz.«

»Danke, aber ich stehe lieber«, entgegnet Mr. Hammerson.

»In Ordnung.« Ich gehe hinter den Schreibtisch und hole den Ordner mit den Verzichtserklärungen hervor. Ich habe einige auf Vorrat ausgedruckt, obwohl sie heute zum ersten Mal gebraucht werden. »Sie müssen Ihre vollständigen Daten eintragen, ebenso Ihren Versicherungsträger.« Ich reiche ihm das Formular und einen Kugelschreiber und warte darauf, dass er es ausfüllt.

»Sie sichern sich ja wirklich sehr gut ab«, sagt er, als er die Erklärung liest.

»Ja, aber das muss sein. Sie treten ja nur die Schadenersatzansprüche ab, falls Sie sich verletzen«, erkläre ich.

»Ich sehe es.« Mr. Hammerson fängt an, das Formular auszufüllen, dabei stelle ich fest, dass er eine krassere Sauklaue hat als ich, und unterschreibt es schließlich. »So, fertig.« Er reicht es mir.

»Danke.« Ich werfe einen Blick darauf, um sicherzugehen, dass alles seine Richtigkeit hat. Danach lege ich es zu seiner Buchung, damit ich es griffbereit habe, sollte ihm wirklich etwas passieren. »Wenn Sie mir jetzt noch Ihr Gewicht verraten, werde ich ein Pferd aussuchen, es für Sie satteln und Sie können reiten, aber ich muss Sie bitten, auf dem Gelände zu bleiben.«

»Das werde ich«, entgegnet er freundlich.

Ich deute zur Tür und lasse ihm dort wieder den Vortritt, allerdings wartet er auf dem Flur auf mich.

»Gehen Sie vor. Ich kenne mich ja nicht so gut aus wie Sie, Elena.«

Ich nicke ihm zu.

* * *

KapitelDrei

Zwanzig Minuten später habe ich Virgil für ihn gesattelt und neben Dante festgebunden. »Sie sind sicher, dass Sie reiten können?«

»Ja, ich reite seit meiner Kindheit. In den letzten Monaten kam ich seltener dazu, was ein Grund dafür war, dass ich mich für einen Urlaub auf einer Ranch entschieden habe.«

»Was machen Sie denn beruflich?«, frage ich interessiert.

»Ich habe einen Schreibtischjob, der viel Zeit frisst.«

»Oh, ich bin froh, dass ich viel an die frische Luft komme, statt den ganzen Tag an einem Schreibtisch zu sitzen«, erwidere ich.

Er verzieht keine Miene. »Das glaube ich Ihnen. Ich hätte auch lieber einen anderen Job.«

»Warum suchen Sie sich keinen anderen?«, möchte ich wissen.

»Weil mein Vater darauf besteht, dass ich im Familienunternehmen arbeite.«

Ich nicke langsam. »Unschön, aber Sie sollten ich durchsetzen und tun, was Ihnen Spaß macht, statt sich dem Willen Ihres Vaters zu beugen.« Ich schenke ihm ein Lächeln, danach binde ich Dante los. »Wenn Sie vor mir zurück sind, binden Sie Virgil bitte ans Hitchrack, damit ich ihn später in seine Box bringen kann.«

»Würden Sie mir das Gelände zeigen?«, möchte er wissen. »Ich würde meiner Familie gern ein paar Fotos schicken, damit Sie wissen, in was für einer traumhaften Gegend ich bin.«

»Ich … Sicher.«

»Danke«, sagt er und löst Virgils Zügel vom Hitchrack. Danach steigt er auf den Hengst und sieht mich erwartungsvoll an. »Ich folge Ihnen, Ms. Howard.«

»Elena«, erwidere ich.

»Verzeihen Sie, ich muss täglich so viele Leute siezen, dass ich es immer wieder vergesse«, gibt er zurück.

»Schon gut, ich erinnere Sie daran, Mr. Hammerson.«

»Es würde mir sicher leichter fallen, wenn Sie mich Adam nennen«, meint er.

»In Ordnung.« Ich reite los, lasse Dante jedoch erst mal warm werden, um ihn nicht gleich zu fordern. Galoppieren lasse ich ihn später.

Adam reitet an meine Seite. »Sie haben es wirklich schön hier.«

»Danke.«

»Ist die Ranch schon lange in Familienbesitz?«

»Ja, seit vier Generationen. Meine Vorfahren kamen aus Deutschland und Frankreich hierher, haben die Trauben mitgebracht und ein Weingut aufgebaut, die Farm diente nur der Eigenversorgung, bis mein Großvater anfing, sie in jungen Jahren kommerziell zu nutzen«, erzähle ich.

»Nutzen Sie das Land auch kommerziell?«

»Nun ja, ich verkaufe die Milch meiner Kühe, stelle Käse her und biete das Gemüse auf dem Markt an, das wir nicht verarbeitet bekommen, außerdem mache ich aus den Früchten der Obstbäume Marmelade, die ich ebenfalls verkaufe.«

»Sie scheinen sehr beschäftigt zu sein«, stellt er fest.

»Es ist mehr als ein Fulltimejob, aber ich liebe die Ranch und tue es gern«, entgegne ich.

»Rentiert sich so eine Ranch überhaupt? Ich lese in letzter Zeit immer häufiger, dass die Landwirtschaft ein hart umkämpftes Feld ist.«

»Ja, es rentiert sich«, lüge ich, da ich nicht will, dass er einen falschen Eindruck bekommt. »Und ich denke, wir sollten das Thema wechseln, da ich ungern über Finanzen sprechen möchte.«

»Tut mir leid, falls ich zu neugierig war.«

»Schon in Ordnung«, entgegne ich und lasse Dante traben. Ich lasse ihn hinter dem Gästehaus auf die Wiese laufen und mein Blick gleitet über das Gelände. Ich muss wissen, ob alle Zäune intakt sind, sonst muss ich sie reparieren, wofür ich am Wochenende Zeit habe, wenn Jackson und George bei dem Wettbewerb sind. Ich hoffe wirklich, dass Lester, unser Zuchtbulle, den ersten Platz belegt, denn das Preisgeld liegt bei zwanzigtausend Dollar und die Bank will dreitausend haben. Damit wären die nächsten Raten gesichert und ich hätte wieder etwas Luft, auch könnte ich Jackson und George bezahlen, denn ich will mich nicht noch höher bei ihnen verschulden.

Als ich der Meinung bin, dass Dante sich warmgelaufen hat, treibe ich ihn an, sodass er wenig später galoppiert. Ich halte meinen Stetson fest, damit er nicht wegfliegt. Früher habe ich immer ein Basecap getragen, aber Grandpa hat mir irgendwann den weißen Stetson geschenkt, den ich seither trage. Ich hege und pflege den Hut, weshalb er immer noch wie neu aussieht.

Zu meiner Überraschung holt Adam schnell zu mir auf. Ich schaue zu ihm rüber und wow, er macht eine verdammt gute Figur auf dem Pferd. Überhaupt sieht er verdammt gut aus, obwohl er unglaublich spießig wirkt.

* * *

Als wir den Weinberg erreicht haben, steige ich von Dantes Rücken und lasse meinen Blick schweifen. Adam steigt ebenfalls vom Pferd und zückt sein Handy. Er fängt an, Fotos zu machen, aber er sagte ja, dass er sie seiner Familie schicken möchte. »Ich hätte nicht gedacht, dass das Gelände so groß ist.«

Ich schaue zu ihm. »Na ja, die Ranch ist vergleichsweise klein, die meines Nachbars ist wesentlich größer.«

»Wie viel größer?«

»Ich glaube, er hat zwölf Hektar mehr Land.«

»Das ist ordentlich.«

»Er hat aber auch mehr Angestellte als ich, sodass er es problemlos bestellen kann.«

»Wie viele Angestellte haben Sie, Elena?«, fragt er interessiert.

»Zwei.«

»Für das ganze Land?«, hakt er verdutzt nach.

»Ja. Mit einem guten Zeitmanagement bekommt man es zu dritt hin«, antworte ich. Ich bin mir nicht sicher, warum er all die Dinge wissen will, aber gut, er ist Städter und kann sich bestimmt nicht vorstellen, dass man mit drei Personen eine Ranch bestellen kann. Ich drehe mich von ihm weg und gehe zum Zaun, während Dante sich am Gras gütlich tut. »Fuck«, stoße ich leise aus, als ich sehe, dass zwei Streben gebrochen sind. In der Scheune müsste ich noch Holz haben, wenn nicht, muss ich Jackson oder George bitten, zum Baumarkt zu fahren, damit wir den Zaun reparieren können. Ich kann die Kühe nicht weiden lassen, solange das Element kaputt ist, sonst türmen sie vermutlich noch. Und das kann ich mir nicht leisten. Sicher verliert man mal ein Tier, aber das muss ich um jeden Preis vermeiden. Seufzend greife ich zu meinem Handy und rufe den Whatsappchat mit Jackson auf.

Hey, der Zaun vor dem Weinberg ist gebrochen, könntest du bitte mal nachsehen, ob noch Holz in der Scheune ist? Dann kann ich das Loch am Wochenende flicken und muss die Kühe nicht im Stall lassen. Danke!

Ich schicke die Nachricht ab, stecke das Smartphone in meine Hosentasche und gehe weiter. Irgendwann muss ich den ganzen Zaun erneuern, weil das Holz langsam morsch wird. Zwar habe ich auch Elektrobänder gespannt, aber das hält eine Kuh, die durchgeht, nicht auf. Ein Holzzaun auch nicht unbedingt, aber ich sichere mich lieber doppelt ab.

Mein Handy vibriert, weshalb ich es wieder hervorhole. Jackson hat geantwortet.

Es sind noch zwölf Bretter da. Soll ich mit dem Pick-up kommen und mich darum kümmern?

Ich seufze erleichtert, antworte ihm, dass es nett wäre, wenn er die Reparatur übernimmt, aber ich ihm helfen kann, damit er sich nicht zu lange daran aufhält.

Alles klar, aber ich mache es mit George. Sag Bescheid, wenn du weitere Lücken im Zaun findest, und markier sie oder hast du keine Bänder mitgenommen?

Ich verziehe das Gesicht.

Hab die Bänder vergessen, aber ich suche weiter und schicke dir Fotos, okay?

Einen Moment später schickt er mir ein Daumen hoch und ich stecke das Smartphone abermals weg. »Adam, ich werde jetzt weiter reiten, möchten Sie hierbleiben oder mich begleiten?«

»Ich begleite sie.«

»In Ordnung.«

Er geht zu Virgil, dann steigt er auf, ich tue es ihm gleich, allerdings steige ich auf Dantes Rücken. Ich lasse ihn wenden, anschließend reite ich los.

* * *

Ich habe nur noch ein weiteres Loch im Zaun gefunden und Jackson ein Foto geschickt. Er kam uns zwar entgegen und ich sagte ihm, wo es ist, aber sicher ist sicher. Am frühen Abend haben wir gegrillt, aber Adam hat sich nicht zu uns gesellt. Nun sind George und Jackson ins Bett gegangen, weil sie morgen sehr früh aufbrechen, und ich sitze noch auf der hinteren Veranda, um ein Glas Wein zu trinken. Glühwürmchen fliegen über das Gras und ich höre die Grillen zirpen. Ich schaukle ein wenig, da ich auf der Hollywoodschaukel sitze, außerdem habe ich mich in eine Decke gekuschelt, weil es abends recht kühl wird.

Als mein Blick auf das Gästehaus fällt, sehe ich Adam herauskommen. Er hat sein Handy am Ohr. »Ja, das sind vorerst alle Fotos«, höre ich ihn sagen. »Es ist wirklich eine schöne Gegend«, fährt er fort. »Ja, ich fühle mich wohl.«

Ich verziehe meine Lippen zu einem Lächeln, weil ich froh bin, dass er sich wohlfühlt, denn das ist womöglich ein Garant dafür, dass er noch mal herkommt. Ich greife zum Weinglas, trinke einen großen Schluck und lege den Kopf in den Nacken.

»Ich muss Schluss machen. Ich melde mich.« Schritte nähern sich und schließlich vernehme ich ein Räuspern.

Ich schaue zur Treppe und erkenne Adam. »Guten Abend.«

»Guten Abend, Elena. Können Sie mir einen Korkenzieher leihen? Im Gästehaus habe ich keinen gefunden und ich würde gern den Sauvignon blanc probieren«, sagt er.

»Ich habe gerade eine Flasche aufgemacht. Wenn Sie möchten, hole ich Ihnen ein Glas«, erwidere ich.

»Falle ich Ihnen nicht zur Last?«

Daraufhin schüttle ich den Kopf. »Nein, keine Sorge. Ich habe gern Gesellschaft.« Eigentlich habe ich die nicht gern, denn ich bin eine Eigenbrötlerin, aber für Gäste mache ich gelegentlich eine Ausnahme. Es fiel mir immer schwer, neue Leute kennenzulernen, weil ich so verschlossen bin. Aus dem Grund war ich in der Schule nicht besonders beliebt, aber das hat mich nie gestört. Ich hatte sowieso keine Zeit, um mich mit Schulkameraden zu treffen, weil ich auf der Ranch helfen musste. Jackson und George sind meine einzigen Freunde, aber ich befürchte, dass sie mich bald verlassen werden, weil ich sie nicht bezahlen kann. Deshalb hoffe ich so sehr auf das Preisgeld bei dem Wettbewerb.

»Dann würde ich Ihre Einladung gern annehmen.«

Ich erhebe mich und deute auf die Stühle. »Setzen Sie sich. Ich hole ein Glas für Sie.«

»Danke.« Lächelnd geht er zu der Sitzgruppe und zu meiner Überraschung nimmt er auf der Hollywoodschaukel Platz.

Ich gehe ins Haus, geradewegs ins Wohnzimmer und hole dort ein Weinglas aus der Vitrine. Konzentriert schaue ich es an, um mögliche Flecken auszumachen, aber ich erkenne keine. Ich laufe zurück nach draußen, verkünde meine Rückkehr und schenke Adam ein Glas Weißwein ein. »Hier bitte.«

»Danke, Elena.« Er zeigt mir ein charmantes Lächeln, das mein Herz schneller schlagen lässt.

»Gern.« Ich nehme mein Weinglas an mich und proste ihm zu. »Cheers.«

»Cheers«, erwidert er und trinkt einen Schluck, während ich innehalte. Adam sieht aus, als würde er den Wein kauen, sicher ist er ein Kenner und ich erwarte ein vernichtendes Urteil. »Das ist wirklich ein guter Wein.«

»Danke.«

»Aus welchem Jahr ist er?«

»2008, es ist eine der älteren Flaschen, die ich auf Lager habe. Ein kleiner privater Vorrat«, antworte ich und nippe an meinem Glas.

»Er erinnert mich an einen französischen Sauvignon blanc.«

»In dieser Gegend wachsen hauptsächlich Rebsorten aus Frankreich«, lasse ich ihn wissen. »Andere Sorten tragen hier keine Früchte, was an der Bodenbeschaffenheit liegt.«

»Warum?«

Ich ziehe die Schultern hoch. »Gute Frage, ich werde es später googeln und es Ihnen morgen sagen.«

Er lacht, der raue Klang lässt einen Schauer über meinen Rücken laufen. »Sie sind sehr schlagfertig.«

»Als Frau, die eine Ranch leitet, muss man sich behaupten, besonders, wenn man mit einem Paar Brüder zusammenarbeitet.«

»George und Jackson sind Brüder?«

Ich nicke und trinke einen größeren Schluck Wein. »Sie arbeiten seit ein paar Jahren für uns.« Anschließend stelle ich mein Glas weg und lehne mich zurück.

»Haben Sie Geschwister?«

Daraufhin schüttle ich den Kopf. »Nein, ich bin Einzelkind und Sie?«

»Ich habe einen jüngeren Bruder«, entgegnet er. »Alexander ist 29 Jahre alt.«

»Und Sie sind wie alt?«, hake ich interessiert nach.

»Ich bin 32«, antwortet er. »Und Sie?«

»27«, lasse ich ihn wissen. »Ich habe die Ranch vor zwei Jahren von meinem Großvater übernommen.«

»Sind Sie hier aufgewachsen?«

»Ja, bin ich.«

»Wo sind Ihre Eltern?«

Ich seufze schwer. »Nicht anwesend«, antworte ich und ringe mir ein Lächeln ab.

Er erwidert es. »Das sehe ich wohl.«

»Haben Sie ein gutes Verhältnis zu Ihren Eltern?«

Adam nickt. »Es ist mal besser, mal schlechter, wie es eben so ist.« Er lässt seinen Blick schweifen. »Ich weiß, ich habe das schon öfter gesagt, aber hier ist es wirklich sehr schön.«

»Ich fühle mich auch sehr wohl.«

»Ich glaube, ich würde mich genauso wohlfühlen, wenn ich hier leben würde«, sagt er.

»Fühlen Sie sich in der Stadt denn nicht wohl?«

»Es ist hektisch, es ist laut … Ich bevorzuge die Ruhe, die auf dem Land herrscht.« Er neigt den Kopf und betrachtet mich, was mir das Gefühl gibt, dass seine dunkelblauen Augen geradewegs in meine Seele blicken können. »Waren Sie schon mal in Houston?«

»Nein«, entgegne ich. »Ich war mal in Austin und einmal mit meiner Großmutter in San Francisco, aber das waren die weitesten Reisen, die ich unternommen habe.«

»Sie waren noch nie im Ausland?«

»Nein.«

»Was möchten Sie mal sehen?«

Ich hole tief Luft und denke einen Moment lang nach. »Ich würde gern mal nach Rom reisen, aber das kann ich mir nicht erlauben. Ich muss mich um die Ranch kümmern, da ist ein längerer Urlaub nicht drin.«

»Zumal Sie nur zwei Angestellte haben, aber normalerweise hat man mehr Mitarbeiter, oder?«

»Wir kommen zu dritt ganz gut zurecht«, weiche ich aus.

Adam trinkt noch einen Schluck Wein, dann ist sein Glas leer. »Darf ich?«, fragt er, dabei deutet er auf die Flasche.

»Bedienen Sie sich.«

»Danke.«

Er erhebt sich, schenkt noch etwas Wein in sein Glas ein und schaut auf meines, danach füllt er es auch noch mal, womit die Flasche leer ist. Ich hatte schon zwei Gläser getrunken, als er herüberkam. »Sie tragen gar nicht Ihren Hut.«

»Es ist ja auch nicht unbedingt sonnig«, erwidere ich grinsend.

Er schmunzelt. »Stimmt wohl. Sie haben schöne Haare.«

Irritiert schaue ich zu ihm hoch. »Danke«, sage ich genauso, wie ich ihn ansehe.

Adam lächelt. »Es ist nur die Wahrheit, Elena.«

Ich mag die Art und Weise, wie er meinen Namen ausspricht, dabei habe ich ihm nie viel abgewinnen können. Mein Leben lang wurde ich Elle genannt, es ist ungewohnt, dass ich von ihm mit Elena angesprochen werde.

Als er zum Geländer geht, schaue ich auf die Farm, um nicht auf seinen Hintern zu starren. Ich sehe den Glühwürmchen bei ihrer Partnersuche zu, bis ich zum Himmel schaue. Die Sterne leuchten hier unglaublich hell, so deutlich sieht man sie in der Stadt bestimmt nicht.

»Hier kann man so ziemlich alle Sternbilder sehen, die ich kenne.«

»Kennen Sie viele?«, frage ich interessiert.

»Nun, es sind einige«, antwortet er. »Welche kennen Sie?«

»Den großen Wagen, den kleinen Wagen und ich weiß, wo der Polarstern ist.«

»Das sind ja eine Menge«, stößt er trocken aus, womit er mich zum Lachen bringt. Ich spüre seinen Blick an mir haften, aber ich werde ihn nicht erwidern. »Dort oben kann man noch viel mehr sehen.«

»Wenn Sie möchten, hole ich Ihnen mein altes Teleskop, dann können Sie sich auf die Wiese setzen und sich die Sternbilder ansehen.«

Er schnaubt amüsiert. »Das ist nett, aber ich möchte mich nicht unbedingt auf die feuchte Wiese setzen.«

»Ich wäre so nett gewesen, Ihnen eine Decke zu geben.« Ich greife zu meinem Glas und trinke es leer, da ich langsam müde bin. Es ist zwar erst zehn Uhr, aber ich muss früh raus, da ich mich von George und Jackson verabschieden möchte.

»Gibt es hier vielleicht ein paar Ausflugsziele?«

»Sie können die Weintour machen. Hier gibt es mehrere Güter und die bieten tolle Weine an.«

»Ich wollte mich nicht unbedingt betrinken«, sagt er.

»Das müssen Sie ja nicht.« Ich räuspere mich. »Der Travis County Park ist sehr schön und sehenswert.«

»Ist der weit von hier entfernt?«

Ich schüttle den Kopf. »Nein, wenn Sie mit dem Auto fahren, erreichen Sie ihn schnell.«

»Können Sie mir die Adresse geben?«

»Ich suche Sie Ihnen morgen früh raus und hefte sie an die Tür, damit Sie ausschlafen können.«

»Danke.« Adam wirft einen Blick auf die Uhr. »Es ist spät geworden, Sie müssen doch sicher früh aufstehen, oder?«

»Ich werde gleich ins Bett gehen, aber ich möchte nun nicht so unhöflich sein und Sie zum Gästehaus jagen.«

Adam lacht wieder und einmal mehr nimmt mich der Klang für ihn ein. Es ist lange her, dass ich einem anderen Mann als Jackson und George begegnet bin. Die meisten Urlauber, die hierher kamen, waren Familienväter und kamen mit Frau und Kindern, meine letzte Beziehung habe ich auf dem College geführt, was schon ein paar Jahre her ist.

»Oh, die Ranch von Lyndon B. Johnson ist auch nicht allzu weit weg, vielleicht möchten Sie sie ansehen?«

»Ich nehme alle Adressen, die ich kriegen kann.«

»Dann suche ich sie auch raus.«

Adam leert sein Glas. »Nun denn, ich werde mich dann für die Nacht verabschieden. Schlafen Sie gut, Elena.«

»Sie auch, Adam«, erwidere ich lächelnd und nehme ihm das leere Weinglas ab.

Er schenkt mir ebenfalls ein Lächeln und zwinkert mir zu, bevor er sich der Treppe zuwendet. »Gute Nacht.«

»Gute Nacht«, entgegne ich und bleibe auf der Veranda stehen, bis er das Gästehaus erreicht hat. Danach drehe ich mich weg, nehme auch mein Glas an mich, ebenso die leere Weinflasche.

Nachdem ich alles weggebracht habe, schließe ich die Türen ab und lösche die Lichter. Anschließend mache ich mich auf den Weg nach oben. Ich gehe ins Bad, putze mir die Zähne und kämme mein Haar, dann begebe ich mich ins Schlafzimmer. Ich greife nach meinem altersschwachen Laptop, schalte ihn ein und hoffe, dass er heute keine Zicken macht, doch kaum ist er hochgefahren, geht er aus. »Scheißding«, stoße ich aus, lege ihn weg und nehme mein Handy an mich, um den Wecker einzustellen. Als das passiert ist, ziehe ich mich um und lege mich ins Bett.

* * *

KapitelVier

Die Rosdale-Brüder sind vor einer Stunde aufgebrochen und ich habe mich schon um die Pferde gekümmert, nun ja, ich habe sie auf die Weide gebracht. Ich habe Kopfschmerzen, weil ich gestern Abend zu viel Wein getrunken habe, außerdem bin ich müde, weil ich noch lange wachlag. Die Hühner sind bereits gefüttert, ebenso habe ich die Eier eingesammelt und jetzt gleich werde ich mich um die Kühe kümmern. Sie müssen gemolken werden, danach muss ich die Milchtanks ins Kühlhaus schaffen und eine Lieferung für den kleinen Bioladen fertigmachen.

»Guten Morgen, Elena.«

Ich zucke zusammen, weil Adam mich so unverhofft angesprochen hat. »Gott, Sie haben mich erschreckt.« Ich atme tief durch. »Guten Morgen, Adam.« Ich betrachte ihn. »Warum sind Sie schon so früh auf den Beinen?«

»Ich habe vergessen, mein Handy auszuschalten, und ein Geschäftspartner rief an, deshalb bin ich wach.«

»Oh, tut mir leid, dass Sie geweckt wurden.«

»Ich habe mitbekommen, dass Ihre Mitarbeiter weggefahren sind. Brauchen Sie vielleicht Hilfe?«, fragt er interessiert.

Ich hebe die Augenbrauen und sehe ihn erstaunt an. »Möchten Sie mir wirklich helfen?«

»Ja, da ich wach bin und nicht mehr schlafen kann, ist es die logische Konsequenz.«

Ich plustere meine Wangen auf und stoße die Luft aus. »Ich muss die Kühe melken und in die Käserei. Sie können mir beim Melken helfen.«

»Machen Sie das von Hand oder mit einer Maschine?«

»Mit einer Maschine«, lasse ich ihn grinsend wissen. »Sie müssen sie nicht von Hand melken.«

Er lächelt. »Ich ziehe mir etwas Anderes an und komme dann zu Ihnen.«

Ich nicke ihm zu. Er weiß, wo der Kuhstall ist, da ich ihm gestern die ganze Farm gezeigt habe. »Ich gehe schon mal vor. Am besten ziehen Sie Schuhe an, die Sie nicht mehr brauchen, denn Ihre Lederschuhe sind nach einem Besuch im Kuhstall ruiniert.«

»Damit werde ich leben können«, sagt er, wendet sich ab und verschwindet ins Haus.

»Na schön«, nuschle ich vor mich hin. Er hat sicher eine Menge Geld, denn niemand, der ein mittelständisches Leben führt, kann sich den neuesten Mercedes leisten – was ich von Jackson weiß, er nannte mir auch den Preis, der mich mit den Ohren schlackern ließ.

Als ich den Kuhstall betrete, verziehe ich das Gesicht. Jackson und George haben ihn zwar gestern ausgemistet, aber Kühe sind Kühe …

* * *

Adam versucht, seine Schuhe zu säubern, weshalb ich mir das Lachen verkneife.

»Ich sagte Ihnen, dass Sie diese Schuhe nicht anziehen sollen«, kichere ich.

Er schaut zu mir. »Ich hätte besser auf Sie gehört.«

»Stimmt, aber ich werde nicht behaupten, dass ich recht hatte.«

»Das haben Sie gerade getan.«

Ich schnaube amüsiert. »Kommen Sie, ich gebe Ihnen einen vernünftigen Lappen und mache uns Kaffee.« Ich schaue ihn nachdenklich an. »Haben Sie schon gefrühstückt?«

»Noch nicht, nein.«

»Dann mache ich uns auch Frühstück«, entscheide ich kurzerhand und schlage den Weg zum Haupthaus ein, Adam kommt an meine Seite.

»Ich wusste nicht, dass Kühe so viel scheißen.«

Ich lache auf und verliere mich in einem regelrechten Lachanfall, wegen dem ich mir den Bauch halte.

Adam bleibt stehen und betrachtet mich, auch verzieht er seine Lippen zu einem Lächeln. »Was ist los?«

Ich hole tief Luft, schaffe es aber nicht, mich zu beruhigen. »Ich … hätte nicht … gedacht, dass … Sie so reden«, stammle ich, da mein Körper immer noch geschüttelt wird.

»Warum nicht?«

Ich winke ab, atme abermals durch und schlucke den Lachanfall herunter, auch wenn es mir kaum gelingt. »Sie wirken so konservativ«, sage ich ruhiger.

»Wow, danke.«

»Tut mir leid.«

»Wie kommen Sie darauf, dass ich konservativ bin?«

Ich deute auf seine Schuhe. »Sie haben nicht mal Gummistiefel oder Sneaker dabei, dabei wussten Sie doch, dass es auf eine Farm geht.«

»Ich habe nicht damit gerechnet, dass ich mitanpacken würde«, gibt er zu.

»Damit rechnen die wenigsten, aber wenn Sie möchten, nehme ich Sie mit in die Stadt und Sie können sich Gummistiefel kaufen.«

»Warum sollte ich?«

»Falls Sie auf die Idee kommen, mir morgen oder später wieder zu helfen, da wir beide übers Wochenende allein sind.«

»Ah«, er nickt. Wir gehen weiter, aber er bleibt vor der Veranda stehen. »Ich möchte Ihnen nicht die Veranda oder den Boden versauen, deshalb ziehe ich die Schuhe lieber hier aus.«

»Ich schaue mal nach, ob ich ein Paar Pantoffeln für Sie habe. Welche Schuhgröße haben Sie?«

»Ich trage keine Schuhe von Fremden.«

»Dann bleiben Sie eben auf Socken.« Ich gehe an ihm vorbei und ziehe die Gummistiefel vor der Fliegengittertür aus, danach schlüpfe ich in die Hausschuhe, die ich dort deponiert habe. Ich betrete das Haus und begebe mich in die Küche, um das Frühstück zu machen, denn ich habe auch noch nichts gegessen. Normalerweise essen wir immer zu dritt, aber da Jackson und George sehr früh aufgebrochen sind und ich beinahe verschlafen hätte, kam ich noch nicht dazu, etwas zu essen.

»Elena?«

Ich drehe mich um. »Ich bin in der Küche, das ist der Raum gegenüber von meinem Büro.« Kaum habe ich zu Ende gesprochen, höre ich seine Schritte näherkommen, was nur möglich ist, weil die Dielen knarren. In diesem Haus kann man sich nicht anschleichen, denn es fällt fast auseinander. »Möchten Sie einen Kaffee?«

»Gern.«

Ich deute zur Maschine. »Die Tassen sind in dem Schrank darüber, Milch steht im Kühlschrank.«

»Danke.« Er bedient sich und stellt sich neben mich. »Brauchen Sie Hilfe?«

»Nein, das geht schon«, entgegne ich, als ich die Eier in den Messbecher schlage. »Setzen Sie ich ruhig.«

»Schaffen Sie die Arbeit überhaupt alleine?«, fragt er.

»Für ein paar Tage muss ich sie alleine schaffen. Ich könnte zwar meinen Nachbarn fragen, ob er mir zwei Angestellte leiht, aber ich genieße, dass ich gerade alles nach meinen Vorstellungen machen kann.«

»Befolgen Ihre Mitarbeiter nicht Ihre Anweisungen?«

»Doch, das tun sie. Ich bin froh, dass ich zwei so zuverlässige Mitarbeiter habe.« Ich hole die Pfanne aus dem Ofen, danach die Butter aus dem Kühlschrank. »Brauchen Sie etwas aus der Stadt?«

»Gummistiefel«, antwortet er, was mich kichern lässt. »Vielleicht gehe ich Ihnen noch mal zur Hand, aber ich denke, für einen Spaziergang über die Ranch ist es besser, wenn ich Schuhwerk trage, das weniger hochpreisig ist.«

»Stimmt wohl.« Ich schalte den Herd ein und mache mich an die Zubereitung der Rühreier.

* * *

Als sie ein paar Minuten später fertig sind, decke ich den Tisch und hole die Brötchen aus dem Ofen, die ich aufgebacken habe. »Lassen Sie es sich schmecken.«

Adam schaut auf den Tisch. »Ich habe lange nicht mehr so ausgewogen gefrühstückt.«

»Wenn Sie mitanpacken wollen, brauchen Sie Kohlenhydrate, sonst kippen Sie noch um.«

Er schürzt die Lippen, sagt aber nichts. Adam trinkt einen Schluck Kaffee, greift nach einem Brötchen und schneidet es auf.

Ich bediene mich am Rührei, greife ebenfalls zu den Brötchen und schneide es auf, als es klopft. »Entschuldigen Sie mich.« Ich erhebe mich, danach laufe ich zur Haustür. »Guten Tag, was kann ich für Sie tun?«, frage ich den Herrn im Anzug, der vor mir steht.

»Sind Sie Elena Robin Howard?«

Ich nicke. »Und Sie sind?«

»Mein Name ist Harry Savage, ich wurde von der Bank beauftragt, die Ranch zu schätzen, da Sie Ihre Raten nicht tilgen.«

Ich schlucke. »Jetzt?«

»Ja.«

»Sie haben sich nicht angekündigt und ich habe gerade keine Zeit, um Ihnen alles zu zeigen, Mr. Savage. Wir können gern einen Termin ausmachen, aber jetzt ist es nicht möglich.«

Er hebt eine Augenbraue. »Ich brauche keinen Termin, Ms. Howard.«

»Doch, den brauchen Sie und wenn Sie jetzt nicht gehen, hole ich meine Schrotflinte und jage Sie von meinem Grundstück.«

»Ms. Howard, ich bitte Sie, seien Sie vernünftig.«

Doch ich greife schon zur Seite und nehme die Flinte an mich. »Gehen Sie, wir sind hier immer noch in Texas und ich darf schießen, wenn ein Unbefugter meinen Grund betritt und ich mich bedroht fühle.« Ich entsichere sie und ziele auf seinen Schritt. Was er nicht weiß, die Schrotflinte ist nicht geladen, aber es reicht, um ihn einzuschüchtern.

Er stolpert nach hinten. »Na schön. Ich werde mich wegen eines Termins melden.« Er räuspert sich. »Haben Sie einen schönen Tag.«

»Ebenso«, erwidere ich, ringe mir ein freundliches Lächeln ab und sichere die Schrotflinte, die ich danach wieder neben die Tür stelle. Seufzend schließe ich die Tür, anschließend gehe ich zurück in die Küche. »Tut mir leid.«

Adam sieht mich fragend an. »Ist alles in Ordnung?«

»Ja, alles bestens. Das war nur ein aufdringlicher Vertreter, der mir einen Traktor verkaufen wollte«, lüge ich kurzerhand.

»Ah.« Er nickt, scheint mir die Nummer aber nicht abzukaufen. Hoffentlich hat er nicht gehört, worüber ich mit Mr. Savage diskutiert habe, denn ich will nicht, dass er seinen Aufenthalt abbricht. Zwar muss er dann trotzdem für die vollen zwei Wochen bezahlen, aber ich bin froh über seine Gesellschaft – und zugegeben, Adam ist ein echt heißer Kerl und ich will nicht, dass er früher zurück nach Houston fährt.

»Frühstücken wir«, wechsle ich das Thema, aber in meinem Kopf kreisen die Gedanken darum, dass die Bank jetzt schon jemanden schickt, der das Grundstück schätzt. Ich hoffe wirklich, dass Lester einen Preis gewinnt, damit ich mit dem Preisgeld meine Schulden tilgen kann. Ich habe kaum Geld in der Tasche, noch weniger auf dem Konto und horrende Kreditkartenschulden. Ich weiß nicht mehr, wie ich alles bezahlen soll. Wenn es nicht bald besser läuft, werden uns der Strom und das Wasser abgedreht, was hoffentlich nicht passiert, während Adam noch hier ist. Ich verfalle ins Schweigen, konzentriere mich auf das Essen und atme immer wieder tief durch. Glücklicherweise kann ich bei Fred anschreiben lassen, aber irgendwann wird er auch sein Geld haben wollen. Vielleicht sollte ich die Ranch wirklich verkaufen, denn ich werde sowieso auf keinen grünen Zweig kommen, um alle Schulden zu tilgen und die Rosdale-Brüder zu bezahlen. Dass Jackson und George noch nicht abgehauen sind, ist ein Wunder, für das ich tagtäglich dankbar bin, aber irgendwann werden sie gut bezahlte Jobs finden, denn jeder ist froh, wenn er so großartige Mitarbeiter bekommt, und dann bin ich aufgeschmissen, da ich weder das Land bestellen noch die Tiere alleine versorgen kann.