Beschreibung

Mitch Cahill war ein grandioser Quarterback und gefeierter Footballgott, der alles besaß, was er sich nur hätte wünschen können. Doch einige Auswärtsspiele, Groupies und eine Knieverletzung später ist er geschieden und muss sich vom Profifootball sowie von den New York Titans verabschieden. Letzteres macht ihm nichts aus, aber die Trennung von seiner Exfrau hat er auch nach vier Jahren kaum verwunden und tut sich schwer damit, wieder eine Beziehung einzugehen. Dank eines Postens als Geschäftsführer in seinem alten Verein ist er jedoch so abgelenkt, dass sein Liebesleben kaum von Belang für ihn ist. Vor allem als er bei der Arbeit mit Avery Lancaster aneinandergerät, schweifen seine Gedanken immer wieder zu der herrischen und unbeschreiblich hübschen Frau ab, die ihn bei ihrer ersten Begegnung einen abgehalfterten Ex-Footballspieler genannt hat. Es widerstrebt ihm aus tiefstem Herzen, mit dieser Furie zusammenzuarbeiten, doch es bleibt ihm nichts anderes übrig. Sobald Mitch erkennt, wie sie wirklich ist, und er ihre weiche Seite entdeckt, ist er hin und weg. Aber schafft er es auch, Averys Vertrauen zu gewinnen?

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Beliebtheit


Table of Contents

Title Page

Impressum

Newsletter

Prolog

1. Kapitel

2. Kapitel

3. Kapitel

4. Kapitel

5. Kapitel

6. Kapitel

7. Kapitel

8. Kapitel

9. Kapitel

10. Kapitel

11. Kapitel

12. Kapitel

13. Kapitel

14. Kapitel

15. Kapitel

16. Kapitel

17. Kapitel

18. Kapitel

Leseprobe „Küss mich, du Vollidiot“ (Band 10)

Die New York Titans-Reihe

Die Ashcroft-Saga

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Liebesroman

 

 

 

Hände weg vom Quarterback

 

 

 

 

 

 

Poppy J. Anderson

 

 

 

 

 

 

Band 9

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1. Auflage Juli 2014

 

 

Copyright © 2014 by Poppy J. Anderson

Covergestaltung: Catrin Sommer rausch-gold.com

Unter Verwendung von © Maksim Šmeljov - Fotolia.com

Korrektorat: SW Korrekturen e.U.

 

 

 

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Impressum

 

Poppy J. Anderson

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Prolog

 

 

Mitch Cahill trug das Rosenbouquet mit der Selbstsicherheit eines Mannes vor sich her, der wusste, dass er ein toller Fang war. Nicht einmal das leichte Humpeln minderte diesen Eindruck, schließlich war er ansonsten eine außergewöhnliche Erscheinung. Jahrelanges Footballtraining hatte seinen Körper zu einer ansprechenden Ansammlung von Muskeln werden lassen, die den Frauen gefiel. Gepaart mit einem braunen Wuschelkopf, einem breiten Grinsen und einer ordentlichen Portion Humor war es der baumlange Körper von knapp einem Meter neunzig, der ihn zu einem beliebten Flirtobjekt machte. Sein umgängliches Wesen schaffte es zudem, dass sich Frauen in seiner Gegenwart stets wohlfühlten und alle Vorsichtsmaßnahmen sowie Schutzschilder sogleich vernachlässigten.

Zwar gab es das Klischee von harten Footballspielern, wahren Bad Boys, die Frauen wie Schlampen behandelten und dennoch heiß begehrt waren, während die netten Kerle nie einen Groupie abbekamen, sondern leer ausgingen, aber Mitch hatte in den vielen Jahren seiner Karriere eine völlig andere Erfahrung gemacht.

Er war niemals ein Bad Boy gewesen, hatte niemals im betrunkenen Zustand eine Bar auseinandergenommen oder gar in eine Hotellobby gepinkelt und er hatte niemals Frauen als Schlampen bezeichnet, trotzdem hatte er sich vor eindeutigen Angeboten nicht retten können. Selbst mit einem Ehering am Finger war er vor Groupies nicht sicher gewesen, die ihm ihre Höschen vor die Füße geworfen und ihre Telefonnummern zugesteckt hatten.

Zu seiner Schande musste er gestehen, dass er zwar kein rüpelhafter Bad Boy gewesen war, doch einige der Telefonnummern tatsächlich angerufen hatte. Natürlich hätte er von sich behaupten können, dass er heute nicht mehr wusste, warum er solch einen Mist verzapft hatte, aber das wäre gelogen gewesen. Die Einsamkeit von Hotelbetten, eine schmollende Ehefrau, die ihm übers Telefon die Hölle heiß machte, weil er ihren Jahrestag vergessen hatte, und eine anhaltende Langeweile hatten ihn Mist bauen lassen. Und das leider nicht nur einmal.

Seine Ehe war großartig gewesen, seine Ehefrau Kelly war ebenfalls großartig gewesen und ihr Sexleben war vielleicht nicht immer großartig, aber durchaus befriedigend gewesen. Mitch hatte Kelly mit achtundzwanzig Jahren geheiratet, nachdem sie bereits zwei Jahre lang ein Paar gewesen waren. Stets hatte er sie als die Liebe seines Lebens bezeichnet und die außerehelichen Aktivitäten während seiner Auswärtsspiele immer bereut. Um sie nicht zu verletzen und sie nicht zu verlieren, hatte er die Klappe gehalten und so getan, als hätte es die nackten Groupies in seinen Betten nie gegeben.

Natürlich hatte er sich beschissen gefühlt und war sich schäbig vorgekommen. Wer wäre das nicht, wenn man seine Frau, die man vom ganzen Herzen liebte, mit anderen Frauen betrog? Als seine Affären schließlich aufflogen, hatte sich das wie ein Tritt in die Eier angefühlt. Kellys Tränen, ihre Schluchzer und wütenden Vorwürfe hallten noch heute in seinen Ohren.

Mitch Cahill, der große Quarterback und Footballstar, war ganz klein mit Hut gewesen und hatte einsehen müssen, dass er sich wie der letzte Wichser des Planeten benommen hatte. Seine One-Night-Stands, die folgende Trennung und Scheidung waren die einzigen Fehlschläge seines Lebens gewesen. Dennoch hatte er sich nicht davon abhalten lassen, seinen Vertrag mit den Titans zu erfüllen.

Damals hatte Kelly ihm die Pistole auf die Brust gesetzt und erklärt, dass sie einen Neuanfang mit ihm starten wolle – in Chicago. Mitch hatte das rundheraus abgelehnt, schließlich war er der Quarterback und Kapitän der New York Titans gewesen. Es war niemals seine Art gewesen, alles hinzuwerfen und aufzugeben, selbst wenn ein talentierter Ersatzquarterback wie Brian Palmer darauf wartete, in seine Fußstapfen zu treten. Sein Vertrag war noch zwei Jahre gültig gewesen und er hatte nicht einsehen wollen, seinen Job früher als geplant an den Nagel zu hängen. Also war Kelly wutentbrannt nach Chicago gezogen, während Mitch in New York geblieben war.

Der Optimist in ihm hatte sich gesagt, dass er in zwei Jahren wieder mit Kelly zusammenkäme, denn sie kam nicht von ihm los, wie es schien. Und er nicht von ihr.

Wenn er in Chicago war, trafen sie sich, stritten sich, liebten sich und erklärten einander, dass sie noch immer verrückt nacheinander seien. Wenn sie ihn in New York besuchte, trafen sie sich, stritten sich, aber liebten sich nicht, weil Kelly ständig durchdrehte, sobald irgendeine Frau ihn ansah. Dann erklärten sie einander, dass der andere völlig verrückt sei, bevor Kelly in Tränen ausbrach und wieder abreiste.

Ein ganzes Jahr ging das so, bis Kelly plötzlich einen Freund hatte und Mitch am Boden zerstört war. Dass sie ihn ständig anrief, um sich bei ihm über ihren neuen Freund zu beklagen und ihr Herz auszuschütten, munterte ihn immer auf, da Kelly bei solchen Gelegenheiten in den Hörer flüsterte, dass sie ihn noch immer liebte. Als sie sich endlich von ihrem Freund trennte, grinste er den ganzen Tag. Ein paar Wochen später wurde er bei einem Spiel hart getackelt, landete im Krankenhaus und hörte einem betretenen Arzt zu, der ihm prophezeite, dass seine Karriere vorbei war.

Anstatt die Welt zu verfluchen, in Depressionen zu verfallen oder zur Flasche zu greifen, hatte er gelacht und Pläne geschmiedet, wann er nach Chicago ziehen und seine Exfrau zurückgewinnen könne. Er wollte sie ein wenig zappeln lassen, rief nicht mehr an und machte sich seelenruhig zur Reha auf, die nun vorbei war.

Heute würde er Kelly besuchen und ihr klarmachen, dass sie zusammengehörten. Nicht nur das duftende Rosenbouquet, sondern auch der Brillantring in seiner Brusttasche würden Kelly zeigen, wie ernst er es meinte. Er wollte einen Neuanfang mit ihr und all die alten Geschichten hinter sich lassen. Nie wieder würde er sie betrügen, sondern war sich sicher, dass er der beste Ehemann der Welt sein würde.

Und ein Vater.

Mitch wollte Babys mit ihr bekommen. Am besten ein ganzes Footballteam. Endlich war er erwachsen und klug genug, um zu erkennen, was wirklich wichtig im Leben war. Sie liebte ihn, das wusste er genau, also kam er gar nicht auf die Idee, dass sie ihn ablehnen würde. Eventuell ließe sie ihn ein wenig zappeln, aber darauf war er eingestellt.

Falls nötig, würde er sogar vor ihr auf die Knie fallen, auch wenn er hoffte, dass sie ihm dies ersparte, schließlich machte ihm seine Verletzung noch immer zu schaffen und er wollte nicht wie ein gehbehinderter Rentner vor ihr liegen, um dann mit der Eleganz eines Krüppels wieder auf die Beine zu kommen.

Lächelnd klopfte er an die Tür des gepflegten Hauses und setzte sein charmantestes Lächeln auf, mit dem er sie bedachte, als seine entzückende, blondhaarige und schwangere Exfrau in der Tür erschien.

Voller Entsetzen starrte er auf den deutlich gerundeten Babybauch vor sich und bemerkte einen Moment später den Ehering an ihrem Finger. In diesem Moment begriff Mitch, dass sein Leben ein Scherbenhaufen war.

 

 

 

 

 

1. Kapitel

 

 

„Haben Sie nicht verstanden, was ich bestellt habe?“

„Doch, Ma’am.“

„Dann scheinen Sie den Unterschied zwischen rare und medium rare nicht zu kennen. Ich wollte mein Chateaubriand rare essen und nicht medium rare. Nehmen Sie das wieder mit und holen Sie mir den Geschäftsführer!“

„Jawohl, Ma’am.“

„Es kann doch nicht so schwer sein, das Steak so zu servieren, wie ich es bestellt habe! Eine Frechheit, ein solches Stück Fleisch dem Gast andrehen zu wollen!“

Mitch wusste nicht mehr, wer ihm das Date mit Jasmine Miller vorgeschlagen hatte, aber er konnte sich erinnern, dass er noch vor einer Stunde gerätselt hatte, wie eine bildhübsche fünfunddreißigjährige Frau Single sein konnte, obwohl sie mit einem engelhaften Gesicht und einem geradezu teuflischen Körper gesegnet war. Jetzt wusste er es!

Äußerlich entsprach sie zwar all den Kriterien, die man an ein perfektes Blind Date stellte, trotzdem glühte sein Nacken vor Verlegenheit, dass er mit einer solch arroganten und überheblichen Furie an einem Tisch saß und sich seit einer halben Stunde anhören musste, wie sie den armen Kellner herunterputzte, weil der Weißwein zu warm, ihre Konsommee zu kalt, die Lüftung der Klimaanlage zu stark und die Bedienung zu lasch war.

Kurz gesagt: Mitch hatte die Schnauze voll.

Er war siebenunddreißig Jahre alt und saß einer Frau gegenüber, der er gerne eine schallende Ohrfeige gegeben hätte, damit sie endlich aufhörte, ihn und vermutlich auch alle anderen Gäste des exklusiven Restaurants in Midtown mit ihrem Gekeife zu belästigen. Da er jedoch noch nie die Hand gegen eine Frau erhoben hatte und auch nicht beabsichtigte, jetzt damit anzufangen, schwieg er verdrossen und schaufelte das Steak in sich hinein, während die Schwarzhaarige sich darüber ausließ, dass mexikanische Kellner frech und dreist seien und lieber abgeschoben gehörten.

Wunderbar! Eine Rassistin war sie auch noch.

Wehmütig dachte Mitch an seine gemütliche Couch und das Spiel der Lakers, das gerade lief und das er zu gerne verfolgt hätte, da er ein paar Scheinchen auf das Ergebnis gesetzt hatte. Doch die Aussicht auf ein nettes Date, das sich eventuell zu etwas Festem hätte entwickeln können, hatte ihn dazu veranlasst, seine gemütliche Trainingshose und sein Lieblingsshirt gegen einen unbequemen Anzug zu tauschen, nach Manhattan zu fahren und pro Person zweihundert Mäuse für ein Menü auszugeben, das seine Begleitung gerade als minderwertigen Schweinefraß bezeichnete. Der Abend hätte nicht besser laufen können.

Früher hätte es ihn vermutlich nicht einmal gestört, dass die hübsche Frau, die ihm bei romantischem Kerzenlicht gegenübersaß und das Gesicht auf diese schrecklich unsympathische Art zu einer hässlichen Fratze verzog, eine blöde Zicke war, weil Dates mit Abendessen für einen Mittzwanziger nichts anderes als Nahrungsaufnahme vor heißem, unverbindlichem Sex bedeutet hatten. Doch in seinem jetzigen Alter besaßen Dates einen völlig anderen Sinn. Abendliche Verabredungen waren mehr als das Versprechen auf eine Runde Sex, sondern dienten vor allem dem Austausch grundlegender Information und bedeuteten den verzweifelten Versuch, einen adäquaten Partner zu finden, bevor man alt, grau, faltig und einsam war.

Dieser Verzweiflung war es auch zu danken, dass Mitch sich auf hoffnungslose Dates einließ, anstatt sich auf seiner Couch zu räkeln, fettige Pizza zu essen und ein vielversprechendes Basketballspiel auf seinem Luxusfernseher zu schauen. Obwohl er sich mitten in Manhattan befand, in einem vollgestopften Restaurant mit unzähligen anderen Gästen saß und ein Date hatte, kam er sich so einsam wie schon sehr lange nicht mehr vor.

Nicht einmal das Leben in Montana hatte in ihm dieses Gefühl der absoluten Einsamkeit ausgelöst, was ihm zu denken gab. Seit seiner Sportverletzung, die ihn gezwungen hatte, seinen Job als Quarterback an den Nagel zu hängen und sich aus der NFL zurückzuziehen, hatte er das genügsame Leben eines Ranchers geführt, der sich den ganzen Tag darum gekümmert hatte, dass das Geschäft lief. Zwar hatte er nur wenig Ahnung von dem Betrieb seines Onkels gehabt, doch zu seinen Talenten hatte von jeher gehört, nicht nur einen Ball meisterlich zu werfen und die Taktik des gegnerischen Teams lesen zu können, sondern auch mit Zahlen umzugehen. Zusätzlich hatte ihm ein klassisches Betriebswirtschaftsstudium geholfen, den Viehbetrieb seines Onkels, den er unverhofft geerbt hatte, am Leben zu halten. Mittlerweile lief die Ranch auch ohne seine Anwesenheit sehr gut, schließlich kümmerte sich ein äußerst fähiges Team darum, so dass er zurück nach New York hatte gehen können, als Teddy MacLachlan-Palmer ihn darum gebeten hatte.

Es war nicht so, dass er die Herausforderung in Montana nicht genossen hätte, aber sein Herz hing nun einmal am Football und an den New York Titans. Als Kind hatte er viele Sommer auf der Ranch seines Onkels verbracht und als heißblütiger Jugendlicher, der das Auto seines Nachbarn kurzgeschlossen und eine Spritztour mit seinen Kumpels unternommen hatte, waren ihm alle Flausen ausgetrieben worden, nachdem er ein halbes Jahr im Betrieb wie ein Ochse hatte mitschuften müssen. Ehrlicherweise war die Ranch ganz okay und in den vergangenen vier Jahren hatte die harte Arbeit ihn davon abgehalten, zu viel über sich, sein Leben und seine Fehler nachzugrübeln. Dennoch hatte er nicht mehr als eine Minute nachdenken müssen, um den Posten des Generalmanagers der Titans anzunehmen, als er den Anruf von Teddy bekommen hatte.

Teilweise war seine Entscheidung mit der Loyalität verbunden, die er dem Verein und Teddys Vater, dem verstorbenen Teambesitzer George MacLachlan, schuldete, aber im Großen und Ganzen hatte er den Job sofort angenommen, weil er New York, den Football und das Leben in einer Großstadt vermisst hatte.

Außerdem – und das gab er nicht einmal gerne vor sich selbst zu – hatte sich der Gedanke in seinen Kopf geschlichen, dass er in New York vielleicht eine nette Frau kennenlernen könnte, denn die Abgeschiedenheit von Montana hatte an seinem Single-Status nichts geändert.

Voller Ironie sah er sich in dem geschmackvoll eingerichteten Restaurant um, bemitleidete die Kellner im Frack, ignorierte seine keifende Begleitung und ließ die vergangenen Jahre Revue passieren. Mit Anfang zwanzig war er ein Star an seinem College gewesen und hatte sich vor Talentscouts kaum retten können. Mit Mitte zwanzig hatte er bereits mehr Geld verdient als sein Vater, sein Großvater und alle männlichen Mitglieder seiner Familie zusammen. Gleichzeitig war sein Privatleben alles andere als langweilig gewesen, schließlich war er von einer Party zur nächsten getingelt, hatte heiße Models gedatet und sich in seinem Job sehr wohl gefühlt. Finanziell hatte er ausgesorgt, da er als Spieler sehr wertvoll und als Werbegesicht noch wertvoller gewesen war. Mit Ende zwanzig hatte er die Frau geheiratet, in die er sich rasend schnell verliebt hatte, war der Teamkapitän seiner Mannschaft gewesen und galt als einer der prestigeträchtigsten Spieler der NFL. Sein Leben war absolut perfekt gewesen.

Und nun saß er mit siebenunddreißig Jahren einer Frau gegenüber, die er auf den Tod nicht ausstehen konnte, und hatte vor wenigen Wochen von seiner Exfrau erfahren, dass sie wieder ein Baby erwartete – das mittlerweile dritte Kind eines Mannes, den Mitch ebenfalls nicht auf den Tod ausstehen konnte. Kellys Ehemann war ein näselnder Steuerberater mit Geheimratsecken, ohne Sinn für Humor und mit einem Manko, das es Mitch ganz unmöglich machte, ihn leiden zu können, denn der Hurensohn zog die Kinder auf, die eigentlich ihn hätten Daddy nennen sollen. Wenn sich dieser schmierige Winzling nicht an seine Exfrau herangemacht und sie geschwängert hätte, müsste Mitch sich nicht mit zickigen Dates herumschlagen und sich fragen, ob er jemals in den Genuss kommen würde, seinem Sohn einen perfekten Lob Pass beizubringen oder seiner Tochter zu erklären, dass Cheerleading nichts für sie sei, weil ihr Dad aus eigener Erfahrung wusste, welche Moralvorstellung viele Cheerleader besaßen.

Jedes Mal, wenn er Kelly besuchte und auf ihren Mann Jason traf, kribbelte es in seinen Fingern, dem bedeutend kleineren Mann die Zähne einzuschlagen oder ihm wenigstens einen Football in die Weichteile zu werfen. Verdient hätte es der Mistkerl! Er hatte vor vier Jahren die großartige Versöhnung sabotiert, die Mitch für sich und Kelly geplant hatte. Damals hatte Kelly Mitch immer wieder versichert, dass sie ihn noch liebte und dass Jason höchstens ein Lückenbüßer sei, weil sie einsam war. Kurz nachdem sie sich von dem Steuerberater getrennt hatte, bemerkte sie, dass der Lückenbüßer es geschafft hatte, ihr ein Baby zu machen. Das Resultat war eine hastige Eheschließung, die Geburt der kleinen Mary sowie eine Ehe gewesen, die Mitch ein Dorn im Auge war. Er wünschte Kelly alles Glück dieser Welt, aber er sah es nicht gern, dass sie allein aus Vernunftgründen mit einem Steuerberater verheiratet war und die glückliche Ehefrau spielte. Nach Mary war Mason gekommen, ein kleiner Junge, der abgesehen von seinem bescheuerten Namen so niedlich und putzig war, dass Mitch ihn am liebsten nicht mehr hergegeben hätte, als er in den Genuss gekommen war, den Säugling im Arm zu halten.

Doch Onkel Mitch, wie er in Chicago genannt wurde, machte stets gute Miene zum bösen Spiel, brachte den Kindern seiner Exfrau Spielzeug und Süßigkeiten mit und versuchte sich in friedlicher Koexistenz mit dem Steuerberater, während Kelly ihm aufmunternde Blicke schenkte und mit ihm über sein nicht existentes Liebesleben reden wollte. Bei seinem letzten Besuch vor ein paar Monaten hatte sie ihm tatsächlich vorgeschlagen, zum Speeddating zu gehen, um eine Frau kennenzulernen. Zu gerne hätte er sie daran erinnert, dass sein Gesicht zu bekannt war, um sich einer solchen Peinlichkeit auszuliefern, aber Mitch hatte lieber die Klappe gehalten. Es kam nämlich vor, dass in ihrem Blick eine solche Wehmut lag, wenn ihre frühere Ehe zum Thema wurde, dass es sich für ihn wie ein Tritt in die Eier anfühlte. Seit sie herausgefunden hatte, dass sie mit Mary schwanger war, hatte sie ihm nie wieder gesagt, dass sie ihn noch liebte, aber Mitch fühlte, dass sie noch immer Gefühle für ihn hatte.

Was ihn betraf ... wäre er nicht ein solcher Idiot gewesen, der sich auf Groupies eingelassen hätte, dann müsste er sich nicht mit siebenunddreißig Jahren solchen stumpfsinnigen Dates aussetzen, sondern könnte seinen Kindern beim Spielen im Garten zusehen und mit der Frau, die er aus Liebe geheiratet hatte und die er noch immer liebte, auf der Veranda sitzen.

„Verstehen Sie, wie es dieses Restaurant in die New York Times geschafft hat? Der Gastronomiekritiker muss betrunken gewesen sein.“

Aus seinen Gedanken gerissen schaute Mitch auf und begegnete dem wütenden Blick seiner Begleitung. Da er gerade auf dem saftigsten und butterweichsten Fleisch herumkaute, das er jemals gegessen hatte, und ihre Meinung absolut nicht teilen konnte, nachdem er einen Hummersalat verspeist hatte, der ihm die Tränen der Glückseligkeit in die Augen getrieben hatte, zuckte er lediglich mit der Schulter und gab nicht einmal mehr vor, höflich sein zu wollen.

Für sich hatte Mitch beschlossen, sein teures Menü zu genießen und die Frau mit den abartig langen Fingernägeln und der keifenden Stimme zu ignorieren, bevor er sie in den Wind schoss und nach Hause fahren würde.

„Ich komme aus Boston, da würde es so etwas wie hier nicht geben. Nichts gegen New York, aber man sieht ja, wohin Integration und Kulturvermischung führen.“

Beinahe hätte er das vorzügliche Fleisch vor lauter Schreck ausgespuckt. „Wie bitte?“

„Wenn schon irgendwelche Mexikaner unsere Bestellung annehmen, möchte ich nicht wissen, wer hinter dem Herd steht. Und wo bleibt eigentlich der Geschäftsführer?“

Sprachlos lehnte sich Mitch zurück und wusste nicht, was er darauf antworten sollte. Er räusperte sich und fragte gespielt interessiert: „Haben Sie etwas gegen Mexikaner?“

„Natürlich nicht“, empörte sich die Frau und warf ihm einen Blick zu, als hätte er ihr Schlangenledertäschchen fallen gelassen. „Seit Jahren lasse ich mein Auto von einem Mexikaner reinigen. Darauf verstehen sie sich blendend, aber als Kellner machen sie keine gute Figur. Das liegt vermutlich daran, dass sie unsere Sprache nicht richtig beherrschen. Der Mexikaner an sich hat ja gar nicht den Willen, sich in unser Land einzufügen.“

„Ach.“

Mehr wusste Mitch einfach nicht zu sagen und hörte stattdessen mit morbider Faszination zu, wie die Frau eine rassistische Bemerkung nach der nächsten vom Stapel ließ. Gerne wäre er ihr über den Mund gefahren, dennoch war er dazu gar nicht in der Lage, da er ihren Ausführungen sprachlos lauschte.

„Nehmen wir zum Beispiel meine Nageldesignerin: Sie ist Koreanerin und schafft es, kleine Kunstwerke zustande zu bekommen, weil das nun einmal ihrer Kultur entspricht, aber sie spricht kaum ein Wort Englisch. Tatsächlich scheint sie immer noch zu denken, dass sie in Peking lebt.“

Mitch räusperte sich. „Peking liegt in China und nicht in Korea.“

Sie blinzelte ihm zu. „Ist das nicht das gleiche Land?“

„Nein.“

Seinen Einwand wischte sie mit einer saloppen Geste ihrer Hand beiseite. „Sind wir doch ehrlich: Die Asiaten sehen sowieso alle gleich aus und ihr Essen schmeckt eines wie das andere.“

Um Himmels willen! Geradezu verzweifelt überlegte er, wer ihm bloß dieses Date eingebrockt hatte. Er hatte das Gefühl, der Vorsitzenden des Ku-Klux-Klans gegenüberzusitzen und sich die Rassenlehre der Nazis anhören zu müssen, als sie dazu überging, über Afroamerikaner herzuziehen und den schwarzen Rap als Wurzel von Kriminalität und Drogenhandel darzustellen. Mitch wartete nur darauf, dass sie das N-Wort in den Mund nahm, und schloss mit sich selbst eine Wette ab, wann es denn so weit wäre.

Normalerweise war er nicht auf den Mund gefallen und hätte ihr gerne erklärt, dass seine Großmutter mütterlicherseits zur Hälfte Cherokee war, aber das wäre vermutlich verlorene Liebesmüh gewesen, außerdem konnte er sie einfach nur sprachlos anstarren.

Gerade als er überlegte, wie er sich am besten verkrümeln konnte, fiel ein Schatten auf ihn und ein tiefes Räuspern erklang.

„Hi, Mitch.“

Als er aufblickte und den gewaltigen Tackle Dupree Williams entdeckte, hätte er vor Freude und Erleichterung beinahe aufgelacht. Anscheinend war das Auftauchen des dunkelhäutigen Footballspielers an ihrem Tisch das einzig probate Mittel, um diese Zimtzicke von Begleitung verstummen zu lassen. Ein Blick sagte ihm, dass Jasmine den herzensguten, wenn auch finster wirkenden Dupree mit der Nervosität eines Chihuahuas betrachtete, der noch nicht stubenrein war. Es hätte ihn nicht gewundert, wenn die schwarzhaarige Keife augenblicklich ohnmächtig geworden wäre oder Fersengeld gegeben hätte.

„Hey, ihr beiden.“ Mit einem breiten Lächeln bedachte er Duprees Freundin, eine winzige Blondine, die am Arm ihres Freundes hing und wie eine vollauf zufriedene Frau wirkte, auch wenn sie kein Schlangenledertäschchen trug und von einem mexikanischen Kellner bedient worden war.

Oh Mann, warum geriet er eigentlich immer an solche Sumpfkühe?

Apropos Sumpfkuh. Jasmines Miene zuckte vor lauter Irritation, als sie nach besagtem Schlangenledertäschchen griff und sich hastig auf die Toilette verzog. Er glaubte nicht, dass sie pinkeln musste, sondern vermutlich nur ihre hässliche Tasche, für die eine unschuldige Schlange hatte sterben müssen, in Sicherheit bringen wollte. Tja, Dupree Williams wirkte nun einmal wie ein Mann, der ganz versessen darauf war, überkandidelten Tussis die Taschen zu entreißen.

„Hast du ein Date, Mitch?“ Sarah schien hocherfreut zu sein und nicht bemerkt zu haben, weshalb sich Jasmine so plötzlich verkrümelt hatte.

„Ein Date?“ Hastig schüttelte er den Kopf. „Gott bewahre!“

„Sondern?“

Seine Mundwinkel fielen herab. „Mieses Karma, Süße. Eine höhere Macht scheint mich bestrafen zu wollen.“

Sarah kicherte amüsiert, während ihr Freund ein undefinierbares Grummeln von sich gab, was ganz sicher damit zu tun hatte, dass Mitch seine Freundin Süße genannt hatte. Der bärenstarke Footballspieler mit dem jungenhaften Gesicht schien von der eifersüchtigen Sorte zu sein.

„Also stören wir dich nicht?“

„Überhaupt nicht“, bekräftigte er und legte den Kopf fragend zur Seite. „Was hat euch beide hergeführt?“

„Das Essen“, erwiderte Sarah und sah geradezu anbetungsvoll zu ihrem Freund auf, der eine Hand auf die schmale Hüfte der zierlichen Blondine legte und mit seiner saloppen Kleidung, die aus einem Poloshirt sowie Baggypants und Turnschuhen bestand, in dem teuren Restaurant mit seinen elitären Gästen deplatziert gewirkt hätte, wenn es sich bei ihm nicht um einen der erfolgreichsten Spieler der NFL gehandelt hätte. „Dupree weiß, dass ich eine Schwäche für frischen Fisch habe, daher hat er mich heute ausgeführt.“

Die beiden waren so niedlich miteinander, dass sich selbst Mitch, einem abgeklärten Scheidungsopfer, ein Lächeln auf die Lippen stahl. „Hast du es gut.“

„Das denke ich auch.“

Dupree Williams stieß ein kurzes Schnauben aus und deutete mit dem Kopf in die Richtung, in der Jasmine verschwunden war. „Ist das etwa das Date, von dem du vor ein paar Tagen erzählt hast?“

Unbehaglich nickte er. „Leider. Wenn ich gewusst hätte, was mich erwartete, wäre ich lieber zuhause geblieben.“

„Oh? So schlimm?“

„Schlimmer“, ächzte er und lehnte sich auf seinem Stuhl zurück.

„Wenn du Claire vor ein paar Monaten nicht versetzt hättest, müsstest du dich jetzt womöglich nicht auf solche Dates einlassen“, erklärte Sarah mit zuckersüßer Stimme und grinste ihn an.

Mit einem trockenen Lachen fuhr er sich durch sein Haar. Seine ehemaligen Teammitglieder sowie die aktuellen Spieler, mit denen er selbst niemals auf dem Platz gestanden hatte, versuchten ihn seit seinem Umzug nach New York vor einigen Monaten zu verkuppeln. Die beste Freundin von Liv Scott war ein solcher Verkupplungsversuch gewesen. Dummerweise hatte er sie versetzt, weil er in ein falsches Lokal gegangen war, und bereute dies schon seit einiger Zeit, da Claire im Gegensatz zu all den durchgeknallten Frauen, mit denen er sich von Zeit zu Zeit traf, amüsant, interessant und sehr nett erschienen war. Zudem gehörte sie zu den Frauen, bei denen man sofort zu sabbern anfing, doch auch dieser Versuch gehörte der Vergangenheit an, weil sie mittlerweile das Baby eines anderen Mannes erwartete.

Oh ja, Karma war ein Arschloch. Und was für eins!

Um ihn herum schien einfach jeder ein funktionierendes Privatleben zu haben und entwickelte sich weiter, nur er selbst trat auf der Stelle herum und musste sich mit Frauen treffen, die rassistische Kommentare über mexikanische Kellner oder koreanische Nageldesignerinnen vom Stapel ließen.

„Jetzt lass den Mann in Ruhe“, erklärte Dupree gutmütig und drückte seiner Freundin einen Kuss auf den Kopf. „Siehst du nicht, dass er bereits am Boden ist?“

„Danke, Dupree“, erwiderte Mitch ironisch und seufzte. „Du hast leicht reden, schließlich kannst du dich nicht beklagen.“

„Das stimmt“, erwiderte Sarah anstelle ihres Freundes und lachte. „Dupree ist ein Glückspilz.“

Mit einem übertrieben süßlichen Seufzen fragte Mitch nach: „Wo habt ihr euch kennengelernt? Vielleicht sollte ich es mal auf eure Weise probieren.“

Dupree zeigte zwei Reihen blendend weißer Zähne. „In einer Bar.“

Sofort winkte Mitch ab und verzog das Gesicht. „Die Zeiten sind für mich vorbei. In meinem Alter lernt man nette Frauen nicht mehr in Bars, sondern in Töpferkursen oder in Selbsthilfegruppen für Arthritisgeplagte kennen.“

„Das klingt ja, als hättest du einschlägige Erfahrungen mit Barbekanntschaften gemacht.“

Er schenkte der blonden Sarah ein lässiges Lächeln. „Schätzchen, wenn du wüsstest.“

Augenblicklich räusperte sich der gigantische Dupree und blickte Mitch derart einschüchternd und mörderisch an, dass einem Mann, der nicht Jahre seines Lebens damit verbracht hatte, solche Blicke zu ignorieren, wenn er sich an die Line of Scrimmage wagte, Hören und Sehen vergangen wäre. Aber so hatte er lediglich einen Funken Belustigung für die Drohgebärde seines Kumpels übrig.

„Ich glaube, Sarah und ich machen uns auf die Socken.“

Grinsend nickte Mitch und hatte die Schrapnelle, die sich im Schleichtempo dem Tisch näherte und ihm den Abend vermiest hatte, beinahe vergessen. „Schlaf dich ordentlich aus, mein Lieber. Bald beginnt das Trainingslager und soviel ich weiß, hat sich euer Yogalehrer für morgen angesagt.“

„Bist du sicher, dass du nicht auch ein bisschen Training vertragen könntest, alter Mann?“, stichelte Dupree und half seiner Freundin dabei, in ihre Jacke zu schlüpfen, während er der stoisch wirkenden Jasmine ein freundliches Lächeln schenkte. Diese reagierte darauf überhaupt nicht, sondern setzte sich stocksteif auf ihren Stuhl und umklammerte ihr Schlangenledertäschchen mit der Inbrunst einer Frau, die befürchtete, dass man ihr das ordinäre Ding jeden Moment aus den Krallen reißen konnte. Ihr Misstrauen dem dunkelhäutigen Dupree gegenüber ging Mitch gehörig auf den Sack. Innerlich schnaubte er und schwor sich, in Zukunft die Finger von Frauen zu lassen, die ihren Schlangenledertaschen Namen gaben.

„Lass das mal meine Sorge sein“, erwiderte er lässig und winkte ab. „Während du dich beim Yoga betatschen lässt, muss ich mich um wichtigere Dinge kümmern.“

„Nur kein Neid.“ Dupree grinste breit und fragte anschließend interessiert: „Schaust du morgen beim Training zu?“

„Mal sehen. Du kannst Brian ausrichten, dass sein Zuspiel zu wünschen übrig lässt. Vielleicht liegt es an seinen schlaflosen Nächten, aber er bewegt sich so lustlos auf dem Spielfeld wie ein Hund kurz nach seiner Kastration.“

„Klar“, schnaubte Dupree und legte seinen Arm lässig auf die Schulter seiner Freundin. „Das richte ich ihm sehr gerne aus, schließlich findet er Kritik an seinem Spiel ganz besonders nett und reagiert darauf extrem freundlich.“

„Gott, ihr seid solche Primadonnen!“

„Wer im Glashaus sitzt ...“

Sarah unterbrach ihren Freund und zupfte an seinem Shirt herum. „Poppy und Pippa warten, Liebling.“

Angesichts der leicht besorgten Miene des Tackles, als seine Freundin ihn an die beiden kleinen Bulldoggen erinnerte, hätte Mitch am liebsten losgelacht, doch unterließ dies, sobald er den sauertöpfischen Ausdruck im Gesicht seiner Begleitung wahrnahm.

„Stimmt. Der Hundesitter wartet.“ Dupree nickte der stoischen Jasmine weiterhin freundlich zu. „Noch einen schönen Abend wünschen wir.“

Zähneknirschend dachte Mitch, dass sein weiterer Abend alles andere als schön sein würde.

 

 

 

 

Es war bereits drei Uhr nachmittags, aber Mitch hatte bisher nicht mehr als einen einzigen Bissen von seinem Thunfischsandwich nehmen können, das seit geschlagenen drei Stunden neben ihm auf dem Schreibtisch lag und mittlerweile einen Geruch verströmte, den er lieber nicht weiter ergründen wollte. Da er keine Zeit dafür hatte, einen Abstecher in die Kantine zu machen, um sich etwas zu essen zu holen, musste sein Magen wohl oder übel weiter knurren, denn für eine Magenverstimmung hatte er leider keine Zeit. Missmutig ließ er das Sandwich, dessen Ecken sich bereits nach oben zu wölben begannen, in den Papierkorb fallen, bevor er der Versuchung erlag, vor lauter Kohldampf doch noch eine Magenverstimmung zu riskieren.

Seit er um kurz vor acht Uhr morgens im Büro aufgeschlagen war, klingelte beinahe ununterbrochen sein Telefon oder jemand steckte seinen Kopf zur Tür hinein, um seine Unterschrift zu bekommen oder ihm den letzten Nerv zu rauben, wie unlängst geschehen, als sein Kumpel und ehemaliger Coach John beschlossen hatte, seine Pause bei ihm zu verbringen und ihn völlig entspannt nach dem gestrigen Date gefragt hatte. Dabei war Mitch auch wieder eingefallen, dass es John gewesen war, dem er die rassistische Trulla zu verdanken hatte, die den Nerv besessen hatte, ihn nach einem zweiten Date zu fragen, als er sich nach dem katastrophalen Abend verabschieden wollte.

John hatte seinen Verkupplungsversuch nicht im mindesten bedauert, sondern die Frechheit besessen, schallend über Mitchs Erzählungen zu lachen. Dass er Mitch ins Gedächtnis rief, dass Jasmine seine Nachbarin war und er sie vermutlich auf Johns Partys wiedersehen würde, hatte seine Laune nicht wirklich gehoben.

Mit seiner Arbeit hinkte er hinterher, es gab Probleme mit den Auflagen für das neue Sicherheitskonzept der NFL und aus irgendeinem Grund war seine Sekretärin den halben Tag unauffindbar, weshalb die Hälfte der Anrufe gleich bei ihm landete und er sich nicht verleugnen lassen konnte. Das Ergebnis dieses enervierenden Tages waren ein durchgeschwitztes Hemd und leichte Kopfschmerzen hinter seiner Stirn. Wie es aussah, durfte er bis in die Nacht hinein arbeiten und konnte sich ein vernünftiges Essen abschminken.

Da er Klimaanlagen hasste, hatte er das Fenster geöffnet und musste zusehen, wie ein Stapel Papiere durch die Luft flog, als seine Tür nach einem kurzen Klopfen geöffnet wurde.

Wütend blaffte er los und beugte sich aus seinem Stuhl hinunter, um die Vertragsunterlagen für einen TV-Sender aufzuheben.

„Was?!“

Die Antwort auf seine pissige Frage bestand aus einem weiblichen Räuspern, das ihn veranlasste, den Kopf zu heben.

Wäre er nicht dermaßen genervt und wütend gewesen, hätte er dem dunkelblonden Lockenkopf einen interessierten Blick geschenkt, doch in seiner jetzigen Verfassung zeugte seine Miene von absoluter Ungeduld. Leider verließ ihn jede Geistesgegenwart, wenn er hungrig war, was eine Schande war, denn die Frau mit dem herzförmigen Gesicht und den vollen Lippen sah selbst in ihrem langweiligen Hosenanzug extrem heiß aus.

Die Frau räusperte sich ein weiteres Mal völlig unbeeindruckt von seiner miesen Laune und schaute ihn unverwandt an. „Entschuldigen Sie, dass ich einfach hereinplatze, aber Ihr Vorzimmer ist unbesetzt und ...“

Grob unterbrach er sie und sortierte die Papiere. „Ja, ja ... wie kann ich Ihnen weiterhelfen?“

„Ich habe ein Vorstellungsgespräch und ...“

Mitch seufzte tief auf. „Dann sind Sie hier falsch. Außerdem sind die Vorstellungsgespräche längst beendet.“

Ihre Stimme schwankte nicht einen Moment, als sie fest erwiderte: „Ich habe einen Termin mit einem Mr. Cahill.“

„Das bin ich.“ Stirnrunzelnd beäugte er sie näher und schüttelte sofort den Kopf. „Und ich bin mir ziemlich sicher, dass wir keinen Termin haben.“

Verwirrt blinzelte sie ihm zu. „Da müssen Sie sich irren. Ich bin hier um fünfzehn Uhr mit Ihnen verabredet.“

Verärgert lehnte er sich vor und legte beide Hände auf die Tischplatte, während das Telefon schrill zu klingeln begann. „Wenn wir einen Termin hätten, wüsste ich das sicher! Abgesehen davon fällt es nicht in meinen Zuständigkeitsbereich, Sekretärinnen einzustellen.“

Angesichts seines Tons schnappte sie nach Luft. „Mr. Cahill ...“

Indem er die Hand hob und mit der anderen nach dem Hörer griff, unterbrach er sie. Natürlich war ihm klar, dass er sich nicht besonders höflich benahm, aber in Hinblick auf seine momentane Verfassung brachte er alle Geduld auf, die er besaß.

Aus dem Augenwinkel bemerkte er, dass der Lockenkopf nicht verschwand, sondern unverwandt stehengeblieben war, während er mit der Rechtsabteilung telefonierte, die irgendwelche Papiere verlangte, die er noch nicht bearbeitet hatte. Während er sich bemühte, seinen Gesprächspartner nicht anzubrüllen, weil dieser ihm falsche Unterlagen zugeschickt hatte, checkte er kurz seinen Terminkalender und sah befriedigt, dass er tatsächlich keinen heutigen Termin hatte.

Da sein Magen nun hörbar knurrte und der Schmerz hinter seiner Stirn schlimmer wurde, hoffte er, dass sein ungebetener Gast schnell das Weite suchte. Hätte er heute mehr Zeit und sehr viel bessere Laune gehabt, wäre er um einiges umgänglicher gewesen und hätte vielleicht sogar mit ihr geflirtet, doch dank seiner anhaltend schlechten Laune, die sich nach seinem gestrigen Date eingestellt hatte, lag dies außerhalb seiner Möglichkeiten. Abgesehen davon wirkte die Frau mit den dunkelblonden Locken und den zusammengepressten Lippen nicht besonders zuvorkommend.

Sobald er sein Telefonat beendet hatte, schaute er sie durchdringend an. „Hören Sie, es tut mir leid, dass Sie umsonst gekommen sind, aber alle Einstellungen sind bereits vorgenommen worden. Außerdem habe ich weder mit dem Servicepersonal noch mit den Verwaltungsangestellten etwas zu tun.“

„Aber ...“

Anscheinend war sie schwer von Begriff, weshalb er überdeutlich erklärte: „Ich stelle weder Küchenhilfen noch Bürohilfen ein. Da müssen Sie sich an die Personalabteilung wenden.“

„Ich fürchte, Sie unterliegen einem Irrtum“, erwiderte sie hörbar verärgert und blitzte ihn an.

„Ganz sicher nicht.“ Weil er kein Arsch sein wollte, zückte er seinen Stift und sah sie auffordernd an. Bildete er sich das ein oder funkelten ihre hellgrauen Augen vor Ärger? „Vielleicht braucht die PR-Abteilung noch eine Sekretärin. Geben Sie mir Ihren Namen, dann kann ich sehen, was ich für Sie tun kann.“

Prompt verschränkte sie die Arme vor der Brust und schnaubte. „Mein Name ist Lancaster.“

Ungeduldig hob er den Kopf. „Lancaster?“

„Dr. Avery Lancaster“, blaffte sie los.

„Dr. Avery Lancaster?“ Mitch runzelte die Stirn und musterte die Frau von unten bis oben. Dank des konservativen Anzugs und des Aktenkoffers, den sie in einer Hand hielt, wirkte sie wie ein Versicherungsvertreter.

„Ja!“ Sie kam auf den Schreibtisch zu und ließ den ledernen Aktenkoffer auf den Besuchersessel fallen, während sie sich vor ihm aufbaute. „Dr. Avery Lancaster. Ärztin“, entgegnete sie finster und schien ihn mit ihren Augen erdolchen zu wollen.

„Wie schön für Sie.“ Mitch hatte keine Ahnung, was sie von ihm wollte, und lehnte sich fragend zurück. „Und was kann ich für Sie tun?“

„Die Frage ist doch eher, was ich für Sie tun kann.“

Leicht scherzhaft zuckten seine Mundwinkel in die Höhe. „Mit meiner Gesundheit steht alles zum Besten, das kann ich Ihnen versichern.“

„Mr. Cahill, ich bin nicht hergekommen, um mich von Ihnen auf den Arm nehmen zu lassen“, fuhr sie ihn unbeherrscht an, woraufhin Mitch die Augen zusammenkniff.

„Vielleicht könnten Sie mir sagen, weshalb Sie überhaupt hergekommen sind, denn ich habe keinen blassen Schimmer, was Sie von mir wollen“, erklärte er am Rande seiner Geduld.

Auch ihr Tonfall ließ darauf schließen, dass sie kurz davor war, an die Decke zu gehen. „Ich bin hier, weil wir einen Termin haben ...“

„Miss Lancaster ...“

„Dr. Lancaster“, gab sie ruppig zurück. „Wenn Sie mich zu Wort kommen lassen würden, Mr. Cahill, könnte ich Ihnen sagen, dass ich mit Ihrer Chefin gesprochen habe. Sie hat diesen Termin ausgemacht.“

„Mit meiner Chefin?“ Verständnislos neigte er den Kopf zur Seite.

„Genau.“

„Aber warum das denn?“

Avery Lancaster öffnete den obersten Knopf ihrer Anzugjacke und erklärte schroff: „Teddy MacLachlan-Palmer hat mir gesagt, dass die Titans einen neuen Teamarzt brauchen. Deshalb bin ich hier.“

2. Kapitel

 

 

Avery Lancaster ignorierte die gerunzelte Stirn ihres Gegenübers und lehnte den Kaffee, den er ihr andrehen wollte, mit einem Kopfschütteln ab, während sie ihn dabei beobachtete, wie er krampfhaft versuchte, sich seine Verärgerung nicht ansehen zu lassen. Gleichzeitig las er ihren Lebenslauf, oder er gab nur vor, diesen zu lesen. Gewundert hätte es sie nicht.

Worüber war dieser überhebliche Mistkerl überhaupt verärgert? Schließlich war er es nicht gewesen, der erst für eine Sekretärin gehalten und gleich darauf abgekanzelt worden war. Eigentlich hätte er sich für sein arrogantes Benehmen entschuldigen müssen, stattdessen hatte er ihr widerwillig einen Platz angeboten und damit begonnen, ihre Unterlagen zu studieren, wobei er ihr durch die Blume zu verstehen gegeben hatte, dass er eigentlich keine Zeit für ein Gespräch mit ihr hatte.

Wunderbar! Sie könnte ihre Zeit ebenfalls sinnvoller verbringen, als hier zu sitzen und sich wie ein Bittsteller zu fühlen. Immerhin war sie es gewesen, die um ein Gespräch gebeten worden war! Ihre Praxis mitten in Manhattan lief außerordentlich gut und sie hatte keinen Grund auf der Welt, auf diesen Job hier angewiesen zu sein. Wäre ihr Mentor und alter Freund nicht gewesen, der den Kontakt zur Vereinsbesitzerin hergestellt hatte, hätte Avery einen Teufel getan und über die Betreuung von Footballspielern nachgedacht. Da Rupert ein alter Bekannter der Familie MacLachlan war, hatte er sie gebeten, sich mit der jungen Vereinsbesitzerin zu unterhalten, die auf der Suche nach einem neuen Mannschaftsarzt war, nachdem der alte in Rente gegangen war.

Aufgrund ihrer eigenen Erfahrung mit überheblichen Sportfanatikern hatte Avery diese Bitte rundheraus abgelehnt, doch Rupert war hartnäckig gewesen, bis sie zugesagt hatte, es auf ein Telefonat ankommen zu lassen. Teddy MacLachlan-Palmer war so sympathisch und aufgeschlossen gewesen, dass sich Avery wider besseren Wissens dazu hatte überreden lassen, sich mit dem Generalmanager über eine mögliche Anstellung zu unterhalten.

Jetzt hatte sie den Salat, da sie einem schlecht gelaunten Mann gegenübersaß, der sich vermutlich für den Nabel der Welt hielt, weil er in der Vergangenheit Bälle über ein Spielfeld geworfen und Milchtüten für Werbespots in die Kamera gehalten hatte. Zwar war es nicht so, dass Avery per se etwas gegen Sportler hatte, schließlich zählten einige Leichtathleten zu ihren Patienten, doch Typen wie Mitch Cahill waren ihr nicht fremd. Solche Sportler hielten Rücksichtslosigkeit für Siegeswillen und gingen für ihren Erfolg über Leichen. Männer seiner Sorte kannte sie zu Genüge, schließlich war sie mit einem ähnlichen Exemplar verheiratet gewesen.

Sein Tonfall klang ein wenig gelangweilt, als er das Wort an sie richtete, ohne den Blick zu heben. „Dr. Lancaster, Teddy mag schon Recht haben, dass unser Mannschaftsarzt in Rente gegangen ist, aber zu unserem medizinischen Betreuungsstab gehören noch andere Ärzte ...“

Da sie es satt hatte, sich von ihm wie ein unmündiges Kleinkind behandeln zu lassen, unterbrach sie seinen Redefluss. „Ich bin bestens informiert, Mr. Cahill. Dr. Campbell ist zwar Sportmediziner, führt jedoch lediglich die Leistungsdiagnostik durch und kümmert sich um alle nicht-orthopädischen Maßnahmen, während Dr. Miller der Mannschaftspsychologe ist. Verzeihen Sie mir meine Offenheit, aber Ihrem medizinischen Betreuungsstab fehlt ganz eindeutig ein kompetenter Orthopäde, der sich mit Muskelverletzungen auskennt.“

Endlich hob er den Kopf und schaute sie an. Zwar gab seine Miene nicht viel preis, doch seine grünen Augen glänzten verärgert.

Gut, dachte sich Avery, dann haben wir wenigstens etwas gemeinsam.

„Und Sie halten sich für kompetent genug, um diesen Job zu übernehmen?“

Ihr Gesicht verhärtete sich, während sie sich steif aufrichtete und die Augen zusammenkniff. „Ihre Chefin hätte mich sicherlich nicht kontaktiert, wenn sie anderer Meinung wäre.“

„Teddy ist außergewöhnlich gescheit und ein Finanzgenie, aber das heißt nicht, dass sie sich mit der medizinischen Betreuung von Footballspielern auskennt.“

Provokant hob sie beide Augenbrauen in die Höhe. „Aber Sie kennen sich damit aus?“

Mit tiefster Befriedigung sah sie, wie sich sein Gesicht vor Zorn rötete. „Dr. Lancaster, vielleicht wissen Sie das nicht, aber ich war erfolgreicher Quarterback ...“

„Gut, dann kennen Sie sich damit aus, auf der Pritsche zu liegen und sich behandeln zu lassen, aber Sie haben keine Ahnung davon, eine Diagnose zu stellen oder einen Footballspieler medizinisch zu betreuen.“

Nachlässig ließ er ihre Unterlagen auf den Tisch fallen und starrte sie durchdringend an.

Avery merkte zwar, wie ihr Herz vor Anspannung hart gegen ihren Brustkorb schlug, aber sie wäre lieber gestorben, als dem Blick dieses arroganten Aufschneiders auszuweichen. Mit der Selbstsicherheit einer Frau, die genau wusste, dass starke Sportler zu heulen anfingen, wenn man ihnen eine Spritze in den Allerwertesten gab, starrte sie zurück und setzte ihre finsterste Miene auf.

„Vielleicht bin ich kein studierter Kittelträger, dennoch kann ich lesen, Dr. Lancaster. Zu Ihren Patienten zählen Bodenturner und Gewichtheber, aber keine Footballspieler. Bei allem nötigen Respekt, aber inwiefern qualifiziert Sie das zur Mannschaftsärztin der Titans?“

„Bei allem nötigen Respekt, aber das ist Schwachsinn.“

„Schwachsinn?“ Der braunhaarige Ex-Footballspieler schien nicht glauben zu können, dass sie ihm gegenüber einen solchen Ton anschlug.

Sie reckte das Kinn nach vorne. „Ein Muskelfaserriss ist ein Muskelfaserriss.“

„Ach?“

„Abgesehen davon, dass einige Sportler ein größeres Ego als andere haben, Mr. Cahill, gibt es kaum einen Unterschied zwischen der Verletzung eines Footballspielers oder eines Bodenturners.“ Gespielt freundlich setzte sie hinzu: „Auch wenn der eine mehr jammert als der andere.“

„Sie wollen doch nicht allen Ernstes Bodenturner mit Footballspielern vergleichen.“ Er sah sie an, als hätte sie den Verstand verloren.

Avery schüttelte den Kopf und war stolz darauf, wie fest ihre Stimme klang. „Dass ich bisher Patienten hatte, die andere Sportarten betreiben, heißt nicht, dass ich nicht fähig bin, Footballspieler zu betreuen, Mr. Cahill. Wie Sie sehen, habe ich nicht nur eine orthopädische Ausbildung, sondern bin auch Sportmedizinerin und auf Muskelverletzungen spezialisiert, die durch Hochleistungssport entstehen.“

„Und Sie haben eine eigene Praxis.“

Sie fragte sich ernsthaft, ob er einfach nur ein Idiot war, der hier den großen Macker heraushängen lassen wollte, oder ob er etwas gegen Frauen hatte. Vermutlich gehörte er zu der Kategorie, die beides unter einen Hut bekam.

„Ja“, erwiderte sie in einem Tonfall, der deutlich machte, wie bescheuert sie die ganze Diskussion fand. „Zusammen mit einem Partner. Ist das irgendein Problem?“

Obwohl er mit der Schulter zuckte, kaufte sie ihm sein gespielt lässiges Gebaren nicht ab, mit dem er sie aufs Glatteis führen wollte. Dafür waren seine Lippen viel zu hart aufeinandergepresst und seine Kinnmuskulatur zu sehr nach vorne geschoben. Avery bemerkte deutlich, dass Mitch Cahill weder Lust noch Interesse daran hatte, sie als Ärztin für das Team der New York Titans einzustellen.

„Ich frage mich nur, ob Sie überhaupt die Zeit haben, als unser Mannschaftsarzt ... pardon, als unsere Mannschaftsärztin zu arbeiten. Sie müssten mit auf Auswärtsspiele kommen und an den Wochenenden bereitstehen. Außerdem gibt es noch das Trainingslager in wenigen Wochen.“

„Das lassen Sie mal meine Sorge sein. Nachdem ich mit Ihrer Chefin“, oh ja, sie genoss es außerordentlich, ihm unter die Nase zu reiben, dass sein direkter Vorgesetzter und Arbeitgeber eine Frau war, „telefoniert habe, hatte ich den Eindruck, dass der Verein ziemlich dringend eine neue sportliche Betreuung benötigt.“

Die Hagerkeit seines Gesichts trat deutlich zutage, als er beinahe grob erwiderte: „Das wiederum lassen Sie mal meine Sorge sein!“

„Aber ...“

„Nur weil unser Mannschaftsarzt in Rente gegangen ist, Dr. Lancaster, heißt das nicht, dass wir irgendjemanden nehmen. Diese Entscheidung hat Teddy nicht allein zu treffen, vor allem dann nicht, wenn ich hier als GM fungiere. Sie haben sicherlich Verständnis dafür, dass wir uns nach weiteren Kandidaten umsehen, die mehr Erfahrung vorzuweisen haben als Sie.“

Avery atmete tief durch, ballte beide Hände zu Fäusten und bemerkte zähneknirschend: „Zuerst stellen Sie meine Qualifikation sowie meine Kompetenzen infrage und jetzt haben Sie auch noch den Nerv, mich als Bittsteller darzustellen? Ich habe um dieses Gespräch nicht gebeten, das war Ihre Chefin.“

„Fein. Auch ich habe um dieses Gespräch nicht gebeten und werde mich bei Teddy dafür ganz sicher nicht bedanken.“

„Kann es sein, Mr. Cahill, dass Sie ein Problem mit Frauen haben?“

Wie es schien, hatte sie ihn einen Moment sprachlos gemacht, bevor er rot anlief und sich in seinem Sessel zu voller Größe aufrichtete. „Wie bitte?“

„Entweder akzeptieren Sie meine Bewerbung nicht, weil Sie ein kompletter Idiot sind oder weil Sie frauenfeindlich sind. Suchen Sie es sich selbst aus!“

„Was erlauben Sie sich ...“

Aufgebracht wedelte sie mit einer Hand vor ihrem Gesicht herum. „Was erlauben Sie sich?“

„Ich habe Ihnen völlig angebrachte Fragen innerhalb eines Vorstellungsgespräches gestellt, Dr. Lancaster“, wütete er los.

Sie schnaubte abfällig. „Vorstellungsgespräch? Dass ich nicht lache! Sie beleidigen mich die ganze Zeit ...“

„Wenn Sie meine Kommentare bereits als Beleidigung auffassen, bekämen Sie einen Schlaganfall, sobald die Spieler Ihnen gegenüber die Klappe aufreißen. Wie es scheint, sind Sie für diesen Job wirklich völlig ungeeignet.“