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Adam Stone ist Besitzer der zweitgrößten Ranch und ein cholerischer Menschenschinder. Er ist nur von einem einzigen Gedanken erfüllt – Rache an der Familie King. Dabei ist ihm jedes Mittel recht und er geht dabei über Leichen. Und dann ist da noch die Liebe zwischen Adams Sohn Steven und Kings Tochter Samanta. Als Kings Sohn John nach einer Schlägerei mit Adam Stone stirbt und Johns Vater schwer verletzt wird, ist für Samanta King das Maß voll. Die liebreizende Farmerstochter indianischer Abstammung verwandelt sich in einen Racheengel.
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Seitenzahl: 141
Veröffentlichungsjahr: 2024
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Blacky Colter
Hängen ist ein zu sanfter Tod!
Roman
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Copyright © 2024 by Blacky Colter
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Everweard Media & Publishing
Frédéric R. Bürthel
Friedrich-Naumann-Allee 29, 19288 Ludwigslust
www.everweard-publishing.com
Everweard Publishing ist ein Imprint
von
Everweard Media & Publishing
Umschlaggestaltung:
FRB
Umschlagabbildung:
Generiert mit Shutterstock AI, überarbeitet von FRB
ISBN 978-3-911352-04-8 (E-Book)
Adam Stone raste im gestreckten Galopp durch das hölzerne Bogentor seiner Ranch. Auf dem Querbalken unter dem Büffelschädel war sein Name tief eingebrannt: Adams Ranch. Jedes Mal, wenn Adam einen Blick darauf warf, erfüllte es ihn mit Stolz. In seinen Erinnerungen stiegen die Bilder des Tages auf, an dem er die Buchstaben eingebrannt hatte und das Zeichen des neu geschmiedeten Brandeisens mit dem geschwungenen ‘A’ ins Holz gedrückt hatte. Seither waren etwas mehr als dreißig Jahre vergangen. Dreißig Jahre voller Arbeit, Ehrgeiz. Die Ranch war gewachsen. Doch im gleichen Maß waren Hass und Zorn, Wut und Bitternis in ihm gekeimt wie bei einem Kaktus, der wächst und harte spitze Stacheln hat, die jeden verletzen, der ihm zu nahe kommt. Seit Jahren hatte sich etwas angestaut, heute brach es endgültig aus ihm heraus.
Er brachte das überhitzte Pferd vor der Veranda des großen Haupthauses zum Stehen. Das Pferd schnaubte und dampfte. Es hatte weißen Schaum an den Flanken.
Die Männer vor dem Wirtschaftsgebäude warfen sich Blicke zu. Sie schoben die Hüte tiefer ins Gesicht und schüttelten die Köpfe. Keiner sagte ein Wort, jeder spürte die Spannung, die in der Luft lag.
„Gafft nicht! Zurück an die Arbeit“, zischte der alte Ross, der eine Stellung zwischen Verwalter und Vorarbeiter einnahm. Der alte Mann hinkte über die Freifläche zwischen den Gebäuden und holte das Pferd.
„Adam, der Gäuleschinder! Adam, der Menschenschinder!“, brummte er vor sich hin, während er das immer noch erhitzte Pferd langsam zur Koppel führte.
Adams Stone war ins Haus gestürmt. Seine Stimme war deutlich zu hören, wie er im Haus nach seinem Sohn brüllte.
„Steven! Du nichtsnutziger Hundesohn! Wo bist du?“
Mit großen Schritten durchmaß Adam die Räume. Jeder Schritt seiner Westernstiefel knallte auf die breiten, dunkelglänzenden Holzdielen.
Er fand seinen Sohn am Sekretär sitzen und die Bücher durchsehen.
„Dad, was gibt es? Hast du Ärger in der Stadt gehabt?“
„Nein, es ging alles klar! Die Einnahmen aus dem Saloon waren gut. Aber es gehen Gerüchte um. Es wird erzählt, Samuel King hätte einen Brief nach Boston geschrieben und schon Antwort erhalten. Die Frau, die er mit seinem Sohn verheiraten will, soll bald kommen. Hast du etwas davon gehört?“
„Ja, es wurde darüber geredet!“
Adam Stones Gesicht verzerrte sich zu einer ekelhaften Fratze. Er wurde dunkelrot vor Zorn.
„Warum hast du nichts gesagt?“, schrie Adam und machte eine abwertende Handbewegung. „Verdammt, jetzt vermehrt sich die Brut der Kings noch! Dieser Halunke hat mit allem Glück! Jetzt wird er sich bald noch in der Schar von Enkelkindern sonnen können. Doch dem mache ich einen Strich durch die Rechnung! Ich habe beschlossen, du heiratest ebenfalls und zwar früher. Mit anderen Worten – sofort!“
Steven wurde blass. Es war, als gefriere ihm das Blut in den Adern. Ein nie vorher verspürter Stich jagte in der Herzgegend durch seinen Körper. Es war, als zerrisse ihn ein Blitz. Er fasste sich an die Brust. Er starrte seinen Vater an.
„Schau nicht so!“, brüllte dieser. „Ich hatte es auch so gemacht. Es war eine gute Entscheidung, die Saloonchefin zu heiraten! Das dachte ich gerade heute wieder, als ich die Einnahmen kontrollierte und abholte.“
Steven wusste, dass es nicht nur ein Saloon war, sondern, dass im oberen Stockwerk auch andere Dienste für die Cowboys angeboten wurden. Steven hatte das Bordell nie besucht. Sein Vater verachtete ihn deswegen und nannte ihn Weichei.
„Also, ich habe dir eine Braut ausgesucht. Im Saloon gibt es ein junges Girl, hübsch. Sie kam gestern erst an. Ich habe bereits alles klar gemacht. Du fährst sofort hin und bringst sie her! Die nimmst du! Jetzt gehe! Nimm die Sonntagskutsche, wenn du sie abholst! Ich habe ihr Geld gegeben, damit sie sich neu einkleiden kann. Sie ist auch nicht mehr im Saloon, ich habe ihr ein Zimmer im Hotel geben lassen. Schließlich gehört sie bald zur Adams Ranch. Am Wochenende wird geheiratet!“
Steven stand langsam vom Stuhl auf. Seine Schultern strafften sich. Er presste die Lippen zusammen, bis sie nur noch ein schmaler Strich waren. Seine Arme hingen zwar ruhig herunter, doch er ballte die Fäuste, bis die Knöchel weiß wurden.
„Nein!“, sagte er leise, fast unhörbar.
Mit einem Satz war sein Vater bei ihm und im nächsten Augenblick traf Steven dessen ausholende Faust mitten im Gesicht. Steven torkelte zur Seite, fing sich wieder und rieb sich das Kinn. Wütend griff er nach der großen Bodenvase und schleuderte sie in die Richtung seines Vaters. Dieser wich aus, die Vase zerschellte an der Wand. In dem großen Wohnzimmer folgte eine wilde Verfolgungsjagd. Steven wollte sich nicht mit seinem Vater prügeln. Adams Wut nach der Ablehnung seines Sohnes steigerte sich zur Hysterie, die ihn alles vergessen ließ. Steven war behänder und Adam konnte ihn nicht packen. So warf auch Adam Stone Gegenstände nach seinem Sohn. Er riss Bilder und den Spiegel von der Wand. Es flogen Schalen und Blumenvasen. Er schleuderte Steven volle Whiskyflaschen hinterher und macht auch vor Stühlen, dem Tisch und kleineren Schränkchen nicht halt. Binnen weniger Minuten sah der Raum wie ein Schlachtfeld aus, es lagen zerbrochene Stühle, Scherben herum und es stank nach Whisky. Schließlich rannte Steven zum Fenster, schwang sich über die Fensterbank hinaus auf die Terrasse. Sein Vater nahm die Verfolgung auf. Steven setzte mit elegantem Schwung seine Flucht über das Geländer fort und rannte über die freien Flächen, die zwischen den verschiedenen Gebäuden lagen. Sein Vater setzte hinterher. Aber der Ältere konnte den Jüngeren nicht einholen.
Adam war von dem Widerstand seines Sohnes zu heiraten außer sich vor Wut und kannte keine Schranken mehr. Er riss seinen Colt aus dem Halfter und schoss.
Steven spürte, wie die Kugel an ihm vorbeisauste und vor ihm in den Sand einschlug, Staub wirbelte auf.
„Bleib stehen!“, brüllte sein Vater in einem Tonfall, der sich wahrlich so anhörte, als sei er nicht von dieser Welt. „Bleib stehen, du verdammter Hurensohn! Hier wird sich immer noch meinem Willen gefügt. Etwas anderes gibt es nicht und du tust was ich dir sage!“
Ein weiterer Schuss aus Adam Stones Colt knallte durch die Luft und wirbelte erneut Sand auf.
Dad ist fähig, mich zu erschießen, erkannte Steven. Er blieb stehen, atmete durch und drehte sich langsam um.
Sein Vater stand breitbeinig da, den Colt noch immer in der Hand. Steven blickte in das kleine schwarze Loch, aus dem ihm der Tod drohte, daran bestand für ihn kein Zweifel. Lieber würde ihn sein Vater tot sehen als ungehorsam. Jetzt nur keine falsche Bewegung und kein falsches Wort, schoss es Steven durch den Kopf. Wenn es gegen die Kings ging, kannte sein Dad kein Maß, das wusste Steven, seit er ein Kind war. Der Hass, den Adam Stone gegen seinen ehemaligen Freund Samuel King hegte, war ein Gefühl, das nicht von dieser Welt zu sein schien und direkt aus der Hölle kam. Schon öfter hatte Steven ihn erlebt, wenn er sich gegen King aufgelehnt und über ihn aufgeregt hatte. Dann war Adams Blick hitzig und glasig geworden. Adams Augen starrten krankhaft, sodass man es nur als irre beschreiben konnte. Und dieses Mal war es noch schlimmer. Steven sah, dass er im Augenblick keine Chance hatte, in irgendeiner Art und Weise auf ihn beruhigend einzuwirken.
Adam Stone zog auch seinen linken Colt und schoss damit abwechselnd vor seinem Sohn auf den Boden.
Peng – pfiiuuu, rechts – links – rechts – links kamen die Einschläge immer näher.
Dabei grinste Adam Stone Steven an. Triumph lag in seinem Blick, der so viel besagte wie: Dich kriege ich schon klein, du Schlappschwanz. Ich werde dich zum Mann machen und - wenn es sein muss - mit Gewalt.
Von dem Schusswechsel aufgeschreckt, waren die Cowboys und Arbeiter der Ranch zusammengelaufen. Sie standen drüben bei den Wirtschaftsgebäuden. Es ist wieder einmal soweit, dachten sie, doch dieses Mal schien es ernster zu sein, als es je zuvor gewesen war.
Stevens Hände glitten langsam zu seiner Körpermitte. Ohne seinen Vater aus den Augen zu lassen, öffnete Steven den silbernen Verschluss seines Revolvergürtels und ließ ihn zu Boden fallen. Sein Vater würde es nicht wagen, auf ihn zu schießen, wenn er unbewaffnet war. Steven hatte ihn richtig eingeschätzt.
Adam grinste. Der ließ den Colt einige Male um den Finger wirbeln und steckte ihn dann ein.
„Gut, dann tragen wir es aus, Steven! Und danach wirst du tun, was ich will!“, brüllte er.
Ihre Blicke trafen sich. Adam löste ebenfalls seinen Revolvergurt und warf ihn voller Wut auf die Erde. Sein Grinsen dabei war voller Heimtücke, so wie es immer war. Steven jagte es einen Schauer über den Rücken. So muss es dann sein, dachte Steven und nahm die Fäuste hoch.
Die Männer auf der Ranch kamen dazu und standen im Kreis um die beiden herum. Ihren Blicken war nicht zu entnehmen, auf wessen Seite sie waren, der des alten Stone oder der seines Sohnes. Er war der Boss. Deshalb war es besser, sich nichts anmerken zu lassen, denn man wollte weiterhin auf der Ranch arbeiten. Es war bekannt, dass Adam Stone immer hart seinen Willen durchsetze und niemand duldete, der nicht zu ihm hielt. Adam Stone fühlte sich wie Godfather auf seiner Ranch.
Die beiden gingen aufeinander zu, tänzelten ein wenig herum und belauerten sich. Dann schlug Adam zu. Er traf mit der Rechten Stevens Kopf. Noch bevor dieser reagieren konnte, traf ihn ein zweiter Schlag, Adams Linke in die Rippen. Es war alles ganz schnell gegangen. Steven stöhnte auf und sackte in sich zusammen. Noch im Fallen boxte Adam Stone auf Steven ein, traf ihn in der Magengrube und den Weichteilen.
„Waschlappen! Weichei!“, grölte sein Vater.
Steven lief rot an mit einer Färbung ins Blaue. Er bekam kaum Luft, versuchte sich aufzustützen und sackte immer wieder in sich zusammen. Dann erbrach er sich in den Staub.
„Steh auf und mach weiter!“
Adam Stone tänzelte wild vor Steven auf der Stelle und setzte als Bedrohung Hiebe in die Luft, rechts und dann links und wieder rechts.
„Steh endlich auf!“, brüllte er. „Wir sind noch nicht fertig miteinander!“
Der alte Ross schüttelte den Kopf. Er schob seinen Hut in den Nacken. Er stemmte die Arme in die Seite und humpelte zu Adam. Er stellte sich ihm in den Weg. Dort stand der kleine Mann, der mehr als einen Kopf kleiner als Stone war und schaute zu seinem Boss auf. Stumm blickte er ihn mit seinen alten Augen an.
„Wenn du ihn umbringst, hast du niemanden mehr!“, raunte er leise.
„Sei still, du alter Hurenbock!“, brüllte Adam.
Zorn stand in seinen Augen. Wenn Blicke töten könnten, dann wäre Ross jetzt tot zu Boden gesunken. Doch Ross hielt dem Blick stand. Ohne Adam aus den Augen zu lassen, gab er dessen Revolvergurt einen Tritt, sodass er weit durch den Staub flog.
„Holt ihn euch, Boys!“, rief Ross laut.
Einer der Männer trat vor und hob den Gurt mit den beiden Colts auf. Er klickte den Verschluss ein und hängte ihn an ein Gatter.
Ross hinderte Adam noch immer daran, etwas zu tun. Es war seltsam zu beobachten, wie Adam Stone klein beigab. Schließlich bückte er sich, hob seinen Hut auf, den er vorher auf den Boden geworfen hatte. Er klopfte ihn einige Male gegen seinen Oberschenkel, um den Dreck abzuklopfen, setzte ihn auf und zog ihn tief in die Stirn.
„Das hast du nicht umsonst getan, Ross. Dafür lasse ich dich zahlen, Ross!“, brüllte Adam.
Dann ging er ins Haus.
Ross wandte sich jetzt Steven zu und half ihm auf die Beine.
„Danke! Dieses Mal dachte ich, er bringt mich um!“
„Steven, wann wehrst du dich endlich? Ihr müsst das einmal austragen. Du musst ihm eine Lektion geben, sonst lässt er dir keine Ruhe. Wenn du immer nur einsteckst, wird er dich nie respektieren, Steven!“
„Nein, Ross! Nie! Ich bin nicht wie er!“, sagte Steven leise und wischte sich das Blut von der Lippe.
Er hustete einige Male.
„Um was ging es dieses Mal? War etwas in der Stadt? Er hat sein Pferd die fünfundzwanzig Meilen hier heraus fast zu Tode geritten.“
Steven hustete erneut. Er bekam immer noch kaum Luft.
Ross ließ ihm einen Augenblick Zeit.
„Ross, ich werde nicht bleiben! Es ist Zeit zu gehen! Sonst gibt es eines Tages hier einen Toten, mindestens, entweder er oder ich….“
Ross' Augen verengten sich zu Schlitzen.
„Willst du von mir auch eine fangen? Wenn du gehst, dann bist du wirklich nichts wert! Hast du einmal daran gedacht, was deine Mutter dazu sagen würde?“
„Sie ist tot und kann mir auch nicht mehr helfen!“, krächzte Steven. „Wenn sie noch leben würde, dann wären wir beide, sie und ich, bestimmt nicht mehr hier!“
Mit einer energischen Handbewegung schickte Ross die Männer an die Arbeit zurück, die immer noch herumstanden. Er hob Stevens Hut aus dem Dreck und säuberte ihn.
„Hier!“, sagte er leise. „Gehen wir zu den Pferden, Steven. Ich muss mit dir reden! Heute ist er zu weit gegangen. Es wird Zeit, dass du einiges erfährst! Das Maß ist voll. Heute ist Adam Stone zu weit gegangen.“
Steven warf Ross einen Blick zu. Ross‘ sonst so gütige Augen waren jetzt von einer Entschlossenheit, Kälte, wie sie Steven vorher noch nie bei dem Alten gesehen hatte.
„Du kannst mich auch nicht umstimmen, Ross, altes Haus!“, versuchte Steven zu lächeln, so gut, wie es ihm die Schmerzen, die er immer noch verspürte, ermöglichten.
Steven rieb sich die Rippen und verzog das Gesicht.
„Das werden wir sehen! Nun komm!“, sagte Ross.
Der Alte hinkte ein großes Stück voraus. Unschlüssig schaute Steven ihm nach. Er kämpfte mit sich. Er schätzte den alten Ross, vielleicht waren da noch stärkere Gefühle für den alten Haudegen. Er hat sich immer um mich gekümmert, mehr als mein Vater, dachte Steven. Aber dieses Mal lasse ich mich nicht überreden. Er folgte ihm.
Sie standen am Gatter der Pferdekoppel. Ross drehte sich eine Zigarette, steckte sie sich in den Mundwinkel, drehte eine zweite Zigarette und reichte sie Steven.
„Steven, du hast mich einmal gefragt, wie das damals war, als ich angeschossen wurde und seither das steife Knie habe.“
„Du hast es mir oft erzählt! Es waren die verfluchten Rothäute, die auch meine Mutter auf dem Gewissen haben.“
Der alte Ross schüttelte den Kopf.
„Nein, so war es nicht! Das war die Geschichte, die dein Vater und ich dir erzählt haben, als du ein Kind warst. Hast du dich nicht gewundert, dass es vorher und auch nachher nie einen Indianerüberfall auf die Ranch gegeben hat? Unsere Ranch und die Ranch der Kings wurden immer verschont. Nie ist Vieh gestohlen worden, niemals bedrohten uns die Indianer!“
Steven schaute Ross mit großen Augen an.
„Stimmt! Jetzt, wo du es sagst, fällt es mir auch auf. Warum ist das so?“
Ross rückte seinen Hut zurecht. Er schaute über die Pferdekoppel und richtete seine Augen über die weite Prärie dahinter, auf der sich das Gras leicht im heißen Sommerwind unter einem wolkenlosen blauen Himmel wiegte.
Es dauerte einen Augenblick, bis Ross anfing zu reden. Steven sah, dass es ihm sichtbar schwerfiel. In Stevens Kopf arbeitete es fieberhaft. Es soll anders gewesen sein, die Geschichte eine Lüge, hämmerte es in seinen Schläfen.
„Steven, jetzt bist du ein Mann und ein Mann, der klug handelt, klüger als sein Vater. Das war gut, wie du eben reagiert hast, als er schoss. Du hast die Nerven bewahrt.“
„Ich denke, das war nicht so klug, das war feige! Ich bin wieder einmal vor ihm eingeknickt. Er konnte mal wieder beweisen, dass er der Boss ist. Ich dachte nur, es ist klug, ihn schnell gewinnen zu lassen. Er war außer sich und für einen Augenblick dachte ich sogar, er sei in der Lage, mich zu erschießen.“
Der alte Ross nickte.
„Nein, das war klug! Sonst hättest du jetzt vielleicht auch ein kaputtes Knie - wie ich.“
Der alte Ross warf Steven einen Seitenblick zu. Er sah die großen Fragezeichen in Stevens Augen und beobachtete, wie dieser auf sein steifes Bein starrte.
„Soll das heißen… das war…“
„Ja, das war er. Ja, das hat mir Adam Stone angetan! Er tat es, weil ich mich zwischen deine Mutter und deinen Vater stellte.“
