Happy End auf den Bahamas? - Joanna Neil - E-Book

Happy End auf den Bahamas? E-Book

Joanna Neil

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Beschreibung

Was hat die schöne Fremde in seinem Strandhaus auf den Bahamas zu suchen? Vom ersten Augenblick an ist Connor von Alyssa fasziniert. Und als es nach einem romantischen Spaziergang am Meer immer stärker zwischen ihnen knistert, scheint alles auf eine heiße Affäre hinauszulaufen. Doch dann weist Alyssa ihn unvermittelt zurück ...

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Happy End auf den Bahamas? erscheint in der HarperCollins Germany GmbH

Redaktion und Verlag: Postfach 301161, 20304 Hamburg Telefon: +49(0) 40/6 36 64 20-0 Fax: +49(0) 711/72 52-399 E-Mail: [email protected]
Geschäftsführung:Ralf MarkmeierLeitung:Miran Bilic (v. i. S. d. P.)Produktion:Jennifer GalkaGrafik:Deborah Kuschel (Art Director), Birgit Tonn, Marina Grothues (Foto)

© 2012 by Joanna Neil Originaltitel: „His Bride in Paradise“ erschienen bei: Mills & Boon Ltd., London Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.

© Deutsche Erstausgabe in der Reihe JULIA SOMMERLIEBEBand 25 - 2014 by Harlequin Enterprises GmbH, Hamburg Übersetzung: Claudia Weinmann

Umschlagsmotive: Getty Images_VectorUp

Veröffentlicht im ePub Format in 05/2019 – die elektronische Ausgabe stimmt mit der Printversion überein.

E-Book-Produktion: GGP Media GmbH, Pößneck

ISBN 9783733746506

Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten. CORA-Romane dürfen nicht verliehen oder zum gewerbsmäßigen Umtausch verwendet werden. Sämtliche Personen dieser Ausgabe sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig.

Weitere Roman-Reihen im CORA Verlag:BACCARA, BIANCA, JULIA, ROMANA, HISTORICAL, TIFFANY

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1. KAPITEL

„Ich kann mein Glück kaum fassen!“, rief Alyssa begeistert und ließ sich mit dem Telefon am Ohr in einen Sessel fallen. „Das Haus ist einfach herrlich, Carys, und es liegt direkt am Strand! Durchs offene Fenster kann ich den Ozean rauschen hören!“

„Genau so habe ich es mir vorgestellt“, sagte ihre Cousine. „Du hast es also auf Anhieb gefunden? Wie gefällt es dir denn sonst so auf der Insel?“

Alyssa lächelte über die Begeisterung, die aus Carys Worten klang. Ihre Cousine lebte auf dem Festland in Florida, etwa 100 Kilometer entfernt, und sie konnte es offenbar kaum erwarten, dass Alyssa ihr alles erzählte.

„Ja, ich habe es problemlos gefunden. Der Taxifahrer hat mich direkt vor der Haustür abgesetzt. Hier scheint fast jeder das Haus der Blakeleys zu kennen.“ Sie zupfte an dem weichen Frotteehandtuch, in das sie sich nach dem Duschen gehüllt hatte.

Als das Telefon klingelte, war sie gerade damit beschäftigt gewesen, ihre kastanienbraunen Locken zu föhnen. „Es geht mir großartig!“, erklärte sie überschwänglich. „Hier ist es einfach fantastisch. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie schön die Landschaft ist!“

Genüsslich streckte sie ihre langen, schlanken Beine aus. „Ich bin erst vor ein paar Stunden angekommen und hatte noch keine Gelegenheit, mir die Umgebung näher anzusehen, aber das Haus ist perfekt, Carys. Es gibt eine riesige Veranda, von der aus man einen unglaublichen Blick auf den Atlantik hat. Echt toll!“

Eine leichte Brise wehte durch die offene Verandatür, und Alyssa konnte sehen, wie sich die Palmen am Strand sanft hin und her wiegten, während leises Vogelgezwitscher zu hören war. In der warmen Abendluft lag ein unwiderstehlicher Duft von Salz und tropischen Früchten.

„Ich sitze hier in meinem Schlafzimmer, und es kommt mir so vor, als läge das Meer direkt vor meiner Tür.“

„Hört sich himmlisch an!“

„Das ist es!“ Noch immer kam es Alyssa vollkommen unwirklich vor, dass ihr Leben sich so grundlegend verändert hatte. Noch vor wenigen Tagen hatte sie in England gelebt, verzweifelt und elend. Und nun war sie hier, auf dieser traumhaft idyllischen Bahamainsel. „Ich rechne jeden Augenblick damit, dass jemand kommt, mich kneift und mir sagt, dass das alles nur ein Traum war.“

Carys lachte. „Keine Angst, du bist in der Wirklichkeit. Ist Ross bei dir? Er ist bestimmt nur zu gern bereit, dir beim Einleben zu helfen.“

„Nein. Aber er hat mich angerufen. Er kommt später vorbei, im Moment hat er noch eine wichtige Besprechung mit dem Regisseur. Die Dreharbeiten fangen morgen an, sodass noch eine Menge geklärt werden muss.“

Alyssa runzelte die Stirn und lauschte aufmerksam. Sie glaubte, ein leises Geräusch auf der Veranda zu hören, es klang wie leichte Schritte. Ging etwa jemand um das Haus herum? Kam Ross doch früher als geplant nach Hause? Einer der Vorhänge raschelte ein wenig. Bestimmt hatte sie sich die Schritte nur eingebildet, und es war lediglich der Wind, der eine der Türen bewegt hatte.

„Ich bin mir sicher, dass Ross sich vorbildlich um dich kümmern wird“, erklärte Carys. „Endlich kannst du all deine Sorgen hinter dir lassen und deinen Exfreund vergessen. Ich kenne Ross seit einer Ewigkeit und weiß, dass er ein Herz aus Gold hat. Außerdem war er von Anfang an von dir begeistert.“

Alyssa lehnte sich zurück. „Oh nein … das stimmt nicht … Zumindest hoffe ich, dass es nicht stimmt!“ Ross wusste, wie es um sie stand. Sie war hergekommen, um Abstand zu ihrer gescheiterten Beziehung und zu ihren Problemen bei der Arbeit zu gewinnen. Als Ross ihr den Job angeboten hatte, war Alyssa sofort Feuer und Flamme gewesen. Dies war ihre Chance auf einen Neuanfang.

Ihr Job in England hatte Alyssa in der letzten Zeit immer weniger Spaß gemacht, und so war sie nur zu gern bereit gewesen, ihre einst vielversprechende medizinische Karriere vorübergehend auf Eis zu legen. Wenn sie ehrlich war, musste sie sich eingestehen, dass sie kurz vor einem Burnout gestanden hatte. Der Aufenthalt auf den Bahamas kam also wie gerufen. Und sie würde keinesfalls ihr mühsam zurückgewonnenes Gleichgewicht durch einen Flirt gefährden!

„Von Männern habe ich vorerst die Nase voll“, erklärte sie sehr bestimmt. „Vielleicht sogar für immer.“

„Ach Quatsch“, widersprach Carys. „Aber es ist klar, dass du dich von deiner schrecklichen Beziehung mit James erst erholen musst. Genieß die nächsten Wochen und lass dich verwöhnen!“

„Das werde ich. In dieser Umgebung kann man kaum etwas anderes machen, als im Luxus zu schwelgen. Ich werde stundenlang in der Sonne liegen, baden und dem Himmel danken, dass ich hier sein darf. Was bedeuten schon Liebe und eine glückliche Beziehung, wenn man in diesem Paradies leben darf?“

„Da hast du vollkommen recht“, stimmte Carys ihr ironisch zu, denn sie wusste ganz genau, dass Alyssa es nicht ernst meinte. „So, ich muss los. Ich ruf dich in ein paar Tagen wieder an. Mach’s gut!“

„Du auch.“

Alyssa legte das Handy weg und horchte erschrocken auf. Die Schritte draußen waren nun deutlich zu hören. Entschlossen ging sie zu der offenen Verandatür und trat hinaus.

Ein weißer Ibis, der majestätisch am Strand entlangschritt und mit seinem leuchtend roten Schnabel nach den Leckerbissen pickte, die der Ozean an Land gespült hatte, erregte ihre Aufmerksamkeit.

„Diese Vögel sieht man hier oft“, sagte eine männliche Stimme. Alyssa zuckte zusammen und drehte sich erschrocken um.

Der Mann trat aus dem Schutz der offenen Wohnzimmertür und blieb einige Schritte entfernt stehen. Lässig lehnte er sich ans Geländer.

„W…wer sind Sie? Und was machen Sie hier?“ Entsetzt und unsicher, wie sie reagieren sollte, musterte sie ihn. Der Mann war mindestens ein Meter neunzig groß und sah ziemlich kräftig aus. Und sie war ganz allein hier, weit und breit kein anderes Haus. Sie durfte ihm auf keinen Fall ihre Angst zeigen. Vielleicht war er ja auch nur ein Nachbar. Die Tatsache, dass er hier auf Ross’ Veranda stand, machte ihn schließlich noch nicht zum Schwerverbrecher.

„Ich wollte mir gerade einen kühlen Drink und etwas zu essen machen“, erklärte er im Plauderton. „Doch dann habe ich Ihre Stimme gehört und mich auf den Weg gemacht, um nach Ihnen zu suchen.“

Nicht gerade beruhigend, fand Alyssa.

Ungeniert ließ er den Blick von ihren wilden Locken über die unbedeckten Schultern zu ihren Beinen und nackten Füßen wandern. Ein leises Lächeln umspielte seine Lippen. „Natürlich habe ich nicht damit gerechnet, von einer so bezaubernden Frau wie Ihnen begrüßt zu werden.“

Alyssa spürte, dass sie errötete. Verlegen presste sie das Handtuch an sich. Wieso zum Teufel war der Typ so entspannt und selbstsicher? Er hatte immer noch nicht erklärt, wer er eigentlich war.

„Nun, wer auch immer Sie sein mögen – Sie haben hier nichts zu suchen“, erklärte sie streng. Ross hatte ihr versichert, dass sie das Haus für sich allein haben würde. Mit ihren grünen Augen funkelte sie den Fremden an. „Sie sollten gehen, bevor ich die Polizei rufe.“

Zu spät fiel ihr ein, dass sie ihr Telefon im Schlafzimmer liegen gelassen hatte. Würde es ihr gelingen, in den Raum zu huschen und die Notrufnummer zu wählen, ohne dass er sie davon abhalten konnte? Vermutlich nicht. Trotzdem durfte sie jetzt keine Schwäche zeigen. Angriff war die beste Verteidigung.

„Also los! Verschwinden Sie!“

Er machte keinerlei Anstalten, ihrem Befehl Folge zu leisten.

„Ich meine es ernst!“

„Das habe ich durchaus verstanden. Aber ich glaube, es wäre keine gute Idee, die Polizei anzurufen.“

„Ach nein? Und warum nicht?“ Ohne ihn aus den Augen zu lassen, war Alyssa zurückgewichen und hatte sich ihrer Schlafzimmertür genähert. Ihr Herz raste, und ihre Knie zitterten vor Angst.

Er hingegen schien sich wohlzufühlen und war völlig entspannt. In seinen leichten, teuer aussehenden Chinos und dem edlen Baumwollhemd sah er eigentlich sehr seriös aus, nicht gerade wie ein Schwerverbrecher.

Sein Haar war dunkel und passte perfekt zu dem kantigen Gesicht. Doch am auffälligsten waren seine Augen. Grau wie die See in einer stürmischen Nacht und mit einem geheimnisvollen Glitzern.

Langsam kam er auf sie zu. Alyssa spürte, wie Panik in ihr aufstieg. Instinktiv erkannte sie, dass dieser Mann ganz genau wusste, was er wollte – und es in der Regel auch bekam. Er würde nirgendwo hingehen und sich keinen Deut um ihre Drohungen scheren.

Inzwischen war sie im Zimmer angekommen und griff nach ihrem Handy.

„Wie gesagt: Ich würde das lassen“, murmelte er und sah ihr in die Augen. „Es könnte sonst leicht passieren, dass Sie in Erklärungsnot geraten. Zum Beispiel darüber, weshalb Sie halb nackt in meinem Haus herumlaufen.“

Alyssa schnappte nach Luft. „Ihr Haus? Das kann nicht stimmen. Sie sind hier der Eindringling, nicht ich! Und genau das werde ich der Polizei auch sagen!“

Seine dunklen Augen glitzerten amüsiert. „Okay. Beenden wir diese lächerliche Unterhaltung. Ich bin Connor Blakeley, und dieses Haus gehört mir. Ich lebe seit Jahren hier, gelegentlich ist auch mein Bruder da.“ Interessiert sah er sie an. „Nun sind Sie dran. Wer sind Sie und was machen Sie hier?“ Ein spöttisches Lächeln trat auf sein Gesicht. „Darf ich raten? Bestimmt hat es etwas mit Ross zu tun. Sie müssen seine neueste Eroberung sein.“

Alyssa erstarrte. Es hörte sich an, als wäre Ross ein wahrer Frauenheld. Sie würde diese unverschämte Bemerkung ignorieren.

„Connor ist während der nächsten sechs Monate auf dem Festland. Das hat Ross mir selbst erzählt. Sein Bruder, so sagte er, hilft in Florida beim Aufbau einer Katastrophenschutz­einheit mit.“

Der Fremde nickte. „Stimmt, das war der Plan. Leider ist es hier auf den Bahamas zu einem personellen Engpass gekommen, sodass ich gebeten wurde, zurückzukommen und den Rettungsdienst und die Notaufnahme des hiesigen Krankenhauses zu übernehmen. Ich werde also hier arbeiten und die Kollegen drüben in Florida nur beraten.“

Was er sagte, klang sehr plausibel. Hatte sie ihn falsch eingeschätzt? Bei näherem Hinsehen konnte man durchaus eine Ähnlichkeit mit Ross feststellen.

Vorsichtig legte sie ihr Handy auf den Tisch zurück. Wie sollte sie nun reagieren? Sie spürte, wie sie vor Verlegenheit errötete. Wie hatte sie sich nur in diese peinliche Situation manövriert? Hatte sie denn zu Hause nicht genug gelitten? Das hier sollte doch ein Neubeginn sein. Der Anfang eines besseren Lebens.

Doch nun sah es so aus, als müsste sie ihren Traum von ein paar sorglosen, entspannten Monaten in der Karibik gleich am ersten Tag begraben.

Trotzig hob sie das Kinn. Sie durfte sich von diesem Rückschlag nicht unterkriegen lassen. Bestimmt würde sie eine andere Unterkunft finden.

„Es tut mir wirklich leid“, sagte sie. „Ich hatte keine Ahnung, dass … ähm … ich hatte heute Abend einfach niemanden hier erwartet.“ Sie holte tief Luft. „Ich bin übrigens Alyssa Morgan. Ihr Bruder hat mir angeboten, hier zu wohnen.“

„Mit ihm zusammen?“

Alyssa runzelte die Stirn. „Nein, keineswegs. Er sagte, er würde im oberen Stockwerk leben, und ich könnte die untere Wohnung haben.“ Frustriert ließ sie ihren Blick durch das hübsche Schlafzimmer wandern. Vor dem Bett standen ihre noch nicht ausgepackten Koffer. „Natürlich ändert Ihre Anwesenheit hier alles. Ich werde mir sofort eine andere Unterkunft suchen.“

„Um diese Zeit?“ Mit hochgezogenen Augenbrauen sah er sie an. „Selbst wenn es Ihnen gelingen sollte, so kurzfristig ein Zimmer zu finden, könnte ich es nicht zulassen, eine so attraktive junge Frau wie Sie in der Dunkelheit losfahren zu lassen.“

„Ich kann sehr gut auf mich selbst aufpassen.“

Mit unverhohlenem Zweifel sah er sie an. „Wirklich?“

Es verletzte Alyssa, dass er ihr offenbar so wenig zutraute. Sie bemerkte, dass er sie, oder besser gesagt ihren Körper, musterte. Verlegen presste sie das Handtuch an sich. „Als Erstes sollte ich mich jetzt anziehen“, erklärte sie würdevoll. „Wenn Sie mich also bitte allein lassen würden …“

Er nickte. „Natürlich.“ Doch noch bevor er die Tür erreicht hatte, drehte er sich wieder um. „Sie scheinen ein wenig erhitzt zu sein. Soll ich Ihnen einen kühlen Drink bringen? Und vielleicht auch etwas zu essen? Oder haben Sie schon zu Abend gegessen?“

Seine Großzügigkeit beschämte Alyssa. „Nein … ich meine, ja. Also: Ja, ich hätte gern etwas zu trinken und nein, ich hatte noch keine Zeit, etwas zu essen. Eigentlich wollte ich mit Ross essen, aber dann musste er zu dieser Besprechung.“

„Aha. Ihrem Akzent nach sind Sie Engländerin, oder? Haben Sie und Ross sich in Großbritannien kennengelernt? Er war dort einige Wochen lang auf Talentsuche für sein neues Filmprojekt.“

„Ja genau, wir kennen uns aus London.“ Sie wusste, dass Connor ebenfalls britische Vorfahren hatte. „Eine gemeinsame Freundin aus Florida hat uns miteinander bekannt gemacht. Carys, meine Cousine. Sie hat Ross vorgeschlagen, mich zu engagieren.“

„Oh ja, ich kenne Carys.“ Connor lächelte. „Bestimmt war Ross begeistert von dem Vorschlag, Sie mit auf die Insel zu bringen.“ Er wandte sich zur Tür. „Ich werde jetzt das Abendessen vorbereiten. Wenn Ross heimkommt, kann er mit uns essen.“

„Das wäre schön. Vielen Dank.“ Was würde Ross wohl dazu sagen, dass sein Bruder so unerwartet aufgetaucht war?

Als Connor die Tür hinter sich geschlossen hatte, stöhnte Alyssa leise auf. Das war wirklich kein guter Start für ihre Bekanntschaft mit Connor! Ross hatte ihr bereits von seinem großen Bruder erzählt, wobei Alyssa den Eindruck gewann, dass er ziemlich großen Respekt vor Connor hatte. Nachdem sie ihn kennengelernt hatte, konnte sie das gut verstehen.

Connor schien einer dieser Männer zu sein, die immer alles unter Kontrolle haben und sich durch nichts aus der Fassung bringen lassen. Seine äußere Erscheinung unterstrich diesen Eindruck noch, denn er war groß und kräftig, gleichzeitig aber sehr fit und geschmeidig. Jede Faser seines Körpers strahlte Gelassenheit und eine natürliche Autorität aus.

So schnell sie konnte, zog Alyssa sich an. Sie wählte ein kurzes, blassblaues Baumwollkleid mit dünnen Trägern, denn es war trotz der fortgeschrittenen Uhrzeit noch immer sehr warm.

Wenige Minuten später betrat sie die Küche, wo Connor gerade Tomatensoße und geriebenen Käse auf einem Pizzaboden verteilte. Er blickte auf, als sie hereinkam. „Sie sehen toll aus“, murmelte er. „Die Farbe steht Ihnen sehr gut.“

„Danke.“

„Setzen Sie sich doch“, bat er und wies auf einen der Stühle, die um den großen Esstisch herum standen. „Mögen Sie Pilze auf der Pizza? Und Paprika?“

„Ja, sehr gern.“ Alyssa schaute ihm zu, wie er das Gemüse klein schnitt und dann über die Pizza streute. Interessiert sah sie sich in der Küche um. Es war ein sehr gemütlicher Raum mit großen Fenstern, durch die man einen traumhaften Blick auf den Ozean hatte. Draußen war inzwischen die Dämmerung hereingebrochen, doch einige Lampen erhellten den kleinen Garten vor der Veranda, im dem Pflaumen- und Orangenbäume wuchsen.

„Sie haben ein wunderschönes Zuhause.“

„Danke. Ich muss zugeben, dass es mir auch sehr gut gefällt. Als ich es damals kaufte, wollte ich gern einen Ort haben, an dem ich den Alltag hinter mir lassen kann. Das Haus und vor allem die idyllische Lage hatten es mir sofort angetan. Es ist sozusagen mein privates kleines Paradies.“

Er lächelte. „Ich liebe es, abends draußen auf der Veranda zu sitzen und zu beobachten, wie die Wellen sich am Strand brechen. Man kann hier außerdem viele Tiere beobachten, vor allem Vögel wie den Fischreiher. Manchmal sind sogar Goldregenpfeifer zu sehen.“

„Hört sich sehr idyllisch an.“

„Das ist es.“ Er schob das Pizzablech in den Backofen und kam zu ihr an den Tisch. „Möchten Sie etwas trinken? Orangensaft? Oder lieber etwas Stärkeres?“

„Danke. Sehr gern. Orangensaft wäre prima.“ Alyssa lächelte entschuldigend. „Seitdem ich hier bin, habe ich ununterbrochen Durst. Offenbar muss ich mich erst noch an die Hitze gewöhnen.“

Dankbar trank sie das Glas, das er ihr reichte, in einem Zug aus.

„Sie arbeiten also bei dem neuen Filmprojekt meines Bruders mit?“, erkundigte Connor sich interessiert. „Kein Wunder. Sie sind wirklich sehr fotogen. Bestimmt war es nicht schwer, die Rolle zu bekommen, oder?“

„Ähm … ganz so war es nicht“, widersprach Alyssa. Aus irgendeinem Grund schien er zu glauben, sie sei eine Schauspielerin. „Ich bin nur indirekt an der Filmproduktion beteiligt.“

„Sehr interessant.“ Er musterte sie abschätzend. „Trotzdem muss Ross sehr von Ihnen angetan sein, wenn er Sie nicht nur mitgebracht, sondern auch noch in unser Haus eingeladen hat. Schließlich kennen Sie beide sich erst seit sehr kurzer Zeit.“

Alyssa stellte ihr Glas ab und sah ihn wütend an. „Sie scheinen ziemlich voreingenommen zu sein. Sie zählen zwei und zwei zusammen und bekommen fünf heraus.“

„Ach ja?“ Er schien alles andere als überzeugt zu sein. „Vielleicht kenne ich nicht alle Einzelheiten, aber meinen Bruder kenne ich genau. Es wäre nicht das erste Mal, dass er sich in eine junge, hübsche Frau verliebt und beschließt, ihr die Welt zu Füßen zu legen.“

Seine Augen funkelten. „Pech für ihn, dass ich hier aufgetaucht bin. Vermutlich wird er alles andere als begeistert darüber sein, dass ich ihn bei seinem Eroberungszug störe.“

Entschlossen stand Alyssa auf. „Wissen Sie was? Ich denke, es ist doch keine so gute Idee, noch länger hierzubleiben. Ich werde mir heute Abend eine andere Unterkunft suchen.“

Sie machte einen Schritt auf die Tür zu, doch Connor war ebenfalls aufgesprungen und hielt sie fest. „Bitte, Alyssa, tun Sie das nicht. Es ist wirklich zu gefährlich für eine Frau, hier abends allein unterwegs zu sein.“

„Kann schon sein, aber das ist mein Problem, nicht Ihres.“

Sie versuchte, seine Hand abzuschütteln, doch er zog sie nur noch näher an sich heran. „Irrtum. Es ist sehr wohl mein Problem, denn mein Bruder hat Sie in mein Haus gebracht.“

„Das hört sich an, als wäre ich ein Paket, das falsch zugestellt wurde“, protestierte Alyssa. „Das ist nicht nur beleidigend, sondern auch unglaublich chauvinistisch! In welchem Jahrhundert leben Sie eigentlich?“

Er lachte, was sie nur noch wütender machte. „Lassen Sie mich jetzt sofort los, oder es wird Ihnen leidtun!“ Als er sie weiterhin festhielt, hob sie ihr Knie hoch, um ihn an seiner empfindlichsten Stelle zu treffen. Als wäre sie leicht wie eine Feder, drehte Connor sie um und schlang seine Arme von hinten um sie. Frustriert musste Alyssa feststellen, dass sie in seinem Griff gefangen war.

„Selbstverständlich lasse ich dich los“, murmelte er. Ohne zu fragen, war er zum Du übergegangen. „Aber nur, wenn du mir versprichst, bis morgen früh hierzubleiben. Ich entschuldige mich dafür, dass ich voreilige Schlüsse gezogen habe. Wenn du meinen Bruder besser kennen würdest, hättest du Verständnis dafür. Doch ich muss zugeben, dass du tatsächlich anders bist als die Frauen, die er normalerweise mitbringt.“

„Ach ja?“ Sie kochte vor Wut darüber, dass er sie noch immer festhielt.

„Ich wollte dich wirklich nicht beleidigen, aber überleg doch mal, wie es für mich aussehen musste. Ich hatte keine Ahnung, dass er dich in mein Haus eingeladen hat. Normalerweise sagt er mir Bescheid, wenn er hier Leute unterbringt. Das Ganze ist schon ein bisschen suspekt.“

„Wahrscheinlich hat er einfach vergessen, es dir zu sagen.“ Alyssa entspannte sich ein wenig.

„Ja, kann schon sein.“ Connor nickte, wobei seine Wange leicht ihren Kopf berührte. Für Alyssa fühlte es sich fast wie ein zärtliches Streicheln an. Sie spürte seinen warmen Atem in ihrem Nacken, während er sie noch immer in den Armen hielt und dabei wie zufällig ihre vollen Brüste berührte.

Es musste eine unbeabsichtigte Berührung gewesen sein, doch ihr Körper reagierte sofort und unmissverständlich mit einer heißen Welle der Erregung. Sie schloss die Augen und unterdrückte ein Stöhnen. Wie um alles in der Welt hatte sie sich in diese unmögliche Situation manövriert? Sie kannte ihn doch gar nicht!

Was war nur los mit ihr? Lag es vielleicht am Jetlag? Sie musste sich sofort aus seiner Umarmung lösen, doch irgendetwas in ihr sträubte sich dagegen. Es schien eine Ewigkeit her zu sein, seitdem sie das letzte Mal so in den Arm genommen worden war, und beschämt musste sie sich eingestehen, dass es ihr gefiel.

„Ich werde mir gleich morgen früh ein Hotel suchen“, erklärte sie.

Langsam, fast widerstrebend, ließ er sie los. „Das ist wirklich nicht nötig. Ross hat dich eingeladen, und deshalb bist du auch mein Gast. Es würde mir nicht im Traum einfallen, dich hinauszuwerfen. Bitte bleib.“

„Ich werde darüber nachdenken“, gab sie nach. Während sie noch überlegte, was sie nun tun sollte, bemerkte sie den köstlichen Duft von geschmolzenem Käse, der sich in der Küche ausbreitete. Sehnsüchtig sah sie zum Backofen. Sie hatte ganz vergessen, wie hungrig sie war. Ihre letzte Mahlzeit war ein lächerlich kleines Sandwich im Flugzeug gewesen.

Connor hatte sie nicht aus den Augen gelassen, und nun umspielte ein Lächeln seine Lippen. „Du bist hungrig“, stellte er fest. „Kein Wunder, dass du so reizbar bist. Am besten essen wir jetzt erst einmal. Mit einem vollen Magen sieht die Welt gleich ganz anders aus.“

Obwohl sie noch immer ein bisschen verärgert war, setzte Alyssa sich wieder hin. Möglicherweise hatte Connor nicht ganz unrecht, wenn er glaubte, sie sei etwas dünnhäutig. Erst die lange Reise samt Zeitverschiebung, dann die Ankunft in einer unglaublich schwülen Umgebung und schließlich noch die Konfrontation mit ihm, dem gefährlich attraktiven Fremden – das war ein bisschen viel für einen Tag.

Zum Glück wurden sie von einem Geräusch auf der Veranda abgelenkt. Die Tür öffnete sich, und Ross kam herein.

„Was zum Teufel …? Connor, was machst du hier? Solltest du nicht in Florida sein?“ Genau wie sein Bruder war Ross groß und dunkelhaarig, und er hatte die gleichen kantigen Gesichtszüge. Doch im Gegensatz zu Connor hatte Ross meist einen unbekümmerten und fast schon jungenhaften Gesichtsausdruck, der gut zu seiner übermütigen Art passte. „Du hast gesagt, du würdest mehrere Monate fortbleiben.“

„Ja, so war es geplant, aber es ist etwas dazwischengekommen. Ich werde hier auf der Insel gebraucht.“

„Du wirst also bleiben?“ Ross klang wenig begeistert. „Ich hatte Alyssa versprochen, dass sie die untere Wohnung haben kann.“

Connor nickte. „Das hat sie mir schon berichtet. Kein Problem, ich wohne einfach solange oben. Für dich ist dann allerdings kein Platz mehr hier, du musst wohl oder übel in deinem Apartment in der Stadt bleiben. Aber das ist sicher okay für dich, oder?“

Ross’ Blick war finster geworden. „Tja, ich habe anscheinend keine andere Wahl.“

„Prima. Dann wäre ja alles geklärt, und wir können endlich essen.“

Connor holte die Pizza aus dem Ofen, und Alyssa fragte höflich, ob sie irgendwie helfen könne. „Soll ich den Tisch decken?“

„Das wäre großartig. Und im Kühlschrank steht eine Schüssel mit Salat.“

„Okay.“

Gemeinsam bereiteten sie das Essen vor, während Ross sich frisch machte.