Hard Kill – Ein Jon Reznick-Thriller von J.B. Turner - J.B. Turner - E-Book

Hard Kill – Ein Jon Reznick-Thriller von J.B. Turner E-Book

J. B. Turner

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Beschreibung

Ein Mann gegen die Zeit – und eine Verschwörung, die alles bedroht. Ein hochrangiger amerikanischer Sicherheitsberater verschwindet spurlos. Für FBI-Vizedirektorin Martha Meyerstein steht fest: Diese Entführung ist eine Bedrohung der nationalen Sicherheit. Nur einer kann helfen – Jon Reznick. Der ehemalige Auftragskiller will eigentlich mit seiner Tochter Urlaub machen. Doch als Meyerstein ihn ruft, bleibt ihm keine Wahl. Widerwillig lässt er sich auf die Mission ein – und stößt dabei auf eine Verschwörung von ungeahntem Ausmaß. Während die Regierung auf eine iranische Terrorzelle fokussiert ist, verfolgt Reznick seine eigene Spur – allein und gegen jede Vorschrift. Und was er aufdeckt, geht weit über eine einfache Entführung hinaus: Ein unsichtbarer Feind plant einen Schlag, der die Weltordnung erschüttern könnte. Nichts ist mehr sicher – außer Reznicks Entschlossenheit, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Rasant, kompromisslos und erschreckend realistisch – Jon Reznick ist zurück. Und er ist der Einzige, der das Unvermeidliche noch verhindern kann. Hard Kill ist der Thriller, den Sie nicht aus der Hand legen werden!

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Seitenzahl: 364

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Ähnliche


Inhalt

Cover

Titel

Widmung

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Kapitel 35

Kapitel 36

Kapitel 37

Kapitel 38

Kapitel 39

Kapitel 40

Kapitel 41

Kapitel 42

Kapitel 43

Kapitel 44

Kapitel 45

Kapitel 46

Kapitel 47

Epilog

Über den Autor

Weitere spannende Titel im Ronin Hörverlag

Die Jon Reznick-Reihe von J. B. Turner

Die Orphan X-Reihe von Gregg Hurwitz

Impressum

Cover

Inhaltsverzeichnis

Titelseite

Inhaltsbeginn

Impressum

Hard Kill – Reznick 2

J. B. Turner

Aus dem Englischenvon Helga Parmiter

Für meine Mutter

Kapitel 1

Die Scheinwerfer tauchten aus der Dunkelheit auf der unbefestigten Straße auf, die zu Jon Reznicks abgelegenem Haus führte. Er saß mit einer Tasse starken schwarzen Kaffees auf seiner Veranda und überlegte, ob er zu seiner Beretta greifen sollte. Er bekam nicht oft Besuch in seinem Haus am Meer am Rande von Rockland, Maine. Und schon gar nicht, bevor die Dämmerung einsetzte.

Er kippte den Rest seines Kaffees hinunter, als er in das grelle Scheinwerferlicht der entgegenkommenden Autos getaucht wurde. Die Reifen knirschten auf der knochentrockenen, von der aktuellen Hitzewelle zerfurchten Erde. Die Vögel in den Bäumen flatterten auf.

Drei Fahrzeuge?

Der erste Wagen, ein schwarzer Suburban, fuhr in einer Staubwolke vor. Wenige Augenblicke später öffnete sich die hintere Beifahrertür.

Ein Mann in einem dunklen Anzug mit Krawatte kam heraus. Er ging auf Reznick zu und ließ seine Dienstmarke aufblitzen. »Leitender Special Agent von Boston, Jimmy Richards«, sagte er. Schweißperlen standen ihm auf der Stirn.

»Jon Reznick?«

Reznick blieb sitzen. Er starrte zu dem FBI-Agenten hoch, blieb aber stumm.

»Tut mir leid, dass ich hier so reinplatze. Aber wir müssen reden.«

Reznick zuckte mit den Schultern. »Dann reden Sie.«

»Ich wurde von der stellvertretenden Direktorin Martha Meyerstein gebeten, persönlich mit Ihnen zu sprechen.«

»Worüber?«

»Ich denke, es ist besser, wenn Sie mit mir kommen.«

»Das geht nicht.«

»Wie bitte?«

»Ich fliege später am Morgen nach New York, um meine Tochter zu besuchen.«

»Das könnte sich als Problem erweisen. Sie sind verpflichtet, mit mir zu kommen, Sir.«

»Ich bin verpflichtet mit Ihnen zu kommen? Einen Scheißdreck bin ich.«

»Jon ...«

»Sie können mich Reznick oder Mr Reznick nennen. Hören Sie, Mr Leitender Special Agent, ich kenne Sie nicht, und ich bin Ihnen ganz sicher noch nie begegnet. Sie tauchen unangemeldet auf meinem Grundstück auf. Ich wäre Ihnen also dankbar, wenn Sie mich in Ruhe lassen könnten.«

LAC Richards’ Blick wanderte über das salzgestrahlte Holzhaus, das Reznicks Vater vor vielen Jahren gebaut hatte. Er setzte sich auf die Verandastufe neben Reznick und starrte auf die drei Fahrzeuge. »Die Sache ist die: Sie müssen mitkommen, Reznick. Sie hat ausdrücklich nach Ihnen gefragt.«

Reznick sagte nichts.

»Sie konnte nicht selbst herkommen. Eine Sitzung nach der anderen mit verschiedenen Geheimdienstanalysten. Aber sie hielt es für angebracht, dass jemand persönlich mit Ihnen spricht.«

Reznick schloss für einen Moment die Augen. Aus dem Bauch heraus wollte er ihnen sagen, dass sie sich verpissen sollten. Auf die Reise nach New York hatte er sich schon seit Wochen gefreut, nachdem er seine Tochter, die im Internat war, fast vier Monate lang nicht gesehen hatte. Er hatte für die Tickets und das schicke Hotel bezahlt, ganz zu schweigen von Springsteen im Madison Square Garden. Aber er stand in Meyersteins Schuld. Sie hatte noch etwas bei ihm gut.

»Sie müssen mir mehr erzählen.«

LAC Richards seufzte. »Man hat mir nur gesagt, was ich wissen muss.«

»Was genau wissen Sie denn?«

»Wir müssen jemanden finden.«

»Das war’s?«

»Mehr oder weniger. Jeder weiß nur, was er wissen muss.«

»Ich nehme an, das FBI schickt die für Boston zuständigen Special Agents nicht zum Spaß in einem Drei-Wagen-Konvoi hierher.«

Richards starrte Reznick an.

»Wer ist verschwunden?«

»Das werden Sie noch früh genug herausfinden.«

Der FBI-Agent sah auf seine Uhr. »Sie müssen Ihren Hintern in Bewegung setzen. Sie haben fünf Minuten, um eine Tasche zu packen, Reznick. Also los.«

Nach einem unruhigen Flug vom kleinen Flughafen in Owls Head landeten sie zwei Stunden später in Dulles, wo drei Lincolns warteten.

Sie fuhren nach Osten. Die ersten Anzeichen eines blutroten Himmels wurden sichtbar, als die Sonne über den Horizont lugte und lange Schatten warf. Reznick rief seine Tochter an und hinterließ eine Nachricht, in der er sich dafür entschuldigte, so kurzfristig absagen zu müssen. Dann sagte er ihr, dass er sie liebte. Und dass er es wiedergutmachen würde, wenn er wieder zu Hause sei.

Richards wandte sich an Reznick. »Ich kenne nicht viele Leute, die ihre Pläne, ihre Tochter zu sehen, von jetzt auf gleich über den Haufen werfen würden.«

»Die einzige Person, für die ich das tun würde, ist Meyerstein.«

»Darf ich fragen, warum das so ist?«

Reznick seufzte. »Kurz gesagt: Ich sollte einen Auftrag ausführen, aber er ging schief. Und meine Tochter wurde gekidnappt. Meyerstein hat mich in Key West aufgespürt. Aber anstatt mich auf der Stelle zu verhaften, ließ sie mich meine Tochter finden – im Austausch für Informationen über einen Mann, den ich töten sollte.«

»Heiliger Strohsack.«

»Nun wissen Sie es.«

Den Rest der Fahrt schwiegen beide.

Nach etwa fünfzehn Minuten sah Reznick ein Schild für die Stadt McLean. Exklusiv und wohlhabend. Sie fuhren die von Bäumen gesäumten Straßen entlang, vorbei an riesigen Villen mit gepflegten Rasenflächen und elektronischen Stahltoren.

Er konnte keine Straßenschilder sehen, nur Bäume. Und in der Ferne Männer in Schwarz, die vor einem sechsstöckigen Betongebäude Wache standen. Der Wagen hielt an einer hydraulischen Stahlschranke. Das Fenster fuhr herunter.

»Polizei der Vereinigten Staaten«, sagte ein Mann in Schwarz mit Sonnenbrille, der mit einem knisternden Walkie-Talkie aus einem Wachhaus kam. »Weshalb sind Sie hier?«

Der Fahrer ließ sein FBI-Lanyard scannen. »Alles klar?«

Der Wachmann nickte und händigte jedem von ihnen einen individuellen Zugangsausweis aus. »Wir haben Sie erwartet. Denken Sie daran, dass Sie diese immer tragen müssen.«

Reznick und die Bundesagenten hakten alle ihre Zugangsausweise ein.

Dann überreichte der Wachmann dem Fahrer eine blassblaue Karte. »Damit kommen Sie durchs Einfahrtstor.«

Der Fahrer nickte und sie wurden durchgewunken, die beiden anderen Lincolns folgten. Sie fuhren zu einem Parkhaus auf der Rückseite des Gebäudes, wo ein Zwei-Mann-Team die einzelnen Zugangsausweise erneut überprüfte – wobei Reznick besonders viel Zeit gewidmet wurde – und sie in die Lobby begleitete.

Mehr Sicherheit und flughafenähnliche Scanner. Zwei große Willkommensmatten mit der Aufschrift »Liberty Crossing«.

Reznick wusste genau, wo sie waren. Es handelte sich um eine der am besten gesicherten Einrichtungen der Vereinigten Staaten, in der sowohl das Büro des Direktors des Inlandgeheimdienstes als auch die Nationale Antiterrorismuszentrale NCC untergebracht waren, abgeschirmt hinter Stahlbarrieren und bewaffneten Wachen. Man hatte ihm einmal gesagt, dass mindestens 1.700 Bundesbedienstete und 1.200 private Auftragnehmer in Liberty Crossing – so lautete der Spitzname des Komplexes – arbeiteten.

Ein NCC-Beamter begleitete sie zum Aufzug, mit dem sie in den vierten Stock fuhren. Er führte sie einen fensterlosen Korridor entlang, bis sie eine von zwei Kameras überwachte Glastür erreichten.

Er tippte einen langen Zahlencode in das Tastenfeld ein. Die Türen öffneten sich mit einem Klicken, und er führte Reznick hinein.

»Nehmen Sie Platz, Mr Reznick«, sagte der Beamte.

Reznick tat, was ihm gesagt wurde, und blieb allein zurück. Er sah sich um. Weiße Wände, moderne Drucke. Die Washington Post auf einem kleinen Tisch. Er sah auf die Uhr und seufzte. Er hasste es, zu warten.

Die Zeit verging. Mehr als zwanzig Minuten später kehrte der Beamte zurück.

»Man erwartet Sie jetzt.«

Reznick stand auf und folgte dem Mann in ein Großraumbüro. Holzschreibtische, geometrisch gemusterte Teppiche. Dann ging es einen langen Korridor entlang zu einem Konferenzraum mit Plasmabildschirmen an den Wänden. Um einen großen Eichentisch hatten sich sechs Männer und eine Frau versammelt.

Meyerstein sah hoch, ebenso wie ihre rechte Hand, Roy Stamper, den Reznick bereits kannte. Meyerstein stand auf und schüttelte ihm die Hand.

»Ich bin froh, dass Sie zu uns stoßen konnten«, sagte sie.

Sie stellte Reznick die anderen am Tisch vor: allesamt Mitglieder des Geheimdienstes mit hoher Sicherheitsfreigabe, einschließlich des Leiters der FBI-Geiselrettungstruppe HRT und eines »Sonderberaters« des Ministeriums für Innere Sicherheit.

Er schüttelte ihnen die Hand. Er wusste alles über strategische Analysten und hatte großen Respekt vor ihren Fähigkeiten. Sie waren es, die Rohdaten sichteten und versuchten, das Gesamtbild zu erfassen, um Leuten wie Meyerstein verständlich zu machen, was über eine Bedrohung bekannt war und was nicht. Aber sie waren auch damit beschäftigt, herauszufinden, welche Bedrohungen hinter dem Horizont lauerten.

»Nehmen Sie Platz, Jon«, sagte Meyerstein, nachdem die Formalitäten erledigt waren. Die einzige Person, deren Name nicht genannt worden war, war der Mann, der links neben ihr saß.

Reznick setzte sich und sah auf die Uhr an der Wand. 7:03 Uhr. »Würden Sie mir verraten, warum wir zu dieser unchristlichen Zeit hier sind?«

Der Mann links von Meyerstein räusperte sich. »Mein Name ist Generalleutnant Robert J. Black. Ich bin beim Verteidigungsnachrichtendienst DIA angestellt, obwohl ich seit einem Jahr in einem Büro im Pentagon arbeite. Jetzt, wo wir uns alle kennen, möchte ich ein paar Grundregeln aufstellen.«

Blacks Blick verweilte einen Moment lang auf jeder einzelnen Person im Raum.

»Was ich Ihnen jetzt sage, darf nicht besprochen und vor allem nicht zugegeben werden. Nur das Team, das daran arbeitet, und der Präsident kennen die Details. Und das wird auch so bleiben.« Ein paar Leute nickten. »Ein hochrangiger Diplomat – Militärattaché Major General Dennis O’Grady, der in einer früheren Regierung auch als Nationaler Sicherheitsberater tätig war – erschien nicht zu einem geplanten Termin mit mir, nachdem er sich angeblich vor achtundvierzig Stunden mit einer seiner vertrauenswürdigen Quellen in Bethesda getroffen hat.«

Reznick rutschte auf seinem Sitz hin und her. Ein paar Leute im Raum machten sich Notizen.

»Ich möchte klarstellen, dass dies ausgesprochen untypisch ist. Er scheint einfach verschwunden zu sein. O’Grady hat fast zwanzig Jahre lang im Nahen Osten gearbeitet und war Sonderberater des Außenministeriums für den Persischen Golf und Südwestasien.«

Meyerstein nickte, bevor sie das Wort ergriff. »General Black hat die Aufsicht, aber ich werde die Leitung übernehmen. Wir haben ein fünfzehnköpfiges Team, das ausschließlich an diesem Sonderzugangsprogramm arbeitet. Das bedeutet, dass nur die Anwesenden an diesem Tisch – und einige handverlesene Geheimdienstspezialisten und NSC-Beamte – Zugang zu diesen höchst sensiblen und geheimen Informationen haben.«

Generalleutnant Black beugte sich vor und ließ seinen Blick über die versammelten Gesichter schweifen. »Das Wort der stellvertretenden Direktorin Meyerstein ist Gesetz. Sie wird mir Bericht erstatten, wenn sie es für richtig hält. Wir wollen die Sache geheim halten. Intern. Aber im Moment ist es Ihre Hauptaufgabe, O’Grady zu finden, bevor es zu spät ist.«

Kapitel 2

Nachdem Black seine Besprechungspapiere eingesammelt und den Raum verlassen hatte, räusperte Meyerstein sich und betrachtete die ernsten Gesichter am Tisch.

»Zum jetzigen Zeitpunkt kann nicht ausgeschlossen werden, dass es sich um einen terroristischen Vorfall mit internationalem Bezug handelt, also sollten wir das im Hinterkopf behalten.« Sie blätterte in einigen Papieren, die vor ihr lagen. »Das Wichtigste zuerst – ich will O’Grady sicher zurück. Das ist meine oberste Priorität. Mit der grundlegenden Ermittlungsarbeit haben wir bereits begonnen. Wir sammeln Informationen darüber, wo er letzte Woche war, wir sprechen mit seiner Frau und seinen Kindern, und ich habe angeordnet, dass Bankunterlagen und Mobiltelefonaufzeichnungen beschlagnahmt werden. Ich habe auch eine Rückverfolgung des Handys angeordnet. Aber bis jetzt nichts.«

Larry Verona, ein leitender Geheimdienstanalyst der CIA, sagte: »Darf ich kurz den Anwalt des Teufels spielen?« Ein paar verwirrte Blicke. »Ist es möglich, nur möglich, dass er einfach mit seiner Geliebten durchgebrannt ist? Können wir das ausschließen?«

Meyerstein nickte. »O’Grady ist ein hingebungsvoller Familienmensch. Sie sprechen da einen guten Punkt an, Larry, aber sowas haben wir nicht auf dem Schirm.«

»Was sagt die Polizei von D.C.?«, fragte Reznick.

»So wie es aussieht, werden wir die Polizei aus Washington bei dieser Sache umgehen.«

Es handelte sich eindeutig nicht um ein gewöhnliches Verschwinden.

»Normalerweise hätten wir innerhalb der ersten vier Stunden eine Suchmeldung herausgegeben. Aber das war in diesem Fall nicht angebracht. Die Medien hätten davon Wind bekommen, und das ist das Letzte, was wir brauchen.« Sie wandte sich an Stamper. »Okay, Roy, ich weiß, wir stehen grade erst am Anfang, aber was gibt’s Neues?«

Stamper nahm eine Fernbedienung in die Hand und legte einen Schalter um. Auf den Plasmabildschirmen erschien ein riesiges Farbfoto. Es zeigte einen Mann um die fünfzig, der einen beigen Leinenanzug trug – sein Gesicht war deutlich gerötet, vielleicht von der Hitze, und er hielt ein Glas Wein in der Hand. »Dies wurde erst letzte Woche aufgenommen. Es zeigt O’Grady bei einem Empfang in der US-Botschaft in Katar. Am nächsten Tag flog er zurück nach Washington. Vor zwei Tagen verließ O’Grady das Haus, das er mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Chevy Chase teilt, und fuhr zu einem Treffen. Er wurde nie wieder gesehen.« Er sah zu Lieutenant Colonel Ed Froch, einem Beamten des Außenministeriums. »Können Sie uns sagen, mit wem er sich treffen wollte?«

»Ich glaube, dass O’Grady sich mit einer hochrangigen Quelle getroffen hat, deren Namen oder Identität nur er selbst kannte.«

Stamper seufzte. »Die brauchen wir. Können Sie sich darum kümmern?«

»Ich mache mich an die Arbeit. Aber es könnte etwas dauern.«

Meyerstein biss sich auf die Unterlippe. »Mein Gott. Wir haben also keine Aufnahmen? Was ist mit GPS?«

»Er verschwand um 10:37 Uhr Eastern Time vor fast achtundvierzig Stunden von der Bildfläche. Und das war’s.«

Meyerstein beugte sich vor und rang die Hände. »Ich brauche mehr Details über O’Gradys Arbeit. Ihr Fachgebiet innerhalb des Außenministeriums ist der Persische Golf?«

Froch nickte.

»Damit ist der Iran gemeint?«

»Es gibt noch andere Länder, die wir abdecken, aber ja, unser Hauptaugenmerk liegt auf dem Iran.«

»Sie sagen, Sie wüssten nichts von O’Gradys Treffen. Aber ich nehme Ihnen nicht ab, dass das Außenministerium ahnungslos ist.«

Froch schenkte ihr ein schmallippiges Lächeln. »Ich sagte, dass wir nicht wissen, mit wem er sich getroffen hat. Aber wir haben einige Informationen.«

Meyerstein starrte ihn lange und durchdringend an. »Oberst Froch, wollen Sie uns absichtlich behindern?«

Reznick hatte sich das Gleiche gefragt. Er mochte die Klugscheißer-Aura des Mannes nicht.

Froch blieb gelassen. »Ich kann Ihnen versichern, das ist nicht der Fall. In meiner Branche müssen wir sehr vorsichtig sein, was mit der breiteren Geheimdienstgemeinschaft geteilt werden kann und was nicht.«

»Kommen wir zum Punkt. Sagen Sie mir alles, was Sie wissen.«

»Soweit wir wissen, stand O’Grady mit einem bosnischen Emigranten aus Sarajevo in Verbindung.«

»Und das war’s?«

Froch sagte nichts.

»Erzählen Sie mir mehr über dieses Treffen.«

»Ich habe ein paar Leute angerufen, die O’Grady besser kannten als ich. Nichts. Die Spur ist kalt.«

Meyerstein zog die Augenbrauen hoch und lehnte sich auf ihrem Stuhl zurück. »Was wollen Sie damit sagen?«

»Vielleicht wurde O’Grady unvorsichtig. Vielleicht wurde er verfolgt. Wir wissen es einfach nicht, denn er war mehr oder weniger autonom in dem, was er tat.«

»Das klingt für mich nach mangelnder Überwachung.«

Froch schaute sich um und sah allen in die Augen, als wolle er ihre Stimmung einschätzen. Dann richtete er seinen Blick auf Meyerstein. »Das ziehe ich mir nicht an. Ich denke, ein erfahrener Diplomat, der sich so lange in solchen Kreisen bewegt hat, braucht Spielraum.«

»So sehr, dass wir nicht wissen, mit wem er sich getroffen hat und wo zum Teufel er war?«

»Wie ich schon sagte, er brauchte Spielraum.«

»Könnten Sie versuchen, die Verbindung zwischen Bosnien und O’Gradys Fachgebiet zu erklären?«

»Der Iran hatte schon immer Einfluss dort. Bosnien war das Ergebnis der Zersplitterung des ehemaligen Jugoslawiens. Die Serben waren mit den Russen verbündet, sodass wir mit dem neuen bosnischen Staat sympathisierten. Die bosnischen Muslime machen weniger als die Hälfte der Bevölkerung aus und gelten als die säkularsten und liberalsten Menschen der Welt. Allerdings sind sie im Großen und Ganzen nicht schiitisch, wie der Iran, sondern sunnitisch.«

»Und was hat der Iran damit zu tun?«

»Die Schiiten machen etwa sieben Prozent der muslimischen Bevölkerung in Bosnien aus – etwa 165.000 Menschen. Sie sind zwar in der Minderheit, aber das sind viele Menschen, die in irgendeiner Weise mehr oder weniger stark mit dem Iran verbunden sein und vielleicht unter dessen Einfluss geraten könnten.«

Meyerstein dachte einige Augenblicke lang darüber nach. »Es könnte also eine iranische Verbindung zu dieser Sache geben?«

Froch zuckte mit den Schultern.

»Wenn Sie raten müssten?«

»Man kann es nicht außer Acht lassen, so viel ist sicher.«

Meyerstein wandte sich nach rechts. »Roy, was denkst du?«

»Mir kommt es so vor wie das Verschwinden und der Tod des Militärattachés Thomas Mooney auf Zypern im Jahr 2007. Wenn ich mich richtig erinnere, wurde seine Leiche einige Tage nach seinem Verschwinden gefunden.«

Froch starrte auf die Papiere, die vor ihm lagen. »Aber das galt doch als Selbstmord, oder nicht?«

Meyerstein rieb sich die Augen, als hätte sie schon lange nicht mehr geschlafen. »Das war die offizielle Version.« Sie sprach schroff, fast schon herablassend mit Froch. Reznick konnte die Spannung im Raum spüren.

Sie sah ihn über den Tisch hinweg an. »Jon, ich werde auch von Ihnen Erkenntnisse erwarten.«

Reznick nickte und spürte, dass alle Augen auf ihn gerichtet waren.

Froch schüttelte den Kopf. »Nichts für ungut, aber woher soll er etwas wissen? Das ist nicht sein Fachgebiet.«

Reznick starrte Froch an. Er hatte solche Typen schon früher getroffen. Arrogant. Von sich selbst eingenommen. Er konnte aufgeblasene Egos nicht ausstehen.

Meyerstein beugte sich vor und richtete ihren Blick auf Froch. »Colonel Froch, dies ist ein gemeinsames Einsatzkommando, und ich übernehme die Leitung. Wir arbeiten gemeinsam an der Sache. Verstanden?«

Froch hob die Augenbrauen, sagte aber nichts.

»Die Frage ist: Wie geht es jetzt weiter? Lassen Sie uns darüber sprechen.« Sie sah den NSA-Spezialisten am Tisch an, der sich auf einem iPad Notizen machte. »Was denken Sie?«

Der NSA-Mann hörte auf, auf seinem Tablet zu tippen, und sah auf. »Wir durchforsten aktuell Millionen von Anrufen, E-Mails und Sofortnachrichten, um eine Vorwarnung zu erhalten. Ich rede hier von Echtzeit ... Nachrichtenforen, alles. Wir sind dran. Das mache ich die ganze Zeit, falls Sie sich wundern sollten.«

»Ich sage Ihnen mal, wie ich das sehe«, sagte Meyerstein. »Ich denke, es liegt durchaus im Bereich des Möglichen, dass O’Grady entführt wurde, oder Schlimmeres.«

Reznick sagte: »Die Iraner arbeiten, wie die meisten von Ihnen wissen, von der pakistanischen Botschaft aus, da sie derzeit keine eigene haben. Dort würde ich mit der Suche anfangen.«

Meyerstein nickte. »Ed, wollen Sie näher darauf eingehen?«

»Derzeit sind vierundsiebzig iranische Staatsangehörige bei der Abteilung für Interessen der Islamischen Republik Iran in Washington, D.C. akkreditiert. Da die Vereinigten Staaten und der Iran jedoch keine diplomatischen Beziehungen unterhalten, hat keiner der Iraner offiziellen diplomatischen Status.«

»Ihre Namen stehen also nicht auf der Diplomatenliste des Außenministeriums?«, fragte Meyerstein.

»Richtig. Faktisch sind sie Mitarbeiter der Abteilung für iranische Interessen. Sie sind zwar der pakistanischen Botschaft unterstellt, unterhalten aber eigene Büros. Die dort arbeitenden Iraner haben einen ständigen Wohnsitz in den USA oder besitzen die doppelte Staatsbürgerschaft, was es schwierig macht, gegen sie vorzugehen. Sie nehmen an kulturellen und gesellschaftlichen Veranstaltungen innerhalb der iranischen Gemeinschaft teil und unterhalten enge Beziehungen zu einem islamischen Zentrum in Potomac, das von einer in New York ansässigen Stiftung finanziert wird. Sie verfügen auch über eine Informationsabteilung, die für nachrichtendienstliche Zwecke eingesetzt wird. Darüber hinaus besitzen alle Mitarbeiter der Interessenabteilung Green Cards oder US-Pässe, was bedeutet, dass sie in den Vereinigten Staaten ohne Einschränkungen reisen können.«

Meyerstein streckte sich und unterdrückte ein Gähnen. Das rote Licht auf ihrem BlackBerry begann zu blinken – vielleicht eine dringende E-Mail oder Nachricht – und sie nahm sich einen Moment Zeit, um nachzusehen.

»Jon, was denken Sie?«

Reznick sah zu dem NSA-Spezialisten hinüber. »Was sagt die elektronische Überwachung?«

Der NSA-Mann seufzte. »Ich habe nur ein dreiköpfiges Team hier vor Ort, das Datenverkehrsanalysen durchführt. Im Grunde genommen durchforsten sie alles, was von den Iranern gesendet und empfangen wird oder per Telefon reinkommt und rausgeht, Tag und Nacht. Verschlüsselt, unverschlüsselt, Sprachspezialisten, einfach alles. Wenn uns etwas auffällt, stürzen wir uns sofort darauf. Wir verfolgen alle Nummern zurück, die in den letzten achtundvierzig Stunden angerufen wurden, aber alles ist in mehrere Schichten fortschrittlicher Verschlüsselung gepackt. Das wird einige Zeit dauern.«

»Etwas, was wir nicht haben«, sagte Meyerstein.

»Das hier hat vielleicht nichts mit den Iranern zu tun«, sagte Reznick. »Ich denke, auch darüber müssen wir uns im Klaren sein. Aber wir können sie nicht ausschließen. Vielleicht sollten wir darüber nachdenken, ein Team in die Nähe zu schicken, um diese Iraner im Auge zu behalten. Ihre Häuser, ihre Aufenthaltsorte ...«

»Reznick, wir dürfen nicht vergessen, dass sie unter der Schirmherrschaft der pakistanischen Botschaft operieren und genau wie wir über Überwachungseinheiten verfügen«, warf Froch ein. »Sie sind nicht dumm. Sie wissen, worauf sie achten müssen, wenn es darum geht, diejenigen zu beobachten, die sie beobachten.«

»Also bleiben wir in diesem Raum und sitzen auf unseren Händen? Wir müssen in dieser Sache vorankommen. Wir brauchen eine Rund-um-die-Uhr-Überwachung und dürfen uns nicht nur auf die elektronische Überwachung verlassen.«

Froch schüttelte den Kopf. »Das ist nicht praktikabel.«

Stamper sagte: »Jon spricht da einen guten Punkt an. Die politischen Attachés und Militärattachés könnten eine Priorität sein.«

Froch räusperte sich. »Wir haben keine Beweise, dass der Iran dahintersteckt. Gar keine.«

Reznick starrte ihn an. »Das habe ich schon gesagt.«

»Wir stellen die Iraner unter Beobachtung.« Meyerstein sah sich um. »Dies wird eine Operation rund um die Uhr, bis wir O’Grady gefunden haben. Wir treffen uns in weniger als zwölf Stunden wieder, in diesem Raum. Und ich möchte noch einmal betonen, dass dies eine rein teaminterne Angelegenheit ist. Diese Untersuchung geht niemanden sonst etwas an.«

Nachdem die Sitzung beendet war und alle gegangen waren, zog Meyerstein Reznick und Stamper zur Seite. »Folgen Sie mir.«

Sie führte sie einen endlosen Korridor entlang. An der Wand hingen Schwarz-Weiß-Drucke von Denkmälern in Washington bei Nacht und gerahmte Auszüge aus George Washingtons Reden. Sie fuhren mit dem Aufzug in die oberste Etage und gingen dann durch eine Reihe von mit Tastenfeldern gesicherten Eingängen und einen mit Teppich ausgelegten Korridor entlang zu weiteren Türen. Meyerstein zog eine Karte durch und führte sie in einen gesicherten Bereich und in das letzte Büro auf der rechten Seite. »Hier bin ich während dieser Untersuchung untergebracht«, sagte sie, und Reznick und Stamper folgten ihr hinein.

Der Raum war in gedämpftem Beige gehalten, mit einem Schreibtisch aus dunklem Teakholz, ein paar braunen Ledersofas und vier an der Wand aufgereihten Stühlen. Ein riesiger Fernseher an der Wand zeigte eine CNN-Live-Übertragung der Rede des Präsidenten in Detroit.

»Nehmt Platz, Leute«, sagte sie.

Reznick und Stamper kamen dem Wunsch nach und setzten sich.

Meyerstein lehnte sich an die Kante ihres Schreibtisches. »Erstens, Jon, sehr schön, Sie zu sehen, ich weiß Ihren Beitrag zu schätzen. Tut mir leid, dass ich Sie nicht direkt anrufen konnte.«

»Ich nehme an, Sie haben mich nicht hergebeten, um die Reihen aufzufüllen.«

Meyerstein schüttelte den Kopf. »Eigentlich nicht. Während unseres Treffens erhielt ich eine Sofortnachricht von dem FBI-Verschlüsselungstechniker, Special Agent Scott Liddell. Seine Leute haben sich O’Gradys Telefonaufzeichnungen angesehen. Und sie glauben, dass sie endlich die letzte Nummer herausgefunden haben, die er vor seinem Verschwinden angerufen hat.«

Stamper rutschte auf seinem Stuhl nach vorn. »Wem gehört sie?«

»Das Telefon ist gesperrt. Ich kenne keinen von den Leuten am Tisch so richtig. Und ich weiß nicht, wem ich trauen kann. Deshalb möchte ich, dass Sie beide eine Paralleluntersuchung vornehmen. Sie erstatten nur mir Bericht.«

Stamper fuhr sich mit der Hand durchs Haar und seufzte. »Mir gefällt das nicht, Martha. Das Ganze fühlt sich merkwürdig an. Irgendetwas stimmt nicht.«

Meyerstein nickte.

»Aber ich fühle mich auch nicht wohl mit der Geheimniskrämerei.«

»Genau so möchte ich das aber handhaben. Die Handynummer, die O’Grady angerufen hat, gehört einer zweiundzwanzigjährigen Bewohnerin von Georgetown, Caroline Lieber. Sagt dir der Name etwas?«

Stamper schüttelte den Kopf.

»Ms Lieber ist die jüngste Tochter von Jack Lieber, einem Immobilienmagnaten. Weiß jemand etwas über Jack Lieber?«

Reznick und Stamper zuckten beide mit den Schultern.

»Jack Lieber ist der größte Einzelspender des Präsidenten in New York City. Und seine Tochter ist eine ehemalige Praktikantin im Weißen Haus.«

Reznick spürte, wie sich sein Herzschlag beschleunigte. »Okay, jetzt haben wir etwas, womit wir arbeiten können. Wir müssen uns in ihrem Leben umsehen und zwar gründlich.«

Kapitel 3

Die Morgensonne warf lange Schatten über die Straße, als der Geländewagen, in dem Reznick, Stamper und die Bundesagenten saßen, eine begrünte Straße im Stadtteil Georgetown in Washington, D.C., entlangfuhr. Die Temperatur auf dem Armaturenbrett zeigte 35 Grad an. Auf beiden Seiten der Straße reihten sich elegante Häuser und Luxusautos aneinander, und auf den Bürgersteigen herrschte reges Treiben.

Sie bogen rechts in den Volta Place Northwest ein und hielten vor einem eleganten Stadthaus. Vom zweiten Stock wehte eine amerikanische Flagge und flatterte in der leichten Brise.

Reznick stieg zuerst aus, und Stamper folgte ihm. Reznick spürte, wie ihm der Schweiß den Rücken hinunterlief, sobald er aus dem klimatisierten Fahrzeug in die brütende Hitze trat.

»Verdammt, ist das heiß«, sagte Stamper. Er wischte sich mit dem Handrücken über die Stirn und rückte seine Krawatte zurecht. »Okay, überlassen Sie mir das Reden.«

»Meinetwegen«, sagte Reznick, und sie stiegen die Außentreppe hinauf. Stamper klopfte dreimal kräftig an die Tür, räusperte sich und sah sich um, während er auf eine Antwort wartete. »Angeblich wohnt sie hier mit drei anderen Studentinnen von Georgetown.«

Reznick nickte, sagte aber nichts. Er fühlte sich bereits frustriert über das Vorgehen nach Vorschrift.

Stamper klopfte erneut, diesmal fünfmal, und klingelte mehrmals.

»Wer ist da?«, fragte zaghaft eine Frauenstimme hinter verschlossener Tür.

»FBI, Ma’am. Machen Sie auf.«

»Worum geht es?«

»Können Sie uns reinlassen, Ma’am? Wir müssen mit Caroline Lieber sprechen.«

»Sie ist nicht da.«

Stamper verdrehte die Augen. »Ma’am, können Sie bitte aufmachen? Wir müssen mit Ihnen sprechen, wenn sie nicht da ist.«

»Hören Sie, ich weiß nicht, wer Sie sind. Ich würde es vorziehen, Fremden nicht die Tür zu öffnen.«

»Wir sind das FBI, Ma’am.« Er hielt seinen Ausweis an das Guckloch. »Überzeugen Sie sich selbst.«

»Mr Stamper, wie kann ich sicher sein, dass der echt ist?«

Stamper hielt die Gerichtspapiere hoch. »Darin steht, dass wir die Befugnis haben, dieses Grundstück zu betreten und Frau Lieber oder die Bewohner zu befragen. Dies ist ein Gerichtsbeschluss, Ma’am. Wenn Sie uns weiterhin behindern, sind wir gezwungen, die Tür aufzubrechen, um uns Zutritt zu verschaffen. Können Sie also bitte aufmachen, damit wir drinnen mit Ihnen sprechen können?«

Es dauerte eine ganze Weile, dann hörte man, wie die vorgelegte Kette abgenommen wurde und die Schlösser sich drehten. Dann wurde die Tür einen Spalt weit geöffnet. Ein Mädchen mit eingefallenen Augen und unordentlichem blondem Haar zog die Kordel ihres rosafarbenen Morgenmantels eng um die Taille. Es sah aus, als läge das Make-up der letzten Nacht noch auf ihrem Gesicht, unter ihren Augen waren dunkle Schatten.

Stamper zeigte wieder seinen Ausweis. »Glauben Sie uns jetzt, dass wir vom FBI sind, Ma’am?«

Das Mädchen betrachtete den Ausweis einige Augenblicke lang, bevor sie sich mit der Hand durch ihr zerzaustes Haar fuhr. »Tut mir leid, ich wollte kein Risiko eingehen. Bitte kommen Sie herein.« Sie öffnete die Tür weit, und Stamper sowie Reznick folgten ihr durch den Flur in eine hell erleuchtete Küche.

»Tut mir leid, dass ich Sie störe«, sagte Stamper. »Sind Sie allein hier?«

»Ja.«

»Wissen Sie, wo Ms Lieber ist?«

Das Mädchen zuckte mit den Schultern. »Ich weiß es nicht. Vielleicht ist sie bei einer Freundin aus der Klasse.«

»Sie wissen es also nicht genau?«

Das Mädchen zuckte mit den Schultern. »Hören Sie, ich weiß nicht viel über Caroline. Worum geht es hier?«

»Sagen Sie, wann haben Sie das letzte Mal mit Caroline gesprochen?«

»Geht es ihr gut?«

»Bitte beantworten Sie die Frage.«

»Caroline? Ich habe gestern Morgen mit ihr gesprochen.«

»Gibt es jemanden, dem sie nahesteht oder dem sie sich anvertraut?«

»Sie kommt aus New York City, daher sind ihre engsten Freunde alle dort ansässig. Sie bleibt eigentlich eher für sich.«

Stamper lächelte. »Haben Sie etwas dagegen, wenn wir uns umsehen?«

»Ehrlich gesagt, ja.«

»Oh, warum?«

»Es ist nur so, dass ... nun, der Mietvertrag läuft auf Carolines Namen. Ich fände es nur besser, wenn sie hier wäre, bevor Sie das Haus auf den Kopf stellen.«

»Wir haben einen Durchsuchungsbefehl für das Haus, falls nötig.«

Das Mädchen errötete und schloss die Augen. »Es ist nur so ...«

»Ist alles in Ordnung, Ma’am?«, fragte Stamper. »Ist Ihnen unbehaglich zumute, weil wir die Durchsuchung durchführen werden und Sie ganz allein im Haus sind, ist es das?«

Das Mädchen verzog das Gesicht. »Es ist nur so, dass ... Es wäre mir lieber, wenn Sie es nicht tun.«

Das Knarren einer Bodendiele über ihren Köpfen.

Reznick war die Treppe hinauf, bevor Stamper etwas sagen konnte. Ein dünner Kerl ging über den Treppenabsatz in Richtung Badezimmer. »Keine Bewegung, Junge!«

Der Junge erstarrte.

Reznick packte ihn am Kragen und zog ihn die Treppe hinunter. Der Junge zitterte.

»Ich dachte, Sie wären allein?«, fragte Reznick und starrte das Mädchen an. Sie biss sich auf die Unterlippe. »Er soll doch nicht hier übernachten.«

Reznick drehte sich zu ihm um. »Leeren Sie Ihre Taschen aus.«

Der Junge hatte Tränen in den Augen, als er einen Würfel Haschisch aus seiner Hosentasche holte.

»Sie wollten das im Klo runterspülen, oder?«

»Mann, das ist nicht meins.«

Reznick trat vor. »Ich werde Sie jetzt abtasten. Sie haben doch keine scharfen Gegenstände in Ihren Taschen, oder?«

»Auf keinen Fall.«

»Denn wenn es so ist und ich mich schneide, bekommen Sie einen Haufen Ärger. Keine Spritzen oder Messer?«

»Ganz bestimmt nicht.«

»Ich hoffe es nicht, um Ihretwillen.« Reznick klopfte ihn ab und leerte die anderen Taschen des Jungen aus. »Er ist sauber.«

Stamper zeigte auf das Wohnzimmer. »Setzen wir uns dorthin.« Das Mädchen und der Junge nickten beide, gingen hinein und setzten sich auf ein großes schwarzes Ledersofa. Stamper setzte sich ihnen gegenüber, aber Reznick blieb mit verschränkten Armen an der Tür stehen.

»Okay, es wird so ablaufen«, sagte Stamper und beugte sich mit gefalteten Händen vor. »Sie kooperieren mit uns, und wir werden alle gut miteinander auskommen. Also, das Wichtigste zuerst: Wo ist Carolines Zimmer?«

Das Mädchen sagte: »Erster Stock, auf der rechten Seite.«

Reznick machte sich auf den Weg nach oben und sah sich flüchtig um. Das Schlafzimmer war aufgeräumt und duftete frisch, mit weißen Rosen in einer Vase am Fenster. Zwei kleine rosafarbene Teddys saßen auf der weißen Bettdecke des Doppelbetts. Der große Schreibtisch war über und über mit gelben Haftnotizen beklebt, wahrscheinlich für Aufsätze, die sie schreiben musste. Ein deckenhohes Bücherregal mit Hunderten von Büchern: Jane Austen, Henry James, Plato, Biografien von Churchill, George W. Bush und Condoleezza Rice und etwas P.J. O’Rourke. Er öffnete den Kleiderschrank und sah, dass ihre Kleider ordentlich aufgehängt und ihre Schuhe auf dem Boden hingestellt waren. Er durchstöberte einen Nachttisch. Seidenhöschen, BHs und Gott weiß was.

Er ging wieder nach unten. »Sie ist Studentin, richtig?«

Das Mädchen nickte. »Politik, ja.«

»Und wo ist der Laptop, das iPad und all das Zeug?«

Das Mädchen biss sich auf die Unterlippe. »Ihr iPhone hat sie Tag und Nacht bei sich, und ich weiß, dass sie auch ein MacBook Pro in ihrem Zimmer hat. Haben Sie es übersehen?«

Reznick schüttelte den Kopf. »Es ist nicht da.«

»Das ist seltsam. Gestern Morgen, als sie wegging, war es noch da, denn sie bat mich, es auszuschalten. Sie musste eilig los. Sie sagte, sie käme irgendwann heute Nachmittag zurück.«

Der junge Mann räusperte sich. »Darf ich fragen, worum es hier geht?«

Reznick zeigte auf ihn. »Sie reden nur, wenn man Sie anspricht.«

Stamper sah das Mädchen an. »Um wie viel Uhr ist sie gegangen?«

»Gegen neun. Ich glaube, sie war spät dran. Es war kurz bevor ich zum Unterricht ging.«

»Wann sind Sie hierher zurückgekehrt?«

»Ich bin gestern kurz nach 5 Uhr allein zurückgekommen.«

»War der Computer noch da?«

»Ich weiß es nicht – ich habe nicht nachgesehen.«

»Und was haben Sie gemacht, nachdem Sie nach Hause gekommen sind?«

»Ich habe uns etwas zu essen gemacht, und Matt kam kurz nach neun mit einer Flasche Wein vorbei.«

Stamper blies seine Wangen auf und rutschte auf seinem Sitz herum. »Sagen Sie mir alles, was ich über Caroline Lieber wissen muss. Ist es normal, dass sie irgendwo bei Freunden übernachtet?«

»Ab und zu, sicher.«

»Bei wem bleibt sie?«

Das Mädchen runzelte die Stirn und zuckte mit den Schultern. »Ich weiß es nicht. Wie ich schon sagte, wir hatten nicht viel miteinander zu tun.«

»Das ist jetzt sehr wichtig. Ist in der letzten Woche irgendetwas passiert, was Ihnen seltsam vorkam oder was Caroline für seltsam hielt? Irgendetwas Ungewöhnliches. Was ist mit Typen, mit denen sie sich trifft? Vielleicht mit jemandem aus ihrer Klasse?«

Der junge Mann fuhr sich mit den Händen durch sein Haar. »Hören Sie, ich weiß nicht, was das hier mit mir zu tun hat.«

Stamper starrte den Jungen durchdringend an. »Hier ist ein kleiner Ratschlag. Wenn Bundesagenten auftauchen und Sie mit Hasch erwischt werden, haben Sie einiges zu erklären. Auf den einfachen Besitz einer kontrollierten Substanz steht bei der ersten Verurteilung eine Höchststrafe von hundertachtzig Tagen Gefängnis, ganz zu schweigen von einer Geldstrafe von tausend Dollar. Wie auch immer, wenn Sie die Klappe halten, kann ich vergessen, dass ich Ihren kleinen Geheimvorrat gesehen habe. Können Sie mir folgen?«

Das Mädchen nahm mit Tränen in den Augen die Hand des Jungen. »Wir wissen, was Sie sagen wollen.« Sie schloss die Augen, als würde sie sich den Kopf zerbrechen. »Da war ein Mann.«

Stamper nickte.

»Ja, vor ein paar Tagen hat ein Typ angerufen und nach Caroline gefragt. Ein älter klingender Typ.«

»Ein Typ hat angerufen? Hatte er einen Namen?«

»Ich ging ans Telefon. Er nannte keinen Namen. Er sagte, er wolle dringend mit Caroline sprechen.«

»Okay ...«

»Caroline sagte, er sei ein alter Widerling und belästige sie. Sie sagte, ich solle ihm sagen, sie sei nicht zu Hause. Er legte auf.«

Reznick fragte sich, ob das O’Grady gewesen war, der Kontakt zu Caroline Lieber aufnehmen wollte. Er wechselte einen kurzen Blick mit Stamper, der nickte und die Verbindung offensichtlich erkannt hatte.

»Hat der Typ sonst noch etwas gesagt?«, fragte Stamper.

»Er sagte nur, dass er dringend mit Caroline sprechen müsse ... Er habe Informationen für sie.«

»Welche Art von Informationen?«

»Das hat er nicht gesagt.«

»Und der Kerl hat seinen Namen nicht genannt?«

»Nein. Ich habe Ihnen alles gesagt.« Das Mädchen begann zu schluchzen. »Können Sie seine Stimme beschreiben?«

Sie tupfte sich die Augen ab. »Er sprach langsam, sehr bedächtig, als achte er darauf, was er sagte.«

Stamper lächelte, als wolle er sie beruhigen. »Sie sind uns wirklich eine große Hilfe. Nur noch ein paar Fragen.«

Das Mädchen seufzte.

»Hat Caroline jemals mit Ihnen über ihr Praktikum im letzten Sommer gesprochen?«

»Ja.«

»Und was hat sie gesagt?«

»Sie sagte, es seien Vierzehnstundentage gewesen, aber ein faszinierender Einblick in diese Welt. Diplomaten, Politiker, Capitol Hill, all das. Sie liebte es, aber sie sprach nicht weiter darüber. Sie bat mich, mit niemandem darüber zu sprechen. Sie ist sehr diskret.«

»Ich verstehe. Haben ihre Eltern sie jemals hier besucht?«

»Nicht einmal. Sie ging regelmäßig nach New York zurück, meist an einem Freitag am Ende des Monats.«

»Um auf den Laptop zurückzukommen – haben Sie eine Ahnung, was damit passiert ist?«

»Ich habe keine Ahnung, es sei denn, Caroline wäre tagsüber hier gewesen, um ihn zu holen. So muss es wohl gewesen sein.«

Der junge Mann sagte: »Sie erwähnten vorhin etwas über etwas Ungewöhnliches in der letzten Woche oder so.«

Stamper nickte. »Erinnern Sie sich an etwas?«

»Ich weiß nicht, ob es etwas zu bedeuten hat, aber ich erinnere mich, dass Caroline vor einer Woche geheult und geflennt hat. Irgendein Kerl hatte sie gerade abserviert.«

»Irgendein Kerl ... Was für ein Kerl?«

Der Junge verzog das Gesicht und sah seine Freundin an. »Was sagte sie noch, wie er hieß?«

»Adam.«

Der Junge nickte. »Ja, genau. Adam hatte mit ihr Schluss gemacht.«

Stamper räusperte sich. »Dieser Adam war also ein Freund von ihr. Haben Sie ihn kennengelernt?«

Der Mann schüttelte den Kopf.

»Keiner von uns hat das«, sagte das Mädchen. »Caroline erzählte uns, dass sie sich seit dem Sommer mit diesem Mann trifft. Sie war glücklich. Aber dann hat er mit ihr Schluss gemacht.«

Stamper stand auf. »Hören Sie, es ist sehr wichtig, dass Sie uns alles erzählen, was Sie wissen. Sie müssen sich wirklich konzentrieren und sich alles ins Gedächtnis rufen, was Sie über diesen Adam wissen.«

Der Junge begann mit den Fingern zu schnippen. »Sie sagte, dass er nicht auf ihre Anrufe im Krankenhaus reagierte, als sie ihn anrief.«

»Krankenhaus? Ein Krankenhaus hier in D.C.?«

Der Junge zog eine Grimasse. »Ehrlich? Ich weiß es wirklich nicht. Das ist alles, woran ich mich erinnere.«

Stamper nickte. »Ich werde ein paar Leute aus meinem Team holen und mich in Carolines Zimmer und dem Rest des Hauses umsehen, wenn Sie einverstanden sind.«

Das Mädchen zuckte mit den Schultern. »Okay, natürlich.«

Stamper überreichte ihr eine Karte und bedankte sich bei den beiden für ihre Hilfe, dann folgte er Reznick aus dem Haus und in die sengende Hitze.

Nachdem Stamper ein dreiköpfiges FBI-Team zu einer gründlichen Durchsuchung des Stadthauses gerufen hatte, setzte Reznick sich wieder auf den Beifahrersitz des Geländewagens, während Stamper auf den Fahrersitz rutschte, sich anschnallte und den leitenden NSA-Computerexperten anrief, der dem Sonderzugangsprogramm zugeteilt war. Er verlangte, dass alle wiederkehrenden Anrufe aus dem Festnetz und von Carolines Handy in den Großraum D.C. markiert und analysiert wurden. Innerhalb von zehn Minuten war der NSA-Mann wieder am Telefon, und es war klar, dass Caroline Lieber mehrfach mit dem Georgetown University Hospital telefoniert hatte.

»Das wird dann unsere nächste Station sein«, sagte Reznick.

Stamper runzelte, tief in Gedanken versunken, die Stirn. Er machte noch einen Anruf. »Hi, Lenny. Hier ist Roy Stamper. Die Personalabteilung des Georgetown University Hospital – ich muss wissen, wo sie zu finden ist.« Eine lange Pause. »Arlington? Okay, verstanden.« Er beendete das Gespräch und wandte sich an Reznick. »Fünfzehnte Straße Nord, Arlington.«

Reznick nickte.

Stamper drehte den Zündschlüssel und sie fuhren los.

Zehn Minuten später lotste das GPS des Geländewagens sie in die Parkgarage eines großen Glasgebäudes.

Reznick und Stamper fuhren mit dem Aufzug in den dritten Stock und gingen einen Korridor entlang zu einem Empfangsbereich.

Stamper ließ seinen Ausweis aufblitzen und setzte sein bestes FBI-Lächeln auf.

»Guten Morgen, Ma’am. Ich bedaure, Sie stören zu müssen, aber es geht um eine dringende Angelegenheit. Ich würde gern die Vizepräsidentin der Personalabteilung, Ms Wendy Greninger, sprechen.«

»Haben Sie einen Termin?«

Stamper sah auf ihr Namensschild. »Leider nein, Christine. Aber das ist normalerweise kein Problem für uns.«

»Einen Moment.« Sie rief ihre Chefin an und nahm den Hörer ab. »Ja, zwei Herren vom FBI möchten Sie sprechen, Ms Greninger.« Ein kurzes Nicken, dann legte sie auf und wies auf eine Tür gegenüber. »Sie haben Glück. Sie ist im Schulungsraum.«

Stamper lächelte. »Ganz herzlichen Dank.«

Die Empfangsdame lächelte zurück und errötete, als Reznick höflich nickte. Sie gingen zur Tür des Schulungsraums, und Reznick legte Stamper die Hand auf die Schulter. »Ich wusste gar nicht, dass Sie so einschmeichelnd reden können, Roy.«

Stamper stöhnte. »Verschonen Sie mich, Reznick.« Er räusperte sich und klopfte zweimal an die Tür.

Eine Stimme von drinnen rief: »Herein!«

An einem Laptop arbeitete eine Frau in einem eleganten, dunkeloliven Anzug. Sie stand auf und schüttelte ihnen die Hand.

»FBI, Ma’am. Ich weiß es zu schätzen, dass Sie uns unangemeldet empfangen.«

Die Frau nickte. »Gar kein Problem. Wie kann ich Ihnen helfen, meine Herren?«

Stamper schilderte, dass sie nach einem Mann namens Adam suchten, der möglicherweise im Krankenhaus arbeitete, und dass sie gerne Zugang zu den Krankenhausunterlagen hätten.

»Ich verstehe«, sagte sie. »Können Sie mir sagen, worum es geht?«

»Es steht mir nicht frei, darüber zu sprechen, Ms Greninger. Wir hoffen, dass wir mit der Kooperation und dem Einverständnis des Krankenhauses ein paar Fakten herausfinden können, und dann machen wir uns wieder auf den Weg.«

»Das muss ich erst mit unserem CEO besprechen.«

»Ausgezeichnet, danke.«

Greninger nahm den Hörer ab und wählte eine Nummer. Das Gespräch zog sich ein paar Minuten hin, während sie dem Geschäftsführer die Situation erklärte. Schließlich sagte sie: »Ich weiß das zu schätzen«, und beendete das Gespräch.

Sie lächelte Stamper an. »Vermutlich wollen Sie eine Liste mit allen, die Adam heißen und im Krankenhaus arbeiten? In welcher Funktion auch immer?«

»Ob Vollzeit, Teilzeit, Arzt, Hausmeister, Büroangestellter, Krankenpfleger ... und auch ihre Adressen und Kontaktnummern.«

Greninger stand auf. »Warten Sie hier.«

Weniger als eine Viertelstunde später kam sie mit einem Ausdruck zurück. »Es gibt fünf Adams, die bei uns beschäftigt sind«, sagte sie. »Alle ihre Details sind hier.« Sie sah Reznick an. »Waren Sie früher im Militär?« Reznick sagte nichts.

»Ich sehe es Ihnen an. Ich habe gedient, vor vielen Jahren. Militärischer Geheimdienst.«

Stamper nahm die Liste. »Danke, Ms Greninger. Wir wissen Ihre Mithilfe sehr zu schätzen.«

»Wenn Sie sonst noch etwas brauchen, können Sie sich gerne an mich wenden.«

Stamper sagte: »Eine letzte Sache. Wir würden es begrüßen, wenn dieses Gespräch nicht über diese vier Wände hinausginge.«

Greninger nickte. »Das ist selbstverständlich und wird kein Problem sein.«

Sie gingen zum Parkhaus und stiegen in den Wagen.

Stamper überflog schnell die Namen und wählte die Nummer eines seiner Mitarbeiter. »Josie – Roy hier. Ich habe fünf Namen. Ich möchte, dass Sie sie so schnell wie möglich durchs System laufen lassen. Ich brauche den Adam, der im Krankenhaus arbeitet und der als Freund taugt für ein reiches New Yorker Mädchen, das in D.C. studiert.« Er nickte. »Ganz genau. Durchsuchen Sie die Handydaten von allen. Halten Sie mich auf dem Laufenden.«

Stamper beendete das Telefonat und sie fuhren zurück nach D.C., wo sie in Martin’s Tavern in Georgetown zu einem Brunch mit Rührei, Röstis, Toast und Kaffee einkehrten. Nachdem sie gegessen hatten, schickte Stamper Meyerstein eine E-Mail mit einem Update.

Ein paar Minuten später klingelte sein Handy. »Ja.« Er hörte ein paar Minuten lang aufmerksam zu. Schließlich ergriff er das Wort: »Einer ist langzeitkrank, einer macht ein Sabbatjahr in Indien und einer ... macht was?« Er nickte. »Einer geht nächstes Jahr in den Ruhestand, fünfundsiebzig Jahre alt ... Okay, dann bleiben ...?« Er nickte wieder. »Vergessen Sie den Hausmeister. Ich interessiere mich für den Arzt. Es gibt Protokolle darüber, dass sie mit seiner Abteilung gesprochen hat, ist das richtig?« Eine Pause. »Das ist er. Kratzen Sie alles zusammen, was wir über ihn haben. Bis bald.« Er steckte sein Handy in seine Tasche. »Interessant.«

»Haben Sie jemanden?«

»Wir glauben, ja. Er wohnt keine zwei Minuten von hier entfernt.«

Kapitel 4

Die Straße durch den Wald war menschenleer, als die Scheinwerferlichter von Adam Fords Auto die einspurige Straße vor ihm streiften. Glühwürmchen prallten von seiner Windschutzscheibe ab. Er warf einen Blick in den Rückspiegel und sah die Silhouetten der Männer, die ihn beschatteten, im Auto hinter ihm. Er war meilenweit von der Zivilisation entfernt, irgendwo abseits der Route 40, in den Ausläufern der Blue Ridge Mountains im Südwesten Virginias.

Je mehr Kilometer er zurücklegte, desto mehr fragte er sich, was für eine Prüfung sie für ihn bereithielten.

Die Scheinwerfer hinter ihm blinkten. Das war das Signal, dass er die nächste rechts abbiegen sollte.

Ford entdeckte ein selbst gebautes Holzschild mit einem Pfeil, und er fuhr etwas mehr als drei Meilen auf einer unbefestigten Straße, bis er eine Lichtung erreichte. Ein Mann mit fluoreszierenden Leuchtstäben führte ihn nach links zu einer Baumgruppe. Er warf einen Blick in den Rückspiegel und bemerkte, dass seine Schatten nicht mehr da waren.

Sein Magen knurrte, als er den Geländewagen abstellte. Zwei maskierte Männer, schwarz gekleidet und mit Maschinenpistolen bewaffnet, kamen auf ihn zu.

»Raus aus dem Auto«, sagte einer gedehnt.

Ford stellte den Motor ab und stieg aus dem Fahrzeug aus. Derselbe Mann trat vor und tastete ihn ab. Dann wurde ein elektronischer Stab über seinen Körper geführt.

»Er ist sauber.« Der Mann neigte den Kopf in Richtung eines unbefestigten Feldwegs. »Folgen Sie mir.«