Hauptsache Weihnachten - Alica H. White - E-Book

Hauptsache Weihnachten E-Book

Alica H. White

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Beschreibung

Keine Lust auf Winter, aber Hunger auf Lebkuchen? Hier ist der passende Roman dazu. Leonie kann ihr Glück nicht fassen, als sie in der Radioshow »Sommerfeeling« eine Reise für zwei nach Hawaii gewinnt. Endlich kann sie dem schmuddeligen Weihnachtswetter entfliehen. Als sie ihrem Verlobten die tolle Nachricht überbringen will, erwischt sie ihn in Flagranti mit einer Kundin. Damit ist die gemeinsame Reise für sie zur Singlereise geworden. Auf dem Weihnachtsmarkt, wo sie ihren Liebeskummer zu ertränken versucht, begegnet sie Keanu, der mit einer Engelsgeduld auf sie aufpasst und sie umsorgt. Könnte er eine Begleitung für die Reise sein, vielleicht sogar mehr? Oder soll sie sich besser doch nicht so überstürzt von ihren Heiratsplänen verabschieden?   Romantische Komödie, weihnachtlich gewürzt, zuckersüß und absolut kalorienfrei. Harmoniert zusammen mit den ersten Lebkuchen, kann aber auch außerhalb der Weihnachtszeit gelesen werden.   Mit einem Preis, günstiger als das Weihnachtsgebäck, wird er länger genossen und setzt sich garantiert nicht auf den Hüften ab.       Leserstimmen: ++Ein Roman wie Urlaub. (Maria Heine)++ ++Ein Wahnsinns-Buch, einfach der Hammer! Von Anfang bis zum Ende Spannung, Romantik, Erotik (Karoline Holececk)++ ++ Ich kann nur sagen: ein ganz tolles Buch! Humorvoll, einfallsreich und super geschrieben. Weihnachten kann kommen! (Lizzy Colt)++        

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Alica H. White, Mia Benton

Hauptsache Weihnachten

Eine Lebkuchen-Love-Story auf Hawaii

Für alle, die sich nur schwer vom Sommer verabschieden können.Elaria81371 München

Vorwort

Die Liebe verläuft niemals nach Plan

Kapitel 1

»Wenn Sie diese Frage beantworten können, geht es für Sie und eine Begleitperson an Weihnachten für zehn Tage nach Hawaii.« Mit diesen Worten lässt der Quizmoderator der Sendung ›Sommerfeeling‹ die Spannung steigen. »Sind Sie bereit?«

»Ja, klar«, antworte ich ungeduldig. Gut, dass man mich im Fernsehen nicht sehen kann, denn ich rutsche zappelig auf meinem Sessel hin und her. Es ist aber auch vergleichbar mit einem Sechser im Lotto, dass ich für die Zuschauerfrage bei diesem Reisequiz teilnehmen darf. Diese Chance möchte ich mir auf keinen Fall vermasseln.

»Na dann«, heizt der Moderator, Günter Schlauch, meine Erwartung weiter an. Dass diese Quiztypen den Spannungsteil auch immer so in die Länge ziehen müssen. Nervös beiße ich auf meine Fingernägel, als ein Knacken durch die Leitung kommt.

»Was sagen die Hawaiianer, wenn sie den Daumen und den kleinen Finger nach oben und die restlichen drei nach unten halten und gleichzeitig die Hand drehen?« Der Moderator formt die Hand wie beschrieben, sodass sie wie eine Gabel aussieht.

Gut, dass ich mich ein wenig mit dem absoluten Traumziel am anderen Ende der Welt auseinandergesetzt habe. Diese Frage kann ich beantworten. »Hang Loose«, antworte ich sicher. »Das bedeutet so viel wie ›entspann dich mal‹.«

Die Gewinnmelodie erklingt. »Genau«, antwortet Günter Schlauch überschwänglich. »Damit haben Sie auch gleich die zweite Frage beantwortet. Ich denke, diese Reise haben Sie sich redlich verdient.«

Eine geballte Mischung Adrenalin und Endorphine durchfluten meinen Körper. Die warme Glückswoge schwappt mit einem: »Da bin ich aber froh, dass ich nicht auf dem Schlauch gestanden habe« aus meinem Mund.

Erst als der Moderator pikiert sein Gesicht verzieht, fällt mir sein Name wieder ein. Typisch für mich: Wo kein Fettnäpfchen ist, stelle ich schnell eins hin, um hineinzutreten. Ich schüttle den Kopf. Unbegreiflich, dass ich diesmal tatsächlich gewonnen habe.

Ein Sendermitarbeiter notiert noch schnell meine Adresse für die Reiseunterlagen, dann mache ich mich auf, die neue Botschaft Till zu überbringen. Er ist mein Verlobter und Geschäftspartner.

Zusammen haben wir uns ein kleines Marketing-Unternehmen aufgebaut. Ich mache alles, was mit dem Druck zu tun hat, Grafiken und Texte. Er kümmert sich um die Kundenakquise und die Zahlen. Das war angesichts der Mordskonkurrenz in dieser Branche eine Heidenarbeit. Wir beide sind schon lange urlaubsreif.

Auf dem Weg zu unserer kleinen Firma muss ich über den Weihnachtsmarkt. Am ersten Advent war es dort himmlisch. Schön kalt, der Glühwein schmeckte hervorragend und wärmte die vom Schnee gekühlten Füße. Heute, am Samstag vor dem vierten Advent, ist das Wetter wieder einmal umgeschlagen. Dreizehn Grad und Nieselregen – typisches deutsches Weihnachtswetter.

Der Weihnachtsmarkt ist trotzdem voller Leute. Viele amüsieren sich auf der künstlichen Eisbahn. Manche müssen sich das Wetter ›schön trinken‹. Na ja, ich werde hier mit Till sicher auch gleich feiern gehen.

Als ich die kleine Druckerei betrete, ist es merkwürdig still. Wo ist denn nur Till? Er wollte sich doch mit Merle Meier, der Besitzerin einer Kette Nagelstudios, treffen. Plötzlich dringt ein Kichern aus dem Büro. Ah, sie werden sich noch besprechen.

Nur kurz klopfe ich, um sofort ins Büro zu treten. Was ich da sehen muss, lässt schlagartig alles Blut aus meinem Kopf sacken, um sich im Magen als riesiger Klumpen zu ballen und mir den Atem zu rauben. Meine Knie werden weich.

Tills Firmenslogan lautet: ›Nah am Kunden‹. Was ich nicht wusste: Er ist verdammt nah am Kunden. Zu nah, für meinen Geschmack. Sein Hemd ist aufgeknöpft, die Hose heruntergelassen. Das Fräulein Meier sitzt mit gespreizten Beinen auf meinem Schreibtisch. Auch ihre Bluse ist aufgeknöpft, die Möpse hüpfen frech heraus. Sie sind prall und stramm wie zwei Soldaten – garantiert silikongepimpt.

Mir wird übel.

»Kannst du nicht anklopfen?«, schnauzt Till ungehalten. Er versucht gar nicht erst, seine Hose hochzuziehen, sondern sieht mich wütend an, als ob ich etwas Ungehöriges getan hätte. Von schlechtem Gewissen keine Spur.

»Ich wusste ja nicht …«, stottere ich und muss schlucken. Der dicke Klumpen aus dem Magen steigt bis in die Kehle, ich bekomme kein Wort heraus. Ich finde, er könnte wenigstens: »Es ist nicht so, wie es aussieht« sagen.

Fräulein Meier wirft seelenruhig ihr rotes Haar nach hinten, bevor sie sich zu mir umdreht. Sie mustert mich herablassend. Mit geballten Fäusten halte ich ihrem Blick stand. Mein Blut steigt langsam wieder in den Kopf, der jetzt zu platzen droht. Ich habe das Gefühl, dass meine Augen aus den Höhlen treten. Vor Wut bekomme ich immer noch kein Wort heraus.

»Ich glaub, ich lasse euch jetzt besser allein, damit ihr reden könnt«, murmelt sie und schlüpft vom Schreibtisch. Ihre High Heels klacken auf dem Fliesenboden, als sie dort landen. Lässig zupft sie ihren Rock herunter, um anschließend ungerührt den Vorbau wieder zu verhüllen.

»Nein warte!«, ruft Till. »Ich wollte schon lange mit Leonie reden.«

Fräulein Meier stutzt. »Wolltest du? Ich dachte, das hättest du schon?«

»Mit mir reden? Ich glaube, da gibt’s nichts mehr zu reden«, presse ich hervor und drehe auf der Hacke um. Wutschnaubend verlasse ich die Firma. Da hat mir der Weihnachtsmann ja eine schöne Überraschung beschert! Mein Gehirn wird nur noch von einem Gedanken beherrscht: bloß weg hier!

Jetzt ist die andere Seite des Erdballs gerade genau der Abstand, den ich brauche. Allerdings werden die Reiseunterlagen nicht vor Dienstag eintreffen.

 

Herr, lass es schnell Dienstag werden!

Dass Till noch nicht einmal den Anstand hat, hinter mir herzulaufen, lässt meine Empörung noch weiter wachsen. Der wird mich so schnell nicht wiedersehen. Wütend streife ich meinen Verlobungsring vom Finger und stecke ihn in die kleine Tasche meiner Jeans. Den muss ich aufbewahren, damit ich ihn ihm demnächst vor die Füße knallen kann.

Irgendwie muss ich runterkommen, von der Palme.

Palmen … hawaiianische Palmen, daran sollte ich jetzt lieber denken. Irgendwo hier auf dem Markt ist doch ein Stand mit Fruchtpunsch. Ananaspunsch, mit jeder Menge Rum und Sahne. Das wäre jetzt genau das Richtige, um mich in Stimmung zu bringen.

Der Markt ist inzwischen noch voller geworden – die Leute auch. Irgendwo dudelt ständig Weihnachtsmusik und lullt einen ein – oder auch nicht, wenn man zu dicht am Lautsprecher steht. Zielstrebig steuere ich den Punsch-Stand an und bestelle den ersehnten Ananaspunsch.

Während ich darauf warte, dass ich an die Reihe komme, sehe ich mir den Wagen erst mal richtig an. Er macht direkt Lust auf Weihnachten unter tropischer Sonne – seine Dekomotive bestehen aus Fotos von tropischen Früchten vor einer Strandlandschaft mit blauem Himmel. Ein paar Tannenzweige mit kleinen Lichtern und Weihnachtskugeln zaubern Weihnachtsstimmung. Im Sommer wird aus diesem Wagen sicher im Handumdrehen eine Cocktailbar. Unwillkürlich muss ich seufzen.

»Einen Ananaspunsch. Bitte mit einer doppelten Portion Rum«, bestelle ich bei einer wissend grinsenden Bedienung.

»So, hier bitteschön, einmal mit doppelt Rum die Dame«, murmelt die ältere Frau mit der Reibeisenstimme und stellt mir das heiß ersehnte Getränk hin. Vorsichtig puste ich ein wenig, bevor ich von der sahnig-süßen Flüssigkeit nippe. Es schmeckt einfach köstlich – nach mehr. Deswegen bestelle ich gleich ein zweites Glas.

Erst jetzt bemerke ich, wie einsam ich bin. Alle anderen Leute auf diesem Markt scheinen als Pärchen oder in Grüppchen da zu sein. Schon wieder muss ich seufzen und nehme erst mal einen kräftigen Schluck. Das Wetter ist kalt genug, den Punsch schnell abkühlen zu lassen. Gleich bestelle ich mir den nächsten.

Der dritte Punsch hüllt mich in watteweich-sahnige Seligkeit. Mein Ärger ist mir fast egal geworden. Ich sollte mich lieber über meinen Gewinn freuen. Also lasse ich mich von der Deko des Wagens hypnotisieren und träume mich in die Südsee.

»Oh welch Anmut in diesem schönen Gesicht. Dein Lächeln ist so bezaubernd. Du warst bestimmt immer artig, da kann ich dir ohne Umschweife eine Zuckerstange zukommen lassen«, raunt mir ein alt aussehender Weihnachtsmann mit verdächtig junger Stimme zu. Umständlich kramt er in seinem Sack und fischt eine klassisch rot-weiß gestreifte Stange heraus.

»Ich darf nichts von fremden Männern nehmen«, versuche ich, den plumpen Anmachversuch abzuwehren.

»Habt ihr für den Weihnachtsmann noch eine kleine Stärkung?«, fragt er die faltige Bedienung. »Hab ich das schon erwähnt? Heute ist mein letzter Tag. Wir werden uns erst im nächsten Jahr wiedersehen. Ich weiß nicht, wie ich das überstehen soll.«

»Ja klar, alter Mann«, kommt es kratzig von der grinsenden Bedienung. Ohne konkrete Bestellung stellt sie ihm einen Grog hin.

»Danke«, raunt er der Bedienung zu. »Du bist ein wahrer Engel.« Sie dreht sich um und erst jetzt bemerke ich die goldenen Flügel auf ihrem Rücken. Die Aussicht auf Alkohol muss mich bisher abgelenkt haben.

»Aber sag mal«, wendet er sich wieder an mich, »müsstest du nicht auch solche Flügel auf dem Rücken haben?«

»Aber sag mal: Dürfen Weihnachtsmänner solch platte Anmachsprüche loslassen?«

Er grinst.

»Aber ja doch! Das ist schließlich eine Belohnung des Himmels, dass ich an meinem letzten Tag auf diesem Markt noch einmal so eine wunderbare Begegnung habe«, baggert der Weihnachtsmann ungerührt weiter. Seine Hartnäckigkeit gefällt mir. Sie kommt eigentlich gerade recht, kann ich mich doch so ein Stück weit für Tills Lotterleben rächen.

»Ja, es gibt Menschen, die schickt einem der Himmel«, antworte ich. Den Ellenbogen auf die Theke gestützt, ruht mein Kopf auf der Faust und ich sehe mir den Weihnachtsmann erst mal richtig an. »Möchtest du noch einen Grog?«

»Ja klar. Wer kann zu so einem Angebot schon Nein sagen«, antwortet er und mustert mich, ebenfalls den Kopf auf seine Hand gestützt.

Ich bestelle den Grog und mir einen weiteren Punsch.

»Gibst du eigentlich allen Männern einen aus, die dir ein Kompliment machen?«

»Darf der Weihnachtsmann eigentlich so frech flirten?«

»Natürlich nicht!«, sagt er entrüstet. »Er darf nur mit denen flirten, die allein am Glühweinstand stehen und so aussehen, als ob sie Trost gebrauchen könnten.«

»Soso, der Weihnachtsmann als Witwentröster.«

»Aha, Streit mit dem Mann?«

»So ähnlich«, sage ich und stürze den Rest meines alten Punschs hinunter. Die Bedienung stellt uns die gewünschten Getränke hin. Fast kommt es mir vor, als wäre sie ein bisschen eifersüchtig.

»Na dann: Prost«, sage ich und hebe den neuen Punsch in Richtung meines Weihnachtsmanns, sehe aber kurz zur Bedienung rüber.

»Prost! Aber sieh mir dabei in die Augen Kleines … sonst gibt es sieben Jahre schlechten Sex.«

»Oh … oh, ja!«, beeile ich mich, zu sagen. Wir stoßen an und sehen uns übertrieben intensiv in die Augen. »Wer will schon schlechten Sex!«

Der Weihnachtsmann grinst dreckig. Mir ist das egal. Es ergibt sich ein Flirt, der mir ungemein guttut. Wir bestellen uns gegenseitig alkoholische Getränke. Dabei bemühe ich mich redlich, dem Weihnachtsmann nicht zu viel vorzujammern. Leider gelingt das ab einem gewissen Pegel nicht mehr. Dazu fange ich eindeutig an, zu lallen. Till sagt immer, wenn ich selber merke, dass ich lalle, ist es Zeit, mit dem Trinken aufzuhören. Leider sind meine Gedanken nicht mehr klar genug, um diesen zweifellos sinnvollen Tipp noch umsetzen zu können.

»Ichhh saaag dir mal wasss … alllle Määnerr sin Scheisssse. Du hasss Glück, dassss du nuur ein Weihnachts …«, stammle ich und fange an zu schwanken. »Mannnn … bist.« Puh, rausgebracht, jetzt muss ich mich erst mal festhalten. Ups, mir wird übel.

»Eiiin Rum … puur bitte«, bestelle ich mit erhobenem Zeigefinger. »Duu auch?«, frage ich den Weihnachtsmann. »Wie heissst der Weihnachts…mann eiigntlliich mitm Vornam? … Klaus? Klaus-Dieter?«

»Keine Ahnung. Horst oder Hugo? … Oder so.«

»Horrssst?«

»Ja, Vollhorst«, kommt es plötzlich von der Seite.

Noch ein Weihnachtsmann – nein zwei. »Fuck … sooo viiiele Weihhnaa … männer.«

Der neue, doppelte Weihnachtsmann wirft mir einen kritischen Blick zu, dann sieht er zum alten Weihnachtsmann, der sich ebenso auf geheimnisvolle Weise verdoppelt hat.

»Brüderchen, du versäufst doch wohl nicht die Spenden, so wie letztes Jahr«, mahnt er.

»Iwo«, antwortet das doppelte Brüderchen. »Ich tröste nur dies Engelchen hier. Ich hab immerhin herausbekommen, dass alle Männer scheiße sind. Was soll ich dazu sagen?«

»Sii sinn nich nuuur Scheisssse … sii sinn zum Kootzzen«, ergänze ich.

»Du siehst aus, als solltest du besser etwas essen. Ich hab leider nur die Lebkuchen hier«, sagt der neue Weihnachtsmann und hält mir eine Packung hin.

»Llllebkuchn … legger«, antworte ich und gleichzeitig bricht meine Übelkeit im wahrsten Sinne des Wortes aus mir heraus. Zu spät springt der zweite doppelte Weihnachtsmann zurück und etwas von meinem Erbrochenen landet auf seinem Stiefel.

»Ohhh, Veseihuun … waruum pasiert dasss imme nuur mir?«

»Dass man betrunken kotzt? Das passiert nicht nur dir.«

»Ohhh, außerhalb der Weihhnaachsseit wooll haupberuflich Schschlaumeier? Neinnn alll das Unnglügg … immmer nuur mir«, erkläre ich mit erhobenem Zeigefinger.

»Ich glaube, du bringst deine charmante Gesellschaft jetzt besser nach Hause«, bemerkt Weihnachtsmann zwei zu Vollhorst-Weihnachtsmann.

Der schüttelt pikiert den Kopf.

»Ohhh ichhh hab gaar kein Zzzuhuusee. Ichh schlaaaf unner der Brügge … odder stürzzz mich runner … weer weisss.«

»Ich glaube, sie ist eher ein Fall für die Ausnüchterungszelle«, murmelt Vollhorst-Weihnachtsmann. »Hier liefen doch eben noch die Bullen mit den Rotkreuz-Helfern rum.«

»Ohhh dasss nennnich Daankbaakeid. Sssich frreiihaldn lassn un dennn ffffftt«, lalle ich mit einer ausladenden Handbewegung.

»Stimmt das?«, fragt Weihnachtsmann zwei Vollhorst-Weihnachtsmann.

»Sach ich dooch … alle Scheissse«, werfe ich ein.

»Na ja … ein paar habe ich auch bezahlt«, verteidigt sich Vollhorst.

»Du bist unmöglich Bro.« Weihnachtsmann zwei schüttelt den Kopf.

»Was schlägst du vor? Mit ihr kann man doch nichts mehr anfangen. Das kam schlagartig. Die verträgt nichts! Willst du sie etwa mit nach Hause nehmen? Ich jedenfalls nicht«, antwortet Vollhorst.

Wie zur Bekräftigung seiner Worte übergebe ich mich wieder, allerdings schaffe ich es diesmal bis zum Mülleimer. Kraftlos lasse ich mich auf den Boden sinken. »Maaacht euch keinne Sorgn … ich leech mich hier sum Sterbn hin … Heudde isss ein guder Tach zumm Sterbn.« Theatralisch lehne ich mich mit an den Mülleimer und lasse den Kopf hängen. Ich bin so müde! Eine gleichgültige Dunkelheit umhüllt mich.

»Hallo! Hallo Sie!« Wie durch Nebel dringt noch eine Stimme zu mir durch. Irgendetwas klatscht mir ins Gesicht. Ich habe keine Kraft mehr, um zu antworten, möchte nur noch schlafen. »Fuck!«, flucht er.

Kapitel 2

Die Sonne sticht wie Dolche in meine Augen, als ich versuche, sie zu öffnen. Aber ich muss wissen, wo ich bin und warum es mir so schlecht geht. Deshalb versuche ich es ein zweites Mal. Diesmal dringen die Dolche bis in mein Gehirn und rühren die breiartige Masse dort um. Mist, warum ist mir nur so übel? Warum ist der Kopf auf meinem schwachen Körper nur so groß, wie der Mount Everest? Warum schmerzt der Mount Everest? Wann hatte ich das letzte Mal solch ein böses Erwachen? Ich erinnere mich nicht. Oh je, ich erinnere mich an gar nichts. Was ist denn nur passiert?

»Amnesie«, murmle ich und sehe mich im Raum um. Ich befinde mich in einem Loft mit Backsteinwänden, spärlich mit alten Möbeln eingerichtet. So kunterbunt durcheinandergewürfelt stammen sie sicher alle vom Flohmarkt. Hier war ich noch nie, jedenfalls kann ich mich nicht erinnern. Es ist kalt, ich ziehe die Decke ein Stückchen über meinen Körper. Dabei fällt mir auf, dass ich bis auf BH und Unterhose nackt bin. Mein Gott, das wird ja immer schöner!

Krampfhaft versuche ich, mich noch einmal zu erinnern, aber mein Kopf verweigert weiter jede Auskunft. Auf dem kleinen Tisch vor meinem Sofa steht ein Glas mit einer klaren Flüssigkeit, daneben eine Rolle Aspirin. Ob das Wasser ist? Ich nehme es und rieche daran. Es ist höchstwahrscheinlich Wasser. Ein kleines Nippen bestätigt meinen Verdacht. Instinktiv nehme ich ein paar Schlucke von dem Getränk. Es mildert ein klein wenig diesen höllischen Durst.

Im restlichen Inhalt des Glases löse ich eine Aspirin auf. Nachdenklich betrachte ich die tanzende Brausetablette und spüre, wie mir die Blasen beim Aufsteigen winzige Wassertröpfchen ins Gesicht schleudern. Langsam klärt sich mein Kopf. Ich erinnere mich an die Freude über den Quizgewinn. Mensch toll, ich habe eine Reise nach Hawaii gewonnen!

Dann wollte ich die frohe Botschaft Till überbringen.

Mist! Der Kopfschmerz verstärkt sich, als mir die unschöne Szene in der Firma wieder einfällt. Schnell stürze ich das Linderung versprechende Tablettengebräu herunter und bin mir nicht sicher, ob nun das, oder die Erinnerung meine Übelkeit wieder verstärkt. Kraftlos lasse ich mich wieder ins Sofa fallen und ziehe die Decke über meinen Kopf.

Einmal angezapft, tröpfelt die Erinnerung weiter in mein Bewusstsein. An diesem Punschstand werde ich mich nächstes Jahr vorsichtshalber nicht mehr sehen lassen. Mein Appetit auf Ananaspunsch ist sowieso wie weggeblasen. Ich glaube, das mit dem Sterben war eine gute Idee. Warum hat man mich nur nicht gelassen? Die Übelkeit wird immer stärker. Mittlerweile ist mir hundeelend. Wann war mein Leben jemals so zum Kotzen?

Ich muss mich aufsetzen, schlafen klappt jetzt sowieso nicht. Aber schon allein bei der Vorstellung, jetzt aufzustehen, könnte ich heulen. Es hilft nichts, ich muss mich auf die Suche nach einem Bad machen – später. Mein Blick fällt auf einen Papierkorb neben dem Sofa. Schnell schnappe ich ihn mir und schon bricht es aus mir heraus.

Dann sehe ich noch eine Flasche Wasser. Nach einem weiteren Glas lege ich mich wieder hin, um weiterzusterben.

Als ich das nächste Mal wach werde, höre ich Geräusche in der Wohnung. Diesmal ist die Erinnerung schneller wieder da, was aber nicht heißt, dass ich mich besser fühle. Nur, jetzt werde ich aufstehen müssen, denn ich kann wohl kaum in den Papierkorb pinkeln.

Ich schließe kurz die Augen und hole tief Luft, bevor ich aufstehe. Der bemalte Betonboden kühlt meine nackten Füße. Wo die Geräusche sind, muss sich ja zumindest ein Mensch befinden. Der wird mir sagen können, wo ich hier gelandet bin.

 

Das Duschwasser rauscht, als ich das kleine Bad betrete. »Guten Morgen«, begrüße ich mit kratziger Stimme die offensichtlich nackte Person hinter dem halbdurchsichtigen Vorhang. »Darf ich hier mal pinkeln?«

Das Wasser wird abgestellt, dann schiebt sich der Kopf eines dunkelhaarigen Mannes hinter dem Vorhang hervor. Seine warmen, braunen Augen mustern mich ausführlich, bevor er »Mahlzeit« antwortet. »Ja klar, tu dir keinen Zwang an, wenn es dich nicht stört, dass ich mich abtrockne.«

Stört mich das? »Könntest du dich vielleicht so lange hinter dem Vorhang abtrocknen, bis ich fertig bin?«, schlage ich vor.

Er seufzt. »Okay, dann gib mir das Handtuch, das dort über der Heizung hängt.«

Ich folge und bedanke mich. Mit dem Handtuch um die Hüften kommt er aus der Dusche, als ich abziehe. Mir stockt der Atem beim Anblick seines muskulösen Oberkörpers, mit sexy Tattoos. Sofort überlege ich, wie es wohl unter dem Handtuch aussieht, und muss grinsen, dann rufe ich meine Gedanken wieder zur Ordnung.

»Schön, dass du wieder lachen kannst«, bemerkt er und zeigt eine Reihe makelloser Zähne. »Gestern wolltest du noch sterben.«

»Erspar mir bitte die Einzelheiten, es sei denn, es ist unbedingt nötig«, bitte ich stöhnend. »Kannst du mir sagen, wie ich hierhergekommen bin?«

»Oh ja, ich hab dich mitgenommen, denn du wolltest dich von der Brücke stürzen.«

»Oh Mann.«

»Na ja, wir haben die Sanitäter gerufen. Die haben festgestellt, dass du noch kein Fall fürs Krankenhaus bist und vorgeschlagen, dich nach Hause zu bringen.«

Eine heftige Kopfschmerzattacke lässt mich an den Schädel fassen. »Fuck … ja.«

»Da war nur ein Problem. Deine Handtasche war plötzlich verschwunden. Die wird hilflosen Personen öfter geklaut.«

»Und ich habe gesagt, ich habe kein Zuhause«, dämmert es mir.

»Genau. Deshalb wolltest du unter einer Brücke schlafen, oder dich wahlweise hinunterstürzen.«

Was soll ich jetzt nur antworten? »Sorry«, stottere ich. »Dann bist du einer von diesen Weihnachtsmännern?«

»Haarscharf kombiniert.«

»Der doppelte?«

»Häh?«

»Na ja, der eine ist doch der Vollhorst. Als dann ein zweiter dazukam, habe ich schon doppelt gesehen.«

Er lacht schallend. »Ja, dann bin ich wohl der doppelte. Der Vollhorst ist mein Halbbruder. Aber wieso Vollhorst?«

»Weißt du wie der Weihnachtsmann mit richtigem Namen heißt?«

»Jo, mein Bruder heißt Joachim.«

»Nein, wir haben uns gefragt, wie der echte heißen könnte und sind auf Horst gekommen.«

Der heiße Typ lacht laut auf. »Horst … klingt gut. Auch ein passender Spitzname für meinen Bruder.«

Irgendwie hat seine Stimme etwas Warmes, Beruhigendes. Er ist mir auf Anhieb sympathisch.

»Ich hab dir auf die Stiefel gekotzt, oder?«, frage ich, weil mich wieder neue unschöne Erinnerungen plagen.

»Jep … da gibt’s nichts zu beschönigen.«

»Das tut mir wirklich leid.«

»Macht nichts. Dieses Jahr brauche ich das Zeug nicht mehr und du kannst es ja nachher wieder sauber machen.«

Bei dem Gedanken wird mir übel. Man muss es mir ansehen, denn mein Retter lacht süffisant. »Sag mal, ist dir gar nicht kalt?«, fragt er unvermittelt.

Wie sollte mir kalt sein, beim Anblick eines solch heißen Typen? »Na ja, weißt du, wo meine Sachen sind?«

»Ja, das Zeug habe ich in die Waschmaschine getan. Das stank ganz schön.«

»Danke«, stottere ich. »Vielmals.«

»Schon okay. Ich hatte auch mal eine Phase, in der es mir nicht gut ging«, erklärt er und trocknet seine kurzen Haare mit dem Handtuch. Wie hypnotisiert beobachte ich sein Muskelspiel. »Damals haben mir auch Fremde geholfen, so konnte ich mich in gewisser Weise revanchieren. Irgendwie ist an dem Spruch was dran, dass Betrunkene einen Schutzengel haben.«

Mein Bauch wird warm, als er das mit seiner außergewöhnlich warmen, dunklen Stimme sagt. Ein Timbre, das mir direkt in den Unterleib fährt. Was denke ich da nur schon wieder? Ich sollte mittlerweile doch wirklich von Männern die Nase voll haben.

»Wenn du duschen willst … ich werde dir ein T-Shirt von mir hereinlegen. Nach dem Duschen kommst du frühstücken, ja?«

»Danke … es klingt nicht fantasievoll, aber ich kann mich nur wiederholen.«

»Kein Ding.«

»Sag mal, wie heißt du eigentlich?«, frage ich meinen Wohltäter.

»Keanu«, antwortet der und verschwindet.

Das ist gut so, denn dann komme ich nicht in die Versuchung blöde nachzufragen, ob seine Mutter Fan von Keanu Reeves war. Wie kommt man sonst wohl auf so einen ungewöhnlichen Namen? Ob er darunter gelitten hat? Wie viele Kinder wohl das Kreuz tragen, nach Kevin Costner benannt worden zu sein?

Ein Blick in den Spiegel bestätigt mir, dass ich genauso schrecklich aussehe, wie ich mich fühle. Wie konnte ich mich nur so gehen lassen? Das ist diese armselige Gestalt von Till doch gar nicht wert. Ich fasse mir vorsichtig ins Haar. Dieser krümelige Kram darin muss Erbrochenes sein. Ich muss dringend unter die Dusche!

 

Das warme Wasser tut so gut. Genüsslich strecke ich mein Gesicht in den Wasserstrahl und versuche meine Gedanken zu sortieren. Ich bin hier betrunken bei einem völlig Fremden gelandet. Eigentlich sollte ich Angst, oder etwas Ähnliches haben. Zu mindestens wäre eine gesunde Skepsis angebracht.

Manchmal ist es merkwürdig, gewissen Menschen vertraut man einfach. Er hätte meine Hilflosigkeit längst ausnutzen können, aber daran verschwende ich keinen Gedanken. Stattdessen habe ich das Gefühl, dass ich ihn schon ewig kenne. Dabei weiß er noch nicht einmal meinen Namen. Er ist bestimmt ein toller Freund. So ein Kumpeltyp, auf den man sich immer verlassen kann.

»Hier ist das Shirt. Ich habe noch ein paar dicke Socken dazugelegt«, reißt mich seine Stimme aus den Gedanken.

»Noch mal … Danke!«, antworte ich. Nach dem Abtrocknen schlüpfe ich in das Shirt und finde es toll. Nicht nur, dass es groß und bequem ist, es riecht auch noch ein kleines Bisschen nach ihm. Hmmm, er riecht gut.

 

Die Küche brauche ich nicht zu suchen, denn das Loft ist eine Ein-Raum-Wohnung. Keanu hat den Bollerofen angemacht. Der fängt schon an, ein wenig Wärme abzustrahlen. Der Raum duftet nach Kaffee. Meine Nase findet das gut, mein Magen nicht.

Da fällt mir der Papierkorb ein. »Oh sorry, ich muss noch schnell den Papierkorb leer machen.«

Keanu sieht mich verständnislos an.

»Ein kleiner Unfall … vorhin«, erkläre ich und zucke mit den Schultern. Er zuckt mit den Mundwinkeln. Schnell schnappe ich mir den stinkenden Korb und verschwinde Richtung Bad. Gott sei Dank war kein weiterer Abfall darin, sodass meine beschämenden Hinterlassenschaften schnell beseitigt sind.

Mit erleichtertem Gewissen setze ich mich an den Frühstückstisch, der von Keanu bereits vollständig eingedeckt ist. Er hat beeindruckend aufgefahren.

»Wohnst du hier allein?«, frage ich ihn beim Hinsetzen.

Er nickt. »Warum?«

»Na ja, weil du für eine Kompanie aufgefahren hast.«

»Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit des Tages«, klärt er mich auf und ich nicke zustimmend. Insgeheim bin ich froh, mit ihm allein hier zu frühstücken. Umgehend rügt mich mein Gewissen, ob ich eigentlich immer noch nicht die Nase von Männern voll habe. Ich muss den Verstand verloren haben, dass ich meinen Retter schon wieder als Mann betrachte. Wenn er doch nur nicht so verdammt sexy wäre …

Mir wird heiß.

Auch der Bollerofen strahlt mittlerweile eine ganz schöne Hitze ab und wärmt meinen Rücken.

»Lebkuchen?«, fragt er und schiebt mir eine Packung Oblaten-Lebkuchen hin.

Ich liebe Lebkuchen, aber nicht auf meinen angeschlagenen Magen.

»Danke. Hattest du mir die nicht schon auf dem Weihnachtsmarkt angeboten?«

»Ja, und du sagtest, du liebst Lebkuchen und bist dann … ähm … rückwärtsessen gegangen.«

»Oh, wie unhöflich. Das lag wohl mehr am Alkohol, als am Lebkuchen. Ich liebe Lebkuchen … wirklich. So sehr, dass ich mir im September, gleich wenn die ersten auf den Markt kommen, damit den Magen vollschlage. Zu Weihnachten kann ich das Zeug meist nicht mehr sehen.« Gut gerettet, Leonie, lobe ich mich selbst.

»Aha.«

»Guck doch nicht so skeptisch! Das stimmt.«

Keanu nickt und zieht die Augenbrauen zusammen.

»Na, jetzt mal raus mit der Sprache. Warum genau wolltest du gestern sterben?«, fällt er mit der Tür ins Haus.

»Beeindruckend, wie feinfühlig du dich vortastest. Du hast bestimmt Psychologie studiert«, antworte ich genervt. »Ich soll dir doch nicht ernsthaft meine Lebensgeschichte erzählen.«

»Nein, ich möchte nur wissen, ob du wieder okay bist, oder ob ich noch weiter auf dich aufpassen muss.« Seine braunen Augen funkeln warm und sogleich fühle ich mich geborgen. Moment mal, ich kann mich doch nicht bei einem Fremden geborgen fühlen? Das Funkeln kommt bestimmt vom Bollerofen.

»Auf mich musste noch nie jemand aufpassen.«

»Bis auf gestern.«

»Na ja, da hatte ich mich ein klein wenig geärgert. Ich hab nicht aufgepasst und mich abfüllen lassen.«

»Ein klein wenig geärgert? Du hast dich abgeschossen! … Und mein sauberer Bruder hat das ausgenutzt.«

»Ja, und dann hat dein sauberer Bruder noch nicht mal auf meine Tasche aufgepasst.«

»Er hat ja auch keine Jagd auf deine Tasche gemacht, sondern auf dich.«

»Dein Bruder ist eben kein echter Weihnachtsmann.«

»Stimmt! Er ist noch nicht mal ein guter Fake«, antwortet er und lacht.

»Erzählst du mir jetzt, warum du dich gestern so betrunken hast? Hat dein Freund dich betrogen?«

»Wie kommst du darauf?«

»Es gibt nur wenige Gründe, warum man sich so spontan abschießt. Du hast da gestern so was angedeutet.«

»Spontan abschießen? Vielleicht mache ich das ja regelmäßig.«

»Nein, so siehst du nicht aus. Trinker haben sich meist besser im Griff.«

»Wie sehe ich denn aus? Wie eine Idiotin? Denn genauso fühle ich mich … Tssst … nah am Kunden … Er hat mir meine Weihnachtsüberraschung verdorben«, murre ich frustriert.

»Die da wäre?«

»Ich habe für uns beide eine Weihnachts-Reise nach Hawaii gewonnen.«

»Den Hauptgewinn bei ›Sommerfeeling‹?‹«

»Woher weißt du das schon wieder?«

»Weil ich auch mitgemacht habe. Ich habe die Leitungen glühen lassen. Möglicherweise könnte ich mir alleine von den Gebühren schon die Reise leisten.«

»Das ist ein Scherz, oder?«

»Ja, klar! Aber diese Reise wollte ich unbedingt gewinnen.«

»Warum?«

»Weil ich nach Hawaii will, solange ich denken kann. Aber bisher konnte ich es mir nicht leisten.« Er sieht mich an und nimmt einen Schluck Kaffee. »Warum willst du unbedingt hin?«, fragt er.

»Weil ich Weihnachten noch nie in der Sonne gefeiert habe. Mit meinen Eltern bin ich immer in den Schnee gefahren. Auf jeden Fall will ich eins nicht, und das ist: Hierbleiben.«

»Magst du Weihnachten nicht?«

»Doch ich liebe Weihnachten. Aber das kann man doch auch gut unter Palmen feiern. Jedenfalls möchte ich gerne mal wissen, wie sich das anfühlt.«

»Okay … stimmt, auf Hawaii wird auch Weihnachten gefeiert … natürlich etwas anders als hier.«

»Genau, das habe ich auch recherchiert. Aber es gibt noch einen Grund, warum ich jetzt erst recht hinfahren werde.«

»Und der wäre?«

»Ich wäre gaaanz weit weg von meinem widerwärtigen Verlobten. Die größte Entfernung, die überhaupt möglich ist.« Ein Kloß bildet sich in meinem Hals, als die Erinnerung an das Erlebte wieder durch mein Hirn schießt.

»Verlobter? Na, der muss ein ganz schöner Idiot sein.«

»Was wird das jetzt hier? Ein Anmachversuch?«

»Nein!«, erwidert er entrüstet. »Ich finde nur, dass du wunderhübsch und supernett bist. Er muss dich ganz schön verletzt haben.«

»Hat er … schließlich hatten wir eine Zukunft geplant. Wir haben zusammen eine kleine Firma.«

»Oh das tut mir leid. Wirst du weiter mit ihm zusammenarbeiten?«

»Das weiß ich noch nicht, aber ich glaube, ich kann das nicht mehr. Die Enttäuschung würde zu sehr unsere Zusammenarbeit beeinflussen. Auf Hawaii habe ich dann Zeit, darüber nachzudenken.«

»Verstehe. Könntest du ihm verzeihen?«

»Eher nicht, denn das Vertrauen ist zerstört. Aber auch darüber muss ich nachdenken.«

Keanus Mundwinkel sinken für eine Sekunde nach unten. Warum wirkt er enttäuscht?

»Allein?«, fragt er.