Heads.Up - Carl Ferdinand Lucas - E-Book

Heads.Up E-Book

Carl Ferdinand Lucas

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Beschreibung

Eine Handgranate, es war eine Handgranate. Er hatte Mimi mit einer Handgranate geknebelt. Warum, war mir eigentlich egal. Die Tatsache an sich verursachte Panik in mir. Ich gefesselt, sie gefesselt. Da waren die verängstigt glotzenden Pokerspieler. Einer rülpste und entschuldigte sich förmlich. Alle gafften erwartungsvoll hinter mich. Ich versuchte mich zu drehen, aber konnte mich aufgrund der Fesselung nicht so weit bewegen, als dass ich jemanden hätte erkennen können. Mimi wimmerte und weinte. Sie zitterte am ganzen Körper. Und dann hörte ich ihn.

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Seitenzahl: 50

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Wie weit gehen Sie für die Liebe ihres Lebens?

Für Mimi

Das Werk, einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung der Verlage, Herausgeber und des/der Autors/Autorin bzw. der AutorInnen unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Die Personen und Handlungen in diesen Geschichten sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Inhalt

Preflop

Flop

Turn

River

Heads.UP

Preflop

Wie weit würden Sie für die Liebe ihres Lebens gehen? Würden Sie dafür sterben oder gar dafür töten? Würden Sie darüber hinwegsehen, dass Sie von eben dieser Liebe schamlos ausgenutzt, gedemütigt, erniedrigt wurden und dennoch alles für genau diese Liebe tun? Würden Sie in Kauf nehmen, dass alle hinter vorgehaltener Hand über Sie lachten, weil außer Ihnen, der es ahnte aber nicht wahrhaben wollte, jeder wusste, dass die Liebe ihres Lebens ein Flittchen war? Wenn Sie gerade gut genug waren, als Sie sie weg holten aus der stinkigen Bar und aus einer kleinen Kellnerin eine Dame machten, und diese Sie jetzt, da sich Ihr eigener Stern im steilsten Sinkflug in die unendliche Leere eines schwarzen Loches befindet, mit dem nächstbesten und nutzlosesten aller Taugenichtse betrügt? Mit mir nämlich!

Ich kann all die Fragen nicht beantworten, denn ich habe noch nie geliebt, meine Eltern nicht, meine Freunde nicht, und da ich unverheiratet bin und keine Kinder habe, hätte ich höchstens Haustiere lieben können, hätte ich jemals welche gehabt. Mich selbst liebe ich, aber nicht mal für mich selbst hätte ich alles getan, und deswegen wäre ich nicht in der Lage gewesen, diese Frage zu beantworten.

Aber dann, an einem Dezemberabend, an Mimis Geburtstag, drei Tage vor Weihnachten, sollte mir doch tatsächlich jemand erklären, worum es bei der Liebe geht.

*

Es war ein schnödes, normales Cash Game gewesen, das täglich, außer Montags, im Walther´s Inn stattfand. Das Buy In betrug lediglich 100 Dollar, also eigentlich ein Kindergartenspiel für mich, aber ich spielte dort gern. Zum einen, weil ich mich wirklich nicht daran erinnern konnte, wann ich mal nicht locker zwei- bis dreitausend Dollar pro Tag eben genau an diesem Tisch gemacht hatte, und zum anderen, weil ich das wichtigste im Poker, nämlich die Kunst, seine Gegner richtig einzuschätzen, hier besser trainieren konnte als irgendwo anders.

Bei den Spielen in den Kasinos, bei den großen Turnieren, traten Profis wie ich gegeneinander an, und es war schier unmöglich, etwas über die menschliche Verhaltensweise zu erlernen. Also hatte ich mir selbst auferlegt, einmal in der Woche eben so einen Laden wie das Walther´s aufzusuchen und gegen ganz normale Gegner zu spielen. Dabei war die größte Kunst, nicht zu oft am selben Ort zu sein, denn ansonsten würde jeder sofort das Weite suchen, der dich schon mal dort gesehen hat und der über drei Unzen Verstand verfügt. Die Gegner waren Hausfrauen, Trucker, oft abgerissene, verlauste Alkoholiker, die sich mit mühsam zusammengekratzten 100 Dollar in der Tasche und zwei Promille im Blut an den Tisch setzten und, wenn die Zeit gekommen war, abgebrannt und mit vier Promille wieder aufstanden. Dazwischen lagen selten mehr als zwei Stunden.

Walther war es egal, denn neben den Abzockern, wie ich es bin und von denen es außer mir schon noch einige andere gibt, verdiente natürlich auch er.

Es gab den einen oder anderen, der gar nicht so schlecht war. In der Regel semiprofessionelle Spieler, die aus irgendwelchen Gründen nicht in den Pokerrunden der bekannten Kasinos spielen wollten oder durften. Sie waren mir die liebsten, denn sie waren von sich selbst so überzeugt, dass sie Re-Buys vornahmen. Manche machten mir das Leben ein bisschen schwerer, aber letztendlich waren sie einfach zu schlecht oder zu dumm, um gegen mich zu gewinnen. Irgendwann packte sie der falsche Ehrgeiz, und ihre anfangs hervorragende Strategie endete meist im unrealistischen, zügellosen Erhöhen der Pötte, in Wutausbrüchen und im für sie finanziellen Desaster.

Zwei davon – und man hatte das Geld in vier Stunden verdient, denn sie stachelten die anderen an, mitzubieten, nachzukaufen und endlich dafür zu sorgen, dass die Glückssträhne dieses Riesenarschlochs, der nur spielt, wenn er gewinnt, endet. Damit wäre dann ich gemeint gewesen, und mit beidem hätten sie recht gehabt. Zum einen spielte ich tatsächlich nur dann, wenn ich die Chance hatte, gewinnen zu können – zwei, maximal drei Spiele von zehn. Sie hingegen rissen mit fortschreitender Stunde fast jedes Spiel an sich, weil sie es mir nicht gönnten und weil sie sich von Emotionen und nicht von Wahrscheinlichkeiten lenken ließen. Zum anderen war ich das Riesenarschloch, weil ich sie mit Gesten, Worten, Taten animierte, provozierte und anstachelte, genau das zu tun, was sie dann auch taten, nämlich zu lamentieren statt zu denken.

*

Fünf Stunden hatte ich bisher gespielt und bereits meine zweitausend Dollar gewonnen, aber es war noch früh am Abend, so gegen sechs, und da Mimi mich erst um sieben abholen wollte, jene sieben Uhr, die in Wirklichkeit näher an acht Uhr waren, hatte ich noch ein paar Spiele vor mir.

Ich entschuldigte mich für einige Runden. Zum einen, um mir die Beine zu vertreten, eine Zigarette zu rauchen und die Toilette aufzusuchen, und zum anderen, was ganz wichtig war, um die Mitspieler ihre Köpfe zusammenstecken und einen Schlachtplan auszuhecken zu lassen, wie sie mich endlich besiegen könnten. Denn längst waren sie an dem Punkt, an dem sie alle nur noch gegen mich spielten und nicht mehr gegen die Wahrscheinlichkeit. Dies wiederum hieß, sie würden risikoreicher und um höhere Einsätze spielen. Mehr Geld für mich.

Früher hätte ich mit dem Barkeeper oder dem Wirt noch den Deal