Heiße Küsse - gefährliche Nähe - Kat Cantrell - E-Book

Heiße Küsse - gefährliche Nähe E-Book

Kat Cantrell

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Beschreibung

Mit zitternden Händen schließt Cassandra die Bürotür - Gage ist wieder hier! Genauso attraktiv wie damals, genauso charismatisch und genauso unverschämt erotisch! Er will rein geschäftlichen Kontakt, aber sie weiß, wie schnell daraus mehr werden kann. Und Cassandra darf seinem Charme nicht erneut erliegen - schließlich hat er ihr schon einmal das Herz gebrochen. Auch wenn sie seitdem jede Nacht von seinen Händen auf ihrer Haut träumt: Gage Branson hat sich nicht geändert - seine Nähe kann für sie nur gefährlich sein …

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Seitenzahl: 205

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IMPRESSUM

BACCARA erscheint in der HarperCollins Germany GmbH

Redaktion und Verlag: Postfach 301161, 20304 Hamburg Telefon: +49(0) 40/6 36 64 20-0 Fax: +49(0) 711/72 52-399 E-Mail: [email protected]
Geschäftsführung:Thomas BeckmannRedaktionsleitung:Claudia Wuttke (v. i. S. d. P.)Produktion:Jennifer GalkaGrafik:Deborah Kuschel (Art Director), Birgit Tonn, Marina Grothues (Foto)

© 2016 by Kat Cantrell Originaltitel: „The CEO’s Little Surprise“ erschienen bei: Harlequin Enterprises Ltd., Toronto in der Reihe: DESIRE Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.

© Deutsche Erstausgabe in der Reihe BACCARABand 1975 - 2017 by HarperCollins Germany GmbH, Hamburg Übersetzung: Susann Rauhaus

Abbildungen: Goran Bogicevic / 123RF, alle Rechte vorbehalten

Veröffentlicht im ePub Format in 05/2017 – die elektronische Ausgabe stimmt mit der Printversion überein.

E-Book-Produktion: GGP Media GmbH, Pößneck

ISBN 9783733723712

Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten. CORA-Romane dürfen nicht verliehen oder zum gewerbsmäßigen Umtausch verwendet werden. Sämtliche Personen dieser Ausgabe sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig.

Weitere Roman-Reihen im CORA Verlag:BIANCA, JULIA, ROMANA, HISTORICAL, MYSTERY, TIFFANY

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1. KAPITEL

Als Gage Branson in seinem dunkelgrünen Hummer endlich die Stadtgrenze von Dallas erreichte, fing sein Hund Arwen an, zur Melodie im Radio laut mitzuheulen. Seit er Austin verlassen hatte, fragte Gage sich immer wieder, ob es eine gute Idee gewesen war, die kleine Hündin mit auf Geschäftsreise zu nehmen.

Natürlich war das hier kein normaler Geschäftstrip – es sei denn, man würde es für normal halten, unangekündigt und ohne Einladung vor dem Bürogebäude seiner Exfreundin aufzutauchen. Und Arwen war auch kein normaler Hund. Sie war sein bester Kumpel. Das einzige Mal, als Gage sie in einer dieser Hundepensionen untergebracht hatte, hatte sie ihn danach eine Woche lang keines Blickes gewürdigt.

Genau wie er liebte Arwen die Weite der Landstraße, und Gage hatte nichts gegen ihre Gesellschaft, während er nach Dallas fuhr, um die längst überfälligen Schulden von der Geschäftsleitung von Fyra Cosmetics einzutreiben.

Seine eigene Firma, GB Skin for Men, die jährlich inzwischen über eine Milliarde Umsatz machte, hatte sich an die Spitze der Kosmetikunternehmen vorgearbeitet. Die Produkte wurden von modernen, anspruchsvollen Männern gekauft – von Profisportlern und Naturburschen jeglicher Art – sogar von dem einen oder anderen Holzfäller.

Außerdem hatte Gage Millionen investiert, um ein neues Produkt zur Wundheilung zu entwickeln. Promotet von einer bis ins Kleinste durchdachten PR-Kampagne, war es vor einem Monat auf den Markt gekommen und hatte eingeschlagen wie eine Bombe. Doch jetzt war die Firma seiner Exgeliebten im Begriff, ein eigenes Produkt auf den Markt zu bringen und ihm seinen Erfolg streitig zu machen. Das durfte nicht passieren.

In diesem Moment dröhnten die Heavy-Metal-Töne von AC/DC durch die Lautsprecher, und Arwen jaulte noch lauter.

„Arwen! Also wirklich, halt jetzt endlich die Klappe!“

Das Tier neigte den rötlich braunen Kopf und sah Gage schräg an.

„Na gut, wie du meinst“, sagte er gutmütig und stellte die Musik ab.

In diesem Moment tauchte die Ausfahrt zur Autobahn auf, und Gage bog mit dem Hummer in Richtung Norden ab. Nach ein paar Meilen hatte er schließlich das Hauptquartier von Fyra Cosmetics erreicht und fuhr auf den Parkplatz.

Hübsch. Natürlich hatte er die Firma gegoogelt, bevor er sich von Austin aus auf den Weg gemacht hatte. Denn er wollte mehr über das Unternehmen erfahren, das Cassandra Claremont gemeinsam mit ihren Geschäftspartnerinnen beziehungsweise ihren Freundinnen aufgebaut hatte, nachdem sie ihren Abschluss an der Universität von Texas gemacht hatte. Aber die Bilder im Internet konnten es mit der Wirklichkeit des ultramodernen fünfstöckigen Gebäudes aus Glas und Stahl nicht aufnehmen. Innerhalb dieser Mauern befand sich Cass’ Multimillionen-Dollar-Kosmetikfirma, wie sich unschwer am dunkellila Fyra-Logo erkennen ließ, das über dem Eingang prangte.

„Du bleibst hier und lässt die Pfoten vom Schaltknüppel, okay?“, sagte Gage streng zu Arwen, bevor er ausstieg. Es war ein kühler Tag, daher ließ er den Hund im Auto zurück.

Cass hatte ihren Erfolg ihm zu verdanken. Acht Monate lang war Gage ihr Mentor gewesen, deshalb war es jetzt auch nur fair, dass sie ihm etwas zurückgab. Ja, sie schuldete ihm etwas. Und er war entschlossen, ihr das begreiflich zu machen, indem er sie daran erinnerte, wie er ihr dabei geholfen hatte, unbeschadet durch das Haifischbecken der Kosmetikindustrie zu schwimmen.

Wenn er Glück hatte, würde sie neugierig genug sein, um ihn zu empfangen, auch wenn er keinen Termin mit ihr vereinbart hatte. Er wollte das Überraschungsmoment nutzen, um an die Geheimformel ihres neuen Produkts zu kommen.

Sie war so geheim, dass er eigentlich gar nichts darüber wissen durfte, denn das Produkt war ja noch gar nicht auf dem Markt. Aber seine Quellen hatten ihm verraten, dass in den Labors von Fyra offensichtlich an einer Wunderformel gearbeitet wurde, die die Selbstheilungskräfte des Körpers dabei unterstützte, Falten und Narben zu eliminieren. Sein Spion hatte sogar steif und fest behauptet, dass dieses Produkt besser als sein eigenes war, und Gage wollte es haben.

Natürlich konnte er Cass deswegen nicht einfach anrufen, zumal sie ja seine Exfreundin war. Sie hatten sich mindestens acht Jahre lang nicht mehr gesprochen. Vielleicht sogar neun oder zehn Jahre.

„Gage Branson. Wie komme ich denn zu dieser Ehre?“, erklang da plötzlich eine leicht raue weibliche Stimme hinter ihm. Abrupt drehte er sich um und zuckte zusammen. „Cass?“

„Immer noch dieselbe.“ Eine große Sonnenbrille verdeckte ihre Augen, aber ihr Ton verriet einen Hauch von kühler Belustigung. „Habe ich mein Gesicht etwa wieder in meiner anderen Tasche gelassen?“

„Nein, dein Gesicht ist genau so, wie ich es in Erinnerung habe.“ Unglaublich attraktiv, genau wie der Rest von dir.

Allerdings hatte diese überschicke Erscheinung in High Heels und perfekt sitzendem Businesskostüm in keiner Weise Ähnlichkeit mit der Cassandra Claremont von damals. Nicht einmal ihre Stimme klang wie sie. Nur ihre Haltung kam ihm irgendwie vertraut war. Sie wirkte sehr selbstbewusst, und ihre Ausstrahlung schien zu sagen, dass man sie zwar anschauen, nicht aber anfassen durfte. Das war schon immer Teil ihrer Attraktivität gewesen.

Offensichtlich schien er sich nicht besonders verändert zu haben, wenn sie ihn auf Anhieb erkannte.

„Bist du jetzt ins Hundetransportwesen übergewechselt?“, fragte sie ihn fröhlich.

Er warf einen Blick auf den Hummer. „Du meinst wegen Arwen? Nein, natürlich nicht. Sie leistet mir nur auf der Fahrt Gesellschaft. Ich bin aus Austin gekommen, um dich zu sehen. Es sollte eine Überraschung sein.“

„Hast du einen Termin?“

Da ihr Tonfall alles andere als fragend gewesen war, schien sie die Antwort bereits zu kennen. Und sie hatte offensichtlich keine Lust, ihren Tagesablauf umzuschmeißen, nicht einmal für einen alten Freund wie ihn. Nun, er würde dafür sorgen, dass sich das bald änderte.

„Ich hatte gehofft, dass du mich trotzdem empfangen würdest.“ Er lächelte. „Du weißt schon, der guten alten Zeiten wegen.“

Sein Lächeln vertiefte sich, als er an genau diese alten Zeiten dachte. Sie hatten oft bis tief in die Nacht hinein diskutiert. Er hatte sich viele kreative Möglichkeiten einfallen lassen, um Cass dazu zu bewegen, sich auszuziehen. Und der Sex, wenn sie sich dann endlich in das Unvermeidliche gefügt hatte, war spektakulär und sehr heiß gewesen.

Sie schürzte die Lippen. „Was könnten wir beide uns schon zu sagen haben?“

Eine ganze Menge. Vielleicht sogar sehr viel mehr, als er ursprünglich hatte sagen wollen. Jetzt, da er hier war und die neue, erwachsene Cassandra betrachtete, dachte er plötzlich an ein spätes Dinner und ein paar Drinks mit seiner früheren Geliebten.

Schließlich waren sie erwachsen und durchaus in der Lage, Geschäft und Vergnügen voneinander zu trennen.

„Also, zuerst einmal möchte ich dir gratulieren. Das ist absolut überfällig“, schmeichelte er ihr. „Ich habe deine Entwicklung aus der Ferne beobachtet. Was du erreicht hast, ist wirklich bemerkenswert.“

Als der Name ihrer Firma als mögliche Konkurrenz aufgetaucht war, hatte er im Netz nach Details recherchiert. Zunächst, weil er sehen wollte, wie sie seine Ratschläge umgesetzt hatte, und schließlich, weil er nicht mehr damit aufhören konnte. Komischerweise gefiel es ihm, ihr Foto zu betrachten, wahrscheinlich weil er gern an ihre Beziehung zurückdachte. Sie war eine der wenigen Frauen, an die er immer noch mit Zuneigung dachte. Für einen Mann, der in seinem Leben praktisch an nichts hing, bedeutete das eine ganze Menge.

„Ich danke dir.“ Anmutig neigte sie den Kopf. „Das haben wir gemeinsam geschafft, als Gruppe.“

Gage wartete darauf, sie sagen zu hören, dass sie seinen unternehmerischen Ratschlägen gefolgt war. Er hätte auch nichts dagegen gehabt, wenn sie ihm zum Erfolg seiner eigenen Firma gratuliert hätte. Oder dazu, dass er in diesem Jahr zum Unternehmer des Jahres gekürt worden war. Denn er ging davon aus, dass die Firmenchefin von Fyra die Konkurrenz genauso im Auge behielt, wie er es tat.

Aber – nichts dergleichen geschah. War sie denn überhaupt nicht neugierig darauf, zu erfahren, was er in den letzten Jahren gemacht hatte? War ihr ihre gemeinsame Zeit wirklich so egal?

Andererseits hatte ihre Affäre ja absichtlich nicht lange gedauert. Nachdem Gage seinem erdrückenden Elternhaus entkommen war, hatte er sich geschworen, sich nie mehr die Flügel stutzen zu lassen. Seinem Bruder Nicolas schuldete er es, ein wildes Leben ohne Reue zu führen. Und all die Dinge zu tun, die Nicolas dank eines betrunkenen Autofahrers nie erleben würde. Mit nur einer Frau zusammen zu sein passte nicht zu dieser Philosophie, und obendrein war Gage seine Freiheit wichtiger als die Frauen. Das bedeutete, dass von Anfang an klar gewesen war, dass Cass und er nicht lange zusammenbleiben würden. Keiner von beiden war dabei zu Schaden gekommen, aber er konnte es ihr auch nicht verübeln, dass sie keine Lust hatte zurückzuschauen.

„Ach, komm schon.“ Diesen Kommentar ließ er nicht gelten. „Du bist die Chefin. Wir wissen beide, was das bedeutet. Du sagst, wo’s langgeht.“

Cass verschränkte die Arme vor ihrer sexy Kostümjacke und lenkte seine Aufmerksamkeit damit auf ihre Brüste. Trotz der kühlen Brise schien die Temperatur plötzlich um ein paar Grade anzusteigen.

„Stimmt. Weil einer das Sagen haben muss. Aber Trinitiy, Harper, Alex und ich führen die Firma gemeinsam. Sie gehört uns allen zusammen.“

Er war nicht überrascht, das zu hören. Die vier Frauen waren schon auf dem College unzertrennbar gewesen, und es fiel ihm nicht schwer, sich vorzustellen, dass sie diese enge Freundschaft auch auf die gemeinsam gegründete Firma ausgedehnt hatten. Glücklicherweise war er immer mit allen vieren gut ausgekommen, aber Cass hatte er ganz besonders im Blick. Denn sie war diejenige, von der dieser Deal abhing, der ihm so viel bedeutete.

„Können wir vielleicht reingehen?“, fragte er und trat etwas näher an sie heran. „Ich würde gern mehr erfahren.“

„Gage.“

Ihre leicht raue Stimme ging ihm durch und durch, während sie ihn durchdringend anschaute. Ein Hauch von Jasmin erregte seine Sinne. „Ja, Cass?“

„Du kannst dir das ganze Vorgeplänkel sparen“, sagte sie direkt. „Ich weiß, dass du hier bist, weil du von unserer sensationellen Formel erfahren hast und weil du sie haben willst.“

Aha, sie waren also wieder auf geschäftlicher Ebene.

Er grinste und versuchte, seinen Puls etwas zu beruhigen. Cass turnte ihn an, er hatte schon immer eine Schwäche für Frauen gehabt, die ebenso sexy wie smart waren und denen man nichts vormachen konnte. „Bin ich so leicht zu durchschauen?“

Sie war ihm jetzt ganz nah und lachte in sein Ohr, was ihn noch mehr erregte. „Ich fürchte, ja. Tut mir leid, aber du verschwendest nur deine Zeit. Die Formel steht nicht zum Verkauf.“

Sie brauchte anscheinend ein bisschen Nachhilfe, um zu erkennen, dass sie es nur durch seine Führung in die erste Liga geschafft hatte. Das hatte er bereits vorausgesehen.

„Natürlich steht sie nicht zum Verkauf. Jedenfalls nicht für den Rest der Welt. Aber ich gehöre nun mal nicht zur Masse der Menschheit“, erinnerte er sie. „Und ich erwarte auch nicht, dass du sie mir schenkst. Ich werde dir einen fairen Preis zahlen.“

Sie waren sich jetzt so nahe, dass sich ihre Lippen fast berührten. Die Anziehungskraft zwischen ihnen war geradezu magisch, und für den Bruchteil einer Sekunde vergaß Gage fast, dass er Cass nur angemacht hatte, um seinem eigentlichen Ziel näher zu kommen – der Formel.

Cass zuckte nicht einmal mit der Wimper. „Du glaubst, du hast besondere Rechte, weil wir mal eine kurze Affäre hatten? An deiner Stelle würde ich noch mal darüber nachdenken.“

Offensichtlich hatte sein Überraschungsmoment nicht ausgereicht, um sie aus der Fassung zu bringen, und aus irgendwelchen Gründen erhöhte das für ihn noch ihre Attraktivität. Aber vielleicht erfreute ihn ihre unerwartete Reaktion auch deshalb so sehr, weil sie sich jetzt auf Augenhöhe begegneten. Damit hatte sich das Gleichgewicht zwischen ihnen unerwartet verlagert.

Okay, dann würde er halt noch einen Zahn zulegen. Er hatte bisher noch keine Frau getroffen, die seinem Charme gewachsen gewesen wäre. Wenn er etwas wollte, bekam er es für gewöhnlich auch.

„So redet man aber nicht mit einem alten Freund“, erklärte er.

Wenn er sich jetzt nur noch einen Zentimeter auf sie zubewegte, würden sie sich berühren. Ob sie sich immer noch so anfühlen würde wie früher – weich, aufregend und warm? Leider hatte er den Eindruck, dass es Cass inzwischen nur noch ums Geschäft ging, nicht ums Vergnügen. Und dass sie nicht die Absicht hatte, beides zu vermischen.

„Sind wir das? Alte Freunde?“, gab sie zurück.

Erneut lachte sie auf diese sexy Weise, die ihre Wirkung auf seinen Unterleib nicht verfehlte. Fast ärgerte es ihn, dass er sie so attraktiv fand und sein Überrumpelungsversuch fehlgeschlagen war. Aber Gage wusste, dass er alles dafür tun würde, damit er ihr genauso unter die Haut ging wie sie ihm.

„Freunde. Ehemalige Liebhaber. Einst Mentor und Studentin.“

„Stimmt.“ Sie neigte den Kopf. „Du hast mir eine Menge beigebracht. So viel, dass ich inzwischen eine erfolgreiche Firma leite, um die ich mich jetzt kümmern muss. Bitte entschuldige meine Direktheit, aber ich rate dir, einen Termin zu vereinbaren. Wie jeder andere auch, der mit mir übers Geschäft reden will.“

Damit wandte sie sich von ihm ab und marschierte auf den Eingang des Gebäudes zu. Gage fühlte sich düpiert, er war für sie offenbar nur einer von vielen.

Okay, er würde sie gehen lassen. Jedenfalls für den Moment.

Doch er würde sich von einer ehemaligen Studentin nicht auch nur ein Prozent Marktanteil abjagen lassen. Dafür würde er sorgen und war auch gewillt, tief in die Tasche zu greifen. Doch ihm war klar, dass er dabei mit größerer Raffinesse vorgehen musste.

Erinnere sie daran, was du alles für sie getan hast. Ruf ihr noch einmal ins Gedächtnis, wie gut es mit euch beiden war.

Die innere Stimme war vermutlich sein Gewissen. Manchmal hatte er allerdings das Gefühl, als würde sie Nicolas gehören, der ihn von der anderen Seite aus führte und leitete. Der Rat seines großen Bruders, der ihn normalerweise dazu brachte, das Leben in vollen Zügen zu genießen. Einfach weil Nicolas es nicht mehr konnte.

Er hatte immer darauf gehört und war damit gut beraten gewesen. So auch jetzt, zumal es ja seinen eigenen Wünschen entsprach. Cass musste eindeutig daran erinnert werden, wie nahe sie sich einmal gestanden hatten. So nahe, dass er jeden Zentimeter ihres Körpers genau kannte.

Deine beste Strategie kann nur darin bestehen, das Geschäftliche durchs Vergnügen zu beeinflussen.

Das war Nicolas, der gesprochen hatte. Und damit standen Gages nächste Schritte fest. Ja, er wollte Cass. Und ihre Formel. Wenn er es richtig anstellte, würde das eine zum anderen führen.

Er gab Cass gute fünf Minuten, bevor er ihr folgte.

Eine Wende herbeizuführen war nur fair – sowohl in der Liebe als auch in der Kosmetikbranche.

Mit zitternden Händen betrat Cass ihr Büro und knallte die Tür hinter sich zu. Auf keinen Fall wollte sie, dass jemand merkte, wie aufgewühlt sie war. Sie konnte sich auch nicht erklären, warum sie noch am ganzen Körper bebte – vor Adrenalin … und anderen Dingen, die sie jetzt nicht näher ergründen wollte.

Aber sie wusste natürlich, dass sie sich selbst belog. Gage Branson war die Antwort darauf. Doch warum sie sein Anblick nach all den Jahren immer noch derart berührte, konnte sie sich wirklich nicht erklären.

Verdammt, sein Lächeln war ihr durch und durch gegangen. Auch sein Körper war immer noch fantastisch, selbst unter seiner Freizeitkleidung, und hätte eigentlich gut auf einen Pin-up-Kalender gepasst. Sein kurzes, leicht strubbeliges Haar stand ihm ausgezeichnet, genau wie früher. Ja, er war noch immer so sexy und charismatisch wie eh und je, und sie hasste es, dass ihr das auffiel. Hasste es, dass er Schmetterlinge in ihrem Bauch flattern ließ – nach allem, was er ihr angetan hatte.

Tief durchatmen. Gage war schließlich auch nur ein Typ, den sie einmal gekannt hatte. Das musste sie sich nur immer und immer wieder sagen, und irgendwann würde sie es hoffentlich glauben. Doch leider stimmte es nicht. Er war nicht nur irgendein Typ aus dem College, und genau da lag das Problem.

Gage Branson hatte ihr das Herz gebrochen.

Nicht nur das Herz, er hatte sie zerstört. Ihren Geist, ihren Körper und ihre Seele. Sie war damals so rettungslos in ihn verliebt gewesen, dass sie es gar nicht gemerkt hatte. Bis er ihr wie nebenbei gesagt hatte, dass jetzt Schluss war und ob sie ihre Sachen zurückhaben wollte, die noch immer in seiner Wohnung waren.

Inzwischen waren neun Jahre vergangen, und sie war noch immer nicht dazu in der Lage, ihn zu vergessen oder ihm zu vergeben. Deshalb zitterten ihre Hände, und das war einfach nur peinlich.

Das einzig Positive daran war, dass sie fest davon überzeugt war, dass ihm ihre Verwirrung nicht aufgefallen war. Der Himmel mochte verhüten, dass er es merkte. Für Gefühle war hier kein Platz, weder im Business noch in ihrem Privatleben. Kein Platz. Das war die wichtigste Lektion, die sie von ihrem früheren Mentor gelernt hatte. Glücklicherweise schien er ihren Rat, einen Termin bei ihr zu machen, ohne Protest angenommen zu haben, was ihr Zeit gab, sich zu erholen.

In diesem Moment klingelte ihr Handy und erinnerte sie an ihr nächstes Meeting in fünf Minuten. Fünf Minuten, in denen sie darüber nachdenken konnte, wie Fyra mit dieser Informationslücke umgehen sollte. Fünf Minuten, in denen sie sich auf das Treffen mit ihren Partnerinnen vorbereiten konnte. Eigentlich hätte sie dazu eine Stunde gebraucht, aber auf ihrem Weg ins Büro hatte es einen Unfall gegeben, der ihr Eintreffen verzögert hatte. Und dann war auch noch überraschend der Mann aufgetaucht, der ihr seit fast zehn Jahren Albträume bescherte.

Und vielleicht auch ein paar feuchte Träume. Doch davon musste er ja nichts erfahren.

Na super. Genau das brauchte sie jetzt. Cass wusste, dass sie gar keine andere Wahl hatte, als ihre Emotionen unter Kontrolle zu bekommen. Und das sofort. Wenn sie daran dachte, dass Einzelheiten bezüglich ihrer Geheimformel durchgesickert waren, wurde ihr übel, und sie war fest entschlossen, die Informationsquelle ausfindig zu machen. Denn eins stand fest: Wenn es jemandem gelungen war, etwas über die geheime Formel zu erfahren, konnte es auch gut sein, dass er oder sie gewillt war, sie zu stehlen.

Leider waren fünf Minuten nicht genug, um ihren Herzschlag zu beruhigen, bevor sie den Konferenzraum betreten würde, wo ihre besten Freundinnen auf sie warteten. Natürlich würden sie sofort bemerken, dass etwas passiert war. Und dass es mit einem Mann zu tun hatte.

Schließlich hatte sie keine Geheimnisse vor den anderen, mit denen sie zusammen aufgewachsen war. Meistens war Cass darüber sehr froh, heute jedoch nicht.

Im Badezimmer spritzte sie sich kaltes Wasser ins Gesicht und besserte ihr Make-up nach, das zu ihrem Outfit gehörte und zugleich wie ein Schutzschild für sie war.

Niemand konnte sie durchschauen, wenn sie ihr offizielles Gesicht aufsetzte, das richtige Make-up verdeckte jedes Leid. Dank dieser Maskierung war es ihr gelungen, ein Multimillionen-Dollar-Unternehmen aufzuziehen. Doch sich so vorteilhaft wie möglich zu präsentieren war nicht nur das Motto ihrer Firma, sondern auch ihr persönliches.

Keinem Mann sollte es je mehr gelingen, einen Riss in diese Maske zu bringen.

Gestärkt setzte Cass ein kühles Lächeln auf und verließ das Bad. Auf dem Flur lief sie Melinda über den Weg, ihrer Empfangsdame. Sie wirkte etwas verstört und stieß hervor: „Da ist ein ziemlich hartnäckiger Mann, der glaubt, dass du einen Termin mit ihm hast.“

Gage. Als sie ihm gesagt hatte, er solle einen Termin machen, hatte sie natürlich an einen späteren Zeitpunkt gedacht. Einen sehr viel späteren.

Ihre Nerven fingen erneut an zu flattern. „Ich habe kein Treffen mit ihm und muss jetzt in ein Meeting.“

„Ja, das habe ich ihm auch gesagt. Aber er insistiert, dass du Zeit mit ihm eingeplant hast und er deswegen den ganzen Weg von Austin hierhergefahren ist.“ Melinda senkte die Stimme. „Ich muss allerdings sagen, dass er sehr nett und freundlich ist. Er meinte sogar, es könnte vielleicht sein, dass du dich im Datum geirrt hast.“

Der Mann hatte wirklich Nerven!

„So etwas passiert mir nie.“

„Ja, ich weiß. Aber er … na ja, er meinte, ich sollte dich noch einmal fragen, und er wirkte so ehrlich …“

„Warum steht Gage Branson bei uns am Empfang?“, mischte sich Trinity Forrester, die Marketingleiterin der Firma, in das Gespräch ein und funkelte Cass wütend an. Da sie ihre beste Freundin auf dem College gewesen war, war sie natürlich auch im Bilde und nicht gut auf ihn zu sprechen.

Cass stieß einen tiefen Seufzer aus. „Er will uns ein geschäftliches Angebot machen. Ich kümmere mich darum.“

„Gute Idee“, erwiderte Trinity nickend und verschränkte die Arme vor der Brust. „Schmeiß ihn einfach raus. Der Typ hat hier nichts verloren.“

Fasziniert sah Melinda von einer zur anderen. „Aber warum? Was stimmt denn nicht mit ihm?“

„Er hat schreckliche Bindungsängste und eine starke Abneigung gegen alles, was Sitte und Anstand gebieten. Cass wird ihn hochkant rausschmeißen, und ich freue mich schon darauf. Darf ich zuschauen?“

Entschieden schüttelte Cass den Kopf. Das hier war ihr Kampf, dabei brauchte sie keine Zeugen. „Am besten, ich spreche in meinem Büro mit ihm. Bist du so nett und sagst Alex und Harper, dass ich mich ein paar Minuten verspäten werde?“

Trinity zögerte und nickte dann widerstrebend. „Na gut. Aber später will ich alle Details hören, okay?“

Cass straffte die Schultern und marschierte an ihr vorbei zum Empfang.

Tatsächlich, dort lehnte Gage am Tresen, als würde der Platz ihm gehören. Bei ihrem Anblick leuchteten seine Augen auf, und sein anzügliches Lächeln verfehlte erneut nicht seine Wirkung auf sie.

Ohne mit der Wimper zu zucken, herrschte sie ihn an: „Fünf Minuten, Mr. Branson. Ich bin schon zu spät für die Vorstandssitzung.“

„Mr. Branson, das gefällt mir“, sagte er amüsiert und folgte ihr in ihr Büro.

Auf dem Weg dorthin fragte Cass sich, ob das überhaupt eine gute Idee war. Sie hätte Melinda bitten sollen, ihn rüde abzufertigen, und sich dann zu ihrem Meeting begeben sollen.

Doch sie kannte Gage – er würde nicht lockerlassen und sie so lange bedrängen, bis sie ihm einen Termin gab.

Daher sollte sie es am besten gleich hinter sich bringen, um ihn ein für alle Mal loszuwerden.

2. KAPITEL

Sie blieben vor Cass’ offener Bürotür stehen, und Gage zog die Augenbrauen hoch, als er die dunkellila Plakette neben der Tür sah. „Vorstand Geschäftsentwicklung?“

Sein amüsierter Ton nervte Cass, aber sie lächelte nur. „Ja, hier geht es um das Branding. Wir kümmern uns bis aufs letzte Detail um alle Aspekte unseres Geschäfts. Schließlich hatte ich mal einen Mentor, der mir darüber das eine oder andere beigebracht hat.“

Er schmunzelte. Ihr Sarkasmus schien ihm nichts auszumachen, und er beschloss, sie bei Laune zu halten, indem er ihrem ausgestreckten Arm folgte. Jedoch nicht, ohne sie dabei flüchtig zu streifen. Cass wollte sich nicht eingestehen, wie sehr ihre Haut dabei prickelte.

„Ich kann mich noch erinnern, dass wir in der Tat ein paar angeregte Diskussionen über Geschäftsstrategien hatten“, sagte er. „Branding ist übrigens auch der Grund dafür, dass ich einen grünen Hummer fahre.“

Cass hatte ihr Büro in dem Dunkellila streichen lassen, das das Markenzeichen von Fyra war. Selbst ihr Schreibtisch mit der Oberfläche aus Glas und der moderne Teppich auf dem Boden waren fliederfarben. Interessiert sah Gage sich um.

„Weil du damit allen vermitteln willst, dass es bei GB Skin auf keinen Fall um die Umwelt geht und dass der Firmenchef ein Widerling ist?“, fragte Cass zuckersüß, noch bevor Gage eine abfällige Bemerkung über die Farbe machen konnte.

Eine teure, trendbewusste Firma hatte die Inneneinrichtung übernommen, was Fyra einiges gekostet hatte, aber das Ergebnis hatte den Preis gerechtfertigt. Dieses Unternehmen gehörte ihr. Vom Fußboden bis zur Decke war alles ihr Eigentum, und das gefiel ihr. Vor drei Jahren waren sie in dieses Gebäude eingezogen, als Fyra zum ersten Mal den Rekordumsatz von fünfzig Millionen Dollar erreicht hatte. Ab diesem Moment hatte sie gewusst, dass sie es schaffen würden.