Heiße Sonne und Liebe auf Umwegen - A. F. Morland - E-Book

Heiße Sonne und Liebe auf Umwegen E-Book

A. F. Morland

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Beschreibung

Arztroman von A. F. Morland   Der Umfang dieses Buchs entspricht 113 Taschenbuchseiten.   Der Chirurg der Wiesen-Klinik, Dr. Büttner, ist urlaubsreif. Seine Reise führt ihn nach Jugoslawien. Dort lernt er eine attraktive Frau kennen. Er verliebt sich in sie. Dass der Mediziner ihr nicht trauen kann, erfährt er fast zu spät...  

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A. F. Morland

Heiße Sonne und Liebe auf Umwegen

Arztroman

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

Heiße Sonne und Liebe auf Umwegen

Arztroman von A. F. Morland

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 113 Taschenbuchseiten.

 

Der Chirurg der Wiesen-Klinik, Dr. Büttner, ist urlaubsreif. Seine Reise führt ihn nach Jugoslawien. Dort lernt er eine attraktive Frau kennen. Er verliebt sich in sie. Dass der Mediziner ihr nicht trauen kann, erfährt er fast zu spät...

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

[email protected]

1

Müde und abgespannt massierte Dr. Jürgen Büttner seine Nasenwurzel mit Daumen und Zeigefinger.

„Etwas mehr Verständnis darf ich von dir doch wohl erwarten, Christa“, sagte er verstimmt. „Schließlich bin ich nicht Klempner, sondern Mediziner. Wenn ich meinen Dienst antrete, weiß ich nie, ob’s ein Acht-Stunden-Tag wird. Die Patienten haben Vorrang. Wenn sie mich brauchen, muss ich für sie da sein. Mein Gott, so versteh das doch.“

„Ich brauche dich auch, Jürgen“, sagte die hübsche Frau am andern Ende der Leitung. „Aber das scheint dich nicht im Geringsten zu kümmern.“

„Ist doch nicht wahr“, verteidigte sich der junge Mediziner. „Ich liebe dich. Das weißt du doch.“

„Du hast eine komische Art, mir das zu zeigen“, beschwerte sich Christa Sommer. „Ab und zu mal ein kurzer Anruf, zwischen zwei Operationen oder so. Liebesschwüre ... Aber zu sehen bekomme ich dich nie. Ich möchte mit dir zusammen sein, Jürgen, möchte dich spüren, möchte von dir in den Armen gehalten, gestreichelt und geküsst werden. So stelle ich mir eine normale Beziehung vor - nicht Liebe per Telefon.“

„Es geht zur Zeit in der Wiesen-Klinik hoch her“, entgegnete Dr. Büttner. „Das ist aber doch kein Dauerzustand. Solche Spitzentage gibt es wohl immer. Das normalisiert sich wieder. Hab’ etwas Geduld, ja? Ich muss jetzt Schluss machen. Ich ruf dich wieder an. Küsschen.“

Büttner legte seufzend den Hörer auf die Gabel zurück. Diese neue Beziehung wurde derzeit einem Zerreisstest unterzogen. Er konnte nur hoffen, dass sie der enormen Belastung standhielt, denn Christa war eine ungemein attraktive, begehrenswerte Frau.

Müde und abgespannt ging er wieder an die Arbeit zurück. Er hatte heute keinen guten Start gehabt und sich durch den Tag geschleppt. Bestimmt war das auch Dr. Berends, dem Chefarzt und Leiter der Wiesen-Klinik, aufgefallen. Dr. Berends blieb nichts, was in seiner Klinik vorging, verborgen, aber er verlor kein Wort über die mangelnde Spannkraft des jungen Chirurgen. Schließlich war ihm klar, dass man nicht immer in Hochform sein kann, und er erkannte an, dass Dr. Jürgen Büttner in den letzten Tagen ein ganz besonders großes Arbeitspensum absolviert hatte. Irgendwann wird jeder müde.

Eine Stunde nach dem Telefonat mit Christa Sommer begleitete Dr. Büttner den Chefarzt bei der Visite. Sie hatten ein paar junge Männer von der Freiburger Universität im Schlepptau, die sich die Wiesen-Klinik im Hinblick auf MA-Möglichkeiten ansahen.

Während der Chefarzt die jungen Leute nach der Visite in sein Büro bat, bekam Dr. Büttner einen Anruf.

„Ich habe hier eine Neuaufnahme“, sagte Dr. Bender, ein noch etwas unsicherer junger Arzt, der keinen Fehler machen wollte. „Möglicherweise einen Infarkt. Würden Sie sich den Patienten mal ansehen, Herr Kollege?“

„Ich komme sofort“, entgegnete Dr. Büttner und warf einen Blick auf die Uhr.

Die Zeit hatte für ihn keine Bedeutung mehr. Er konnte ja doch nicht nach Hause gehen. Manchmal fragte er sich, wie viel Stress er wohl aushielt, und dann dachte er schnell an den Urlaub, den er gebucht hatte.

Zwei Wochen Jugoslawien . . . Klares Wasser .. . Sonne . . . Stille .. . Ruhe . . . Erholung . . . Und Christa Sommer, denn die würde er nach Porec natürlich mitnehmen.

Dr. Bender erwartete ihn schon sehr nervös. Immer wieder fuhr er sich mit den Fingern durch das rote Haar. Sein Gesicht war mit Millionen von Sommersprossen bedeckt.

„Der Patient hat schwere Herzschmerzen“, sagte er mit belegter Stimme.

Dr. Büttner sah sich den Mann kurz an.

Dr. Bender hatte den Patienten in der Ambulanz gesehen, aber es gab keine Notiz, keine Verordnung, gar nichts, nicht einmal einen Aufnahmebericht. Also musste Dr. Jürgen

Büttner den Aufnahmestatus erheben, und er verordnete etwas Morphium, Sauerstoff und ein EKG, das die Schwestern gleich machen sollten, damit Dr. Berends es sehen könne, wenn er käme.

Sie konnten dem Patienten helfen, und als Dr. Büttner nach Hause kam, fiel er ins Bett, und schlief sofort ein.

Christas Anruf weckte ihn tags darauf. „Sehen wir uns?“, fragte sie. „Ich muss in die Klinik“, gab er zur Antwort.

„Langsam fange ich an, die Wiesen-Klinik zu hassen“, sagte Christa giftig und legte wütend den Hörer auf.

Er rief sofort zurück, doch sie hob nicht ab.

Nachdem der Mediziner starken schwarzen Kaffee getrunken hatte, betrachtete er seine schlanken, feinnervigen Hände, und er wunderte sich, dass sie immer noch ruhig waren. Sie waren ein Instrument, auf das er sich verlassen können musste. Ein Chirurg mit zittrigen Händen war für die Patienten keine Hilfe, sondern eine Gefahr.

In der Wiesen-Klinik eingetroffen, sah er sich den OP-Plan an. Da wartete einiges auf ihn.

Nach vier Stunden im Operationssaal war er so geschlaucht, dass er das Gefühl hatte, nicht mehr weitermachen zu können. Fünfzehn Minuten Pause in der Kantine und ein Gespräch mit Dr. Charlotte Berends, der attraktiven Frau des Chefarztes, brachten ihn wieder auf Trab.

Dr. Bender wollte etwas über die Wilsonsche Krankheit wissen, weil er sich das Leberversagen einer kleinen Patientin nicht erklären konnte. Dr. Büttner stellte dem Kollegen Fachliteratur zur Verfügung. Er wurde zu einer Patientin geholt, die vor einer Woche einen Infarkt gehabt hatte. Nun klagte sie über Schmerzen in der Brust und leichte Atembeschwerden.

Als Dr. Büttner das Krankenblatt zur Hand nahm, stellte er fest, dass die Frau Anhängerin der Christlichen Wissenschaft war. Man hatte ihr gegen die Herzschmerzen Demerol oral verordnet, weil sie keine injizierbaren Medikationen haben wollte. Sie erlaubte nicht einmal einen Einstich, um Laboruntersuchungen durchführen zu können. Eine schwierige Patientin.

Dem Verlaufsbericht entnahm Dr. Jürgen Büttner, dass die Frau streitsüchtig, aufsässig, beleidigend und dergleichen mehr war.

Doch nun, wo es ihr schlecht ging, war sie sehr friedlich.

Der Chirurg verordnete Sauerstoff und fühlte den Puls der Patientin. Der war beunruhigend schnell. Er lag bei zweihundertzwanzig pro Minute, und das war bei einem Infarkt sehr schlecht.

Während der Pfleger die Patientin mit Sauerstoff versorgte, schrieb Dr. Büttner ein EKG, um zu sehen, wie es sich gegenüber dem früheren verändert hatte.

Es sah aus, als wäre ein ganzer Keil des Herzmuskels ausgefallen, und es war der neunte Tag, also gerade der Zeitpunkt, wo der geschädigte Teil der Herzwand am schwächsten wird.

Vor ein paar Stunden war der Puls der Patientin noch bei sechsundsiebzig gewesen und nun lag er über zweihundert!

Entweder kam die hohe Pulsfrequenz von der reizbaren beschädigten Herzkammer, oder die Patientin ging auf ein massives Herzversagen zu.

Dr. Büttner versuchte Dr. Berends hinzuzuziehen, doch der Chefarzt befand sich nicht in der Klinik. Dr. Viktor Uhlig war auch nicht verfügbar, also musste Dr. Büttner die schwere Last der Verantwortung allein tragen.

Ein dünner Schweißfilm glänzte auf seiner Stirn.

Herrgott, bin ich urlaubsreif, dachte er, während er überlegte, wie er die Patientin über den Berg bringen konnte.

Christa Sommer hätte jetzt hier sein müssen, dann hätte sie in Zukunft vielleicht mehr Verständnis aufgebracht. Manche Frauen waren so schrecklich unvernünftig und egoistisch. Sie dachten nur an sich, an ihr Vergnügen. dass es Wichtigeres im Leben gab, ließen sie nicht gelten.

Die Patientin hatte in den letzten Tagen Quindin bekommen, und Dr. Büttner befürchtete, dass ihr Digitalis schaden könnte, da die Frau aber immer mehr verfiel, entschloss sich der Mediziner, ihr eine halbe digitalisierende Dosis intravenös zu geben. Sie war zu schwach, um irgendwelche Einwände gegen die Nadel zu erheben.

Öfter als sonst fühlte Dr. Büttner dann den Puls der Frau. Um zwei Uhr gab er ihr eine zweite Dosis Digitalis, und noch eine um acht Uhr morgens.

Um zwei Uhr war ihr Puls auf einhundertsechzig runter, aber ihr Blutdruck war nicht mehr messbar. Sie war ganz weiß und reagierte kaum.

Dr. Büttner kämpfte verbissen um ihr Leben, und am nächsten Morgen ging es ihr halbwegs gut. Der Puls betrug zweiundsiebzig und war langsam und kräftig.

Hundemüde, aber mit dem guten Gefühl, die Frau durchgebracht zu haben, verließ Dr. Büttner die Wiesen-Klinik.

An diesem Tag musste er Christa zum dritten Mal versetzen. Sie beklagte sich kaum noch.

„Aber im Urlaub gehöre ich ganz dir, nur dir allein“, versprach der junge Chirurg.

„Ach, Jürgen, ich glaub’s schon fast nicht mehr“, sagte Christa Sommer am andern Ende der Leitung.

„Was glaubst du nicht?“, fragte er seine Freundin.

„Das wir beide jemals nach Jugoslawien kommen“, entgegnete die junge Frau.

„Kindchen, der Urlaub ist gebucht“, sagte Dr. Büttner.

„Es kommt bestimmt noch zu einer Katastrophe, die dich daran hindert, den Urlaub anzutreten.“

Dr. Büttner lachte. „Wer wird denn so schwarz sehen? Christa, du hast die zwei schönsten Wochen deines Lebens vor dir. Ich werde nur tun, was du möchtest, und wir werden all das nachholen, worauf du derzeit verzichten musst.“

„Wir würden nicht aus dem Bett kommen“, entgegnete sie leise.

„Na und? Es heißt doch: ,So richtig nett ist’s nur im Bett“, sagte der junge Mediziner amüsiert.

„Du fehlst mir, Jürgen.“

„Halte durch, Christa. Nur noch ein paar Tage. Ich verspreche dir, dass deine Geduld reich belohnt wird“, meinte der Chirurg.

Kurz darauf befand sich Dr. Büttner wieder in der Tretmühle. Wenn er seinen Beruf nicht so sehr geliebt hätte, hätte er die fortgesetzte Überlastung kaum ausgehalten.

Er sehnte das Wochenende herbei, zählte die Tage, Stunden. Was würde man ihm noch alles aufbürden?

Er fühlte sich keineswegs benachteiligt, denn seinen Kollegen ging es nicht besser. Vor allem Dr. Richard Berends leistete noch mehr als alle anderen. Ein Vorgesetzter, wie er besser nicht sein konnte, souverän, korrekt, verständnisvoll. Man fand ihn überall - in der Aufnahme, im OP, in der Gynäkologie, auf der Internen. Und kein Problem der Patienten, selbst wenn es noch so klein war, war ihm unwichtig.

Manchmal dachte Dr. Jürgen Büttner: Ich möchte so werden wie er.

Aber das war wohl nicht zu schaffen. Er konnte nur sein Bestes geben und hoffen, dass es stets reichte.

Ein alter Mann mit Schmerzen im Oberbauch wurde eingeliefert. Dr. Büttner kümmerte sich um ihn. Die Schmerzen besserten sich nach Nitroglycerin, aber die Anamnese war leer in Bezug auf Schmerzen im Brustbereich, deshalb vermutete Dr. Jürgen Büttner, der Patient müsse ein Geschwür haben.

Während der junge Mediziner den Untersuchungsbericht schrieb, sah sich Dr. Berends den alten Mann unterdessen an. Er sprach fünfzehn Minuten mit ihm, und als er dann herauskam, sagte er: „Ich glaube, der Patient hat Angina pectoris vom Herzen her, und überhaupt nichts im Bauch.“

Und der Chefarzt hatte wie so oft recht.

Aber selbst wenn das der Fall war, ließ er einen das nicht spüren.

Angenehm, dachte Dr. Büttner. Ja, angenehm ist er auch noch.

„War etwas viel Stress in letzter Zeit“, sagte Dr. Berends.

„Was uns nicht umbringt, macht uns stark“, meinte Dr. Büttner schmunzelnd.

„Sie haben sich großartig gehalten, Herr Kollege. Ich möchte Ihnen dafür danken.“

Der junge Chirurg senkte verlegen den Blick. „Aber ich bitte Sie . . .“

„Keine falsche Bescheidenheit“, fiel ihm Dr. Berends ins Wort. „Ich weiß zu schätzen, was Sie geleistet haben. Zu einem Mitarbeiter Ihrer Qualifikation kann ich mir nur gratulieren.“

„Ach was, Herr Chefarzt. Ich habe einfach getan, was nötig war - wie alle anderen hier auch.“

„Langsam ist Land zu sehen“, sagte Dr. Berends. „Sie brauchen also mit keinem schlechten Gewissen in Urlaub zu fahren. Haben Sie mir eigentlich schon gesagt, wohin die Reise geht?“

„Nach Porec, Jugoslawien“, gab der junge Mediziner zur Antwort.

„Fahren Sie allein?“, wollte der Chefarzt noch wissen.

Dr. Büttner grinste.

„Entschuldigen Sie die dumme Frage“, sagte Dr. Berends. „Ein junger Arzt, gutaussehend, Junggeselle . . . Der wird seinen Urlaub doch nicht allein verbringen. Ich hoffe nur für Sie, dass Sie von Ihrer Begleiterin nicht ebenfalls gestresst werden.“

„Keine Sorge. Ich werde mir das schon irgendwie einteilen“, gab Dr. Büttner lächelnd zurück.

„Kenne ich die Dame?“, fragte der Chefarzt seinen jüngeren Kollegen.

„Sie heißt Christa Sommer. Ihr Vater erzeugt orthopädische Schuhe“, entgegnete Dr. Büttner.

„Herbert Sommer?“

„Genau“, meinte der Jüngere der beiden Mediziner.

„Den Vater kenne ich. Die Tochter nicht“, sagte Dr. Berends.

„Oh, dann ist Ihnen bisher das Beste der Familie Sommer entgangen.“

„Nun, Sie können mir Ihre neueste Errungenschaft bei Gelegenheit ja mal vorstellen“, sagte der Chefarzt.

„Mach’ ich sehr gern“, erwiderte Dr. Büttner.

„Das scheint diesmal etwas Ernstes zu sein. Kein oberflächlicher Flirt“, meinte der Klinikchef.

„Ich liebe Christa“, entgegnete Dr. Büttner. „Das hat bei mir im allgemeinen nichts zu sagen, aber bei Christa geht es etwas tiefer.“

„Dann wollen wir hoffen, dass diese Beziehung zur Abwechslung mal länger hält“, sagte Dr. Berends.

„Wenn es nach mir geht, wird sie halten“, meinte der junge Mediziner überzeugt. „Allerdings würde es Christa Sommer lieber sehen, wenn ich Lehrer wäre . . . Oder Maurer . . . Jeder andere Beruf würde ihr mehr Zusagen als der, den ich ausübe.“

„Sie bekommt zu wenig von Ihnen.“

„Sie wird sich daran gewöhnen müssen“, sagte Dr. Büttner. „Der Urlaub in Porec wird sie für alle Entbehrungen entschädigen.“

Dr. Berends lachte. „Donnerwetter, da haben Sie sich ja einiges für die kommenden beiden Wochen vorgenommen.“

Der junge Chirurg hob die Schultern. „Es wird zu bewältigen sein. Ich bin schließlich jung.“

2

Donnerstagabend verließ Dr. Büttner - es war ein kleines Wunder - um siebzehn Uhr das Klinikgebäude. Er fühlte sich trotz der vielen Arbeit, die er wieder zu bewältigen gehabt hatte, verhältnismäßig gut und freute sich auf Christa Sommer.

Er hatte sie von der Klinik aus angerufen, aber nicht erreicht, versuchte es zu Hause noch einmal, hatte aber wieder kein Glück.

Er duschte, zog sich um und fuhr einfach los.

Vor dem Haus der Sommers stand ein weißes Cabriolet, in dem ein unverschämt gutaussehender junger Mann saß. Der Mediziner kannte ihn. Das war Frank Körner, ein Playboy, ein ewiger Student, der seinen Eltern seit Jahr und Tag auf der Tasche lag, stinkfaul, arbeitsscheu, arrogant und eitel. Er bildete sich ein, jede Frau in Bergesfelden haben zu können, und es hatte den Anschein, als hätte er damit recht. Seine Eltern besaßen ein großes Möbelhaus. Wie man hörte, waren die Umsätze stark rückläufig; man munkelte sogar von Konkurs - aber das störte Frank Körner nicht, das Geld, das er von seinen Eltern bekam, mit vollen Händen auszugeben.

Und Christa Sommer störte es nicht, ihn ungeniert und leidenschaftlich vor ihrem elterlichen Haus zu küssen!

Das war ein Schock für Dr. Jürgen Büttner! Er traf ihn mit der Wucht eines Keulenschlages.

Christa . . . Seine geliebte Christa beugte sich in den offenen Wagen und küsste diesen stadtbekannten Windhund. Das war ja nicht zu fassen. Wie stellt sie sich das vor? fragte sich Dr. Büttner empört. Wie lange geht das schon so hinter meinem Rücken? Das geht doch nicht. . . Sie kann doch nicht. . .Er hatte den Wagen angehalten. Auf dem Beifahrersitz lagen Blumen, ein wunderschöner, großer Strauß. Jürgen Büttner hatte seiner Freundin damit eine Freude machen wollen - und nun musste er das mit ansehen! Es war empörend!

Wie stellte sich Christa Sommer das denn vor? Sie knutschte hier in aller Öffentlichkeit mit Frank Körner herum - und übermorgen fuhr sie mit ihm nach Jugoslawien.

Die junge Frau richtete sich auf. Frank Körner winkte und fuhr los. Sie winkte so lange, bis er um die Ecke gebogen war, dann ging sie ins Haus.

„Das muss sie mir erklären“, sagte Dr. Büttner wütend vor sich hin. „So geht das doch nicht - so nicht!“

Aber er war so zornig, so enttäuscht, dass er jetzt nicht mit seiner Freundin reden konnte. Er wäre bestimmt zu heftig geworden und hätte Dinge gesagt, die ihm hinterher leidgetan hätten. Und wenn Christa dann ein falsches Wort gesagt hätte, hätte er ihr womöglich den Blumenstrauß ins Gesicht geschlagen. Nein, es war vernünftiger, sich zuerst abzukühlen.

So emotionsgeladen, wie er im Augenblick war, durfte er nicht mit Christa Sommer sprechen. Er musste zuerst Abstand gewinnen. Also fuhr er wieder nach Hause.

Er stieg aus. Die Blumen drohten unbeachtet auf dem Beifahrersitz liegenzubleiben. Sie wären verwelkt, die armen Blumen. Sie konnten aber doch nichts für Christas Untreue, deshalb holte Jürgen Büttner sie, als sie ihm auffielen, heraus.