Verlag: Books on Demand Kategorie: Fantasy und Science-Fiction Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2018

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E-Book-Beschreibung Helene - Kristin Wöllmer-Bergmann

Als Helene morgens aufwacht, weiß sie nicht, wo sie ist und wie sie dorthin kam, bis ihr Damian gegenübersteht. Er sucht eine Frau für‘s Leben und Helene ist sofort klar, dass nur sie diese Frau sein kann. Doch welche Konsequenzen eine Entscheidung für Damian hat, kann sie nicht absehen und schon bald wird ihr klar, dass sie ihm viel mehr geben muss als ihre Liebe. Denn Damian ist nicht, wer er zu sein scheint und hat mächtige Gegner ...

Meinungen über das E-Book Helene - Kristin Wöllmer-Bergmann

E-Book-Leseprobe Helene - Kristin Wöllmer-Bergmann

Für mein freiwilliges Lektorenteam, ohne das Helene niemals sie selbst geworden wäre.

Ich danke euch von Herzen für eure Ideen, eure Hingabe und eure Begeisterung.

Dieses Buch ist für euch.

Inhaltsverzeichnis

Prolog

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

P.A.S.H. (Personal Assistant of Satan & Hell)

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Register

Die Höllische Hierarchie

Der Rat der Lords

Außerdem

Ehemalige Lords

Die Himmlische Hierarchie

Prolog

Er stand am Fenster und atmete tief ein. Die Arbeit war getan und er hatte die Möglichkeit, einen Neuanfang zu machen. Endlich, nachdem er so lange gewartet und geplant hatte.

Der letzte Versuch war mit einer Katastrophe geendet, von der er sich nur schwer erholt hatte. Er hatte diesen nächsten Versuch so lange herausgezögert, wie er konnte, doch jetzt…

Es gab nur wenige Gründe, aus denen sein Herz schneller schlug. Die Aussicht, jemanden zu finden, dem er sich zugehörig fühlen konnte und der die Last seiner Arbeit mit ihm teilen konnte, war einer davon.

Er brauchte sie, der er sich anvertrauen konnte und deren Unterstützung er sich sicher sein konnte.

Dafür hatte er viele Anstrengungen unternommen, Informationen eingeholt und Helfer bemüht, um den Kreis einzugrenzen. Um die wenige kostbare Zeit, die er hatte, so gut wie möglich zu nutzen.

Gut, dann musste er eben zu ungewöhnlichen Mitteln greifen, um sein Ziel zu erreichen. Meistens sahen Frauen in ihm nur das, was sie sehen wollten, er aber hatte schon zu viel Zeit verschwendet, um hinter die Masken einiger vielversprechender Kandidatinnen zu schauen, nur um sehen zu müssen, dass die Maske das beste gewesen war, was sie ihm hatten bieten können.

Es klopfte an der Tür und seine Assistentin teilte ihm mit, dass alle ausgewählten Frauen eingetroffen waren.

Sie waren wegen der unterschiedlichsten Gründe ausgewählt worden, hatten Eigenschaften, die ihm wichtig waren. Mut, Intelligenz, Scharfsinn, Durchsetzungsvermögen.

Die meisten hatten sich freiwillig erboten, ihm ihre Zeit zu schenken, sodass sie einander prüfen konnten.

Ein paar wenige wussten noch nichts von ihrem Glück oder hatten mehr oder weniger bewusst zugestimmt.

Sein Mund wurde trocken und er betrachtete sein Gesicht in der Spiegelung der Scheibe.

Noch einen Misserfolg durfte es nicht geben. Er hatte nur noch diesen letzten Versuch, bevor ihm die Zeit davonlief.

1

Als ich erwachte, schmerzte mein Kopf wie noch nie zuvor in meinem Leben. Unsicher tastete ich meinen Hinterkopf ab und wimmerte, als meine Fingerspitzen die Beule erfühlten.

Ich hatte Angst, die Augen zu öffnen, denn ich war mir sicher, jeder Kontakt zwischen etwaigen Lichtquellen und meinen Netzhäuten würde meinen Kopf zum Platzen bringen. Vorsichtig zog ich an meiner Decke und beschloss, sie mir erst einmal über den ganzen Körper zu ziehen, um mich gänzlich vor Licht zu schützen.

Sie bewegte sich nicht. Ich musste auf ihr liegen.

Unwillig mich zu bewegen, zog und zerrte ich mit aller Kraft an der Decke, doch ich bekam sie nicht gelöst. Frustriert schlug ich schließlich doch die Augen auf.

Durch ein wirres Nest rotblonder Haare, die kurz davor waren, als Dreadlocks durchzugehen, sah ich, dass das Zimmer dämmrig beleuchtet war und es eindeutig nicht mein Zimmer war.

Es gab auch keine Decke.

Ich war nicht einmal sicher, ob das überhaupt ein Bett war, auf dem ich lag. Der Bezug war wunderschön, apricotfarbener bestickter Brokat und unter meinem Kopf, oh Grauen, ein Sabberfleck auf dem guten Stoff. Beschämt legte ich meine Hand auf die Verfärbung.

Es herrschte ein angenehmes Halbdunkel, anscheinend hatte jemand vorsorglich die Vorhänge zugezogen als ich…

Moment. Jemand?

Ja, wer denn?

Wo war ich überhaupt?

Auf wessen Gott verdammten Nicht-Bett lag ich hier eigentlich und warum hatte ich eine Riesenbeule am Hinterkopf?

Oh Gott, war mein erster Gedanke, ich bin entführt worden!

Schlagartig schlug mir mein Herz bis zum Hals und ich rappelte mich auf, um mich, wenn nötig, vor meinem Entführer unter dem … was-auch-immer-Liegedings… zu verstecken.

Dabei sah ich an mir herunter und mein Schreck verwandelte sich in Panik: Meine Kleidung gehörte so offensichtlich nicht mir, als wäre ich von einer Freindin für eine Kostümparty eingekleidet worden. Ich war zwar nicht Bridget Jones im Hasenkostüm, aber kurz davor, in einem Minikleid aus korallenrotem Stretch.

Das gute Stück saß wie eine zweite Haut und ich musste mich mit Tasten versichern, dass ich Unterwäsche drunter trug.

Tat ich.

Mein Gott, was war denn bloß passiert? Schuhe trug ich keine, also kam ich barfuß auf die Beine und versuchte mir, mit der Restvernunft die ich noch hatte, einen Überblick zu verschaffen.

Ich hatte nicht den Hauch einer Ahnung, wo ich war. Ich musste einen Filmriss haben.

Welcher Tag war heute?

Mit eindeutig viel zu hohem Puls und schweißnassen Händen suchte ich das Bett-Dings nach meiner Handtasche ab.

Wenn ich mein Handy fände, könnte ich mich selbst orten, meine Schwester anrufen und dann ein Taxi oder andersrum, meinen Fotospeicher checken, ob irgendein verdammtes Selfie Aufschluss darüber gab wo ich war und dann nach Hause und in meine Jogging-Hose.

„Okay, jetzt atme einmal durch!“ sagte ich laut und versuchte in den Bauchnabel zu atmen. Ich hatte mal eine Schnupperstunde Yoga, zumindest ruhiges Atmen sollte ich also hinbekommen.

Was also könnte passiert sein, dass ich hier gelandet war?

Wahrscheinlich war ich ausgerutscht und ohnmächtig geworden und irgendein netter Fremder, vorzugsweise ein gutaussehender Mann, Single, Anfang dreißig, reich, intelligent, witzig und charmant hatte mich gerettet und in ein Hotel, nein, seine riesige Altbauwohnung gebracht.

Das würde mir sehr in die Karten spielen. Einen netten Mann hatte ich schon lange nicht mehr kennengelernt und Männer mit guten Manieren und Anstand wären mal eine nette Abwechslung zu der ganzen Ausschussware, mit der frau täglich konfrontiert wurde.

Wenn er dann auch noch eventuell gut aussah und dies nicht die Wohnung seiner Mutter oder seiner Ex-Freundin war (beides schon vorgekommen), dann liebe Freunde, war ich gern bereit, hier noch ein wenig mehr Zeit zu verbringen.

Ich zerrte meine Handtasche unter dem…Sitzmöbel hervor und durchstöberte sie. Mein Portemonnaie war noch da, inklusive zwanzig Euro und meinem Personalausweis, der mir Auskunft darüber gab, dass ich nach wie vor Helene Peters war, sechsundzwanzig Jahre alt, geboren und wohnhaft in Hamburg, einen Meter siebzig groß, Augenfarbe braun.

Bei der Größe schummle ich seit jeher, aus Rache dafür, dass die Beamten nur „braun“ bei Augenfarbe reinschreiben durften und das so langweilig klang. Mir stand der Sinn eher nach „haselnussgolden“.

Sehr weit unten in der Tasche war mein Smartphone. Der Akku war fast leer und der Empfang bescheiden. Mist, aber für einen letzten Anruf würde es vielleicht reichen.

Schnell scrollte ich durch den Fotoordner. Nichts Auffälliges. Essen, meine Nichte, Essen, meine Freundinnen und ich, Essen… war ich Foodblogger oder was? Warum fotografierte ich jedes Magnum-Eis aber nicht den Mann, in dessen Wohnung ich war?

Das Handy blinkte noch einmal unheilschwanger, dann gab der Akku den Geist auf und der Bildschirm wurde schwarz.

Gut gemacht, Helene. Man muss Prioritäten setzen können.

Ich ließ das Gerät sinken und sah mich ratlos im Raum um.

Die Wände waren in einem hellen Schieferton gestrichen und korallenrot akzentuiert. Überall waren kleine Dekorationen und Kissen in diesem Farbton verstreut und arrangiert, begonnen bei Orchideen und aufgehört bei den Schränken der Hochglanzeinbauküche.

Ich kam an einem Spiegel vorbei und keuchte auf. Das Schlauchkleid sah unfassbar billig an mir aus. Der Ausschnitt war tief V-förmig und mein BH drückte meine Brüste fast schon vulgär nach oben. Und ein Gynäkologe hätte untenrum leichtes Spiel gehabt, wenn Sie wissen, was ich meine. Ich sah aus wie eine Prostituierte in einem billigen Film aus Osteuropa.

Das konnte doch nicht mein Ernst gewesen sein! Niemals hätte ich mir so einen Fummel angeschafft. Ich suchte nach meinen Kleidern, oder wenigstens irgendwas zum Überziehen, erfolglos. Es gab nichts bis auf die Vorhänge am Fenster, was sich im Entferntesten als Kleidung geeignet hätte.

Vielleicht konnte ich einen der Vorhänge als Umhang oder so etwas benutzen und dann ganz schnell von hier verschwinden. Irgendwie würde ich mit den zwanzig Euro nach Hause kommen, ich hatte ja zur Not noch meine Kreditkarte.

Ich trat an das Fenster und rüttelte an dem Vorhang. Er saß bombenfest in einer Schiene über dem Fensterrahmen.

Ich versuchte jetzt nicht mehr, den Vorhang auszuhaken, ich zerrte mit roher Gewalt an dem Ding, damit der Stoff zerriss und ich mich irgendwie bedecken konnte.

Doch umsonst.

Irgendwann gelangte ich zu der Überzeugung, dass sich der Vorhang, aus was auch immer er sein mochte (Fallschirmstoff???) nicht zerreißen ließ. Nicht mal bewegen ließ er sich wahrscheinlich. Um mich selbst zu überzeugen, gab ich dem Vorhang einen Schubs und wie um mich zu verhöhnen glitt der Stoff lautlos zur Seite und gab die Sicht auf das Fenster frei.

Ich blickte auf einen Wald, so groß, dass ich nichts Anderes als Bäume sah. Immerhin würde dort wohl keiner sein und mich in meinem Nutten-Outfit sehen.

Als ich nach unten sah, stellte ich fest. dass ich mich etwa im vierten oder fünften Stock befinden musste. Seit wann gab es am Waldrand Appartement-wohnhäuser mit vier oder fünf Stockwerken? Ich drehte mich wieder um und inspizierte den Rest der Wohnung. Alles neu und makellos sauber, wie ein Showroom auf einer Messe vor der Öffnung. Keine Anzeichen auf irgendeinen anderen Bewohner als mich im Moment.

Es wurde Zeit, zu gehen. Von mir aus konnten mich hundert Menschen so fast nackt sehen, wenn ich nur hier raus und in meine eigene Wohnung kam.

Das Ganze hier nahm jetzt eindeutig unheimliche Züge an, die sich mit der besten Yoga-Atemtechnik nicht mehr weginhalieren ließen. Ich hatte keinen blassen Schimmer, wo ich war und bei wem und so langsam hatte ich das Gefühl, dass ich es auch nicht unbedingt wissen musste.

Was auch immer ich mir bei dem Kleid gedacht hatte, wer konnte schon ahnen, welche Irren ich damit angelockt hatte?

Für mein Leben hatte ich genug Folgen Criminal Minds gesehen um zu wissen, dass die Blondinen in den engen Kleidern meistens diejenigen waren, die auf dem Tisch des Pathologen landeten.

Für diese Rolle fühlte ich mich eindeutig nicht bereit.

Ich klaubte alle Sachen zusammen, die ich finden konnte, fischte ein paar Pumps aus einer Ecke, die sich bei näherem Hinsehen als meine entpuppten, und beschloss dann, mich wort- und grußlos vom Acker zu machen.

Noch ein letzter prüfender Blick, dass ich auch nichts vergessen hatte, dann ging ich zur Tür, bereit für meinen persönlichen Walk of shame. Hoffentlich begegnete mir keiner, den ich kannte!

Gerade wollte ich nach dem Türgriff greifen, als ich sah, dass es keinen gab. Die schicke weiß lackierte Wohnungstür vor mir hatte dort, wo der Griff sein sollte, eine runde Edelstahlplatte, darunter war das Schloss zu sehen, für das ich definitiv keinen Schlüssel in der Handtasche hatte.

Wütend schrie ich auf. Das wurde ja immer besser!

Wieso in drei Teufels Namen war ich in einem Raum, in dem die Tür keinen Griff hatte?

Was zum Geier war hier los?

2

Ich warf mich ein paar Mal erfolglos gegen die Wohnungstür, bevor ich sah, dass die Scharniere innen angebracht waren und selbst wenn ich der Hulk wäre, die Tür nur nach innen aufschwingen konnte.

Ich saß in der Falle.

Ein paar Runden drehte ich durch die Wohnung, die noch immer im vierten Stock lag und suchte nach einem Alternativweg (außer dem Sprung in die Tiefe), dann lehnte ich mich schließlich erschöpft mit dem Rücken gegen das weiße Holz. Ich rutschte zu Boden und kämpfte mit den Tränen.

Verdammte Scheiße, wie hatte mir das passieren können?

Mir!

Ich passte doch immer gut auf mich auf, ging nicht mit Fremden mit und nahm brav ein Taxi, statt nachts allein durch die Großstadt zu irren, wenn ich mit Freunden unterwegs war.

Normalerweise trank ich nur so viel, dass ich gut drauf, aber immer noch Herrin der Lage war. Ich mied dunkle Ecken und gab meine Handynummer nur heraus, wenn ich das Gefühl hatte, der Mann könnte auch bei Tageslicht noch was taugen und nicht nur ein belangloser Samstagabendflirt auf der Tanzfläche sein, den man auch gedankenlos stehen lassen konnte.

Ehrlich gesagt war ich selbst mit dieser Vorsicht ein paar Mal auf die Nase gefallen und die Tageslichttauglichen waren dann doch nicht alltagstauglich, aber eingesperrt worden war ich noch nie.

Schreckliche Bilder kamen in mir hoch, von Menschenhändlerringen und Zwangsprostitution.

Ich stützte die Stirn auf meine Knie und ließ die Hände zu Boden fallen. Dabei streiften meine Finger einen Zettel, der auf dem Boden lag.

Mürrisch starrte ich das Ding an. Es sah aus, als hätte es jemand unter der Tür durchgeschoben.

Mein Mund wurde schlagartig trocken. Stand da jetzt drin, dass ich gleich betäubt würde, damit meine Organe entnommen werden konnten?

Ich faltete den Zettel auseinander. Die Schrift war per Hand geschrieben, aber so sauber und präzise wie von einer Maschine.

Helene,

bitte entschuldigen Sie die ungünstigen Umstände Ihres Aufenthalts. Es wird Ihnen nichts geschehen, deswegen seien Sie bitte unbesorgt. Sie sind hier sicher und es wird jemand kommen, um Ihnen alles zu erklären.

Keine Unterschrift, kein gar nichts, was irgendeinen Rückschluss zugelassen hätte. Sollte ich der Botschaft glauben, dass mir nichts passieren würde?

Nicht, dass ich besonders viele Alternativen hätte.

Dennoch spürte ich, dass ich mich ein wenig entspannte. Erklärung klang gut. Klang nach „nach Hause gehen“.

Mein Puls regulierte sich wieder ein wenig und ich schaffte es, aufzustehen und mich vor dem Spiegel ein kleines Bisschen herzurichten. Wer auch immer kam, um sich mir zu erklären, brauchte ja nicht gleich einen Schreck bekommen, weil ich wie eine Crystal-Meth-Abhängige im Endstadium aussah.

Im Badezimmer wusch ich mir die Make-up-Reste vom Gesicht und fand sogar eine Bürste, um den Dreadlock auszukämmen.

Dann setzte ich mich auf das Sofa und wartete, die Handtasche auf dem Schoß, um möglichst viel Intimbereich zu bedecken.

Gut, Warten war noch nie meine Stärke gewesen.

Es konnten nur wenige Minuten vergangen sein und ich kaute auf meiner Lippe und wackelte so doll mit dem Fuß, dass mein Schuh durch den Raum flog.

Fluchend kam ich hoch und sammelte ihn wieder ein. Dabei blieb mein Blick an der Küchenzeile und dem Kühlschrank hängen.

Vielleicht hatten sie ja wenigstens einen Schluck Saft für mich in diesem Saftladen.

Im Kühlschrank war tatsächlich Saft, dazu eine Flasche Wein und mehrere Flaschen Wasser.

Na schön, dachte ich, wenn sie mir den Wein schon hinstellten, konnte ich ja einfach ein Gläschen trinken und damit mein Gemüt beruhigen. Vielleicht würde mir der Alkohol ein wenig die Anspannung nehmen und mir dabei helfen, mich daran zu erinnern, was gestern geschehen war.

Während ich mir ein Glas einschenkte, erinnerte ich mich daran, dass mein Handy angezeigt hatte, dass es Samstagmittag war.

Eigentlich zu früh für Alkohol, aber ich fand, dass besondere Umstände als Rechtfertigung ausreichten.

Der Wein schmeckte ganz gut und ich schenkte mir nach.

Und dann noch einmal.

Das war wirklich eine ganz ausgezeichnete Idee gewesen, denn ich wurde ein bisschen ruhiger.

Irgendwann ertappte ich mich dabei, dass ich nach versteckten Kameras Ausschau hielt und begann, mit imaginären Leuten zu sprechen.

„Ehrlich, Leute, ich habe mich nicht für die hundertste Staffel „Big Brother“, oder so beworben. Oder wenn doch, dann nicht absichtlich. Jedenfalls habt ihr die Kameras echt super versteckt. Wenn das hier „nur die Liebe zählt“ ist, oder die „Comedy-Falle“, lasst mich sofort hier raus. Ich möchte ausdrücklich nicht von meiner Jugendliebe überrascht werden. Kai, wenn du es bist, sei bitte nicht böse, aber das mit uns wäre nie was geworden, selbst wenn ich dich nicht dabei erwischt hätte, wie du mit Linda auch der 10 c rumgeknutscht hast. Der Zug ist wirklich abgefahren!“

Oh, das letzte hatte ich ein bisschen zu laut gesagt. Drei Gläser Wein auf nüchternen Magen waren eindeutig mehr, als ich vertragen konnte.

Ruhig war die Devise, nicht stockbesoffen und pöbelnd.

Wenn der Erklärbär (hihihihi) kam, wollte ich schließlich einen guten und gefassten Eindruck machen und ihm sehr schnell mitteilen, dass ich, bei was auch immer, nicht mitmachen würde. Und dann: ab nach Hause, Jogginghose, Sofa. Und Kleider und Röcke jeglicher Art erst einmal für laaaaaange Zeit ganz hinten in den Schrank werfen.

Ich trank meinen Wein aus und setzte mich wieder aufs Sofa.

Grrrr… Konsequenz war was für Leute, die nicht eingesperrt waren.

„Nicht mal ein richtiges Bett gibt es hier.“ meckerte ich leise vor mich hin. Da ich keine Ahnung hatte, wann jemand zu mir kommen würde, könnte ich noch gut und gerne ein winzig kleines Schläfchen machen, oder nicht?

Wie spät war es eigentlich?

Auf dem Sideboard stand eine Digitaluhr. 13:16 Uhr. Darunter eine Anzeige, die mir vorkam, wie ein Countdown, denn die Sekunden zählten stetig abwärts. 04:44:10.

Irritiert starrte ich die Uhr an.

Und was würde in vier Stunden und vierundvierzig Minuten passieren? Kam dann vielleicht der Erklärbär? Plötzlich war ich sehr müde. Ich stand noch mal auf, um mir eine Flasche Wasser aus dem Kühlschrank zu holen und wankte halb durch den Raum.

Es war eindeutig zu viel Wein auf nüchternen Magen gewesen.

Als ich mich wieder umdrehte, bemerkte ich zum ersten Mal eine schmale Treppe im hinteren Teil des Wohnraums.

Ich runzelte die Stirn und versuchte, meine umnebelten Gedanken zu sortieren.

War die Treppe vorhin schon da gewesen? Ich war mir eigentlich ziemlich sicher, dass sie mir dann aufgefallen wäre. Zumindest, als ich noch nüchtern gewesen war.

Okay, vielleicht war ich auch zu aufgeregt gewesen. Sie war ja im hinteren Teil des Raumes, hinter dem Sofa. Sowas konnte man während einer Panikattacke schon mal übersehen.

Unsicher torkelte ich an den Fuß der Treppe und versuchte, abzuschätzen, ob ich es heil nach oben schaffen würde.

„Klar!“ brüllte ich und stieß die Hand mit der Wasserflasche kampflustig in die Luft. Ich packte mit der freien Hand fest das Treppengeländer und begann den Aufstieg.

Es dauerte ein bisschen, aber schließlich hatte ich das obere Stockwerk erreicht. Es bestand nur aus einem Raum von etwa fünfzehn Quadratmetern, dem Schlafzimmer.

Ein breites, schiefergraues Futonbett stand in der Mitte des Raumes, das Bettzeug mit schicker, korallenroter Satinbettwäsche bezogen.

Glücklich eierte ich darauf zu und fiel wie ein nasser Sack auf die Bettdecke. Augenblicklich schlief ich ein.

Als ich wieder aufwachte, hatte ich seltsamerweise keine Kopfschmerzen, wie man sie nach dem ganzen Wein erwartet hätte. Aber ich war immer noch in diesem komischen Appartement… oder war das jetzt eine Mesonnett-Wohnung? Und ich hatte das ungute Gefühl, dass mich jemand beobachtete.

Ich rollte mich auf den Rücken und setzte mich auf. Ich sah einem Mann, den ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen hatte, direkt ins Gesicht.

Er stand etwa zwei Meter vom Bett entfernt, als wäre er gerade die Treppe heraufgekommen und musterte mich eingehend. Ich wurde knallrot, weil mir wieder einfiel, dass ich immer noch das verfluchte Kleidchen trug. Ich stand vom Bett auf und zog das Kleid soweit es ging nach unten, ohne oben meine Brüste zu entblößen.

„Hallo.“ sagte ich dann betont sachlich. „Sie müssen derjenige sein, der mir sagen will, wie ich hierhergekommen bin. Und natürlich… wie ich hier wieder wegkomme.“ Ich lächelte zaghaft, dann nahm ich mir die Zeit, ihn zu mustern.

Er war gutaussehend und an die einen Meter fünfundachtzig groß, hatte schwarzes Haar, grüne Augen und einen hellen Teint.

Fast hätte ich gekichert, als ich seine lächerlich perfekt geformten Proportionen betrachtete, seine breiten Schultern und muskulösen Oberarme, den flachen Bauch und die trainierten, sportlichen Beine, alles schick verpackt in einer schwarzen Hose und einem aschgrauen Pullover.

Er sah aus wie der männliche Protagonist in einem Kitschroman. Wahrscheinlich würde er gleich irgendetwas Unverschämtes zu mir sagen, woraufhin ich zickig reagierte und dann würden wir uns streiten und schließlich leidenschaftlich miteinander in diesem Bett schlafen.

Ja genau.

Er lächelte mich freundlich, aber auch ein bisschen vorsichtig an und schlagartig hatte ich ein ganz kleines bisschen schlechtes Gefühl. Etwa so, als käme durch ein nur ein spaltbreit geöffnetes Fenster ein eiskalter Lufthauch, der einem über den Rücken strich.

„Hallo. Ja, deswegen bin ich hier.“ Er kniff die Augen ein wenig zusammen und legte den Kopf schief. „Über das Wegkommen reden wir nur, wenn du es wirklich willst.“ Seine Stimme war tief und vibrierend, ich spürte sie von den Zehenspitzen bis zu den Haarwurzeln. Blut schoss mir wieder in die Wangen. Hoffentlich verdeckte das Kleid die… ähem… kleinen cellulitären Dellen an meinen Oberschenkeln.

Reiß dich zusammen, Helene!

„Ähm… ja, gut. Ähm… sollen wir… sollen wir nach unten gehen?“

Er nickte und drehte sich auf der Treppe um. „Ich warte unten.“ Sein Kopf verschwand und ich folgte ihm langsam nach unten, peinlich darauf bedacht, die Beine möglichst zusammen zu halten.

Gutaussehend hin oder her, so einfach war ich nicht zu haben. Ich setzte mich wieder auf das Sofa, er nahm mir gegenüber auf einem Sessel Platz. Dabei ließ er mich keine Sekunde aus den Augen.

„Ich heiße übrigens Helene.“ plapperte ich los.

Er lächelte wieder. „Ich weiß. Helene, ich heiße Damian.“

„Ein schöner Name.“ komplimentierte ich, ohne Nachzudenken. Verdammt, ich war hier doch nicht bei ‘nem Blinddate!

Obwohl Damian durchaus ein sehr interessantes Date wäre. Wenn er jetzt noch was im Kopf hatte, wäre ich durchaus geneigt… Stopp! Ich kratzte meinen Restverstand zusammen und konzentrierte mich wieder auf die Realität.

„Sind wir uns schon einmal begegnet?“ Ich lachte gekünstelt. „Naja, offensichtlich sind wir das, ich kann mich leider nicht mehr daran erinnern. Ich muss mir den Kopf gestoßen haben!“

„Ja, sehr bedauerlich. Du bist auf dem Weg hierher ausgerutscht und hast dir den Kopf am Wagendach gestoßen. Und bist sehr damenhaft in Ohnmacht gefallen.“ Informierte er mich und ich sah leisen Spott in seinen Augen.

Das war so… typisch! Wenn es einen Menschen gab, der so etwas fertigbrachte, dann sicher ich. Und damenhaft war offenbar neuerdings eine Umschreibung für „wie ein nasser Sack“.

„Ähm… tja dann… danke für deine Hilfe.“ Ich nestelte an meiner Handtasche und versuchte, nicht vor Scham im Boden zu versinken.

Er sah mich einfach abwartend an.

„Also… gut, dann weiß ich ja, warum ich hier bin.“

„Nein, weißt du nicht.“ Er sah mich herausfordernd an. Offenbar wollte er, dass ich nach dem Grund fragte.

Szenen aus Criminal Minds kamen wieder hoch. Ich schluckte und spürte, dass ich wieder Angst bekam. Große Angst.

Seine Augen weiteten sich und er beugte sich vor. „So war das nicht gemeint. Ich verspreche dir, dass du nichts vor mir zu befürchten hast. Ich werde dir alles erklären und dann wirst du entscheiden, ob du gehen willst. Jetzt sind wir noch nicht fertig.“

Sein Blick wanderte von meinem Gesicht hinunter über mein Kleid. Verdammt, das war ja auch noch da.

Betreten sah ich an mir herunter. Ich errötete und dann wurde ich schlagartig wütend. Sehr wütend.

„Was soll das heißen „nicht fertig“? Ich werde hier eingesperrt, stundenlang, in einem Hauch von Krepppapier, muss mich hier quasi nackt vor einem fremden Mann präsentieren und dann bin ich noch nicht fertig? Das sehe ich ein kleines bisschen anders. Ich verlange augenblicklich hier herausgelassen zu werden!“ Meine Stimme war ziemlich laut geworden und ich merkte, dass ich gerade einiges für Faltenbildung auf der Stirn tat.

Damian sah mich pikiert an.

„Soweit ich es beurteilen kann, hattest du nichts auszustehen. Du bist gut versorgt gewesen, hattest Getränke und es warm und ich habe deine schmutzigen Kleider ersetzen lassen. Wenn das Kleid dir nicht gefällt, tut es mir leid, ich suche nicht sehr häufig Kleider für Frauen aus.“

„Offensichtlich nicht!“ pampte ich. „Ich habe jedenfalls keine Lust, hier für irgendwelche Phantasien herhalten zu müssen. Wenn du Frauen in sowas sehen willst, kannst du sie dafür bezahlen.“

„Ich würde niemals für eine Frau bezahlen.“ grollte er und sah mich bedrohlich an. Da hatte ich wohl einen wunden Punkt getroffen.

„Dann sperrst du sie stattdessen einfach ein und sie müssen sich auslösen?“ stichelte ich. Zu spät fiel mir ein, dass es vielleicht nicht das Schlauste gewesen war, meinen Gastgeber so zu reizen.

Er stand auf und machte drohend einen Schritt auf mich zu. Ich schrak zusammen und kauerte mich auf die Couch, Slipblitzer hin oder her. Vielleicht konnte ich meinen Schuh als Waffe benutzen…

Als könnte er meine Gedanken lesen, machte Damian wieder einen Schritt zurück und strich sich genervt die Haare aus dem Gesicht.

„Ich verstehe, dass das alles verwirrend für dich sein muss. Du kannst dich nicht mehr daran erinnern, was wir besprochen haben. Wenn du einmal kurz aufhören könntest, mich zu beschimpfen, kann ich es dir erklären.“ Er stützte sich auf der Sessellehne ab und machte ein genervtes Gesicht.

Dass ich diese Emotion bei anderen Menschen auslöste, kannte ich schon.

„Na gut, aber nur, wenn du aufhörst, hier den arroganten Macho zu geben.“ murmelte ich noch und biss mir auf die Zunge. Dass ich nie meine Klappe halten konnte!

„Du bist hier, weil ich eine Partnerin suche. Ich bin beruflich sehr stark eingebunden und deswegen habe ich dich gebeten, mir ein wenig deiner Zeit zu schenken, damit wir einander kennenlernen können. Im Zweifel reden wir nur über den heutigen Tag. Wenn du das Gefühl hast, dass du deine Zeit verschwendest, oder umgekehrt, gehst du nach Hause. Ich habe dich allein gelassen, weil du in Ohnmacht gefallen bist und ich dir Zeit geben wollte, dich zu regenerieren.“ Er trommelte ungeduldig mit den Fingerspitzen auf der Sessellehne herum und ich begriff, dass er jetzt eine Reaktion erwartete.

„Dann… haben wir jetzt quasi ein Date?“ fragte ich dämlich.

Er zuckte genervt mit den Schultern. „Nicht das Beste meines Lebens, ehrlich gesagt. Du bist ganz schön kompliziert.“

„Hmpf, das kann man über dich wohl auch sagen.“ murrte ich.

Er warf mir einen Blick zu, der besagte, dass er kurz davor stand, dieses Treffen als Zeitverschwendung abzustempeln und mich in meinem Dress auf die Straße zu schicken.

Also, nach Hause. Nicht auf die Straße.

„Okay, gut. Einigen wir uns darauf, dass der Einstieg… suboptimal gewesen ist.“ lenkte ich ein. „Vielleicht fangen wir einfach noch mal an. Zufällig habe ich heute keine anderen Termine und im zweiten Anlauf bist du ja vielleicht ganz nett.“ Ich lächelte ein Haifischlächeln und hoffte, dass ich jetzt noch nicht alles verdorben hatte.

Mal abgesehen von seinem Aussehen und dem schönen Lächeln, berührte mich irgendwas an diesem Mann. Als er mir gesagt hatte, dass ich nichts zu befürchten hatte, hatte er kurz verletzlich gewirkt. Irgendwo hinter der toughen Fassade und den genervten Gesten war da jemand, den ich interessant finden konnte.

Definitiv war er attraktiver als die meisten anderen Männer, die ich in letzter Zeit kennengelernt hatte und, mein Gott, ich war ja schließlich schon hier, oder? Die Stunde konnte ich doch gefahrlos investieren.

Damian beäugte mich kurz misstrauisch, dann nickte er und setzte sich wieder auf den Sessel.

Einen Moment sahen wir uns nur schweigend an.

„Okay, Damian, du hast gesagt, dass du eine Partnerin suchst,“ begann ich in bester Talkshow-Moderatorinnen-Manier und spürte, wie sich ein verlegenes Lächeln auf meinem Gesicht breitmachte.

Er nickte kurz.

„Erzähl mir von dir, Helene.“ sagte er dann, als hätte er meine Frage ausreichend beantwortet.

Verdutzt schnappte ich nach Luft. „So viel gibt es da gar nicht zu erzählen.“ Ich strich mir mein Haar aus dem Gesicht. „Ich, ähm… ich bin sechsundzwanzig und arbeite als Einkäuferin in einer Firma, die Bürobedarf herstellt. Du weißt schon: Liefermanagement, Werbeplanung und so. Der Job ist okay, kein Highlight, aber die Kollegen sind nett. Naja, meine Chefin ist etwas komisch drauf, aber irgendwas ist ja immer. Ich habe nicht studiert, deswegen ist es schwierig, weiter zu kommen, aber ich habe sowieso lieber Freizeit, als dass ich arbeite.

Ich habe zwei Geschwister, einen älteren Bruder und eine jüngere Schwester. Mein Bruder hat eine kleine Tochter, Mia, die ich über alles liebe. Manchmal bettle ich geradezu darum, dass David und Sandra ausgehen, damit ich babysitten kann.“ Ich stockte und wurde rot. Vielleicht warf das jetzt kein so gutes Licht auf mich.

„Deine Familie ist dir also wichtig?“ fragte Damian.

„Natürlich! Meine Familie ist das wichtigste auf der Welt für mich!“ rief ich, ehe ich mich bremsen konnte. Naja, besser er wusste es gleich. Meine Mischpoke würde sich eh nicht abschütteln lassen.

„Wie sieht es mit deiner Familie aus?“ fragte ich dann.

Damian machte ein trauriges Gesicht und zuckte mit den Schultern.

„Da gibt es leider nichts zu erzählen. Ich bin allein und habe mein Leben in meiner Arbeit untergebracht. Ich leite eine Firma, die sehr viel Zeit in Anspruch nimmt. Wenn alles so funktioniert, wie ich es geplant habe, wird meine Partnerin mich dabei unterstützen. Die Verantwortung ist groß und ich brauche jemanden, dem ich bedingungslos vertrauen kann und der mich unterstützt.“

„Und du denkst, dass ich vielleicht diejenige sein könnte, die deine Partnerin wird? Obwohl ich kein Studium habe?“ fragte ich dümmlich.

Er warf mir einen langen Blick zu. „Ein Studium ist so ziemlich das Letzte, was mich an einer Frau interessiert.“

„Okay, gut zu wissen.“ murmelte ich, dann fiel mir wieder etwas ein. „Tut mir leid mit deiner Familie.“

Er nickte knapp. Offensichtlich wollte er nicht darüber sprechen.

„Was machst du denn gern in deiner Freizeit?“ fragte ich also stattdessen. Er wiegte den Kopf. „Schwer zu sagen. Ich reise beruflich viel und wenn ich mal ein bisschen Zeit habe, schaue ich mir gern Orte an, die ich noch nicht kenne. Gut, das sind nicht mehr allzu viele, aber es gibt immer noch Ecken, an denen ich vorher noch nicht war. Ich sehe gern den Sonnenaufgang an den verschiedensten Orten.“ Er verstummte und sein Gesicht färbte sich leicht rosa.

Das war jetzt wohl ein Detail gewesen, das er eigentlich nicht preisgeben wollte. Irgendwie süß.

„Okay, wenig Freizeit. Dann fällt die obligatorische Film- und Musik-Frage wohl aus.“ Scherzte ich. „Was ist dir an deiner Partnerin denn wichtig, außer, dass sie mit dir zusammenarbeiten soll?“

„Loyalität. Absolute und bedingungslose Loyalität.“ Sein Tonfall duldete keine Widerrede, keine Nachfrage, und schnitt buchstäblich das Gespräch ab.

Gut, der Mann hatte eindeutig Autorität. Solange man mich nicht herumkommandierte, mochte ich Männer, die wussten, was sie wollten. Seine Reaktion war allerdings so heftig gewesen, dass die folgende Stille geradezu ohrenbetäubend wurde.

Ich lächelte zaghaft, fühlte mich aber zu eingeschüchtert, um das Gespräch wiederaufzunehmen.

Damian räusperte sich. „Entschuldige bitte. Es fällt mir manchmal schwer, den Chef draußen zu lassen.“ Als ich nur stumm nickte, fuhr er fort. „Was ist mit dir? Was erhoffst du dir von deiner nächsten Beziehung?“

„Dass sie hält.“ blubberte ich unüberlegt. Mein Gott, das lief gar nicht gut. Wenn das so weiterging, hielt Damian mich in spätestens fünf Minuten für eine verzweifelte Tussi mit massivem Kinderwunsch. Ich sollte mich ein bisschen entspannen. Und mich erklären.

„Haha, kleiner Scherz am Rande. Naja, eigentlich will ich nur das übliche: Ehrlichkeit, Vertrauen und Respekt. Und, dass er nicht versucht, mich zu verändern, sondern auch meine Macken mag. Dasselbe bin ich bereit zu geben. Loyalität buche ich unter Vertrauen.“

Er nickte zustimmend.

„Eigentlich bin ich da auch eher altmodisch eingestellt,“ plapperte ich weiter. „Ich finde es gut, wenn der Mann sich ein bisschen ins Zeug legt und…“

„Dich umwirbt?“ beendete Damian den Satz und lächelte verschmitzt. „Das ist wirklich ein bisschen altmodisch. Heißt es nicht immer selbst ist die Frau?“

„Nur, weil ich alles selbst machen könnte, muss ich es ja nicht selbst machen. Ich bin für eine sinnvolle Aufgabenteilung.“ stellte ich richtig. „Aber ich finde, dass man sich Mühe geben sollte, damit der Partner auch einen Grund hat, mich zu mögen. Das ist schließlich nicht selbstverständlich.“

Damian stand wieder auf. Als er mich dieses Mal ansah, hatte sich sein Lächeln verändert. Es war jetzt nicht mehr unverbindlich freundlich, sondern er strahlte mich geradezu an. Mein Herz begann wild zu klopfen.

Wow, was für eine Ausstrahlung!

„Darf ich mich zu dir setzen?“ fragte er ganz gentlemanlike. Ich nickte stumm und starrte ihn groß an.

Er roch wahnsinnig gut und um ein Haar hätte ich ihn besprungen. Stattdessen schnappte ich nach Luft und starrte schüchtern auf meine Oberschenkel. Ich wagte es nicht, ihn anzusehen.

Als er mir noch gegenübersaß, war das Ganze eindeutig weniger brisant gewesen. Egal, was ich mir vorgemacht hatte, ich konnte nicht abstreiten, dass ich Damian rasend sexy fand. Wenn das so weiterging, würde ich noch anfangen, peinlich zu kichern und mit dem Zeigefinger Muster auf seinen Oberschenkel zu zeichnen.

Er strich mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht, sodass er mich besser ansehen konnte.

Seine Augen waren wirklich sehr grün. Und sein Mund war sehr schön. Diese Lippen… wie es sich wohl anfühlen würde, ihn zu küssen?

Ich kann bis heute nicht sagen, was über mich gekommen ist, aber plötzlich hatte ich mich auf ihn gestürzt und auf genau diesen Mund geküsst.

Bevor ich noch zurückzucken konnte, schlang Damian seine Arme um mich und erwiderte den Kuss.

Es war der beste Kuss den ich je bekommen hatte.

Es war, als würde er mich durch meinen Mund aus meinem Körper heraussaugen, mich in tausend kleine Stücke zersprengen und mich dann wieder zusammensetzen und in meinen Körper zurückschubsen. Ich konnte mir nicht einmal vorstellen, wie es wäre mit ihm zu schlafen.

In meinem Kopf drehte sich alles und mein Denken hatte sich ausgeschaltet.

Als wir von einander abließen war ich fix und fertig und der Überzeugung, dass ich jetzt glücklich sterben konnte. Wer so einen Kuss bekommen hatte, hatte nichts mehr zu verlieren. Sogar Damian sah verblüfft aus.

Ha!

Damit hatte er nicht gerechnet.

„Also, so etwas ist mir noch nicht passiert.“ sagte er leise und strich mir wieder mein Haar aus dem Gesicht. Seine Lippen flatterten wie Schmetterlingsflügel über meinen Mund. Mehr davon, bitte!

„Helene.“ sagte er dann in mein Ohr. Ein kleiner Schauder lief mein Rückgrat hinunter. „Ich möchte dich bitten, noch einen Tag hier zu bleiben. Du bist für mich in der engeren Auswahl.“

Ich lächelte versonnen, bis der zweite Satz zu mir durchdrang. Jäh zuckte ich vor ihm zurück und starrte ihn an.

„In der engeren Auswahl???“ wiederholte ich ungläubig.

Damian sah mich gelassen an. Anscheinend hatte er auf diese Konfrontation gewartet. Mich beschlich das Gefühl, dass er mich testete.

„Ist das hier ein Casting, oder was?“

Seine Augenbrauen zogen sich zusammen. „So würde ich es wirklich nicht nennen. Wie schon gesagt, ich habe nur wenig Zeit und deswegen habe ich mich entschieden, sie so effektiv wie möglich zu nutzen.“

„Und dann unterhältst du dich ein bisschen, knutscht ein bisschen rum…“ motzte ich.

„Du hast mich geküsst.“ unterbrach er mich. Eine kleine Falte bildete sich zwischen seinen Augenbrauen.

Okay, guter Punkt.

Ich biss mir auf die Lippe und versuchte, die Informationen zu verdauen. „Darf ich fragen, wie viele Frauen an deinem „Nicht-Casting“ teilnehmen?“

„Zu Beginn habe ich acht Frauen eingeladen, die ich vorher kennengelernt habe und die mein Interesse geweckt hatten. Nachdem ich sie näher kennengelernt habe, ist die Hälfte von ihnen wieder abgereist.“

Nicht genug, fand ich und sah unzufrieden zur Seite.

„Das Ganze hat nichts mit Geringschätzung zu tun, Helene.“ setzte Damian an. „Ganz im Gegenteil. Ich bitte dich um dein Verständnis, dass ich eine so wichtige Entscheidung nicht übers Knie brechen kann und will.“ Er hielt kurz inne. „Hinzu kommt, dass es eine Entscheidung ist, die auf Gegenseitigkeit beruht. Sollten sich am Ende alle gegen mich entscheiden, habe ich sehr viel Zeit und Energie verloren.“

„Wo hast du die anderen Frauen kennengelernt?“ frage ich. Langsam erinnerte ich mich wieder daran, dass Damian mir einmal begegnet war. Gesprächsfetzen kamen zurück und der Geschmack von Gin Tonic. Meine Beule tat immer noch weh.

Damian sah nicht so aus, als würde er gern mit der Sprache rausrücken wollen.

„Unterschiedlich.“ sagte er ausweichend.

Ich starrte ihn einfach auffordernd an und schwieg. Schließlich verdrehte er genervt die Augen.

„Einige kenne ich über berufliche Wege, wieder andere über private Kontakte.“

Na gut, das konnte wieder alles und nichts heißen, aber ich hatte das Gefühl, dass er nicht mehr konkreter werden würde, also zuckte ich mit den Schultern.

„Toll finde ich es nicht, aber wenigstens warst du ehrlich.“

Seine Augen funkelten, als würde er sich darüber amüsieren, dass ich etwas übersehen hatte.

„Ich glaube, dass es zwischen uns sehr interessant werden wird, Helene.“ Sage er dann und stand vom Sofa auf. „Ich muss jetzt leider gehen, aber du schuldest mir noch eine Antwort.“

Ach ja.

„Gut, ich gebe dir noch einen weiteren Tag.“ sagte ich dann. „Aber nur unter der Bedingung, dass du mir ein paar ordentliche Klamotten besorgst, in denen ich nicht aussehe, als käme ich aus Sin City.“

Seine Mundwinkel zuckten, dann nickte er. „Einverstanden.“

„Okay. Und ich weiß ja nicht, wie es dir geht, aber ich sterbe vor Hunger nach fast einem Tag ohne Nahrung.“ Jetzt wirkte er ehrlich betreten.

„Ich kümmere mich sofort darum. Wie wäre es, wenn du ein Bad nimmst? Danach, das verspreche ich dir, wird alles bereit sein.“

„Deal!“ Ich hielt ihm meine rechte Hand hin. Er lächelte, nahm meine Hand, zog mich zu sich heran und drückte mir einen Kuss auf die linke Wange, direkt neben meinen Mundwinkel.

„Ich freue mich, dass du mir noch eine Chance gibst.“ flüsterte er. Mein Herzschlag, der sich gerade erst wieder beruhigt hatte, beschleunigte sich wieder.

„Wir sehen uns Morgen kurz nach Mittag.“ sagte Damian im Rausgehen. „Du kannst die Wohnung verlassen, wenn du möchtest, aber lauf bitte nicht zu weit weg. Ich lasse dir eine Schlüsselkarte geben. Hier gibt es nicht viel, aber falls du Interesse hast…“ Dann war er verschwunden.

3

Ich folgte Damians Rat und legte mich in die Badewanne. Sie war schön groß und gemütlich, mit einem Kissen und ich hatte sogar drei verschiedene Schaumbäder zur Auswahl.

So lange es ging, hielt ich mich im Wasser auf, aber mein Magen meldete sich höchst undamenhaft zu Wort und erinnerte mich daran, dass er schon sehr lange keine Arbeit mehr hatte.

Hunger! Schrie er, laut und nachdrücklich.

Ich meinte, zwischendurch die Tür gehört zu haben und nahm an, dass jemand dagewesen war, um mir vernünftige Kleidung vorbeizubringen.

Fest in ein Handtuch eingewickelt lugte ich durch den Türspalt. Auf dem Sofa lag ein Stapel Kleidung, sonst war niemand zu sehen.

Vorsichtig tapste ich durch das Wohnzimmer und begutachtete die neuen Sachen.

Niemals hätte ich gedacht, dass ich mich über ein schlichtes T-Shirt und eine Jeans nebst frischer Unterwäsche so freuen konnte.

Schlauchkleid adé!

Daneben lag die versprochene Schlüsselkarte und als ich kurz zur Tür sah, entdeckte ich einen freundlich blitzenden Türknauf. So viel zum Thema Vertrauen.

Kaum war ich in die Sachen geschlüpft, klopfte es an der Tür.

„Herein!“ rief ich automatisch und drehte mich um. Dabei klatschte mein feuchtes Haar an meine Wange und blieb dort unschön kleben. Schnell strich ich es aus dem Gesicht und versuchte, es mit den Fingern einigermaßen in Form zu bringen.

Ins Zimmer kam ein Mann, der ein Tablett transportierte. Er schien etwas jünger zu sein als ich, hatte blauschimmerndes schwarzes Haar, das strubbelig von seinem Kopf abstand, und dunkle Augen. Er trug einen teuer aussehenden schwarzen Anzug und lächelte mich leicht unsicher an.

Was guckt der denn so ängstlich? Fragte ich mich, dann dachte ich an die anderen Frauen, die wegen Damian hier waren. Vielleicht war er schon mal mit einem Tablett oder einer Enzyklopädie beworfen worden und hatte jetzt Angst vor Frauen…

Herrje! Dabei war ich so nett!

Na ja, wenn ich wollte.

Ich lächelte ihn ausgesprochen freundlich an und winkte ihn zu mir.

„Hallo! Damian schickt dich, oder?“ Bestimmt war der arme Junge irgendein Praktikant oder Bürobote oder so…Obwohl, seit wann trugen Büroboten und Praktikanten Armanianzüge?

Glücklicherweise entspannte er sich jetzt, nachdem ich mich nicht als hysterisch oder gefährlich entpuppt hatte (diese Zustände hatte ich ja bereits hinter mich gebracht), ein wenig und sein Lächeln wurde eine Spur freundlicher.

„Ja.“ Antwortete er schlicht.

Oje, ich würde wohl alles was ich wissen wollte, aus ihm herauskitzeln müssen. Er stellte das Tablett vor mir auf den Tisch.

Ich ermahnte mich nachdrücklich, mich nicht wie ein wildes Tier auf das Essen zu stürzen. Gesittet nahm ich die Haube vom Teller und atmete dabei tief durch.

Dampf stieg von den Farfalle und der Lachscremesauce auf und mir lief das Wasser im Munde zusammen. Es kostete mich meine ganze Selbstbeherrschung, nicht das Besteck beiseite zu werfen und mich direkt darauf zu stürzen.

Der Teller, auf dem das Essen angerichtet war, sah sehr teuer aus, wahrscheinlich Villeroy & Boch oder Versace oder so was in der Art.

Ich persönlich hatte nie Geld für solche teuren Spielereien gehabt, mein wertvollster Besitz war ein einziges Paar Hugo Boss Stiefel, das ich mir von meinem ersten Weihnachtsgeld gekauft hatte. Sie drückten tierisch und ich trug sie nur äußerst ungern, sodass sie die meiste Zeit auf ihrem Hugo Boss Karton im Kleiderschrank standen und jeden Tag ausgiebig von mir bewundert wurden.

„Isst du nichts?“ fragte ich meinen Besucher, mehr aus Höflichkeit, denn die Portion war definitiv nur für eine Person und ich hatte nicht die Absicht, zu teilen.

Er sah mich an, als hätte ich ihn gerade gefragt, ob er mein Nachtisch sei und dabei mit dem Messer auf ihn gezeigt. Alle Zutraulichkeit löste sich sofort wieder in Luft auf.

„Nein. Das ist nur für Sie.“ sagte er leise. Dann wandte er den Blick ab. Herrgott noch mal, so schlimm war ich doch auch nicht, oder? Es war doch nur nett gemeint!

Okay, vielleicht mutete ich unberechenbar an, wie ich hier mit gierigem Blick vor dem Teller saß, aber hey, ich hatte ja nicht freiwillig gefastet!

Schweigend begann ich zu essen. Es schmeckte herrlich! Die Nudeln waren al dente und der Lachs zerging quasi auf der Zunge und die Sauce war so köstlich, dass ich am liebsten den Teller abgeleckt hätte.

Meine guten Manieren hielten mich selbstverständlich davon ab.

Er sah die ganze Zeit in eine andere Richtung, als wäre es ihm peinlich, in meiner Nähe zu sein.

Langsam wurde das Schweigen unangenehm, also beschloss ich, ihm ein Gespräch aufzudrängen.

Zwischen zwei Bissen lächelte ich ihn an und legte den Kopf schief. Wichtig war, dass ich sein Vertrauen gewann.

„Wirst du mir jetzt jeden Tag mein Essen bringen?“ fragte ich ihn.

Er sah mich schüchtern an. „Ja, so lange Sie hier sind.“

So lange ich hier war, tsss! Was dachte er denn, wie lange sich der Quatsch hier ziehen sollte? Ich war hier ja nicht bei Big Brother. Montag musste ich wieder zur Arbeit und damit basta. Entweder hatte Damian sich bis dahin entschieden, oder er konnte mich zuhause anrufen.

Sollte er unbedingt tun.

„Okay, also dann würde ich gern deinen Namen wissen.“ Sagte ich betont freundlich.

„Ich heiße Stan.“ sagte er. Verblüfft sah ich ihn an. Er kam mir gar nicht vor wie ein Kind von Eltern, die ihre Nachkommen mit englischen Vornamen zu den deutschesten Nachnamen quälten.

„Stan…“ wiederholte ich bedächtig, sodass er genötigt wurde, seinen Nachnamen ebenfalls zu nennen. Ein kleiner, okay großer fieser Teil von mir sang die ganze Zeit „Stan Müller“, „Stan Müller“ in meinem Kopf.

„Stan Field.“

Überraschung! Ich bildete mir ein, einen leichten Akzent bei ihm festgestellt zu haben, der auf eine britische Abstammung hinwies.

„Helene Peters.“ Stellte ich mich artig vor und winkte mit meiner Gabel. Ich war zwar nicht mit einem englischen Vornamen bestraft worden, aber es war manchmal auch schwer, Helene, Spitzname Nene, zu sein, superlustig, vielen Dank Mama an dieser Stelle! Keine hundertste Wiederholung der Sissi-Filme für dich an Weihnachten! Von der Verwechslungsgefahr mit einer gewissen, omnipräsenten Schlagersängerin mal abgesehen. Aber gut, die gab es ja auch noch nicht, als ich geboren wurde. Meine Mutter hielt es eher mit den bayrischen Adelshäusern und schmalzigen Heimatfilmen aus der Nachkriegszeit.

Stan Field unterdessen lächelte mich freundlich und leicht verwundert an.

„Sie sind wirklich anders als die anderen.“ Sagte er.

Er kennt die Konkurrenz! Schoss es mir durch den Kopf und schlagartig wurde ich noch charmanter. „Anders heißt… besser?“

Vielleicht konnte ich ihm ja ein paar Informationen aus den Rippen leiern, um die anderen drei Frauen besser einschätzen zu können. Es war ja interessant zu wissen, ob ich die Eloquente, die Hübsche, die Witzige oder die Zickige war.

Oh Mann, ich habe doch echt einen Vogel! Allein, dass ich mir über so was Gedanken machte, zeigte eigentlich, dass ich unzurechnungsfähig war.

„Freundlicher.“ sagte Stan zögerlich. „Manche sind so… zickig.“

Ha! Das war schon mal ausgeklammert! Mein Herz begann ganz aufgeregt zu klopfen, aber ich durfte das Pferd nicht von hinten aufzäumen und den armen Jungen wieder verschrecken.

„Ich bin gar nicht zickig.“ log ich mit zuckersüßer Stimme. Ich fragte mich, ob und wie lange er mir das glauben würde.

„Und du arbeitest für Damian. Wie ist er so? Ist er nett zu dir?“ Herrgott, ich klang wie eine besorgte Oma, die ihren Enkel im Internat besucht. Egal! Da musst du jetzt durch, Helene!

Verwundert sah Stan mich an. „Herrn Blackthorne zu kritisieren steht mir gar nicht zu.“ sagte er und ich hörte tiefste Verehrung in seiner Stimme. Offensichtlich war Damian sowas wie der Super-Chef. Jetzt kannte ich auch wenigstens Damians Nachnamen: Blackthorne.

Helene Blackthorne.

Naja, etwas gewöhnungsbedürftig, aber irgendwas ist ja immer. Ich…

„Niemand darf das.“ setzte Stan in diesem Moment hinzu und in seiner Stimme hörte ich eine leise aber deutliche Drohung, die mich aus meinen Gedanken riss.

Kurz war ich irritiert und lächelte nur freundlich, dann sickerte das Gesagte in meinen Kopf durch.

Keiner darf Damian kritisieren? Das wollten wir noch mal sehen. Wenn es mit Damian und mir klappen sollte, würde er sich auch von mir kritisieren lassen müssen. Ich hatte nicht vor, mich in eine Ehefrau aus dem 17. Jahrhundert zu verwandeln, nur, weil er es gern wollte.

Das brauchte ich Stan jetzt aber nicht aufs Brot zu schmieren, also beschloss ich eine Kursänderung.

„Und was machst du genau?“

„Ich bin sein Assistent.“

„Oh, das klingt ja… spannend.“ Nach Kaffeekochen und kopieren…ach ja, und potenziellen Lebenspartnerinnen seines Bosses das Essen bringen. „Und wie lange machst du das jetzt schon?“

Er machte ein nachdenkliches Gesicht. Wenn er dreißig Jahre älter gewesen wäre, hätte ich es verstanden, dass er es nicht genau wusste, andererseits wechselten Leute Assistenzstellen teilweise monatlich.

„Schon eine Weile.“ sagte er schließlich.

Stan Field war nicht besonders gesprächig. Ich aß auf und stellte den Teller zurück auf das Tablett. Er sah es und machte Anstalten aufstehen zu wollen.

Mist!

Irgendwie musste ich seinen Abgang noch ein bisschen hinauszögern! Ich hatte keine Lust, allein zu sein.

„Bleib doch noch ein bisschen.“ bettelte ich und sah ihn herzerweichend an. Im ersten Moment reagierte er darauf überhaupt nicht, als hätte ich ihn gar nicht angesprochen, dann wurden seine Züge wieder weicher und er ließ sich wieder auf der Couch nieder.

Dieser kurze Moment, in dem er nicht auf mich reagiert hatte, verursachte mir aus unverständlichen Gründen ein komisches Gefühl im Magen.

Für einen kurzen Moment hatte er eisig, ja fast unmenschlich gewirkt und ich fragte mich, was mit einem jungen Mann passieren musste, dass er so distanziert war.

Die meisten Männer in meinem Alter oder etwas jünger, vor Allem, wenn sie so gut aussahen wie Stan, strotzten nur so vor Selbstvertrauen und Sexualtrieb, bei ihm allerdings schien das anders zu sein.

Fast, als wäre er älter, als er aussah.

Ich beschloss, zur allgemeinen Auflockerung eine Flasche Wein aufzumachen.

„Komm Stan, wir trinken jetzt einen. Wir werden uns ja ab jetzt häufiger sehen und da können wir unsere neue Freundschaft ja mit einem Glas Wein begießen.“

Er sah hin und her gerissen aus. Einerseits, so war ich mir sicher, wäre er am liebsten sofort weggerannt und andererseits schien der Wein unglaublich verführerisch für ihn zu sein.

Sieh an, sieh an, sagte ich mir, als ich die Flasche Rosé entkorkte und zwei Gläser füllte. Strahlend lächelnd reichte ich ihm eins.

Er sah auf das Glas in seiner Hand und schwenkte genießerisch den Kelch, sodass die rosa Flüssigkeit hin und her rann. „Ich sollte nichts trinken.“ sagte er bedächtig und betrachtete die Schlieren, die im Glas hinunterliefen.

„Ich habe Konjunktive noch nie gemocht!“ rief ich schwungvoll und prostete ihm zu. „Immerhin ist es doch nur ein Glas.“ Und hoffentlich würde er davon etwas lockerer werden und aufhören, hier rumzuspießen.

Meine Ausredenvorlage schien ihm zu reichen, denn nachdem er mir noch einen schüchternen Blick zugeworfen hatte, hob er sein Glas und nahm einen Schluck, den er sich, wie ein Kenner, die Kehle hinab rinnen ließ.

Vielleicht gehörte seinen Eltern ja ein Weingut. Vielleicht in den USA oder so, überlegte ich, während auch ich trank.

Der Wein machte Stan lockerer. Genaugenommen hatte er sogar eine verheerende Wirkung auf ihn, denn nach einem Glas kicherte er fast ununterbrochen.

Immerhin besser als das betretene Schweigen von vorhin.

Er wurde auch gesprächiger und erzählte mir, dass er, schon seit er für Damian arbeitete, unsterblich in dessen zweite Assistentin María verliebt war, eine Puertoricanerin, so hübsch und lieb und sexy und hübsch und klug und lieb und klug und witzig und hübsch… na ja, es ging noch eine Weile so weiter, und Stan wusste einfach nicht, was er machen sollte, um ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen.

Darum drehte sich unser Gespräch hauptsächlich. Mitfühlend wie ich bin, analysierte ich natürlich sofort mit ihm zusammen die Situation und versuchte ihn zu ermutigen. Ich hoffte nur, dass er vorher nichts trank, denn sein kicherndes Jammern würde auch die verliebteste Frau in die Flucht schlagen.

„Aber wenn ihr beide Assistenten seid, dann arbeitet ihr doch bestimmt auch oft zusammen, oder?“ fragte ich geduldig nach einer weiteren „so schön, so toll“ Tirade. „Dann kannst du sie doch fragen, ob ihr euer Projekt oder so bei einem Kaffee besprechen wollt und dann fragst du sie nach einem Abendessen und schon hast du sie an der Angel!“ Es konnte doch nicht so schlimm sein!

Stan griff nach der Flasche und goss uns noch mal nach. Mittlerweile waren wir schon bei der zweiten Flasche und ich fürchtete, dass ich, wenn ich hier lange bliebe, unweigerlich zur Alkoholikerin würde. Wenigstens hatte ich jetzt eine gute Lachs-Grundlage, die mich recht stabil machte. So eine hätte Stan auch gut gebrauchen können.

„Ich kann sie doch nicht einfach fragen, ob wir einen Kaffee zusammen trinken gehen!“ Stan war ganz aufgeregt und auf seinen hellen Wangen erschienen kleine hektische Flecken.

„Das kann doch nicht Ihr Ernst sein!“

Das „Sie“ konnte ich ihm leider nicht abgewöhnen. Immerhin sagte er Helene zu mir, und nicht Frau Peters. Frau Peters, hatte ich gleich am Anfang festgelegt, war meine Großmutter und nur meine Großmutter, sogar meine Mutter ließ sich von fast allen Menschen Marion nennen.

‚Nachnamen sind doch was für alte Leute, ’ pflegte sie zu sagen.

„Natürlich ist das mein Ernst! Mensch, Stan, du siehst super aus, hast gute Manieren und bringst keine blöden Sprüche! Sie wird schon nicht nein sagen!“ meinte ich nachdrücklich und schob mein Glas unauffällig zur Seite. Für heute reichte es.

„Aber…“ Stan suchte nach Worten und wurde jetzt komplett rot. Wie süß. „Ich kann mit ihr nicht so reden wie mit Ihnen! Ich kann kein Wort mit ihr reden!“

„Das schaffst du schon!“ Ich tätschelte aufmunternd seine Hand. Er lächelte mich an, dann zuckte er ein bisschen zusammen.

„Was zum…?“ Er zog die Augenbrauen zusammen und griff noch mal nach meiner Hand. Dann zuckte er wieder zusammen und ließ sie schnell los. Einmal wiederholte er das Prozedere noch, mit dem gleichen Ergebnis.

„Was hast du?“ fragte ich stirnrunzelnd. „Bin ich statisch aufgeladen?“

Er schüttelte den Kopf und lächelte wieder, aber dieses Mal kam es mir unecht vor. „Nein,“ sagte er. „Ich habe mich nur gewundert, das ist alles.“ Er sah auf die Uhr. „Es ist schon spät. Sie sollten ein bisschen schlafen, damit Sie morgen fit sind für Ihr Treffen mit Herrn Blackthorne.“ Er seufzte. „Ich habe auch noch eine Menge zu tun.“

Ich blickte auf die Uhr. Es war schon weit nach acht und normalerweise höchste Zeit für den wohlverdienten Feierabend, aber offenbar waren Damian und Stan Workaholics.

Wehmütig nickte ich. „Na schön, aber denk an meine Worte: Wenn María heute da ist, versuch sie einzuladen, okay?“ Und versuch, um Gottes Willen, nüchtern zu werden, dachte ich, aber das sagte ich lieber nicht.

Er lächelte mich verzweifelt an. „Ich werde es versuchen.“ murmelte er, dann schenkte er mir ein zaghaftes Lächeln. „Danke für Ihre Zeit, Helene. Ich glaube, ich habe Sie jetzt ganz gut kennengelernt. Ich würde mich freuen, wenn Sie es würden. Sie wären jemand, den wir wirklich gut gebrauchen könnten.“

Verwirrt sah ich ihm nach, als er das Tablett nahm, mir noch einmal zulächelte und dann mein Appartement verließ.

4

Ich vertrieb mir die Zeit noch ein bisschen vor dem Fernseher und verfluchte mich, weil ich vergessen hatte, nach einem Ladegerät für mein Handy zu fragen. Na gut, musste das eben bis morgen warten.

Mein Gehirn war richtig umnebelt und ich versuchte, mich dämlichen Fernsehtalentshows von der Tatsache abzulenken, dass ich mich in einer echt komischen Situation befand und nicht wusste, was ich machen sollte.

Ich verstand mich ja selbst kaum.

Hier saß ich jetzt und hatte einem Mann, den ich kaum kannte, versprochen, dass ich ihm Zeit geben würde, um festzustellen, ob ich seine Lebenspartnerin werden wollte.

Und Damian hatte nicht den Eindruck auf mich gemacht, als sei er an einer kurzen Affäre interessiert. Ganz im Gegenteil: je mehr ich über unser Gespräch nachdachte, desto sicherer wurde ich mir, dass zumindest er die Entscheidung fürs Leben fällen wollte.

Das rechtfertigte dann wenigstens den Aufwand, den er hier betrieb.

Damian…

Wenn ich an ihn dachte, musste ich doof kichern. Das ging ja wohl gar nicht!

Trotzdem: irgendwas an diesem Mann hatte mich stark berührt, auch wenn wir uns die Hälfte der Zeit gestritten hatten und die andere Hälfte geknutscht…

Bei dem Gedanken an den Kuss musste ich grinsen. Das war echt ein ziemlich guter Kuss gewesen.

Über Damian selbst wusste ich noch nicht viel, ich war mir auch sicher, dass er kein Mann war, den man auf seinen Film- oder Musikgeschmack reduzieren sollte. Mich beeindruckte, dass er den Einfluss, über den er zweifellos verfügte, mit seiner Partnerin teilen wollte und nach jemandem suchte, der die Verantwortung mit ihm teilte.

Die Verantwortung klang ziemlich groß. Morgen musste ich ihn fragen, wie groß seine Firma überhaupt war und wie er sich das konkret vorstellte.

War es dann noch ein Date oder ein Vorstellungsgespräch? Vor Vorstellungsgesprächen hatte ich Angst. Ich bekam kalte Hände und der Rest begann zu schwitzen, wenn ich nur daran dachte.

Ganz ruhig, Helene, ermahnte ich mich selbst. Ich hatte klargemacht, dass ich mit einer solchen Aufgabe überhaupt keine Erfahrung hatte und dass ich mich davon zurückziehen würde, wenn ich das Gefühl hätte, den Erwartungen nicht gerecht zu werden. Das musste mir genug Puffer verschaffen.

Viel wichtiger als diese Frage sollte doch sein, dass ich das Gefühl hatte, mich in Damian verlieben zu können.

Optisch war das keine Frage. Er war ein Bild von einem Mann, ausgesprochen attraktiv, schöne Haare, schöne Hände, schöne Zähne.

Ein Jackpot.

Er war intelligent und hatte einen gewissen Witz. Ein idealer Kandidat für eine echte, erwachsene Beziehung. Jetzt musste er sich noch mit mir und meinem Charakter anfreunden können. Und ich musste herausfinden, was ich ihm geben konnte, um ein gleichwertiger Partner in der Beziehung sein zu können.

Über diesen Gedanken schlief ich schließlich weit nach elf Uhr abends ein.

Am nächsten Morgen brauchte ich einige Zeit um mich zu orientieren. Dann dämmerte mir langsam, was am vorherigen Tag alles passiert war und weswegen ich hier in dem fremden Bett lag. Verschlafen schlüpfte ich wieder in die Jeans und das T-Shirt von gestern und kletterte dann die Treppe hinunter.

Als ich aus dem Badezimmer wieder in den Wohnraum kam, stand ein Teller mit Frühstück für mich auf der Arbeitsplatte.

Rührei, Brot, Käse… und ein Riesenbecher Milchkaffee. Die leeren Weinflaschen hatte die Hausfee diskret entfernt. Dieselbe Hausfee hatte anscheinend auch den Timer wieder eingestellt, denn der Countdown von gestern lief wieder und zeigte mir an, dass Damian gegen 14 Uhr zu mir kommen würde.

Ich setzte mich hin und verzehrte mein Frühstück. Durchs Fenster konnte ich sehen, dass draußen die Sonne schien, aber wir hatten April und ohne Jacke traute ich mich nicht aus dem Haus.

Dennoch überprüfte ich, ob die Schlüsselkarte funktionierte. Die Tür schwang auf und ich trat in den Hausflur.

Okay.

Keine Ahnung, was das hier für ein Gebäude war, aber sehen konnte ich nichts. Die Wände waren weiß gestrichen, die Türen dunkelgrau, genau wie der Boden. Meine Tür befand sich ziemlich am Ende des Flurs, schräg gegenüber war eine weitere Tür und bis zum anderen Ende zählte ich noch sechs weitere.

Nirgendwo lag eine Fußmatte oder standen irgendwelche persönlichen Gegenstände, so wie im Treppenhaus meines Wohnhauses, wo die Nachbarin unter mir den kompletten Absatz mit Katzenfiguren vollgestellt hatte. In schönster Regelmäßigkeit schoss irgendjemand eine von ihnen mehr oder weniger absichtlich gegen die Wand.

Na gut, damit hatte sich meine Neugier spontan erledigt. Ich kehrte in die Wohnung zurück und kontrollierte die Uhr.

Halb elf.

Naja, es fand sich im Fernsehen bestimmt irgendwas, das ich mir ansehen konnte, um die Zeit zu überbrücken.

Zwischenzeitlich probierte ich im Badezimmer alle Geräte aus, die ich finden konnte, inklusive eines Lockenstabs.

Sowas wollte ich schon immer haben und hatte mich nur nicht getraut. Das war die Chance! Ich verwendete viel Zeit auf eine tolle Hochsteckfrisur mit Locken und versuchte dann, das, was noch von meinen Haaren übrig war, irgendwie zu retten. Schließlich hatte ich eine missglückte Tolle an der Stirn und plattes Haar am Hinterkopf.

Gut, sollte Damian mich eben nicht von hinten sehen. Von vorn sah ich eh netter aus.

Mittlerweile war es halb zwei und ich spürte, dass ich aufgeregt wurde, weil Damian in einer halben Stunde zu mir kommen würde.

Mein Kopf entwarf alle möglichen Szenarien, von sofortigem Sex bis zum sofortigen Rausschmiss meinerseits (mit aufsteigender Wahrscheinlichkeit).

Was, wenn er gleich hereinkam und mich aufforderte zu gehen? Was, wenn er heute schon eine der anderen Frauen getroffen hatte und in ihr genau das gefunden hatte, was er suchte und ich gar nicht mehr die Möglichkeit bekam, ihn richtig kennenzulernen und ihn von mir zu überzeugen?

Ich spürte, dass er mir jetzt schon viel zu wichtig war, als dass ich mit einem Rauswurf klarkommen würde.

Herrgott, ich war ja so dumm!

Wie konnte ich denn nur ernsthaft in Erwägung ziehen, mich in einen Mann zu verlieben, mit dem ich mich in einer Bar und danach noch einmal anderthalb Stunden auf dem Sofa unterhalten hatte?

Ich kannte ihn doch kaum!

Gerade, als ich mir halbwegs erfolgreich eingeredet hatte, dass ich auf keinen Fall verliebt war und auch mit einem Rauswurf klarkäme, klickte die Tür und Damian kam rein. Mein Herz hörte albernerweise einen Moment lang auf zu schlagen.

Er trug eine schwarze Anzughose und ein bordeauxrotes Hemd, die letzten zwei Knöpfe offen. Keine Krawatte.

Schwarze, perfekt polierte Schuhe und eine elegante, unprotzige Armbanduhr.

Männer, die riesige Armbanduhren trugen hatten doch einen Komplex, jetzt mal im Ernst! Die hatten vorher bestimmt nur Flickflack-Uhren bis sie dreiundzwanzig waren!

Er lächelte mich an.

„Hallo. Freust du dich, mich zu sehen?“

Erst wollte ich eine rotzige Antwort geben, eben, weil ich mich schon an meine rotzige Art gewöhnt hatte und es bekanntlich schwer ist, liebgewonnene Wesensarten abzulegen, aber alles, was ich zustande brachte war ein schiefes Lächeln und ein „Ja. Du mich auch?“

Besser als jede Rotzigkeit.

Er kam zu mir und nahm meine Hand. Behutsam, als wäre sie aus Glas. Er lächelte mich weiter an und küsste dann meinen Handrücken.

Wäre ich eine brennbare Materie, ich hätte in Flammen gestanden.

Reiß. Dich. Zusammen. ermahnte ich mich so nachdrücklich es ging. Es kann nicht sein, dass du hier so rumfilmst!

„Natürlich habe ich dich vermisst. Sehr sogar.“ Mit seinem schlanken Zeigefinger zog er die Linien auf meiner Handfläche nach.

Okay, konnte doch sein, dass ich mich jetzt schon voll in ihn verknallt hatte.

Er hat mich vermisst! Wie schön!

Nein, Helene! Lass dich nicht einwickeln! Das ist ja furchtbar! Schrie das letzte Bisschen Verstand, dass ich noch aufbringen konnte.

Ich zwang mich, mich etwas zu beruhigen, auch wenn das im Moment wie unmöglich war.

Und dann küsste er mich auf die Lippen.