herbstzeitlose - Margrit Dahm - E-Book

herbstzeitlose E-Book

Margrit Dahm

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Beschreibung

Wenn die Sonne die dunstigen Nebelschleier durchbricht und ihre warmen Strahlen auf die herbstliche Erde fallen, entzündet sie sich in einem Flammenmeer, wo das Irdische erhöht und das Höhere im Bild verdichtet wird. Vorwort Jedes Jahr erfahren wir den Alltag, die Veränderungen, die er bringt, das, was sich gleich bleibt, und das, was wir denken und fühlen, immer wieder aufs Neue. Ein Jahr beginnt und wird abgeschlossen. Dabei bleiben die vier Jahreszeiten eng mit uns verbunden. Sehr oft beeinflussen sie unsere Stimmung und fördern oder beeinträchtigen, was wir tun und planen. Aber sie gewähren uns auch einen Einblick in das Geschehen jener Welt, die uns unmittelbar umgibt und in der wir leben. Mit diesem Buch habe ich versucht, das, was sich regelmäßig wiederholt und vollzieht, festzuhalten und den Leser dazu einzuladen, diese Geschehnisse, so wie sie sich in uns und um uns herum abspielen, einmal aufmerksamer und mit mehr Innerlichkeit zu erleben. Wenn es mir mit diesen Gedichten gelungen ist, den Leser seine Umgebung neu erfahren zu lassen, indem ich ihn dazu auffordere, öfter aufzumerken, um die Dinge einmal bewußt und mit froher Beschaulichkeit zu betrachten und sich für das, was immer gegeben ist, Zeit zu lassen, mit anderen Worten: das Ungewöhnliche im Gewöhnlichen zu sehen, so kann ich sagen, daß das Buch damit seinen Beitrag geleistet hat. Margrit Dahm

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Margrit Dahm

herbstzeitlose

Ein Begleiter für das Jahr

deutscher lyrik verlag (dlv)

vorwort

Jedes Jahr erfahren wir den Alltag, die Veränderungen, die er bringt, das, was sich gleich bleibt, und das, was wir denken und fühlen, immer wieder aufs Neue. Ein Jahr beginnt und wird abgeschlossen. Dabei bleiben die vier Jahreszeiten eng mit uns verbunden. Sehr oft beeinflussen sie unsere Stimmung und fördern oder beeinträchtigen, was wir tun und planen. Aber sie gewähren uns auch einen Einblick in das Geschehen jener Welt, die uns unmittelbar umgibt und in der wir leben.

Mit diesem Buch habe ich versucht, das, was sich regelmäßig wiederholt und vollzieht, festzuhalten und den Leser dazu einzuladen, diese Geschehnisse, so wie sie sich in uns und um uns herum abspielen, einmal aufmerksamer und mit mehr Innerlichkeit zu erleben.

Wenn es mir mit diesen Gedichten gelungen ist, den Leser seine Umgebung neu erfahren zu lassen, indem ich ihn dazu auffordere, öfter aufzumerken, um die Dinge einmal bewußt und mit froher Beschaulichkeit zu betrachten und sich für das, was immer gegeben ist, Zeit zu lassen, mit anderen Worten: das Ungewöhnliche im Gewöhnlichen zu sehen, so kann ich sagen, daß das Buch damit seinen Beitrag geleistet hat.

Margrit Dahm

in aller frühe

wenn die Sonne noch nicht aufgegangen ist und die Häuser verschlafen im Dunkeln liegen, ist der Himmel bereits von Helligkeit durchzogen, und die Kontouren von Bäumen und Gebäuden zeichnen sich klar gegen die Helle ab, die uns in diesen sommerlichen Nächten weithin umgibt; dann ist die Frühe des Tages noch eins mit jener Stille, die sich im Licht des Mondes widerspiegelt und den Strahlenkranz des Morgensterns belauscht, der auf das Erwachen des Tages wartet, bevor er im blauen Nichts entschwinden kann.

am morgen

ein neuer Tag steigt herauf,

Geräusche drängen sich auf: Autos, ein sich entfernendes Flugzeug …

Aber hier, in unmittelbarer Nähe, breitet sich Stille aus: sie umgibt, umrandet den Garten und ergießt sich in jeden ruhig atmenden Grashalm und jeden Ast.

Eine erste Vogelstimme ist erwacht und durch das

Laub der Bäume ist nun der Himmel sichtbar: ein blasses, dennoch leuchtendes Schwefelgelb des frühen Morgens – es wird ein sonniger Tag werden.

in der nacht

die Mondsichel stand am klaren Nachthimmel und sein blasser Lichtschimmer erhellte den still liegenden Garten, als ob er träume. Bewegungslos standen die hohen Bäume, kein Hauch rührte sich in ihnen.

Würzig stieg die Luft von unten herauf und erfüllte das Zimmer mit dem Duft einer in sich ruhenden warmen Sommernacht.

analog

ein später Sommer war gekommen: kurz intensiv heiß, aber er konnte das Sterben nicht aufhalten, das kommen mußte.

Jetzt liegen die welken Blätter auf den Straßen, in den Gärten, und die Luft ist ganz von Feuchtigkeit durchdrungen – die Zeit des Loslassens und

Sich-Lösens, wenn ein Zyklus sich schließt und ein anderer sich öffnet, wenn die Lebenskraft abnimmt und im Vergehen sich ganz nach innen richtet; dort ruht sie, im Einklang mit dem Irdischen, dem Geschehen, das von der Zeit gezeichnet ist und dennoch auf etwas Neues hinweist und Werdendes verspricht.

oktober

milder die Wärme, milder das Licht, das sich über Natur und Menschen legt, in dieser Zeit im Oktober – und so bereiten wir uns vor:

Es kommt die Zeit, wenn auch diese Stimmung der sanften

Weichheit im Stillen vergeht, wenn die nackte Kargheit sich im Dunkel erschöpft.

Dann werden vielleicht innere Kräfte geweckt, denn gebunden in der Zeit und der Erde entwachsen können wir dennoch den Moment des Freiseins erkennen und willkommen heißen – kühler die Luft, kühler die Nächte, wenn früh am Abend die Sonne erlischt, in dieser Zeit im Oktober –

stilleben

eine goldene Sonne durchleuchtet die gelben und grünen Blätter, und sogar die Insekten, die sie umschwirren, schimmern, als seien sie von innen her erhellt: bewegliche Punkte,