Heroische Frauenfiguren in den Dramen Bertolt Brechts - Marcus Münch - E-Book

Heroische Frauenfiguren in den Dramen Bertolt Brechts E-Book

Marcus Münch

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Beschreibung

Studienarbeit aus dem Jahr 1999 im Fachbereich Germanistik - Neuere Deutsche Literatur, Note: 1,7, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (Germanistisches Institut), Veranstaltung: Bertolt Brecht, Sprache: Deutsch, Abstract: In dieser Hausarbeit geht es im Rahmen der ausgewählten Dramen Die Heilige Johanna der Schlachthöfe, Mutter Courage und ihre Kinder sowie Der gute Mensch von Sezuan darum, eine Reihe von Frauen zu untersuchen, die man im Brechtschen Sinne als ‚heroisch‘ bezeichnen kann, da sie gezwungen sind, unter äußerst schwierigen Lebensbedingungen folgenreiche existenzielle Entscheidungen zu treffen, und trotzdem dabei ihren Lebenswillen nicht verlieren. Es sind Figuren, deren Existenz sich innerhalb des gesellschaftlichen Spannungsverhältnisses entzweit, und die in eine moralisch gute, idealistische und altruistisch gesinnte Hälfte auf der einen sowie eine in bürgerlichen Ansichten verhaftete, ökonomisch handelnde, egoistische Hälfte auf der anderen Seite zerfällt. Alle drei jedoch fungieren als Repräsentanten der veränderbaren und zu verändernden Welt, in welcher das Scheitern des Individuums gleichsam als eine Kritik am ‚kapitalistischen System‘ aufgefasst werden kann, die im gleichen Atemzug die Ablösung des status quo durch den Sozialismus fordert. Die Heroinen sind diejenigen, die innerhalb dieser Verhältnisse zu überleben versuchen (Courage), als moralischer Werteträger Güte spenden (Shen Te) oder eben jene Einsichten in das System gewinnen, die zum Handeln gegen die eigenen idealistischen Grundsätze auffordern und die Person in einen Widerstreit mit sich selbst stürzen (Johanna). Diese Arbeit enthüllt das ‚faustische Element‘ in den einzelnen Charakteren, die Motive ihres Handelns sowie die Ursachen und Folgen ihres Zwiespalts vor dem Hintergrund des jeweiligen gesellschaftlichen Kontexts.

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Veröffentlichungsjahr: 2009

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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Heilige Johanna der Schlachthöfe.
2.1 Die missionarische Sozialreformerin und ihre Einsichten in das System.
2.2 Das Verhältnis zu Mauler.
2.3 Das Scheitern der bürgerlichen Johanna
2.4 Die späte Wandlung: Es hilft nur Gewalt wo Gewalt herrscht
3. Mutter Courage und ihre Kinder
3.1 Mutterinstinkt versus Handelsgeist
3.2 Die Courage, der Krieg und das Geschäft.
3.3 Der aktive Widerstand der Schwachen: Kattrin als Gegenfigur
4. Der gute Mensch von Sezuan
4.1 Natürliche Güte und gesellschaftliche Wirklichkeit
4.2 Das Vernunftsprinzip - Shui Ta
4.3 Der idealisierte Frauentypus.
5. Schlussbemerkungen.

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1. Einleitung

In dieser Hausarbeit soll im Rahmen der ausgewählten DramenDie Heilige Johanna der Schlachthöfe, Mutter Courage und ihre KindersowieDer gute Mensch von Sezuaneine Reihe von Frauen beleuchtet werden, die man im Brechtschen Sinne als ‚heroisch‘ bezeichnen kann, da sie - und das trifft sowohl auf Johanna wie auch auf die Courage und Shen Te zugezwungen sind, unter äußerst schwierigen Lebensbedingungen folgenreiche existentielle Entscheidungen zu treffen, und trotzdem dabei ihren Lebenswillen nicht verlieren. Es sind Figuren, deren Existenz sich innerhalb des gesellschaftlichen Spannungsverhältnisses entzweit, und die in eine moralisch gute, idealistische und altruistisch gesinnte Hälfte auf der einen sowie eine in bürgerlichen Ansichten verhaftete, ökonomisch handelnde, egoistische Hälfte auf der anderen Seite zerfällt. Am offensichtlichsten liegt die Spaltung imGuten Menschen von Sezuanvor (zumal sie durch das alter ego des Vetters auch nach außen hin dokumentiert wird), am schwächsten ausgeprägt ist sie in derMutter Courage,die trotz ihres mitunter zwiegespaltenen Verhältnisses zum Krieg in der Fokussierung auf das eigene Überleben und ihrem Opportunismus prinzipiell mit den ihre Familie zerstörenden Umständen konform geht und daher eine vergleichsweise homogene Figur ist. Alle drei jedoch fungieren als Repräsentanten der veränderbaren und zu verändernden Welt, in welcher das Scheitern des Individuums gleichsam als eine Kritik am ‚kapitalistischen System‘ aufgefasst werden kann, die im gleichen Atemzug die Ablösung des status quo durch den Sozialismus fordert. Ob die Figuren, wie Johanna, einen Entwicklungsprozess durchleben, an dessen Ende die Einsicht zur Notwendigkeit einer gewaltsamen Umwälzung steht, oder, wie die Courage, in der Rolle des blinden Realisten verharren und aus den Erfahrungen keine persönlichen Konsequenzen ziehen: in jedem dieser Stücke wird am Schicksal der Protagonisten die Rolle der im Grunde Gutes wollenden kleinen Leute im bürgerlichen Ordnungsgefüge illustriert und exemplarisch demonstriert, welche ihrer Eigenschaften dem unsozialen System nützen (man denke an die überall herausgestellte Gefährlichkeit der Tugenden), kontrastierend mit dem, was hingegen nötig wäre, um es zu verändern. Die Heroinen sind diejenigen, die innerhalb dieser Verhältnisse zu überleben versuchen (Courage), als moralischer Werteträger Güte spenden (Shen Te) oder eben jene Einsichten in das System gewinnen, die zum Handeln gegen die eigenen idealistischen Grundsätze auffordern und die Person in einen Widerstreit mit sich selbst stürzen (Johanna).

Es soll nun darum gehen, das ‚faustische Element‘ in den einzelnen Charakteren zu enthüllen, die Motive ihres Handelns sowie die Ursachen und Folgen ihres Zwiespalts zu sondieren und