Hexenzirkel 1: Das Lied von Usgar - R.A. Salvatore - E-Book
SONDERANGEBOT

Hexenzirkel 1: Das Lied von Usgar E-Book

R.A. Salvatore

0,0

Beschreibung

Nachdem Aoleyn ihre Eltern verloren hat, muss sie sich allein in einem Stamm bösartiger Barbaren behaupten. Sie träumt davon, in die Welt jenseits ihrer Bergheimat zu entkommen. Die einzige Hoffnung, die Freiheit zu erlangen, besteht darin, das Lied von Usgar zu erlernen, die mysteriöse Kraft des magischen Zirkels ihres Stammes. Glücklicherweise scheint Aoleyn die mächtigste Hexe zu sein, die jemals gelebt hat. Doch die Magie hat ihren Preis. Adeys Fähigkeiten wecken nicht nur das Interesse des brutalen Stammesführers, sondern auch das des Dämons der Berge, der all jene jagt, die über die Macht des Zirkels verfügen. Aoleyns Talent macht sie zu einem Signalfeuer in der Nacht.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern

Seitenzahl: 806

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0



Ins Deutsche übersetzt vonClaudia Kern

Die deutsche Ausgabe von DAS LIED VON USGAR

wird herausgegeben von Amigo Grafik, Teinacher Straße 72, 71634 Ludwigsburg.

Herausgeber: Andreas Mergenthaler und Hardy Hellstern,

Übersetzung: Claudia Kern; verantwortlicher Redakteur und Lektorat: Markus Rohde;

Lektorat: Jana Karsch; Korrektorat: Peter Schild; Satz: Rowan Rüster/Amigo Grafik;

Cover-Illustration: Larry Rostant; Printausgabe gedruckt von CPI Moravia Books s.r.o., CZ-69123

Pohořelice. Printed in the Czech Republic.

Titel der Originalausgabe: CHILD OF A MAD GOD

Copyright © 2018 by R. A. Salvatore. All rights reserved.

Karte von Rhys Davies

German translation copyright © 2018, by Amigo Grafik GbR.

Print ISBN 978-3-95981-812-4 (Dezember 2018)

E-Book ISBN 978-3-95981-813-1 (Dezember 2018)

WWW.CROSS-CULT.DE

Das Schreiben ist meine Reise,Es hilft mir, die Welt zu begreifen.Die Personen, die ich in den Büchern kennenlerne,offenbaren sie mir.Sie sprechen zu mir. Sie führen mich zur Wahrheit.Sie schenken mir Augenlicht.Deshalb gebührt diese Widmung Aoleyn.Sie zeigte mir die Welt aus einer anderen Perspektive.Und in einem neuen Licht.

DIE KLAGE DES SEEBEWOHNERS

Auf dem Fireach sitzen Deamhain,murmeln Flüche, Flammen rein;Die Menschenjagd ihr höchstes Gut,Angst einjagen bis aufs Blut.Furcht nicht Lob ist ihr Begehr,Keine Feder sie halten, nur den Speer.Die Beute, die sie an sich nehmen,Besteht aus Knochen, Fell und Sehnen.Spurlos sind der Deamhain Schritte,Kein Laut verrät sie, keine Tritte;Wütend fahr’n sie aus dem Dunkel,Magie an langer Klinge funkelt.Flammen lodern an ihrem Speer,Und Blitze aus Zorn holen sie her.Werfen Steine ohne Schlinge,Fliegen fort ganz ohne Schwinge!Ab und zu stolpert ein SeenmannIn den Weg von Fireach Deamhan.Dessen Lächeln sieht er in seiner NotUnd oft folgt es ihm bis in den Tod.Usgar Deamhan, es bereitet dir Freud’,Das Lächeln zu nehmen den jungen Leut’?Usgar Deamhan, dein höchstes Gut,Ist es Angst einzujagen bis aufs Blut?

Inhalt

Prolog

TEIL I NEUGIERIGES KIND

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

TEIL II DAS LEID, DAS SIE UMGIBT

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

TEIL III LEBENSGESCHICHTEN

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

TEIL IV GEHEIMNISSE

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Kapitel 35

Kapitel 36

Kapitel 37

Kapitel 38

EPILOG

Der Mond rief sie herbei, die Beschwörung des Bluts. Die Fossa, lang und schlank und an den Boden gepresst, kroch durch den unterirdischen Tunnel, dessen Decke in einigen Abschnitten so tief hing, dass ihr kaum drei Handbreit Platz blieben, um sich hindurchzuzwängen. Die dämonische Kreatur spürte jeden spitzen Stein und jede Unebenheit, denn das schüttere Fell an ihrem sechs Fuß langen Körper war kaum der Rede wert. Nur einige Büschel zeigten sich auf ihrer geröteten, von Beulen und Schwellungen bedeckten Haut. Ihr pfeilgerader Schwanz, der es auf eine Länge von drei Fuß brachte, war flach und hart mit einer Spitze, deren glatte Seiten die Schärfe einer Sense besaßen.

Sie lief wie eine Katze auf vier weichen Pfoten, die tödlichen Krallen eingezogen, und bewegte sich abgesehen vom gelegentlichen Schaben ihres harten Schwanzes über den Boden völlig lautlos.

Die dämonische Kreatur verließ den engen, gewundenen Tunnel und gelangte in einen Gang mit höherer Decke, wo sie innehielt und tief durchatmete. Sie sog den Geruch des Lebens im Berg ein und lauschte dem Lied der Bergmagie, Empfindungen, die die Bestie mit einem von Wahnsinn durchsetzten Hass erfüllten.

Seit vielen Monaten saß sie bereits in ihrem Mordnest fest, in der Dunkelheit, während dieses Lied, das sie in den Wahnsinn trieb, vom Gestein widerhallte. In all dieser Zeit war sie nicht imstande gewesen, loszuziehen und die Sänger zu töten. Auch hatte sie ihre Wut nicht an einem Tier oder einem Menschen oder einem Sidhe auslassen können. Denn im Licht der Sonne, der Sterne oder bei gewöhnlichem Mondlicht war das Lied zu stark und hätte die Fossa zurück in die Höhle getrieben.

Doch nicht in dieser Nacht. In dieser Nacht war der Mond rot, ein Blutmond, und die Fossa konnte herauskommen.

Und Blut schmecken.

Und Magie verzehren.

Und die Sänger zum Schweigen bringen.

Sie verfiel in einen leichten Galopp, hastete schneller voran, durch den Gang und in die kleine Höhle, zu ihrem Eingang. Dort blieb die Fossa stehen und sah hinauf in den Nachthimmel zu dem riesigen Vollmond, der in düsterem Rot im Dunkeln hing.

Er versprach Nahrung.

Was würde sie in dieser Nacht töten? Die Knochen welches Wesens würden auf dem Abfallhaufen in ihrem Bau am Ende des langen Wegs landen? Die Kehle welches Sängers würde sie in ihrem Maul zerquetschen?

Unter dem roten Mond trat sie endlich ins Freie. Hunger drängte sie zur Jagd.

Vielleicht ein Reh. Vielleicht ein Bär, ein Warzenschwein oder ein großer Roc, ein riesiger Bergwidder oder einer dieser hässlichen Sidhe-Humanoiden. Keiner von ihnen weckte Zweifel bei der dämonischen Fossa. Keiner hatte ihrer Brutalität etwas entgegenzusetzen. Doch keiner war sonderlich schmackhaft und würde den Dämon mit dem Genuss erfüllen, nach dem er sich sehnte.

Etwas ließ die Kreatur unmittelbar vor dem mit Knochen übersäten Eingang ihrer Höhle innehalten. Zuerst waren die Vibrationen, die in der Nachtluft mitschwangen, nur ein Kitzeln, das sie zu necken schien, doch dann wurden diese Funken stärker, stechend und unangenehm. Die Kreatur stieß ein wildes Knurren aus, das von der Flanke des Berges widerhallte, eine Warnung, ein Protest gegen die schmerzhafte Störung, gegen die unerträgliche Resonanz der Magie.

Es war wie Salz in der Wunde – nicht der Schmerz, denn die Fossa litt unablässig unter Schmerzen, sondern die Vibration der Magie, ein unaufhörliches Stechen, gegen das kein Kratzen half.

Wie sehr die dämonische Fossa Magie hasste! Ihr endloses Lied, gesungen von einer einzigen Stimme, ein durchdringendes, unaufhörliches Läuten, eine einzelne, nicht enden wollende Note, die durch den Körper der Kreatur hallte und nur eine Botschaft mit sich brachte: Mord.

Doch das Knurren verstummte rasch.

Die Fossa spürte das Pulsieren der Magie.

Ein Mensch befand sich in dieser Nacht auf dem Berg, unterwegs im düsteren Schein des Blutmonds. Und dieser Mensch brachte Magie mit sich, die nun geweckt worden war und deshalb ihr elendes Lied sang.

So leise wie ein Schatten verließ die Fossa ihre Höhle und verschwand in der Dunkelheit. Die Tiere von Fireach Speuer würden in dieser Blutmondnacht ruhig schlafen können.

Oh ja, denn das Lieblingsmahl der Fossa war angerichtet.

Weder Schluchten noch Steilwände bremsten ihren Lauf, denn die Kreatur konnte schwindelfrei an Abgründen entlangpreschen und aus dem Stand ein oder sogar zwei Dutzend Fuß weit nach oben springen. Ihre Krallen gruben sich so mühelose ins Gestein wie die einer Katze, die einen Baum erklimmen will.

Sie hetzte den Berghang hinab und dann gen Westen, wo sich eine Hochebene erstreckte und der rote Mond sich im Wasser des großen Sees tief unter ihr spiegelte. Sie hielt jedoch nicht inne, um diesen majestätischen Anblick zu genießen, denn das Lied wurde lauter und klarer, als die Fossa sich näherte.

Es schwoll in einem Maße an, dass die Fossa schließlich langsamer wurde.

Sie überwand einen Hügel, lief durch ein kleines Waldstück und schlug sich schließlich ins Gestrüpp am Rande eines Felds voller Würgebeersträucher. Dort hockte sich die Kreatur hin und beobachtete und wartete.

Der Mann erschien auf einem schräg stehenden Felsen auf der anderen Seite des Feldes. Er hielt einen langen Speer in der Hand, an dessen Spitze magische Energien leuchteten, die mit reiner Stimme ihr Lied sangen. Er stieg die Böschung hinunter und watete durch Gebüsch und lange Gräser bis zur Mitte des Feldes.

Er war auf der Jagd, das erkannte die Fossa. Er jagte die dämonische Fossa.

Er war ein Narr.

Der Mann stand inmitten der Würgebeersträucher und flüsterte etwas. Die Kreatur verstand die Worte nicht, doch ihr Klang ließ sie innehalten. Sie kroch tiefer in das Gestrüpp hinein und suchte von ihrem sicheren Versteck aus nach weiteren Menschen.

Der Mann sprach erneut, so als wäre er nicht allein, aber die Fossa konnte niemanden entdecken.

Es gab niemand anderen hier.

Ein tiefes Knurren entrang sich der Kehle der Fossa, dann begann sie, den Mann lautlos zu umkreisen, als der sich nach dem Geräusch umschaute.

Der Mann schnüffelte. Er konnte den Dämon riechen und der Dämon konnte seine Angst riechen.

Der Mann stellte sich breitbeinig hin und richtete die furchtbare magische Speerspitze auf die Stelle, an der die Fossa soeben ihr Knurren ausgestoßen hatte, so als erwarte er ihren Angriff.

Doch die Fossa war nicht mehr dort, auf der Windseite des Menschen, wo sie ihren Geruch im Gebüsch hinterlassen hatte, damit er ihn wahrnehmen konnte. Nein, die Fossa lauerte bereits hinter dem Mann und beobachtete ihn.

Der Wind frischte auf, die Würgebeersträucher raschelten und der Mensch drehte sich nach rechts und links, allerdings ohne die Stelle, an der die Fossa gewesen war, aus den Augen zu lassen.

Geduckt, sodass ihr Bauch fast den Boden berührte, lief die Fossa los. Sie wurde schneller, machte sich bereit zum tödlichen Sprung.

Doch irgendeine Ahnung verriet dem Mensch, aus welcher Richtung sie kam! Und er fuhr herum, die Speerspitze blitzte auf!

Die Fossa sprang aus den Würgebeeren, schlug einen Haken nach rechts und dann nach links, zu schnell für den Mann und seine schwerfällige Waffe. Die Speerspitze folgte ihr, konnte sie jedoch nicht einholen und die Fossa hechtete rechts an dem Mann vorbei und ins Gebüsch hinter ihm.

Doch als die Kreatur den Mann passierte, schlug ihr Schwanz peitschend nach ihm aus, wie ein Schwert aus Knochen, um ihm die Beine unter dem Leib wegzuziehen und seine Füße abzutrennen.

Nicht weit von dem Mann entfernt kam die Fossa zum Stehen und wirbelte herum, während der Mann auf die Knie kam und ihr den Speer entgegenstreckte. Er wirkte aufgeregt, sogar euphorisch, bereit zum Kampf, und er machte Anstalten aufzustehen.

Der Narr wusste nicht einmal, was soeben geschehen war. Als er das Bein ausstreckte, um einen Fuß aufzusetzen, schrie er auf, erst vor Schmerz und dann – dies war für die Fossa die lieblichste Melodie – voller Angst. In diesem Moment, das wusste die Fossa, erkannte der Mann endlich, dass sie ihm die Füße genommen hatte, sauber an den Knöcheln abgetrennt!

Der Mensch sah sich verzweifelt um und griff sogar nach einem abgetrennten Fuß, der sich in einem der Würgebeersträucher verfangen hatte.

Die dämonische Fossa beobachtete amüsiert, wie der Mann versuchte, neuen Mut zu schöpfen, und sich trotzig mit dem Speer abstützte, während er sich wieder auf die Knie hochkämpfte. Anschließend packte er den Speer mit beiden Händen und brüllte herausfordernd.

Die Fossa umkreiste ihn gelassen. Die Zeit arbeitete nun gegen den Menschen, während sein kostbares Blut aus den Beinstümpfen strömte.

Der Mann erhob erneut die Stimme, so als unterhielte er sich mit einem anderen, unsichtbaren Menschen. »Ich werde meiner Tochter keine Schande machen!«, schrie er.

Die Fossa baute sich vor ihm auf und starrte ihn an.

»Komm her!«, schrie der Mann und wedelte mit seinem Speer.

Die Fossa setzte sich hin und ließ ihn bluten.

Mit einem Mal umklammerte er seinen Speer mit beiden Armen und die Magie in der Kristallspitze leuchtete auf. Er schien dem Speer etwas zuzuflüstern und die Magie wurde stärker. Ihr Lied drang auf die dämonische Kreatur ein, attackierte all ihre Sinne stärker als zuvor, weil sie von Wärme und Heilung sang! Der Mensch schloss die Augen und schien sich in dem heilenden Lied zu baden wie im Licht der Sonne.

Die Fossa machte einen Satz zur Seite. Sie konnte riechen, wie die Blutung nachließ. Sie hörte das heilende, magische Lied.

»Wo bist du?«, schrie der Mensch, der nun gestärkt und ein wenig geheilt wirkte.

»Feigling!«, spottete er oder versuchte es zumindest, denn das Wort endete im fauchenden Zischen seines ausgestoßenen Atems, als die dämonische Fossa in seinen Rücken krachte und rasch die Kiefer um seinen Nacken schloss. Die Fossa wusste, dass der Mann sich umdrehen und zustechen wollte, aber sie wusste auch, dass ihre Fänge seinen Nacken gebrochen hatten und dass der Körper des Menschen seinen Befehlen nicht länger folgen würde.

Zusammen gingen sie zu Boden und der Mensch landete mit dem Gesicht in einem Würgebeerstrauch.

Die Fossa tötete ihn nicht. Noch nicht. Sie würde ihn zu ihrem Nest schleppen und dort gemächlich auffressen, während er noch am Leben war.

Doch zuerst … der Speer! Der magische Kristall!

Die Fossa ließ den zertrümmerten Nacken des Manns los und stürzte sich auf den Speer. Ihre mächtigen Kiefer schlossen sich um die Spitze, zermalmten und zerschmetterten sie.

In diesem Augenblick erkannte die dämonische Kreatur, dass sie nicht allein war, dass der Mensch tatsächlich jemanden an seiner Seite gehabt hatte. Denn durch die magische Speerspitze war er spirituell mit einer anderen Person verbunden, der eigentlichen Sängerin der Magie!

Sie nahm aus dem Geisterreich an der Jagd des Mannes teil.

Die Fossa hörte ihr Lied und spürte, wie sie versuchte, dem sterbenden Mann, der in den Würgebeersträuchern lag, mehr Magie zuzuführen.

Die Fossa war jedoch nicht nur ein körperliches Wesen. Sie war so viel mehr. Die Geisterwelt war ihr wahres Reich.

Sie stürzte sich in die Dunkelheit und fand sie.

Und sie erkannte sie in diesem Moment: Elara.

Sie versuchte zu fliehen, ihren Geist wieder mit ihrem weit entfernten Körper zu vereinen. Doch der Geist der Fossa sah sie und folgte ihr.

Sie konnte nicht fliehen.

Die Fossa konnte ihre Fänge natürlich weder in ihren Nacken noch in einen anderen Teil ihrer irdischen Gestalt schlagen, aber das war auch nicht nötig. Sie konnte ihre Seele fressen. Sie konnte ihren Geist zerfleischen!

Diese Beute mochte zwar weniger nahrhaft sein, für die Fossa war sie allerdings ein weitaus größerer Genuss.

Zu ihrer Überraschung fuhr die magische Sängerin herum und kehrte zu dem Mann zurück. Sie fand ihn und er fand sie.

Und die Fossa fand sie beide. Ihre Geister klammerten sich aneinander, während die Kreatur sich ihnen näherte.

Und sie erkannte auch ihn: Fionlagh.

Die Geister der beiden Menschen spendeten einander Trost, doch die Fossa amüsierte das nur, denn ihr war nur allzu deutlich bewusst, dass dieser Trost nicht lange währen würde. Die Bestie verhöhnte die beiden, während sie ihr Opfer zu dem dunklen Loch in der dunklen Höhle zerrte. Sie schaute ihnen zu, während sie den Körper des Mannes verschlang, beobachtete, wie sein Geist davonflatterte.

Auch der Geist der Frau flog davon und die Fossa ließ ihn in dem Wissen ziehen, dass er ihr nicht entkommen konnte.

Sie kauerte in ihrem Loch auf einem Haufen bleicher Knochen; der zerfetzte Kadaver lag vor ihr auf dem nackten Stein der Höhle. Doch ein Teil der dämonischen Kreatur folgte der Frau zurück zu ihrem Zelt, wo sie auf dem Rücken lag und ins Nichts starrte. Sie sah nur Dunkelheit. Ihre Magie war verzehrt, ihre Lebenskraft heruntergebrannt wie die Flamme einer Kerze. Und ihr Geist war an dem Schrecken zerbrochen.

Dem Schrecken.

NEUGIERIGES KIND

Glaube ich an Erlösung?

Das muss ich wohl. Wie kann ich mir meine Sünden vergeben, wenn ich nicht daran glaube, dass ich Buße tun kann und muss? Sind meine Verbrechen so ungeheuerlich, dass ich die Waagschale der Gerechtigkeit niemals wieder ins Lot bringen kann? Sind sie so schrecklich, dass ich, ungeachtet dessen, was ich mit dem Rest meines Lebens anfange, niemals friedlich auf meinem Totenbett liegen werde, in der Gewissheit, dass ich die Welt zu einem besseren Ort gemacht habe?

Ich kann nur mit den Schultern zucken, denn darüber habe nicht ich zu befinden. Auch ist dies weder der Grund, weshalb ich an Erlösung glaube, noch etwas, an dem sich Erlösung messen ließe. Denn eine solche Wiedergutmachung ist in erster Linie eine innere Wahrheit, die Erkenntnis, dass man sich auf einem richtigen und gerechten Weg befindet.

Du hast mir von Bruder Francis erzählt, der so lange im Dienste des bösen Vaters Abt Markwart stand und für den Tod deines Bruders Grady verantwortlich war. Du sagtest, Francis habe am Ende Buße getan, indem er sich um die armen Bauern kümmerte, die sich mit der Rosenseuche angesteckt hatten. Francis, dieser Mann, dein Feind, gab sein Leben, um ihnen zu dienen, und er tat dies freiwillig und mit Freude, weil er das Licht der Güte gefunden hatte und es sein Herz erwärmte.

Und am Ende, als auch er starb, warst du bei ihm und dein Herz war erfüllt von Edelmut und Trauer über sein Ende. Und obwohl die Rolle, die er bei Gradys Tod gespielt hatte, Schmerz und Wut in dir weckte, legtest du beides ab und vergabst ihm. Du wolltest ihn sogar retten.

Wie kann ich nach dieser Geschichte über Jilseponie und Bruder Francis nicht an Erlösung glauben?

Seit meiner Niederlage und Verbannung hat man mir oft gesagt, dass ich bereits im Mutterleib verdorben wurde, dass es dem dämonischen Daktylus beim Kampf gegen meine Mutter gelungen war, mein Herz in seine Dunkelheit zu tauchen. Ich bezweifle nicht, dass ein Funken Wahrheit darin liegt, denn jene, die das behauptet haben, angefangen bei Lady Dasslerond von den Touel’alfar bis hin zu meiner Mutter, die auf ewig unter dieser frisch aufgeworfenen Erde ruht, wussten, wie böse ihr mächtiger Gegner ist.

Doch der Dämon, den ich in der Vergangenheit in mir trug, die Verdorbenheit von Bestesbulzibar, die meine Seele noch im Mutterleib infizierte, ist keine Entschuldigung. Die dunklen Einflüsse, die von mir Besitz ergriffen hatten, ob der von Marcalo De’Unnero oder der des dämonischen Daktylus, sprechen mich nicht von Schuld frei und lenken auch nicht von der Wahrheit ab, dass ich, Aydrian, diese Entscheidungen getroffen habe. Ich löste Leid aus, um mich zu bereichern und Ruhm zu erlangen.

Wir sind unserem Erbe und unserer Kindheit nicht hilflos ausgeliefert. Wenn wir erwachsen werden und die Welt so sehen, wie sie ist, lassen wir zwar unsere Dämonen nicht hinter uns, treffen jedoch unsere eigenen Entscheidungen.

Die Liebe meiner Mutter war immerwährend und großherzig und oft entschuldigen jene, die uns lieben, unser Verhalten damit, dass wir von Freunden und Gleichgesinnten auf einen gefährlichen und dunklen Pfad geführt wurden.

Nein, sage ich.

Einfach nur nein.

Ich lehne deine Ausreden ab, geliebte Mutter, selbst in diesem Augenblick, wo ich um dich trauere. Vielleicht hat der dämonische Daktylus mein Herz mit Schwärze erfüllt, so wie du glaubtest, doch ich habe schon vor langer Zeit die Verantwortung für meine Taten übernommen.

Daran bin ich nicht zerbrochen – ganz im Gegenteil! Diese Dunkelheit, was auch immer ihre Ursache sein mag, steckt nicht länger im Herzen von Aydrian Wyndon. Ich habe nun das dritte Jahrzehnt meines Lebens hinter mir gelassen, mein Herz ist rein, mein Geist klar und ich sehe meinen Weg vor mir, deutlicher denn je.

Ich glaube an Erlösung, aber nur, weil ich glaube, dass ich mich selbst erlösen muss. Nicht zur persönlichen Bereicherung, auch nicht wegen eines flüchtigen Ehrgedankens – abgesehen davon, dass ich dich und meinen Vater Elbryan ehren möchte sowie die Arbeit, die ihr geleistet habt und das Gute, das ihr beide bewirkt habt.

Ich habe mir selbst vergeben und die Schande abgelegt, die ich angesichts meiner Fehlschläge empfand, ebenso wie den dunklen Schatten, den ich auf Elbryan und Jilseponie, die Helden von Honce, geworfen habe.

Doch nur, weil ich weiß, dass diese Dunkelheit nicht länger existiert.

Wir können die Vergangenheit nicht ändern und sie zu leugnen, führt zu nichts. Wenn wir auf andere Weise über sie sprechen, können wir zwar andere täuschen, aber nie uns selbst. Diese Kapitel sind geschrieben, die Worte deutlich erkennbar, die Tinte bereits getrocknet. Doch das Buch ist nicht beendet, so lange wir unseren letzten Atemzug noch nicht getan haben.

Und so schwöre ich dir, Jilseponie, meiner Mutter, dass ich von nun an bessere Kapitel schreiben werde.

Aydrian Wyndon, Jilseponies Grabrede

Die Welt jenseits der Welt(Letzter Tag des neunten Monats,Parvespers, Gottes Jahr 839)

Der kräftige und schlaksige Bootsmann streckte seine langen Arme aus und tauchte das Paddel langsam und lautlos ins glasklare Wasser des riesigen Bergsees. Der kluge Grenzbewohner war nicht zum Ruderer ausgebildet worden, bewegte das Paddel jedoch so elegant und sanft, dass er kaum das Wasser aufwühlte und damit auch nicht die riesigen und aggressiven Ungeheuer störte, die in den Untiefen von Loch Beag lebten.

Talmadges Haare waren lang, sein Bart dicht und die Farbe von beidem lag irgendwo zwischen rot und dunkelbraun. Er trug sein Haar zurückgekämmt, manchmal im Nacken zusammengebunden, manchmal offen, doch er verzichtete nie auf einen dünnen Zopf, der von seinem linken Ohr bis über die linke Schulter hing. »So habe ich was zum Kauen«, sagte er oft und tat dies auch. Der Zopf sollte ihn daran erinnern, auf jedes Detail zu achten und stets nach möglichen Gefahren zu suchen. Talmadge wusste nicht genau, wie alt er war, nur, dass er das zwanzigste Lebensjahr hinter sich gelassen hatte. Diese simple Tatsache verriet jedem, der dieses gefährliche Land kannte, dass er noch viel zu lernen hatte. Zwar lebte er bereits seit seiner Jugend hier draußen in der westlichen Wildnis, die sich sogar jenseits der Wildlande befand, weit entfernt von den Grenzen des zivilisierten Königreichs, das man Honce-der-Bär nannte, doch verglichen mit den anderen Fallenstellern und Händlern war er immer noch ein Grünschnabel, jung genug, dass man allgemein damit rechnete, dass er bald eines ungeheuerlichen und schrecklichen Todes sterben würde. Bei den Versammlungen der Grenzbewohner machten solche Geschichten oft die Runde.

»Tief hängende Äste«, beschwerte sich sein Begleiter, ein verschlagener, alter Waldschrat mit grauem Haar namens Seconk, der aber meist nur Dachs genannt wurde, weil er sich gerne prügelte und seine Gegner blutend und gebrochen im Dreck zurückließ. Er war klein, besaß eine Brust so breit wie ein Fass und spindeldürre Arme, was viele hinter vorgehaltener Hand zu der Vermutung veranlasste, Dachs hätte Dunterzwergenblut in sich. Dachs betrachtete diese spöttischen Bemerkungen jedoch als Kompliment, denn die Dunter mit ihren Blutkappen waren berühmt für ihre Zähigkeit.

»Dann duck dich halt«, erwiderte Talmadge. »Muss ich dir so was wirklich sagen?«

»Ich habe dich gut für die Überfahrt bezahlt«, antwortete der beleidigte Dachs.

»Wenn nicht, hätte ich dich auch nicht mitgenommen.«

»Pah, du idiotischer Grünschnabel. Dein Mundwerk bringt dich noch früh genug ins Grab.«

Talmadge warf einen Blick über die Schulter und sah, dass Dachs auf den großen See hinausblickte. Dann brachte er das Kanu näher ans Ufer heran und lehnte sich zurück, während sie unter einem besonders tief hängenden Vorhang aus Moos hindurchglitten.

Der abgelenkte Mann hinter ihm bekam den Mund voll Moos und spuckte prompt einen grünen Klumpen ins Wasser. »Pah, viel zu nah, Langbein!«

»Dann duck dich«, wiederholte Talmadge, der das Lachen in seiner Stimme kaum verbarg.

»Du bist verdammt nahe am Ufer.«

»Nicht nahe genug«, gab Talmadge zurück. »Willst du, dass wir im Morgennebel aufs offene Wasser hinausfahren?«

»Wir kennen die Richtung«, erwiderte Dachs.

»Ich mache mir keine Sorgen, dass wir uns verirren könnten«, versicherte ihm Talmadge.

Dachs schnaubte. »Das schon wieder?«

»Da draußen sind Ungeheuer.«

»Pah! Fische essen Dachs nicht, aber Dachs isst Fische!«

»Wenn wir dir ein eigenes Kanu ausgehöhlt hätten, könntest du jetzt weiter rausfahren«, meinte Talmadge mit einem listigen Glitzern in den Augen.

»Ich habe schon mehr Tage auf Seen verbracht, als du am Leben bist!«

»Aber nicht auf diesem See«, erwiderte Talmadge, ohne zu zögern. Sein Tonfall war nun völlig ernst und von einem Hauch von Ehrfurcht erfüllt. »Nicht auf einem so tiefen und so kalten See, der mit derart vielen dunklen Schatten angefüllt ist. Du kannst dir sicher sein, dass eine von Beags hungrigen Bestien uns finden würde, wenn wir weiter rausfahren würden.«

»Dachs isst die Fische!«

»Wer hat denn was von Fischen gesagt?«, fragte Talmadge, während er sich umdrehte, damit der alte Nörgler sein ernstes Gesicht sehen konnte. Seine Ehrlichkeit schien Dachs tatsächlich einen Dämpfer zu versetzen.

»Wir bleiben in der Nähe des Ufers, also duck dich und pass auf, damit dich kein Ast erwischt und über Bord fegt«, fuhr Talmadge fort. »Ich werde wegen dir nicht wenden und für deine Pelze werde ich in Fasach Crann mehr Geld bekommen als du in Car Seileach.«

»Klingt komisch, nicht wahr?«, meinte Dachs. »Car Seileach?«

»Kurzweiden, wenn dir das vertrauter ist«, antwortete Talmadge säuerlich. Diesem rauen, älteren Mann würde es bei den Stämmen von Loch Beag nicht sonderlich gut ergehen, daran hatte er keinen Zweifel. Die Ortsnamen in dieser Gegend waren enger mit dem Land verbunden als anderswo. Es waren sprechende Namen, die etwas über die Natur der Orte verrieten. Sie waren einfach und pragmatisch, so wie die Menschen, deren Angewohnheiten und Alltag sich dem See, den Bergen, den Tälern und den Wesen, die diese Region bewohnten, angepasst hatten.

In dieser Einfachheit lag Schönheit, die Talmadge schon vor langer Zeit erkannt und zu schätzen gelernt hatte. Die Existenz der Menschen hier war von einer Harmonie und Schlichtheit geprägt, die auf gesundem Menschenverstand fußten. Im Gegensatz zu Honce-der-Bär wurde das Land hier draußen in der Wildnis respektiert und geehrt und war weit gefährlicher als die Burgen der Barone und Könige. Deshalb lebten die Stämme immer am Rande des Untergangs. Ein Wintersturm konnte ausreichen, um aus sieben Stämmen sechs oder weniger zu machen. Ein Seeungeheuer oder ein Bär oder eine Bergkatze oder ein Goblin (die sie Sidhe nannten und die hier deutlich größer wurden als in der zivilisierten Welt) konnten sich jederzeit ein zartes Kind oder einen der besten Krieger holen. Das ging schnell. Und dann gab es noch die Krieger der Berge, die Usgar Deamhain, die in der Höhe lauerten und die Stämme beobachteten.

Die Dorfbewohner am Ufer von Loch Beag konnten sich den Luxus eines komplizierten Lebens nicht leisten. Der Tod war ihnen immer nahe, ein ungeliebter, aber treuer Begleiter.

Mit routinierter Gelassenheit umschiffte Talmadge einige Felsen. An einer Stelle geriet das lange Kanu, das aus einem ausgehöhlten Riesenkaktus gefertigt worden war, in so flaches Wasser, dass Talmadge mit seinem kurzen Paddel über die Felsen kratzen konnte, die in der Morgensonne im Uferbereich dicht unter der Wasseroberfläche glänzten.

»Mehr Geld, sagst du?«, fragte Dachs mit verschlagener Stimme. »Warum fahren wir dann nicht dorthin? Du kriegst zehn Silbermünzen mehr, wenn du mich an diesen Crann-Ort bringst.«

»Sie würden dich umbringen«, sagte Talmadge nüchtern.

»Talmadge bringen sie aber nicht um, oder?«

»Um das zu erreichen, hat es viele Besuche gebraucht, bei denen Mitglieder des Seileach-Stammes mich ihnen vorgestellt haben«, erklärte Talmadge. »Als Fremder kann man nicht einfach so unangekündigt in eines der Dörfer gehen. Car Seileach ist der Anlaufpunkt für die sieben Stämme, die rund um den See leben. Dort wirst du dich vorstellen und wenn du dich als ebenso liebenswert wie Talmadge erweist, kannst du dich vielleicht nach und nach zu den anderen Siedlungen vorarbeiten.«

»Sieben Stämme? Ich dachte, es gäbe acht. Was versteckst du vor dem alten Dachs?«

Talmadge legte sich das Paddel quer über die Oberschenkel und drehte sich zu seinem Begleiter um. Er setzte ein Grinsen für Dachs auf, ein spöttisches Zähneblecken.

»Du behältst die besten Märkte für Talmadge, was?«, fragte Dachs.

Talmadge lachte und streckte den Arm aus, um den Blick des anderen Mannes auf den riesigen Berg zu lenken, der sich an das Südostufer des Sees schmiegte. »Oh, es gibt einen achten Stamm«, erklärte er. »Das sind eher Nomaden als Dorfbewohner und sie ziehen über die Bergpfade. Ich kann dir die Richtung weisen, aber du wirst allein zu ihnen gehen. Und nicht zurückkommen. Niemand kommt je zurück.«

Die unheilverkündende Warnung hing einen Moment lang in der Luft, bis Dachs ein verächtliches Schnauben ausstieß und verkündete: »Pah, das sind doch eh alles nur Wilde. Und hässlich sind sie noch dazu!«

Talmadge lachte leise und widmete sich wieder dem Paddeln. Er machte sich nicht die Mühe, den sturen, alten Pelzhändler auf seinen Irrtum hinzuweisen. Vor vielen Jahren hatte sich Talmadge für einen sehr schlauen jungen Mann gehalten, denn es war ihm irgendwie gelungen, der Rosenseuche zu entkommen und er hatte es nicht nur fertiggebracht, in den Wildlanden zu überleben, sondern dank seines Verstands, seiner Intelligenz und der wenigen Fähigkeiten, die sein Vater ihn gelehrt hatte, auch in der abgelegenen Region westlich davon. Heute war er zwar immer noch ein junger Mann, besaß aber viel mehr Lebenserfahrung, als es in seinem Alter üblich war. Die größte Erkenntnis, die er dabei erlangt hatte, war die seiner eigenen Grenzen. Bisher hatte Talmadge überlebt und war sogar aufgeblüht, weil er akzeptiert hatte, dass er viele Dinge, die er zu kennen glaubte, eigentlich gar nicht kannte.

Wilde? Als jemand, der in einem von Kriegen verwüsteten Königreich aufgewachsen war, wo sich Könige duellierten und Äbte sich bis aufs Blut bekämpften, in dem sich Leichen auf den Feldern stapelten, hätte er die Bewohner von Loch Beag nicht als »Wilde« bezeichnet.

Dachs’ andere Behauptung konnte er allerdings kaum abstreiten, denn die Menschen am Loch Beag waren nach dem Schönheitsempfinden der Leute aus dem Osten tatsächlich recht hässlich. Sie wickelten die Köpfe ihrer Säuglinge fest in Stoff ein, um deren Schädel umzuformen, mit schockierenden Resultaten. Manche Schädel waren einfach nur lang gezogen, anderer kürzer, aber mit einem dicken, fast schon pilzartigen Buckel, und manche waren bizarr geformt mit einer Art doppeltem Buckel, was tatsächlich verstörend wirkte. Die wenigen Menschen, die aus den Wildlanden hierhergekommen waren, betrachteten die Bewohner des Sees nicht einmal als Menschen, sondern erklärten sich deren seltsames Aussehen damit, dass sie sich mit Goblins oder Dunterzwergen gepaart hatten, oder dass es sich bei ihnen um eine dämonische Pervertierung der Menschheit handelte.

Doch Talmadge wusste es besser. Das waren Menschen, sogar recht zivilisierte und fortschrittliche Leute, und er liebte diese Jahreszeit, den Herbst, weil er im Herbst jedes Jahres nach Loch Beag kommen und bei den Stämmen leben durfte.

Er kicherte erneut, als er an die Reaktionen von Dachs dachte, denn die Mitglieder des achten Stammes, von dem der Händler gesprochen hatte, waren kein bisschen hässlich und veränderten auch nicht die Form ihres Schädels mit Stoffen oder anderen Mitteln. Die Seemenschen nannten den achten Stamm Deamhain – Dämonengötter – und nach allem, was Talmadge gesehen und gehört hatte, hatten sie sich diesen Ruf und diese Bezeichnung mit vergossenem Blut verdient.

Talmadge hoffte inständig, dass er diesen Deamhain nie wieder begegnen würde und auch nie wieder das Ergebnis eines ihrer grausamen Überfälle auf die sanfteren Uferbewohner mitansehen müssen würde.

»Sind wir bald da?«, fragte Dachs einige Zeit später, als die westliche Ecke des Südufers in Sicht kam, aber noch viele Meilen entfernt war.

»Heute Nacht oder morgen früh«, erwiderte Talmadge. Erneut zog er das Paddel aus dem Wasser und ließ den Blick über den See schweifen. Weit im Westen entdeckte er die Segel kleiner Fischerboote.

Wahrscheinlich aus Fasach Crann, dachte er, denn sie kamen aus dem Schatten des großen Bergs Fireach Speuer.

Talmadge lächelte. Fasach Crann war sein Lieblingsdorf und zu seiner Überraschung hatte sich seine anfängliche Abscheu vor den verlängerten Schädeln der Dorfbewohner so weit gelegt, dass er sie mit der richtigen Frisur für bemerkenswert und sogar recht attraktiv hielt.

Er dachte an die Zeit vor fünf Jahren, als er noch mehr Junge als Mann gewesen war und sicher in seinem Bett im Haus seiner Familie gelegen hatte, unschuldig und ahnungslos. Er erinnerte sich an seine Mutter und seinen Vater und an seine sechs Geschwister – in letzter Zeit fiel es ihm jedoch schwer, sich an ihre makellosen Gesichter zu erinnern.

Fasach Crann erinnerte ihn an diese Stadt an der Westgrenze von Honce-der-Bär. Dieses eine Dorf am Bergsee fühlte sich für Talmadge ein wenig wie zu Hause an – sein Zuhause, bevor die Seuche über das Land gekommen war. Sein Zuhause, bevor er gezwungen gewesen war, dabei zuzusehen, wie seine Eltern und Geschwister sich aufblähten und von roten Geschwüren übersät einen schrecklichen Tod erlitten. Er wünschte, dass diese Erinnerung ebenfalls verblassen würde.

Im Geiste fragte er sich zum tausendsten Mal: Warum ich?

Er stöhnte lautlos unter dem Gewicht, das seither auf ihm lastete, unter der Schuld, als Einziger überlebt zu haben. Er steckte das Paddel ins Wasser und schob das Kanu voran. Auf einmal konnte er es nicht erwarten, Dachs und mit ihm alles andere, was ihn an diese weit entfernte Welt mit ihren Komplikationen erinnerte, loszuwerden.

Die Sonne ging hinter ihnen unter, als Talmadge das Kanu unter Schleiern von herabhängendem Moos hindurchlenkte und dabei den Zweigen gedrungener Trauerweiden auswich, die sich durstig dem Wasser entgegenneigten.

Der junge Händler wusste, dass sie Car Seileach an diesem Tag nicht mehr erreichen würden, außer sie setzten ihre Reise bis tief in die Nacht hinein fort. Allerdings lebten in und um Loch Beag herum derart viele gefährliche Kreaturen, dass ihm diese Vorstellung gar nicht gefiel. Also machte er sich auf die Suche nach einem geeigneten Lagerplatz.

Als sich ein längerer Streifen am Ufer auftat, wo keine tief hängenden Zweige oder andere Hindernis zu sehen waren und der See ruhig vor ihm lag, hob er das Paddel aus dem Wasser und wollte sich umdrehen, um Dachs seine Entscheidung mitzuteilen. Mitten in der Bewegung hielt er jedoch plötzlich inne, als ein höchst seltsamer Anblick ihn ablenkte. Eine Reihe orangefarbener Nadeln glitt aus dem tieferen Wasser auf ihn zu. Das Schauspiel wurde noch seltsamer, als Talmadge weitere Nadelreihen entdeckte, die durch die Wasseroberfläche brachen und schnurgerade auf sein Kanu zuhielten.

Er brauchte nur ein paar Herzschläge, um zu begreifen, um was es sich handelte: Clo’dearche, riesige orangefarbene Echsen, die in diesem See verbreitet waren.

Riesige, äußerst aggressive Echsen.

Und nun tauchte ein ganzer Schwarm aus den Tiefen des Sees auf. Talmadge zählte erst ein Dutzend, dann zwei Dutzend!

Er rammte sein Paddel auf der linken Seite des Kanus ins Wasser und stieß mit aller Kraft zu. Das Boot drehte sich leicht in Richtung Ufer.

»Steck dein Paddel an der rechten Seite ins Wasser und halte es fest!«, rief er Dachs zu.

»Was ist?«

»Wenden! Wenden!«, schrie Talmadge.

»Was in König Danubes Namen ist denn los?«

»Wir müssen wenden, du Narr!«, erwiderte Talmadge, doch er hatte das Boot schon fast auf das Ufer ausgerichtet. Also korrigierte er sich: »Ruder’ einfach! Zu den Bäumen – sie können nicht klettern!«

»Sie?«

»Die Echsen!«

Dachs schnappte panisch nach Luft und Talmadge wusste, dass er endlich begriffen hatte, was vor sich ging.

»Sind wir schneller als sie?«, fragte der alte Händler.

»Ruder’ einfach!«

Während Talmadge sein Paddel mit aller Kraft durchs Wasser zog, wippte das Kanu plötzlich auf und ab. Er verzerrte das Gesicht und griff nach seinem Kurzschwert, weil er annahm, dass eine der Echsen von unten gegen das Boot gestoßen war. Aber nein, es war Dachs. Er war aufgesprungen, lief bis zur Spitze des Bootes und sprang ohne Zögern ins seichte Uferwasser. Als ob es nicht schon schlimm genug wäre, dass er das Boot und ihren Proviant einfach so zurücklassen wollte, fuhr er herum, sobald er prustend die Oberfläche erreicht hatte, und versetzte dem Boot einen kräftigen Stoß nach hinten. Damit brachte er Talmadge aus dem Gleichgewicht und das Boot fast zum Kentern.

»Ich bin schneller als du«, johlte Dachs und stieß ein gackerndes Lachen aus, während er mit viel Getöse zum Ufer hechtete.

Talmadge packte beide Seiten des Kanus und versuchte, es zu stabilisieren. Er wusste, dass er das Ufer erreichen musste, doch als er sich erheben wollte, wurde das Boot von einem Schlag getroffen und vorwärts geschoben, als eine der kräftigen Echsen es rammte. Das Kanu neigte sich stark nach rechts und kippte zur Seite, bis es über den Boden schrammte und einen Fels traf. Der Ruck, der durch das Kanu ging, schleuderte Talmadge ins Wasser.

Er war klug genug, sich vom Schwung durch das Wasser tragen zu lassen, und geistesgegenwärtig genug, einen großen Stein aufzuheben, bevor er wieder auftauchte. Er kam gerade auf die Beine, als die Echse ihre Klauen in den Sand und den Kies des Uferbereichs grub, das Kanu mit einem einfachen Kopfschütteln wegwarf, als wäre es ein Kinderspielzeug, und sich auf Talmadge stürzte.

Der Bootsmann schlug der Bestie mit dem Stein gegen den Schädel.

Die Clo’dearche zischte und riss ihr Maul auf, um mehrere Reihen nadelspitzer Zähne zu offenbaren. Vom Kopf bis zur Schwanzspitze war die Echse rund doppelt so lang wie Talmadge und ihr vierhundert Pfund schwerer Leib schien nur aus Klauen und Schuppen und todbringenden Kiefern zu bestehen. Sie erhob sich auf die Hinterbeine. Ihre feuerfarbenen Schuppen leuchteten in der tief stehenden Abendsonne.

Talmadge wich zurück und zog das Kurzschwert aus seinem Gürtel. Er war sich sicher, dass dies sein Ende sein würde. Er warf einen Blick zu den Bäumen und sah, dass Dachs bereits die untersten Äste erreicht hatte. Er wusste, dass er selbst keine Chance hatte, es bis dorthin zu schaffen, und dass sein Begleiter ihm nicht helfen würde.

Die Clo’dearche zischte wütend und zwei fächerartige Hautschirme, die an kleine, wild flatternde Flügel erinnerten, öffneten sich zu beiden Seiten ihres Nackens. Die Fächer begannen zu vibrieren und das kratzende Geräusch von Haut, die über Schuppen schabt, mischte sich in das bedrohliche Zischen.

Talmadge erkannte die Warnung gerade noch rechtzeitig.

Er warf sich zur Seite, als die Bestie einen riesigen Klumpen von ekelhaft klebrigem und gefährlichem Schleim in seine Richtung spuckte. Er kannte mehr als ein Seileach-Stammesmitglied, das dank des säurehaltigen Speichels ein Auge verloren hatte.

Wasser spritzte um Talmadge auf, als er taumelnd ans Ufer kam. Dort musste er mitansehen, wie weitere Echsen rechts und links von ihm das Wasser verließen, während die hungrige Bestie hinter ihm das Maul zuschnappen ließ. Der Anblick ließ ihm das Herz in die Hose rutschen.

Seine Gedanken überschlugen sich – diese Echsen jagten nicht im Rudel, sie waren Einzelgänger, außer im Frühling, wenn sie in eine Art Paarungswahn verfielen. Wieso gab es hier so viele auf einem Haufen? Wo kamen sie her?

Talmadge kam zwei Schritte weit, bevor er herumfahren und mit dem Schwert nach der Echse schlagen musste, um sie auf Abstand zu halten. Er verletzte eines ihrer Vorderbeine, gleichzeitig fuhr jedoch die Klaue des unversehrten Vorderlaufs vor und erwischte ihn am Schwertarm.

Wie mühelos die scharfe Kralle der Echse durch das dicke Leder seines Ärmels glitt und in sein Fleisch eindrang! Er wusste, dass er Glück gehabt hatte. Die Klaue hätte ihm leicht den Arm am Ellenbogen abtrennen können. Anstatt sich mit einem Rückhandschlag zu wehren, wechselte er das Schwert in seine linke Hand und zog den verwundeten Ellenbogen dicht an den Körper, während er zurückwich.

Ein Blick nach rechts und links verriet ihm, dass die riesigen orangefarbenen Echsen bereits den Strand heraufkamen. Er warf den Kopf mit einem Ruck zur Seite, um den dünnen Zopf in seinen Mund zu befördern, und kaute darauf herum, während er versuchte, die Situation zu verstehen. Im ersten Moment hatte er befürchtet, die Bestien wollten ihn umzingeln, doch wie es aussah, waren die Echsen selbst auf der Flucht, denn sie hasteten mit wild peitschenden Schwänzen aus dem Wasser und sprinteten in Panik an Land.

Alle bis auf die Echse, die nach wie vor auf den Hinterbeinen vor ihm stand. Mordgier hatte sie erfasst und sie kam züngelnd und mit ausgestreckten Klauen auf ihn zu. Talmadge stach immer wieder mit dem Schwert nach ihr, verlor jedoch stetig an Boden gegen seinen herannahenden Gegner.

»Sei ein guter Junge«, rief Dachs ihm aus dem Geäst einer Trauerweide in der Nähe zu. »Du wirst wahrscheinlich eh gleich tot sein, also verrate mir doch, wie ich am besten mit den Seileach rede, ja?«

»Hilf mir, du Narr!«

»Nein, ich glaube nicht, dass das zu meinen Plänen passt«, antwortete Dachs mit einem abfälligen Schnauben.

Die Clo’dearche sprang mit schnappendem Maul vor und ließ sich dann so plötzlich auf alle Viere fallen, dass Talmadge sich hastig nach hinten werfen musste.

»Dachs!«, rief er.

»Ja«, bekam er zur Antwort. »Ich bin hier, sehe zu und denke darüber nach, dass ich eigentlich ganz gut dastehe, wenn ich deinen Anteil der Pelze und Häute für mich behalten kann.«

Talmadge knurrte und wehrte die heranstürmende Echse mit einigen Hieben und Stichen ab. Die Bestie stellte sich erneut auf die Hinterbeine und ihre Halsfächer flatterten, als sie Speichel sammelte.

Talmadge stellte sich breitbeinig hin und zählte seine Herzschläge, indem er im Takt auf den Zopf biss, um die Zeit zwischen Speichel sammeln und spucken zu messen. Als die orangefarbene Echse schließlich den ätzenden Klumpen ausspie, konnte er ihm erneut knapp ausweichen.

»Ich kannte mal ’n Mädchen, das so spucken konnte!«, rief Dachs. »Aber die konnte auch schlucken, ha ha!«

Tatsächlich empfand der alte Dachs ein wenig Mitleid für den jüngeren Mann da unten und ihm war klar, dass es keinen Spaß machen würde, dabei zuzusehen, wie das hässliche Vieh seinen Bootsführer auffraß.

Ließ sich nicht ändern.

So war das Leben nun mal an der Grenze, in der Wildnis jenseits der Wildlande – und »jenseits« war genau das richtige Wort, denn man befand sich nicht nur weit weg von der Zivilisation und in tiefster Wildnis, sondern stand auch immer mit einem Fuß im Jenseits. Der Tod war ein ständiger Begleiter der Leute, die hier lebten, vor allem der Händler, die einen Großteil des Jahres als Einsiedler verbrachten. Jeden Frühling besuchte Dachs eine Versammlung, die man Matinee nannte, und jedes Mal musste er feststellen, dass einige der Männer und Frauen, die er seit Jahren kannte, nie wieder dort auftauchen würden.

Mit einem resignierten Seufzer lehnte sich Dachs an den dicken Baumstamm und beobachtete das Spektakel, das sich unter ihm abspielte. Die Echse versuchte, Talmadge zu fressen, und der arme, zum Tode verurteilte Mann versuchte, das zu verhindern. Besiegen konnte er die Bestie jedoch nicht, da war sich Dachs ziemlich sicher.

Die hässlichen orangefarbenen Viecher ließen Dachs jedoch in Ruhe und schienen auch keine Lust zu haben, auf Bäume zu klettern, und das war das Einzige, was wirklich wichtig war.

Der alte Grenzbewohner ließ den Blick über die niedrigen Trauerweiden schweifen und entschied, dass es ihm wohl nicht allzu schwerfallen würde, den Weg nach Car Seileach zu finden. Jetzt hatte er auch viel mehr Waren anzubieten. Selbst wenn er gezwungen sein würde, Talmadges Anteil als Gastgeschenk an den Stamm mit den hässlichen Köpfen abzutreten, würde er im Austausch die Rolle des neuen Kontaktmanns erhalten. Alle anderen Händler, die mit den Seestämmen Handel treiben wollten, würden zu ihm kommen müssen. Und er würde sich seine Dienste teuer bezahlen lassen!

Aber zunächst einmal musste er überleben.

»Ich nehme an, dass deine Hütte dann bald mir gehört«, rief er hinunter.

Er zuckte zusammen, als Talmadge sich zur Seite warf und mit dem Schwert nach der Echse schlug, anscheinend ohne irgendetwas auszurichten. Talmadge wäre beinahe entkommen, wenn die Bestie ihn nicht in den Stiefel gebissen und festgehalten hätte, während er zu Boden ging. Dachs verzog das Gesicht und konzentrierte sich auf den See, um das grausame Echsenfestmahl nicht mitansehen zu müssen.

Dabei warf er auch einen Blick auf das Kaktuskanu und nickte erleichtert, als er sah, dass es auf dem Sand und den Felsen im Uferbereich festsaß. Ein paar der Waren waren über Bord gegangen, als die Echse das Boot zur Seite geworfen hatte, aber sie dümpelten nach wie vor im seichten Wasser direkt daneben.

Er dachte darüber nach, sich zum Boot zu schleichen und sich davontreiben zu lassen, während die Echse fraß.

Doch dieser Gedanke verflüchtigte sich, als erneut Unruhe im Uferbereich ausbrach. Im ersten Moment hielt Dachs das, was er sah, für einen Wellenkamm, doch dann erkannte er, dass es sich um Fische handelte, kleine Fische in dicht zusammengedrängten Schwärmen, die silbern glänzend aus dem Wasser sprangen, direkt ans Ufer.

Dachs runzelte verwirrt die Stirn und strich sich über den langen und ungepflegten grauen Bart, während sein Blick weiter auf den See hinausglitt.

Dann weiteten sich seine Augen und seine Kinnlade sackte herab.

Nicht weit entfernt glitt ein gewaltiger Schatten durch den See. Dabei kräuselte sich das klare Wasser und Dachs bemerkte eine Ansammlung sehniger, schlangenartiger Buckel. Es war unmöglich, die genauen Umrisse des Wesens auszumachen – er sah nur, dass es von gigantischer Größe war und eine dunkle Färbung besaß, so schwarz wie der Tod. Den Kopf des Ungeheuers konnte er nicht erkennen, nur den riesigen Schlangenkörper, aber allein dieser Anblick verriet ihm bereits, dass dieses Wesen ihn mit einem einzigen Bissen verschlingen konnte.

Dachs verstand nun, weshalb die Kreaturen in dieser kleinen Bucht aus dem Wasser flohen, sogar furchterregende Kreaturen wie diese Clo’dearche, die um ihr Leben rannten.

Der Schatten glitt vorüber und verschwand im tieferen Wasser und Dachs fiel erst nach einer Weile auf, dass er vergessen hatte zu atmen.

Mit einem Mal war er sich nicht mehr sicher, ob er die Waren des toten Talmadge wirklich für sich beanspruchen wollte.

Er warf einen Blick nach unten auf den Mann, der noch immer seinen tapferen, aber sinnlosen Kampf ausfocht. Talmadge hinkte bei jeder Bewegung, sein Fuß war aufgerissen und blutete. Er führte das Schwert wieder mit der rechten Hand, verzog aber bei jedem Hieb, mit dem er die Echse zurücktrieb, schmerzerfüllt das Gesicht.

»Bring es doch endlich zu Ende«, flüsterte der grauhaarige alte Kämpfer in seinem Baum.

»Ich werde auf deinen Kadaver spucken«, hörte er den angeschlagenen Talmadge knurren. Dachs zuckte mit den Schultern und murmelte leise: »Wie du willst.«

Die aufgerichtete Echse wiegte sich wie eine Schlange hin und her, als wollte sie ihn in ihren Bann ziehen.

Doch darauf würde Talmadge nicht hereinfallen! Er hielt den Griff seines Kurzschwerts fest umklammert und sorgte dafür, dass die Klinge stets auf seinen Gegner gerichtet war, bereit für dessen nächsten Angriff. Er wusste, wenn er die Waffe auch nur einen Millimeter sinken ließ, konnte das seinen Tod bedeuten.

»Na, komm schon«, flüsterte er atemlos. Er riskierte einen raschen Blick aus dem Augenwinkel zu dem Baum, auf dem Dachs hockte, und knurrte, denn es war offensichtlich, dass der Mann ihm nicht helfen würde.

Er selbst würde nicht imstande sein, auf einen Baum zu klettern, denn die Clo’dearche war furchtbar schnell. Er verstand immer noch nicht, wieso die anderen Echsen an ihm vorbeigelaufen waren und hoffentlich nicht so bald zurückkehren würden, aber für den Moment schienen sie zumindest verschwunden zu sein.

Ein Glitzern auf der Oberfläche des Sees erregte kurz seine Aufmerksamkeit. Er wusste, dass es sich dabei um einen Schwarm silbriger Fische handelte, die aus dem Wasser in die Höhe sprangen, um einem größeren Raubtier zu entkommen. Doch dann hörte er, wie sie nahe des Strands ins flache Wasser klatschten und dort hilflos zuckend liegen blieben!

Bevor er sich nach dem Grund für diesen Massenselbstmord fragen konnte, reckte sich die Echse vor ihm empor. Erneut spreizte sie die flügelartigen Hautfächer vom Nacken ab und begann zischend, ihre ätzende Spucke zu sammeln.

Diesmal machte Talmadge sich nicht dafür bereit, zur Seite zu springen und dem Geschoss auszuweichen. Stattdessen kaute er grimmig auf seinem Zopf und beobachtete die gelben Augen der Echse – Augen, die sich unmittelbar vor dem Spucken nach hinten drehen würden, bis das Weiße zum Vorschein kam.

Talmadge zählte lautlos und spannte sich an.

Als die Echse die Augen verdrehte, machte er einen Satz nach vorn. Er ignorierte den Schmerz in seinem Arm und legte all seine Kraft in den Hieb, mit dem er auf die Brust der Clo’dearche zielte, genau zwischen die wedelnden Vorderbeine.

Er wusste nicht einmal, ob die Bestie ein Herz besaß, oder ob sein Stoß kräftig genug sein würde, um die monströse Echse zu Fall zu bringen. Trotzdem warf er sich mit vollem Gewicht nach vorn, ein letzter, verzweifelter Versuch. Das Glück war auf seiner Seite, denn hätte die Bestie nicht im selben Moment den Oberkörper vorschnellen lassen, um ihr ätzendes Geschoss auszuspeien, wäre es seiner Klinge nicht gelungen, ihre Schuppen zu durchdringen. Die Kraft seines verletzten Arms hätte dafür nicht gereicht. Talmadge duckte sich und der Speichelklumpen segelte über seinen Kopf hinweg.

Die Klinge durchstieß den Echsenpanzer und Talmadge trieb das Kurzschwert tiefer ins weiche Fleisch darunter, bis er mit der Echse zusammenprallte und das Schwert bis zum Griff in ihrem Leib steckte.

Talmadge wurde mitgerissen, als die Echse das Gleichgewicht verlor und stürzte. Allerdings wurde ihr Körper hinten nach wie vor von ihrem langen Schwanz gestützt, sodass Echse und Mensch seitlich zu Boden krachten. Die Echse schlug nach Talmadge, ihre Klauen bohrten sich in seine Kleidung und seine Haut.

Er rammte seinen linken Arm unter das Kinn der zuckenden Bestie und drückte ihren Kiefer nach oben, damit sie ihm nicht ins Gesicht beißen konnte!

Sie rollten zuckend über den Boden, bis die schwere Kreatur sich wand und Talmadge unter sich begrub. Er schrie nach Dachs, weil er sicher war, dass er nun sterben musste – er war nicht imstande, sich zu verteidigen oder zu entkommen.

Erst nach einer Weile erkannte er, dass die Clo’dearche tot war, ihr massiger Leib war erschlafft. Mit viel Mühe gelang es ihm schließlich, die Kreatur zur Seite zu schieben und sich von ihrem erdrückenden Gewicht zu befreien.

Er kam auf die Knie, während Dachs an seinem Baumstamm herabrutschte und Jubelrufe ausstieß, die Talmadge nur am Rande wahrnahm.

Er war zu sehr damit beschäftigt, die zahlreichen Kratzer und Schnitte zu begutachten, die die Bestie ihm zugefügt hatte.

»Ah, die hast du gut erwischt!«, stieß Dachs mit einem keuchenden Lachen hervor.

Talmadge kämpfte sich zitternd auf die Beine und hielt dabei den Blick gesenkt, um seine Empörung und sein Misstrauen vor dem älteren Mann zu verbergen.

»Etwas Großes ist vorbeigeschwommen«, berichtete Dachs, als er näherkam. »Groß und dunkel. Es hat die hässlichen Viecher aus dem Wasser gejagt.«

Talmadge nickte, während er darüber nachdachte. War die sagenhafte Bestie von Loch Beag ihnen wirklich so nahe gekommen? Der Gedanke war zutiefst erschreckend und verstörend, erklärte aber die Flucht der Clo’dearche und den Massenselbstmord der silbernen Fische.

»Ha! Du siehst ja plötzlich so bleich aus«, spottete Dachs. »Du hast die verdammte Echse umgehauen, aber jetzt wirst du weiß im Gesicht?«

»Die Bestie von Loch Beag«, erklärte Talmadge langsam und mit gesenkter Stimme. »Die Menschen am See fliehen ans Ufer, egal welches, wenn sie sie sehen. Es frisst sie. Es frisst ihre Boote. Es ist ein dämonisches Ungeheuer so wie der Daktylus. Wie viele Echsen sind an uns vorbeigelaufen? Dutzende?«

»’ne Menge«, gab Dachs zu.

»Wenn sie sich alle dem Ungeheuer gestellt hätten, anstatt zu fliehen, wären sie jetzt tot. Und wenn uns ihre Flucht nicht gewarnt hätte, dann lägen wir jetzt zerfetzt im Bauch des Ungeheuers.«

Der ältere Mann trat unruhig von einem Bein auf das andere.

»Ich habe gewusst, dass du den Kampf gewinnen würdest«, sagte Dachs kichernd. Es war offensichtlich, dass er vor lauter Nervosität das Thema wechseln wollte.

»Du wolltest meine Häute«, erwiderte Talmadge gelassen.

»Ich wollte nicht gegen dieses Vieh kämpfen!«

»Du hättest mir ein Seil zuwerfen können.«

»Tja«, erwiderte Dachs schulterzuckend. Er stand immer noch ein paar Schritte entfernt. »Wir müssen alle mal sterben, richtig? Und Profit ist Profit.«

»Hier draußen überlebt man nicht allein«, sagte Talmadge mit völlig beherrschter Stimme. »Es gibt hier zu viele, die dich fressen oder ausrauben wollen. Oder dich irgendeinem Gott opfern wollen, von dem du noch nie was gehört hast. Dass du dich mehr für meine Waren als für mein Leben interessierst, bedeutet, dass unsere Vereinbarung hiermit erlischt, ebenso wie die Aussicht auf so etwas wie Freundschaft.«

»Freundschaft?«, erwiderte Dachs und stieß erneut ein keuchendes Lachen aus. »Ich habe dich dafür bezahlt, mich mitzunehmen, nicht mehr!«

»Und ich fühle mich nicht länger an diese Vereinbarung gebunden«, erklärte Talmadge, während er sich umdrehte und zum Ufer ging. »Nimm deine Waren und komme allein zurecht.«

Als er Dachs den Rücken zudrehte, winkelte er den linken Arm an und schüttelte kurz den Ellenbogen. Ein breiter Stulpen aus gegerbtem und verstärktem Leder rutschte aus seinem Ärmel und legte sich über seine Hand. Er schob sein Schwert an der linken Hüfte in die Scheide und zwar so auffällig, dass es Dachs nicht entgehen konnte. »Ich werde auf deinen Kadaver spucken«, flüsterte Talmadge erneut.

Wie erwartet überwand Dachs rasch die Entfernung zwischen ihnen, zog flink sein Langschwert und stach damit nach Talmadges Rücken.

Doch der jüngere Mann, der genau das vorhergesehen hatte, fuhr herum, hob den linken Arm und schlug die Klinge mit seiner ledergeschützten Hand beiseite. Mit der rechten Hand führte er geschickt und routiniert den Angriff aus, den er täglich übte, seit er die Kampfkunst erlernt hatte.

Ziehen und zustechen. Eine Bewegung, flüssig und schnell.

Dachs’ überraschter, geradezu schockierter Gesichtsausdruck verriet ihm, dass der ältere Mann keine Sekunde damit gerechnet hatte, so leicht von einem jüngeren Mann übertölpelt zu werden. Die Ungläubigkeit verharrte auf seinen Zügen und er starrte mit weit aufgerissenen Augen zu Talmadge hoch, während der die Lücke zwischen ihnen schloss und sein Kurzschwert tief in seine Brust trieb, dabei seine Lunge traf und sein Herz in der Mitte spaltete.

»Wir müssen alle mal sterben, richtig?«, sagte Talmadge. Seine Lippen waren nur Zentimeter von Dachs’ Gesicht entfernt.

Ein zischendes Keuchen war alles, was der alte Mann als Antwort zustande brachte, und Talmadge schob ihn nach hinten und ließ ihn von der Klinge rutschen. Er war tot, bevor er auf dem Boden landete.

Der angeschlagene Talmadge dehnte seinen Nacken und ließ die Schultern kreisen, um die Schmerzen zu vertreiben. Er sah sich um und kam zu der Schlussfolgerung, dass das Ungeheuer oder was auch immer Dachs im Wasser gesehen hatte, verschwunden war, was bedeutete, dass die anderen Clo’dearche bald zurückkehren würden.

Talmadge wollte ihnen nicht noch einmal begegnen.

Er betrachtete erst das Kanu, dann die tote Echse und den toten Händler und bemerkte dabei, dass an Dachs’ Rucksack tatsächlich ein Seil hing.

Talmadge schüttelte angewidert den Kopf und murmelte: »Das hast du davon.«

Er nahm dem Mann alles ab, was er tragen konnte. Als er fertig war, hing ein besseres Schwert an seiner linken Hüfte und das alte Kurzschwert an seiner rechten.

Dachs’ Seil kam nun doch noch zum Einsatz, denn er band damit die Knöchel des Mannes zusammen und zog ihn an einem niedrigen Ast nach oben. Es kostete ihn einiges an Kraft, den Leichnam so hoch zu ziehen, dass er den Boden nicht mehr berührte, doch schließlich hing er in der passenden Höhe, sodass die Clo’dearche ihn erreichen konnten, aber gleichzeitig eine ganze Weile mit ihm beschäftigt sein würden.

Er dachte darüber nach, das Gleiche mit der toten Echse zu machen, doch ihm wurde schnell klar, dass ihm dafür die Kraft und die Zeit fehlten.

Er warf einen letzten Blick auf die Leiche und spuckte sie an, um seinen Schwur zu erfüllen. Dann ging er zum See, lud die Waren wieder in das Kanu und nahm auch einige der Fische mit, die noch immer hilflos im seichten Wasser zappelten, darunter einen, der so lang war wie sein Unterarm. Er zog das Kanu ins tiefere Wasser und brach auf. Dabei suchte er die Wasseroberfläche mit konzentriertem Blick nach dunklen Schatten ab.

Er hatte das Ufer gerade erst verlassen, als die erste Echse zurückkehrte und sich mit zitternden Hautfächern auf die Hinterläufe erhob. Wahrscheinlich dachte sie, dass der im Uferwind hin und her schwingende Dachs noch lebte. Talmadge hörte das Spucken der Echse und dann noch einige grauenhaftere Geräusche, ein Kauen und Reißen.

Er seufzte und zuckte mit den Schultern.

Deamhain vom Berg

»Fürchte dich nicht, sie werden bald zurückkehren«, versicherte die Alte dem Kind.

»Und wenn nicht?«, fragte das Mädchen auf eine ruhige und bedachte Weise, die nicht zu seinem zarten Alter zu passen schien, denn sein dritter Geburtstag lag erst wenige Monate zurück. Es sah zu der alten Frau auf, blickte ihr fest in die Augen und zuckte mit den Schultern, als hätte es bereits akzeptiert, dass dies durchaus im Bereich des Möglichen lag.

Die Alte lächelte auf sie herab, was ihr zur Antwort ein Grinsen beschied. Das kleine Mädchen ließ sich schwer einschätzen. Es besaß einen etwas schiefen Unterkiefer, sein rechter Mundwinkel lag ein wenig tiefer als der linke, und diese Asymmetrie wurde besonders dann deutlich, wenn es lächelte. Jedes Lächeln wirkte daher wie ein spöttisches Feixen und erweckte so den Eindruck, als stecke weit mehr dahinter als simple Freude.

Die Alte nickte und dachte bei sich, dass dieser Aspekt sehr gut zur jungen Aoleyn passte, wenn man sie denn überhaupt ernsthaft als »junge Aoleyn« bezeichnen konnte. Sie war für ihr Alter zu weise und zu aufmerksam, in ihr wohnte eine alte Seele und ein berechnender Verstand. Ihre großen Augen waren dunkler als braun, beinahe so schwarz wie das dicke, gewellte Haar, das ihr bis auf die Schultern fiel, und jeder, der sich die Zeit nahm, tief in diese tintenschwarzen Teiche zu blicken, sah sein eigenes Spiegelbild durch ein umgekehrtes Prisma.

Manche aus dem Stamm der Usgar mochten das Gefühl nicht, das diese reflektierenden Augen in ihnen hervorrief, denn der spöttische Blick des Kindes erweckte den Anschein, die Kleine würde über sie urteilen. Vielleicht gefiel ihnen auch einfach nicht, was sie in diesen Spiegeln zu sehen bekamen. Die Alte jedoch, die sich ihrer selbst gewiss war, hatte dieses andersartige Kind schätzen gelernt.

»Das werden sie, Kind. Sie kehren stets zurück.«

Die schwarze Rauchsäule, die von dem großen Lagerfeuer aufstieg, war dünner geworden, denn die einst hoch lodernden Flammen waren zu einem Schwarm wutglimmender Augen zusammengefallen. Die Hexen des Stammes, die einen wilden Tanz aufgeführt hatten, während die Opfergaben verbrannten, bewegten sich nun eleganter und koordinierter, bis sie schließlich zum Stehen kamen, langsam hin und her schwankten und flüsternd darum beteten, dass der Raubzug der Krieger erfolgreich sein würde.

Die Krieger selbst hielten sich außerhalb des Kreises auf, den die Hexen gebildet hatten. Der magische Tanz zog sie nicht länger in seinen Bann. Einige saßen zusammen und tranken, erzählten sich Geschichten von vergangenen Schlachten, während andere es vorzogen, sich abseits des Trubels im Stillen vorzubereiten. Sie wickelten in Harz getauchte Tücher um den Schaft ihrer Kriegsspeere oder wanden sich breite Lederstreifen um Hände und Finger, um sie ein wenig besser vor dem Schnitt einer Klinge oder dem Schlag eines Knüppels zu schützen. Sie gingen methodisch vor und folgten den gewohnten Handbewegungen mit absichtlicher Langsamkeit, um zu meditieren und sich in einen Zustand ruhiger Bereitschaft zu versetzen.

Einer der Krieger war besonders aufmerksam. Dem gerade einmal zwanzig Jahre alten Tay Aillig war die Ehre zuteil geworden, als Anführer dieses ungeheuer wichtigen Raubzugs zu fungieren, eine Rolle, die normalerweise Männern vorbehalten war, die zehn oder zwanzig Jahre älter waren als er. Doch er wusste, dass er sich diese Position verdient hatte. Seit seinem fünfzehnten Sommer nahm er bereits an Überfällen am Fuß des Bergs und an Jagdausflügen auf dem Berg teil. Dabei hatte er sich jedes einzelne Mal durch seine Tapferkeit und Wildheit ausgezeichnet.

Nun durfte er endlich die Krieger anführen; das war die Belohnung für all die Erfolge, die sein Stamm mit seiner Hilfe in den letzten fünf Jahren erlangt hatte.

Die Hexen unterbrachen ihren schwankenden Tanz, als ihre Anführerin unvermittelt einen scharfen Befehl ausstieß, und verharrten vollkommen reglos. Auch außerhalb ihres Kreises bewegte sich niemand mehr und alle Augen richteten sich auf die Frauen in ihren schlichten weißen Unterkleidern. Jegliche Unterhaltung wurde zum geflüsterten Gebet.

Die Hexen verneigten sich gleichzeitig tief vor der glühenden Asche des verlöschenden Feuers, eine Bewegung, die so gut einstudiert war, dass sie auf einen stummen Befehl zu erfolgen schien. Dann wandten sie sich von dem Feuer ab, richteten sich auf, bis sie kerzengerade da standen, die Arme an den Körper gepresst, die Augen geschlossen.

Das Flüstern verstummte. Die Krieger ließen ihre Waffen und Becher und alles, was sie sonst noch in Händen hielten, fallen und standen auf. Sie warteten schweigend, bis alle sich erhoben hatten.

Tay Aillig musterte konzentriert einen Mann nach dem anderen und versuchte zu erkennen, wer von denen, die er an diesem Tag anführen würde, der Schwächste war, und welche Männer ihn möglicherweise enttäuschen und ihn den Ruhm, den er sich verdient hatte, kosten würden.

Den starken Männern stand die Angst ins Gesicht geschrieben, bemerkte die kleine Aoleyn, und das überraschte sie, obwohl sie es nicht zum ersten Mal sah. Sie hatte die Schmerzensschreie gehört und die verzerrten Gesichter gesehen, mit denen die Krieger das Ritual vollendeten. Das Kind erinnerte sich an das, was nun folgen würde, und den starken Männern ging es genauso. Hinter all ihrem zur Schau gestellten Draufgängertum, der grimmigen Entschlossenheit und dem Mut, den ihnen die Teilnahme an diesem Ritual abverlangte, verbarg jeder von ihnen ein wenig Angst.

Das Kind hörte ein durchdringendes Pfeifen und wandte sich der wichtigsten Frau des Stammes zu: Mairen, sie war die Usgar-righinn. Die Hexen verließen ihren Kreis und gaben den Weg für die Krieger frei, die sich gemeinsam dem verlöschenden Feuer näherten.