Hier kommt Lola! - Isabel Abedi - E-Book

Hier kommt Lola! E-Book

Isabel Abedi

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7,99 €

Beschreibung

Lola hat einen brasilianischen Vater, eine 80 Zentimeter große Tante und ein paar Millionen Fans, wenn sie sich nachts in die berühmte Sängerin Jacky Jones verwandelt. Was Lola nicht hat, ist eine beste Freundin - und die wünscht sie sich am allermeisten. Doch in Lolas neuer Schule gibt es nur diese komische Flo, die entsetzlich nach Fisch stinkt. Und Annalisa besucht sie ausgerechnet in dem Moment, als Lolas Vater splitterfasernackt und fuchsteufelswild durch die Wohnung stürmt, weil ihn seine Tochter versehentlich den ganzen Tag im Badezimmer eingesperrt hat. Klarer Fall: In Sachen Freundin muss sich Lola etwas anderes überlegen. So schickt sie ihren Herzenswunsch per Luftballon in den Himmel. Und bekommt eine geheimnisvolle Flaschenpost zurück ... Ausgezeichnet mit dem "Paderborner Hase 2006" und der "Nordstemmer Zuckerrübe 2007". Die warmherzig und humorvoll erzählte Spiegel-Bestseller-Reihe der renommierten Autorin Isabel Abedi um das beliebte Mädchen Lola, ihre Familie und ihre Freunde.

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 138

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www.lola-club.de

1.

WER ICH BIN UND WAS MEIN GRÖSSTER WUNSCH WAR

Meine Freundin sagt, bevor ich euch die ganze Geschichte erzähle, soll ich mich erst mal vorstellen. Und ich finde, wo sie recht hat, hat sie recht. Schließlich geht es in der Geschichte ja so ziemlich hauptsächlich um mich. Na gut, es geht natürlich auch um meine Freundin, aber die kann ich euch noch nicht vorstellen. Sonst wüsstet ihr ja, wie es ausgeht. Ich verrate nur, dass meine Freundin jetzt neben mir sitzt und mir beim Erzählen hilft. Aber schreiben, sagt sie, soll ich – und jetzt soll ich anfangen.

Also: Ich heiße Jacky Jones (ausgesprochen wird das: Dschäcki Dschohns) und ich bin 15Jahre alt. Ich gehe zwar noch zur Schule, aber hauptberuflich bin ich Sängerin. Meine Popkonzerte haben massenweise Besucher und einmal habe ich sogar im Fernsehen gesungen. Seitdem bin ich berühmt.

Jetzt gebe ich jeden Tag mindestens 30Autogramme. Vor allem auf Geburtstagspartys und in unserer Schule. Die ist jetzt auch berühmt, weil ich ja dort Schülerin bin. Auf dem letzten Elternabend wurde vorgeschlagen, unsere Schule in Jacky-Jones-Schule umzubenennen. Und unser Schuldirektor hat sogar ein Poster von mir an der Wand hängen. Darauf trage ich eine schwarze Lederjacke mit silbernen Stachelnieten und habe in jeder Hand ein Mikrofon.

Als berühmte Sängerin habe ich ziemlich viele Fans, wie ihr euch wahrscheinlich denken könnt. Ich verdiene auch ganz schön viel Geld mit meiner Singerei. So ungefähr zwei oder fünfeinhalb Millionen pro Lied. Von dem Geld spende ich immer etwas an die armen Kinder in Brasilien. Aber das meiste gebe ich aus. Für Rollerblades und Mountainbikes und natürlich für Hubba-Bubba-Kaugummi. Danach bin ich nämlich ganz verrückt. Neulich habe ich mir sogar einen eigenen Kaugummiautomaten gekauft. Der hing an einer Hauswand und weil das Haus so schön war, habe ich es gleich mitgekauft. Es hat vier Stockwerke und als ich es meinen Eltern gezeigt habe, haben sie vor Freude geweint. Dann haben wir alles eingerichtet, aber ich durfte die Stockwerke verteilen, weil ich das Haus ja gekauft hatte.

Mama gehört das erste Stockwerk. Dort hat sie das Krankenzimmer für ihre Patienten und ein großes Malstudio für sich selbst. Das zweite Stockwerk habe ich meinem Vater gegeben. Er hat einen Musikraum und ein Tanzstudio, denn Musik mag mein Vater auch. Nur berühmt ist er nicht, aber das bin ja dafür ich.

Oma, Opa und Tante Lisbeth wohnen im dritten Stock und ich selbst wohne im vierten. Dort habe ich fünf Zimmer: ein Kletterzimmer, einen Forscherraum, ein Gruselkabinett, ein Schwimmbad und eine Kinderdisco. Auf dem Dachboden ist unser Restaurant. Dort lade ich meine Fans manchmal zum Essen ein, bevor wir in die Disco zum Tanzen gehen.

Soll ich noch weitererzählen? Oder sollte ich an dieser Stelle vielleicht doch lieber sagen, dass all das natürlich nur dann mit mir passiert, wenn ich abends im Bett liege und nicht einschlafen kann?

Das kommt allerdings ziemlich oft vor. Jeden Abend, um ehrlich zu sein. Wenn Mama sagt, ich soll das Licht ausmachen, bin ich noch knallwach. Mama interessiert das nicht im Geringsten und ich habe das Gefühl, mit diesem Problem stehe (oder liege) ich nicht allein da.

Dabei hab ich wirklich alles versucht, um einzuschlafen, ich schwöre! Sogar Schäfchenzählen habe ich versucht, aber das war wirklich bescheuert. Bei mir sind die Schäfchen nämlich nicht gesprungen, sondern sie sind vor dem Zaun stehen geblieben und haben gebäht. Man konnte sie überhaupt nicht zählen, weil sie alle auf einem Haufen gestanden haben. Das hat mich irgendwann so hibbelig gemacht, dass mir die ganze Kopfhaut gejuckt hat. Und als ich die Schafe angeschrien habe, sie sollten jetzt VERDAMMT NOCH MAL ENDLICH SPRINGEN, ist Mama reingekommen und hat gesagt, bei mir hakt es ja wohl, mitten in der Nacht so rumzukreischen. Als sie wieder rausgegangen ist, haben die Schafe alle im Chor gebäht und es hat sich angehört, als lachten sie mich aus. Es hat ewig gedauert, bis ich die ganze Herde wieder aus meiner Vorstellung weggescheucht hatte, und danach war ich sehr, sehr aufgeregt.

Als Nächstes hab ich es mit Pinkeln probiert, weil Oma immer sagt, wenn gar nichts mehr geht, geht man am besten aufs Klo, denn dabei kommt immer was raus. Also bin ich alle fünf Minuten aufs Klo gegangen und es ist auch immer was rausgekommen! Aber nach dem dreizehnten Mal hat Mama gesagt, wenn sie mich noch einmal auf dem Klo erwischt, zieht sie mir eine Windel an.

Tja. Und dann fingen die Krankheiten an. Sobald das Licht ausging, fühlte ich mich schlecht. Aber meine Kopfschmerzen haben Mama gar nicht interessiert. Genauso wenig wie das Ohrensausen oder das Kratzen im Hals oder die Wachstumsschmerzen oder das plötzliche Schwindelgefühl. Und als ich einmal so gegen halb elf ins Wohnzimmer kam, um Mama mitzuteilen, dass ich gerade einen Herzanfall hatte, gab es sogar richtig Ärger. „Noch ein Wort und ich reiß dir den Kopf ab“, hat sie gebrüllt.

Sind alle Mütter so herzlos? Oder nur meine, weil sie Krankenschwester ist?

Was mir also dringend fehlte, war eine nächtliche Beschäftigung, aber da ist mir erst mal nichts Ordentliches eingefallen. Es ist nämlich ziemlich schwierig, sich zu beschäftigen, wenn man im Dunkeln liegen muss und nicht mucksen darf, weil einem die eigene Mutter sonst den Kopf abreißt. Ich habe mir so leidgetan, dass ich am liebsten gar nicht mehr ich sein wollte.

Also fing ich an, mir vorzustellen, wer ich wohl wäre, wenn ich nicht ich wäre. Und dann ist mir plötzlich eine ganze Menge eingefallen. Ich war Feuerwehrfrau, Piratin, Detektivin, Waisenkind und einmal war ich sogar tot. Das war nach einem Streit mit meinen Eltern. Meine Güte, haben die vielleicht geweint. Aber am nächsten Morgen haben wir uns wieder vertragen und seitdem bin ich Sängerin.

Jetzt bin ich jede Nacht beschäftigt und meine Vorstellungen sind manchmal so aufregend, dass ich davon erst recht wach werde. Vor allem, als ich das Haus mit den vier Stockwerken gekauft habe. Mindestens bis Mitternacht hat es gedauert, bis alles fertig eingerichtet war!

Richtig müde bin ich dann erst morgens und Mama schimpft, weil ich dunkle Schatten unter den Augen habe.

„Lola“, sagt sie dann. „Lola, hast du wieder mal die halbe Nacht wach gelegen und dir Geschichten ausgedacht?“

Wie ihr seht, heiße ich tagsüber also nicht Jacky Jones. Tagsüber habe ich auch kein Haus mit vier Stockwerken. Und 15Jahre bin ich auch nicht alt. Ich bin neun. Neuneinhalb, um genau zu sein. Aber in diesem Alter kann man als Sängerin – glaube ich – noch nicht so richtig berühmt werden. Deshalb mache ich mich in meinem nächtlichen Leben einfach etwas älter. Und Jacky Jones klingt für eine Sängerin ja auch irgendwie cooler. Das sagt sogar meine Freundin, obwohl sie meinen richtigen Namen mag.

Mein richtiger Name ist Lola Veloso. Lola war Mamas Idee und Veloso heiße ich, weil mein Vater Veloso heißt. Und mein Vater heißt Veloso, weil er aus Brasilien kommt. Deshalb nenne ich meinen Vater immer Papai, weil das Papa auf Brasilianisch heißt. Papai wird Papei ausgesprochen, das klingt so schön weich, finde ich. Auf Brasilianisch klingen ganz viele Wörter weich. Papai spricht oft brasilianisch mit mir. Er sagt, er findet es wichtig, dass ich seine Sprache kann. Aber ich glaube, er findet es auch wichtig, dass er sie selbst nicht vergisst. Papai lebt nämlich schon sehr, sehr lange in Deutschland. Hier haben er und Mama sich auch kennengelernt. Auf einer Zugtoilette, echt wahr! Aber das ist jetzt wirklich eine andere Geschichte.

Meine Geschichte begann an einem Mittwoch nach den Osterferien. An einem Mittwochmorgen um halb acht.

Ich saß mit Mama am Frühstückstisch und war so hibbelig, dass wieder meine ganze Kopfhaut juckte. Diesmal aber nicht wegen der Schafe, sondern weil dieser Mittwoch mein erster Schultag war. Nicht der allererste natürlich, schließlich ist man mit neuneinhalb keine Erstklässlerin mehr.

Ich war letzten Sommer in die Dritte gekommen. Aber ein erster Schultag war es für mich trotzdem – weil ich auf eine neue Schule kam.

Wir waren nämlich umgezogen, von einem ziemlich kleinen Ort in eine ziemlich große Stadt. Das mit dem Umzug muss ich jetzt auch noch kurz erzählen, aber dann habe ich mich hoffentlich richtig vorgestellt und die Geschichte kann losgehen.

Also: Die Stadt, in die wir gezogen sind, heißt Hamburg und liegt an der Elbe. Die Elbe ist ein Fluss. Wir sind natürlich nicht wegen der Elbe nach Hamburg gezogen, sondern wegen Oma und Opa und Tante Lisbeth. Und wegen des Restaurants natürlich. Und aus dem kleinen Ort weggezogen sind wir wegen Papais Hautproblemen.

Aber nicht dass ihr jetzt denkt, Papai hätte Ausschlag oder komische Krankheiten oder so was. Die hat eigentlich eher Mama, weil ihre Haut so hell ist. Wenn Mama Erdbeeren isst, kriegt sie lauter Flecken, und wenn die Sonne scheint, muss sie sich sofort eincremen, sonst wird sie rot wie ein Krebs.

Papais Haut ist kaffeedunkel und er kann so viele Erdbeeren essen und so lange in der Sonne liegen, wie er will. Papais Hautproblem waren die Leute aus unserem Ort.

Da, wo wir wohnten, hatte nämlich fast niemand dunkle Haut. Sogar ich habe helle Haut und helle Haare und hellgrüne Augen habe ich auch. Papai sagt, das kommt, weil Mamas Gene stärker waren. Das soll wohl heißen, dass ich von Mama mehr Aussehen geerbt habe als von Papai.

Aber ich habe nicht verstanden, warum die Leute aus unserem Ort mit Papais Haut ein Problem hatten – und Mama hat gesagt, so was versteht im Grunde kein normaler Mensch.

Demnach gab es in unserem Ort anscheinend ziemlich viele unnormale Menschen. Denn dass die Leute dort mit Papais Haut ein Problem hatten, war so klar wie Kloßbrühe. Die Frau im Supermarkt hat immer ein Gesicht gemacht, als hätte sie gerade in eine grüne Zitrone gebissen, wenn Papai an die Reihe kam. In meiner Schule haben sie geflüstert, wenn Papai mich abgeholt hat. Und beim Schulfest hat mich eine aus der Vierten gefragt, ob mein Vater sich eigentlich nicht wäscht. Dafür musste ich ihr natürlich eine scheuern. Aber das mit dem Flüstern hat nicht aufgehört.

Als dann irgendwann Neger gehören in den Urwald auf unserer Hauswand stand, hat Papai gesagt, es reicht. Zwei Monate später sind wir umgezogen. Nicht in den Urwald natürlich, sondern wie gesagt nach Hamburg.

Hier haben viele Menschen dunkle Haut und bis jetzt habe ich noch keinen gesehen, der ein Problem damit hat. Papai ist jetzt viel besser gelaunt als früher und das finde ich sehr, sehr schön. Unsere neue Wohnung finde ich auch schön. Sie hat zwar drei Stockwerke weniger als das Kaugummiautomatenhaus aus meiner Vorstellung, aber dafür wohnen Opa, Oma und Tante Lisbeth in der Wohnung über uns. Das ist in einer großen Stadt viel wert, sagt Mama. Mamas Krankenhaus ist mit dem Auto 20Minuten weit weg und das Restaurant von Papai und Opa fünf Stationen mit der U-Bahn.

Aber an dem Mittwoch, an dem die Geschichte anfing, war das Restaurant noch nicht eröffnet. Es musste erst renoviert werden. Und ich musste meinen ersten Schultag hinter mich bringen.

„Jetzt findest du bestimmt bald neue Freundinnen“, sagte Mama, als sie mich an diesem Morgen zur Schule brachte.

Und Freundinnen, die wollte ich so schnell wie möglich finden! Vor allem eine beste Freundin. Um ehrlich zu sein: Eine beste Freundin wünschte ich mir mehr als alles andere auf der Welt. Viel mehr, als Jacky Jones oder Sängerin oder Besitzerin eines Kaugummiautomatenhauses mit vier Stockwerken zu sein. Denn was nützt einem all so was, wenn man keine Freunde hat? (Meine Freundin sagt, es nützt einem gar nichts.)

Doch als ich am Mittwochmorgen um eine Minute vor acht die Klinke zu unserer Klassenzimmertür runterdrückte, da hatte ich noch keine Freundin. Ich hatte nur ein komisches Gefühl im Bauch. Und dieses komische Gefühl flüsterte mir zu: Lola, Lola, das mit der besten Freundin wird keine leichte Sache.

2.

VIER MÄDCHEN UND EIN FREIER PLATZ

Außer mir kenne ich noch fünf andere Kinder, die umgezogen sind. Na ja, ich kenne sie nicht wirklich, aber ich habe ihre Geschichten gelesen. In Büchern. Und irgendwie kennt man die Menschen in Büchern ja auch, finde ich. Manchmal sogar besser als die Menschen im richtigen Leben.

Jedenfalls fanden die fünf Bücherkinder es alle bescheuert, umzuziehen. Sie fanden auch erst mal alles und jeden in ihrer neuen Heimat bescheuert. So wie Hanni und Nanni, von denen mir Mama neulich den ersten Band geschenkt hat. Hanni und Nanni sind Zwillinge, die in ein Internat umziehen müssen. Die wollten am Anfang noch nicht mal neue Freundinnen finden, weil sie alles so bescheuert fanden. Oma hat mit Mama geschimpft, weil sie die Hanni-und-Nanni-Bücher bescheuert findet. Aber Mama hat gesagt, Hanni und Nanni waren das Glück ihrer Kindheit und Oma soll sich nicht so anstellen. Tut sie aber trotzdem.

Oma arbeitetet dreimal in der Woche in einem Buchladen. Sie verkauft aber nur Bücher, die sie mag, und manchmal bekommt sie deshalb Ärger mit ihren Kunden. Einmal hat Oma einen Kunden sogar angemeckert, weil er für seine kleine Tochter ein Bilderbuch kaufen wollte, das Oma nicht mochte. Echt wahr! Ich war selbst dabei, weil Tante Lisbeth und ich Oma an diesem Tag im Laden besucht haben. Das Bilderbuch hieß „Hüpf, hüpf, Hopsi Häschen“ und als der Kunde es bezahlen wollte, hat meine Oma ihm das Buch aus der Hand gerissen und geschimpft: „Solche Bücher sind Kindesverblödung!“

„Aber erlauben Sie mal“, hat der Kunde gerufen, „Sie haben das Buch doch selbst in Ihrem Laden, wie können Sie denn so etwas sagen?“ Meine Oma hat gesagt, sie hätten dieses Buch nur deshalb im Laden, weil ihre Chefin keine Ahnung hat – und jetzt solle sich der Herr gefälligst ein anständiges Buch für seine Tochter aussuchen, wenn er noch einen Funken Verstand im Kopf hätte. Da hat der Kunde meiner Oma einen Vogel gezeigt und ist aus dem Laden gegangen.

Meine Oma war sauer. Aber ich glaube, ich wäre auch rausgegangen. Ehrlich gesagt fand ich ihr Benehmen auch sehr ungezogen. Papai sagt immer, „der Kunde ist König“, und mit Königen darf man doch so nicht sprechen, oder? Außerdem hab ich „Hüpf, hüpf, Hopsi Häschen“ auch gelesen und fand, dass der kleine rosa Plüschhase sehr süße Ohren hatte. Mit echtem Glitzer, und wenn man an ihnen gerubbelt hat, haben sie nach Vanille gerochen. Außerdem hat Hopsi Häschen beim Hüpfen ganz viele Freunde gefunden, genau wie Hanni und Nanni am Schluss auch. Da fanden die beiden ihr neues Zuhause auch gar nicht mehr bescheuert.

Ich fand mein neues Zuhause von Anfang an nicht bescheuert. Schon damals wusste ich, dass es mit einer besten Freundin sogar das beste Zuhause auf der ganzen Welt sein würde! Aber als ich mich an diesem Mittwoch durch die Tür in die Klasse schob, wurde das komische Gefühl in meinem Bauch noch stärker und meine Knie fühlten sich auf einmal ein bisschen an, als wären sie aus warmer Butter.

Das Klassenzimmer war schon ziemlich voll. Die meisten Kinder liefen herum oder hockten hinten in der Bücherecke und zwei Jungs bewarfen sich vorne an der Tafel mit nassen Schwämmen. Klatschpatsch. Patschklatsch. Das sah lustig aus. Vor allem, weil der eine den anderen immer genau ins Gesicht getroffen hat. Als ich mich genau umsah, merkte ich, dass eigentlich fast alle Kinder Jungs waren. Jedenfalls entdeckte ich nur vier Mädchen. Die saßen alle an einem Gruppentisch.

Das eine Mädchen hatte noch dunklere Haut als Papai und ungefähr tausend kleine Zöpfe auf dem Kopf. Das Mädchen neben ihr hatte einen roten Pferdeschwanz. Das Mädchen gegenüber hatte blonde glatte Haare und das Mädchen daneben hatte braune Locken. Alle vier sahen sehr nett aus. Das Dumme war nur, dass an ihrem Tisch kein Platz mehr für mich war. Meine Kopfhaut fing wieder an zu jucken und ich traute mich nicht, zum Mädchentisch hinzugehen. Erst recht nicht, als das Mädchen mit dem roten Pferdeschwanz dem Mädchen mit den tausend Zöpfen etwas ins Ohr flüsterte. Das fand ich gemein. Aber dann lächelte mich das blonde Mädchen an und das fand ich lieb. Ich lächelte zurück, traute mich aber immer noch nicht, mich zu bewegen, und dann kam zum Glück die Lehrerin. Sie legte mir die Hand auf die Schulter und sagte: „Du bist bestimmt Lola, dann such dir mal einen schönen Platz. Vielleicht da vorne, da ist noch was frei.“