Verlag: Oetinger Kategorie: Für Kinder und Jugendliche Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2011

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Hörprobe anhören Zeit: 1 Std. 8 Min. Sprecher: Manfred Steffen
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E-Book-Beschreibung Hilfe, die Herdmanns kommen - Barbara Robinson

Der ganze Stadtteil ist sich einig: Die Herdmann-Kinder sind die schlimmsten Kinder aller Zeiten. Sie lügen, klauen, rauchen Zigarren (auch die Mädchen), bringen die Nachbarn zur Verzweiflung und können ein Klassenzimmer mit Hilfe ihrer halb wilden Katze in der Rekordzeit von drei Minuten völlig leer fegen. Jetzt haben sie es sogar geschafft, sämtliche Hauptrollen in dem Krippenspiel zu bekommen, das zu Weihnachten aufgeführt werden soll. Natürlich erwartet jeder das schlimmste Krippenspiel aller Zeiten...

Meinungen über das E-Book Hilfe, die Herdmanns kommen - Barbara Robinson

E-Book-Leseprobe Hilfe, die Herdmanns kommen - Barbara Robinson

1

Die Herdmann-Kinder waren die schlimmsten Kinder aller Zeiten. Sie logen und klauten, rauchten Zigarren (sogar die Mädchen) und erzählten schmutzige Witze. Sie schlugen kleine Kinder, fluchten auf ihre Lehrer, missbrauchten den Namen des Herrn und setzten den alten, verfallenen Geräteschuppen von Fred Schuhmacher in Brand.

Das Gerätehaus brannte nieder bis auf den Grund und ich glaube, das überraschte die Herdmanns. Sie setzten ständig irgendetwas in Brand, aber es war das erste Mal, dass sie es schafften, ein ganzes Gebäude niederzubrennen.

Ich schätze, es war ein Unfall. Ich glaube nicht, dass sie an jenem Morgen, nachdem sie aufgewacht waren, zueinander sagten: »Los, wir gehen und zünden Fred Schuhmachers Schuppen an!«

Oder vielleicht doch? Schließlich war Samstag und nicht viel los.

Es war ein ungeheures Feuer – mit zwei Feuerspritzen, zwei Polizeiautos, der ganzen Freiwilligen Feuerwehr und fünf Dutzend Pfannkuchen, gestiftet von der Imbissstube an der Ecke. Die Pfannkuchen waren für die Feuerwehrmänner bestimmt, aber bis die das Feuer gelöscht hatten, waren die Pfannkuchen weg. Die Herdmanns hatten sie erwischt und was sie nicht essen konnten, stopften sie sich in die Taschen und vorn in den Hemdenausschnitt. Man konnte die Pfannkuchen richtig sehen, rundherum um Olli Herdmanns Gürtellinie.

Ich konnte nicht verstehen, warum die Herdmanns am Ort ihres Verbrechens blieben. Jeder wusste, dass es ihre Schuld war. Da hätte man doch annehmen können, dass sie schlau genug wären abzuhauen.

Ein Feuerwehrmann packte sogar Klaus Herdmann am Kragen und fragte: »Habt ihr das Feuer gelegt beim Zigarrenrauchen im Schuppen?«

Aber Klaus sagte nur: »Wir haben keine Zigarren geraucht!«

Und das hatten sie auch nicht. Sie hatten mit Leopold Herdmanns Chemiekasten, Marke »Einstein Junior«, gespielt, den er im Kaufhaus geklaut hatte. Und so war der Brand entstanden:

»Wir mischten alle Pülverchen zusammen«, berichtete Leopold, »schütteten Feuerzeugbenzin darüber und zündeten es an. Wir wollten sehen, ob der Chemiekasten etwas taugt.«

Jedes andere Kind – sogar ein schlimmes – hätte einen Anflug von schlechtem Gewissen gehabt, wenn es etwas für 4 Dollar 95 gestohlen und dann ein Haus damit niedergebrannt hätte. Aber Leopold war nur wütend, dass der Chemiekasten mit allem Drum und Dran verbrannt war, bevor er Gelegenheit hatte, eine oder zwei Bomben damit zu basteln.

Der Feuerwehrhauptmann rief uns alle zusammen – es standen 15 bis 20 Kinder herum und betrachteten das Feuer – und hielt uns einen kleinen Vortrag über das Spielen mit Streichhölzern, Benzin und anderen gefährlichen Sachen.

»Ich behaupte nicht, dass so etwas hier passiert ist«, sagte er zu uns. »Ich weiß nicht, was hier passiert ist, aber so könnte es gewesen sein. Und ihr seht ja das Ergebnis. Also lasst euch das eine Lehre sein, Jungen und Mädchen!«

Für die Herdmanns war es ganz sicher eine Lehre: Sie lernten daraus, dass es bei einem anständigen Feuer früher oder später umsonst Pfannkuchen gab.

Ich nehme an, die Sache wäre etwas anders verlaufen, wenn sie, sagen wir, die Heilig-Geist-Kirche statt des Schuppens niedergebrannt hätten. Der war sowieso schon abbruchreif und alle Nachbarn hatten Herrn Schuhmacher ständig die Hölle heiß gemacht, weil der Schuppen so hässlich aussah und sicherlich Ratten anlockte. So sagten alle, das Feuer wäre ein Glück im Unglück gewesen, und sogar Herr Schuhmacher war erleichtert. Mein Vater sagte, es sei die einzige gute Tat, die die Herdmanns jemals vollbracht hatten, und wenn sie gewusst hätten, dass es eine gute Tat war, hätten sie bestimmt etwas anderes angezündet – oder jemand anderen.

Sie waren wirklich so rundherum schrecklich, dass man kaum glauben konnte, dass es sie wirklich gab: Ralf, Eugenia, Leopold, Klaus, Olli und Hedwig – sechs magere, dünnhaarige Kinder, die sich nur dadurch voneinander unterschieden, dass sie verschieden groß waren und an verschiedenen Stellen blaue Flecken aufwiesen, die sie sich gegenseitig beigebracht hatten.

Sie wohnten über einer Garage im Westend. Die Garage wurde nicht mehr benutzt, nur die Herdmanns benutzten sie dazu, die Tür, so schnell sie konnten, auf- und zuzudonnern, wobei sie versuchten, sich gegenseitig einzuquetschen. Das war das, was sie unter Spielen verstanden. Wo andere Leute Rasen in ihrem Vorgarten hatten, lagen bei den Herdmanns Felsbrocken, und wo andere Leute Hortensienbüsche pflanzten, züchteten die Herdmanns Tollkirschen.

Es gab auch ein Schild im Hof mit der Aufschrift: »Vorsicht, bissige Katze!«

Kinder, die neu in der Gegend waren, lachten nur so lange über das Schild, bis sie die Katze zu Gesicht bekamen. Ich habe noch nie ein Tier gesehen, das so bösartig aussah. Die Katze hatte ein kurzes Bein, einen gebrochenen Schwanz und nur ein Auge. Sie war der Grund, warum der Briefträger sich weigerte, den Herdmanns die Post zu bringen.

»Meiner Meinung nach ist das überhaupt keine richtige Katze«, sagte der Briefträger zu meinem Vater. »Ich glaube, die Kinder haben sich oben in den Bergen einen Luchs gefangen.«

»Ich glaube nicht, dass man einen wilden Luchs zähmen kann«, sagte mein Vater.

»Ich bin sogar sicher, dass man es nicht kann«, sagte der Briefträger. »Sie haben auch niemals versucht ihn zu zähmen. Sie haben höchstens versucht ihn noch wilder zu machen.«

Wenn sie das beabsichtigt hatten, war es ihnen gelungen. Die Katze griff alles an, was sie mit ihrem einen Auge sehen konnte.

Einmal fegte Klaus Herdmann die ganze erste Klasse in drei Minuten leer, als er die Katze als Anschauungsmaterial in den Biologieunterricht mitbrachte. Er hatte sie zwei Tage lang nicht gefüttert, sodass sie besonders wild war. Dann brachte er sie in einem Karton mit in die Schule, und als er den Karton öffnete, schoss die Katze heraus – senkrecht in die Luft. Sie landete oben auf der Tafel und brachte ihr auf dem Weg nach unten vier tiefe, lange Schrammen bei. Dann raste sie wild durch die Gegend, kratzte die kleinen Kinder, hinterließ überall Katzenhaare und zerfetzte Bücher und Papier.

Die Lehrerin, Fräulein Brendel, schrie den Kindern zu, sie sollten in den Schulhof rennen. Sie zog sich einen Mantel über den Kopf, nahm einen Besen und versuchte die Katze in die Ecke zu treiben. Natürlich konnte sie mit dem Mantel über dem Kopf nichts sehen.

Also rannte sie nur den Mittelgang auf und ab und rief dabei: »Komm, Mieze!«, und schlug jedes Mal mit dem Besen zu, wenn die Katze fauchte. Sie zerschlug dabei eine Krippe mit der Heiligen Familie, einen Leuchtglobus und ein Aquarium mit 90 Liter Wasser und ungefähr 65 Goldfischen.

Dabei schrie sie die ganze Zeit, Klaus solle kommen und seine Katze fangen. Aber Klaus war mit dem Rest der Klasse auf den Schulhof gegangen.

Später, als Fräulein Brendel alle, die etwas Blut vorweisen konnten, mit Heftpflaster verarztete, fragte sie Klaus, warum er um alles in der Welt nicht gekommen sei, um seine Katze einzufangen.

»Sie haben doch gesagt, wir sollen auf den Hof!«, sagte Klaus. Geradeso, als wäre er ein ganz normaler Erstklässler, der immer nur das tut, was ihm die Lehrer sagen.

Die Katze beruhigte sich ein wenig, als sie etwas zu fressen fand – sie fraß fast alle Goldfische und die beiden zahmen Mäuse, die Ramona Bindinger mitgebracht hatte. Ramona heulte so anhaltend (»Ich kann sie nicht einmal begraben«, schluchzte sie), dass man sie nach Hause schicken musste.

Das Klassenzimmer war in einem schrecklichen Zustand, überall zerbrochenes Glas, Papierfetzen und Bücher, Wasserpfützen und tote Goldfische; Fräulein Brendel war auch in einem schrecklichen Zustand und die meisten Erstklässler waren hysterisch. Man gab ihnen für den Rest des Tages frei.

Klaus nahm die Katze wieder mit nach Hause und von da an galt die Regel, dass niemand mehr etwas Lebendiges als Anschauungsmaterial in den Unterricht mitbringen durfte.

Die Herdmanns wanderten von Klasse zu Klasse durch die Woodrow-Wilson-Schule, von einem Lehrer zum andern. Aber nie blieb einer von ihnen sitzen.

Am Ende der ersten Klasse konnte Klaus Herdmann weder das Abc noch die Zahlen, er kannte keine Farben und konnte ein Viereck nicht von einem Kreis unterscheiden, er hatte weder gelernt, »Hänschen klein« zu singen, noch mit anderen Kindern auszukommen.

Aber Fräulein Brendel versetzte ihn trotzdem in die zweite Klasse.

Denn eines wusste sie: Im nächsten Jahr würde sie Olli Herdmann in der Klasse haben. Das war eben die Sache mit den Herdmanns: Es kam immer einer nach. Und kein Lehrer war so verrückt, sich mit zweien von ihnen auf einmal einzulassen.

Ich war immer in einer Klasse mit Eugenia Herdmann und bin ihr möglichst aus dem Weg gegangen. Es war nicht leicht, ihr aus dem Weg zu gehen. Schon gar nicht, wenn man besonders hübsch oder besonders hässlich, besonders gescheit oder besonders dumm war oder wenn man überhaupt etwas Besonderes an sich hatte, rote Haare zum Beispiel oder einen Daumen mit zwei Gelenken.

Aber ein Durchschnittskind wie ich, das schön den Mund hielt, wenn der Lehrer fragte: »Wer kann alle fünfzig Staaten von Amerika aufzählen?«, hatte ganz gute Aussichten, von Eugenia verschont zu bleiben.

Eugenia war genau wie alle anderen Herdmanns. Sie wusste nie etwas, es sei denn schmutzige Witze oder die Geheimnisse von anderen Leuten.