Verlag: Conbook Medien Kategorie: Gesellschafts- und Liebesromane Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2015

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E-Book-Beschreibung Holland speciaal - Thomas Fuchs

Während sich Reiseführer auf Sehenswürdigkeiten und Landesporträts auf Geschichtliches konzentrieren, wirft Holland speciaal einen umfassenden Blick auf das Gesamtkunstwerk namens »Königreich der Niederlande«. Auf seiner satirisch-unterhaltsamen Rundreise führt Sie Thomas Fuchs zu all den Orten, die Touristen interessieren, aber auch zu den weniger bekannten Ecken und Kanten Hollands. Mit ungeniertem und unverstelltem Blick fördert er dabei spannende Informationen zutage und widmet sich Klischees, die bezeichnender und skurriler nicht sein könnten. Und dies in einem Stil, der so witzig und respektlos ist, wie es das Thema verlangt. Dabei zeigt sich: Die Niederlande sind alles andere als flach, sondern facettenreich, verblüffend und immer wieder für eine Überraschung gut. Schwingen Sie sich gemeinsam mit Thomas Fuchs aufs Hollandrad und riskieren Sie einen unverrauchten Blick auf das lekker Königreich! Intensiver Blick unter die Oberfläche der Niederlande, mit viel Wissen und satirischen Spitzen

Meinungen über das E-Book Holland speciaal - Thomas Fuchs

E-Book-Leseprobe Holland speciaal - Thomas Fuchs

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Inhalt

Vorwort

Noord-Holland

Zuid-Holland

Utrecht

Friesland

Groningen

Flevoland

Drenthe

Zeeland

Overijssel

Gelderland

Noord-Brabant

Limburg

Nachwort: Des Pudels Kern

Literatur-Tipps

Autor Thomas Fuchs

Danksagung

Impressum

Widmung

Gewidmet Vader Abraham, der nicht nur Erfinder der Schlümpfe ist, sondern auch Schöpfer des unsterblichen Liedes Wenn die Slipeinlage nur gut sitzt. Ein Land, das Künstler mit dieser Bandbreite hervorbringt, lohnt einen tieferen Blick.

Vorwort

Ende 1960 reiste der Schriftsteller John Steinbeck quer durch die Vereinigten Staaten. Ihm war aufgefallen, dass er – obwohl Amerikaner mit vollem Herzen – recht wenig von seinem Land als Gesamtheit wusste. Nach seiner Jugend in Kalifornien lebte er nun schon lange in New York. Von dort aus fuhr er ab und zu mal nach Chicago – und das war es dann. Wie sollte jemand, der seine Heimat nur punktuell kennt, für die ganze Nation sprechen?

Seine Rundreise unternahm Steinbeck allein in einem extra für diesen Trip umgebauten Wohnwagen. Einziger Begleiter war ein französischer Königspudel, der offenbar nicht so beschränkt war, wie manche Leute dieser Rasse unterstellen. Das Tier war allerdings als Wachhund kaum zu gebrauchen, was letztlich aber auch nicht notwendig war. Obwohl ihn Bekannte gewarnt hatten, war die viele Tausend Kilometer lange Reise, die ihn durch neununddreißig Bundesstaaten führte, gefahrlos und der Pudel erwies sich als hilfreich, wenn es darum ging, mit Leuten ins Gespräch zu kommen.

Ein paar Jahre später veröffentlichte Steinbeck seine Erlebnisse unter dem Titel Reisen mit Charley. Bald sollte er für sein Gesamtwerk mit dem Nobelpreis ausgezeichnet werden. Dank seiner Reiseerfahrungen konnte er nun mit gutem Gewissen für die USA sprechen. Als Nobelpreisträger hat man den Vorteil, dass so ziemlich alles, was man sagt, mit Respekt vernommen wird, aber dennoch muss bemerkt werden, dass das Steinbeck’sche Programm einen nicht wirklich vom Hocker haut. Er macht die üblichen Erfahrungen. Manche Orte sind ganz anders geworden, als er sie in Erinnerung hatte. Andere sind genauso geblieben. Und dass der berühmte Schriftsteller sich nicht daran störte, dass er so gut wie nirgendwo erkannt wurde, zeigte natürlich, was für ein toller und volkstümlicher Typ er trotz all seiner Erfolge geblieben war.

Trotzdem hat das Buch viele Nachahmer gefunden. Was weniger an den Resultaten lag als an der Methode. So fanden sich immer wieder Autoren, die entweder Steinbecks Route durch die USA nachfuhren oder eine eigene entwarfen oder die Idee auf andere Länder übertrugen. Insofern war der Gedanke auch für mich naheliegend, das Konzept auf eine Rundreise durch unser nordwestliches Nachbarland zu übertragen. Schließlich war Steinbeck in einem Wohnwagen unterwegs gewesen.

Nun gibt es nicht wenige Bücher über Holland. Im Wesentlichen fallen diese allerdings in zwei Kategorien: Reiseführer und das, was man als Länderporträt/Geschichtsbuch bezeichnen könnte. Darüber hinaus erschienen in den letzten Jahren vermehrt Erfahrungsberichte – überwiegend von Frauen –, die sich über die Grenze hinweg gepaart hatten und nun schilderten, wie sich der Kulturschock auf ihre Beziehungen auswirkte. Nicht alle der Verbindungen endeten glücklich, und wenn in diesen Texten das Scheitern der Beziehungen geschildert wurde, ließ sich oft ein gewissen Erstaunen herauslesen: Wir sind uns so ähnlich, warum dann all die Missverständnisse? Hier hätte ein Buch wie das vorliegende im Vorfeld für Aufklärung sorgen können.

Und was die Reiseführer betrifft: Es ist nicht die Absicht dieses Werkes, den Kollegen ihren verdienten Platz im Bücherregal streitig zu machen. Viele Reiseführer sind gut geschrieben und solide recherchiert. Aber das Bild, welches ein Reiseführer von einem Land zeichnet, ist notgedrungen schief. Es liegt in der Natur des Genres, dass die Schönheiten und Sehenswürdigkeiten im Mittelpunkt stehen. In diesem Buch hingegen werden auch die unattraktiven und weniger bekannten Ecken vorgestellt. Nicht in der Absicht, sie zu Touristenmagneten hochzuschreiben oder sie madig zu machen, sondern weil ein Gesamtbild des Landes samt der Befindlichkeiten seiner Bewohner gezeichnet werden soll. Damit man besser versteht, was dieses Land, das von nicht wenigen Vorurteilen heimgesucht wird, wirklich ausmacht.

Vor ein paar Jahren stand in einem humoristisch gemeinten Roman sinngemäß die Aussage: Wer in Holland Urlaub macht, fährt ins Ausland, obwohl er gar nicht ins Ausland will. Dieser Eindruck ist falsch, aber verständlich. Auf den ersten Blick wirkt das Land vertraut und ohne Geheimnis. Wie eine überdimensionierte Modelleisenbahnanlage, sauber aufgeräumt und meist rechtwinklig geordnet und alles andere als abwechslungsreich.

Da in den Niederlanden jeder Gast willkommen ist, der Geld mitbringt und irgendwann wieder geht, wird ihm der Verbleib auch so einfach wie möglich gemacht. Sprachkenntnisse sind nicht erforderlich; es gibt Ausländer, die dort seit Jahren wohnen, ohne auch nur einen einzigen Satz Holländisch zu verstehen, sich aber nichtsdestotrotz für profunde Kenner ihres Gastlandes halten.

Dieses Buch möchte einen Blick auf die Kulissen geben, und auch auf das, was sich dahinter verbirgt. Im Text werden die zwölf Provinzen vorgestellt, dabei dürfte sich zeigen, dass das Land – so klein es ist – vielschichtiger, komplexer und – ja, auch das – interessanter ist, als man vielfach meint. Um den Gebrauchswert der Informationen zu vergrößern, ist jedem Provinzkapitel ein kurzer Abschnitt über Sehens- und Merkwürdigkeiten der jeweiligen Region beigefügt.

Da jener ungebetene Gast, der von 1940–1945 in den Niederlanden viel länger als erwartet weilte, in dem Selbstverständnis seiner Bewohner immer noch eine bedeutende Rolle spielt, werden auch Orte und Geschehnisse beschrieben, in denen Deutschland eine Rolle spielte. Es ist richtig, dass sich in dem Verhältnis Deutschland-Niederlande in den letzten Jahren viel entspannt und verbessert hat, aber es stimmt ebenso, dass die Ereignisse immer noch unterschiedlich gewertet werden. Während es in der deutschen Darstellung in der Regel die Nationalsozialisten waren, die einen verbrecherischen Weltkrieg entfesselten, und Kriegsgräuel von der Waffen-SS oder bestimmten Einheiten der Wehrmacht bzw. manch andere Untaten auch nur im deutschen Namen verübt wurden, ist die holländische Version einfacher: Es waren schlicht die Deutschen.

Nun kann man natürlich fragen: Was habe ich davon, wenn ich mehr über Holland weiß? Ich komme ahnungslos doch genauso klar. Warum nicht dumm bleiben?

Ganz einfach: Wer mehr weiß, sieht mehr und hat mehr Spaß. Und bei Holland kommt noch hinzu: Durch die nahe Verwandtschaft wird der Blick aufs Nachbarland zu einem Blick in den Spiegel. Zwar keinem von der Sorte, die hundertprozentig akkurat das eigene Antlitz wiedergibt, sondern eher wie jene, die es früher auf Rummelplätzen gab und die einem eine dicke Nase und ein unförmiges Kinn zeigten. Sie machten einen zur Karikatur – und genau wie in einer Karikatur wird durch den »holländischen Spiegel« einiges deutlicher, anderes verzerrt und vieles klarer.

Bevor es nun richtig losgeht, noch eine kurze Erklärung: Wer sich die Mühe macht, Niederländisch zu lernen, erfährt von seinen Lehrern als Erstes, dass es ein großer Fehler sei, Holland statt die Niederlande zu sagen. Denn Holland, das sei allein der Name von zwei Provinzen (Nord und Süd), die früher einmal so bewaldet waren, dass sie als »Holzland« bezeichnet wurden. Wenn der Sprachkursteilnehmer sich später mit seinen frisch erworbenen Kenntnissen in den Alltag stürzt, macht er bald die Erfahrung, dass sich von den Einheimischen niemand darum schert, ob er Holland oder Niederlande sagt. Im Niederländischen hat Nederland eine Silbe mehr als Holland, im Deutschen die Niederlande sogar vier. Es würde mit Verwunderung zur Kenntnis genommen werden, wenn man aus Höflichkeit seine kostbare Zeit in zwei Silben investiert. Und so soll auch in diesem Text verfahren werden. Holland und Niederlande werden einander munter abwechseln und so verwendet werden, wie es gerade passt.

Noord-Holland

Auf der Landkarte sieht die Provinz Noord-Holland wie ein mahnend erhobener Zeigefinger aus. Links vom Finger befindet sich die Nordsee, rechts das IJsselmeer und an der Spitze, gewissermaßen als Fingernagel, die Insel Texel. Noord-Holland ist beinahe doppelt so groß wie das Saarland und hat knapp drei Millionen Einwohner. Die Silhouette des erhobenen Zeigefingers ist nicht unpassend, wenn man bedenkt, wie gerne Holländer andere belehren und »aufklären«. Und nicht wenige verwenden viel Zeit darauf, einem klarzumachen, dass man die ganzen Niederlande auf keinen Fall mit Amsterdam gleichsetzen darf.

Amsterdam ist die größte Stadt Noord-Hollands. Und ob es den Landsleuten in den anderen Regionen gefällt oder nicht, diese Stadt dürfte in weiten Teilen das Image bestimmen, welches die Welt von Holland hat. Dafür sind die Landsleute nicht immer dankbar. Amsterdam ist nicht unbedingt die Hauptstadt der Herzen. Irgendwie kann sich nicht jeder Niederländer mit dem Gedanken anfreunden, dass die Welt mit seinem Land vor allem ein Sündenbabel verbindet, welches gleich hinter dem Bahnhof beginnt (so weit, so üblich). Und wenn dann bei jeder Begegnung der Gesprächspartner in ein Grinsen verfällt, welches er für ahnungsvoll hält (»Hähä, Holland. Gras rauchen, hähä.«), und wenn dann der Holländer auch noch den Fehler macht zu erklären, dass man nicht »Gras rauchen« sagt, sondern »blowen« – dann sitzt er gleich noch tiefer im Schlamassel (»Verstehe. Blowjob, hähä.«).

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