Holly und das Hollygramm - Ariane Grundies - E-Book

Holly und das Hollygramm E-Book

Ariane Grundies

0,0
9,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Hilfe, mein Handy spinnt! Die neue App Holy 2.0 ist total angesagt in Hollys Klasse. Sie hat die witzigsten Fotoeffekte, und man kann sogar ein Hologramm von sich kreieren! Klar, dass Holly sich die App auch herunterlädt. Aber da passiert das Unglaubliche: Ihr Hologramm, Hollys perfekter digitaler Zwilling, springt vom Display und macht sich selbstständig! Das ist doch mega, findet Holly zuerst, denn ihr Hologramm hat Superkräfte, kann total gut tanzen und wird richtig beliebt bei den coolen Kids im Skaterpark. Hollys Freundinnen finden die neue Holly allerdings ziemlich blöd. Und Hologramm-Holly richtet in Hollys Welt immer größeres Chaos an. Bekommt sie die KI unter Kontrolle und ihr normales Leben zurück? Zum Glück gibt es Karim, der ihr aus der Patsche hilft, als alles komplett aus dem Ruder läuft … Ein origineller, turbulenter Kinderroman ab 9 Jahren voller absurd-komischer Situationen – und mit ein klein wenig Herzklopfen

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 157

Veröffentlichungsjahr: 2025

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Ariane Grundies

Holly und das Hollygramm

 

 

Illustriert von Regina Kehn

Über dieses Buch

 

 

Holly möchte furchtbar gern etwas richtig Tolles können, so wie ihre große Schwester, aber sie ist einfach total normal und durchschnittlich. Wie sollen ihre Freundinnen sie da so richtig gut finden – und noch viel wichtiger: Wie soll der süße Karim in Hollys Klasse jemals auf sie aufmerksam werden? Als Holly von der neuen App erfährt, mit der man ein Hologramm von sich erschaffen kann, ist sie total neugierig. Vielleicht kann das Hologramm als Hollys Doppelgängerin etwas richtig Beeindruckendes tun? Doch das Hologramm wird lebendiger, als Holly lieb ist und blamiert sie, wo immer es auftaucht – nicht nur vor Hollys Freundinnen, sondern vor der ganzen Schule. Während Holly verzweifelt versucht, den Geist, den sie gerufen hat, wieder loszuwerden und ihre Freundinnen davon zu überzeugen, dass sie gar nicht so peinlich ist, wie jetzt alle glauben, erweist sich Karim als echter Freund: Er begreift als einziger, dass mit Holly irgendwas nicht stimmt. Und gemeinsam kommen sie dem Geheimnis der App auf die Spur.

Mit Illustrationen von Regina Kehn

 

 

Weitere Informationen finden Sie unter www.fischer-sauerlaender.de

Biografie

 

 

Ariane Grundies wurde 1979 in Stralsund geboren. Sie studierte Germanistik sowie Prosa und Lyrik am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Seit ihrem Diplom 2003 arbeitet sie als freie Autorin. Für ihre Bücher und Radiogeschichten erhielt sie mehrere Auszeichnungen und Stipendien. Sie lebt mit ihrer Familie in Berlin.

 

Regina Kehn studierte Illustration an der Hochschule für Gestaltung in Hamburg. Seit 1990 arbeitet sie als freie Illustratorin für Zeitschriften, Kinder- und Jugendbuchverlage. Für ihre Illustrationen wurde sie vielfach ausgezeichnet. Regina Kehn lebt mit ihrer Familie in Hamburg.

Impressum

 

 

Erschienen bei Fischer Sauerländer E-Book

 

© 2025, Fischer Sauerländer GmbH,

Hedderichstraße 114, 60596 Frankfurt am Main

 

Covergestaltung: Regina Kehn unter Mitarbeit von Cordula Schmidt Design, Hamburg

Coverabbildung: Regina Kehn

ISBN 978-3-7336-0881-1

 

Dieses E-Book ist urheberrechtlich geschützt.

 

Die Nutzung unserer Werke für Text- und Data-Mining im Sinne von § 44b UrhG behalten wir uns explizit vor.

Hinweise des Verlags

 

 

Abhängig vom eingesetzten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.

 

Im Text enthaltene externe Links begründen keine inhaltliche Verantwortung des Verlages, sondern sind allein von dem jeweiligen Dienstanbieter zu verantworten. Der Verlag hat die verlinkten externen Seiten zum Zeitpunkt der Buchveröffentlichung sorgfältig überprüft, mögliche Rechtsverstöße waren zum Zeitpunkt der Verlinkung nicht erkennbar. Auf spätere Veränderungen besteht keinerlei Einfluss. Eine Haftung des Verlags ist daher ausgeschlossen.

 

 

Dieses E-Book enthält möglicherweise Abbildungen. Der Verlag kann die korrekte Darstellung auf den unterschiedlichen E-Book-Readern nicht gewährleisten.

 

Wir empfehlen Ihnen, bei Bedarf das Format Ihres E-Book-Readers von Hoch- auf Querformat zu ändern. So werden insbesondere Abbildungen im Querformat optimal dargestellt.

Anleitungen finden sich i.d.R. auf den Hilfeseiten der Anbieter.

Inhalt

Eine Essiggurke und ein Download

Connected

Der richtige Anfang

Neue Freunde

Oma tanzt

See you later bei der blauen Bank

Es klemmt ein bisschen

Glittergirrrl

Äpfel stinken nicht

Die höchste Stufe von Blöd gelaufen

Ach, du bist das!

Einmal bitte hammermäßig löschen

Und wie kann man euch helfen?

Abgeballert

Die Ruhe vor dem Sturm

Das Ufo

Closed

Epilog – Eine andere Zeitrechnung

Eine Essiggurke und ein Download

«Du guckst, als hättest du eine Essiggurke in der Hand.» Eingeschnappt zog mir die Querflötenlehrerin das Instrument aus der Faust.

«Also nein, Holly?» Es lag noch ein bisschen Hoffnung in der Stimme meiner Mutter, aber, ehrlich gesagt, hätte ich lieber in einem Fass Essiggurken gebadet, als noch eine Querflötenstunde über mich ergehen zu lassen. «Nein!»

«Nein», wiederholte die Lehrerin und klappte schnaufend ihre Mappe mit den Anmeldeformularen zu. «Mit einem klassischen Instrument lockt man diese Kinder ja kaum noch hinter dem Ofen hervor.»

Ihre Worte prasselten auf mich herunter wie draußen der Regen auf das schräge Dachfenster. Immerhin hatte ich es versucht, weil meine Mutter behauptet hatte, Querflöte sei das allertollste Instrument. Musik beflügele die Fantasie, hatte sie gesagt, man könne auf ihr schweben und Welten erreichen, die Kinder, die kein Instrument spielen nie erreichen werden. Ich hatte mich offenbar verflogen, denn ich war mit der Querflöte bloß in einem Haufen schrecklich schiefer Töne gelandet. So wie auch mit jedem anderen Instrument, das ich ausprobiert hatte. Zu diesen Kindern gehörte ich nämlich. Ich hockte immer in der gleichen Welt.

«Es kann halt nicht jede musikalisch sein», versuchte mich meine Mutter auf dem Heimweg zu trösten, und auch wenn sie es nicht gesagt hatte, hatte sie es gesagt. Ich hatte es genau gehört: Es kann halt nicht jede so musikalisch sein PAUSE … wie deine Schwester.

 

«Und?» Neugierig standen meine Schwester Rosa und mein Vater im Flur, als wir zu Hause ankamen. Aus meinen Haaren tropfte Regen. Meine Mutter schüttelte den Kopf, woraufhin sich Rosa gut gelaunt ihren Rucksack schnappte und in ihren knallgelben Gummistiefeln zum Basketballtraining losstiefelte. Basketball war ihr Ding. So wie alles ihr Ding war: Radschlagen mit kerzengeraden Beinen, Comics zeichnen, die lustig waren, die erste Geige im Klassenorchester spielen, fremden Hunden Sitz! beibringen und Milchreis kochen, ohne ihn anbrennen zu lassen. Rosa konnte alles und sie konnte alles gut. «Sie wirft den Ball, als hätte man ihr den Wurf einprogrammiert», schwärmte ihr Basketballtrainer ständig vor uns rum, wenn wir Rosas Team auf der Bank anfeuern mussten. Und was war mein Ding? Ich hatte gar nichts einprogrammiert und mich feuerte auch nie einer an. Manchmal meine Freundinnen, wenn es darum ging, wer es schaffte, sich mehr Chilichips in den Mund zu stopfen. Mein Ding war was snacken, rumhängen, irgendwo hochklettern, runterspucken und wieder runterspringen. Also nichts Besonderes, nur ungefähr das, was alle anderen noch nebenbei konnten.

«Vielleicht kann ich morgen mal zum Turmspringen?!», schlug ich vor. Ich stellte mir Runterspringen leichter vor, als Essiggurke spielen, und wenn ich mich traute, den Sprungturm bis nach ganz oben zu gehen und von da ohne Bauchklatscher unten wieder anzukommen, dann war ich vielleicht ein Sprungtalent und irgendwer würde stolz über mich sagen: Holly springt kerzengerade wie einprogrammiert. Beim Turmspringen macht ihr keiner was vor.

Mein Vater sah mich ein bisschen verzweifelt an, so wie er vorgestern diese Schraube angestarrt hatte, die aus irgendeinem Möbelstück gefallen sein musste. Aber man wusste nicht, aus welchem. Nirgends schien sie zu fehlen oder zu passen. «Turmspringen!», wiederholte meine Mutter in einem Ton, als hätte ich Ostereiersuchen gesagt und verhängte für diesen Monat einen Probestundenstopp. Ich sollte mir in Zukunft erst mal genauer überlegen, was ich wollte und was nicht.

Frustriert ging ich in mein Zimmer und warf die Tür hinter mir zu. Rumms! Sogar die Häuser meiner Schnecken wackelten ein bisschen. Ich hob den Terrariumdeckel hoch und streichelte Mäuschen, Bärchen und Häschen zur Beruhigung. «Ihr habt’s gut», sagte ich ihnen. «Ihr müsst nichts weiter können, als ein bisschen rumschleimen, Salat fressen, schlafen, fühlen mit euren kleinen Dingern da vorn. Voll chillig euer Leben!»

Mein Leben war in der letzten Zeit zwar auch chillig geworden. Aber anders. Irgendwie ein bisschen zu chillig. Hobbylos, wie Rosa es nannte. Vor ein paar Tagen hatten meine Eltern mich gefragt, ob sie meine Spielsachen der Tochter von der Tante von dem Bruder irgendeiner Sabrina geben konnten. Ich wäre ja nun langsam zu alt für den ganzen Krempel und spiele sowieso nicht mehr damit. Aber ich wollte meine Spielsachen keiner Sabrina oder ihrer Tochter schenken. Weil, vielleicht kam ja dieses Gefühl noch mal zu mir zurück!? Also dieses Gefühl, meine Gummipferde in ein Rennen schicken oder mit Holzklötzen Ställe für sie bauen zu wollen. Ich wollte unbedingt noch ein bisschen auf das Gefühl warten, denn wenn es doch noch mal wiederkam, und meine Spielsachen waren nicht mehr da, dann …

DING! Mein Handy riss mich aus meinen Gedanken. Oma hatte mir geschrieben:

Findest du Querflöte auch so ein komisches Instrument wie ich?

Rosa hatte mir auch geschrieben:

Du schuldest mir noch was! Bring mir mal einen Joghurt rüber in mein Zimmer!

Rosas Nachricht war aber schon von vorgestern. Ich hatte sie ignoriert. Genauso wie die 297 neuen Nachrichten im Klassenchat:

Ihr seid alle dumm.

Wer sagt, isses selber.

Bruder, seid ihr 5 oder was?

Ihr seid alle dumm.

Opfer.

Ey, hör mal auf, Robbi, nervt Digga.

Hat einer Mathe?

Nee, bin zu dumm.

Diggaaa, hör auf.

Robbi ist ein NPC.

Opfer!

Wie findet ihr meine Schuhe?

Foto von Nellys neuen Sneakern.

Ganz schön weiß.

Clean.

Hässlich.

Ich seufzte und legte das Handy wieder weg. Unser Klassenchat war noch langweiliger als Gummipferde. Vielleicht hatten meine Eltern recht, und ich gab immer zu schnell auf und hielt nie so lange durch, bis Dinge anfingen, Spaß zu machen. Wahrscheinlich hatte ich mein Handy auch noch nicht lange genug, um Klassenchats spannend zu finden. Aber ich war froh, dass überhaupt irgendwas in meinem Leben ab und zu DING machte. Und wenn ich es mal mit echten Pferden versuchte, überlegte ich, statt mit den kleinen Gummivarianten? So schwer konnte es ja wohl nicht sein, auf einem Pferd zu sitzen und sich festzuhalten, wenn es losgaloppierte. Und dann im Galopp in die Schule und Karim …

DING!

Laaaaaaaangweiiiiiiiiiillllllligggggggg!, schrieb Toni, die offenbar ein ähnliches Problem hatte wie ich.

Lad dir HOLY 2.0, schlug Nelly vor. Ist meeeeegaaaaa.

Nelly fand zwar öfter mal was mega, aber neugierig war ich trotzdem. Und außerdem war Nelly meine Freundin, gleich vom ersten Schultag an, als uns aufgefallen war, dass unsere Namen mit den gleichen drei Buchstaben enden.

HOLY 2.0 tippte ich in mein Smartphone. Auf dem Icon der App war eine bunte Fontäne, aus der Schnurrbärte, Brillen, Hüte, Nasen, Frisuren und Füße hervorschossen wie aus einem Tischfeuerwerk an Silvester. Ich tippte auf den Downloadbutton. Jetzt wollte mein Handy das Passwort haben. Und obwohl es mein Handy war, war das Passwort im Besitz meiner Eltern. Wenn ich mir was runterladen wollte, musste ich also immer erst damit zu ihnen gehen, und nur wenn sie der Meinung waren, dass die App nicht zur völligen Verblödung führte, tippten sie unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen das Passwort in mein Handy ein. Dazu drehten sie sich weg und hielten zusätzlich noch eine Hand abschirmend über das Display. Niemals sollte irgendwer mein Passwort rausfinden! Vor allem ich nicht, aber ich kannte es. Rosa hatte es natürlich rausgefunden und mir für ein Kilo Smarties verkauft. Wovon ich schon 680 Gramm abbezahlt hatte.

Ich tippte: HollykenntihrPasswortnicht!1704!

Der Downloadkreis drehte eine Runde und wurde blau. Ich konnte die App öffnen. Sie wollte meinen Namen wissen und ein Foto von mir haben. Natürlich wusste ich, dass man Handys niemals seinen Namen verraten und erst recht keine Fotos von sich geben darf, aber es war schon nach 18 Uhr, und bald gab es Spinatlasagne. Bis dahin musste ich sowieso alles wieder gelöscht haben, damit meine Eltern vom Passwortknacken, Herunterladen und Namenverraten nie etwas erfuhren.

Ich nahm das Foto vom Sommerurlaub. Da stand ich auf einem Felsen in Frankreich. Wir wollten Wolfsbarsche angeln. Aber nicht mal bei Rosa war was am Haken hängen geblieben.

Nachdem ich das französische Sommerfoto hochgeladen hatte, tauchte unten am Displayrand eine Art Tuschkasten auf. Wie aus dem Kunstunterricht, aber statt verschiedener Farbkleckse gab es Kopfbedeckungen, Hautfarben, Schmuck, Kleider, Pickel, Tennisschläger, Muskeln, Ballerinarock, Schnorchel, Hörgeräte – alles Mögliche, was Menschen voneinander unterscheidet.

Oben rechts auf dem Handybildschirm flimmerte ein bunter Button. HO-LO-GRAMM. Ich hatte keine Zeit, mich lange rumzuwundern, was ein Hologramm sein sollte, denn es roch wirklich schon sehr nach überbackenem Käse. Ich ließ meinen Zeigefinger also einfach auf das flackernde Wort drauf fallen.

Lege dein Smartphone auf die Handfläche und strecke den Arm nach vorn aus, forderte eine roboterartige Stimme. Ich gehorchte. Es war schließlich nur mein Handy und nicht meine Mutter oder Rosa, die mir was befahlen. Da konnte ich guten Gewissens auch mal machen, was von mir verlangt wurde. Dann zählte die elektronische Stimme: 10, 9, 8 …

In meinem Bauch wurde es kribbelig. Bei 7 bekam ich Angst, bei 5 und 4 wollte ich die App sofort beenden und bei 3 das Handy wegwerfen, aber bei 2, 1 war’s dann zu spät. Aus meinem Handy schoss ein buntes Licht. Mein Zimmer sah plötzlich aus wie der Klassenfahrt-Discoraum. Vor lauter Schreck ließ ich das Handy fallen.

Das Licht erlosch, und meine Schnecken starrten mich verwundert an. Ich starrte zurück. Was war das denn eben gewesen? Mein Handy lag auf dem Fußboden, als hätte es gar nichts gemacht. Ich beugte mich etwas vor, bis ich mich in dem schwarzen Bildschirm spiegelte.

DINGDING.

Eine nächste Nachricht ploppte auf. Erschrocken fuhr ich zurück. Mario spamte weiter den Klassenchat voll.

YOLO! Ich mach kein Mathe!

Hat irgendwer gefragt?

«Das war ja eben eigentlich nur ein bunter Lichtschein», beruhigte ich meine Schnecken und mich. «Hat nicht wehgetan und mich auch nicht auf den Mars gebeamt oder so was. Soll ich noch mal?»

Ich fand schon, dass Mäuschen nickte. Mindestens ein kleines bisschen, wenn man sie so gut kannte wie ich. Also nahm ich das Handy, und dieses Mal wollte ich es nicht gleich wieder wegwerfen.

Kaum hatte ich HOLY 2.0 angetippt, blendete mich sofort wieder das bunte Licht. Ohne Countdown. Ich musste mich kurz an die Helligkeit gewöhnen. Und dann erkannte ich etwas in dem Licht. Mich! Ich, hell und bunt erleuchtet, auf dem französischen Felsen in Originalgröße. Wohow!

Ich beugte mich etwas vor und schob meine Hand durch meine Doppelgängerin aus HOLY 2.0 durch.

Connected, sagte eine Stimme. Erschrocken schaute ich mich um. Wem gehörte diese freundliche Stimme? Mir nicht. Und aus meinem Handy war sie auch nicht gekommen.

Während ich mich in meinem Zimmer umsah, ob sich Rosa vielleicht irgendwo versteckt hatte, passierte etwas sehr Merkwürdiges. Mein Hologramm sprang vom Felsen herunter, mitten in mein Zimmer rein. Da stand es vor mir. Wir starrten uns beide an. Als ich mich nach links lehnte, um an der Lichtfigur vorbeizugucken, machte das Hologramm auch einen Schritt nach links. Ich rückte nach rechts. Das Hologramm bewegte sich nach rechts.

«Essen!» Aus der Küche rief die Lasagne. Teller klapperten. Mein Herz klapperte auch, schließlich hatte ich einen leuchtenden Geist zu Besuch, der sich per App, Passwort und Foto Zutritt zu meinem Zimmer verschafft hatte …

Im Flur hörte ich Schritte. Am Stampfigen erkannte ich Rosa. Ich drückte schnell ganz lange auf das Icon der App, so wie ich immer Apps löschte, aber die hier wollte sich irgendwie nicht löschen lassen. HOLY 2.0 leuchtete fröhlich weiter. Das Hologramm stand immer noch in meinem Zimmer.

«Jetzt mach doch mal», pflaumte ich mein Handy an und tippte hektisch drauf rum. Ich versuchte, das Hologramm wie Rauch wegzuwedeln, und dann, gerade noch rechtzeitig, bevor Rosa in mein Zimmer platzte, schaffte ich es, HOLY mit meinem Powerbutton wegzudrücken. Das Hologramm erlosch.

Aber gelöscht war sie nicht, das sollte ich schon ziemlich bald merken!

Connected

«Coole App, diese HOLY 2.0», sagte Pinkpulli, die eigentlich Yara hieß, aber immer pinke Pullis trug. Darum hieß sie nun mal so.

«Sag ich doch!» Fast ein bisschen beleidigt ließ sich Nelly mit einer halben Drehung auf ihren Platz im Klassenzimmer fallen.

«Seht ihr mit Bart auch so fresh aus?», wollte sie wissen.

«Ja, voll fresh – mit Bart und Muckis.» Pinkpulli atmete tief ein, damit sie ein bisschen größer und dicker aussah.

«Man könnte sein eigener Bodyguard sein», fiel mir ein. «Ich meine, falls man plötzlich berühmt ist. Man weiß ja nie.»

«Ja», Pinkpulli riss begeistert die Augen auf. «Das wäre das Beste, wenn man doppelt ist und mit einer von sich selbst, die dann auf die andere aufpassen könnte, weil man voll den Fame hat. Dann würde ich …»

«Kann man ja aber nicht», unterbrach Nelly. «Weil es ja nur ein leuchtendes Bild ist.»

 

«Kann dein Hologramm etwa laufen?», fragte Toni.

«Klar», sagte ich, auch wenn meins eigentlich nur vier oder fünf Schritte zur Seite gemacht hatte.

«Von wegen», lachte Mario. «Weiß ja wohl jeder, dass sich Hologramme nicht bewegen können. Höchstens, wenn man denen das einprogrammiert hat. Stimmt’s, Karim?»

«Stimmt!» Jetzt machte Karim vier oder fünf Schritte auf uns zu, sodass mir ganz komisch weich im Bauch wurde, wie immer, wenn er ein paar Schritte näher kam.

«Mein Vater hat das mal gemacht», sagte er. «Also so ein Hologramm programmiert, einen Schmetterling, der konnte dann fliegen. Aber es hat ewig gedauert, bis der von der Blume abgehoben ist. Und dann auch nur so fünf Zentimeter, weil Hologramme brauchen nämlich eine Projektionsfläche.»

Er wollte uns den Schmetterling zeigen, und während er dafür sein Handy durchscrollte, wovon Frau Bernhard am Lehrertisch nichts mitbekam, weil sie wie in jeder Pause selber auf ihr Handy starrte, schaute ich in die Runde und versuchte, in den Gesichtern meiner Freundinnen einen Hinweis darauf zu finden, dass mein Hologramm nicht das einzige war, das sich bewegt hatte. Aber alle guckten nur so normalschulgelangweilt aus ihren Gesichtern raus. War denn außer meiner HOLY 2.0 wirklich kein anderes Hologramm gelaufen? Karim zeigte den anderen seinen Schmetterling. Mich hätte er fast wieder vergessen. Aber kurz bevor er sich das Handy zurück in die Hosentasche schob, fiel es ihm wenigstens noch auf. «Ach so, hier Holly», sagte er und hielt kurz sein Handy von da hinten in meine Richtung, während Nelly schon mal die nächste Sache meeeeega fand. Den Brunnenpark mit der Skateranlage.

«Wer kommt nachher mit?»

«Seit wann skaten wir?», wunderte sich Pinkpulli. Zu Recht.

«Ich will da doch nicht skaten», sagte Nelly. «Ich will da Süßigkeiten essen und ein bisschen abhängen. Da sind einfach coole Vibes. Und ich hab acht Euro. Wie viele Packungen Chilichips sind das?» Sie hörte auf zu kauen, weil sie sich beim Rechnen konzentrieren musste. Pinkpulli hatte schnell ausgerechnet, dass es genug Chips waren, denn sie wollte mit abhängen.

«Und du?» Nelly sah zu mir.

«Bin dabei!», sagte Toni, obwohl sie noch gar nicht dran war.

Ich fand die Aussicht auf Abhängen mit den anderen und Chilichips auch ziemlich gut. Aber erst mal wollte ich zu Hause das mit meinem Hologramm klären. Auch wenn alle der Meinung waren, dass sich Hologramme nicht bewegen konnten – meins hatte sich bewegt!

 

Die letzte Stunde Englisch zog sich wie Glibberschleim, der an Wänden runterkroch. Als ich verschwitzt vom schnellen Strampeln auf dem Fahrrad zu Hause ankam, stand mein Vater in der Küche und rührte in der Pfanne. Er schaute verunsichert auf die Uhr. «Muss ich dich irgendwo hinbringen?»

«Nein, nein», schnaufte ich außer Atem und dachte: Bloß nirgends hinbringen. Einfach nur in Ruhe lassen! Ich versuchte, ein bisschen erschöpft auszusehen, indem ich Schultern, Kopf und Augenlidern tiefer hängen ließ und hoffte, dass das Tiefergehängtsein genug Eindruck auf ihn machte. Es klappte.

«Na ja», sagte er und stellte die Pfanne mit Schmorgemüse auf den Tisch. «Jetzt iss erst mal was, und dann ruhst du dich aus. Der Acker muss auch mal brachliegen, damit was Neues drauf wachsen kann.»