Verlag: Vanessa Vale Kategorie: Gesellschafts- und Liebesromane Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2019

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E-Book-Beschreibung Hot Pursuit - 1 - Vanessa Vale

Ein unterhaltsames Wochenende auf der Hochzeit von Freunden in Denver nimmt für Anna Scott eine bizarre Wendung, als ihr Mietwagen aufgrund eines „anonymen Hinweises“ von der Polizei gestoppt wird. In ihrem Kofferraum liegt…eine Leiche, die einem Mafia-Clan zugeordnet werden kann. Einer unschuldigen Frau sollte es leichtfallen, diese eigenartige Verwechslung aufzuklären. Aber war es eine? Die Polizei ist sich da nicht so sicher, genauso wenig wie der Gangsterboss, der auf Rache für den Tod seines Schwiegersohnes sinnt.

Jake Griffin spielt ein gefährliches Spiel, denn er hat die letzten paar Monate im Zuge einer verdeckten Ermittlung für den kriminellen Moretti-Clan gearbeitet. Moretti befiehlt ihm, in Erfahrung zu bringen, wer Anna Scott ist, was sie will und sie zu töten, falls sie eine Bedrohung darstellt. Jake muss sich darauf konzentrieren, Moretti zu Fall zu bringen, aber er kann einfach nicht aufhören, an Anna zu denken. Er kann auch nicht aufhören, Risiken einzugehen, wenn es um sie geht. Die größte Gefahr von allen ist wahrscheinlich ihr die Wahrheit anzuvertrauen.

Achtung: Dieses Buch ist der erste Teil einer vierteiligen Serie und endet mit einem Cliffhanger.

Meinungen über das E-Book Hot Pursuit - 1 - Vanessa Vale

E-Book-Leseprobe Hot Pursuit - 1 - Vanessa Vale

Hot Pursuit - 1

Vanessa Vale

Copyright © 2019 von Vanessa Vale

Dies ist ein Werk der Fiktion. Namen, Charaktere, Orte und Ereignisse sind Produkte der Fantasie der Autorin und werden fiktiv verwendet. Jegliche Ähnlichkeit mit tatsächlichen Personen, lebendig oder tot, Geschäften, Firmen, Ereignissen oder Orten sind absolut zufällig.

Alle Rechte vorbehalten.

Kein Teil dieses Buches darf in irgendeiner Form oder auf elektronische oder mechanische Art reproduziert werden, einschließlich Informationsspeichern und Datenabfragesystemen, ohne die schriftliche Erlaubnis der Autorin, bis auf den Gebrauch kurzer Zitate für eine Buchbesprechung.

Umschlaggestaltung: Bridger Media

Umschlaggrafik: I-Stock, © Zastavkin

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Inhalt

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

So geht’s weiter in „Hot Pursuit – 2“ von Vanessa Vale:

Hot Pursuit - 2

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ÜBER DIE AUTORIN

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1

Anna

Wenn ich gewusst hätte, wie viel Spaß Autofahren machte, wie befreiend es sich anfühlte, dann hätte ich es schon viel früher gemacht. Wenn man in New York lebte, brauchte man kein Auto. Aber im Leben brauchte man ein Ausweisdokument, wozu in den USA hauptsächlich der Führerschein verwendet wird. Daher hatte ich mir vor Jahren einen Prius geliehen, um die Fahrprüfung zu machen und somit einen Führerschein zu erhalten. Seitdem hatte ich nicht mehr hinterm Steuer gesessen.

Bis jetzt. Meine dunkle Sonnenbrille schützte mich vor der hellen Denver-Sonne. Die heruntergelassenen Fenster sorgten dafür, dass mir meine langen Haare ins Gesicht peitschten, was mich dazu zwang, sie mir hinters Ohr zu stecken, damit sie mir nicht im Weg waren. Die Luft war heiß, aber dadurch, dass die Luftfeuchtigkeit hier nicht so groß war wie im stickigen Manhattan, kam ich gut damit zurecht. Aus dem Radio dröhnte irgendein örtlicher Radiosender und der Highway lag verlassen vor mir. Um elf Uhr morgens waren alle auf der Arbeit. Alle außer mir und überraschenderweise fühlte es sich gut an, mal eine Pause zu machen. Es war Freitag und ausnahmsweise hatte ich mich nicht in meinem kleinen Büro verschanzt, um Entwürfe anzufertigen. In Sicherheit.

Mein Freund Zach hatte mir mehrere Wochen Honig ums Maul geschmiert, um mich dazu zu überreden, ihn auf die Hochzeit seiner Schwester zu begleiten. Er brauchte eine Begleitung – eine weibliche – damit seine Familie weiterhin nicht wusste, dass er eigentlich vom anderen Ufer war. Während ich so über den Highway fuhr, die Rocky Mountains im Hintergrund, die selbst im Juli schneebedeckt waren, war ich froh, dass er so hartnäckig gewesen war. Bei unserer Ankunft am späten gestrigen Abend war ich zuerst zögerlich gewesen, hatte befürchtet, ich hätte einen Fehler begangen, indem ich verreist war. Ich hatte mir jedoch immer wieder eingeredet, dass das hier Denver war. Wie New York war es sicher. Niemand würde mich kennen.

Ich trommelte im Takt zur Musik mit meinen gerade getrockneten Nägeln auf das Lenkrad. Die unauffällige Französische Maniküre, die ich mir hatte machen lassen – in dem kleinen Laden, den mir der Rezeptionist empfohlen hatte – war perfekt für das Probedinner später und die Hochzeitsfeier morgen. Da ich den Großteil des Tages noch vor mir hatte, bis ich angekleidet und bereit sein musste, mich mit Zach in der Hotellobby zu treffen, fühlte ich mich sorglos. Ich bezweifelte nicht, dass es ihm genauso ging, denn er verbrachte den Tag mit anderen Männern der Hochzeitsgesellschaft beim Golfspielen. Nach einem Blick auf den Tacho drückte ich das Gaspedal meines Mietwagens weiter durch und jauchzte freudig, während ich einen langsamen Laster überholte.

Der Klang von Sirenen riss mich aus meinem sorglosen Moment und ich warf einen Blick in den Rückspiegel. Blinkende rot und blaue Lichter, die in ihrer Intensität fast schon schmerzhaft waren, bestätigten, dass sich die Polizei direkt hinter meinem Wagen befand. Was hatte ich getan? Ein Blick auf den Tacho verriet, dass ich nicht viel schneller als die erlaubte Geschwindigkeit fuhr, weshalb ein Strafzettel nicht gerechtfertigt wäre. Oder? Ein irrwitziger Anflug von Panik durchfuhr mich, ließ meine Hände auf dem Lenkrad feucht werden. Mein Herz hämmerte gegen meine Rippen, als versuchte es zu fliehen.

Das hier war nicht das Gleiche wie vor zwölf Jahren. Ich war keine achtzehn mehr. Ich befand mich nicht einmal im gleichen Bundesstaat. Aber was dann? Was konnten sie von mir wollen? Mein Fuß trat auf die Bremse und ich flog in den Gurt, weil ich nicht an so ein reaktionsschnelles Auto gewöhnt war. Bei dem Versuch, den Blinker zu finden, aktivierte ich versehentlich die Scheibenwischer. Das Vor und Zurück der Scheibenblätter auf dem trockenen Glas war ungeheuer laut, nachdem die Sirene ausgeschaltet worden war. Nervös drückte ich an den Hebeln und Knöpfen herum, schaltete die Scheibenwischer aus und fuhr an den Straßenrand.

Nachdem ich angehalten hatte, schaltete ich in Parken. Die einst erheiternden Klänge des Radios waren jetzt misstönend und nervig. Ich rammte meine Hand auf den Knopf und es wurde still im Auto. Nur das Geräusch vorbeifahrender Autos und Lastwägen war noch zu hören. Ich beobachtete, wie der Polizeiwagen hinter mich fuhr, sodass er hinter meiner Stoßstange zum Stehen kam. Die Polizeilichter pulsierten weiterhin. Ich beobachtete im Spiegel, wie der Polizist ausstieg. Unterdessen konzentrierte ich mich aufs Atmen. Rein. Raus. Rein. Raus. Jetzt war nicht der Zeitpunkt, um in Panik zu geraten. Um ihnen zu zeigen, dass ich Angst hatte. Was machte er nur dort hinten? Warum ließ er mich warten? Meine Finger umklammerten das Lenkrad mit aller Kraft und ich versuchte, sie zu lockern, meine Schultern zu entspannen, die sich bis zu meinen Ohren gehoben hatten. Der überwältigende Drang, den Fahren-Gang einzulegen und zu fliehen, war übermächtig. Ich vertraute der Polizei nicht, mochte sie nicht, aber wusste, dass ich die Situation – worum auch immer es sich dabei handelte – nicht verschlimmern durfte, indem ich sie verärgerte.

Nach langen Minuten stieg der Mann aus seinem Auto. Seine Uniform war dunkel und sauber, präzise Bügelfalten und gestärkter Kragen. Walkie-Talkie, Pager und Reizgas befanden sich an seinem Waffengürtel. Und dann war da natürlich noch die wirkliche große Pistole in ihrem Holster. Die Hand des Mannes lag genau auf deren Griff, als er sich näherte, bereit, bei der kleinsten Provokation zu schießen. Seine Haare waren an den Seiten kurzrasiert und oben länger. Seine Augen wurden von einer verspiegelten Sonnenbrille verborgen. Ich konnte durch den Seitenspiegel erkennen, dass er eine kugelsichere Weste unter seinem Hemd trug, was ihm das Aussehen eines ehemaligen Linebackers verlieh. Er stellte sich an die hintere Fahrertür und beugte sich so in den Wagen, dass sein Körper von diesem geschützt wurde. Er hatte seine Hand nicht von seiner Pistole genommen.

„Ma’am, Führerschein und Fahrzeugpapiere bitte.“ Seine Stimme war tief und sein Tonfall ernst. Ich erkannte ihn nicht. Er war keiner von ihnen. Er konnte es nicht sein. Ich benahm mich albern. Ein Rücklicht war kaputt oder so etwas. Niemand hatte mich gefunden.

„Er…er ist in meiner Handtasche.“ Ich leckte über meine Lippen, während ich in meiner kleinen Tasche auf dem Beifahrersitz herumwühlte, die gerade groß genug für meinen Geldbeutel, mein Handy und einigen anderen Krimskrams war. „Hier.“

Er nahm ihn mir ab, betrachtete ihn. Sah zu mir. „Fahrzeugpapiere.“

„Oh.“ Richtig, Fahrzeugpapiere. Ich schüttelte den Kopf, um ihn zu klären, während ich nach rechts griff, um das Handschuhfach zu öffnen. Ich zog einen Stapel Papiere heraus und reichte sie dem Mann. Anschließend schob ich meine Haare mit den Fingern hinter mein Ohr. Weil ich wusste, dass sie zitterten, legte ich sie wieder in meinen Schoß und presste die Handflächen aneinander. Atme.

„Das ist ein Mietwagen“, stellte er fest.

„Ja.“ Ich wusste nicht, warum ich gestoppt worden war, aber ich wusste, dass ich die Fragen kurz und bündig beantworten und nur die Informationen liefern sollte, die verlangt wurden. Ich hatte aus eigener Erfahrung gelernt, dass jegliches Geplapper gegen einen verwendet werden konnte.

Während er sich die Dokumente ansah, kam ein zweiter Polizeiwagen angefahren und parkte vor meinem Auto. Oh Gott. Warum sollten zwei Polizeiautos für ein kaputtes Rücklicht nötig sein? Dieses Mal stieg eine Polizistin aus, die ähnlich bewaffnet war und in ein Walkie-Talkie sprach, das an ihrer Schulter befestigt war.

Ich schluckte die Galle runter, die meine Kehle hochgekrochen war. Es war schwer ruhigzubleiben, während mein Herz so wahnsinnig schnell schlug, als wäre mir Adrenalin injiziert worden. Die Sonne strahlte durch die Fenster und mein Oberteil klebte feucht an meinem Rücken. „Schalten Sie bitte den Motor aus und steigen Sie aus dem Auto, Ma’am“, befahl mir der Polizist.

Die Polizistin beobachtete mich von ihrer Position bei der Motorhaube meines Wagens, die Hand an ihrer Dienstwaffe.

Mit zitternden Fingern kam ich seiner Forderung nach, löste meinen Gurt und öffnete die Tür. Der Mann trat nach hinten, um mir Platz zu machen. Sobald ich jedoch aus dem Auto gestiegen war, baute er sich vor mir auf, wodurch er die Sonne verdeckte und ich den Kopf in den Nacken legen musste, um zu ihm hochschauen zu können.

„Bitte folgen Sie mir auf die andere Seite des Autos.“

Mir blieb keine andere Wahl als ihm zu folgen. Ich war jedoch dankbar, dass wir vor dem Verkehr geschützt sein würden. Ich warf einen schnellen Blick auf die Rücklichter. Nicht kaputt.

Die Polizistin trat zu uns und betrachtete mich in meiner ärmellosen weißen Bluse, dem Blümchenrock und Riemchensandalen. „Bitte nehmen Sie Ihre Sonnenbrille ab.“

Ihre Worte waren zwar höflich, aber geschäftsmäßig.

Ich gehorchte, blinzelte in das helle Sonnenlicht.

„Führen Sie irgendwelche Waffen, Messer oder Drogen-Zubehör bei sich?“, fragte sie.

Ich schüttelte den Kopf, wobei ich ihr in die Augen sah. „Nein.“

„Ich werde Sie abtasten. Bitte strecken Sie Ihre Arme nach oben und zur Seite.“

„Bin…bin ich verhaftet?“, fragte ich, während meine Finger mit meiner Sonnenbrille spielten. Ich wusste, sie mussten einen Grund haben und ich musste ihn kennen.

„Nein, Ma’am“, antwortete sie.

Der andere Polizist beobachtete passiv, wie ich meine Arme hob, sodass ich wie ein T dastand. Als die Polizistin nach gründlicher Überprüfung bestätigte, dass ich nichts Gefährliches verbarg, sagte er: „Wir haben Grund zu der Annahme, dass Sie eine Leiche im Kofferraum Ihres Wagens transportieren.“

Meine Arme fielen wieder an meine Seiten.

„Eine…eine Leiche?“ Ich hatte mir viele Dinge überlegt, die er sagen könnte, aber das war keines von ihnen. Schweiß stand mir auf der Stirn, meiner Oberlippe. Ich nutzte meinen Handrücken, um ihn wegzuwischen. Ich wusste, sie beobachteten beide meine Reaktion auf ihre Worte, schätzten anhand jeder meiner Bewegungen und Körpersignale ab, ob ich gefährlich und sogar schuldig war. „Mein Auto?“

„Ja, Ma’am. Die Beschreibung passt zu dem Gefährt, nach dem wir suchen. Wir werden das Auto durchsuchen müssen.“

Ich warf einen Blick über meine Schulter und starrte auf den unscheinbaren, kastanienbraunen viertürigen Sedan. Wie bei den meisten Mietwägen war er amerikanischer Herkunft, ein neueres Modell und langweilig. Er sah nicht aus wie ein Wagen, in dem eine Leiche liegen könnte, aber andererseits, welches Auto tat das schon?

Ich erkannte meine Bewältigungsstrategie: Humor. Den musste ich sofort unterdrücken, damit sie nicht dachten, mich würde etwas so Ernstes völlig kalt lassen. Sie hatten keine Ahnung, wie ernst das für mich war. Ich durfte nicht in Panik geraten, durfte nicht durchdrehen. Ich hatte gelernt, meine Emotionen zu verstecken, sie abzuschirmen, damit sie nicht gegen mich verwendet werden konnten.

Mit sieben Jahren hatte ich bereits gelernt, dass sie mir nichts als Ärger einbringen würden. Mit achtzehn Jahren hatte ich diese Fähigkeit sogar noch verfeinert. Jetzt musste ich gegen die Panik ankämpfen und mich auf etwas anderes konzentrieren als das, was mir gerade passierte. Das war der Moment, in dem ich die kleinen gelben Wildblumen am Straßenrand erspähte. Ich starrte sie an, während sie sich in der leichten Brise wiegten.

Es passierte wieder. Es war wie vor zwölf Jahren. Jemand führte etwas im Schilde. Beabsichtigte, mir zu schaden. Das konnte kein Witz sein. Nichts war jemals ein Witz.

Ich starrte auf die gelben Blumen, als ich antwortete: „Durchsuchungsbefehl?“

„Brauchen wir nicht. Hinreichender Verdacht“, brüllte der Polizist über das Röhren eines vorbeifahrenden Sattelschleppers. Er lieferte mir keine Erklärung. Ich brauchte keine.

Sie mussten eine recht glaubwürdige Quelle haben, dass sie die Notwendigkeit eines Durchsuchungsbefehls übergehen konnten. Zeit war hier offenkundig der treibende Faktor. Sie konnten zweifelsohne nicht ein ganzes Wochenende darauf warten, dass ein Richter einen Durchsuchungsbefehl ausstellte, wenn es sich bei dem fraglichen Gefährt um einen Mietwagen handelte. Natürlich würde das Fluchtrisiko des Eigentümers – ich – als sehr hoch eingeschätzt werden.

Es war an der Zeit, meinen Kopf auszuschalten. Ich musste meine mentalen Wände hochziehen, mich daran erinnern, wie es sich anfühlte, meinen Geist hinter ihnen zu verbarrikadieren, mich selbst vor dem schützen, was auch immer mir passierte. Ich konnte nur nicken und die dummen Blumen anstarren.

Die Frau blieb an meiner Seite, während der Mann um das Auto zur Fahrertür lief, sich hineinbeugte und den Kofferraum entriegelte. Bei dem Geräusch drehte ich mich um. Beobachtete, wie er nach hinten lief, die Klappe hochhob und dastand. Starrte.

Nach einer leichten Kopfbewegung seinerseits gesellte sich die Frau zu ihm. Genauso wie ich.

„Oh mein Gott“, flüsterte ich. Bei dem Anblick schnürte sich mir die Kehle zu. Dort, im Kofferraum meines geräumigen Mietwagens, lag ein toter Mann. Irgendwas um die Vierzig, Geheimratsecken, übergewichtig, Anzug und Krawatte. Glasige Augen starrten zu mir hoch. In seiner Stirn prangte ein Einschussloch. Und er fing an zu stinken. Gott, der furchtbare Geruch wurde von der Brise zu uns geweht. Er war noch nicht durchdringend. Ich nahm an, ich hatte es nur nicht bemerkt, weil die Fenster geöffnet gewesen waren.

Ich spürte, wie mir das Blut in den Kopf schoss. Kleine schwarze Punkte tanzten vor meinen Augen, wodurch es aussah, als würden Fliegen auf dem Körper umher krabbeln. Ich machte auf der Hacke kehrt, weil ich spürte, dass mein Magen rebellierte, und erbrach mich auf dem Asphalt. Nachdem der Brechreiz nachgelassen hatte, blieb ich vornübergebeugt stehen, eine Hand auf meinem Knie, und versuchte, zu Atem zu kommen. Ich wischte mir mit dem Handrücken über den Mund und wünschte mir, ich hätte Wasser zur Hand, um den sauren Geschmack aus dem Mund zu spülen. Währenddessen hatte sich keiner der beiden Polizisten bewegt. Die schwarzen Arbeitsschuhe und faltigen Hosen der Frau befanden sich in meinem Blickfeld.

Die Polizisten dachten wahrscheinlich, ich hätte mich übergeben, weil ich die Leiche gesehen hatte. Das hatte ich nicht. Ich hatte mich übergeben, weil ich wusste, dass ich in großen Schwierigkeiten steckte. Es passierte wieder. All meine Ängste, all meine Sorgen der vergangenen zwölf Jahre waren zum Leben erwacht. Oder zum Tod, wie der Körper im Kofferraum. Gott, ich wusste, ich hätte New York nicht verlassen sollen. Ich hätte die sichere Struktur, in die ich mein Leben gepresst hatte, nicht wegen ein wenig Spaß verlassen sollen. Ich hatte keinen Spaß. Das war mir nicht erlaubt. Denn in dem Moment, in dem ich Spaß hatte, nur ein winziges, kleines bisschen, passierte genau so etwas.

Langsam richtete ich mich wieder auf und bemerkte, dass weitere Polizeiwägen vorgefahren waren. Drei zusätzliche Männer starrten mich jetzt an, zwei weitere in Uniform, einer in Zivilkleidung, der eine Kette um den Hals trug, von der eine Marke baumelte.

Ich steckte mir die Haare hinter die Ohren, reckte das Kinn. Die Wände waren jetzt vollständig hochgezogen. Ich war wieder mal auf mich gestellt. Ich konnte Zach nicht in das Ganze reinziehen. Er hatte eine Familienhochzeit, mit der er sich rumschlagen musste. Er konnte nicht allen erzählen, dass seine Begleitung unter Mordverdacht stand. Er musste sich nicht darum kümmern. Ich würde das allein schaffen. Ich schaffte es immer allein.

Die Polizistin sah mir in die Augen, wahrscheinlich um abzuwägen, ob ich mich noch einmal übergeben würde. „Sie werden mit uns kommen müssen“, erklärte sie mir und packte meinen Unterarm mit festem Griff. Ich würde ins Gefängnis kommen. Wieder. Würde des Mordes verdächtigt werden. Wieder. Ich hatte diesen Albtraum einmal durchlebt. Ich war mir nicht sicher, ob ich es nochmal könnte.

Schütze dich selbst. Dieses Mal bist du klüger. Du kennst das Spiel. Du kennst die Regeln. „Ich möchte einen Anwalt.“ Meine Stimme war so leblos wie der Mann im Kofferraum.

GRIF

„Okay, du hast mich herbestellt. Also, was zum Teufel willst du?“, fragte ich und rieb über meinen Fünf-Uhr-Schatten, der bereits eine zusätzliche Uhrumrundung auf dem Buckel hatte. Er juckte und war zu warm, aber er musste bleiben und mir dabei helfen, Nick Malone zu sein. Ich betrachtete ihn als Requisite für meine Täuschung. „Du hast gemeint, du hättest mir etwas Interessantes zu zeigen. Ich habe keine Zeit, ins Revier zurückbeordert zu werden wegen etwas, von dem du dachtest, ich könnte es interessant finden.“

„Du hast zu lange verdeckt ermittelt, Grif. Du hast sämtliche Manieren verloren.“ Peters, ein Detective des Morddezernats, den ich seit über einem Jahrzehnt kannte, musterte mich von Kopf bis Fuß. „Schickes Outfit. Du siehst beschissen aus.“

Grif. Ich hatte meinen echten Namen seit einer ganzen Weile nicht mehr gehört. Jake Griffin. Wer zum Henker war er nochmal? Ich konnte mich nicht mehr daran erinnern. Ich war verdammt nochmal schon viel zu lange undercover.

„Ich bin gerade erst aufgewacht und das hier“, ich zupfte an dem schwarzen T-Shirt, das eine Nummer zu klein war, „ist das, was man eben trägt, wenn man einen Nachtclub leitet. Ich schätze mal, ihr habt keinen frischen Kaffee da?“ In dem Raum war es laut, die übliche Geschäftigkeit des Morddezernats. Telefone klingelten, Stimmen sprachen durcheinander und das Klackern von Fingern auf Tastaturen war ein beständiges Hintergrundgeräusch.

Peters schaute auf seine Uhr. „Es ist ein Uhr dreißig.“

„Willst du wirklich wissen, was ich mit Moretti und seinen Schlägern mache? Denn bei diesem Auftrag ist nicht alles beschissener eitel Sonnenschein.“ Meine Stimme hatte eine gewisse Schärfe an sich, aber ich konnte nicht anders. Ich war erschöpft und mehr als bereit, diesen nie enden wollenden Auftrag zu Ende zu bringen. Ich entdeckte eine volle Kaffeekanne auf der anderen Seite des Raumes in der kleinen Mini-Küche und steuerte darauf zu. Als Peters mir folgte, fügte ich hinzu: „Ich war die ganze Nacht auf den Beinen und habe mich um Mitarbeiterprobleme in der Bar gekümmert. Ich bin ein Cop, kein Personalchef.“

Ich schenkte mir einen Becher ein, trank einen Schluck Kaffee, schnitt eine Grimasse und würgte dann den brühendheißen Schluck hinunter in der Hoffnung, dass mir das Koffein den nötigen Kick geben würde, um geduldig auf das zu warten, was auch immer Peters wollte.

„Ja, ich kann verstehen, dass es hart sein kann, in dem angesagtesten Nachtclub der Stadt zu arbeiten, wo dir zweiundzwanzigjährige Frauen ihre Telefonnummern zustecken, die sie auf ihre Slips geschrieben haben.“

Ich lehnte mich an die Arbeitsplatte, dachte zurück an jene Situation und den Mist, den ich mir dafür von Peters und den anderen der Dienststelle hatte anhören müssen, weil ich diese pikante Geschichte mit ihnen geteilt hatte. Wie war nochmal ihr Name? Cathy? Karla? „Meine Fresse, das war ein einziges Mal und ich schwöre, sie hatte mehr Plastikteile und einen größeren Vorbau als ein Ford.“ Ich trank noch einen Schluck Kaffee, verzog abermals das Gesicht und beobachtete Peters beim Lachen. „Gott, ich werde alt, oder?“

Eine verdeckte Ermittlung war bestenfalls erbärmlich. Man musste für die Dauer der Ermittlung alles aufgeben, um in eine Rolle, eine andere Persönlichkeit zu schlüpfen. In diesem Fall hatte ich über sechs Monate die Mafiafamilie Moretti infiltriert. Dabei war ich so tief in ihre Strukturen vorgedrungen, dass mir die Leitung des Scorch übertragen worden war, Denvers neuestem Nachtclub – und Morettis neuester Anschaffung. Das war der Ort, wo ich sein musste, am angeblichen Nabel der Geldwäschegeschäfte des Mannes. Ich musste es nur beweisen. Das bedeutete im Morgengrauen ins Bett zu gehen und den ganzen Tag zu verschlafen wie ein beschissener Vampir.

„Bobby Lane. Klingelt da was?“

Ich merkte auf. „Morettis Schwiegersohn. Ein fieser kleiner Pisser, der sich um den Geschäftszweig der Prostitution kümmert. Kein Anhänger der Frauenrechte und ich bin mir ziemlich sicher, dass seine Frau das aus erster Hand weiß.“

„Genau der.“

Ich starrte ihn einfach nur an, wartete. Er genoss das viel zu sehr. Ich bewegte meine Hand im Kreis, um ihn zum Sprechen zu bringen.

„Er ist tot.“

Ich schaffte es gerade noch, meinem Freund keinen Kaffee aufs Hemd zu spucken. Das war knapp.

„Wann? Wie?“

Peters zuckte leicht mit den Schultern. „Scheint irgendwann gestern spät abends passiert zu sein. Kugel in den Kopf.“

Ich grinste. „Bobby Lane war ein verfluchtes Arschloch und hat verdient, was er bekommen hat. Ich hätte das aber bald von Moretti erfahren.“ Ich trank einen Schluck Kaffee, schaute über den Becherrand zu ihm. „Das ist nicht der einzige Grund, warum ich hier bin.“

Er deutete auf mich, lächelte. „Deswegen hast du es zum Detective geschafft. Sein Körper wurde im Kofferraum eines Autos gefunden.“

Ich zuckte mit den Achseln. Das waren keine Neuigkeiten. „Und? Werden das nicht fast alle?“

„Dieses Auto wurde aufgrund eines anonymen Hinweises gestoppt. Es wurde von einer Frau namens Anna Scott gefahren. Schon mal von ihr gehört?“

Ich schüttelte den Kopf. „Wo ist sie?“

„Zimmer vier.“

Ich nahm meinen widerlichen Kaffee und ging nach hinten, wo sich die Befragungszimmer befanden. Ich winkte einem oder zwei bekannten Gesichtern zu, aber stoppte nicht, um mich zu unterhalten. Nachdem ich die Schreibtische des Hauptraumes hinter mir gelassen hatte, wurde es ruhiger, aber der Geruch abgestandenen Kaffees und chinesischen Take-Aways blieb.

„Bist du dir sicher, dass das nicht der ‘Nutten-Trick‘ ist? Ich falle nicht auf den ‘Nutten-Trick‘ rein“, brummelte ich, während ich an die vielen Streiche zurückdachte, die wir einander gespielt hatten, um die Spannung und Stresslevel zu senken, wenn wir es mit besonders brutalen Fällen zu tun gehabt hatten. Ich hatte nichts über Bobby Lanes Mord gehört. Also hätte es auch nur eine List von Peters sein können, um sich auf meine Kosten zu amüsieren.

„Die da drin ist keine Nutte.“ Er öffnete die Tür zu dem dunklen Beobachtungsraum. Als ich durch das große Fenster in das andere Zimmer schaute, war mir sofort klar, dass Peters recht hatte.

Die Frau, die dort saß, geschniegelt und gestriegelt, die Hände im Schoß, war auf keinen Fall eine Nutte. Durch den Einwegspiegel sah sie eher aus wie ein typisches Hausfrauchen, nicht wie eine Professionelle, die von der Straße gezogen worden war. „Die hat Bobby Lane umgebracht? Nie und nimmer.“

Das Zimmer war schalldicht, weshalb sie nicht wusste, dass sie beobachtet wurde.

„Sie hat das Auto gefahren.“

„Ja, auf dem Weg zum Elternsprechtag.“

„Was auch immer. Nenn mir deinen ersten Eindruck“, forderte mich Peters auf.

Ich musterte die Frau mit meinen Detective-Augen. „Knapp dreißig und hübsch.“

Peters zog eine Braue hoch, aber schwieg.

Scheiße, hatte ich das Letzte laut gesagt? Was zum Teufel, sie war hübsch.

Ihre Haut war im Vergleich zu ihren glatten, dunklen Haaren unglaublich hell. Ihre Haare waren lang und hingen offen über ihre Schultern. „Ihre Haare sind fachmännisch geschnitten, was bedeutet, dass sie Geld hat.“ Sie hatte dunkle Augen, die von sogar noch dunkleren Wimpern umringt wurden, gezupfte Augenbrauen und war nur minimal geschminkt. „Nicht sonderlich eitel. Ihr Lippenstift hat sich abgenutzt oder sie hat nie einen aufgetragen.“

Ihre Kleider passten ihrer schlanken Gestalt perfekt; ein Rock, der hauptsächlich orange und mit einer Unzahl an Blumen bedruckt war. „Sie ist eher bieder.“ Ich deutete auf sie. „Ihr Rock reicht bis zu ihren Knien, selbst im Sitzen. Er ist nicht hauteng.“ Ich beugte mich nach vorne, um einen besseren Blick auf sie werfen zu können, auch wenn sie nur drei Meter entfernt war. „Ihre Bluse hat eine Knopfleiste von oben bis unten, aber kein einziger Knopf ist geöffnet, um ihr Dekolleté zu zeigen. Im Gegenteil, ist das ein Top oder so was, das sie darunter trägt? Sie stellt ihre Vorzüge nicht zur Schau.“ Und sie hatte so einige Vorzüge. Mir entging die pralle Rundung ihrer Brüste nicht, auch nicht unter ihrer weißen Bluse. „Morettis Ladies zeigen ein bisschen mehr Haut als sie.“

„Mach weiter“, verlangte Peters.

„Nach dem Aussehen ihrer Arme zu urteilen, würde ich sagen, dass sie sich fit hält.“

„Ich würde sie nicht unbedingt als Bodybuilder bezeichnen“, warf Peters ein.

„Nein, aber ich wette, sie macht mehr Liegestütze als du, um solche Trizepse zu haben.“

Wir starrten sie beide einen Moment schweigend an. Ich hegte keinerlei Zweifel daran, dass Peters seine eigene Fitness überdachte.

„Riemchensandalen. Sie ist ein femininer Typ“, machte ich weiter. „Aber der niedrige Absatz deutet darauf hin, dass sie praktisch veranlagt ist. Keine Stilettos für sie.“

„Ich bin beeindruckt. Was ist mit dem Zehennagellack?“, wollte Peters wissen.

„Versteckte Feme Fatale?“, fragte ich halb scherzend, während ich das Knallrot musterte. In dieser Frau steckte mehr, als man mit bloßem Auge erkennen konnte – und sie zeigte nicht gerade viel. Sie war zu perfekt. Die echte Frau war hinter der Fassade verborgen, die sie aufgesetzt hatte und ich fragte mich, wer sie wohl war. Diese Fassade, sie war sehr dick, lange geübt, als wäre sie daran gewöhnt, von ihr umgeben zu sein wie von einer Burgmauer. Was würde ich tun müssen, um sie einzureißen und was würde ich im Anschluss dahinter entdecken? Ich bekam einen Ständer, während ich sie anschaute. Und sie war eine Verdächtige. Und was für eine. Meine Fresse, es war zu lange her.

Irgendetwas stimmte mit mir nicht. Die Collegemädchen in ihren knappen Kleidern, mit ihrer knappen Moral, die jede Nacht ins Scorch kamen, brachten meinen Schwanz nicht mal zum Zucken. Ich schaute keine von ihnen ein zweites Mal an. Diese Frau und sie war eine richtige Frau, brachte meinen Schwanz dazu, sich unangenehm gegen den Reißverschluss meiner Hose zu pressen, obwohl ich wusste, dass sie vielleicht einen Mann umgebracht hatte. Ein ausgemachtes Arschloch, das nicht von vielen vermisst werden würde, aber trotzdem. Meinen Schwanz schien das nicht wirklich zu interessieren.

„Wenn versteckte Feme Fatale ein Codewort für Mörderin ist, dann könntest du richtig liegen.“