how to be happy: Vergissmeinnicht (New Adult Romance) - Kim Leopold - E-Book

how to be happy: Vergissmeinnicht (New Adult Romance) E-Book

Kim Leopold

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Beschreibung

Breites Grinsen, Grübchen. Freier Fall. Taumelndes Herz. Endlich vollständig. Erstaunlich, wie wenig ich brauche, um glücklich zu sein. Beste Freunde für immer — das haben sich Ellie und Toby bereits im Kindergarten geschworen. Aber jetzt, da die beiden fast erwachsen sind, fällt es der Youtuberin Ellie schwer, seinen sanften Blick und den dunkleren Klang seiner Stimme zu ignorieren. Während bei ihr jedoch Gefühle sind, wo keine sein sollten, scheint Toby in ihr immer noch das kleine Mädchen zu sehen. Als im Ferienhaus seiner Familie die Hochzeit des Jahres stattfindet, verändert sich plötzlich etwas zwischen ihnen. Ein Tanz, eine Berührung, ein Kuss — und das Knistern in der Luft, das ihre Leben für immer verändern wird … *Leserstimmen* Ich bin in das Buch hineingekippt und erst wieder aufgetaucht, als ich fertig war. Die Charaktere sind toll ausgearbeitet, sodass man das Gefühl hat, ihnen jederzeit im wahren Leben begegnen zu können. Ich bin froh, dass ich Liz und Toby ein Stück ihres Weges begleiten durfte und vergebe eine Leseempfehlung für diesen wundervollen Liebesroman. - Lesen und Träumen - Sabine aus Ö Eine traumhaft schöne Fortsetzung die voller Emotionen steckt, ein Buch indem viel mehr steckt als man auf den ersten Blick vermutet, ein Buch das einen glücklich macht. - Jasmin Naumann Der Titel „How to be happy“ ist für Kim Programm. Vielleicht ist an dem Spruch was dran, bei dem es heißt, jeder wäre seines eigenes Glückes Schmied. Manchmal muss man über seinen eigenen Schatten springen, und loslaufen, um das Glück nicht entwischen zu lassen. Und manchmal sind es die kleinen Dinge, die einen glücklich machen. Kim Leopold weiß das wohl schon. - A. Wergen *Die New-Adult-Reihe im Überblick* Band 01 | Liliennächte Band 02 | Ascheblüte Band 03 | Vergissmeinnicht Band 04 | Winterrose Band 05 | Veilchensturm Extra | Glücksklee (nur erhältlich über die Website der Autorin) Jeder Liebesroman ist in sich abgeschlossen.

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KIM LEOPOLD

how to be happy

Vergissmeinnicht

 

Für den besten Papa der Welt und meine Mama, die in ihrem nächsten Leben sicher ein Hollywood-Star wird.

Who in the world am I? Ah, that's the great puzzle.

- Lewis Carroll

 

 

[playlist]

1. How Would You Feel – Ed Sheeran

2. Love on the Brain – Rihanna

3. Make a Wish – Will Davies

4. How Long Will I Love You – Ellie Goulding

5. Always – Tor Miller

6. Emperor’s New Clothes – Panic! At The Disco

7. Ice and Ashes – Gavin Mikhail

8. November Rain – Guns N’ Roses

9. Paris – The Chainsmokers

10. Stay the Night – Will Davies

11. A Million Suns – Maddox Madness feat. Will Davies & Cassie Irvine

JUNI

 

Ellie Cumberbatch (@Vergissmeinnicht):

 

Morgen fangen die Ferien an! Ich zähle die Tage bis zur Hochzeit des Jahres. Kann es kaum erwarten, die Nacht durchzutanzen! <3 #jalian

[1]

»Herzlich willkommen zurück in New York! Mein Name ist Ellie und heute zeige ich euch meine Lieblingsplätze in der Stadt, die niemals schläft …«

Ein Lächeln breitet sich auf meinen Lippen aus, während ich die zusammengeschnittenen Clips betrachte, die ich in den letzten Wochen so emsig zwischendurch gedreht habe. Dieses Video ist ein kleines Kunstwerk aus bewegten Bildern, aus Farben, die über den Bildschirm flirren, grasgrün, himmelblau, senfgelb. Taxis, Busse, U-Bahn-Stationen. Bouquets, verwaschene Schnitte, ein breites Grinsen auf einem Gesicht voller Sommersprossen.

Ich würde gerne behaupten, das hier wäre mein bestes Video, mein erfolgreichstes, aber ich weiß jetzt schon, dass meine Zuschauer häufiger auf den neusten Fashion Haul klicken werden und immer noch gespannt auf eine Zimmertour warten. Trotzdem bin ich stolz darauf.

Das Video ist der perfekte Beweis dafür, welche Fortschritte man machen kann, wenn man nur kontinuierlich seine Ziele verfolgt und an sich selbst glaubt. Es zeigt, wie viel Arbeit ich in meine Aufnahmen stecke, wie intensiv ich mich mit dem Schnitt von Videos auseinandergesetzt und wie viel ich in meine Ausrüstung investiert habe.

Dieses Video ist mein Traum in klein. Es ist nicht nur ein Video, es ist ein Kurzfilm über meine Lieblingsplätze in New York. Und damit ähneln diese paar Minuten zum ersten Mal dem, was ich später beruflich machen möchte.

Regisseurin werden.

In einer Stadt, in der Träume wahr werden und in der ein Stern nach dem anderen den Himmel emporklettert, sollte es doch möglich sein, dass mein eigener, kleiner Traum irgendwann Wirklichkeit wird.

Ich klappe den Laptop zu, lege ihn aufs Bett und greife nach meinem Handy, um meinem besten Freund Toby eine Nachricht zu schicken. Er ist mir bereits zuvorgekommen.

 

Toby: Dein neues Video ist hervorragend. Tolle Kameraführung und der Ton passt sehr gut zu den Schnitten. Die letzten Sekunden gefallen mir besonders gut.

 

Ich denke an den perfekten Abend auf dem Dach, an dem ich uns gefilmt habe. An meinen Kopf an seiner Schulter, seinen Duft in meiner Nase, den Sonnenuntergang über der Stadt. Ein Schnelldurchlauf von Licht und Wärme und Freundschaft, hinterlegt mit den Worten: »Aber mein liebster Platz auf dieser Welt ist in den Armen meines besten Freundes.«

Wahrscheinlich meint er die Technik, die hinter dem Schnelldurchlauf steckt. Nicht die Worte, die meine Zuneigung zu ihm ausdrücken. Trotzdem lächle ich, während ich meine Antwort ins Handy tippe.

 

Ich: Ich dachte, das würde dir gefallen.

Toby: Natürlich gefällt es mir. Alles, was du machst, gefällt mir. Muss jetzt los. Sehen wir uns später?

Ich: Ich warte oben auf dich. Viel Spaß!

Toby: Sehr witzig!

 

Ich grinse in mich hinein. Dass ihm das Essen mit seiner Familie keinen Spaß machen wird, ist mir schon bewusst gewesen, als er mir von dem Dinner erzählt hat. Weil es eine Feier für die bevorstehende Hochzeit von Jamie und Lilian ist, muss die ganze Familie anwesend sein. Inklusive der beiden Streithähne Stewart und Greg. Das einzige, was die beiden Männer gemeinsam haben, ist die Liebe zu Tobys Mutter Melanie.

Der Gedanke an die bevorstehende Hochzeit erinnert mich daran, meine Tasche zu packen.

Ich hüpfe vom Bett, zerre meinen Koffer aus dem begehbaren Kleiderschrank, lege ihn aufgeklappt aufs Bett und fange an, Sachen für eine Woche Hamptons einzupacken. Meine Kameraausstattung und ein Großteil meines Make-ups dürfen auch nicht fehlen. Schließlich habe ich Lily versprochen, den Hochzeitswalzer zu filmen und das Make-up der engsten Familienmitglieder zu machen.

Zwischendurch schaue ich immer mal wieder aufs Handy, um zu sehen, ob Toby vielleicht gerade eine Krise hat und mit mir schreiben möchte, aber er bleibt still. Vielleicht schaffen sie es heute, sich nicht zu streiten. Jamie und Lily zuliebe, wenn sie es schon nicht für Toby auf die Reihe kriegen.

Ich weiß nicht, wie oft er in den letzten Jahren an meine Fensterscheibe geklopft hat, damit er bei mir bleiben kann, bis die Wogen wieder geglättet sind. Wie viele Nächte er schon in meinem Bett geschlafen hat, weil er es bei seinem Dad Stewart nicht mehr aushält.

Wenn er nicht gleichzeitig so sensibel wäre, wäre er längst einer dieser Querschläger, die nur Unfug im Kopf haben. So wie Matt oder Tyler aus unserer Klasse, deren Eltern ständig in der Schule aufschlagen müssen.

Aber so ist Toby nicht. Er zeigt niemandem, wie sehr ihn die Situation belastet. Stattdessen verkrümelt er sich lieber in seinen Nebenjob beim Tierarzt oder denkt über Dinge nach, über die kein normaler Mensch nachdenken würde. Das ist wahrscheinlich auch der Grund dafür, dass ich ihn so gern habe.

 

Später sitze ich neben meinem kleinen Bruder Eddy am Küchentisch. Er hat einen Atlas vor sich aufgeschlagen, die roten Haare leuchten vor dem Hintergrund der grau-weißen Küche, während er nach Ägypten sucht. Ich schreibe Toby eine Nachricht, weil ich noch nichts von ihm gehört habe und mich fühle, als würde ich auf heißen Kohlen sitzen.

 

Ich: Lebst du noch?

 

Ich wünschte, ich wäre bei ihm. Dann würde ich unter dem Tisch nach seiner Hand greifen, wenn Stewart wieder etwas sagt, das alle zur Weißglut treibt. Ich würde sie drücken und ihm versichern, dass ich für ihn da bin. So wie ich es sonst auch immer mache. Ganz ohne Worte. Nur mit dieser kleinen Geste, die so viel bedeutet.

 

Toby: Als ich das letzte Mal nachgefühlt habe, hatte ich jedenfalls noch einen Puls. Wenn die auf der Hochzeit auch so streiten, wäre es spaßiger, eine Bombe zu entschärfen.

Ich: Das wird nicht passieren. Selbst dein Dad wird Rücksicht nehmen.

Toby: Wenn du das sagst … Hab mich für einen Moment nach draußen verzogen. Was machst du?

 

Statt einer Antwort bitte ich Eddy, für die Kamera zu lächeln und schicke Toby ein Foto von ihm. Dann nehme ich eine Sprachnachricht auf.

»Eddy, Toby möchte wissen, was wir gerade machen. Erklärst du es ihm?« Belustigt beuge ich mich über den Tisch und halte das Handy in Eddys Richtung. Seine Augen leuchten auf.

»Lizzie zeigt mir, wo die Ägypter gewohnt haben«, erzählt er aufgeregt. Er ist Tobys größter Fan, was wahrscheinlich daran liegt, dass die beiden trotz unterschiedlichen Alters auf einer Wellenlänge sind.

»Wir waren heute Nachmittag im Met«, erkläre ich. Das Metropolitan Museum of Art ist einer von Eddys Lieblingsorten in New York. Mein Bruder will unbedingt Entdecker werden. »Die Ausstellung über Ägypten hat ihn total begeistert. Jetzt muss ich ihm alles erzählen, was ich weiß.«

Ich schicke die Sprachnachricht ab und warte auf seine Antwort, die umgehend kommt. »Wie gut, dass wir das letztes Jahr erst in der Schule hatten«, sagt er. »Sonst würde dein Bruder für immer unwissend bleiben. Macht sie das gut, Eddy?«

»Ha, ich bin der Meister der Archäologie«, erwidere ich in das Mikrofon meines Handys.

Eddy hebt den Kopf. »Was ist Archo-Archäo-?«

»Archäologie«, wiederhole ich das Wort für ihn. »Das ist die Wissenschaft, die sich mit der alten Geschichte auseinandersetzt.«

»Cool«, erwidert Eddy langgezogen. »Dann will ich Archolägie werden.«

Ich lache auf und schaue noch einmal auf mein Handy, doch Toby ist offline. Wahrscheinlich nimmt ihn seine Familie nun wieder in Beschlag. Dann muss ich mich wohl gedulden, bis wir uns später auf dem Dach treffen.

 

Ich sitze im Schneidersitz auf meinem Stammplatz auf dem Dach und blättere durch mein Sketchbook, bis ich bei einer der letzten freien Seiten angelangt bin. Als ich den Bleistift aus meinem Haar ziehe, fällt es mir über die Schultern. Ich klemme den Bleistift zwischen meine Zähne, rolle meine Haare zusammen und werfe den schweren Zopf auf meinen Rücken, damit er beim Zeichnen nicht im Weg ist. Die Sonne ist fast untergegangen, aber es ist so warm, dass ich in meinen Jeansshorts und dem grünen Top nicht friere.

Hinter mir höre ich ein Rascheln und drehe mich um. Toby kommt auf mich zu, die Hände in seine Hosentaschen geschoben, die Kontaktlinsen gegen seine Brille getauscht. Sofort beginnt mein ganzer Körper zu lächeln.

Er verzieht das Gesicht, als unsere Blicke sich begegnen, und zieht die Hände aus den Taschen, um seine Krawatte zu lösen. Wenn es mir die Krawatte nicht verraten würde, dann die stahlblaue Hose und das blütenweiße Hemd – er ist direkt nach dem Essen hochgekommen, um mit mir zu reden.

»Ich dachte schon, du schaffst es heute nicht mehr.« Ich lege mein Sketchbook beiseite, als er sich mit einem Seufzen neben mich fallen lässt, und strecke die Beine aus, um sie über die Kante baumeln zu lassen.

Als wir vor ein paar Jahren das Dach für uns entdeckt haben, haben Toby und ich daraus eine Mutprobe gemacht. So hoch über den Straßen New Yorks fühlt es sich verwegen an, die Beine über die Kante zu strecken. Mittlerweile ist es zur Normalität geworden. Wir sitzen oft hier oben und hoffen nur, dass wir unsere Schuhe nicht verlieren.

»Tut mir leid, es gab noch viel wegen der Hochzeit zu besprechen. Blumen und so was.« Er schiebt seine Beine neben meine. Dunkelblau gegen Elfenbein. Wenn er jetzt Shorts tragen würde, wäre es ein genauso starker Kontrast. Im Gegensatz zu ihm bin ich als Rothaarige mit einer vornehmen Blässe gestraft. Das wäre halb so wild, wenn ich nicht trotzdem überall Sommersprossen hätte.

Ich schaue zu ihm auf. Seinem Gesichtsausdruck nach zu urteilen versteht er überhaupt nicht, was an Blumen so wichtig sein kann.

»Ich wünschte, du wärst dabei gewesen. Nicht mal mit Jamie konnte ich ein interessantes Gespräch führen, weil er in Gedanken bei den Schwimmkerzen für den Pool war. Schwimmkerzen. Für den Pool. Wozu braucht man das?«

Ich lache auf und knuffe ihn in den Oberarm. »Für das Ambiente natürlich. Und so schlimm kann es nicht gewesen sein.«

»Glaub mir. Es war so schlimm.« Er seufzt und legt den Kopf in den Nacken, während er mir vom Abendessen erzählt. »Wenn sie nicht gerade über irrelevante Dinge gesprochen haben, haben sie sich gegenseitig provoziert. Ich kam mir vor wie in einer schlechten Fernsehserie. Müssten sie sich nicht allmählich dran gewöhnt haben? Mein Dad ist der Schlimmste. Du hättest mal seine ›Rede‹ hören sollen. Ich sag’ dir, wenn er das auf der Hochzeit bringt, wird Jamie ihm an die Gurgel gehen.«

»Wieso das?«, frage ich lachend. Ich kann mir gut vorstellen, dass Stewart es wieder vermasselt hat. Er ist nicht gerade der beste Vater aller Zeiten.

»Ach, sogar ich merke, dass er Lily nicht als Schwiegertochter akzeptiert.« Toby schüttelt verächtlich den Kopf. »Ich kann echt nicht verstehen, wie sie immer dasitzt und so breit lächelt, als hätte sie im Lotto gewonnen.«

»Das verstehst du erst, wenn du zum ersten Mal verliebt bist«, erkläre ich belustigt. Sein Kopf fährt ruckartig zu mir herum und er schaut mich verdattert an.

»Was weißt du denn von Liebe?«

»Mehr, als du denkst.« Ich spüre, wie die Hitze in meine Wangen steigt und wende den Blick ab.

»Ach ja?« Er rutscht mir auf die Pelle und pikst mit seinem Zeigefinger zwischen meine Rippen. Ich zucke zusammen. »Bist du etwa verliebt, Lizzie?«

»Und wenn? Dann wärst du der Letzte, dem ich das erzählen würde«, erwidere ich großspurig. Wäre ich verliebt, wüsste er es natürlich sofort. Er streckt mir die Zunge raus, was ich mit einem breiten Grinsen quittiere. »Ich bin nicht verliebt.«

Mit zusammengekniffenen Augenbrauen betrachtet er mich einen Moment lang prüfend. Irgendetwas an seinem Blick wischt mir das Grinsen von den Lippen und jagt einen Schauder über meinen Rücken. Ich beiße mir auf die Unterlippe, angespannt, ein kleines bisschen nervös, bis er sich schließlich abwendet.

»Liebe ist sowieso nur eine chemische Reaktion«, murmelt er.

»Ich weiß, du Schlaumeier. Du hast mir schon mal erklärt, was im Körper passiert, wenn man verliebt ist.«

»Hätte ja sein können, dass du es vergessen hast.« Jetzt bildet sich allmählich ein Lächeln auf seinen Lippen. Ein schwaches zwar, aber immerhin. »Das ist doch schon ewig her.«

»Vielleicht bin ich ja doch nicht so vergesslich wie du immer denkst«, meine ich schmunzelnd.

Aber selbst das bringt ihn nicht zum Lachen. Stattdessen seufzt er, dreht die Uhr an seinem linken Handgelenk, ballt die Hände zu Fäusten, öffnet sie wieder.

»Mein Dad will mich nach Deutschland schicken.«

»Was? Nach Deutschland?« Ungläubig keuche ich auf. »Wann? Und wie lange? Das kann er doch nicht machen, oder? Kann er das machen? Und wenn ja, kann ich mitkommen?«

Trotz seiner Verbitterung muss Toby auflachen. »Ich kann mir nicht vorstellen, wie du ein ganzes Jahr in Deutschland überstehen würdest. Überleg nur, wie sehr dir deine Familie fehlen würde. Du bist emotional viel zu abhängig.«

»Emotional abhängig?« Ich gebe ihm einen Klaps auf den Oberschenkel. »Das war gemein.«

»War es?« Er runzelt die Stirn, schiebt seine Brille auf dem Nasenrücken hoch und fährt sich mit der Hand durchs Haar. Es ist irgendwie süß, wenn er so ahnungslos ist.

»Ja. Nein.« Ich seufze. Meine Familie würde mir wirklich sehr fehlen. Ohne Mom und Dev würde ich es vielleicht noch ertragen, aber ich kann mir kaum ausmalen, ein ganzes Jahr ohne Eddy zu sein. Ohne Dad. »Du hast ja recht.«

Erst jetzt dringt die Bedeutung seiner neuen Informationen zu mir durch. Ich ziehe meine Beine an den Körper, umschlinge sie mit den Armen und lege mein Kinn auf den Knien ab. »Ein ganzes Jahr also?«

Mittlerweile ist es dunkel. Über uns leuchten die Sterne, unter uns blinken die Neonreklamen der Stadt.

»Das meint er doch nicht ernst, oder?«

»Wie soll er es sonst meinen?«

Ich verziehe das Gesicht. Es fällt mir schwer, mir ein ganzes Schuljahr ohne Toby auszumalen. »Ich mag deinen Dad nicht. Überhaupt nicht.«

Er streckt einen Arm aus, legt ihn um meine Schultern, zieht mich an sich und hüllt mich in den verblassten Duft des erdigen Parfüms, das ich ihm zum letzten Geburtstag geschenkt habe.

Nein, ich kann mir wirklich nicht vorstellen, wie New York ohne Toby funktionieren soll. Wie mein ganzes Leben ohne ihn funktionieren soll. Es sind die kleinen Momente, Momente wie dieser hier, die mir so viel bedeuten wie nichts anderes auf der Welt.

»Du gehst aber nicht wirklich nach Deutschland, oder?«, frage ich schließlich leise.

»Hm.« Er schweigt einen Augenblick. »Du kennst doch meinen Dad.«

Ich hebe den Kopf, um ihn anzuschauen. »Ja, aber … Deutschland? Komm schon, das willst du doch selbst nicht. Wie willst du denn das letzte Schuljahr ohne mich überleben?«

»Glaubst du, das überzeugt ihn?« Er grinst mich an, aber das Grinsen erreicht seine Augen nicht. Wenn Stewart sich einmal etwas in den Kopf gesetzt hat, ist es schwer, ihn vom Gegenteil zu überzeugen.

Ich lehne mich fröstelnd wieder an ihn. »Wir brauchen einen wasserdichten Plan.«

»Jepp«, murmelt er und presst seine Lippen an meine Stirn, während er über meinen Oberarm reibt, um mich aufzuwärmen. Ich schließe die Augen, genieße die Geborgenheit seiner Berührung, bis mir irgendwann zu kalt wird.

»Wir sollten hinuntergehen. Ich will mich so kurz vor der Hochzeit nicht erkälten.«

»Von der Kälte allein wirst du nicht krank«, erwidert er. »Dazu braucht es schon mehr als einen unterkühlten Körper.«

Bedeutet das, dass er noch länger so mit mir hier sitzen möchte? Oder versucht er einfach nur, meinen Sorgen mit Wissen zu begegnen? Was auch immer es ist, zurück müssen wir sowieso, weil unsere Wecker morgen viel zu früh klingeln.

Wir stehen auf, gehen zur Feuertreppe und klettern gemeinsam hinab. An meinem Fenster halten wir an. Toby wartet, bis ich hineingeklettert bin. Er lehnt sich an den Fensterrahmen, um sich von mir zu verabschieden. Das ist unser Ritual. Da er eine Etage unter uns wohnt, bringt er mich immer nach Hause.

»Was ist denn hier passiert?«, fragt er und wirft einen Blick in mein Zimmer, in dem es aussieht, als hätte eine Bombe eingeschlagen.

»Eddy«, murmle ich und überfliege das Chaos, das aus Hieroglyphen auf herumliegenden Papierschnipseln, einer halbfertigen Pyramide aus bunten Legosteinen und einer in Klopapier eingewickelten Puppe besteht.

»Nicht schlecht.« Er pfeift leise. »Ich glaube, du hast einen waschechten Archäologen erschaffen.«

»Ich befürchte es auch«, erwidere ich nicht ganz ohne Stolz. »Mal sehen, wie lange seine Leidenschaft dafür anhält. Ich räume jetzt jedenfalls erst mal auf.«

»Brauchst du Hilfe?« Aber da ich weiß, wie er aufräumt, schüttle ich den Kopf. Wenn er mir beim Aufräumen hilft, dauert es mindestens doppelt so lange. Toby muss nämlich jedes Teil erst mal ausgiebig betrachten, bevor ich es ihm schließlich aus der Hand nehme, um es an seinen Platz zurückzustellen.

»Das ist lieb von dir, aber ohne deine Hilfe geht es schneller.« Ich lehne mich aus dem Fenster, um ihn zum Abschied zu umarmen. »Schlaf gut, Toby.«

»Schlaf gut, Lizzie.« Er löst sich von mir und klettert die Feuertreppe weiter hinab. Ich blicke ihm kurz nach, bevor ich das Fenster schließe und mich dem Chaos in meinem Zimmer widme.

 

[2]

Ich schnüre meine Laufschuhe, schlüpfe in die dünne Jacke und tapse leise durchs Wohnzimmer, um die Schlüssel aus dem Korb neben der Eingangstür zu nehmen und die Wohnung zu verlassen. Auch mein Dad ist um diese Zeit schon wach, aber das Erste, was er morgens macht, ist Tagebuch führen – er behauptet, er könne so bessere Entscheidungen treffen.

Zum Schreiben zieht er sich immer mit einer Tasse Kaffee in sein Büro zurück.

Im Foyer begrüße ich unseren Portier Karou, der mir irritiert nachschaut. Wahrscheinlich versteht er nicht, wie ein sechzehnjähriges Mädchen mit der Sonne aufstehen kann, um eine Runde im Central Park zu joggen. Aber er will auch keine Kleider von Massimo tragen und sein Hintern muss nicht in die Shorts von Michele passen.

»Guten Lauf«, ruft er mir nach, bevor ich durch die Drehtür auf die Lexington Avenue trete und mich ein Schwall kühler Sommerluft umfängt. Trotz der Uhrzeit ist an der Upper East Side schon die Hölle los. Ich begrüße ein paar Freunde meiner Eltern, die schon auf dem Weg zur Arbeit sind, und jogge langsam los, um meinen Körper schonend an die Bewegung zu gewöhnen.

Laufen ist echt nicht mein Ding. Und trotzdem schlage ich jeden Morgen um Punkt halb sechs auf meinen Wecker, ziehe mich an, putze mir die Zähne und verlasse um zehn vor sechs das Gebäude, um über die 85. Straße in den Central Park zu gelangen. Dort treffe ich mich meistens mit meiner Freundin Roxy, um mit ihr eine Runde um das Central Park Reservoir zu drehen.

Wenn sie nicht verschläft.

Als ich den Eingang des Central Parks erreiche, ist von ihr weit und breit nichts zu sehen. Ich halte gar nicht erst an, denn wenn sie nicht pünktlich ist, hat sie definitiv verschlafen. Wenn ich hier zu lange auf sie warten würde, würde ich nur den zweiten Grund verpassen, wegen dem ich mich jeden Morgen so früh aus dem Bett quäle. Ganz abgesehen davon könnte sie mich sowieso einholen.

Ich bin nicht die Einzige, die sich jeden Morgen um das Reservoir schleppt, und so begrüße ich die Jogger, die mir regelmäßig entgegenkommen, mit einem Nicken.

Der Weg um den See ist anderthalb Meilen lang, deswegen laufe ich ihn im Moment immer zwei Mal. Für ein drittes Mal habe ich nur am Wochenende Zeit.

Wenn ich gewusst hätte, dass Roxy mich hängen lässt, hätte ich mir Musik mitgenommen, aber so bleibt mir nichts anderes übrig, als dem Zwitschern der Vögel und dem dumpfen Aufschlagen meiner Schuhe auf dem Asphalt zu lauschen, während ich mich abrackere.

Nach der ersten Runde überlege ich wie jedes Mal, ob es nicht für heute schon genügt. Aber dann denke ich daran, wie sich ein paar Pfund zu viel in den Videos und auf den Instagram-Fotos auswirken. Das reicht aber meistens nicht, um mich zu einer zweiten Runde zu überzeugen. Am Ende ist es immer er, der mich motiviert durchzuhalten.

Auch heute kommt er mir entgegen. Sobald ich King Louis entdecke, werden meine Schritte länger, meine Haltung aufrechter. Der dreibeinige Mops stromert gerade durch das Gebüsch am Uferrand, weil er offensichtlich einen interessanten Geruch in der Nase hat. Keine Minute später entdecke ich auch ihn.

Toby.

Seine große, schlaksige Gestalt ist kaum zu übersehen. Er hat die braune Lederleine um seinen Oberkörper geschlungen, damit er die Hände frei hat. King Louis läuft immer leinenlos, wenn er nicht gerade an einer vielbefahrenen Straße unterwegs ist. Er weicht Toby sowieso nie von der Seite.

»Guten Morgen«, begrüßt er mich mit einem breiten Lächeln.

Atemlos erwidere ich seinen Gruß, darauf bedacht, die Brust rauszustrecken und den Bauch einzuziehen, und jogge an ihm vorbei. So läuft das jeden Morgen: Er kommt mir entgegen und wir grüßen uns, als würden wir uns sonst nicht sehen. Ich spüre seinen Blick in meinem Rücken und strenge mich ganz besonders an, nur um hinter der nächsten Kurve atemlos stehenzubleiben.

Wenn er wüsste, dass ich nur wegen ihm eine zweite Runde laufe, würde er mich wahrscheinlich auslachen. Es ist ja auch verrückt. Aber es fühlt sich an, als würde ich ihn sitzenlassen, wenn wir uns nicht schon vor der Schule sehen.

Vornübergebeugt atme ich tief durch. Ich spüre seinen Blick noch immer in meinem Rücken, aber das kann nicht sein. Hier kann er mich nicht sehen. Sobald ich genug Atem geschöpft habe, verfalle ich in einen langsamen Trab, um den restlichen Weg hinter mich zu bringen.

In der Küche herrscht bereits rege Betriebsamkeit. Dad sitzt an der Theke, trinkt Kaffee und liest die Nachrichten auf seinem Tablet.

»Guten Morgen, Lizzie«, begrüßt er mich.

»Hey Dad.« Ich gehe zu ihm, um ihm einen Kuss auf die Wange zu geben. Sein roter Bart kratzt, aber das gehört schon immer zu ihm. Er fragt mich, wie meine Runde war. Wir reden kurz über meine Zeit und darüber, dass ich mein Training weiter ausbauen sollte, wenn ich Fortschritte sehen will. Anschließend verabschiede ich mich unter die Dusche.

Dort kehre ich zu den Gedanken zurück, die mich seit gestern Abend nicht mehr loslassen.

Deutschland. Stewart ist gemein. Er weiß ganz genau, dass sein Sohn nicht gern neue Menschen kennenlernt, und trotzdem würde er ihn eiskalt auf eine neue Schule schicken. In ein neues Land, dessen Sprache Toby kaum spricht.

Wir müssen das unbedingt verhindern!

Während ich mir die Haare wasche, denke ich über die Möglichkeiten nach, die wir haben. Tobys Nebenjob in der Tierklinik wird Stewart wohl kaum als Grund zum Bleiben gelten lassen, immerhin hat das überhaupt nichts mit der Wall-Street-Karriere zu tun, die er für seinen Sohn geplant hat. Auch unsere Freundschaft wird ihn nicht interessieren, wenn ihm schon die Wünsche seines Sohnes am Arsch vorbeigehen.

Aber das ist vielleicht das Problem: Er kennt die Wünsche seines Sohnes gar nicht, weil er nie mit ihm darüber redet. Was Toby wirklich will, verbirgt er unter mehreren Schichten aus Selbstlosigkeit und Rationalität. Nicht einmal Jamie weiß, was in Tobys Kopf wirklich vorgeht.

Dieses Mal kann ihn sein Bruder nicht retten. Das muss er schon selber machen. Wenn er seinem Vater sagen würde, dass er auf gar keinen Fall nach Deutschland gehen will, bliebe Stewart gar nichts anderes übrig, als das zu akzeptieren. Aber so wie ich Toby kenne, wird er tun, was er immer tut: Die Fäuste zusammenballen und seinem Schicksal sang- und klanglos entgegentreten. Das muss ich verhindern! Nur wie?

Frustriert blase ich die Wangen auf.

 

»Du stehst im Licht, Dev.« Genervt wackle ich mit der Hand, um meinen großen Bruder zu verscheuchen.

Devon drückt sich an mir vorbei und holt eine Schale aus dem Schrank, die er mit einer Portion Cornflakes füllt.

»Musst du jeden Morgen dein Frühstück fotografieren?«

Ich stiere zu ihm hinüber, bis er entschuldigend die Hände hebt. Schließlich wende ich mich wieder meiner Schüssel zu, in der ich Joghurt, frische Beeren und Haferflocken mühevoll angerichtet habe. Mit dem Handy schieße ich ein Foto davon, dann noch eins – und noch einige mehr –, bis es endlich so aussieht, wie ich es mir vorstelle.

Dad kommt in die Küche, um sich Kaffee nachzuschütten und wirft einen Blick über meine Schulter. »Musst du jeden Morgen dein Frühstück fotografieren?«

»Echt jetzt?« Ich drehe mich um und beobachte, wie Dev und Dad sich abklatschen. »Sehr witzig.«

Ich stelle meine Schüssel an meinen Platz, hole mir einen Kaffee und setze mich hin, um mein Frühstück zu essen. Bevor ich mir allerdings den ersten Löffel in den Mund schieben kann, fragt Dad, ob ich ihm seine Krawatte binde.

Wie jeden Morgen rutsche ich wieder von meinem Stuhl, schlinge das Teil um seinen Hals und binde es ordentlich. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er das selbst kann, aber aus irgendeinem Grund fragt er mich trotzdem immer.

»Ist alles okay?«, frage ich. »Du siehst müde aus.«

»Bin ich.« Wie zur Untermalung gähnt er. »Der Fall, an dem ich gerade arbeite, ist anstrengend. Meine Klientin treibt mich in den Wahnsinn. Ständig fallen ihr neue Details ein, die auf ihre Richtigkeit überprüft werden müssen, bevor wir weitermachen können.«

»Meinst du den Monti-Fall?«, hake ich nach. Mein Vater vertritt eine fünfundsiebzig Jahre alte Frau, die zu einer der Mafia-Familien New Yorks gehört. Ihr Gedächtnis scheint einem Sieb zu gleichen.

»Mhm.« Dad zupft an seinem Kragen und bedankt sich, in dem er eine Hand auf meinen Kopf legt und mir die Frisur zerzaust. »Meiner Meinung nach gehört die Frau in ein Pflegeheim und nicht in einen Gerichtssaal.«

»Hat sie den Mord gesehen?«

»Du bist ganz schön neugierig.« Dad runzelt die Stirn und setzt sich an den Küchentisch, um seinen Kaffee in Ruhe auszutrinken. »Wir wissen ja nicht mal, ob es überhaupt einen Mord gegeben hat. Schließlich gibt es immer noch keine Leiche.«

»Vielleicht ist das ja nur eine Hinhaltetaktik?«, mutmaße ich, während ich meinen Zopf in Ordnung bringe.

»Klar«, mischt Dev sich ein. »Du guckst echt zu viel How to Get Away With Murder.«

»So schlecht ist die Idee gar nicht.« Dad lächelt mich stolz an. »Aber in die Richtung hat die Polizei schon ermittelt. Ich glaube nicht, dass ihre Demenz vorgeschoben ist.«

»Fütterst du unsere Kinder schon vor dem Frühstück mit Gerichtsfällen, Gray?« Mom kommt aus Eddys Zimmer. Über ihrem blauen Satin-Nachthemd trägt sie einen passenden Bademantel und reibt sich müde über die Augen. Wenn sie von einem Dreh nach Hause kommt, ist sie tagelang so müde und erschöpft, dass sie es kaum auf die Reihe kriegt, sich um uns zu kümmern. Erst ein paar Tage später mutiert sie zur Supermom. So lange müssen wir uns darauf verlassen, dass Dad alles im Griff hat, was Dev und ich nicht selbst regeln können. An den Tagen, an denen er zu viel arbeitet, ist unser Kindermädchen Agatha hier oder Eddy klebt an meiner Backe.

Dad schmunzelt und verspricht, die grausamen Details erst nach dem Abendessen zu verkünden.

Mom lehnt sich seufzend gegen den Türrahmen. »Eddy ist krank.«

Mein Löffel fällt klirrend in die Schüssel.

Mein. Bruder. Ist. Krank.

»Ich war gestern noch mit ihm im Met«, flüstere ich mehr zu mir selbst als zum Rest der Familie und springe panisch auf, um mir Vitamin C-Tabletten aus dem Küchenschrank zu holen. Ich darf jetzt nicht krank werden, sonst verpasse ich die Hochzeit! »Wie schlimm ist es?«

In Gedanken gehe ich schon alle anderen Schutzmaßnahmen durch, die mir einfallen. Ich will gerade fragen, ob ich so lange bei Toby einziehen darf, als mir einfällt, dass die Williams heute schon in die Hamptons aufbrechen.

»Kann ich nicht mitfahren?«, frage ich. »Heute schon? Mit Toby?«

»Süße, was ist los?« Dad blinzelt mich über den Rand seiner Kaffeetasse hinweg an. »Hast du solche Angst davor, dich anzustecken?«

»Dad, es geht um die Hochzeit.« Ich werfe einen Blick über die Schulter, um zu sehen, dass Eddy auch brav in seinem Bett liegt und seine Viren nicht in der Küche verteilt. So sehr ich meinen kleinen Bruder liebe, die Hochzeit versaut er mir nicht. »Lily und Rose verlassen sich darauf, dass ich ihnen das Make-up mache. Glaubst du, die freuen sich, wenn ich ihnen mit virenverseuchten Fingern im Gesicht herumtatsche?«

Dad lacht laut auf. Ich will weiter auf ihn einreden, doch er winkt schon ab. »Du hast ja recht. Eine Erkältung können wir jetzt alle nicht gebrauchen und -«

»Es ist Magen-Darm«, unterbricht Mom ihn.

»Das sagst du erst jetzt?« Dad springt auf, nimmt seine Tasse und schüttet den restlichen Kaffee in den Abfluss. »Ich merke gerade, ich bin schon viel zu spät dran. Lizzie, ich rufe gleich bei Stewart an und frage, ob sie dich nachher mitnehmen können.« Er drückt mir einen Kuss auf die Wange und geht zu Mom, doch bevor er sich zu ihr hinüberbeugen kann, um sie zu küssen, fällt ihm wohl ein, dass sie gerade erst im Krankenzimmer war. »Ich liebe dich«, sagt er also, grinst sie frech an und verlässt im Eiltempo die Wohnung.

»Er ist gar nicht spät dran, oder?« Mom verschränkt die Arme vor der Brust und schaut ihm belustigt hinterher. Dev und ich schütteln den Kopf. Normalerweise verlässt Dad das Appartement zusammen mit uns.

Aber nicht nur Dad - auch Dev scheint es plötzlich eilig zu haben. Er schaufelt seine Cornflakes in einer rekordverdächtigen Geschwindigkeit hinunter, schnappt sich seine Tasche und verlässt die Wohnung mit einer hastigen Verabschiedung.

Mom schaut mich an. Ertappt lasse ich mich auf den Stuhl fallen.

»Ist ja gut«, murmle ich. »Ich esse in Ruhe auf, aber dann muss ich wirklich los.«

Sie lächelt. »Du wirst schon nicht krank. Deine Sachen sind bereits gepackt, oder?«

»Noch nicht alles. Meine Kameraausrüstung fehlt noch.« Ich verziehe den Mund. So viel Gepäck für eine Woche in den Hamptons. »Aber das verstaue ich nach der Schule.«

»Frag doch Toby, ob du bei ihm schlafen kannst, bis Eddy wieder gesund ist«, schlägt sie vor. »Das Ferienhaus der Williams ist groß genug, um dich auch noch unterzubringen, und so bleibst du auf jeden Fall fit.«

»Danke, Mom.« Erleichtert schaufle ich den Rest meines Müslis in mich hinein und breche schließlich auf, nicht ohne vorher Desinfektionszeug in meine Tasche zu stecken und mir die Hände nach dem Verlassen der Wohnung zu desinfizieren.

Sicher ist sicher.

 

[3]

Unsere High School befindet sich gleich in der Nachbarschaft. An der Ecke 85. Straße/Park Avenue treffen Toby und ich uns mit Roxy und Ben, um mit ihnen die letzten hundert Fuß zur Schule zu laufen.

»Wo warst du heute Morgen?«, frage ich, während Roxy mir eine kleine Papiertüte hinhält. »Die Runde war drei Mal so anstrengend ohne dich.«

Roxy lacht. »Erzähl keinen Unsinn. Die Aussicht war bestimmt atemberaubend.«

Ich stoße ihr einen Ellbogen in die Rippen, stelle im nächsten Moment aber beruhigt fest, dass Toby längst in ein Gespräch mit Ben versunken ist.

»Bist du verrückt?«, raune ich ihr zu. »Was, wenn er das gehört hätte?«

»Na und?« Ihre braunen Augen funkeln mich belustigt an. »Dann wüsste er, dass die Aussicht heute Morgen toll war.«

Ich verdrehe die Augen. Toby hätte wahrscheinlich wirklich keinen blassen Schimmer, dass Roxy von ihm redet. Er würde es ja nicht mal merken, wenn sie von einem gutaussehenden Kerl mit Hund sprechen würde. Dafür ist er einfach nicht der Typ.

Ich werfe einen Blick in die Tüte. »Ist das ein Wiedergutmachungs-Bagel? Eine Ausrede hätte auch gereicht.«

Sie deutet mit einem Rucken ihres Kopfes auf Ben. »Der Troll hat mich mitten in der Nacht geweckt.«

»Warum das denn?«

»Er hat sich ausgesperrt«, sagt sie in einem pikierten Ton, der Ben aufhorchen lässt. Er dreht sich um, dabei wehen ihm seine langen Haare ins Gesicht.

»Ich habe mich nur ausgesperrt, weil du meinen Schlüssel gestern ausgeborgt hast.«

»Das hätte dir auch mal früher auffallen können«, erwidert Roxy. »Dann hättest du mich nicht um halb drei aus dem Bett klingeln müssen.«

Belustigt beobachte ich die beiden. Seit einigen Monaten sind sie Stiefgeschwister und jeder merkt, wie sehr sie aufeinander stehen. Aber Roxy, deren Fitnessvideos noch erfolgreicher als meine Modevideos sind, wird vermutlich niemals einen Schritt auf Ben zu machen, weil ihr das moralisch verwerflich vorkäme.

»Das war die Rache dafür, dass ich dich letztens von diesem Spinner abholen musste.« Ben stellt sich ihr in den Weg. »Da hast du auch nicht drüber nachgedacht, ob ich vielleicht etwas zu tun habe.«

»Ach komm schon, wir wissen beide, dass du nur zu Hause rumgesessen und gezockt hast.«

»Vielleicht war ich ja auch bei meiner Freundin.« Er wackelt vielsagend mit den Augenbrauen. Das reicht, um Roxy verstummen zu lassen.

Ich schaue neugierig zu Toby, der stehen geblieben ist und abwesend in den Himmel blickt. Er wippt mit den Füßen. Ihn brauche ich vermutlich gar nicht fragen, ob Ben wirklich eine Freundin hat – er kriegt sowieso nichts mit. Und Roxy offensichtlich auch nicht, denn sie wirft mir einen irritierten Blick zu.

Ich zucke mit den Schultern, schiebe meinen Arm unter ihren und ziehe sie weiter, weil wir sowieso schon spät dran sind. Als wir Toby erreichen, stupse ich ihn an.

»Was ist los?«

Er blinzelt mich verwirrt an. »Ich glaube, heute gibt es Regen.«

»Hm.« Ich hebe den Blick. Blassblauer Himmel, keine Wolken, nur das Sonnenlicht, das sich in Glasfassaden bricht. »Ich frag lieber nicht, wie du darauf kommst.«

 

Letzte Schultage haben sich schon immer witzlos angefühlt. Genauso ist es heute. Wir sitzen herum, hören unseren Lehrern sowieso nicht mehr zu, während sie panisch versuchen, noch etwas Wissen in unsere Köpfe zu quetschen, bis wir schließlich unsere Prüfungsergebnisse bekommen und alle mehr oder weniger zufrieden in die Ferien starten können.

Weil Roxy und Ben aber mit ihren Eltern die Stadt verlassen, um die Sommerferien irgendwo im Hinterland auf einer Farm zu verbringen, gehen wir zusammen in unser Lieblingsrestaurant.

Ein Abschiedsessen sozusagen, bevor sich unsere Wege fürs Erste trennen.

Wir sind nicht die Einzigen, die auf die Idee gekommen sind, nach der Schule eine Pizza zu essen und so ist es bei Mario gerammelt voll. Glücklicherweise haben wir einen Tisch reserviert, unser Stammplatz ist uns also sicher.

Ich lasse mich neben Toby auf die schmale Sitzbank fallen, hole mein Handy aus der Tasche und schiebe sie unter den Tisch. Als ich den Bildschirm entsperre, öffnet sich das Bild von meinem Frühstück, das ich noch nicht bei Instagram hochgeladen habe.

»Ganz schnell.« Ich deute auf mein Handy und bin schon dabei, die Filter so einzustellen, wie es gerade zu meinem Kanal passt, um das Foto hochzuladen. Es ist zwar längst Mittag, aber da mir Menschen aus der ganzen Welt folgen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass irgendjemand gerade frühstückt und mein Bild sehen könnte. Ich setze noch einen kurzen Kommentar mit diversen Hashtags darunter, bevor ich das Handy mit dem Display nach unten auf den Tisch lege und mich zurücklehne.

Ben und Toby diskutieren gerade über irgendein Spiel, das vor ein paar Tagen erschienen ist und sich schnell zu einem Zeiträuber gemausert hat. Roxy sitzt mit ihrem Handy da und checkt die Statistiken ihres neusten Videos.

»Und wie läuft es?«, frage ich sie. Sie rattert ein paar Zahlen herunter, von denen ich nur träumen kann, und hält mir den Titel ihres aktuellen Videos unter die Nase: Arsch und Beine – so wird dein Sommer wirklich sexy!

»Ich sollte immer solche aufreibenden Titel wählen«, sagt sie lachend. Damit hat sie definitiv einen Volltreffer gelandet, denn ihr Upload hat jetzt schon über 50.000 Views.

Mit ihren Workouts und Rezepten konnte sie innerhalb eines Jahres unglaublich viele Abonnenten für sich gewinnen. Mit meinem Kanal hänge ich da noch hinterher. Style und Make-up sind zwar auch beliebt, aber irgendwie fehlt mir noch die geheime Zutat, um so bekannt zu werden wie Roxy.

Wir bestellen unser Essen und reden über die aktuellen Trends auf YouTube, bis auch die Jungs mit ihrem Thema endlich durch sind und wir uns den Sommerferien widmen.

»Wo war die Farm noch gleich?«

»Missouri.« Roxy verzieht das Gesicht. »Ehrlich, ich habe da echt null Bock drauf.«

»Es wird dir bestimmt gefallen«, meint Ben. »Grams ist großartig.«

Die Farm gehört seinen Großeltern. Sein Dad und er fahren jedes Jahr im Sommer dorthin, um ihnen bei den anstehenden Arbeiten zu helfen. Nun ist daraus ein Familienurlaub geworden.

»Die nächste Stadt ist meilenweit entfernt«, beschwert sich Roxy.

»Idylle pur«, hält Ben dagegen.

»Sterbenslangweilig.«

»Du hast doch mich.«

Roxy blickt Ben an, als wäre er ein kaputtes Einhorn. »Da kann ich mir genauso gut die Zeit mit dem kranken Esel vertreiben.«

»Der Esel ist krank?«, unterbricht Toby die beiden interessiert. Anscheinend ist der Esel auf einem Auge blind und schon ziemlich alt, aber Toby überlegt trotzdem, wie man sein Leben erleichtern könnte. Seit er in dieser Tierklinik arbeitet, versucht er ständig, Therapien für kranke Tiere zu finden.

Nicht, dass das nicht gut klappen würde. King Louis ist vor einem Jahr angefahren und als herren- und hoffnungslos in der Tierklinik abgegeben worden. Toby hat den Hund nach der OP aufgepäppelt. Dabei haben die beiden eine so enge Bindung aufgebaut, dass Toby es nicht übers Herz gebracht hat, den Hund zum Tierschutz zu geben. Also hat er ihn kurzerhand selbst aufgenommen.

Etwas Ähnliches ist mit seinen beiden Katzen Pixel und Lola passiert. Die sollten eigentlich nur kastriert werden, jedoch kam die Halterin leider bei einem Autounfall ums Leben und konnte die Katzen nicht mehr abholen. Statt die beiden Katzen abzugeben, hat er sie aufgenommen und bei Greg und Melanie untergebracht.

Auch einen Papagei hat er »übergangsweise« einziehen lassen, nachdem sich die Halterin nicht mehr gemeldet hat. Wenn Loriot nicht zwischenzeitlich an seiner Krankheit verstorben wäre, würde er heute noch bei Toby wohnen und alle Besucher wüst beschimpfen.

Es ist kein Wunder, dass Stewart allmählich zu viel kriegt.

 

[4]

Toby und ich sitzen auf der Rückbank eines Taxis mit einem indischen Fahrer, der zwar Englisch spricht, aber trotzdem kaum verständlich redet. Unser Gepäck ist im ganzen Auto verteilt. King Louis liegt zusammengerollt auf Tobys Schoß und lässt sich den Kopf kraulen. Pixel und Lola mussten wir zum Glück nicht mitnehmen, weil sie in der Stadtwohnung bleiben.

»Missouri wird die beiden zusammenschweißen«, sagt Toby gerade.

»Meinst du?« Dass Ben auf Roxy steht, ist offensichtlich, aber Roxy schwärmt momentan von diesem Maddox, der Musikvideos macht und exklusive Partys für YouTuber schmeißt. Obwohl beide Typen lange Haare haben und Ben die bessere Wahl wäre, fühlt Roxy sich sowieso immer von den Typen angezogen, die sich niemals in sie verlieben würden. »Ich glaube kaum, dass Roxy merkt, dass er auf sie steht.«

»Vielleicht muss er ihr das einfach mal sagen.« Toby zuckt mit den Schultern. »Vielleicht sieht sie ihn dann mit anderen Augen.«

»Hm.« Nachdenklich kaue ich auf meiner Unterlippe herum. Toby ist wie Roxy – nein, schlimmer. Er merkt überhaupt nichts in diese Richtung. Die letzten beiden Mädchen, die mit ihm ausgehen wollten, hat er abblitzen lassen, ohne überhaupt zu merken, was er da tut.

Dabei ist er mittlerweile wirklich kein Junge mehr. In den letzten Monaten ist mir immer häufiger aufgefallen, dass seine Stimme dunkler geworden ist – mit der Ausnahme gelegentlicher Aussetzer natürlich – und sich ein Bartschatten auf seinen Wangen abzeichnet. Seine Umarmungen fühlen sich mittlerweile auch anders an. Sie sind stärker, beschützender, wie die eines Menschen, der mir etwas bedeutet.

Ich schaue zu ihm. Er hat einen Arm auf dem Fensterrahmen ablegt, die andere Hand ruht nun auf King Louis’ Bauch. Seine Finger sind lang und geschickt. Perfekt, um Arzt zu werden.

Ich frage mich, wie die ideale Frau für ihn aussehen würde. Sie müsste definitiv mit ihm auf einer Wellenlänge sein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er mit einem dieser Dummchen ausgeht, weil sie dünne Beine und lange, blonde Haare hat. Auch wenn sein bekannter Familienname sicher reicht, um sich den Weg unter ihren Rock zu bahnen. Aber ich glaube nicht, dass er dafür der Typ ist.

Er begegnet meinem Blick. Ein Lächeln umspielt seine Lippen. »Was ist los?«

»Nichts, ich …« Ich verstumme und suche nach einer Ausrede. Mir fällt nichts ein, also klappe ich den Mund wieder zu und lächle ihn an.

»Meinst du, Eddy ist zur Hochzeit wieder fit?«

»Das hoffe ich doch«, erwidere ich, dankbar dafür, dass er das Thema einfach wechselt. »Er freut sich schon seit Tagen auf den Kuchen.«

Toby lacht. »Der Kleine ist echt verfressen.«

»Das muss er von meinem Dad haben.« Auch Dad kann mehrere Teller Kuchen verdrücken, ohne ein Pfund zuzunehmen. Das muss daran liegen, dass er so viel arbeitet. Ich glaube kaum, dass er an den Tagen im Gericht zum Essen kommt.

»Wie läuft es überhaupt im Monti-Fall? Gibt’s da inzwischen eine Leiche?«

Ich schüttle den Kopf. »Dad meint, seine Klientin gehört nicht in einen Gerichtssaal, sondern in ein Heim.«

Leise erzähle ich ihm von unserem morgendlichen Gespräch.

»Hm.« Toby schaut nach vorne. Wir stehen mitten im Stau und das Taxameter läuft. »Solange die Mafia nachher nicht hinter euch her ist.«

»Blödsinn.« Ich verdrehe die Augen. »Wir sind doch nicht in Hollywood. Dad hat doch schon einige Italiener vertreten und bisher ist noch nie was passiert. Wer weiß, ob die Frau überhaupt zur Mafia gehört.«

In dem Moment klingelt Tobys Handy. »Ja? Hi … wir sind auf dem Weg in die Hamptons … Die Hochzeit meines Bruders.« Toby schweigt, hört zu, schaut zu mir. »Ja«, sagt er schließlich zögernd. »Ich denke, das sollte klappen. Ist ja nur für den Sommer.«

Ich runzle die Stirn. Mit wem telefoniert er?

»Klar. Kein Problem. Bis gleich.« Er legt auf und wendet sich an den Fahrer. »Kleine Planänderung. Wir müssen noch mal zur Tierklinik.«

 

Eine Dreiviertelstunde später sitzen wir auf unseren Koffern vor der Tierklinik. King Louis knurrt die Transportbox an, in der ein kleiner, verängstigter Chihuahua kauert und panisch kläfft. Die Passanten machen einen großen Bogen um uns, was ich nur zu gut verstehen kann.

»Wusstest du, dass man mit Chihuahuas sogar Agility-Training machen kann?« Toby hockt sich vor die Transportbox und versucht die kleine Finja zu beruhigen. »Die meisten machen den Fehler und nehmen die Hunde bei Gefahr auf den Arm. So können sie überhaupt nicht lernen, damit umzugehen. Das Resultat siehst du hier. Finja ist total verängstigt, weil ihr Frauchen sie bestimmt immer nur auf dem Arm getragen hat. Aber auch ein Chihuahua will als Hund ernst genommen werden. Nicht wahr, Finja?«

Ungläubig schüttle ich den Kopf und fächere mir Luft zu. Ich schmelze, da interessieren mich seine Informationen zu Chihuahuas gerade herzlich wenig. Bin ich froh, dass ich heute Morgen wenigstens Sonnencreme aufgetragen habe. Sonst wäre ich jetzt schon knallrot.

»Das war echt eine bescheuerte Idee.«

Der Taxifahrer hat uns zur Tierklinik gebracht, weil die kleine Finja gerade noch herrenlos war. Als ihm klar wurde, dass er unser Gepäck und zwei Hunde in die Hamptons transportieren soll, hat er kurzerhand das Handtuch geschmissen und uns in der brüllenden Hitze stehen lassen.

»Ich versteh’s nicht. Eine Transportbox ist doch nicht so viel anders als ein Koffer.« Toby ist immer noch wütend auf den Taxifahrer, was die Laune der beiden Hunde nicht gerade hebt. »Ich hätte sie ja schlecht hierlassen können.«

»Hättest du schon«, werfe ich vorsichtig ein. »Es hätte sich bestimmt jemand gefunden, der auf sie aufpasst.«

Toby steht auf und schaut mich verständnislos an. »Und wenn nicht? Hätte sie dann den ganzen Sommer in dem kleinen Käfig hocken sollen?«

Ich seufze und hebe die Hände. »Du hast recht. Bei dir ist sie am besten aufgehoben.«

Er nickt zufrieden und dreht dann weiter seine Runden, während er versucht, ein neues Taxi für uns anzuhalten. Aber welcher Taxifahrer will schon Jugendliche mit zwei Hunden und einem Haufen Gepäck transportieren?

Ein Tropfen trifft mich an der Nase. Ich blinzle, schaue nach oben. Im nächsten Moment öffnen sich die Schleusen.

Woher auch immer Toby das schon wieder gewusst hat.

»Ich rufe bei meinem Dad an«, seufze ich, während ich Toby dabei helfe, unsere Sachen unter eine Markise in der Nähe zu ziehen. »Das hat doch keinen Sinn.«

Er schickt uns Dev mit dem Wagen vorbei, der angepisst ist, weil er nun den ganzen Tag im Auto verbringen darf. Mürrisch hilft er uns dabei, die Tiere und das Gepäck zu verstauen, bevor wir uns auf den Weg machen. Die Straßen sind rappelvoll. Die Strecke, für die wir normalerweise zweieinhalb Stunden brauchen, dauert heute vier und ist einfach nur die Hölle, weil Finja und King Louis nicht aufhören, sich gegenseitig fertigzumachen. Wenigstens hört der Regen schnell wieder auf.

Irgendwann verlassen wir endlich die Stadt und es dauert nicht mehr lange, bis die ersten Villen auftauchen. Das ist der Augenblick, den ich am meisten liebe. Wenn die Hektik der Stadt von mir abfällt und sich Ruhe in mir ausbreitet. Die Hamptons schreien nach Sommer. Nach Tagen am Strand, himmlischer Eiscreme, Lagerfeuern und Familienfeiern. Selbst die Hunde schweigen endlich.

Hier ist ein Grundstück schöner als das andere. Helle Fassaden, große Fenster, Einfahrten, die nach Kutschen verlangen, Springbrunnen, grüne Rasenflächen, egal wie trocken der Sommer ist. Große Autos, blitzblank geputzt, Männer, die geschäftig telefonieren, obwohl sie gerade Urlaub machen. Frauen mit kleinen Hunden auf dem Arm und riesigen Sonnenbrillen auf der Nase. Diese Frauen erkennt man ohne Make-up nur, wenn man schon etliche Filme oder Musikvideos mit ihnen gesehen hat.

Gigantisch hohe Zäune, die manchmal nur einen winzigen Einblick auf die Grundstücke bieten, Pools, Gartenhäuschen, in denen locker zwei Familien untergebracht werden können, Treppen hinunter zu Privatstränden.

Das sind die Hamptons.

Und ich liebe sie.

Wir biegen in die Straße ein, in der ich einen großen Teil meiner Sommer verbracht habe. Das Haus der Vanderbilts hat einen neuen Anstrich bekommen und auch das Haus neben unserem hat offenbar wieder jemand gekauft. An der Villa meiner Familie fahren wir heute allerdings vorbei und folgen stattdessen der Straße bis fast zum Strand. Dort, wo das Haus der Williams wie eine elegante, zweistöckige Kuchendekoration thront. Dev gibt den Code in das Zahlenfeld ein und das große, gusseiserne Tor gleitet auf.

Der cremeweiße Kies knirscht unter den Rädern, als wir die Auffahrt hinauf zum Haupteingang fahren. Der Rasen vor dem Haus sieht aus, als hätte man ihn per Hand getrimmt und überall stehen große Kübel mit Sträuchern und üppigen Blumen in den schönsten Farben. Vor der großen Garage neben dem Haus parken ein paar Autos und zwei Lieferwagen, von denen einer gerade die Tische für die Hochzeit liefert.

Wir halten an und steigen aus. Ich atme tief ein. Hier riecht es nach frischer, salziger Luft. Es ist auch nicht so warm wie in der Stadt, denn das Meer schickt eine angenehme Brise über die Hamptons.

Ich lasse meinen Blick über das riesige Haus wandern, über die schneeweiße Fassade, die großen Sprossenfenster mit den flaschengrünen Fensterläden. Das verwinkelte Dach, das jede Menge Platz für kleine Räume und Geheimverstecke bietet.

»Nächstes Mal fahrt ihr gefälligst mit der Bahn«, knurrt Dev. Ich reiße mich von dem Anblick los und blicke zu ihm. »Kommt bloß nicht auf die Idee, dass ich noch einmal die beiden Hunde hin- und herfahre.«

»Danke, Dev.« Ich stelle mich auf die Zehenspitzen und drücke ihm einen Kuss auf die Wange.

Er schüttelt belustigt den Kopf und zerwuschelt mir die Haare. »Irgendwann zieht das nicht mehr, Schwesterherz.«

»Bis es soweit ist, versuche ich es immer wieder.« Ich zwinkere ihm zu und lasse King Louis von der Leine. Toby nimmt sie mir ab, schlingt sie um seinen Oberkörper und wendet sich Dev zu.

»Danke, Mann.« Toby schlägt mit ihm ein. »Wenn du willst, kannst du gerne über Nacht bleiben.«

»Ich treffe mich später noch mit Clover und den anderen«, erwidert er zwinkernd. »Aber danke.«

Er setzt sich ins Auto und rauscht davon. Ich schaue ihm kurz nach, bevor ich Toby dabei helfe, unser Gepäck ins Haus zu bringen. Lilians Zwillingsschwester Rose öffnet die Tür, weil sie uns offenbar hat kommen sehen.

Als ihr Blick auf Finja fällt, japst sie überrascht auf. »Schon wieder, Toby?«

Zur Antwort erntet sie ein entschuldigendes Lächeln.

 

 

[5]

An den kommenden Tagen helfen Toby und ich mit der Bestuhlung und den Lichterketten im Garten, dem Falten der Menükarten und dem Vorbereiten der Gästezimmer im Haupthaus der Williams. Das ganze Haus schwirrt vor Beschäftigung. Überall huschen Menschen herum, die wir noch nie im Leben gesehen haben, und kümmern sich darum, dass alles perfekt ist.

Frauen in Stilettos marschieren geschäftig durchs Haus und überprüfen die Lieferung der Blumen und anderer Dekoelemente, während sie Anweisungen in ihre Headsets brüllen. Sie verwandeln den Garten und die überdachte Terrasse in einen Märchenwald.

Der Pool wird gereinigt, eine Bar und die Getränke herangeschafft, während wir Handtücher und Bettzeug auf die Zimmer des Hauses verteilen und überall die Fenster aufreißen, um die Vorfreude auf den großen Tag ins Haus zu lassen.

Am Abend vor der Hochzeit helfe ich Rose und Toby dabei, an den Stuhlreihen Blumengebinde zu befestigen, um den Gang für das Paar noch schöner zu gestalten.

»Ich muss zugeben, bei der Deko haben sie sich wirklich selbst übertroffen«, schwärme ich. »Es ist wunderschön.«

Rose grinst, als hätte sie die Deko selbst ausgewählt. »Ja, nicht wahr? Das wird eine Traumhochzeit.«

Wir seufzen gleichzeitig auf, während ich mir ausmale, dass es meine Hochzeit wäre. Mein Traum von einem Kleid, meine Blumen, mein Prinz, der vorne am Altar wartet. Ich frage mich, ob sie auch gerade darüber nachdenkt.

Toby räuspert sich und greift nach den Gebinden, um sich ein paar mit nach vorne zu nehmen. Auch Rose und ich machen uns wieder an die Arbeit, damit wir heute noch fertig werden.

Schließlich schaffen wir es aber doch und betrachten zufrieden unser Werk. Vor einem Hintergrund aus Lichterketten und Blumenranken steht ein weißer Torbogen, unter dem Jamie und Lily sich das Jawort geben werden. Davor führt ein schneeweißer Teppich über den englischen Rasen bis hin zu unseren Füßen und bildet einen Mittelgang zwischen den Stuhlreihen, die in der untergehenden Sonne aufleuchten. An ihren Außenseiten stehen noch mehr Blumenkübel, aus denen die Blüten förmlich hervorquellen.

Genauso sieht es auf der anderen Seite des Pools aus, auf dem morgen Abend lauter kleine Lichter schwimmen werden. Über der Tanzfläche sind Lichterketten gespannt, daneben stehen zwanzig runde Tische und bieten hundertsechzig Gästen Platz. Die Tischdecken sowie das festliche Geschirr und die Dekoration warten allerdings noch in einem der beiden Wohnzimmer und kommen erst morgen auf die Tische.

»Es ist der Wahnsinn«, erkläre ich mit einem glücklichen Lächeln auf den Lippen. So eine Hochzeit möchte ich auch irgendwann mal haben.

Toby steht neben mir und schaut mich schmunzelnd an.

»Was?«, frage ich.

»Ich weiß nicht, was ihr Frauen an sterbenden Blumen so toll findet«, erwidert er, aber ich kann ihm ansehen, dass auch er begeistert von diesem Traum ist.

Romantisch, verspielt, pompös. Das ist genau das Richtige für Jamie und Lily.

»Lass das nicht unser Traumpaar hören.« Ich knuffe ihn in die Seite.

»Lass uns was nicht hören?«

Wir drehen uns um. Jamie kommt auf uns zu. Er trägt ein Shirt mit der Aufschrift »No Beard – No Problem!« und sieht aus, als wäre ihm schon ganz schlecht vor Aufregung.

»Dass Lily der Chef in eurer Ehe sein wird«, erklärt Toby belustigt. Jamie hebt eine Hand und wuschelt ihm durch die Haare. Er duckt sich weg, aber ich weiß, wie abgöttisch Toby seinen Bruder liebt. Dementsprechend wird ihn das kaum stören. »Ich habe mit Comics und Superhelden gerechnet, nicht mit Blumen, wohin das Auge reicht, und einer Torte mit Zuckergussdeko.«

Jamie grinst. »Enttäuscht?«

»Ein bisschen.« Toby lacht und wir gehen zurück ins Haus, um den Abend vor der Feier zu genießen.

Die Stimmung ist ausgelassen, sogar Stewart hat seinen Anzug gegen ein T-Shirt und eine Jeans getauscht und steht nun am großen Steinofengrill auf der Terrasse, um alle mit Steaks zu versorgen.

Das Wohnzimmer, in dem wir heute essen, ist mittlerweile gut gefüllt, da viele der Gäste schon in den letzten Tagen angereist sind.

Toby und ich nehmen uns einen Teller, füllen ihn am Sideboard mit Salat, bevor wir uns jeweils ein Steak aufladen lassen. Dann suchen wir uns einen Platz zwischen den anderen.

Cameron und Alina – die gleichzeitig die Hochzeitsfotografin ist –, Lilys beste Freundin aus Deutschland und ihre Zwillingsschwester Rose sowie der Trauzeuge Ash und seine Freundin Cami. Außerdem natürlich Eltern und Großeltern – alle finden einen Platz in diesem Haus, sodass Toby und ich freiwillig ins Gästehaus gezogen sind.

Die Luft ist gefüllt von Gesprächen auf Englisch, Deutsch und händ-und-füßig, überall wird gelacht, überall kochen die Emotionen hoch, weil sich alle so sehr für Lily und Jamie freuen.

Ich mache Platz für Tobys Grandma Jane und setze mich auf den Boden, meinen Rücken gegen Tobys Beine gelehnt, obwohl Jane das gar nicht gut findet und am liebsten wieder aufstehen würde. Ich erkläre ihr, dass es mir nichts ausmacht, auf dem Boden zu sitzen. Ich bin ja nicht einmal die Einzige, sogar Ash und Cami sitzen auf dem Boden.

»Ihr und eure jungen Knochen«, kommentiert Jane und widmet sich ihrem Essen. Als Jamie, Lily und Ash beginnen, Geschichten aus ihrem WG-Leben zu erzählen, hören wir ihnen gespannt zu, bis die Sonne schließlich längst untergegangen ist und sich die älteren Generationen ins Bett verabschieden.

Später helfe ich den anderen dabei, die Teller in die Küche zu bringen und sie in die Spülmaschine zu räumen, bevor ich mich zu Toby geselle, der gerade mit Cameron und Alina spricht.

»So schlecht ist es wirklich nicht«, erklärt Cameron, der für ein Jahr in Deutschland gewesen und dort auf Alina getroffen ist. »Und wer weiß, vielleicht lernst du ja auch eine bezaubernde Freundin kennen.«

Er legt einen Arm um Alina, die über beide Ohren grinst.

»Ich weiß nur nicht, ob ich da so gut aufgehoben bin.« Toby runzelt die Stirn und schaut zu mir.

»Redet ihr über den Vorschlag deines Dads?« Plötzlich liegt mir das Essen schwer im Magen. Seit wir hier sind, haben wir noch nicht darüber geredet, wie wir Stewart die Idee aus dem Kopf schlagen können. »Gibt es etwa schon was Neues?«

Toby hebt abwehrend die Hände. »Nein, keine Sorge. Ich habe nur Cameron gefragt, wie ihm Deutschland so gefallen hat.«

Warum interessiert dich das überhaupt, würde ich ihn am liebsten fragen, aber weil Cameron und Alina mich schon schräg ansehen, setze ich ein unechtes Lächeln auf und verabschiede mich.

 

Der Weg durch den Garten ist bei Nacht am schönsten. In den Sommernächten weht ein leichter Wind, von dem die Blätter der Orangen- und Apfelbäume leise rascheln. Der Pool ist in ein sanftes Licht getaucht, die Wasseroberfläche liegt so ruhig da, dass ich am liebsten hineinspringen würde. Heute ist das Haupthaus hell erleuchtet, hinter den zahlreichen Fenstern und Balkonen brennen Lichter, Schatten bewegen sich und gehen ihren Vorbereitungen für die Hochzeit nach.

Aus der Ferne dringt Musik zu mir heran. Irgendwo in der Nachbarschaft scheint jemand eine Party zu feiern.

Ich gehe über den steinernen Weg an den runden Tischen und den Stuhlreihen für die Zeremonie vorbei.

»Liz, warte!«

Ich drehe mich um. Toby zieht die Schiebetür zu und kommt zu mir. Er sieht genauso müde aus wie ich mich fühle.

»Ist alles okay?«, fragt er, als er mich erreicht hat.

»Klar.« Ich wende den Blick ab und mache ein paar Schritte in Richtung Gästehaus, bevor ich schließlich stehen bleibe und mich wieder zu ihm drehe. »Also, ehrlich gesagt: Nein. Ich find’s total blöd, dass er dich nach Deutschland schicken will.«

»Das wird er nicht.« Toby legt einen Arm um meine Schultern, um mich zum Gästehaus zu führen. »Er hat nicht noch mal davon gesprochen. Vielleicht denkt er ja gar nicht mehr dran. Und wenn doch, lassen wir uns etwas einfallen. Ich gehe nicht nach Deutschland.«

Das lässt das dumpfe Gefühl in meiner Magengrube leider auch nicht verschwinden. Ich nicke bloß und folge ihm durch einen Torbogen in einen kleinen Gartenbereich, den wir früher immer Zaubergarten genannt haben, weil hier alles wild wächst und dadurch verwunschen aussieht. Es ist das einzige Zugeständnis, das Stewart seiner Exfrau – und uns – zuliebe gemacht hat. Während alles andere ordentlich und teuer aussieht, scheint sich hier die gute Seele des Hauses zu verstecken.

Ich bleibe an den Wildrosen stehen, hebe meine Hand an einen zarten Blütenkopf und schnuppere vorsichtig daran. Das habe ich früher schon immer gemacht. Dabei habe ich mich immer wahnsinnig erwachsen gefühlt, fühle ich mich immer noch. Sechzehnjährige schnuppern nicht so an Rosen. Das machen nur richtige Frauen, welche von der Art, die Rosen von ihren Liebhabern geschenkt bekommen und sich für die schönen Dinge im Leben begeistern können. Frauen, wie ich gerne eine werden würde.

»Weißt du noch, wie wir früher immer Familie gespielt haben?« Toby geht an mir vorbei zu dem kleinen, runden Platz vor dem Haus, dessen Pflaster ein wunderschönes Muster bildet, auf dem ein rostiger Tisch mit zwei Stühlen aus Gusseisen steht.

Tobys Gesicht liegt im Dunkeln. Wie ist es möglich, dass er ständig die gleichen Gedanken hat wie ich?

»Klar, erinnere ich mich.« Ich lächle, lasse die Rose los und gehe zu ihm. Mein Blick gleitet über die Fassade des Hauses, die wie alles auf dem Grundstück von Scheinwerfern angestrahlt wird. Das Haus ist eigentlich ein Cottage aus hellen Backsteinen. Nur das Schlafzimmer befindet sich unter dem spitzen Dach und ist über eine kleine, schmale Treppe zu erreichen.

Für uns war es früher schon immer ein Erlebnis, wenn wir im Sommer hier übernachten durften. Als wir noch klein waren, hat Jamie auf uns aufgepasst. Später durften wir allein hier schlafen. Wenn man überhaupt von schlafen reden kann – die meisten Nächte haben wir mit Popcorn und Schwarz-Weiß-Filmen auf der kleinen Ledercouch verbracht. Oft sind wir erst in den frühen Morgenstunden ins Bett gekrochen und wenige Zeit später aufgestanden, um an den Strand zu gehen oder im Pool zu schwimmen.

»Jamie musste immer den Sohn spielen«, erinnert Toby sich belustigt. »Ich glaube, das fand er nicht so toll.«

»Wir waren grauenhafte Eltern. Wir haben uns immer gestritten.«

Er grinst mich verschlagen an. »Kein Wunder, oder? Beste Freunde sind eben nicht dafür gemacht, eine Familie zu gründen.«

Ich lache auf, ein bisschen zu laut, aber er merkt es hoffentlich nicht. Schließlich fahre ich ihm durch die Haare. »Komm, bester Freund, lass uns schlafen gehen.«

 

 

[6]

Die andere Bettseite ist leer, als ich die Augen aufschlage. Toby ist schon weg. Auf seinem Kopfkissen liegt ein Zettel, auf dem steht, dass er schwimmen gegangen ist.

Ich gehe nach unten, esse einen Apfel zum Frühstück, als mir klar wird, dass ich sowieso schon ziemlich spät dran bin, und wechsle in High-Waist-Shorts und ein marineblaues Crop Top. Meine Haare binde ich zu einem unordentlichen Pferdeschwanz zusammen.

Nach dem Zähneputzen packe ich alles zusammen, was ich brauche, um die Frauen zu schminken, die heute ein Make-up von mir bekommen sollen. Als Lily mich gefragt hat, ob ich Lust dazu habe, war ich natürlich sofort dabei. Immerhin ist Schminken und Mode meine Leidenschaft. Dass ich sogar ihr Make-up machen darf, hat mich dann aber doch überrascht. Meine einzige Qualifikation ist schließlich mein YouTube-Kanal. Da muss sie schon großes Vertrauen in meine Fähigkeiten haben, wenn sie glaubt, dass ich das genauso gut kann wie jemand, der eine Ausbildung darin gemacht hat.

Auf dem Weg zum Haupthaus finde ich Jamie und Toby im Pool. Die beiden ziehen ruhig ihre Bahnen. Toby schwimmt zum Rand, als er mich entdeckt.

»Guten Morgen«, zwitschert er ungewohnt ausgelassen. Das ist sonst immer mein Part.

»Morgen«, grummle ich. »Du hättest mich ruhig wecken können.«

»Sonst willst du auch immer ausschlafen.« Er zuckt mit den Schultern, seine gebräunte Haut schimmert im klaren Wasser.

»Aber doch nicht an so einem Tag!«, rufe ich verzweifelt aus.

Er grinst, fährt sich durch die Haare, die feucht in der Morgensonne funkeln, und stößt dann eine Wasserladung in meine Richtung, um mich nass zu machen.