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Eines Morgens sind auf einem Biobauernhof im Bayerischen Wald alle Hühner tot. Die Bewohner vermuten ein Verbrechen, und Hans Herzog, genannt Duke, soll es aufklären. Denn der war mal Privatdetektiv. Bei der Recherche begegnet ihm zufällig seine große Liebe Sam wieder. Und die braucht seine Hilfe, denn ihr Freund Tim ist verschwunden, nachdem er einen Konservenkonzern und ein Millionenvermögen geerbt hat. Duke findet heraus, dass ein Killer auf Tim angesetzt wurde, und entdeckt eine Verbindung zum Tod der Hühner. Viel zu spät wird ihm klar: Er ist schon längst selbst ins Visier der Mörder geraten …
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Seitenzahl: 327
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Hans Kurz
Hühnertod
Ein Fall für Duke
Kriminalroman
ars vivendi
Vollständige eBook-Ausgabe der im ars vivendi verlag erschienenen Originalausgabe (1. Auflage 2013)
© 2013 by ars vivendi verlag
GmbH & Co. KG, Cadolzburg
Alle Rechte vorbehalten
www.arsvivendi.com
Lektorat: Stefan Imhof
Umschlaggestaltung: ars vivendi verlag unter
Verwendung einer Fotografie von jala / photocase.com
Datenkonvertierung eBook: ars vivendi verlag
eISBN 978-3-86913-329-4
»Ruf die Hühner, Kastrat,
das Leben kotzt mich an!«
Benoît Sokal
Der aufrechte Hund
1
Alex, die immer mit dem ersten Hahnenschrei aufstand, hatte verschlafen. Ich erwachte von ihrem Schrei. Er war so durchdringend, dass ich mir die Daunendecke schützend über beide Ohren zog. Da selbst das nichts half, trat ich tapfer die Flucht nach vorn an. Ich schleppte meinen bierschweren Schädel samt Unterbau ans Fenster und blickte hinaus. Draußen im Garten, im strömenden Regen, liefen Alex, Gina, Joe und Hacker wie aufgescheuchte Hühner herum, während das ganze Federvieh mausetot im Freilaufgatter lag. Alex sah zum Fenster hoch, erblickte mich, sagte kurz was zu Gina und rannte los. Als sie ins Zimmer stürzte, hatte ich mir gerade frische Unterwäsche angezogen und war dabei, in die Jeans der Vorwoche zu steigen.
»Du musst sofort was unternehmen, Duke! Du kennst dich da doch aus. Bestimmt steckt der Eierkopf dahinter.«
Ich folgte Alex nach unten. Dass sie mich zur Abwechslung mal wieder Duke genannt hatte, war ein untrügliches Anzeichen dafür, dass die Dinge hier irgendwie schiefliefen. Das taten sie meiner Meinung nach aber schon seit geraumer Zeit. Und die schrägen Vögel, die daran einen wesentlichen Anteil hatten, standen nun allesamt zwischen den toten Hühnern herum und schauten betroffen drein. Ungefähr die Hälfte der Tiere lag tot im Stall. Waren offenbar nachts einfach von der Stange gefallen. Der Rest war noch rausgelaufen. Aufgescheucht von wem oder was?
»Marder war’s keiner«, stellte ich mit Blick auf die zwar teils skurril verkrümmten, aber äußerlich unversehrten Hühner fest.
Josef Prohaska, der Wiener, der seit seiner wundersamen Wandlung vom Szeneliteraten zum Schollendichter nicht mehr Joe, sondern – ganz bewusst – wieder Sepp genannt werden wollte, hielt ausnahmsweise mal den Mund. Der schweigsame Franz Reitmaier, der nur Hacker gerufen wurde – nicht wegen seiner Computerkenntnisse, sondern weil er so geschickt das Beil schwang, ganz gleich, ob es galt, das Holz vor der Hütte zu mehren oder Hühnerhälse zu kürzen –, sagte nur: »Hans, du musst diese Sauerei aufklären.«
Und schließlich meldete sich WG-Mama Gina Feustl – die ihre Eltern wohl zeitlebens dafür verfluchte, dass sie ihr in Anlehnung an die Lollobrigida einen so unbodenständigen Namen verpasst hatten – zu Wort: »Marder vielleicht nicht, aber Mörder … Hansi, wenn du jemals so ein Privatdetektiv gewesen bist …«
Hätte sie mich, wie alle hier, Hans genannt, wäre das noch akzeptabel gewesen. Denn hier auf dem Biobauernhof im Bayerischen Wald war aus Duke wieder Hans Herzog geworden. Aber manchmal, wenn Gina besonders nett zu mir sein wollte, weil sie eine Dienstleistung einforderte, zwitscherte sie auch »Hansi«. Worauf ich ihr jedes Mal liebend gerne den Kanarienhals herumgedreht hätte. Auf dass sie endlich schwieg, wie nun die toten Vögel im Gatter. Gina trillerte aber unentwegt weiter: »… dann drück dich jetzt nicht davor, wo die Sache ernst wird. Wenn du wirklich so ein … so ein Detektiv bist, dann …«
»Er ist es«, keifte Alex giftig dazwischen und sah mich gleich darauf mit einem so verliebten Blick an, wie ich ihn schon seit Monaten nicht mehr wahrgenommen hatte. Ich bedankte mich dafür mit einem Augenaufschlag, den ich so liebevoll und ehrlich in unserer nun gut zweijährigen Beziehung auch selten hingekriegt haben dürfte.
»Also gut, Herr Duke …«, schrillte Ginas Alarmstimme erneut in mein Ohr. Ihre Aufregung war ja verständlich. Ich schaffte es zwar, ruhig zu bleiben, aber nicht ganz sachlich.
»Nur Duke. Für dich, Gina-Darling.« Ich wusste, dass sie ihren Namen lieber wie in Angina ausgesprochen haben wollte. Aber diese Krankheit tat ich mir nicht an.
»Also gut …« Sie musste schon ziemlich tief aufs Zahnfleisch runtergebissen haben, dass sie das alles widerspruchslos hinnahm. »… du weißt, dass wir es nicht einfach haben, dass der Eierkopf seit Monaten versucht, uns das Geschäft zu verpfuschen. Dass er jetzt solche Methoden anwendet, sieht ihm ähnlich. Wir werden aber weiter gewaltfrei für einen ökologischen Lebenswandel kämpfen …«
Das hatte sie jetzt sehr hübsch formuliert. »Gewaltfrei kämpfen«, nicht nur für den Wandel, nein, den »Lebenswandel«, der überdies, ganz logisch, »öko« zu sein hatte. Das war unser Lebensinhalt, unsere Daseinsberechtigung hier auf dem Hof. Ich überlegte mir dennoch kurz, ob ich die inzwischen schon in der Hosentasche geballte linke Faust emporrecken und ein »Biodynamo o muerte!« schmettern sollte, ließ es aber lieber bleiben. So war Gina halt: eine harte Hülle und ein weicher Kern.
»Wenn er es aber darauf ankommen lässt, dann werden wir ihm schon das Handwerk legen. Das ist deine Chance, Hans, dich hier auch mal nützlich zu machen. Von mir aus auch als … Duke«, schob sie nach. Ich stand inmitten der toten Vögel und registrierte, dass die Kacke hier wirklich am Dampfen war. Hundert tote Hühner bedeuteten zwar noch keinen wirtschaftlichen Totalschaden, jedoch einen heftigen Schlag ins Kontor der wäldlerischen Subsistenzwirtschaft. Da war nicht Trauerarbeit angesagt, sondern Aufklärung.
Der Duke war Gina sicht- und hörbar schwer über die Lippen gekommen. Dabei wäre es wirklich nicht nötig gewesen, hatte ich mich doch schon fast wieder an den Hans gewöhnt, seit ich vor fast zwei Jahren mit Alex in die niederbayerische Bauernhofidylle gezogen war. Als Duke hatte ich zwar das Büro vom alten Sack geerbt. Aber nachdem sich Bruno vor nun schon fast fünf Jahren die Kugel gegeben hatte, war es mit der Detektei in Nürnberg und mit mir ziemlich bergab gegangen. Den Privatdetektiv hatte ich bald in der Erinnerungsschublade deponiert und lieber endlich mein Studium abgeschlossen. Sollte ich nun ausgerechnet hier mein Comeback erleben? Mit Bruno Sack Nazis jagen, das war eine Aufgabe gewesen! Als Student einen internationalen Kunstfälscherring auffliegen lassen, an dem der eigene Professor beteiligt war – schön und gut. Aber den Tod von ein paar Vögeln aufklären?
»Du musst rausfinden, wer die Hühner auf dem Gewissen hat«, forderte Alex. »Wenn du mir nicht bloß Märchen erzählt hast, dann bist du der Einzige hier, der das kann.«
Das saß. Jetzt hatte ich Blut geleckt. Welcome back, Duke. Sie sollten schon noch sehen, was sie davon hatten. Ich allerdings auch.
»Gut, dann sollten wir zuerst den Tierarzt und die Polizei rufen«, meinte ich – diesmal ganz sachlich. Aber Ginas Lippen vibrierten schon wieder.
»Ist das alles, was dem Meisterdetektiv einfällt? Die kommen mir nicht auf den Hof. Das Veterinäramt steckt doch mit der Agrarmafia unter einer Decke.«
Dazu fiel mir wirklich nichts mehr ein. Hacker hatte inzwischen mehrere Spaten aus dem Schuppen geholt und fing schweigend an, eine Grube auszuheben. Es war wohl angebracht, ihm zu helfen. Als wir beide es gemeinsam vollbracht und die hundert toten Hühner hineingeworfen hatten, schleppte Joe einen Zehn-Liter-Benzinkanister heran. Das war eigentlich meine Notreserve für den Fall, dass ich den Hof mal ganz schnell und nach ganz weit weg verlassen musste. Ich hatte nicht mehr die Kraft, ihn zu bremsen. Und so goss er den kostbaren Sprit über das tote Geflügel. Gina, die nur nervös rauchend danebengestanden war, schnippte ihre Kippe hinein.
Hacker und ich schaufelten wie wild, um den infernalischen Gestank angesengter Hühnerfedern zu überdecken. Um die Tiere ordentlich einzuäschern, reichten die zehn Liter bei Weitem nicht aus.
Erschöpft zog ich mich ins Zimmer zurück. Auch dort leckte ich Blut. Alex war schon da. Obwohl sie ihre Tage hatte und es dann normalerweise gar nicht mochte, vögelten wir mal wieder miteinander. Wir hatten es schon wochenlang nicht mehr getan. Überhaupt hatte sich unser Sexualleben seit dem Umzug hierher allmählich der Lage des Einödhofes im tiefen Wald zwischen Plattling und Regen angeglichen. Alex verhütete nun irgendwie mondrhythmisch. Und zu welchen Phasen nicht nur der Erdtrabant günstig stand, das wussten vielleicht die Sterne. Wann sich ihre Zyklen aber zufällig auch noch mit ihrer Liebesglut deckten und dazu auf Frühlingsgefühle meinerseits trafen, das verrieten nicht mal die hier im Hause so geschätzten Mühlhiasl-Prophezeiungen.
An diesem Spätfrühlingsmontagnachmittag des Jahres 1994 war es offenbar mal wieder so weit. Der Hühnertod und dessen Aufklärung mussten warten.
2
Am Abend saßen wir dann alle in der Bauernstube. Hacker hatte sogar noch ein Kartoffelgratin zubereitet. Erwartungsvolle Blicke waren auf mich gerichtet, als ich mich setzte. Nur Ginas Leichenbittermiene ergänzte das Menü um eine angewiderte Note. Ich spülte den Beigeschmack erst mal mit einem Bier runter und warf, noch bevor einer – beziehungsweise eine – den Schnabel aufreißen konnte, meine Entscheidung in die Runde: »Ich mach den Job. Jahrelang hab ich in Erlangen beim Hühnertod gespeist, jetzt will ich endlich auch den Lieferanten kennenlernen.«
Meine Bemerkung über die Hähnchenbraterei mit dem originellen Namen, in der ich mich zu Studentenzeiten regelmäßig verköstigt hatte, kam nicht besonders gut an. Dabei lag nicht mal eines der abgekratzten Tiere gegrillt auf dem Tisch.
Joe starrte vor sich hin. Der Koch hieb mir eine Kelle voll vom Gratin auf den Teller und kommentierte: »Das ist gut« – gab aber nicht weiter zu verstehen, ob er damit sein Essen, meinen Witz oder meine Entscheidung meinte. Gina blaffte nur: »Dann mach es auch.« Und Alex konterte: »Er macht das schon.«
Ihr Vertrauen ehrte sie, war allerdings auch ein bisschen naiv. Ich hatte zwar gute Geschichten auf Lager – und die waren sogar wahr. Aber mit akribischer Detektivarbeit hatte das alles wenig zu tun gehabt. Ich war da immer irgendwie hineingestolpert oder hineingestoßen worden und meist mit einem bis zwei blauen Augen und manchmal einem Batzen Geld wieder rausgekommen. Warum also jetzt nicht mal wieder, nachdem mir fünf Jahre lang nichts Besseres eingefallen war, mein Leben zu gestalten.
Nach einer weitgehend schweigsamen Nahrungsaufnahme – nur Joe kaute noch immer lautstark auf den vereinzelt ins Gratin eingestreuten Speckstreifen herum – stand die Krisensitzung an. Denn das Hühnersterben war eine echte wirtschaftliche Bedrohung für die Lebensgemeinschaft, die ja keine bloße Zweck-WG war, wie besonders mir gegenüber regelmäßig betont wurde. Gina Feustl und Franz Reitmaier waren hier vor sechs oder sieben Jahren, in ihren frühen Dreißigern, mit der Gründung eines ökologisch betriebenen Bauernhofes zivilisationsflüchtig geworden. Den verlassenen Einödhof hatten sie mit Geld von Ginas Eltern gekauft und halbwegs renoviert. Vor zwei Jahren, nachdem ein anderes biodynamisches Mitgründerpaar wieder zurück in die Stadt geflüchtet war, hatten sie dann den pünktlich zu seinem 30. Geburtstag von einer Midlife-Crisis geschüttelten Wiener Kaffeehausliteraten Josef Prohaska in ihre von alternativen Idealen der Achtzigerjahre geprägte Lebensgemeinschaft aufgenommen. Und Alexandra Mossmann, die beste Freundin von Hackers kleiner Schwester, die sich damals nach etlichen Studienabbrüchen wieder nach ihren Wurzeln im Bayerischen Wald sehnte.
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