Beschreibung

MANCHMAL MUSS MAN GANZ GEWÖHNLICHE MENSCHEN FINDEN, UM ZU VERSTEHEN, WIE AUSSERGEWÖHNLICH DAS LEBEN IST. Die junge Journalistin Kitty Logan ist am Tiefpunkt, als sie eine geheimnisvolle Liste in die Hand bekommt – mit Hundert Namen unbekannter Frauen und Männer darauf. Hundert Menschen, über die niemand etwas weiß. Wer sind sie? Was verbindet sie miteinander? Kitty bleiben nur zwei Wochen, um es herauszufinden – für ihren Artikel und für ihre eigene Zukunft … Phantasievoll, spannend, unverwechselbar: der berührende Roman einer unvorhersehbaren Suche. Denn jeder von uns hat seine Geschichte. »Mit ›Hundert Namen‹ zeigt sich Irlands Schreibwunder Cecelia Ahern wieder als Meisterin der Einfühlsamkeit.« BZ »Wirklich ein schönes Buch.« WDR »Federleicht und trotzdem tiefgründig.« Für Sie »Ein Buch für alle, die an die Macht der Herzensgüte glauben.« WAZ »Wie immer: zauberhaft!« Lea »Manchmal denken Sie, Ihr Leben sei ein bisschen ereignisarm? Von wegen! Cecelia Ahern erzählt in ›Hundert Namen‹ die außergewöhnlichen Erlebnisse ganz gewöhnlicher Menschen.« Freundin »Packend.« Dresdner Morgenpost

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 538


Cecelia Ahern

Hundert Namen

Roman

Aus dem Englischen von Christine Strüh

FISCHER E-Books

Inhalt

Gewidmet meinem Onkel Robert [...]Kapitel 1Kapitel 2Kapitel 3Kapitel 4Kapitel 5Kapitel 6Kapitel 7Kapitel 8Kapitel 9Kapitel 10Kapitel 11Kapitel 12Kapitel 13Kapitel 14Kapitel 15Kapitel 16Kapitel 17Kapitel 18Kapitel 19Kapitel 20Kapitel 21Kapitel 22Kapitel 23Kapitel 24Kapitel 25Kapitel 26Kapitel 27Kapitel 28Kapitel 29Kapitel 30Kapitel 31Kapitel 32Danke an …

Gewidmet meinem Onkel Robert (Hoppy) Ellis.

Wir lieben Dich, wir vermissen Dich und danken Dir für all die Erinnerungen.

Kapitel 1

Man nannte sie den »Friedhof«, denn kein Geheimnis, keine persönliche oder sonst wie vertrauliche Information, die man ihr anvertraut hatte, kam jemals wieder zum Vorschein. Bei ihr war alles gut aufgehoben, darauf konnte man sich verlassen, und man wusste auch, dass man nicht beurteilt wurde – und wenn doch, dann nur im Stillen, so dass man es nie erfuhr. Nicht nur ihr Vorname – der Standhaftigkeit und innere Stärke bedeutete – passte perfekt zu ihr, auch ihr Spitzname traf genau ins Schwarze; sie war stabil, zuverlässig, unerschütterlich, aber gleichzeitig eigentümlich anregend. Das alles machte es umso schlimmer, sie an diesem Ort besuchen zu müssen. Und es war wirklich eine Qual, nicht nur eine psychische Herausforderung; Kitty spürte einen körperlichen Schmerz in der Brust, genauer gesagt im Herzen, der mit dem Gedanken anfing, dass sie sich dorthin auf den Weg machen musste, sich beträchtlich steigerte, als sie angekommen war, und noch heftiger wurde durch das unverblümte Wissen, dass dies alles kein Traum war, kein falscher Alarm, sondern das Leben in seiner ursprünglichsten Form. Denn es war das Leben selbst, das bedroht war, und ihm stand eine sichere Niederlage bevor – eine Niederlage gegen den Tod.

Kitty durchquerte die Privatklinik, aber sie nahm nicht den Aufzug, sondern die Treppe, bog absichtlich falsch ab und ließ bei jeder sich bietenden Gelegenheit höflich anderen Menschen den Vortritt – besonders dann, wenn es sich um Patienten handelte, die sich mit einer Gehhilfe im Schneckentempo an ihr vorbeimühten oder einen Infusionsständer im Schlepptau hatten. Natürlich war ihr bewusst, dass sie neugierige Blicke auf sich zog, woran zum einen die Krise schuld war, in der sie zurzeit steckte, und zum anderen die Tatsache, dass sie schon wiederholte Male ziellos durch die Station gewandert war. Jedem, der sie ansprach, widmete sie sofort ihre ganze Aufmerksamkeit, und überhaupt tat sie alles, um ihre Ankunft in Constances Zimmer hinauszuzögern. Doch schließlich griffen all ihre Verzögerungsstrategien nicht mehr, denn sie landete in einer Sackgasse, einem halbkreisförmigen Korridor, von dem vier Türen abgingen. Drei davon standen offen, so dass man die Patienten und ihre Besucher sehen konnte, aber sie brachte es nicht übers Herz hinzuschauen. Aber das war sowieso nicht nötig, denn auch ohne die Zimmernummern erkennen zu können, wusste sie genau, in welchem Raum sich ihre Freundin und Mentorin befand. Sie war der geschlossenen Tür dankbar für den letzten Aufschub, den sie ihr gewährte.

Schließlich klopfte sie leise und unverbindlich. Sicher, sie wollte den Besuch machen, aber gleichzeitig hoffte sie, dass niemand das Klopfen hören würde. Denn dann könnte sie einfach wieder gehen, brauchte aber kein schlechtes Gewissen zu haben, denn sie hatte es ja versucht. Allerdings wusste der winzige Teil in ihr, der immer noch vernünftig dachte, dass es weder realistisch noch richtig war. Ihr klopfte das Herz bis zum Hals, während sie so vor der Tür stand und mit quietschenden Schuhsohlen von einem Fuß auf den anderen trat. Von dem Krankenhausgeruch war ihr schon ganz flau im Magen. Sie hasste Krankenhausgeruch. Eine Welle von Übelkeit überschwemmte sie, und sie atmete tief durch und betete um Fassung. Hoffentlich würden sich bald die angeblichen Vorzüge des Erwachsenseins einstellen, die einen Menschen dazu befähigten, solche Momente besser zu ertragen. Noch während sie damit beschäftigt war, auf ihre Füße zu starren und tief ein- und auszuatmen, ging die Tür auf, und sie war völlig unvorbereitet konfrontiert mit dem Anblick einer Krankenschwester und einer furchtbar krank aussehenden Constance. Kitty blinzelte einmal, blinzelte zweimal und wusste, dass sie sich spätestens beim dritten Mal unbedingt etwas einfallen lassen musste, weil es Constance garantiert nicht helfen würde, wenn Besucher spontan und ehrlich auf ihr Äußeres reagierten. Doch sosehr sie sich anstrengte, sie brachte kein Wort heraus. Nichts Lustiges, nichts Alltägliches, nichts Nichtiges fiel ihr ein, das sie ihrer Freundin, die sie seit zehn Jahren kannte, sagen konnte.

»Ich hab diese Frau noch nie im Leben gesehen«, sagte Constance mit ihrem französischen Akzent, den man ihr auch nach fast dreißig Jahren in Irland noch immer anhörte. Obwohl sie so krank aussah, war ihre Stimme so stark und fest, so sicher und unbeirrt wie eh und je. »Rufen Sie doch bitte rasch den Sicherheitsdienst, damit er die Dame aus dem Gebäude führt.«

Die Schwester lächelte, öffnete die Tür noch ein Stück weiter und ging dann wieder zu Constance.

»Ich kann ja später noch mal vorbeikommen«, brachte Kitty endlich heraus. Sie wandte sich ab und schaute sich angestrengt nach etwas Normalem, Alltäglichem um, mit dem sie sich ablenken und sich vormachen konnte, dass sie nicht im Krankenhaus mit diesem grässlichen Geruch war und dass sie nicht ihre todkranke Freundin besuchte.

»Ich bin fast fertig, nur noch rasch Fiebermessen«, erwiderte die Krankenschwester und platzierte ein Thermometer in Constances Ohr. Schnell schaute Kitty wieder weg.

»Komm, setz dich doch.« Constance deutete auf den Stuhl neben ihrem Bett.

Kitty konnte ihr nicht in die Augen sehen. Natürlich wusste sie, dass das unhöflich war, aber ihr Blick wanderte immer wieder weg, magnetisch angezogen von Dingen, die nicht krank waren und sie auch nicht an kranke Menschen erinnerten. Schließlich fing sie an, an den Geschenken herumzufummeln, die sie mitgebracht hatte. »Ich hab hier ein paar Blumen für dich«, verkündete sie und schaute sich nach einem geeigneten Stellplatz um. Constance hasste Blumen. Wenn jemand ihr welche schenkte, um sie zu bestechen, sich bei ihr zu entschuldigen oder einfach nur ein bisschen Farbe an ihren Arbeitsplatz zu bringen, ließ sie sie normalerweise einfach sterben. Natürlich wusste Kitty das genau, aber der Blumenkauf war schlicht Teil ihrer Verzögerungstaktik gewesen – vor allem deshalb, weil die Warteschlange so verlockend gewesen war.

»O je«, sagte die Schwester. »Hat Ihnen denn keiner gesagt, dass keine Blumen im Zimmer erlaubt sind?«

»Oh. Na ja, kein Problem, ich bringe sie weg«, meinte Kitty und sprang erleichtert auf, um die unerwartete Fluchtmöglichkeit zu nutzen.

»Moment, ich nehme sie«, rief die Schwester. »Ich lasse den Strauß für Sie an der Rezeption aufbewahren, dann können Sie ihn nachher mit nach Hause nehmen. So schöne Blumen darf man doch nicht einfach verkommen lassen.«

»Zum Glück hab ich auch noch Cupcakes mitgebracht«, verkündete Kitty und zog eine Schachtel aus ihrer Handtasche.

Wieder wechselten die Schwester und Constance vielsagende Blicke.

»Das kann doch nicht sein – Cupcakes sind auch verboten?«

»Der Koch möchte, dass die Patienten ausschließlich Dinge aus seiner Küche zu sich nehmen.«

Resigniert überreichte Kitty der Krankenschwester die verbotene Ware.

»Die können Sie nachher auch mit nach Hause nehmen«, lachte die Frau und musterte das Thermometer. »Alles okay«, sagte sie lächelnd zu Constance. Bevor sie ging, wechselten die beiden allerdings erneut einen vielsagenden Blick, als hätten die Worte eigentlich etwas ganz anderes bedeutet – es war ja keineswegs alles okay. Der Krebs fraß Constance langsam, aber sicher auf. Inzwischen wuchsen zwar ihre Haare nach, aber nicht gleichmäßig, sondern in unregelmäßigen Büscheln auf dem Kopf verteilt; über dem Ausschnitt des weiten Krankenhauskittels traten spitz die Schlüsselbeine hervor, und an beiden Armen, die extrem dünn und von den Spritzen und Injektionen voller blauer Flecken waren, hingen Kabel und Schläuche.

»Da bin ich ja froh, dass ich ihr nichts von dem Kokain in meiner Tasche erzählt habe«, sagte Kitty, als sich die Tür schloss, und sie hörten die Schwester auf dem Korridor laut und herzlich lachen. »Ich weiß, dass du keine Blumen magst, Constance, aber ich hatte Panik. Eigentlich wollte ich goldenen Nagellack, Räucherkerzen und einen Spiegel mitbringen, weil ich das irgendwie lustig fand.«

»Warum hast du es nicht getan?« Constances Augen lächelten und funkelten so strahlend blau wie immer, und wenn Kitty es schaffte, sich auf diese Augen zu konzentrieren, die so voller Leben waren, konnte sie den Rest des ausgezehrten Körpers beinahe vergessen. Beinahe. Aber nicht ganz.

»Weil mir klargeworden ist, dass es nicht lustig ist«, antwortete sie.

»Ich hätte gelacht.«

»Dann bringe ich die Sachen beim nächsten Mal mit.«

»Aber dann kenne ich den Witz ja schon, dann ist er nicht mehr lustig. Hallo, Liebes.« Constance ergriff Kittys Hand und hielt sie fest. Kitty konnte nicht hinschauen, denn die Hände ihrer Freundin sahen wund und mager aus. »Es tut so gut, dich zu sehen«, sagte Constance leise.

»Entschuldige bitte, dass ich erst jetzt komme.«

»Ja, es hat eine ganze Weile gedauert.«

»Der Verkehr …«, begann Kitty, aber dann gab sie das Witzeln auf. Sie hätte schon vor über einem Monat kommen sollen.

Eine Weile war es ganz still im Zimmer, und auf einmal merkte Kitty, dass Constance auf eine Erklärung wartete, warum sie sie nicht besucht hatte.

»Ich hasse Krankenhäuser.«

»Ich weiß. Nosocomephobie«, sagte Constance.

»Was ist das denn?«

»Angst vor Krankenhäusern.«

»Ich wusste gar nicht, dass es ein Wort dafür gibt.«

»Es gibt für alles ein Wort. Ich kann seit zwei Wochen nicht mehr kacken, das nennt man Anismus.«

»Ich könnte einen Artikel darüber schreiben«, sagte Kitty, und ihre Gedanken schweiften ab.

»Auf gar keinen Fall! Meine rektale Trägheit geht niemanden etwas an außer dir, mir, Bob und der netten Dame, der ich erlaube, sich meinen Hintern anzusehen.«

»Nein, ich meinte die Krankenhausphobie. Das wäre eine gute Geschichte.«

»Erklär mir, warum.«

»Stell dir vor, ich finde jemanden, der richtig schlimm krank ist und sich wegen so einer Phobie nicht behandeln lassen kann.«

»Dann kriegt er eben zu Hause seine Medikamente. Kein Problem.«

»Aber was, wenn eine Frau mit Geburtswehen vor dem Krankenhaus auf und ab läuft, weil sie es nicht schafft, durch die Tür zu gehen?«

»Dann kriegt sie das Kind eben im Krankenwagen oder zu Hause oder auf der Straße.« Constance zuckte die Achseln. »Ich habe mal über eine Frau im Kosovo berichtet. Sie musste sich verstecken, die Geburt setzte ein, sie war völlig allein, und es war ihr erstes Kind. Erst zwei Wochen später hat man die beiden gefunden, gesund und munter. In Afrika kriegen Frauen ihre Kinder bei der Feldarbeit, und nach der Geburt machen sie sofort weiter. In manchen Indianerstämmen treiben die Frauen die Geburt voran, indem sie tanzen. In der westlichen Welt läuft das irgendwie verkehrt«, sagte sie und wedelte wegwerfend mit der Hand, obwohl sie selbst nie Kinder gehabt hatte. »Ich hab mal einen Artikel darüber geschrieben.«

»Dann vielleicht ein Arzt, der nicht zur Arbeit kann.« Kitty konnte einfach nicht von ihrer Idee lassen.

»Das ist doch lächerlich. Dem sollte man einfach die Lizenz entziehen.«

Kitty lachte. »Danke, dass du so ehrlich bist – wie üblich.« Dann verblasste ihr Lächeln, und sie konzentrierte sich auf Constances Hand, die ihre immer noch festhielt. »Oder wie wäre es mit einer egoistischen Frau, deren beste Freundin krank ist, die es aber nicht fertigbringt, sie zu besuchen?«

»Aber jetzt bist du hier, und ich freue mich, dich zu sehen.«

Kitty schluckte schwer. »Du sagst ja gar nichts dazu.«

»Wozu?«

»Du weißt schon.«

»Ich war nicht sicher, ob du darüber reden möchtest.«

»Will ich eigentlich nicht.«

»Na dann.«

Eine Weile saßen sie schweigend nebeneinander.

»Ich werde überall niedergemacht, in den Zeitungen, im Radio, überall«, sagte Kitty und schnitt damit das Thema selbst an.

»Ich hab schon länger keine Zeitung mehr gelesen.«

Kitty ignorierte den Stapel auf der Fensterbank. »Egal, wo ich hinkomme, überall werde ich angestarrt, die Leute zeigen mit dem Finger auf mich, flüstern und tuscheln, als wäre ich die Hure Babylon.«

»Das ist der Preis, den man bezahlt, wenn man im Scheinwerferlicht steht. Du bist jetzt ein Fernsehstar.«

»Ich bin kein Fernsehstar, ich bin ein Idiot, der sich im Fernsehen zum Affen gemacht hat. Das ist ein großer Unterschied.«

Constance zuckte wieder die Achseln, als wäre das alles nichts Besonderes.

»Du wolltest sowieso nicht, dass ich bei der Sendung mitmache. Warum sagst du nicht einfach ›Siehst du wohl‹, dann haben wir es hinter uns.«

»Solche Sätze benutze ich nicht. Die sind nicht produktiv.« Wieder das typische Achselzucken.

Behutsam zog Kitty ihre Hand weg und fragte leise: »Hab ich meinen Job eigentlich noch?«

»Hast du nicht mit Pete darüber gesprochen?« Constance machte ein Gesicht, als wäre sie sauer auf ihren Chef vom Dienst.

»Doch, hab ich. Aber ich muss es von dir hören. Das ist viel wichtiger für mich.«

»An Etceteras Haltung dir gegenüber hat sich nichts geändert, man hat dich eingestellt, dabei bleibt es«, sagte Constance fest.

»Danke«, flüsterte Kitty.

»Ich habe deine Beteiligung an Thirty Minutes durchaus unterstützt, denn ich weiß, dass du eine gute Reporterin bist und das Zeug hast, eine großartige Reporterin zu werden. Wir alle machen Fehler, größere und kleinere, niemand ist perfekt. Solche Zeiten, wie du sie jetzt durchmachst, sind dafür da, dass man sie nutzt, um ein besserer Reporter und – was viel wichtiger ist – ein besserer Mensch zu werden. Als du vor zehn Jahren zum Vorstellungsgespräch bei mir aufgetaucht bist – weißt du noch, was für eine Geschichte du mir da verkaufen wolltest?«

Kitty lachte und zuckte innerlich ein bisschen zusammen. »Nein«, log sie.

»Natürlich weißt du das. Na ja, wenn du es nicht sagen willst, dann sag ich es eben. Ich hab dich gefragt, wenn du jetzt sofort etwas für mich schreiben müsstest, egal über welches Thema, was für eine Geschichte würdest du dir aussuchen?«

»Wir müssen das echt nicht noch mal durchkauen. Ich war ja dabei.« Kitty war knallrot geworden.

»Du hast geantwortet«, fuhr Constance unbeirrt fort, ohne auf Kittys Bemerkung einzugehen, »dass du von einer Raupe gehört hättest, die es einfach nicht geschafft hat, ein Schmetterling zu werden …«

»Ja, ja, ich weiß.«

»Und dass du gerne darüber schreiben würdest, wie es sich anfühlt, wenn einem dieses schöne Erlebnis verwehrt bleibt. Dass du wissen möchtest, wie es sich für die Raupe anfühlt, zusehen zu müssen, wie sich andere Raupen in Schmetterlinge verwandeln, während sie die ganze Zeit weiß, dass sie selbst es nicht schafft. Unser Gespräch hat am Tag der Wahl des US-Präsidenten stattgefunden, und am gleichen Tag ist ein Kreuzfahrtschiff mit fünfhundert Passagieren an Bord gesunken. Ich habe an diesem Tag zwölf Vorstellungsgespräche geführt, und du warst die Einzige, die weder die Politik noch die Schiffskatastrophe erwähnt hat und auch nicht davon gefaselt hat, dass sie unbedingt mal einen Tag mit Nelson Mandela verbringen möchte. Was dich am meisten interessiert hat, war diese arme kleine Raupe.«

Jetzt konnte Kitty ein Grinsen doch nicht mehr unterdrücken. »Na ja, ich kam frisch vom College, ich glaube, ich hatte noch zu viel Gras im Blut.«

»Nein, daran lag es nicht«, flüsterte Constance und griff wieder nach Kittys Hand. »Du warst die Einzige, die mir in diesem Gespräch aufrichtig gestanden hat, dass sie keine Angst hat zu fliegen, sondern vielmehr befürchtet, es nicht zu können.«

Kitty schluckte schwer, den Tränen nahe. Aus ihr war ganz sicher noch kein Schmetterling geworden, und momentan war sie weiter davon entfernt denn je.

»Manche Leute behaupten, dass Angst keine gute Motivation zum Handeln ist, aber wenn man keine Angst hat, wo ist dann die Herausforderung? In Situationen, in denen ich meine Angst akzeptiert und mich der Herausforderung gestellt habe, war meine Arbeit immer am ertragreichsten. Und als dann dieses junge Mädchen vor mir saß, das fürchtete, nicht fliegen zu können, da habe ich gedacht: ›Aha, das ist die Richtige für uns.‹ Darum geht es doch bei Etcetera. Natürlich berichten wir über Politik, aber wir berichten auch über die Menschen, die dahinterstehen, wir interessieren uns für ihre emotionale Reise, nicht nur für ihre Prinzipien, wir wollen hören, wie sie zu ihren Überzeugungen gekommen sind, was sie erlebt und welche Gründe dazu geführt haben, dass sie an das glauben, wofür sie jetzt eintreten. Ja, manchmal schreiben wir auch über gesunde Ernährung, aber nicht über irgendein Bio-Dies und Vollkorn-Jenes, sondern über das Warum und über das Wer. Bei uns geht es um Menschen, um Gefühle, um Emotionen. Vielleicht verkaufen wir weniger, aber wir haben mehr zu sagen – natürlich ist das nur meine persönliche Meinung. Etcetera wird deine Artikel weiterhin veröffentlichen, Kitty – jedenfalls solange du über das schreibst, was für dich wahr ist, und nicht über irgendein Thema, von dem jemand dir einredet, dass es eine super Geschichte ist. Niemand kann ernsthaft so tun, als wüsste er genau, was die Leute lesen oder hören oder sehen wollen. Sie wissen es meistens selbst nicht, und man erkennt es immer erst im Nachhinein. Aber darum geht es ja, wenn man etwas Originelles, etwas Eigenes erschafft. Es geht darum, etwas Neues zu entdecken, und nicht darum, das Alte wiederzukäuen, um den Markt zu befriedigen.« Sie zog die Augenbrauen in die Höhe.

»Es war meine Geschichte«, sagte Kitty leise. »Ich kann niemand anderem die Verantwortung dafür in die Schuhe schieben.«

»An einer Story sind immer mehrere Leute beteiligt, nicht nur der Autor, und das weißt du auch. Wenn du mit der Idee zu mir gekommen wärst und ich mich – rein hypothetisch – bereiterklärt hätte, das Thema zu bringen, hätte ich den Beitrag rechtzeitig wieder rausgenommen. Es gab genügend Hinweise, und von deinen Vorgesetzten hätte jemand in der Lage sein müssen, sie zu deuten. Aber wenn du Wert darauf legst, die ganze Schuld auf dich zu nehmen, dann frag dich doch mal, warum es dir so wichtig war, die Geschichte zu erzählen.« Sie machte eine Pause, und Kitty war nicht sicher, ob sie antworten sollte. Aber dann hatte Constance wieder Energie gesammelt und fuhr fort: »Ich habe mal einen Mann interviewt, der sich im Lauf des Gesprächs über die Fragen, die ich ihm stellte, immer mehr zu amüsieren schien. Schließlich wollte ich wissen, was er denn so komisch fand, und er hat mir erklärt, seiner Erfahrung nach würden die Fragen des Interviewers meistens mehr über ihn aussagen als die Antworten über den Interviewten. Er war überzeugt, dass er bei unserem Gespräch weit mehr über mich erfahren hatte als ich über ihn. Ich fand das sehr interessant, und ich glaube, er hatte recht – zumindest in diesem Fall. Ich denke oft, dass ein Artikel mindestens so viel über den Menschen offenbart, der ihn geschrieben hat, wie über das Thema selbst. Auf der Journalistenschule lernt man, dass man die eigene Person beim Schreiben möglichst heraushalten soll, weil man angeblich nur dann unvoreingenommen berichten kann, aber häufig müssen wir uns erst einmal in das Thema hineinversetzen, um es überhaupt zu verstehen, um eine Beziehung dazu zu kriegen und dem Leser zu helfen, sich damit zu identifizieren. Sonst fehlt dem Artikel das Herz, und die Geschichte könnte genauso gut von einem Roboter erzählt werden. Aber das bedeutet nicht, dass man allem die eigene Meinung einimpft. Ich mag es nicht, wenn ein Journalist mir in einem Artikel erklärt, was er über das Thema denkt. Wen kümmert es denn, was ein einzelner Mensch denkt? Aber eine Nation, eine Klasse, das eine oder das andere Geschlecht – das interessiert mich viel mehr. Ich meine damit, dass man sich allen Aspekten einer Geschichte mit Verständnis nähert und den Lesern zeigt, dass hinter den Worten immer auch ein Gefühl steht.«

Kitty wollte lieber nicht darüber nachdenken müssen, was es über sie selbst aussagte, dass sie über die fragliche Geschichte berichtet hatte. Am liebsten wollte sie die ganze Katastrophe einfach vergessen, wollte nie wieder darüber sprechen müssen – was leider unmöglich war, da der Sender verklagt worden war und Kitty am nächsten Tag wegen übler Nachrede vor Gericht erscheinen musste. Ihr Kopf dröhnte, sie hatte es satt, darüber zu grübeln, hatte es satt zu analysieren, wie es eigentlich dazu gekommen war. Aber plötzlich spürte sie das Bedürfnis, Buße zu tun und sich für alles zu entschuldigen, was sie jemals falsch gemacht hatte, nur um sich nicht mehr ganz so wertlos zu fühlen.

»Ich muss dir was beichten.«

»Gern, ich liebe Beichten.«

»Weißt du, als du mir damals den Job gegeben hast, war ich total aufgeregt, und der erste Artikel, den ich für dich schreiben wollte, war tatsächlich der über die Raupe.«

»Wirklich?«

»Natürlich konnte ich die Raupe nicht interviewen, aber sie sollte die Grundlage bilden für einen Artikel über Menschen, die es einfach nicht schaffen loszufliegen, darüber, was es bedeutet, wenn man ständig zurückgehalten wird, die Flügel beschnitten bekommt.« Sie schaute ihre Freundin an, die krank und abgemagert in ihrem Bett lag und mit großen Augen zu ihr aufblickte. Einen Moment kämpfte sie mit den Tränen. Sie war sicher, dass Constance ganz genau verstand, was sie meinte. »Ich habe angefangen, über das Thema zu recherchieren … es tut mir leid«, stieß sie hervor, schlug die Hand vor den Mund und versuchte sich wieder in den Griff zu bekommen, aber es gelang ihr nicht. Die Tränen liefen ihr über die Wangen. »Ich hab mich geirrt. Mit der Raupe, von der ich dir erzählt habe. Aus der Oleanderraupe wird doch ein Schmetterling, ein Nachtfalter genaugenommen, der Oleanderschwärmer.« Kitty kam sich hochgradig albern vor, weil sie ausgerechnet jetzt weinen musste, aber sie konnte nichts dagegen tun. Es war nicht die missliche Lage der Raupe, die sie so traurig machte, sondern die Tatsache, dass sie so schlecht recherchiert hatte, damals wie heute, und dass sie deshalb jetzt solchen Ärger hatte. »Der Sender hat mich suspendiert.«

»Die haben dir einen Gefallen getan. Warte, bis Gras über die Sache gewachsen ist, dann kannst du wieder loslegen.«

»Ich weiß nicht, ob ich das noch will. Ich habe Angst, dass ich wieder einen Fehler mache.«

»Das wird nicht passieren, Kitty. Weißt du, wenn man eine Geschichte erzählen will, wenn man sich – wie ich es gerne ausdrücke – auf die Suche nach der Wahrheit macht, dann muss man nicht auf Teufel komm raus eine Lüge aufdecken oder ein weltbewegendes Thema beackern – es geht einfach nur darum, zum Herzen dessen vorzudringen, was real ist.«

Kitty nickte und schniefte leise. »Es tut mir leid – ich wollte wirklich nicht, dass sich alles nur um mich dreht, wenn ich dich besuche. Es tut mir wirklich leid.« Sie sackte auf ihrem Stuhl zusammen und legte den Kopf auf Constances Bett, peinlich berührt, weil Constance sie so sah, weil sie sich so erbärmlich aufführte, wo ihre Freundin doch krank war und viel wichtigere Sorgen hatte.

»Schon gut, schon gut«, sagte Constance beschwichtigend und strich Kitty sanft über die Haare. »Das ist ein noch besseres Ende, als ich mir ursprünglich gewünscht habe. Dann darf unsere arme Raupe also doch fliegen.«

Als Kitty den Kopf hob, wirkte Constance auf einmal sehr erschöpft.

»Bist du okay? Soll ich einer Schwester Bescheid sagen?«

»Nein, nein. Ich werde nur manchmal von jetzt auf gleich total müde«, erwiderte sie. Ihre Augenlider flatterten. »Ich mache schnell ein Nickerchen, dann bin ich wieder fit. Ich möchte nicht, dass du gehst, wir müssen noch über so viel reden. Zum Beispiel über Glen.« Sie lächelte schwach.

Kitty gab sich alle Mühe, das Lächeln zu erwidern. »Ja. Aber schlaf erst mal eine Runde«, flüsterte sie. »Ich bleibe einfach hier sitzen.«

Constance hatte sich von ihr noch nie etwas vormachen lassen und konnte Lügen in Sekundenschnelle an ihrem Gesichtsausdruck erkennen. »Ich mochte ihn sowieso nicht so besonders.«

Dann schlossen sich ihre Augen.

 

 

Kitty setzte sich auf die Fensterbank, schaute auf die Leute hinunter, die unten vorbeigingen, und überlegte sich eine Route für den Heimweg, auf der sie möglichst wenig gesehen wurde. Dann aber riss sie ein französischer Wortschwall aus ihren Gedanken, und sie blickte überrascht zu Constance hinüber. In den zehn Jahren ihrer Bekanntschaft hatte Kitty ihre Freundin nur beim Fluchen Französisch sprechen hören.

»Was hast du gesagt?«

Einen Moment machte Constance einen verwirrten Eindruck. Dann räusperte sie sich und nahm sich zusammen. »Du siehst aus, als wärst du ganz weit weg, Kitty«, sagte sie leise.

»Ich hab nachgedacht.«

»Ich werde sofort die Behörden verständigen.«

»Ich habe nämlich eine Frage, die ich dir schon immer stellen wollte.« Kitty setzte sich wieder auf den Stuhl neben Constances Bett.

»Ach ja? Warum Bob und ich keine Kinder haben?« Constance setzte sich im Bett auf, griff nach ihrem Wasserglas und trank einen winzigen Schluck durch den Strohhalm.

»Nein, du Klugscheißerin«, entgegnete Kitty. »Du hast jede Pflanze umgebracht, die du jemals besessen hast, und ich mag mir gar nicht vorstellen, wie es einem Kind bei dir ergangen wäre. Nein, ich wollte dich fragen, ob es eine Geschichte gibt, die du gern geschrieben hättest, aber aus irgendeinem Grund nie geschrieben hast.«

Sofort hellte Constances Gesicht sich auf. »Oh, das ist eine wirklich gute Frage. Vielleicht sogar eine Geschichte in sich selbst.« Sie sah Kitty mit hochgezogenen Augenbrauen an. »Du könntest Journalisten, die sich zur Ruhe gesetzt haben, interviewen und sie fragen, was für eine Geschichte sie immer schreiben wollten, aber nie geschrieben haben. Was meinst du? Über die Idee sollte ich gelegentlich mal mit Pete sprechen. Wir könnten Kontakt mit ehemaligen Autoren aufnehmen und sie bitten, speziell für unsere Zeitschrift die Geschichte zu schreiben, die sie schon immer schreiben wollten. Leute wie Oisín O’Ceallaigh und Olivia Wallace. Wir geben ihnen die einmalige Chance dazu. Könnte doch gut eine Sonderausgabe werden.«

»Hörst du denn nie auf?«, lachte Kitty.

In diesem Augenblick klopfte es leise an der Tür, und Bob, Constances Mann, kam herein. Er sah müde aus, aber als er sich Constance zuwandte, wurde sein Gesicht sanft und liebevoll.

»Hallo, mein Schatz – oh, hallo, Kitty. Schön, dass du dich auch mal blicken lässt.«

»Der Verkehr«, erklärte Kitty ungeschickt.

»Das Gefühl kenne ich«, grinste Bob, kam zu ihr und küsste sie auf den Kopf. »Der Verkehr hält mich auch oft auf. Aber besser spät als nie, was?« Er sah Constance an, deren Gesicht konzentriert und fast angespannt wirkte. »Versuchst du zu kacken, meine Liebe?«

Kitty lachte.

»Nein, Kitty hat mich gerade gefragt, was für eine Geschichte ich schon immer schreiben wollte, aber nie geschrieben habe.«

»Ah. Du sollst sie nicht zum Nachdenken verführen, Kitty, das haben die Ärzte strengstens verboten«, witzelte er. »Aber es ist eine gute Frage. Lass mich raten. Ist es vielleicht die Geschichte über die Ölkatastrophe, als du das Exklusiv-Interview mit dem Pinguin gemacht hast, der alles beobachtet hat?«

»Ich hab nie ein Exklusiv-Interview mit einem Pinguin gemacht«, lachte Constance, zuckte aber plötzlich zusammen, und ihr Gesicht verzerrte sich, als hätte sie Schmerzen.

Sofort wurde Kitty nervös, aber Bob, der daran gewöhnt war, fuhr unbeirrt fort: »Oh, dann war es wohl der Wal. Der Wal, der alles beobachtet hat. Und jedem, der sich in seine Nähe getraut hat, davon erzählen wollte.«

»Es war der Kapitän des Schiffs, den ich interviewen sollte«, konterte Constance, aber es klang liebevoll.

»Und warum hat es nicht geklappt?«, fragte Kitty, fasziniert, wie die beiden miteinander umgingen.

»Mein Flug hatte Verspätung«, erklärte Constance und zupfte an ihrer Decke herum.

»Sie konnte ihren Pass nicht finden«, verriet Bob. »Du weißt ja, wie es bei uns in der Wohnung aussieht, Kitty – da könnten sich ohne weiteres die Qumran-Rollen verstecken, wir würden nichts davon merken. Seither haben die Pässe übrigens eine neue Heimat gefunden, im Toaster – damit wir ihren Aufenthaltsort nie wieder vergessen. Jedenfalls hat Constance ihren Flug und damit auch ihr großes Exklusiv-Interview verpasst, und der Kapitän hat stattdessen mit jemandem gesprochen, dessen Name nicht genannt werden darf.« Er beugte sich zu Kitty und flüsterte ihr »Dan Cummings« ins Ohr.

»Oh, jetzt hast du’s getan, jetzt hast du mich umgebracht!«, rief Constance und griff sich dramatisch an die Brust, als hätte ihr letztes Stündlein geschlagen.

Kitty schlug sich die Hände vors Gesicht. Irgendwie konnte sie über diesen Scherz nicht lachen.

»Endlich sind wir sie los«, neckte Bob seine Frau zärtlich. »Aber wie lautet denn nun die richtige Antwort, Liebste? Was für eine Geschichte ist es? Ich bin sehr gespannt.«

»Weißt du es wirklich nicht?«, fragte Kitty ihn.

Bob schüttelte den Kopf, zuckte die Achseln, und dann schauten sie beide Constance beim Nachdenken zu.

»Ah«, rief sie plötzlich, und ihre Augen begannen zu leuchten. »Ich hab’s. Es ist eigentlich eine ziemlich neue Idee, sie ist mir erst letztes Jahr eingefallen. Eine Art Experiment, aber seit ich hier bin, geht es mir nicht mehr aus dem Kopf.«

Kitty rückte näher.

Aber Constance genoss es, ihren Mann und ihre Freundin auf die Folter zu spannen.

»Möglicherweise eine meiner großartigsten Ideen überhaupt.«

Kitty stöhnte ungeduldig.

»Ich sag euch was: Die Unterlagen sind bei uns zu Hause. In meinem Büro. Bob kann dich reinlassen, Kitty, oder Teresa, falls sie nicht zu beschäftigt ist mit der Jeremy-Kyle-Talkshow. Abgelegt unter N. Der Arbeitstitel lautet Namen. Bring den Ordner her, dann erzähl ich euch Näheres darüber.«

»Nein!«, lachte Kitty. »Du weißt doch, wie ungeduldig ich bin, bitte lass mich nicht warten.«

»Wenn ich es dir jetzt gleich sage, besuchst du mich vielleicht nie wieder.«

»Aber ich verspreche dir, dass ich dich trotzdem besuche.«

Constance lächelte. »Nein, der Deal ist, du bringst den Ordner her, und ich erzähle euch die Geschichte.«

»Na gut, abgemacht.«

Und sie schüttelten sich die Hände.

Kapitel 2

Als Kitty erschöpft durch stille Seitenstraßen nach Hause radelte, kam sie sich vor wie eine Ratte, die den Rinnstein entlanghuschte. Nach dem Besuch bei ihrer Freundin war sie anfangs in Hochstimmung gewesen, aber dann hatte die Realität dessen, was vor ihnen lag, sie wieder eingeholt, und sie fühlte sich genauso hoffnungslos wie vorher.

Thirty Minutes, die Fernsehsendung, für die sie im vorigen Jahr zu arbeiten begonnen hatte, war ihre große Chance gewesen, die sie nun kaum gründlicher hätte vermasseln können. Das Programm verzeichnete Zuschauerzahlen von einer halben Million, was für ein Land mit fünf Millionen Einwohnern beeindruckend war, aber es reichte nicht, Kitty zur nächsten Katie Couric zu machen. Nach ihrer katastrophalen Reportage hatte der Sender sie jetzt suspendiert, und ihr stand ein Gerichtsprozess wegen übler Nachrede mit entsprechenden Schadenersatzforderungen bevor. Der Beitrag war vor vier Monaten, im Januar, ausgestrahlt worden, aber erst durch den Prozess, der morgen eröffnet werden sollte, war die Geschichte in die Schlagzeilen geraten. Inzwischen kannten weit mehr als eine halbe Million Menschen Kittys Gesicht, ihren Namen und wussten von dem katastrophalen Fehler, den sie gemacht hatte.

Natürlich war auch Kitty klar, dass ihr Fall nicht allzu lange im Gedächtnis der Öffentlichkeit haftenbleiben würde, aber ihr Ruf in der Branche war durch den Vorfall unwiderruflich beschädigt. Sie wusste, welches Glück sie hatte, dass Etcetera – das Magazin, das von Constance gegründet und herausgegeben wurde – sie weiterbeschäftigte und dass sie dieses Glück einzig und allein der Tatsache zu verdanken hatte, dass Constance sie vorbehaltlos unterstützte. Zurzeit passierte ihr das nicht oft, und obwohl Bob stellvertretender Herausgeber des Magazins und zweifellos ein guter Freund war, konnte Kitty nicht sicher sein, ob sie ihren Job auch ohne Constances Einfluss weiter behalten würde. Ihr graute bei dem Gedanken, dass ihre Freundin womöglich bald nicht mehr Teil ihres Lebens sein würde – weder in privater noch in beruflicher Hinsicht. Seit Kitty in den Beruf eingestiegen war, hatte Constance sie geführt, ihr mit Rat und Tat zur Seite gestanden, ihr aber gleichzeitig die Freiheit gelassen, ihre eigene Stimme zu finden und ihre eigenen Entscheidungen zu treffen. Kitty hatte ihre Erfolge immer auf ihr eigenes Konto verbuchen können, aber das bedeutete natürlich auch, dass sie auch selbst für ihre Fehler geradestehen musste. Und Letzteres bekam sie im Moment besonders deutlich zu spüren.

Als ihr Handy in ihrer Tasche zu vibrieren begann, ignorierte sie es zunächst, wie sie es schon die ganze Woche über getan hatte. Seit allgemein bekannt war, dass ihr Fall vor Gericht ging, wurde sie von einigen Leuten, die sie eigentlich für Freunde gehalten hatte, regelrecht drangsaliert, einen Kommentar abzugeben. Mit sehr unterschiedlichen Taktiken: Manche platzten einfach mit ihrem Anliegen heraus, andere versuchten es auf die Mitleidstour. »Du weißt ja, wie es ist, Kitty, du kennst ja den Stress, unter dem wir alle stehen. Mein Chef hat rausgekriegt, dass wir befreundet sind, deshalb erwartet er jetzt von mir, dass ich etwas über dich in Erfahrung bringe.« Wieder andere luden sie aus heiterem Himmel zum Essen oder auf einen Drink ein, einer sogar völlig willkürlich zum Hochzeitstag seiner Eltern und ein weiterer zum fünfundachtzigsten Geburtstag seines Großvaters. Kitty war auf keines dieser Angebote eingegangen, aber sie hatte eine ganze Menge über angebliche Freunde gelernt und strich einen nach dem anderen von ihrer Weihnachtskartenliste. Nur ihr Freund Steve, mit dem sie auf dem College Journalismus studiert hatte, fehlte bisher noch. Steve träumte von einer Karriere als Sportreporter, aber bisher waren Tratsch-Artikel über das Privatleben von Fußballstars das Sportlichste, worüber er berichten durfte. Er war es gewesen, der ihr vorgeschlagen hatte, sich für den Job bei Etcetera zu bewerben. Ganz zufällig hatte er ein Exemplar des Magazins im Wartezimmer bei einem Arzt in die Hand genommen, während er auf Kitty wartete, die sich die Pille danach verschreiben ließ. In der Nacht zuvor hatten sie ihren ersten und einzigen Versuch unternommen, miteinander ins Bett zu gehen, ein Versuch, der sie zu der Einsicht gebracht hatte, dass sie vom Schicksal dazu bestimmt waren, für immer einfach nur Freunde zu bleiben. Als Kitty jetzt an ihn dachte und das hartnäckige Handyklingeln hörte, hatte sie plötzlich eine Eingebung, stieg vom Rad und angelte das Telefon aus der Tasche. Es war tatsächlich Steve, aber sie spielte trotzdem mit der Idee, den Anruf einfach wegzudrücken. Sie misstraute ihm. Die Folgen ihrer Reportage für Thirty Minutes hatten ihren Instinkt so durcheinandergebracht, dass sie nicht mehr wusste, wem sie vertrauen konnte und wem nicht. Aber schließlich nahm sie das Gespräch doch an.

»Kein Kommentar«, fauchte sie, statt sich zu melden.

»Wie bitte?«

»Kein Kommentar, hab ich gesagt. Du kannst deinem Chef ausrichten, dass du nicht mit mir gesprochen hast, weil wir uns verkracht haben, was ja durchaus passieren kann, ich bin nämlich echt entsetzt, dass du tatsächlich den Nerv hast, mich anzurufen und unsere Freundschaft auf diese Art zu missbrauchen.«

»Rauchst du seit neuestem Crack?«

»Was? Nein. Warte, ist das schon Teil deiner Geschichte? Denn wenn demnächst behauptet wird, ich bin drogenabhängig, dann ist mir das …«

»Jetzt halt mal die Luft an, Kitty. Ich werde meinem Boss sagen, dass du, Kitty Logan, von der er sowieso noch nie was gehört hat, keinen Kommentar zu Victoria Beckhams neuer Kollektion abgeben möchtest. Das ist so ungefähr das Einzige, worüber ich heute mit irgendjemandem sprechen darf. Nicht über das bevorstehende Match Carlow gegen Monaghan, das entscheidend ist, weil der Sieger ins Finale kommt und Carlow seit neunzehnhundertsechsunddreißig und Monaghan seit neunzehnhundertdreißig nicht mehr in einem All-Ireland-Endspiel waren, aber das interessiert keinen. Jedenfalls nicht in meinem Büro. Nein. Wir interessieren uns nur dafür, ob Victorias neue Kollektion ein Kracher wird oder ein Lacher, ob sie flott ist oder Schrott oder was es sonst noch so an sich reimenden Gegenteilpaaren gibt. Dazu soll ich mir nämlich momentan etwas einfallen lassen, aber es klappt leider nicht.« Seine Tirade endete, und Kitty konnte nicht anders, sie musste lachen – das erste echte Lachen in dieser Woche.

»Tja, ich bin froh, dass wenigstens einer von uns das lustig findet.«

»Ich dachte, du darfst jetzt über Fußball schreiben.«

»Victoria ist mit David Beckham verheiratet, deshalb gehört der Artikel zum Fußballressort, sagt mein Chef. Abgesehen davon, dass ich bei diesem albernen Bericht, den ich schreiben muss, deine Hilfe gebrauchen könnte, rufe ich an, um mich zu vergewissern, dass du nicht etwa in deiner Wohnung vermoderst.«

»Na ja, du hattest recht mit deinem Verdacht. Ich war dabei, in meiner Wohnung zu vermodern, aber dann musste ich raus, um Constance zu besuchen. Jetzt ziehe ich mich gleich wieder zurück und modere weiter.«

»Gut, dann bis gleich. Ich stehe nämlich vor deiner Tür. Ach, und Kitty …« Sein Ton wurde ernst. »Du solltest Putzmittel und eine gute Scheuerbürste mitbringen.«

Kittys Magen grummelte.

 

 

Journalisten-Drecksau – dieser Schriftzug, quer über ihre Wohnungstür gesprayt, leuchtete Kitty entgegen, als sie, ihr Fahrrad unter dem Arm, die Treppe heraufgekeucht kam. Ihr Studio-Apartment lag in Fairview, einem Vorort von Dublin, zentral genug, dass man mit dem Rad oder gelegentlich sogar zu Fuß in die Stadt gelangen konnte, und der Umstand, dass die Wohnung sich über einer chemischen Reinigung befand, machte sie einigermaßen erschwinglich.

»Vielleicht solltest du lieber umziehen«, sagte Steve, als sie nebeneinander anfingen zu schrubben.

»Kommt nicht in die Tüte, ich kann mir gar nichts anderes leisten. Es sei denn, du kennst freie Wohnungen über einer Reinigung.«

»Ist das jetzt eine Bedingung für dich?«

»Wenn ich irgendein Fenster aufmache, egal, ob bei Tag oder Nacht, werde ich mit einer widerlichen chemischen Reinigungssubstanz eingenebelt, Tetrachlorethen, auch unter dem Namen Perchlorethylen, Perchlor, PCE oder PER bekannt. Schon mal davon gehört?«

Steve schüttelte den Kopf und sprühte Putzmittel auf die Tür.

»Mit dem Zeug werden Kleidungsstücke gereinigt, aber auch Metallteile abgeschmiert. Die Weltgesundheitsorganisation stuft es als potentiell krebserregend ein. Tests haben ergeben, dass das Zeug, wenn man ihm kurzfristig, das heißt höchstens acht Stunden, in einer Konzentration von mehr als 0,7 Gramm pro Kubikmeter Luft ausgesetzt ist, das zentrale Nervensystem angreift, was Symptome wie Schwindel, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Benommenheit und Gleichgewichtsverlust zur Folge hat. Das Rot geht besonders schwer ab, oder?«

»Kümmere du dich um das Grün, ich übernehme das Rot.«

Sie tauschten die Plätze.

»Ist man für vier Stunden 0,35 Gramm ausgesetzt, kommt es zu Beeinträchtigungen des Sehvermögens, da der Sehnerv angegriffen wird.« Kitty tunkte ihren Schwamm in einen Eimer Wasser und schrubbte weiter. »Langzeitkontakt, zum Beispiel bei Leuten, die in einer chemischen Reinigung arbeiten, führt nachweislich zu biochemischen Veränderungen in Blut und Urin. Und da Perchlor auch durch Böden, Decken und Wände dringt, hat man eine Studie an vierzehn gesunden Erwachsenen durchgeführt, die in der Nähe chemischer Reinigungen wohnten, mit dem Ergebnis, dass ihre Verhaltenstests schlechter ausfielen als der Mittelwert von Personen, die der Substanz nicht ausgesetzt waren.«

»Aha, deshalb bist du so sonderbar. Und deinem Wortschwall entnehme ich, dass du mal einen Bericht über PER gemacht hast.«

»Nein, nicht ganz. Ich habe recherchiert und dann meinem Vermieter erzählt, dass ich vorhabe, einen Artikel darüber zu schreiben und auch die Nachbarn zu informieren und seine Angestellten über die Auswirkungen des Zeugs aufzuklären. Da hat er meine Miete spontan um hundert Euro gesenkt.«

Schockiert starrte Steve sie an. »Er hätte sich auch einfach einen anderen Mieter suchen können.«

»Ich hab ihm gesagt, ich würde jeden, der sich überlegt, in diese Wohnung zu ziehen, genauestens informieren, was hier läuft. Da hat er Panik gekriegt.«

Steve schüttelte fassungslos den Kopf. »Du bist …«

»Schlau?«, schlug sie vor.

»Nein, eine Journalisten-Drecksau«, sagte er. »Vielleicht sollten wir das Geschmiere lieber nicht wegputzen, schließlich ist es die Wahrheit.« Noch immer starrte er sie an, als würde er sie nicht mehr wiedererkennen.

»Hey, ich bin nicht diejenige, die alles mit PER verpestet!«

»Du solltest umziehen.«

»Kann ich mir nicht leisten.«

»Kitty, du kannst doch nicht einfach hingehen und Leute bedrohen. Deinen Job dafür benutzen, andere zu erpressen. Das ist reine Schikane!«

»Oooh.« Sie verdrehte die Augen, ließ den Schwamm frustriert in den Wassereimer fallen, öffnete die Wohnungstür, ging in die Küche, setzte sich an den Tisch, biss in einen Cupcake, den sie aus der Klinik zurückgebracht hatte, und wartete, dass Steve ihr folgte.

Er kam herein und schloss die Tür hinter sich, setzte sich aber nicht zu ihr.

»Hast du irgendwas auf dem Herzen, Steve?«

»Ich bin vorbeigekommen, um mich zu vergewissern, dass du dich wegen dem Prozess morgen einigermaßen okay fühlst, aber je mehr du redest, desto weniger Mitleid kriege ich mit dir.«

Auf einmal fühlte sich der Cupcake in ihrem Mund an wie ein Stein. Sie schluckte hastig. Und dann kam es endlich.

»Du hast einen angesehenen, glücklich verheirateten Sportlehrer und Familienvater beschuldigt, zwei Schülerinnen sexuell missbraucht und ein Kind gezeugt zu haben – im Fernsehen angeschwärzt. Vor den Augen des ganzen Landes. Und das zu Unrecht.«

Sie sah ihn an. Ihre Augen brannten, das Herz tat ihr weh, weil er so mit ihr redete, und obwohl sie ja wusste, dass sie einen riesengroßen Fehler gemacht hatte, fand sie trotzdem, dass sie das nicht verdient hatte.

»Ich weiß das alles – ich weiß, was ich getan habe«, sagte sie mit mehr Überzeugung, als sie fühlte.

»Und es tut dir leid?«

»Natürlich tut mir das höllisch leid!«, explodierte sie. »Meine Karriere ist beim Teufel, niemand wird mich je wieder einstellen. Wenn der Mann den Prozess gewinnt, was recht wahrscheinlich ist, muss der Sender eine Riesensumme abdrücken, dazu kommen noch die ganzen Anwaltskosten, und natürlich ist auch der Ruf des Senders beschädigt. Kurz gesagt: Ich bin erledigt.« Völlig entnervt beobachtete Kitty, wie ihr sonst so ruhiger Freund um Fassung rang.

»Siehst du, genau das meine ich, Kitty.«

»Was?«

»Du hörst dich so … so schnodderig an, wenn du über das alles sprichst.«

»Schnodderig? Ich hab Panik, Steve!«

»Du bist deinetwegen panisch, wegen ›Katherine Logan, Fernsehjournalistin‹«, sagte er und malte mit den Fingern Anführungszeichen in die Luft.

»Nein, nicht nur deswegen.« Sie musste schlucken. »Ich mache mir auch echt Sorgen wegen meines Jobs bei Etcetera. Es steht eine Menge auf dem Spiel für mich, Steve.«

Er lachte, aber es klang nicht fröhlich. »Genau. Da schon wieder. Die ganze Zeit höre ich von dir nur, dass dein Name, dein Ruf, deine Arbeit ruiniert ist. Es geht immer um dich. Wenn du mir dann auch noch erzählst, dass du versuchst, deinen Vermieter zu schikanieren, indem du ihm drohst, einen Artikel zu schreiben, dann macht mir das echt Sorgen. Du machst mir Sorgen.«

Er hörte auf, hin und her zu wandern, blieb stehen und fixierte sie. »Schon das ganze letzte Jahr.«

»Das ganze letzte Jahr? Oh, okay, ich glaube, da hat sich jemand gehörig an was festgebissen«, entgegnete sie, einigermaßen geschockt. »Ich habe einen Fehler bei meiner Arbeit gemacht, aber das mit der Wohnung – das ist doch vollkommen harmlos! Warte mal, dabei fällt mir ein, dass du mal so getan hast, als hättest du in deinem Burger beim letzten Bissen ein Schamhaar gefunden, nur um noch einen umsonst zu kriegen. Was dir auch gelungen ist. Der arme Manager, du hast ihn vor den anderen Kunden so blamiert, er hatte gar keine andere Wahl.«

»Da war ich achtzehn«, erwiderte Steve leise. »Und du bist zweiunddreißig.«

»Dreiunddreißig. Meinen letzten Geburtstag hast du verpasst«, fügte sie vorwurfsvoll und ziemlich kindisch hinzu. »So bin ich eben, ich finde in allem eine Geschichte.«

»Geschichten, mit denen du Leute für deine Zwecke benutzen kannst.«

»Steve!«

»Früher hast du richtig gute Artikel geschrieben, Kitty. Positive Geschichten. Du hast sie um ihrer selbst willen erzählt, einfach weil es gute Geschichten waren. Nicht um Leute bloßzustellen oder ihnen etwas anzuhängen.«

»Tut mir leid, aber ich wusste nicht, dass dein Artikel über Victoria Beckhams neue Kollektion die Welt verändern wird«, konterte sie gehässig.

»Ich sage nur, ich hab deine Sachen gern gelesen. Jetzt bist du bloß noch …«

»Jetzt bin ich bloß noch was?« Sie hatte Tränen in den Augen.

»Ach, egal.«

»Nein, sag mir ruhig, was ich bin, denn ich hab es ja auch bloß die ganze letzte Woche auf jedem Nachrichtensender gehört, ich hab es im Internet gelesen und auch als Graffiti auf meiner Wohnungstür, und jetzt möchte ich wirklich gerne wissen, was mein bester Freund von mir denkt. Dieses Sahnehäubchen hat mir echt noch gefehlt«, brüllte Kitty.

Steve seufzte und schaute weg.

Ein langes Schweigen trat ein.

»Wie soll ich das denn wieder in Ordnung bringen, Steve?«, fragte sie schließlich. »Was kann ich tun, damit du und der Rest der Welt mich nicht mehr hassen?«

»Hast du mit dem Mann gesprochen?«

»Mit Colin Murphy? Wie denn? Morgen beginnt der Prozess! Wenn ich in seine Nähe komme, kriege ich nur noch mehr Ärger. Als feststand, dass er nicht der Vater des Babys ist, haben wir uns in Thirty Minutes sofort bei ihm entschuldigt, gleich am Anfang der Sendung. Das hatte absolute Priorität.«

»Glaubst du, dadurch fühlt er sich besser?«

Sie zuckte die Achseln.

»Kitty, wenn du mir das angetan hättest, was du ihm angetan hast, dann würde ich noch viel schlimmere Sachen machen, als die mit deiner Tür gemacht haben. Ich würde dich umbringen wollen«, sagte er. Es klang hart.

Kitty riss die Augen auf. »Steve, mach mir doch nicht solche Angst.«

»Das ist es, was du nicht kapierst, Kitty. Es geht hier nicht um deine Karriere. Oder deinen guten Namen. Es geht überhaupt nicht um dich. Es geht um ihn, um diesen Mann.«

»Ich weiß nicht, was ich tun soll«, meinte sie gequält. »Vielleicht kann ich erklären, was passiert ist … Die beiden Frauen waren so glaubhaft, Steve. Ihre Aussagen haben perfekt übereingestimmt, die Daten, die Zeit, es war einfach alles so … so real. Glaub mir, ich habe es mehrmals nachgeprüft. Ich habe mich nicht blind in was verrannt. Sechs Monate hab ich recherchiert. Sechs Monate. Der Produzent stand genauso hinter mir wie der Redakteur, ich hab das nicht im Alleingang gemacht. Und es ging auch nicht nur um diesen Mann. Hast du den Beitrag überhaupt gesehen? Das Thema waren Pädophile und Sexualstraftäter, die an irischen Schulen und in anderen Jobs in direktem Kontakt mit Kindern arbeiten und die schon einmal wegen Missbrauchs der ihnen anvertrauten Minderjährigen aktenkundig geworden sind.«

»Aber Colin Murphy gehört nicht dazu. Colin Murphy ist vollkommen unschuldig!«

»Okay«, räumte Kitty frustriert ein. »Aber von ihm abgesehen war alles, worüber wir berichtet haben, absolut korrekt. Und darüber spricht nie jemand!«

»Weil es dein Job ist, korrekt zu sein. Dazu braucht man dir nicht zu gratulieren.«

»Jeder andere Journalist hätte es genauso gemacht, aber den Brief von den beiden Frauen hab ich bekommen.«

»Aus gutem Grund. Diese Frauen haben dich drangekriegt und dich benutzt, um ihrem Lehrer eins auszuwischen. Die beiden wussten, dass du für den Sender häufig über irgendwelchen Schwachsinn berichtet hast und dich deshalb sofort auf die vermeintliche Chance stürzen würdest, deine Sternstunde zu erleben.«

»Es ging mir nicht um meine Sternstunde.«

»Ach wirklich? Ich weiß nur, dass ich dich noch nie so aufgeregt erlebt habe wie an dem Tag, als du den Job beim Fernsehen gekriegt hast. Und da hast du eine Reportage über Tee gemacht, Kitty. Wenn Constance dich bitten würde, einen Artikel über Tee zu schreiben, würdest du ihr sagen, sie soll dir den Buckel runterrutschen. Nein, das Fernsehen hat dich total gereizt.«

So gern Kitty das auch abgestritten hätte, sie konnte es nicht. Denn Steve hatte recht. Bei Thirty Minutes gab es immer eine große Enthüllungsstory, an der alle mitarbeiten wollten. Der Rest der Sendung wurde mit kleineren, lokalen, nicht ganz so weltbewegenden Geschichten ausgepolstert. Bei ihrer ersten Reportage hatte Kitty den Auftrag herauszufinden, warum Verbraucher die von ihnen bevorzugte Teesorte kauften. Nach Ausflügen in zahlreiche Teefabriken, weitläufigen Kameraschwenks über Teeregale im Supermarkt und der Teilnahme an vormittäglichen Tee-Events war sie zu dem Schluss gelangt, dass die meisten Leute einfach die Marke kauften, die auch ihre Eltern schon getrunken hatten. Eine Traditionsfrage also. Kittys Beitrag war vier Minuten und fünfzig Sekunden lang, und sie wiegte sich in der Illusion, ein topaktuelles, wegweisendes Stück Fernsehjournalismus abgeliefert zu haben. Als vier Monate später der an sie adressierte Brief von den beiden Frauen eintraf, die Colin Murphy beschuldigten, hatte sie die Wahrheit ihrer Behauptungen keine Sekunde in Frage gestellt, sondern von Anfang an eng mit ihnen zusammengearbeitet und ihnen geholfen, Beweismaterial gegen den jungen Lehrer zusammenzutragen. Sie war vollkommen aufgegangen in dem Drama, in der Aufregung, in der Atmosphäre der Fernsehstudios, sie hatte ihre große Chance gewittert, nach den netten, harmlosen Reportagen den richtig großen Wurf zu landen, und so hatte sie bei der vermeintlichen Suche nach der Wahrheit eine Lüge in die Welt gesetzt, eine gefährliche Lüge, und damit das Leben eines Mannes zerstört.

Steve sah sich in der Wohnung um.

»Was ist?«, fragte Kitty erschöpft.

»Wo ist eigentlich Glen?«

»Bei der Arbeit.«

»Nimmt er die Kaffeemaschine immer mit zur Arbeit?«

Kitty drehte sich um und sah verwirrt auf die Theke, aber in diesem Moment klingelte ihr Handy.

»Meine Mum. Scheiße.«

»Hast du in letzter Zeit mit deinen Eltern gesprochen?«

Kitty schluckte und schüttelte den Kopf.

»Geh dran«, sagte er, winkte ihr zum Abschied zu, wartete aber sicherheitshalber, bis sie den Anruf angenommen hatte.

»Hallo?«, meldete sie sich laut und übertrieben fröhlich, und Steve verschwand.

»Katherine, bist du es?«

»Ja.«

»Oh, Katherine«, stieß ihre Mutter hervor und brach in Tränen aus. »Katherine, du hast ja keine Ahnung …«, stieß sie mühsam hervor.

»Was ist denn los, Mum?« Erschrocken setzte Kitty sich auf. »Ist was mit Dad? Sind alle okay?«

»Oh, Katherine«, schluchzte sie. »Ich halte das nicht mehr aus. Wir schämen uns so. Wie konntest du das nur tun? Wie konntest du dem armen Mann so etwas antun?«

Kitty lehnte sich zurück und machte sich auf das weitere Bombardement gefasst. Im gleichen Moment merkte sie, dass auch Glens Plasmafernseher verschwunden war, und bei genauerer Betrachtung stellte sie fest, dass auch seine Klamotten im Schrank fehlten.

Kapitel 3

Eine Woche später – eine Woche, die sich angefühlt hatte wie die längste Woche in Kittys Leben – schrak sie mitten in der Nacht aus einem Albtraum auf. Schweißgebadet und mit klopfendem Herzen lag sie zwischen den zerwühlten Laken und regte sich nicht, denn sie hatte Angst, sich umzuschauen. Doch als der Traum langsam verblasste, wurde sie mutiger, setzte sich auf, und weil sie kaum atmen konnte, öffnete sie das Fenster, um einmal tief durchzuatmen. Sofort füllten die Dämpfe, die zu jeder Tages- und Nachtzeit aus der Lüftung der Reinigung drangen, ihre Lungen, sie hustete und schloss das Fenster schnell wieder. Um wenigstens ein bisschen abzukühlen, ging sie zum Kühlschrank, machte ihn auf und stellte sich eine Weile nackt vor die offene Tür. Sie war nicht bereit für den morgigen Tag. Überhaupt nicht.

 

 

»Colin Murphys Ruf wurde unwiderruflich geschädigt, sein Leben veränderte sich grundlegend, als er aufgrund der am 10. Januar gesendeten Thirty-Minutes-Folge sein Haus verlassen und aus seinem Viertel ausziehen musste. Katherine Logan konfrontierte Mr Murphy darin vor seiner Arbeitsstelle mit dem Vorwurf, zwei Mädchen im Teenageralter sexuell missbraucht und ein Kind gezeugt zu haben, und obwohl er dies wiederholt abstritt und außerdem anbot, sich einem Vaterschaftstest zu unterziehen, wurde die Sendung ausgestrahlt. Das fahrlässige und unprofessionelle Verhalten von Katherine Logan, Donal Smith und Paul Montgomery hatte für Mr Murphys Leben weitreichende und verheerende Folgen.«

Kitty saß neben Paul, dem Produzenten, und Donal, dem Redakteur von Thirty Minutes, im Gerichtssaal und lauschte den langatmigen Ausführungen des Anwalts, der die Bedingungen des Vierhunderttausend-Euro-Vergleichs und des verschärften Schadenersatzes erläuterte. Es dauerte genau siebzehn Minuten, um das Schriftstück zu verlesen, und mit jedem Wort, jedem Vorwurf hasste Kitty sich ein bisschen mehr. Ganz in ihrer Nähe saßen Colin Murphy und seine Familie: Seine Frau, seine Eltern, seine Geschwister und alle diejenigen, die ihn unterstützt hatten, starrten Kitty an, und ihre Blicke brannten sich in ihren Rücken. Sie fühlte den Hass, die Wut dieser Menschen, aber mehr als alles andere fühlte sie Colin Murphys Schmerz. Er hob kaum den Kopf und hielt die Augen gesenkt, das Kinn fest an die Brust gedrückt. Und er sah aus, als hätte er ungefähr ein Jahr nicht mehr geschlafen.

Nach dem Urteilsspruch verließen das Team von Thirty Minutes und seine Anwälte so schnell wie möglich das Gericht, drängten sich an Fotografen und Kameras vorbei – einige von ihrem eigenen Sender –, und Kitty kam sich vor wie einer der Kriminellen, die sie regelmäßig in den Nachrichten sah, wenn sie geduckt das Gerichtsgebäude verließen. Ihre Begleiter gingen so schnell, dass sie kaum Schritt halten konnte, aber sie wollte auch nicht rennen. Vielleicht war es albern, dass sie jetzt auf gar keinen Fall ins Stolpern geraten wollte, wo sie schon so viele Fehler gemacht hatte und schuld an der ganzen Situation war, aber sie hatte das Gefühl, dass der Rest ihrer geistigen Gesundheit davon abhing, diesen Augenblick einigermaßen mit Anstand zu überstehen. Zuerst hielt sie den Kopf gesenkt, aber dann fiel ihr ein, dass sie dadurch womöglich schuldig wirkte, und sie hob ihn wieder. Kopf hoch, Strafe einstecken und dann schnell weg von hier, wiederholte sie in Gedanken, während sie sich bemühte, ihre Tränen zurückzuhalten. Vom Blitzlichtgewitter wurde ihr schwindlig, und sie war gezwungen, wieder nach unten zu schauen. Der Spießrutenlauf schien kein Ende zu nehmen, und auf einmal fühlte sich auch das Gehen unnatürlich an, eine mechanische Bewegung, die enorme Anstrengung erforderte. Verzweifelt konzentrierte sie sich darauf, einen Fuß vor den anderen zu setzen, den linken Arm zu schwingen, wenn sie das rechte Bein nach vorn setzte, und andersherum, bemühte sich, nicht zu lächeln, aber auch nicht allzu mitgenommen und auf keinen Fall schuldig auszusehen. Ihr war klar, dass diese Aufnahmen sie ihr Leben lang verfolgen würden, sie wusste, dass das Filmmaterial den Rest des Tages immer wieder abgespielt und dann für alle Ewigkeit in den Archiven gelagert werden würde, damit Reporter wie sie darin herumstöbern konnten – das wusste sie, weil es ihr Alltagsgeschäft war. Jetzt kam es darauf an, nicht kalt zu wirken, aber auch nicht so, dass man sie sofort für schuldig hielt. Von einem Bericht bekamen die Zuschauer oft nicht jedes Wort mit, aber die Bilder schon. Sie wollte unschuldig wirken, aber man sollte auch sehen, dass es ihr leidtat. Das war es. So versuchte sie, ihren Stolz und ihre Würde zu bewahren, obwohl sie sich innerlich wie ein Nichts fühlte und ihr von dem Geschrei die Ohren dröhnten. Mr Murphys Gefolgsleute waren inzwischen aus dem Gerichtssaal und auf die Straße gelaufen, um sich von den Presseleuten interviewen zu lassen und das Thirty-Minutes-Team zu beschimpfen, und die Journalisten mussten sich anstrengen, mit ihren Fragen die wüsten Tiraden zu übertönen. Auf dem Inns Quay fuhren die Schaulustigen langsamer, um zu sehen, wer hier von den Medien belagert, ausgequetscht, erdrückt und demoralisiert wurde, als wollten sie ihrem schlechten Ruf alle Ehre machen. Während Kitty weiterging, dachte sie unwillkürlich daran, dass sie Colin Murphy derselben Folter ausgesetzt hatte. Kopf hoch, nicht lächeln, nicht weinen, nicht stolpern, einfach nur einen Fuß vor den anderen setzen.

Als sie endlich die Kanzlei ihres Anwalts erreichten und den Reportern entronnen waren, ließ Kitty ihre Tasche auf den Boden fallen, lehnte die Stirn an die kalte Wand und holte tief Luft.

»Himmel«, stöhnte sie und spürte, wie eine Hitzewelle durch ihren Körper flutete.

»Alles klar bei dir?«, fragte Donal leise.

»Nein«, flüsterte sie. »Es tut mir so leid. Es tut mir so schrecklich leid.«

Als er ihr daraufhin beschwichtigend auf den Rücken klopfte, war sie richtig dankbar für seine Freundlichkeit, wo sie doch für den ganzen Schlamassel verantwortlich war und er jedes Recht gehabt hätte, sauer auf sie zu sein.

»Das ist doch vollkommen lächerlich«, schimpfte Paul, der sich im Nebenzimmer mit dem Anwalt unterhielt und vor dessen Schreibtisch auf und ab tigerte. »Vierhunderttausend Euro, plus Anwaltskosten. Das ist überhaupt nicht das, was Sie uns in Aussicht gestellt haben.«

»Ich habe immer gesagt, wahrscheinlich –«

»Wagen Sie es nicht, jetzt einen billigen Rückzieher zu machen«, brüllte Paul. »Das ist absurd. Wie konnten die uns das antun? Wir haben uns doch entschuldigt, öffentlich, gleich zu Beginn unserer Sendung am achten Februar. Vierhundertfünfzigtausend Menschen haben gesehen, wie wir Abbitte getan und unseren Irrtum eingeräumt haben. Millionen haben es im Internet gesehen, und nach dem Prozess werden es garantiert noch viel mehr. Wissen Sie, was – ich glaube, dass man uns von Anfang an verschaukelt hat, das war doch eine abgekartete Sache. Diese beiden Frauen, ich wette, die stecken mit Colin Murphy unter einer Decke und kriegen ihren Teil von dem Geld ab. Würde mich nicht überraschen. Inzwischen würde mich sowieso gar nichts mehr überraschen. Vierhunderttausend, verdammt! Wie soll ich das unserem Intendanten verklickern?«

Kitty nahm die Stirn von der kühlen Wand des Korridors und ging auf die offene Bürotür zu. »Wir haben es verdient, Paul.«

Totenstille kehrte ein, und sie konnte hören, wie Donal hinter ihr tief einatmete. Dann drehte Paul sich um und starrte sie an, als wäre sie ein Nichts – was immer noch ein bisschen mehr war als das, wie sie selbst sich fühlte.

»Wir haben Colin Murphys Leben zerstört. Wir haben jedes Wort verdient, das da drin gesprochen wurde. Wir hätten so einen Riesenfehler niemals machen dürfen, und jetzt müssen wir die Verantwortung übernehmen für das, was wir getan haben.«

»Was wir getan haben? Nein. Du hast das getan! Du hast sein Leben ruiniert, ich war nur der Idiot, der davon ausgegangen ist, dass du deinen Job ordentlich machst und tatsächlich auch Recherche betreibst. Ich hab immer gewusst, dass wir dir diese Geschichte nie hätten überlassen dürfen. Lass dir eines gesagt sein, Kitty – der Sender wird dich nie mehr beschäftigen. Du hast offensichtlich keine Ahnung, wie man eine Reportage macht«, brüllte er.

Kitty nickte und wandte sich zum Gehen. »Tschüss, Donal«, sagte sie leise.

Er nickte ihr zu, und sie verließ das Gebäude durch den Hinterausgang.

 

 

Aus zwei Gründen hatte Kitty Angst, in ihre Wohnung zurückzukehren. Sie war nicht sicher, ob die Entscheidung des Gerichts die Attacken auf ihre Wohnung eher anfeuern würde oder ob sie jetzt, wo Colin hundertprozentig rehabilitiert und sogar finanziell entschädigt worden war, aufhören würden. Der andere Grund war, dass sie sich vor dem Alleinsein fürchtete. Sie wusste nicht, was sie tun sollte, sie konnte nicht mehr über die Sache nachdenken und sich deswegen fertigmachen, aber sie hatte auch das Gefühl, dass sie nicht damit aufhören durfte. Sie hatte die Strafe verdient, sie musste diese Schande irgendwie durchstehen. Langsam ging sie zu ihrem Fahrrad, das sie in einer Seitenstraße beim Gerichtsgebäude abgestellt hatte, und fuhr zu Constances Wohnung. Paul hatte ihr vorgeworfen, sie wüsste nicht, wie man eine ordentliche Reportage machte, aber sie kannte jemanden, der es wusste, und vielleicht war es Zeit, dass Kitty wieder anfing zu lernen.

Constances und Bobs Wohnung lag im Souterrain eines dreistöckigen edwardianischen Hauses in Ballsbridge, in dem ansonsten die Redaktionsräume der Zeitschrift untergebracht waren. Aus ihrer Wohnung war im Lauf der Jahre eine Art erweitertes Büro geworden, das die beiden sich teilten und in dem sie seit fünfundzwanzig Jahren zusammenlebten. Die Küche, die nie benutzt wurde, weil Constance und Bob meistens essen gingen, war mehr oder weniger unter einem bunt zusammengewürfelten Wust von Souvenirs versunken, die sie von ihren ausgedehnten Reisen rund um die Welt mitgebracht hatten. Wunderschöne Ebenholzschnitzereien neben glücklich grinsenden Buddhas, venezianische Glasfiguren nackter Frauen, afrikanische und venezianische Masken, die auf den Köpfen alter Teddybären saßen, und an den Wänden eine wilde Mischung aus chinesischen Radierungen, Landschaftsgemälden und Bobs liebsten satirischen Comics. Die ganze Wohnung fühlte sich nach Bob und Constance an – sie hatte Persönlichkeit, sie war witzig, sie war quicklebendig. Teresa, die Haushälterin, arbeitete seit fünfundzwanzig Jahren für die beiden, war inzwischen über siebzig und widmete sich fast nur noch leichten Arbeiten wie Staubwischen. Die meiste Zeit saß sie vor der Jeremy-Kyle-Show, aber Constance, die sowieso keinen großen Wert auf ein ordentliches Heim legte, brachte es nicht übers Herz, Teresa zu entlassen. Natürlich war Teresa auch mit Kitty gut bekannt, hieß sie direkt herzlich in der Wohnung willkommen und kehrte dann mit ihrer Tasse Tee wieder auf ihren Sessel zurück, um zuzuschauen, wie ein Mann und eine Frau sich anbrüllten, weil ein Lügendetektortest für beide nicht das erwünschte Ergebnis erbracht hatte. Kitty war froh, dass Teresa sich nie die Nachrichten anschaute, deshalb auch nichts vom Drama der vergangenen Woche und dem heutigen Gerichtsurteil mitbekommen hatte, so dass sie keine lästigen Fragen zu befürchten brauchte, sondern sich unbehelligt in Constances und Bobs Büro zurückziehen konnte.