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Rüdiger möchte seine neunzigjährige Mama ein wenig früher zu Gott schicken, weil sie nachlässig wird und sich nicht mehr an seine Regeln hält. Das ist schwieriger als bei Derrick, wesentlich schwieriger. Kurzkrimi, 19337 Zeichen.
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Seitenzahl: 16
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Angela Temming
Hütchenspiel vor Weihnachten
Kurzkrimi
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Hütchenspiel vor Weihnachten
Impressum neobooks
Husche-husch, rauschen die Joghurtbecher über seine Schreibtischplatte. Husche-husch, klacker. Und dann die, denkt Rüdiger, die ganz schlau sein wollen. Sie planen einen Mord bis ins Kleinste. Wochenlang üben sie die Handschrift ihres Opfers, um den Abschiedsbrief perfekt auszuarbeiten bis zum kleinen G. Sie wissen sogar, wer den Brief erhalten muss, nämlich der, der dem Toten besonders nahe stand. Und wenn dieser hunderte Kilometer entfernt wohnt, senden sie den Brief eben per Post. Adresse, Anrede, alles geklärt. Schon längst. Die perfekten Mörder nehmen die Briefmarke, die absichtlich nicht selbst klebt, und ziehen sie kunstvoll über die Zunge des Toten, damit die DNS stimmt. Doch leider ist das Porto wenige Tage zuvor erhöht worden und der Tote ein Philatelist gewesen. Niemals, sagt da jeder Kommissar, niemals!
Husch, wusch, klackalackalack. Man muss das anders angehen, nickt Rüdiger vor sich hin. Man muss umgekehrt denken. Nichts planen. Morde, die man plant, werden immer aussehen wie Morde. Nein, man muss versuchen, es chaotisch und spontan wirken zu lassen. Am besten mordet man an einem Tag, der nicht in den eigenen Rhythmus passt, Sonntag zum Beispiel. „Aber Herr Kommissar“, würde man sagen, „warum sollte ich an einem Sonntag meine Mutter umbringen, wo sie doch beim TATORT meine Hemden bügelt. Ich bitte Sie, wenn ich sie getötet hätte, dann erst an einem Montag, das können Sie mir glauben.“ Husch, klack.
Die Kunst besteht also darin, einen Plan zu haben, ohne einen Plan zu haben. Und das funktioniert nur in einem einzigen Falle: Wenn man wirklich keinen Plan hat.
