Hüter des Multiversums - FGWA . official - E-Book

Hüter des Multiversums E-Book

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Beschreibung

Phil McCoy, Streber und Außenseiter an der Santa Cruz High, wird von einem göttlichen Motorrad auserwählt, als der neue Hüter des Multiversums die neunte Welt zu retten. Neunte Welt? Genau! Aber nicht nur das: Der Junge mit dem Faible für verrückte Dinge und Rock erlebt mit seinen nerdigen Freunden Abenteuer, findet Verbündete aus dem Himmel und, und, und ... oh, das Herz seiner großen Highschool-Liebe namens Valerie darf natürlich auch nicht fehlen.

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Seitenzahl: 179

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Hüter des Multiversums

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Hoffnung

Die Busfahrt

Willkommen an der Santa Cruz High

Das Ritual

Valerie

Das Interview

Das pulsierende Leben

Phils Welt

Das Erwachen

Eine besondere Nacht

Der Tag danach

Die Gefährtin

Erste Versuche

Wahre Freunde

Stille Zimmer, laute Gedanken

Ein Gespräch

Die Reise

Einblicke

Auf einem fremden Planeten

Die Überbringerin der Botschaft

Ayla

Wiedergeburt

Das Training

Die Rückkehr

Eine höllische Begegnung

Ein Plan fürs kurze Leben

Die Nachprüfung

Prom Night

Momente, bevor die Welt stillstand

Tag eins

Tag zwei

Tag drei

Monate später

Tracklist

Impressum neobooks

Hoffnung

Meri blickte durch ein ovales Fenster. Seit Stunden. Sie saß festgekettet in einem Transporter und sah, wie andere Transporter durch einen schweren Ionensturm flogen. Das fahle Irisieren jenes Sturms erhellte die Hüllen der Raumschiffe. Nach einer Reise weit hinter verlorenen Galaxien flogen sie einen Planeten an. Meris schwarze Augen blinzelten vertikal. Konzentriert musterte sie den Planeten. Die äußere Beschaffenheit ähnelte den gesammelten Daten über den Planeten Sora. Sie erinnerte sich, wie sie mit Generälen die Dokumente in der Zentrale des Widerstands eingesehen hatte. Dunkle Wolken verdeckten die Sicht und hüllten Meri für einen Moment in Dunkelheit ein. Eine Sichel aus grünem Licht reflektierte an den Gläsern. Sie spürte, wie das Raumschiff landete. Die Ladeluke schwang hinunter. Aggressive Laute, die sie nicht kannte, forderten die Wesen auf, über die Ladeluke hinabzugehen. Auch sie stand auf, reihte sich ein und machte sich bereit. Für die Angst, das Adrenalin, den Anfall wilder Panik. Sie wühlte in jedem Winkel ihrer Gefühlswelt. Ihr Herz fand nichts. Zu sehr war sie an dem Krieg gewohnt. An der Ungewissheit, ob der Morgen für sie, für Freunde, ihre Familie oder Vertraute existieren würde. Allein war sie seit jeher nie. Hörte Stimmen, überall. Füllten die Stille zwischen den Herzschlägen. Aus den tiefsten Winkeln ihres Bewusstseins riefen sie nach ihr. Die Verluste des Krieges.

Einige stiegen zaghaft die Ladeluke hinab. Meri war sich sicher, manche hatten seit Wochen keinen Himmel gesehen. Uniformierte Wesen mit überlangen Gestirnen und ebenso langen Armen trieben sie mit Elektroschocks aus Kampfstöcken zusammen. Meri kniff die Augen ein wenig zu und gewöhnte sich an das grelle Licht. Geduckt blickte sie auf die breite Plattform und beobachtete die Auseinandersetzung zwischen den Gefangenen und den uniformierten Wesen, die sich wie Gefängniswärter verhielten. Dann drehte sie ihren Kopf und sah in den Transporter hinein. Sie war die Letzte. Einen Schritt nach dem anderen setzte sie. Dabei surrten die schlanken Fühler an ihren Schläfen wie wild und deuteten in die andere Richtung. Ihre Spitzen boten ein Lichtspiel, das nur Meri verstand. In jenem Moment bedauerte sie ihre Eigenschaften als Ashvaari. Dass sie friedliebend und ausgesprochen gefühlsbetont war, gefiel ihr. So hatte sie nicht selten ihr Leben ekstatisch genießen können. Vielmehr bedauerte sie das unmissverständliche Erahnen zukünftiger Ereignisse. Und ihre Fühler, die ein Eigenleben führten und Meri über wahre Gefühle in der unmittelbaren Umgebung informierten. Diese Fähigkeiten bereiteten ihr auf der Plattform Kummer. Als ihre nackten Füße den rauen Boden berührten, zog sie ihre fleckige braune Decke weiter hoch. Kühle Winde erfassten ihren hungrigen Körper und peitschten an den Wangen vorbei. Meri fühlte den sicheren Tod. Dennoch wollte sie erfahren, wie der geheimnisvolle Planet aussah, auf dem sie sterben würde. Achtsam begab sie sich zum Rand der Plattform. Eine Ebene aus erkalteter Lava, gekräuselt von seichten Rinnen, die quer über die Fläche ins Nirgendwo führten. Hier und dort verwehte die Atmosphäre in kurzlebigen Böen den Sand und jagte zarte Wirbel von einer Düne zur anderen. Noch eine Weile sah sie diesem unschuldigen Naturspektakel zu und seufzte. Hinter ihr schrie ein Gefängniswärter auf und stampfte auf sie zu. Die Fühler surrten und sie wich seinem Hieb mit dem Elektroschocker aus und lief stolpernd zur Reihe. Noch einmal warnten ihre Fühler sie, doch es war zu spät. Sie stieß jemanden und blickte hastig auf. „Meri, hier bist du.“ Sie strich ihr schwarzes Haar aus dem Gesicht. „Hier endet unsere Reise, Lorkeheen“, sagte sie. Seine Kiemen schlackerten nun heftiger. „Das fühlst du? Bei den heiligen Göttern von Kalzoor!“ Die Gefängniswärter gaben der Reihe ein Zeichen und sie setzte sich in Bewegung. Sie gingen auf ein Tor zu, düster und kalt wie die Seelen von den uniformierten Wesen, die sie wie eine Herde zu diesem Tor trieben. Hinter ihnen starteten die Transporter und hoben ab. Der Gelehrte neben Meri presste die schmalen lila Lippen zusammen. „Ich wachte auf … und meine Heimat lag in Trümmern.“

„Der Widerstand ist stark, er ist stark. Der Friede wird kommen.“ Ihre Schultern zuckten, als ein Gefängniswärter neben ihr begann, bestialisch zu grölen. „Durch Informanten hörte ich, dass die achte Welt gefallen ist … mit ihm.“ Sie griff sich ins Gesicht. „Meri, ist dir die Bedeutung dieses Umstandes bewusst? Der Widerstand ist zerstört, unser aller Hoffnung tot.“ Meri blickte auf, sie hatte neuen Mut gefasst. „Nein, du irrst. Ich war … ich bin beim Widerstand und weiß, dass eine kleine Gruppe in die neunte Welt reiste, um den Stein zu finden. Er soll irgendwo dort begraben liegen.“ Lorkeheen hob die vier Brauen. „Und? Haben sie ihn?“

„Nein, die Höllenarmee fing sie ab. Funkstille seit jeher. Aber der Stein ist in der neunten Welt, ohne Zweifel. Und wenn Steve wirklich gestorben ist, hat seine Gefährtin überlebt und sucht dort nach einem Nachfolger.“ Weit vorne schrien Gefängniswärter auf und die Reihe machte Halt. „Hm, soviel ich in Erfahrung bringen konnte, hat der Weltraum in dieser Welt einen beträchtlichen Umfang, doch nur ein einziger Planet von dort ist bewohnt, Meri. Der Widerstand war eine Armee von tapferen Rebellen unterschiedlicher Spezies, die ihr Wissen teilten und ihre Technologien vereinten. Dennoch ist er nun zerschlagen. Wie soll diese eine unerfahrene Spezies es schaffen?“ Sie beide hörten einen weiteren Aufschrie. „Wir müssen daran glauben, mein Freund.“ Das Tor rüttelte und wurde langsam durch eine Kettenkonstruktion nach oben gezogen. Tiefrotes Licht hüllte die Überlebenden ein. Noch ein Aufschrie ganz vorn und die Reihe setzte sich in Bewegung. Hin und wieder übertönten qualvolle Schreie die dröhnenden Maschinen. Das Schlackern seiner Kiemen setzte wieder ein und Lorkeheen sah zu ihr hinunter. „Es wird nicht sehr wehtun, oder Meri?“ Ihre Augen wurden feucht. „Das kann ich dir nicht versprechen.“ Unter ihnen in der Reihe begann das Wimmern und Krächzen. Meri holte aus einem Ärmel eine Perlenkette, über die sie ihre zwei linken Daumen legte. Dann schloss sie die Augen und betete. Leise, für alle.

Die Busfahrt

Ein Schulbus fuhr die Windsor Street entlang und Andrew ärgerte sich nicht nur über jedes Schlagloch. In den vorderen Reihen scherzten einige Schüler miteinander, andere erschreckten weiter hinten Mädchen und Cheerleader diskutierten lautstark über die neuesten Trends. Im letzten Drittel saß er und blätterte im Comic die Seiten mit einer Fürsorge um, welche Krankenschwestern beim Einwickeln von Neugeborenen hatten. Beim Lesen schweiften die Gedanken immer wieder ab und er fragte sich, wie er die Comichülle auf sein Schreibtisch gelegt hatte. Andrew waren rechte Winkel wichtig. Dann kam ihm der Gedanke, ob das Fenster offen oder geschlossen war. Ein Fuß trat gegen seine Rückenlehne und er schnaubte. „Phil, ist dein Ritual auch am ersten Schultag im letzten Semester an der Santa Cruz Highschool notwendig? Action Comics Ausgabe eintausend kam gestern im druckfrischen fehlerfreien Zustand an. Jedweder Mangel mildert den Wert für die Zukunft drastisch“, sagte Andrew und starrte seinen besten Freund an. Phil hörte ihn nicht. Der Schulbus lenkte schwungvoll in die Frederick Street ein und Andrew sah ihm zu, wie er zu seinem Lieblingssong Sink The Pink in den Ohren rockte. Die Schulter pendelte taktfest zur Musik. Rhythmisch schlug er mit dem Bleistift gegen seine Ringmappe. Der Fuß klopfte heftiger gegen die Rückenlehne. Ein kurzer Blick reichte. „Der Comic ist hinüber“, stieß Andrew aus. Die letzten Seiten versuchte er zu lesen. Mit vorgebeugtem Haupt. Andrew fühlte sich wie bei einem anstrengenden Klobesuch. Diesmal schweiften seine Gedanken zu Phils Ritual ab, das er nur zu gut kannte und trotz der schulischen Leistungen alles andere als logisch fand. An jedem ersten Schultag derselbe Song. Andrew liebte Ordnung und hasste Veränderung. Bei Musik machte er eine Ausnahme. Nur gab es bei seinem besten Freund mit dem Faible für Rock keine. Phil hörte Rock. Alle Arten von Rock. Stand er vor einer kniffligen Prüfung, unterstützte ihn Long Long Way From Home von Foreigner, lief mal etwas nicht nach Plan, wurde Communication Breakdown von Led Zeppelin abgespielt. Sogar bei unruhigen Nächten – besonders bei Vollmond – half von derselben Band die Scheibe Stairway To Heaven. Phil hatte ihm in den ersten Monaten an der Highschool in der Mittagspause erzählt, dass die Musik das Einzige war, das ihn vor der Nervosität retten konnte. Die Gitarrenriffs, der satte Rhythmus des Schlagzeugs, die schrille Stimme des Sängers: All das schüttete in ihm jedes Mal ein bis heute nichtidentifizierbares Hormon aus, welches ihn klar denken ließ. Als Andrew sich all diese Erinnerungen ins Gedächtnis rief, schüttelte wie beim ersten Mal den Kopf.

Das Rumpeln beim Bremsen schüttelte die Highschool-Schüler durch. Die Tür öffnete sich und Schüler drangen nach draußen. Andrew wartete den richtigen Moment ab. Er brauchte genügend Abstand vor und hinter sich. Sein Kopf drehte sich nach Phil um. Phil rockte weiter und trommelte mit den Fingern an der Armlehne. Dort klebte ein riesiger Kaugummifleck mit mittlerweile exotischen Farbnuancen. Andrew ekelte sich davor. Phil mochte den Sitzplatz. Gegenstände mit außergewöhnlichem Aussehen war sein nächstes Faible. Auch das widersprach jeder Logik von Andrew und er schüttelte erneut den Kopf. Draußen im warmen kalifornischen Sonnenschein wich er Umarmungen und eigenwilligen Begrüßungen vor dem Treppenaufgang aus und betrat die Highschool.

Willkommen an der Santa Cruz High

Die Schule mit den sechs Säulen vor dem Haupteingang und der gleichen Anzahl an Laternen am Rand der breiten Treppen versprühte einen gewissen Charme wie die Sunnydale High aus Buffy, wie Andrew fand. Die Korridore hatten sich rasch mit Schülern gefüllt. Es wurde laut getratscht, gelacht und gescherzt. Spinde knallten, Bücher und Collegeblöcke wurden hineingepackt oder herausgeholt; Öffnungszeiten der Schulbibliothek oder Informationen zu Sprechstunden von den Pinnwänden abgeschrieben. Die Coolen mit stets lässigen Klamotten, lässigen Sprüchen und einer lässigen Einstellung zur Bildung ließen in diesem Chaos nichts anbrennen. Sie machten hauptsächlich den Cheerleaderinnen schöne Augen und führten sie nicht nur in die Räume, die für das Lernen vorgesehen waren. Unter all den anderen Gruppierungen wie den Skaterboys, den Gruftis oder den Sportlern gab es auch die verkannten Streber. Zu ihnen zählte Andrew, der über den gewachsten Flurboden schritt und all das ignorierte. Er suchte die Klasse für die erste Stunde auf. In der Hand hielt er den Comic, über dem ein längsgezogener Knick zierte. Er betrat sie, huschte an den leeren Bänken vorbei und setzte sich auf einen Fensterplatz in der dritten Reihe hin. Die Ausgabe von Action Comics vor sich liegend, verschränkte Andrew die Arme und starrte darauf. „Hey, Raymond. Seit wann nutzt du die Speed Force? Du wirst immer schneller im Zählen der Stiegen bis hierher. Oh …“ Andrew blickte auf. David beugte sich über seine Schulter. „War das Philly?“, fragte er und straffte die zerschlissene Lederjacke. „Er saß hinter mir.“

„Aber Raymond, du vergisst nie etwas. Heute beginnt die Schule und du weißt, was er tut.“

„Ich las die Geschichte und bemerkte nicht, dass ich vor dem Sitzplatz mit dem Kaugummifleck saß“, sagte Andrew und richtete seine Brille. David schüttelte das Haar aus dem Gesicht, nahm sich das Heft, das für Andrew keinen Wert mehr hatte, und lehnte sich an die Wand neben dem Fenster. Beim Blättern beobachtete er hin und wieder das Treiben auf den Treppen. „Das ist unser Philly. Du scheinst wütend über den Knick zu sein. Willst du nicht zur Beruhigung die Stufen im Schulgebäude zählen?“

„Nein, das ist unlogisch. Ich kenne die Anzahl. Gezählt habe ich sie vor eintausendeinhundertfünfundachtzig Tagen.“ David zuckte mit den Schultern und kratzte sich am T-Shirt mit dem Aufdruck der Band Van Halen. „War nur eine Idee. Kühl bleiben, Skynet.“ Als Andrew innerlich vom Exemplar Abschied genommen hatte, hob er die Umhängetasche auf die Schulbank und packte die Bücher für den Englischunterricht aus.

Aus dem Lärm im Flur kristallisierten sich kurze, schwere Schritte heraus, die zügig die Klasse anpeilten. Andrew blickte von den aufgeschlagenen Buchseiten auf und horchte. „Daniel kommt.“

„Was? Wer?“

„Daniel kommt.“ David linste zur Tür Mit einem breiten Grinsen und offenen Armen kam er den beiden entgegen. Ein aufgeknöpftes Hemd, darunter ein T-Shirt mit einem Aufdruck eines unvergesslichen Moments aus der Videospielgeschichte aus Zelda. „Hey, ihr ungezogenen Bengel! Was habt ihr in den Ferien so getrieben?“ Andrew blätterte im Buch um. „Du hast die meiste Zeit mit uns verbracht, folglich müsstest du dich an alles erinnern können. Das macht diese Frage somit völlig überflüssig.“ Daniel sah den Anhänger der Satansmusik fragend an. „Was hat Raymond denn?“ David drückte ihm den Grund wortlos in die Hand. Daniel rollte die Ausgabe auf und musterte das Cover wie ein Arzt das Röntgenbild. „Hm, das Ding ist hinüber. Philly’s Song?“ Andrew nickte. „Du solltest endlich auf digitale Comics umsteigen, Kalkleiste. Ein Tablet bringt’s.“ „Es ist nicht dasselbe, Speckwalze“, gab Andrew scharf zurück. Daniel hob die Brauen. „Seit wann kann Raymond kontern?“

„David riet mir, dir das beim nächsten Mal zu sagen. Wie es aussieht, hat die Aussage seinen Zweck erfüllt.“ Daniel boxte David spielerisch in den Bauch. „Wie konntest du nur?“

„Irgendwann muss sich Raymond zur Wehr setzen. Am besten eignen sich Speckwalzen zum Üben.“ Daniel boxte ihn nochmal. Dann betrachtete er sich selbst. „Aber ich habe in den Ferien abgenommen, ganze zwei Kilo.“ Andrew vergrub sich tiefer in das Buch. „Du meinst, du hast Kleidung getragen, die ganze zwei Kilo weniger wiegen.“ Daniels Blick wanderte hilfesuchend zu David. „Skynet lernt schnell, Danny Boy.“ David nahm Daniel in den Arm. „Hey, lass ihn einfach. Er wird schon wieder. Und du, nimm das nicht so persönlich. Klar?“ Daniel zuckte mit den Schultern. Auch er setzte sich und nahm Sachen für die erste Stunde heraus. David blieb am Fenster. Nach und nach füllte sich die Klasse mit schlaftrunkenen Mädchen und Jungen. Die meisten fielen gähnend auf die Sessel und benutzten den Rucksack als Ersatzkissen. Da noch etwas Zeit blieb, spielte Daniel auf seinem Smartphone ein paar Levels Mega Man X.

„Seht euch die an!“ Andrew und Daniel horchten auf. „Wo, wo?“, fragte Daniel. „Nicht so laut“, sagte eine Schülerin verschlafen. Als Andrew antworten wollte, war sie bereits in ihrem Rucksack versunken. David klopfte in die Richtung. Lockiges braunes Haar glänzte in der Morgensonne, grüne Augen blitzten mit jedem ihrer Schritte auf. So kam es Andrew vor. In der einen Hand hielt sie ein silbernes Notebook fest, in der anderen den Schulterriemen ihrer Reportertasche. „Mann, an ihr ist einfach alles al dente“, sabberte Daniel. Andrew blinzelte und nickte. „Sie ist hübsch, Freunde.“ Sie verrenkten ihre Köpfe, um zu sehen, wie das nach hinten gebundene Haar durch den Haupteingang hinein baumelte. David schüttelte den Kopf wie nach einem beeindruckenden Zaubertrick. „Die ist bestimmt nicht von hier. Die habe ich noch nie gesehen. Entweder eine Lehrerin oder eine Journalistin. Ich bin platt“, sagte David. „Yay, Lernen wird wieder Spaß machen!“, jubelte Daniel und rieb sich die Hände. Andrew steckte die Nase wieder in eine Lektion. „Das ist Spekulation. Du wirst höchstwahrscheinlich enttäuscht“, sagte Andrew. „Raymond, Das ist eine Gabe. Ist dir das bewusst? Ja?“

„Das ist keine Gabe. Das ist Logik“, gab Andrew zurück, ohne Daniel anzusehen.

Das Ritual

Phils Chucks quietschten über dem gewachsten Flur. Der Beat hatte sich im gesamten Körper ausgebreitet und er wurde eins mit den Riffs. Mal tänzelte er seitwärts, mal tänzelte er rückwärts. In der linken Hand hielt er seine Ringmappe, in der rechten einen Stift, mit dem er wie mit einem Drumstick gegen die Spinde trommelte. Für einen Moment blieb er stehen und sah nach, wo er die erste Stunde hatte. Englisch? Prof. Harsen? Echt jetzt? Das Solo setzte ein. Phil begann sich zu drehen. Einmal. Zweimal. Dreimal. Schüler, die ihm nahekamen, begrüßte er mit einzelnen Stücken aus dem Songtext. Einige lachten und feuerten ihn im Vorbeigehen an, andere waren überrascht und trotteten ratlos an ihm vorbei. Phil tänzelte weiter. Hinauf in den ersten Stock. Im gesamten Schulgebäude ertönte das Stundenläuten. Rasch suchte er die Tür, griff danach und sprang in die Klasse. „Cool, wir alle haben die erste Stunde gemeinsam“, sagte Phil und reichte David, Daniel und Andrew die Hand. „Bei Prinz Valium“, kommentierte Daniel. „Ich weiß, Englisch. Zäh“, sagte Phil und setzte sich. Er sah den Comic und wandte sich zu Andrew. „Hey, sorry wegen dem Comic. Das war keine Absicht. Ich komme für die Kosten auf, kein Ding.“ Andrew winkte ab. „Nein, schon in Ordnung. Ich kläre das mit meinen Eltern. Mehr Taschengeld ist ohnehin schon längst fällig. Mich stört die Summe. Durch eine Erhöhung von 16,73 % beläuft sich die Höhe auf 80 Dollar. Die Zahl beruhigt mich.“ Phil legte den Rucksack auf seinen Schoß. „Alles klar.“ Er öffnete ihn und grinste in die Runde. „Und, wie habt ihr den gestrigen Sturm überstanden?“ David schnippte mit dem Finger. „Gott, der Sturm! Der war echt? Ich dachte, ich hätte davon geträumt. Regen, Donner, kalter Wind - in Santa Cruz. Nicht zu fassen.“ Daniel und Andrew nickten. „Da bist du nicht allein, David“, sagte Phil. Als die notwendigen Dinge auf dem Tisch lagen, wollte Phil noch etwas sagen. Doch Prof. Harsen öffnete die Tür und die Klasse verstummte.

Valerie

Mit der prallen Aktentasche voran betrat der Professor die Klasse und zeichnete zur Begrüßung einen Halbmond mit der Hand. „Guten Morgen, Schüler.“ Am Lehrertisch schnappte er sich die Anwesenheitsliste und kratzte sich an der ergrauten Schläfe. „Hm, so. Ah, genau. Tja, aha.“ Phil beobachtete ihn und spielte mit den Buchseiten. Hinter der Klassentür polterte es und sie ging auf. Prof. Harsens müde Augen wanderten dorthin. „Miss Sartori, Sie können eintreten. Bei mir herrscht im Unterricht vollste Integrität, jedoch mache ich am ersten Schultag in der ersten Stunde eine Ausnahme. Also, kommen Sie und Ihre Rasselbande hinein.“

„Typisch, Prinz Valium“, flüsterte Daniel. Phil schmunzelte.

Unsicher betraten Alice und Michael die Klasse, dann folgte Valerie. Und in Phils Ohren lief die Jukebox heißt. Love Walks In von Van Halen unterstrich ihren Auftritt. Sie, die vor Jahren bei der Eröffnungsfeier an der Santa Cruz High Andrew eine Limo angeboten hatte und gebannt einem improvisierten Vortrag über die Anfänge von Superman lauschte, während Phil ihre feinen Gesichtszüge bestaunte. Sie, die mal einen ganzen Nachmittag mit David darüber diskutiert hatte, wer der beste Drummer sei - sie einigten sich, dass sie sich nicht einig waren, während Phil von ihrem Musikgeschmack mehr als beeindruckt war. Sie, die zur Begeisterung aller Daniel siebenmal in Folge in Street Fighter II geschlagen hatte, während Phil nicht aufhören konnte, ihr von der Seite in die Augen zu blicken. Und sie, die auf einer Gaming Convention die Eintrittskarte als Armband an Phils Arm angebracht hatte. Beide spürten in diesem Moment diesen außergewöhnlichen Strom. Den Strom der Verbundenheit und das Knistern. Sie fühlten es und sahen es in den Augen des jeweils anderen.

Valerie stolzierte durch die erste Reihe und blendete die vier komplett aus. Phil sah, wie die anderen enttäuschte Gesichter machten. Andrew hatte es am schlimmsten getroffen. Phil verstand sie und wünschte sich die Freundschaft genau wie seine Freunde zurück. Sie setzte sich. Prof. Harsen schloss die Tür und bat die Schüler aufzustehen. Sie alle wandten sich mit der Brust zur Flagge und leisteten den Schwur. Dann setzten sie sich. Valerie bekam einen Stapel Übungsblätter. Sie nahm eines und reichte den Stapel weiter. Ihr blondes Haar mit dunkelbraunen Strähnen warf sie zurück, drehte den Bleistift wie einen Drumstick und las konzentriert die Aufgabenstellung. Diese Drehung erinnerte ihn an den einen Abend bei Burger King, als sie alle über einen Namen für ihre Clique nachgegrübelt hatten. Ihr fiel etwas ein, schrieb es auf die Serviette und die vier stimmten ab. So wurden sie zu den nerdy five. Eine subtile Anspielung an einen Klassiker aus den 80ern, den sie sich zuvor an diesem öden Sonntag gemeinsam bei David in der Garage angesehen hatten: The Breakfast Club. So wurde Andrew der Schlaukopf, David der Muskelprotz, Daniel der Ausgeflippte, Phil der Freak und Valerie die Prinzessin.

Als der Professor ein Stück Kreide in die Hand nahm und Beispiele auf die altmodische grüne Tafel kritzelte, lehnte sich Michael zurück, legte den Arm über Valeries Schulter und blickte aus dem Fenster. Dieser Anblick entfachte in Phil Wut und Unverständnis für ihren plötzlichen Sinneswandel kurz nach dem Ende der Semesterferien. Seitdem waren Alice, Michael und weitere von ihrem Schlag ihre neuen Freunde. „Nun denn, fangen wir, hm. Ah, genau. Fangen wir mit Beispiel A an. Wer weiß es? Wer? Niemand? Doch jemand? Hm? Wer weiß es?“ Der Startschuss für das letzte Semester war gefallen. Und für Phil begann eine emotionaler Höllentrip.

Das Interview

In der Cafeteria lärmte es in allen Ecken. Andrew biss ein gro