Hymne auf ein liederliches Leben - Francesco Madeo - E-Book
Beschreibung

Mit großer Erzählfreude, mit leichtfüßiger Komik und hintersinnigem Witz zeichnet Francesco Madeo das Porträt Vattas, also seines Großvaters, des 'Un-Helden' aus Fleisch und Blut: eine geradezu gigantische Persönlichkeit dezidierter Unvollkommenheit und tragikomischer Liederlichkeit – und trotz allem von ungebrochener Liebenswürdigkeit.

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Seitenzahl:364

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Francesco Madeo

Hymne aufein liederliches Leben

Roman

Francesco Madeo, 1967 im Ruhrgebiet geboren, Sohn eines italienischen Einwanderers und einer Deutschen. Studium der Biochemie in Tübingen, Promotion, zur Finanzierung derselben Nebenerwerbs-DJ. Auch Heisenbergstipendiat. Lehrt heute als Professor Molekulare Biowissenschaften an der Universität Graz, forscht insbesondere über die Mechanismen der Neurodegeneration und des Alterns.

Die »Hymne auf ein liederliches Leben« ist ein Roman. Seine handelnden Personen, sein Sujet sind frei erfunden. Jede Ähnlichkeit mit lebenden oder verstorbenen Personen ist rein zufällig und nicht beabsichtigt. Aber es gilt auch, mit Georg Christoph Lichtenberg: »Es ist schlimm genug, daß heutzutage die Wahrheit ihre Sache durch Fiktion, Romane und Fabeln führen lassen muß.«

Hardcover-Originalausgabe Klöpfer & Meyer, 2006.

© 2015 Klöpfer und Meyer, Tübingen.

Alle Rechte vorbehalten.

ISBN 978-3-86351-117-3

eISBN: 978-3-86351-250-7

Umschlaggestaltung:

Christiane Hemmerich Konzeption und Gestaltung, Tübingen.

Titelbild: Photocase / Seraph.

Herstellung: Horst Schmid, Mössingen.

Satz: niemeyers satz, Tübingen.

Mehr über das Verlagsprogramm von Klöpfer & Meyer finden Sie unter www.kloepfer-meyer.de.

Inhalt

Vertreibung echter und falscher Engel

Die Zucht der Verkommenheit

Die Wurzel des Bösen

Kindheit

Pittoreske Aussicht am Abgrund

Die lieben Nachbarn

Lehrjahre

Patricia

Mist als Rosenboden

Perlendes Blut

Jens Walecki, der Goldmund des Ruhrpotts

Hexen und der Besuch eines Heiligen

Epilog

Ein Versuch über die Sinnlichkeit

Vertreibung echter und falscher Engel

Am Morgen meines zwanzigsten Geburtstages schlummerte ich mit einem Lächeln auf den Lippen, denn endlich schien es passiert zu sein. War es wirklich geschehen? Ich träumte mit einer Intensität, die selten ist und gegen die alles Reale müde und abgeschmackt wirkt. Endlich, nach vielen Jahren des Wartens und der Erwartung wurde ich überreich beschenkt. Über mir schwebte und fiel ihr schwellender Körper leicht und schwer in elastischem Schwung. Sie hatte goldene Haare und ihre Augen waren Smaragde, dunkelgrün und leuchtend. Riesige Flügel aus geschmeidigem Glas schienen sie schweben zu lassen.

Wir geigten uns gleichzeitig in den Himmel, und ich musste in Gedanken daran noch immer lächeln, da dämmerte mir etwas Unangenehmes, vielleicht sogar etwas Fürchterliches. Mit erst kaum wahrnehmbarer, dann lauter werdender Stimme schlich sich ein ungebetener Gast in mein Bewusstsein. Wie ein leises Geräusch, von dem man im Moment der Wahrnehmung ahnt, dass es schon länger da war, trat Fäkalgeruch in meine Nase. Vatta saß auf dem Klo. Ich drehte mich um und versuchte, wieder einzuschlafen, verzweifelt bemüht, in den Traum wieder einzusteigen wie in einen fahrenden Zug, der sich langsam schneller werdend entfernt, doch es gelang nicht. Nein, es war gar nichts passiert. Wieder nichts. Der Engel zerstob in tausend kleine Lichter und war verschwunden. An seine Stelle trat eine Stimmung, die nicht mehr nur als schlechte Laune zu bezeichnen war. Ich quälte mich entsetzlich. Ich war nun zwanzig, und die über Jahre wachsende Ahnung und Angst, eine ewige männliche Jungfrau zu bleiben, hatte unerträgliches Ausmaß angenommen. Ich konnte an nichts anderes mehr denken. Vor allem war mir klar, dass mit zwanzig der Punkt gekommen war, an dem alles nur noch schwerer wird. Wer dieses Alter erreicht, ohne je mit einer Frau geschlafen zu haben, der schafft es nicht mehr. Er schafft es nicht mehr, weil er immer nervöser wird, weil keine Leichtigkeit mehr in seinen Handlungen und Annäherungen ist. Sollte er dennoch wider Erwarten noch einmal eine Chance bekommen, so wird er es hundertprozentig aus Nervosität vermasseln.

So etwa dachte ich und marterte mich hundert Mal mit der gleichen Frage: Warum zum Teufel habe ich es noch immer nicht geschafft?

Mangelnde Libido schließt sich unbedingt aus, ich denke ständig an Sex. Vielleicht bin ich ein bisschen schüchtern, und doch werden andere schüchterne Jungs von burschikoseren Mädchen „erlöst“. Bin ich zu nett? Aus irgendeinem Grunde standen die Mädchen auf Schufte und Großkotze. Wieder steigt Fäkalgeruch in meine Nase. Diese verdammte Rübensau! Wie soll ich ein Mädchen mit auf mein Zimmer nehmen, wenn Vatta große Teile unserer Wohnung in einen beständigen Fäkalgeruch taucht? Er liebt es, ich will nicht übertreiben, etwa eine Stunde lang auf dem Klo über seinem dampfenden „Geschäft“ zu sitzen, interessiert und selbstvergessen die „Praline“ lesend. Als echter Platzhirsch ist sein heimliches Motto: Hier bin ich, und hier stinke ich. Unglücklicherweise befindet sich unser Klo direkt neben der Eingangstür zur Wohnung, so dass eine furchtbare Geruchsbarriere entsteht, unüberwindbar für Einbrecher zum Beispiel, noch undurchdringlicher aber für einen schüchternen Zwanzigjährigen, der soeben zarte Bande geknüpft hat und mit seiner Angebeteten irgendwie in sein Zimmer gelangen möchte.

Was hätte ich denn sagen sollen? „Du, halt mal eben für einen Moment die Luft an, mein Opa scheißt“? Unmöglich. Oder einfach so tun, als ob nichts wäre, die Unmittelbarkeit des Ereignisses ignorierend? Noch schlimmer.

Was aber, wenn ich es schaffte, die wenigen geruchlich einwandfreien Momente des Tages zu nutzen, wie ein Dieb, der weiß, dass das Sicherheitssystem, diese tödliche Barriere, für Sekunden lahmgelegt ist? Ein gefährliches Unterfangen. Außerdem galt es, wenn man denn diese Hürde genommen hätte, eine weitere, vielleicht noch größere Schwierigkeit zu umgehen. Unsere Wohnung bestand aus einem langen Flur, von dem am Anfang, direkt neben dem Eingang, das Klo und am Ende das Wohnzimmer abzweigte. Ebenfalls am Ende des Flures, direkt neben dem Wohnzimmer, ist mein Zimmer gelegen. Wenn Vatta sich nicht auf dem Klo befand, war er unfehlbar im Fernsehsessel des Wohnzimmers anzutreffen, das heißt, wenn meiner Angebeteten die Barriere erspart bliebe, so hätte sie ihn dort sehen müssen. Das hieße den Teufel mit dem Beelzebub austreiben, denn die dem Auge erkennbaren Lebensäußerungen meines Großvaters waren mitnichten charmanter als die geruchlichen, ganz im Gegenteil. Es hätte dann auch leicht die größtmögliche Katastrophe eintreten können:

Man stelle sich vor, er riefe uns hinein, nur mal eben so, um „Hallo“ zu sagen. Mir schauderte vor Scham und Peinlichkeit, Hitzewellen und rote Flecken jagten über mein Gesicht.

Aber warum war Vatta die Ursache meiner pubertären Peinlichkeit? Waren es nur seine Geruchsattacken? Ich versuche, mich zu erinnern, aber so einfach ist das nicht. Jahrzehnte lang hat allerlei legendärer Schnickschnack das Bild meines Großvaters überfrachtet. Weiterhin ist es nicht einfach, ein objektives Bild von jemandem zu geben, der einem, wenn auch ungewollt, so nahe stand. Wenn die Dinge zu nahe vor das Auge kommen, werden sie wieder unscharf. Also, lassen Sie mich tief Luft holen, um einzutauchen in den Zeitenstrom und etliche Jahre flussaufwärts wieder aufzutauchen.

Merkwürdig, die Wohnung scheint irgendwie vergrößert, der Flur ist ungeheuer lang. Ich bin etwa dreizehn Jahre alt, klein und ein wenig dicklich. Nun sehe ich die Tür des Wohnzimmers wieder vor mir. Gelbgrauer Rauch wabert langsam hinaus. Überhaupt ist die gesamte Wohnung von einer dunkelgelben Patina überzogen, die durch kräftiges Rauchen sämtlicher Familienmitglieder über Jahre aufgebaut wurde. Meine Oma – Mutti genannt – taucht auf. Die ehemals weißen Vorhänge sind beige und Mutti, die zwar gerne Wäsche wäscht, aber nicht putzt, erzählt oft mit schwärmerischer Entrüstung, welch braune Soße aus diesen Vorhängen bei der halbjährlichen Wäsche kommt. Und tatsächlich, nach der Wäsche sehen selbst diese Vorhänge wieder schneeweiß aus. Trotzdem ist auch dann die gesamte Atmosphäre trüb und gelblich, vielleicht weil die Sonne über dem Ruhrgebiet nur selten die milchige Wolkenschicht durchbricht? Die Möbel sind alt und abgenutzt, und es ist schwer vorstellbar, dass sie je einmal präsentabel gewesen sein sollen. Die Wohnung ist alles in allem in einem erbärmlichverwahrlosten Zustand und das hat einen ganz einfachen Grund: Vatta repariert nichts und Mutti putzt nichts. Die ockerfarben-geblümten Tapeten schälen sich von den Wänden, die Kacheln des Bades sind fast alle gesprungen und dort, wo sie abgesplittert sind, kommt grauer Zement zum Vorschein. In der Küche gibt jeder Löffel Auskunft über mindestens die letzte Mahlzeit. Abends kann man beim Anschalten des Lichtes ein lustiges Gewimmel der Silberfischchen auf dem sehr abgewohnten Teppich beobachten. In den Küchenschränken passt kein Teller und kein Glas zum anderen. Mutti hat beim Spülen alles zerdeppert. Doch was der Wohnung ein wirklich trauriges Aussehen verleiht, ist nicht ihre Verwahrlosung. Sondern die überall herumstehenden Nippes- und Kitschfiguren, die Bilder, die in dickem, selbstverständlich falschem Gold gerahmt sind, die getrockneten Blumensträuße in verstaubten Ecken. Kurz: Schale Abziehbilder einer geheuchelten Wohnlichkeit greifen einem wirklich ans Herz.

Doch lassen wir das, gehen wir jetzt durch die Pforten der Hölle, durch den schwefelgelben Rauch ins Wohnzimmer und betrachten den Helden der Geschichte. Mein Großvater, von der ganzen Familie Vater genannt (aber Vatta ausgesprochen), ist 1,95 Meter groß. Für einen kleinen Jungen verdunkelt sich die Sonne, wenn er aufsteht. Der ganze Kerl wiegt 130 Kilo. Vermutlich hat sich Mutti in jungen Jahren nicht vorgestellt, dass sein Bauch einmal mächtiger als seine Schultern werden würde. Die Figur ist fassförmig. Das Fass stützt sich auf sehr dünne Beine, auf die er sich immer beruft, sollte seine Leibesfülle thematisiert werden: „Ick dick? Kiek mal meene Beene an“, sagt er in gepflegtem Brandenburgisch.

Das Haar, schwarzgrau und mittellang, ist immer fettig und wird nach hinten gekämmt, so dass sich im Nacken ein kleiner Entenschwanz bildet. Diese einfache Frisur bedarf keinerlei Pflege, außer hin und wieder mit einem schwarzen Hornkamm, dessen Zahnzwischenräume mit Dreck gefüllt sind, von vorne nach hinten durchgekämmt zu werden. Das Gesicht ist rot und aufgedunsen, wirkt aber trotz aller Speckpolsterung noch irgendwie markig. Die Augen sind blau und trüb und seine Nase ist ein kartoffeliger, aber mächtiger Erker, dessen hundert Macken und Krater ahnen lassen, wie viele Angriffe er zu überstehen hatte. Das wahrhaft Gespenstische an diesem Manne aber ist nicht der bloße Eindruck seiner Hässlichkeit, sondern eine Ahnung, die jeden besseren Beobachter beschleicht: irgendetwas in seinem Aussehen oder in seiner Mimik lässt vermuten, dass Vatta einmal ein außerordentlich schöner Mann gewesen war. Und tatsächlich hatte er eine lange Höllenfahrt hinter sich. Während dieser wurde sein Äußeres der zukünftigen Umgebung angepasst, dem Ort also, an dem Sünder mit glühenden Zangen gezwickt und gezwackt werden, bis sie … Nun ja, bis wann eigentlich? Bis in alle Ewigkeit eben, denn zur Reue ist es dann zu spät.

Noch schauerlicher und abstoßender als sein Aussehen aber waren seine Gewohnheiten. Die linke Hand lag immerzu auf seinem Geschlechtsteil und kratzte daran herum. Das dominierende Geräusch meiner Kindheit war dieses ständige Schaben, welches aus der leise kratzenden Bewegung seiner langen, ungeschnittenen Fingernägel auf der alten Tweed-Anzughose, die inzwischen eine Freizeithose geworden war, resultierte. Auch seine andere Hand war unablässig beschäftigt: Entweder mit einem Bierglas oder einer Zigarette.

Etwa alle fünf bis zehn Minuten wartet er mit seinem „Trick“ auf: er löst die untere Hälfte seines Gebisses mit der Zunge und juckt oder säubert ebenfalls mit der Zunge sein Zahnfleisch, wobei das Gebiss etwa zur Hälfte aus dem Mund ragt und wie bei einem Skelett aus der Geisterbahn auf und nieder wackelt. Ich habe immer darauf gewartet, dass es einmal hinunterfällt, aber das geschah nie.

Ständiger Begleiter dieses ansonsten recht einsamen Mannes war der sogenannte Leopard. Der Leopard war ein großes Handtuch, das er zu einem Allzwecktuch umfunktioniert hatte und das lässig wie ein Leopard, dichtgesprenkelt und quasi majestätisch neben ihm auf dem Stuhl lag. Gesprenkelt war es mit allen jenen Körperabsonderungen, die ein normal empfindender Mensch versteckt. Auf diesem Stuhl wagte nie jemand Platz zu nehmen, selbst wenn der Leopard ausnahmsweise einmal in der Wäsche war. Der Leopard kam vor allem zum Einsatz, um die Exkrete von Vattas Raucherhusten aufzufangen. Vatta hustete etwa dreimal täglich wie ein Vieh, man hörte regelrecht, wie es dabei breiartig in seiner Brust herumrührte. Gleichzeitig klang es spröde, als hätten seine Atemorgane jegliche Elastizität verloren. Er hustete und hustete, manchmal zehn Minuten lang, nur unterbrochen durch ein Krächzen – Mutti, meine Oma, nannte es „Aulen“ –, was die von unten nach oben beförderte Fracht sammeln und vollends zu Tage bringen sollte. Wenn er etwas gefischt hatte, wenn also, nach Husten und Krächzen, ein gelber Schleimbrocken in seinem Mund landete, bliesen sich seine Wangen ein wenig auf und in seinen vor Anstrengung blutunterlaufenen Augen standen Tränen. Dann griff er nach dem Leopard, spuckte hinein, rieb die heikle Beute zwischen Daumen und Zeigefinger und studierte sie, indem er sie dicht vor die Augen hielt.

„Hab ick dir, du …, du kleenes Miststück, wolltest dem alten Kupka entwischen, watt? Wolltest ihn ärgern, aber nich mit mir nehehe, nich mit dem alten Kupka!“

Vatta saß auf einem riesigen Fernsehsessel, den er gebraucht gekauft hatte. Ein braunes Monstrum zwar, doch ganz Möbel mit Gutsherrenambiente. Der Sessel war absurderweise drehbar und wenn man sich stark genug gegen die Lehne drückte, kippte er nach hinten weg, um gleichzeitig eine Fußstütze auszufahren. Ein Kunststück, das Vatta beim Kauf mächtig beeindruckte, doch schon bald lehnte er diese „Turnübungen“ ab.

Gegen den Sessel war eine Holzkrücke gelehnt, auf die er sich beim Gehen stützte, denn er hatte vor einigen Jahren einen Oberschenkelhalsbruch erlitten, der ihn an die Wohnung fesselte. Zumindest behauptete er das.

Ein wichtiger Taktgeber seines Lebensrhythmuses waren etwa alle 15 Minuten auftretende Blähungen, „böse Winde“, wie er sie nannte, die von einem unschönen Gestus begleitet wurden. Er verlagerte seine Hand vom Geschlecht auf den Bauch und sagte mit gespielter Sorge: „Oh, oh, da braut sich watt zusammen!“

Dann verlagerte er seinen Körper auf eine Seite, errötete noch stärker und ließ einen für dieses Brimborium enttäuschenden Furz. Daraufhin pflegten mehrere Familienmitglieder vorwurfsvoll „Vatta!“ zu rufen, worauf er immer mit einem unschuldigen „Watt denn?“ antwortete.

Wenn jemand anderes vernehmlich zu furzen wagte, brüllte er wie ein Stier: „Du Schwein, du!“ und pflegte dann mit boshaftem Interesse zu fragen: „Land?“ Oder er wurde noch deutlicher: „Ick wette, der war mit Sommersprossen!“

Auch war er äußerst unduldsam, wenn jemand anderes in seinem Revier die Toilette benutzen wollte, was ihn nicht daran hinderte, beinahe allen Familienmitgliedern eine Art Spülgemeinschaft vorzuschlagen. Dabei hätten mehrere hintereinander das gleiche Spülwasser benutzen sollen, um Geld zu sparen. Diese originelle Idee lehnten wir jedoch dankend ab.

Vatta liebte Frauen mit großen Brüsten. Ja, er empfand es sogar als moralische Schlechtigkeit, wenn eine Frau einen kleinen oder gar keinen Busen hatte. Dann sagte er entrüstet: „Die hat ja wohl die Brust vom Vater!“ – etwa in einem Tonfall wie „Die brät kleine Kinder in der Pfanne.“

Wo immer eine Frau mit großem Busen auftauchte, verfiel er in eine Art erregter Starre und glotzte unaufhörlich und unmissverständlich auf das Objekt der Begierde. Das war allen anderen Beteiligten selbstredend unangenehm. Man versuchte, Vatta durch ein Gespräch abzulenken, doch sagte er nur ja oder nein.

Plötzlich, ich weiß nicht, wie es kam, gab es in meiner Klasse ein Mädchen mit einem Busen. Sie hieß Sabine von Bingen, war hochgewachsen, hatte große Augen, die sie mit glitzerblauer Wimperntusche schmückte. Da dies keine literarische, sondern eine wirkliche Beschreibung des Lebens ist, deuten die großen Augen hier nicht auf eine tiefe Seele hin, sondern waren einfach anatomisch große Augen, so etwa wie die Augen einer Kuh. Der Busen deutete darauf hin, dass ihre Spiele bald andere wären als Gummitwist oder Kästchenhüpfen. Ich schrieb in der Schulstunde auf einen Zettel: „Willst Du mit mir gehen?“ Zwei Kästchen, die mit „Ja“ und „Nein“ beschrieben waren, hatte ich wahlweise zum Ankreuzen vorgegeben. Ich zerknüllte den Zettel und ließ ihn nach vorne zu Sabine durchgeben. Voller Ungeduld wartete ich fünf Minuten, dann schrieb ich noch einen Zettel: „Vergiss es, ich will selber nicht mit Dir gehen!“

Nun erfuhr ich in der Pause aber von ihren Freundinnen, dass sie durchaus mit mir gehen wollte. Warum hatte sie dann nicht sofort geantwortet? Warum ließ sie mich zappeln? Von diesem Zeitpunkt an begannen Frauen ein Mysterium für mich zu werden. Nachdem ich sie zwei volle Pausen lang ignoriert hatte, schrieb sie mir im Unterricht in verschnörkelter Schrift einen Zettel: „Francesco, ich fand es so süß von Dir, was Du geschrieben hast. Wollen wir Eisessen gehen?“

Ich signalisierte ihr, dass ich einverstanden sei, woraufhin sie gleich den nächsten Zettel schrieb: „O.K., ich hole dich morgen um fünf zu Hause ab.“

Mir wird schlecht. Vatta! Alarmstufe rot. Mein Magen krampft. Was soll ich tun? Unter diesen Umständen konnte ich sie nicht treffen, denn dann hätte sie Vatta gesehen. Beruhige dich und übertreibe nicht, denke ich mir, vielleicht ist Vatta gar nicht so entsetzlich, vielleicht bin ich nur übertrieben empfindlich, vielleicht wäre es gar nicht so schlimm, wenn sie ihn sehen würde. Ich betrachte Sabine, sehe ihre glitzerblaue Wimperntusche und ihr sorgfältig aufgeräumtes, niedliches Etui, an dessen Reißverschluss ein kleines Stofftierchen baumelt. Nein, das geht unmöglich. Resigniert, jedoch entschlossen will ich ihr absagen. Da kommt eine vielleicht rettende Idee: Wenn sie klingelt, erscheine ich einfach gestiefelt und gespornt an der Tür, und schon wären wir weg. Ja, das ist eine gute Idee, ich entspanne mich wieder, lehne mich zurück und verträume den Rest des Unterrichts, begleitet von der sonoren und ruhigen Stimme des Geschichtslehrers. Der Geschichtslehrer, Herr Dutzburg, hatte immer Sandalen an, egal, ob es Sommer oder Winter war. Er rief einen niemals auf und machte gleichzeitig einen so grenzenlos langweiligen Unterricht, der aus einem nie endenden, mit ewiggleicher Stimme vorgetragenen Monolog bestand, so dass fast die gesamte Klasse träumte oder schlief. Seine Stimme wirkte selbst auf Streber wie ein Schlafmittel und lähmte einen wie ein sanftes Gift. Nun dämmerte ich in süßer Ahnung, zurückgelehnt, debil und glücklich schmunzelnd, während mir die Augen fast zufielen. Ich sah aus wie ein Heroinsüchtiger nach einem Schuss.

Nächster Tag, 17 Uhr, es klingelt.

Ich rase zur Tür. Vatta sitzt wie Jabba the Hut, das Weltraummonster, in seinem Fernsehsessel, zum Glück nicht auf dem Klo. Ich öffne die Tür und dränge Sabine schon hinaus:

„Hi, lass uns gleich gehen, ja?“

„Hi Francesco, willst du mich nicht hereinbitten und mir kurz dein Zimmer zeigen? Ich habe gehört, du hast ein Aquarium, mein Vater hat auch eins“, schon hatte sie sich an mir vorbeigedrückt.

Scheiß Aquarium, dachte ich.

„Weißt du“, flötete sie, „meine Mutter sagt immer: Kennst du das Zimmer, kennst du den Menschen.“

Mir schnürte sich die Kehle zusammen: „Es gibt Ausnahmen …“

Noch fünf Meter bis zur Wohnzimmertür, noch drei Meter, noch ein Meter. Ich sehe alles in Zeitlupe, ein kleiner Aufkleber an dem Spiegel im Flur fällt mir überdeutlich auf. Ja, ich könnte schwören, dass ich ihn bis zu diesem Tag noch nicht gesehen habe. „Trinkt Milch!“, steht da geschrieben. Ich höre innerlich das zerreißende Stakkato der Geigen aus Psycho, der Mörder kommt mit dem Messer immer näher zur Dusche. Dann das Wohnzimmer, schnell vorbei, nur schnell vorbei. Da, alles Hoffen ist vergebens, tönt es auch schon aus dem Wohnzimmer:

„He, Knattskopp.“ Das war eine Art Mischung aus Schimpf- und Kosename, so nannte er mich in guten Momenten, ich erstarrte.

„Hee, Knattskopp, watt haste denn da anjeschleppt, stell mir doch vor.“

Er verwechselte mit so notorischer Regelmäßigkeit mir und mich, dass es in seinem grammatikalischen System vollständige Richtigkeit hatte. Ich ziehe sie weiter, doch Sabine ist ein gut erzogenes Mädchen, sie will meinen Großvater begrüßen. Sie geht also zu ihm, dieses Lehrertöchterchen, ganz liberal an das Gute im Menschen glaubend und sich selbst natürlich für das Allerbeste haltend. Sie durchschreitet die geschichtete Aura aus Zigarettengestank, Fußschweiß, Furz und natürlich Alkohol und gibt, nun schon etwas weniger liberal, meinem Opa die Hand. Vatta mustert sie von oben bis unten, etwa so, wie ein Juwelier einen Stein mustert. Und da blitzt sie plötzlich wieder auf, für eine kurze Sekunde, die Gewohnheit eines schönen Mannes, um den sich die Frauen gerissen haben und der sich solch einen Blick leisten konnte. Sein Blick bleibt an ihrem Busen kleben, mein Herz setzt aus, ich will sie wegziehen, doch er schüttelt noch immer ihre Hand. Ihr wird langsam unbehaglich. Ich schaue ihn eindringlich an, und mein Blick bettelt um Gnade, doch da ist nichts zu erwarten.

„Freut mir“, noch immer hält er ihre Hand, „freut mir janz besonders!“ Dann, zu mir gewandt:

„Det is aber een kulantet Weib.“ Sabine lacht schräg. Ich will sterben. Kulant war in seinen Augen wohl eine bewundernde Form von korpulent, er verwendete es immer für etwas dicke, aber dennoch attraktive Frauen. Zum Glück versteht Sabine das Wort genauso wenig wie er. Wir gehen in mein Zimmer. Sie ist schon etwas reservierter.

„Netter Opa“, sagt sie.

„Ja“, sag ich.

Mir war klar, dass ich bei ihr nie mehr eine Chance haben würde. Ich habe noch zwei- oder dreimal versucht, Mädchen mit in mein Zimmer zu nehmen, doch es geschah jedes Mal eine Katastrophe. Vatta fuhr mir, gewollt oder ungewollt, so oft in die Parade, bis ich es schließlich aufgab. Einmal saß er auf dem Klo, und das Mädchen „musste“ auch mal. Ich erspare dem Leser die problematischen Verwicklungen, die sich daraus ergaben.

Ein anderes Mal rülpste er den ganzen Abend so laut, dass man es durch zwei geschlossene Türen überdeutlich vernehmen konnte. Peinlicher als die Rülpser war, dass Vatta sie mit lautstarkem Eigenlob („Ja, sauber!“) kommentierte und sich gewissermaßen selbst anfeuerte.

Die Zucht der Verkommenheit

Bei den bisher geschilderten Ereignissen sollte man sich immer vergegenwärtigen, dass sie keine Ausnahmen oder Exzesse der Festtage schildern, dass Vatta also keine gemeine Gelegenheitssau war, wie sie an jeder Ecke zu finden ist. Keiner, der die Freude noch angenehm und wohltemperiert wollte, eben kein Wellness-Tourist. Vatta war ständig und ausdauernd exzessiv, und die Ausschließlichkeit, mit der er sich der Ausschweifung hingab, gebietet Respekt. Bewundernswert ist auch der absolute Verzicht auf Tarnung oder Anlass.

Das Leben wird normalerweise homeostatisch reguliert, das heißt ausgeglichen durch korrigierende Regelkreise. Reinst- und Exremzustände sind selten und vielleicht zunehmend seltener. Vatta aber glich nichts aus, er ging seinen Weg in stringenter Weise.

Das ist eine Leistung, die nur gebührend würdigen kann, wer einmal an einem solchen Leben genascht hat und somit weiß, wie viel Schwierigkeiten damit verbunden sind. Ich gehe noch einen Schritt weiter und behaupte, dass Vatta in seiner Art ein außerordentlich reiner Mensch war, ja in der Konsequenz und Einförmigkeit seiner Lebensweise sozusagen ein Heiliger.

Die Verbindung zwischen extremer Geistigkeit und extremer Sinnlichkeit ist größer, als man gemeinhin denkt. Askese ist nicht einmal ins Gegenteil transformierte Sinnlichkeit, sie ist eine Abart der puren Sinnlichkeit. Die Ruhe und einförmige Lebensweise der Asketen macht sie erst recht zu Wollüstlingen, die die Geißel immer im Anschlag haben. Sage mir vor allem keiner, ein vollständiges Gehenlassen und Eintauchen in Sinnlichkeit sei gemütlich, ja, sei weniger schmerzensreich als die Buße der Asketen, denn eher das Gegenteil ist wahr: Dem sinnlichen Exzess folgt ja stets die größere Buße. Aber ist Sinnlichkeit eine Lösung? Schließlich leben wir in einer selbsterklärt hedonistischen Gesellschaft, was heißen mag, dass nun jeder ein sinnliches Leben führen möchte, aber – soviel ich sehe – kläglich scheitert. Ja, aber, hat euch denn niemand gesagt, dass man nicht mehr Glück verbrauchen kann, als man erzeugt? Dass es nur wenigen Auserwählten vergönnt ist, den schmerzlichsten und grausamsten Weg überhaupt zu gehen: den des sinnlichen Glücks? Hier liegt der geheime Sinn des Spruches: Nichts ist schwerer zu ertragen als eine Reihe von guten Tagen. Da wundert man sich dann: Ja, wie? Ich hab doch alles so überreich und doch geht es so elend … Fragen wir jemanden, der wissen muss, was es damit auf sich hat und wohin ein solches Leben führt, fragen wir Vatta, den Hohepriester und Mönch der Sinnlichkeit, betrachten wir ihn, werfen wir einen Blick auf seinen Tagesablauf.

Aber, Moment, so einfach ist das nicht. Habe ich doch mit dreizehn wirklich andere Dinge im Kopf, als Vatta zu studieren. Zwar hat sich Vattas Tagesablauf von meiner frühesten Kindheit bis zu meinem dreizehnten Lebensjahr nicht wesentlich geändert, jedoch habe ich als Kind gezwungenermaßen mehr Zeit mit ihm verbracht, was mir eine genauere und plastischere Darstellung erlaubt. Schließlich will jedes Kind von Erwachsenen lernen und beobachtet sie zu diesem Zwecke ganz genau. Machen wir also einen weiteren Zeitsprung zurück, bis ich etwa sieben oder acht Jahre alt bin.

Merkwürdig, die Wohnung hat sich im Vergleich zu meinem letzten Tauchgang gar nicht verändert, die gelbe Patina, die alten Möbel, die – heute würde man wohl finden – scheußlichen Tapeten, der Duft kalter Zigarettenasche, alles wie ehedem. Nur sitzt die Kamera noch tiefer, die Augen eines Siebenjährigen sehen alles aus der Froschperspektive. Es ist neun Uhr morgens, ich höre ein komisches Knarren und Raunzen, was ganz plötzlich verstummt.

Vatta ist erwacht. Was ihn weckt? Sein eigenes bestialisches Schnarchen im Verbund mit Hunger und Kaffeedurst, welche den Kampf gegen die komatösen Nebel der alkoholischen Schwere endlich, nach mehreren vergeblichen Anläufen, gewonnen haben. Er richtet sich auf und bleibt eine Weile benommen auf der Bettkante sitzen, dabei kratzt er sich ausgiebig. Dann ein Ins-Bad-Schleppen und – seltsames Relikt eines alten Lebens und letzte Bastion der Körperpflege – ausgiebiges Rasieren mit seinem elektrischen Handrasierer. Dieses monotone, doch wohlklingende Brummen, dieses Hin und Her, bei dem immer, wenn ein kleines Feld noch vorstehender Stoppeln unters Messer kommt, eine metallische Veränderung des Brummens wie eine Erfolgsmeldung knistert, ist Vattas sanfter Übergang von der Traumwelt in den Tag. Es ist weder Wach- noch Schlafzustand, sondern eine recht stabile Phase dazwischen. Währenddessen pinkelt er ins Waschbecken: nur keine Zeit verlieren, denn der Kaffee wartet! Dann bewegt er sich ins Wohnzimmer zum Fernsehsessel, wo meine Oma ihm schon den Tisch gedeckt und das Frühstück bereitet hat. Das tut sie immer, bevor sie in aller Frühe zur Arbeit geht. Stullen mit Harzer-Roller, grober Leberwurst oder Ölsardinen sind vorbereitet, dazu der Kaffee in der Thermoskanne. Er isst mit Appetit, isst überhaupt immer mit Appetit, und schmatzt laut dabei. Zwischendurch heißer Kaffee in großen Schlucken. Dabei wohliges Seufzen, als hätte er eine schwere, arbeitsreiche Nachtschicht hinter sich, als wolle er sagen: „Ah, endlich, es ist geschafft, nach all der Mühsal, nach all den Entbehrungen …“

Die Tageszeitung ausgebreitet vor sich. Er „studiert“ sie aufmerksam, um seinem faschistischen Interesse an Tagesgeschehen, Politik und Geschichte zu frönen. Manchmal liest er mit lauter Stimme Meldungen, die ihm in den Kram passen, kommentiert so, als würde er gerade Weltprobleme lösen. Er redet sich recht in Rage, ich bringe ihn dann leicht zur Weißglut, speziell mit Äußerungen, die ich von meiner linksliberalen Tante aufgeschnappt habe:

„Vatta, ihr habt sechs Millionen Juden umgebracht, warum?“

„Sechs Millionen, ach watt, det gloob ich nicht. Na ja, so nen warmen Bruder wie dir hätten se uff jehden Fall verjahst …“

Er bezichtigt mich der Homosexualität, und lacht sich dabei kaputt. Dann etwas ernster:

„Watt hat denn der Russe jemacht, hä, watt hat der Russe jemacht?“

„Ist mir egal“, sage ich, „mein eigener Opa hat sechs Millionen Juden umgebracht, und ich schäme mich dafür, deswegen werd ich mal Kommunist!“

Das war zuviel, er beginnt zu schreien:

„Kommunist!? Du wirst jar nüscht, merk dich det, jaar nüscht!“

Ich beginne die Internationale zu singen, das bringt ihn zielsicher auf die Palme. Höchste Zeit aus der Reichweite seiner Krücke zu verschwinden.

Er liest etwa zwei Stunden die Tageszeitung und währenddessen wird seine Laune immer schlechter. Gegen elf, halb zwölf wird er sehr gereizt und nervös, der Alkoholpegel ist auf das Tagesminimum gesunken. Ich kann ihn jetzt bis aufs Blut reizen, indem ich mich leise anschleiche und von hinten mit voller Wucht gegen die Zeitung schlage, die er aufgefaltet wie ein Schutzschild vor sich in die Höhe hält. Er erschrickt, so dass er den Impuls meiner Bewegung noch verstärkt und die Zeitung durch die Luft fliegt, um in einzelnen Blättern auf den Boden zu rieseln. Wüste Schimpftiraden und der schnelle Griff nach der Krücke – doch ich bin längst in Sicherheit. Er nörgelt unaufhörlich über die Sozis und die Polen und wird unruhiger und unleidlicher.

Dann, um Schlag zwölf Uhr, gibt er sich einen Ruck, geht zum Kühlschrank und holt sein erstes Bier. Er setzte sich und wird ruhig, eine weihevolle Stille tritt ein. Er öffnet das Bier mit einem professionellen Ruck. Es zischt, und er gießt langsam ein, aber nicht zu langsam, gerade so, dass sich eine schöne Schaumkrone bildet. Er zündet sich eine Zigarette an, hält den Kopf leicht schräg und betrachtet sein Werk. Es ist ein Gottesdienst. Er zögert noch einen Moment und nimmt dann ein, zwei tiefe Schlucke, raucht ein bisschen und trinkt das Glas dann leer. Während er nachschenkt, schaltet er den Fernseher ein und schaut Politik. Wenn er Glück hat, erscheint sein Lieblingspolitiker, Franz Josef Strauß, auf der Mattscheibe.

„Det is een Kerl, der steckt sich alle in de Tasche.“

Er rülpst ein bisschen, furzt ein bisschen und wartet, dass meine Oma von der Arbeit kommt, um ihm das Mittagessen zu bereiten. Um diese Zeit geht keine Gefahr von ihm aus. Ich weiß das, wie eine Antilope weiß, wann der Löwe satt ist und wann nicht. Also kann ich mich auf das in Krückenreichweite befindliche Sofa legen und meine Lieblingscomics lesen: Batman, „Der galaktische Silberstürmer“ und „Der mächtige Thor“.

Die Tür knallt, meine Oma kommt, um das Mittagessen vorzubereiten. Vatta freut sich auf das Mittagessen, ärgert sich aber gleichzeitig, zeigt auf mich und mault:

„Warum frisst denn der hier? Hat der keene Eltern? Watt koofste immer für den een? Ick schmeiß ihn raus!“ Und so weiter.

Vatta ist äußerst geizig. Er spart sein ganzes Leben schon für einen Mercedes. Ich und mein Mittagessen kommen ihm da in die Quere. Das ist nun etwa die Zeit für eine kleine Provokation. Meine Oma hat mir wie immer eine Tafel Schokolade zum Nachtisch mitgebracht. Das ist teuer, und das hasst Vatta besonders. Für mich ist das Essen der Tafel Schokolade der wichtigste Moment des Tages. Niemand macht mir so schöne Gefühle wie Schokolade. Meine Oma sagt:

„Hier, deine Schokolade, aber zeig es nicht Vatta!“

„Klar, Mutti.“

Ich gehe schnurstracks ins Wohnzimmer. Achtung, immer außer Krückenreichweite bleiben!

„Guck mal, Vatta!“

Dann packe ich unter heftigem Gezeter Vattas die Schokolade aus, breche sie in kleine Stücke und organisiere sie so kompakt, dass ich sie auf einmal in den Mund schieben kann. Das ist zwar nicht so genussvoll wie langsam zu essen, dafür aber lustiger. Mann, ist Vatta sauer. Er tobt, und es gibt Streit mit Mutti. Aber Vatta bricht keinen allzu ausgedehnten Streit vom Zaun, denn Mutti bereitet ja gerade das Mittagessen zu, das Vatta schlicht Mittag nennt. Mitten in seiner Schimpflitanei, ja, mitten im Satz bricht Vatta ab.

„Watt machste Mittag?“ fragt er interessiert, liebenswürdig.

„Stampfkartoffeln mit Ei und Bratwurst“, sagt Mutti.

Zufriedenes Grunzen.

Mutti kann nicht besonders gut kochen, doch sie hat vier, fünf Standardgerichte im Repertoire, die für Vatta in Ordnung sind. Stampfkartoffeln mit Ei und Bratwurst sind in Ordnung, Kohlrouladen sind in Ordnung, Erbsensuppe mit Speck ist sehr in Ordnung, doch mäkelt Vatta an Muttis Interpretation dieser Köstlichkeit unaufhörlich herum. Spaghetti sind für mich in Ordnung, für Vatta nicht.

Vatta isst geräuschvoll, während er weiter Fernsehen guckt. Er reinigt sein Gebiss auf beschriebene, eindrucksvolle Weise, hartnäckige Rückstände werden auch mal entfernt, indem er es ganz herausnimmt und mit spitzer Zunge ableckt. Nun ist es Zeit für sein Fußritual, eine kleine yogaartige Entspannungsübung, die er regelmäßig vor dem Mittagsschlaf zu halten pflegt.

Beiläufig sagt er zu meiner Oma:

„Erna, zieh mich doch mal die Socken aus.“

Er kann das nicht alleine, weil sein mächtiger Wanst, sein Oberschenkelhalsbruch und natürlich seine Faulheit ihn daran hindern. Er kann aber auch nicht bitten. Er hätte, im Gegenteil, am liebsten befohlen: „Erna, zieh mich die Socken aus!“

Doch dann hätte meine Oma, die stolz war, nicht reagiert. Die Worte „doch mal“ und ein leicht wehleidiger Tonfall suggerieren die Bitte um einen einmaligen Gefallen, den man ihm, dem alten, kranken Mann doch nicht abschlagen kann. Da meine Oma sehr hilfsbereit ist, sind das genau die richtigen zu drückenden Knöpfe, obwohl es keine einmalige, sondern eine tägliche Hilfeleistung war. Man muss dazu sagen, dass dieser Gefallen Erna nicht wenig Überwindung kostet, denn Vattas Fußschweiß zählt zu den ätzendsten Absonderungen zu denen biologische Systeme fähig sind, vergleichbar etwa mit den Exkreten einer Giftkröte. Potenziert wird die Toxizität noch dadurch, dass seine Füße in diesen Alt-Opa-Kunstlederschlappen versiegelt sind und so in Gärung übertreten. Jedermann entsetzt dieser Geruch, nicht aber unseren Yorkshire-Terrier Charly. Alle wiederum mögen Charly, außer meinem Opa, denn:

„Der Köter frisst mich die Haare vom Kopf.“

Der einzige Grund, warum mein Opa das Tier nicht zum Teufel jagt, ist ihre symbiotische Fußschweißbeziehung, die folgendermaßen funktioniert: Mutti zieht Vatta die Socken aus, Charly steht schon bereit und wackelt mit seinem kleinen Stummelschwänzchen. Vatta sagt:

„Schallie!“ – brandenburgisch für Charly, „nu los!“

Charly leckt daraufhin genüsslich und ausgiebig Vattas Monsterfüße. Vatta entspannt sich. Seine Augen werden noch glasiger und verklären sich. Dabei wiederholt er ständig:

„Aah, tut mich det jut, tut mich det juut!“

„Schallie“ leckt lange und gründlich, auch schafft er es, zwischen die engstehenden und übereinandergelagerten Zehen zu dringen, wo sich so allerlei angesammelt hat.

Nach etwa zehn Minuten rafft Vatta sich auf.

„Nu is jut, Schallie.“

Charly versteht und verschwindet sofort, denn die Quelle des Genusses kann, das weiß er, mitunter unangenehm zutreten. Meine Oma zieht Vatta die Socken wieder an, und Vatta humpelt ins Bett zum Mittagsschlaf, um Kraft zu tanken für die anstrengenden Dinge, die der Tag noch bereithält.

Eine wunderbare Ruhe kehrte ein. Eine Ruhe eher nervlicher als geräuschlicher Natur, denn sie wurde begleitet von dem lauten Schnarchen Vattas. Doch das störte gar nicht, ganz im Gegenteil, es war beruhigend, wie das monotone Läuten von Kuhglocken auf dem Lande oder das Summen eines Bienenstocks. Vielleicht war es umso beruhigender, weil durch das Schnarchen die Quelle der Gefahr weit entfernt im Schlafzimmer geortet wurde. Nun entspannte ich mich. Erst wenn das herzhafte Knattern, das durch die geschlossene Schlafzimmertüre zu einem gedämpften Schnarren wurde, aufhörte, musste man wieder aufpassen.

Ich legte mich aufs Sofa, atmete durch, holte mir noch ein paar Schnuckersachen von Mutti und las meine Lieblingscomics. Den galaktischen Silberstürmer bewunderte ich, weil er auf seinem Brett frei durch die Weiten des Alls surfte und andere, unglaubliche Welten sah. Er bestand aus einem unzerstörbaren, intergalaktischen Material, das wie Chrom aussah, aber natürlich edler war, und surfte durch violette Supernovae, glitzernden Sternenstaub und brennenden Kometenhagel. Alle, auch die extraterrestrischsten Lebensformen waren ihm bekannt, und wenn er sich amüsieren wollte, machte er Planetenhopping oder lief auf den Saturnringen Schlittschuh. Bei solch einer Schlittschuhfahrt sah er zufällig direkt nebenan auf der Erde ein wunderschönes Mädchen, das aussah wie eine junge Zigeunerkönigin. Er verliebte sich sterblich in sie, das war für ihn die größtmögliche Liebe, denn unsterblich war er ja sowieso. Also flitzte er zur Erde, und die beiden wurden ein Paar. Nun war er fest an einen Ort gebunden. Dabei war er eigentlich ein Abenteurer, dafür geschaffen, die Weiten des Alls zu durchstreifen und fremde Welten zu retten. So wurde er traurig, obwohl er glücklich war.

„Dein Herz ist schwer, Silberstürmer“, sagte Shalla, seine Zigeunerkönigin.

„Es ist nichts, Shalla. Nur eine leichte Melancholie.“

„Es ist mehr, Liebling. Ich habe schon lange das nagende Verlangen in dir bemerkt …

… das ich nie werde stillen können. Ich fürchte, du strebst nach dem Unmöglichen, dem Unerreichbaren. Was ist es denn, was dir fehlt? Es gibt doch nichts, was dir die Erde nicht bieten würde. Sieh dich um, Silberstürmer, alle Wunder der Erde … was du willst ist hier … du musst es nur nehmen. “

„Oh Shalla, … Nein! In einem geschenkten Paradies ist ein Mann nichts als ein Schatten!“

Von Zeit zu Zeit konnte er die Erde nicht verlassen, weil sein Erschaffer, eine Art Vater, in etwa zehn Kilometern Höhe eine Barriere errichtet hatte. Er wollte ihn bestrafen, weil er auf der Erde diese sterbliche, aber irrsinnig rassige Frau liebte. Sein kosmischer Vater vertrat wohl die Auffassung, dass es unter seiner Würde sei, eine Sterbliche zu lieben und stellte ihn vor die Wahl: Entweder der Kosmos oder die Braut. Der Silberstürmer war aber so veranlagt, dass er das Mädchen dem Surfen im All, was bis dahin sein Ein und Alles gewesen war, vorzog. Trotzdem litt er wie ein Hund und versuchte, wenn er auf der Erde war, die Barriere zu durchbrechen, um wenigstens mal eben im nächsten Spiralnebel vorbeizuschauen. Wenn er aber im All war und diese irisierenden und bunten Welten sah, litt er noch mehr, weil er sein Mädchen nicht sehen konnte.

Ich konnte ihn gut verstehen und konnte mich nicht satt daran sehen, wie schnittig er auf seinem Bord surfen konnte. Ich hätte viel darum gegeben, einmal mit ihm mitzufliegen. Ich wollte die Weiten des Alls kennenlernen und seine fernsten und jüngsten Galaxien, die mit lässiger Hand wie Juwelen in das schwärzeste Schwarz geworfen waren. Ich stellte mir vor, wie wir dann einzelne Planeten ansteuerten und ich fremdes Leben sah. Der Silberstürmer besuchte mich und sagte:

„Ich nehme dich mit, doch du musst ein Opfer bringen. Was bist du bereit zu tun?“

„Ich schneide mir den kleinen Zeh dafür ab.“

„Hm“, sagte der Silberstürmer, „nicht schlecht, aber das reicht nicht ganz. Du musst dir mindestens den Fuß abschneiden.“

Ich überlegte kurz.

„Einverstanden!“

„Gut, und wenn du zurückkommst, dann passt du ein bisschen auf meine Zigeunerkönigin auf …“

Auch Batman mochte ich sehr, weil er eigentlich gar kein Superheld mit Superkräften war, sondern ein ganz normaler Mensch. Er war keine Mutante, die fliegen konnte oder Hitzeblick oder Superpuste hatte. Nein, Batman war ein Mensch wie du und ich, und trotzdem wagte er es, mit all den Superhelden mitzumischen und gegen die Superschurken, die ja durchaus mutant waren, zu kämpfen. Außerdem hatte er diesen unglaublich „coolen“ nachtschwarzen Dress.

Thor gefiel mir, weil er ein Gott war, also eine Art Super-duper-Held. Er hatte lange, goldene – nicht blonde! – Haare und sah aus wie ein Beachboy, nur markiger. Sicher war er der Stärkste von allen, und wenn es trotzdem mal hart auf hart kam, konnte er immer noch seine Götterkollegen zur Hilfe rufen. Dann hatten die Schurken natürlich nichts mehr zu lachen, denn Götter stechen Mutanten. Seine Macht war unwiderstehlich und sein Hammer, eine furchtbare Waffe, war von Odin persönlich verzaubert.

Ich hasste Superman. Der war zu amerikanisch. Außerdem hab ich ihm nie verziehen, dass er sich in zivil gegenüber seiner Freundin Lois Lane ständig wie ein Trottel verhalten hat, anstatt ihr einen Superkuss zu geben. Der Eiserne war zu technokratisch und Hulk zu tumb.

Herrlich waren die Stunden des frühen Nachmittags, in denen ich auf dem Sofa lag und mit dem Silberstürmer durch den Kosmos sauste und seine Zigeunerkönigin liebte, oder mit Thor über die Regenbogenbrücke lief. Ich war fest entschlossen, mir auch so einen nachtschwarzen Batman-Dress zuzulegen und ein Superheld zu werden, obwohl ich keine Mutante war. Batman hatte es schließlich auch geschafft. Allerdings war der von Hause aus Milliardär, was die Dinge irgendwie einfacher machte, egal, ich würde eine Bank überfallen oder Manager werden und dann …

Doch da hört schon das Schnarchen auf, und die Schlafzimmertür öffnet sich. Vatta humpelt zum Waschbecken und uriniert einen Strahl flüssigen Bernsteins hinein, denn er trinkt den ganzen Tag nichts außer Kaffee oder Bier. Er schüttelt ab, kämmt sich die Haare mit seinem Hornkamm und geht ins Wohnzimmer. Meine Oma ist schon wieder „auf der Arbeit“, doch hat sie ihm heißen Kaffee in einer Thermoskanne und Marmor- oder Sandkuchen aus der Fertigpackung zubereitet. Vatta isst, trinkt zwei Tassen heißen Kaffees und geht dann, etwas schneller als sonst, zur zweiten großen Sitzung auf die Toilette, wobei er sich im Vorbeigehen noch hastig die „Praline“ oder „Neue Revue“ greift, obwohl dazu ein kleiner Umweg nötig ist. Bei diesen Sitzungen raucht er selbstverständlich auch, wozu er extra einen kleinen Aschenbecher neben der Klorolle installiert hat. Er setzt sich, zündet sich eine Zigarette an, schlägt die „Praline“ auf und entspannt sich völlig. Nach einer Weile dringt Zigarettenrauch aus den Ritzen der kleinen Toilette und führt einen weiteren, schon erwähnten Geruch mit sich. Da Gerüche hohe erinnerungsbildende Kraft haben, entsteht so eine wahrhaft unvergessliche Melange.

Ich verließ die Wohnung, um auf der Wiese vor dem Haus mit den asozialen Nachbarsjungen Fußball zu spielen. Wir spielten immer, unabhängig vom Tag oder der Witterung. Ob es tote Katzen hagelte, eine Eisschicht den Rasen bedeckte oder der Ball zuweilen in zwanzig Zentimeter hohem Schnee versank, ob es Weihnachten oder Neujahr war, wir spielten! Es waren famose Kerle dabei: Abdulla, genannt Abdi, ein unglaublich talentierter Marokkaner, zumindest kam es uns so vor, sowie Gagi, Taufname unbekannt, mit seiner Mordswumme. Spielfeld war die Wiese zwischen den Wäschestangen, die prima Torpfosten abgaben. Das Wetter wurde wie so oft schlecht und alles wartete auf ein Gewitter, wobei das Spiel natürlich nicht unterbrochen wurde. Bald setzte dumpfes Donnergrollen ein. Dem Donner ging allerdings kein Blitz voraus, was verdächtig war. Ich allein wusste, dass das Grollen kein Naturereignis war, oder eben doch, nur anderer Natur. Vatta saß auf dem Klo, dessen Fenster direkt über der Wäschewiese lag, und hatte heute wohl ein wenig Verdauungsprobleme …

In der Regel verlief der Nachmittag eher ruhig. Vatta ließ sich nun kontinuierlich vollaufen. Er baute seinen Rausch mit der gleichen Stoik und Professionalität auf wie ein Bauarbeiter eine Mauer. Jeden Abend um Punkt sechs Uhr bimmelte die Glocke der katholischen Kirche, deren Turm direkt vor unserem Fenster lag. Das war für Vatta das Signal von Bier auf Bier und Korn umzustellen und ebenfalls den Abend einzuläuten. Das bedeutet wiederum nicht, dass Vatta am früheren Nachmittag noch richtig nüchtern gewesen wäre. Im Gegenteil, wenn meine Oma so gegen halb fünf von der Arbeit kam, war er schon milde gestimmt. Dann kam es selten, aber regelmäßig zu verqueren Zärtlichkeiten, die ich das zweite Fußritual nannte. Das zweite Fußritual bestand darin, dass meine Oma ihm die Zehennägel schnitt. Eingeleitet mit Vattas:

„Erna, mach mich doch mal die Zähenäjel, ick komm doch nich so weet runter …“

Das war keine einfache Aufgabe, denn Vattas Zehennägel waren klobig, gelb und hart wie Diamant. Jede noch so gute Nagelschere war nach spätestens zweifachem Gebrauch hinüber, und selbst dicke Nagelzangen versagten nur dann nicht, wenn Vattas Füße vorher eine halbe Stunde in heißem Wasser eingeweicht wurden. Ein weiterer Vorteil der Einweichmethode war der Umstand, dass bei trockenen Füßen eine große Kraft auf die Nagelzange wirkte, die sich schlagartig entlud, wenn der Zehennagel durchtrennt wurde. Dann schossen die Zehennägel wie Granatsplitter durch das Wohnzimmer, was freilich eher unappetitlich als gefährlich war. Mutti, die mit sich und anderen sehr reinlich war, konnte man für diese Prozedur gewinnen, weil es immerhin eine Reinigung der ansonsten unerträglich stinkenden Füße erlaubte.

Vatta wusste das und nutzte es aus, indem er die ganze Zeit nörgelte: „Au, du schneidest mich ins Fleisch, pass doch uff“, und immer wieder zischte er leise, so dass man es leicht hätte überhören können: „Mistviech.“

Mein Gott, waren diese Füße hässlich! Ganze Schieferbrüche harter Hornhaut schälten sich rundherum in mehreren, erodierenden Schichten ab. An manchen Stellen hatten sich diese Schichten durch das Fußbad in weißen Frischkäse verwandelt. Darunter waren sie rot und trotz aller Klobigkeit gichtartig gekrümmt. Man hätte denken können, sie gehörten einer überdimensionalen Kreuzung aus Mensch und Fledermaus, einer Gestalt der Nacht, die sich zum Schlafen mit dem Kopf nach unten an die Gardinenstange hängt.

Vattas gesamte unangenehm-tierische Aura hatte aber auch noch andere Ursachen, vor allem rührte sie daher, dass er nie badete und nie duschte. Das Einzige, was er in dieser Hinsicht unternahm, war, sich etwa alle zwei Wochen die Haare zu waschen.

Ich für meine Person nahm täglich ein herrliches Schaumbad, für das ich die Wanne randvoll mit heißem Wasser laufen ließ. Da Vatta, wie gesagt, sehr geizig war, erboste ihn das selbstverständlich, denn heißes Wasser war in seinen Augen teuer. Also musste ich die Tür zum Badezimmer abschließen, um sicherzugehen, dass er nicht mitten in meiner entspannenden Badeprozedur hereinstürmte und mich mit der Krücke traktierte. Bald schon entwickelte er eine allerdings listige Strategie, mir das Baden schwerzumachen. Wie herrlich entspannend waren diese Schaumbäder davor gewesen! Womöglich war man noch durchgefroren oder durchnässt vom schmuddeligen Ruhrpottwetter nach Hause gekommen oder hatte sich einfach in der Wohnung, die aufgrund undichter Fenster nie richtig warm wurde, unterkühlt.