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Isa Katz

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Beschreibung

Daniela verpasst seit Jahren keine Folge der TV-Serie "Berlin im Herzen", vor allem wegen der Hauptrolle Alexander Garbach, verkörpert von ihrem Lieblingsschauspieler Kiran Advani. Für ihn würde Daniela alles tun, er ist der Inhalt ihrer Tagträume und sie ist sich sicher, dass sie ihm auch gefallen würde, hätte sie nur die Gelegenheit, ihn persönlich zu treffen. Diese Chance rückt in greifbare Nähe, als Daniela eine Komparsenrolle gewinnt und mit größten Erwartungen nach Berlin fährt ...

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Seitenzahl: 381

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Ich folge DIR

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Impressum

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Impressum neobooks

Impressum

Isabell Schmitt-Egner

Ich folge

DIR

Isabell Schmitt-Egner 2023

Fichtenweg 12

32139 Spenge

Tel. 05225/1757

[email protected]

Überarbeitete Neuausgabe des Romans „Follower – Die Geschichte einer Stalkerin“ von 2012

1

Der chromfarbene Putzwagen quietschte, als Daniela ihn in den Aufzug schob. Niemand befand sich darin und sie drückte dankbar den Knopf für das Untergeschoss. Wenn sie für andere Leute auf jeder Etage halten musste, kostete sie das Zeit, die sie nicht hatte.

Der Aufzug stoppte mit einem sanften Ruck und die Tür glitt auf. Daniela schob den Wagen vorwärts und dann nach rechts zu den Umkleiden und Arbeitsräumen des Altenheims. Die verschmutzten Wischmobs warf sie in die Sammeltonne. Wieder sah auf die Uhr. Zum bestimmt zehnten Mal in der letzten halben Stunde. Sie musste los. Eigentlich hätte sie den Wagen noch mit sauberen Tüchern und Mobs auffüllen müssen, aber das konnte sie auch morgen erledigen. Frau Kahls hatte sie fast zwanzig Minuten extra gekostet, die musste sie jetzt wieder reinholen. Daniela lief zu den Umkleiden und öffnete die Knöpfe ihres Kittels schon im Gehen. Die Kahls war sicher über hundert Jahre alt und kotzte regelmäßig auf den Boden. Anscheinend hielt sie das am Leben. Das, und das Vergnügen, Daniela beim Putzen zuzusehen … aber das war nun egal. Ab jetzt zählte jede Minute.

Daniela schloss ihren Spind auf, hängte den Kittel hinein, schnappte ihre Tasche und ihre Jacke, dann machte sie sich auf den Weg nach oben. Ein weiterer Blick auf die Uhr. Sie sollte eigentlich noch ein paar Lebensmittel einkaufen. Das schaffte sie jetzt nicht mehr. Daniela beschleunigte ihre Schritte, fast joggte sie. Noch fünfzehn Minuten. Die Glasschiebetür in der Eingangshalle öffnete sich zu langsam und Daniela stieß mit der Schulter an den Rahmen, sodass die ganze Tür wackelte.

»Hey, junge Frau! Langsam da!«, rief ihr jemand hinterher. Sie hörte nicht hin. Ihr Auto wartete ganz am Ende des Parkplatzes unter den Bäumen und sie öffnete es schon von Weitem per Fernbedienung. Sie erreichte den Wagen, riss die Tür auf und warf ihre Tasche auf den Beifahrersitz. Dann startete sie den Motor und setzte zügig, aber vorsichtig, zurück. Bloß keinen Blechschaden verursachen. Das würde sie aufhalten und dann kam sie zu spät. Daniela fuhr über den Parkplatz für Mitarbeiter der Seniorenresidenz »Sonnenblick« und hielt kurz an der Ausfahrt. Sie schaute rechts und links, dann fuhr sie mit leicht quietschenden Reifen an. Noch neun Minuten.

***

Die Rückblende zur letzten Folge hatte sie zwar verpasst, aber als das Fernsehbild endlich aufflammte, erschien das Emblem von »Berlin im Herzen« in feuerroten Lettern und der Vorspann lief. Daniela hielt die Augen auf den Fernseher gerichtet und streifte dabei ihre Schuhe ab. Das Titellied der Serie erklang und eine Frauenstimme sang den nicht sehr einfallsreichen Text, der sich dem Zuschauer schon wegen seiner schlechten Reime einprägte. Nacheinander sah man die verschiedenen Darsteller in ihren rollentypischen Outfits, die sich der Kamera präsentierten, während das Bild immer zum jeweils nächsten Charakter überblendete. Eine dunkelhaarige Frau mit stark geschminkten Lippen legte mit einer überheblichen Geste den Finger ans Kinn ... ihr Gesicht verblasste und es erschien eine rundliche Blondine, die keck eine Haarsträhne hinters Ohr schob. Auch ihr Bild wurde durchsichtig und ein dunkler Haarschopf mit leichten Locken verdrängte sie. Der junge Mann hielt den Blick erst gesenkt, dann hob er langsam, passend zur Musik, den Kopf und sah direkt in die Kamera. Seine blauen Augen blitzten auf. Wie immer gab ihr dieser Blick einen Stich mitten ins Herz.

Daniela konnte sich noch genau an seinen ersten Auftritt erinnern. Einmal, weil sie alle Folgen aufzeichnete und jede davon mehrmals ansah und auch, weil es wirklich ein unvergesslicher Moment gewesen war. Dabei unterschied sich Alexander Garbachs Serienstart nicht großartig von denen anderer Rollen, die zum ersten Mal auftauchten. Meistens stießen die Neulinge mit irgendwem zusammen, wobei etwas herunterfiel und sie mit einem der Hauptcharaktere ins Gespräch kamen. In diesem Moment ahnte der Zuschauer schon, dass man es mit einer neuen, festen Rolle zu tun bekam. Eine zweite Möglichkeit war, dass sie sich für einen Job innerhalb der Serie bewarben und als dritte Option konnten die neuen Schauspieler einen Unfall haben und von einem Hauptcharakter angefahren oder fast angefahren werden. Alexander war angefahren worden und zwar von dem Mann, der sich später als sein Vater entpuppte, der von der Existenz seines Sohnes nichts gewusst hatte. Innerhalb eines Jahres fanden Vater und Sohn zusammen und Alexander mauserte sich in kürzester Zeit zum beliebtesten Darsteller der Serie. Aber das spielte keine Rolle. Daniela hatte ihn schon in den ersten Sekunden entdeckt. Als der BMW des Serienfieslings Stephan Garbach ihn streifte und Alexander zu Boden fiel, hatte Danielas Herz einen Sprung gemacht. Diese Erkenntnis ... sie konnte sich genau erinnern ... als ob plötzlich jemand ein Schild hochhielt, das man nicht übersehen konnte. Nur Sekunden, und sie wusste es. Seitdem hatte sie keine Folge von »Berlin im Herzen« versäumt. Alexander Garbach war der schönste Mann, den sie jemals gesehen hatte und er besaß einen wunderbaren Charakter. Daniela war sich sicher, dass die Schauspieler nicht so viel anders sein konnten als ihre Rollen, denn wie jeder wusste, spielten Soapdarsteller stets sich selbst.

Alexander hatte keine feste Freundin in der Serie, da er direkt am Anfang an ein gnadenloses Miststück geraten war, das er auf einer der schicken Parties seines Vaters kennengelernt hatte. Emilia hatte ihn verführt, obwohl sie ein paar Jahre älter war als er, und ihm den Kopf verdreht, sodass Alex für einige Wochen blind von einer Intrige zur nächsten stolperte. Eigentlich hatte sie es auf Stephan Garbach und sein Geld abgesehen, aber der war zu berechnend und raffiniert, um auf Emilia reinzufallen. Im Internet und in einschlägigen Foren türmten sich die Hassfeuerwerke gegen Emilia sowie die Mitleidsbekundungen für Alex und nicht wenige Einträge stammten von Daniela selbst. Die Fans warteten sehnsüchtig darauf, dass die Machenschaften von Alexanders Freundin endlich aufflogen.

Und dann ... die Erlösung! Daniela dachte oft an diese wunderbare Folge, als Alexander Emilia mit einem anderen Mann erwischte. Sie lag halb entkleidet auf dem Kingsize Bett einer Suite im Garbacher Hof, dem Hotel, das Stephan Garbach in der Serie führte. Durch ein Missverständnis platzte Alex mitten in die Szene und Daniela konnte sich erinnern, dass in der Wohnung neben ihr einige Mädchenstimmen aufschrien. Emilia konnte sich nicht mehr herausreden und Alexander warf sie aus dem Hotel, das sie sich eigentlich hatte unter den Nagel reißen wollen, indem sie im Hintergrund Intrigen spann. Das schüchterne Zimmermädchen Ingrid, das von Emilia seit über zwanzig Folgen erpresst wurde und für sie als Spionin arbeiten musste, packte alles aus, was sie wusste, und das Hotel blieb am Ende fest in Garbach’schen Händen. Nur Alex hatte sehr gelitten und seine Seele trug schwere Wunden der Enttäuschung davon. Er verkündete seinem Vater zwei Folgen später, dass er keiner Frau mehr vertrauen könne und ab jetzt beabsichtige, ein Single-Leben zu führen. Sein Vater legte ihm verständnisvoll die Hand auf die Schulter und Daniela hatte in diesem Moment ihr Sofakissen umarmt vor Glück.

Seitdem blieb Alexander Garbach Single und lehnte alle Flirtversuche von Komparsinnen, Nebenfiguren und sogar der attraktiven Hauptrolle Tamara ab. In den Fanforen kamen inzwischen Stimmen auf, dass Tamara und Alex doch ein tolles Paar abgeben würden. Daniela war absolut nicht dieser Ansicht. Sie war nicht bescheuert und natürlich wusste sie, dass eine Beziehung in einer Serie nicht bedeutete, dass die beiden auch im echten Leben zusammenkamen. Aber es konnte passieren. Die Schauspieler gaben sich nur Filmküsse, aber sie berührten sich wirklich und vielleicht entstanden Gefühle dabei. Außerdem sahen sie sich jeden Tag am Set und kamen sich näher. Ja, das Risiko war da und Daniela konnte weiterhin gut damit leben, dass Alex keine Frau an sich heranließ.

Sie seufzte und verfolgte die Sendung weiter. Aktuell gab es eine wenig attraktive Szene in der Hotelbar zu sehen, in der Herr Garbach, Alex’ Vater, mit einem Großindustriellen einen Deal aushandelte. Alex kam nicht vor in dieser Szene und allein deshalb war sie für Daniela halbwegs uninteressant. In solchen Momenten beobachtete sie das Geschehen im Hintergrund. Dort saßen Komparsen, die so taten, als ob sie aßen und tranken. Dabei machten sie übertriebene Gesten mit den Händen oder hielten den Kopf in einer unnatürlichen Position. Daniela registrierte jede einzelne falsche Bewegung und merkte sie sich. Sie trainierte in ihrem Geist und manchmal auch heimlich allein in ihrem Zimmer. Dann saß sie an einem Tisch oder lässig auf ihrem Sofa und tat so, als ob sie mit jemandem sprach, wobei sie sich in einem großen Spiegel beobachtete, den sie an einer entsprechenden Position aufstellte. Inzwischen war sie richtig gut. So gut, dass sie zwischen all den dilettantischen Komparsen positiv auffallen würde. Aber dazu musste sie es erst einmal bis dorthin schaffen.

Daniela merkte auf, denn Alex betrat die Hotelbar. Daniela sah seine aufrechte Gestalt nur von hinten. Die Kamera folgte ihm durch die Sitzgruppen mit teuren Sesseln, die vor gediegenen Tischen standen. Eine Kellnerin, die ihm entgegenkam, lächelte ihn an und stieß dabei an eine Tischkante, wobei das Glas auf ihrem Tablett kippte und sich über den rostroten Samt eines Sessels ergoss. Sie stieß einen leisen Schrei aus und sofort war Alex neben ihr und fing sie auf, als sie vor Schreck zurücktaumelte. Eine Gänsehaut breitete sich über Danielas Rücken aus. Alex hielt die Kellnerin kurz an den Armen fest und sie sah verstört, aber dankbar, zu ihm auf.

»Ist Ihnen etwas passiert?«, fragte er und seine sanfte Stimme ließ Daniela wieder erschauern.

»Nein«, flüsterte die Kellnerin. Und dann brach sie in Tränen aus. Alex sah sie besorgt an.

»Was haben Sie denn? Das kann man doch wieder reinigen. Das ist nicht schlimm«, sagte er und nahm einfach eine Serviette vom Nachbartisch, um den Sessel notdürftig abzutrocknen.

»Sie haben leicht reden«, schluchzte die Kellnerin. »Das ist mein erster Tag hier. Herr Garbach wird mich rauswerfen! Aber ich brauche den Job! Unbedingt!«

»Er wird Sie nicht rauswerfen. Das kann jedem passieren. Und außerdem bin ich schuld. Wahrscheinlich dachten Sie, ich bin ein Gast und haben auf mich geachtet. Deshalb sind Sie angestoßen.«

Die Frau lachte gequält auf. »Ja, sicher. Und eine Kellnerin, die kann auch nicht gleichzeitig nach den Gästen sehen und ein Tablett tragen. Das ist weiß Gott zu viel verlangt.«

»Seien Sie nicht zu streng mit sich. Ich rede mit Herrn Garbach«, sagte Alex und stellte ihr das leere Glas auf das Tablett zurück.

»Sie?« Die Kellnerin wischte sich die Augen. »Was können Sie da schon ausrichten?«

»Eine ganze Menge. Warten Sie’s ab.«

Alex lächelte noch mal in ihre Richtung und ging weiter. Sein Vater warf ihm bereits missbilligende Blicke zu. Er hatte das Ganze von Weitem beobachtet.

Daniela stöhnte leise auf und sank tiefer in ihren Sessel. Was für eine Rolle! Was hätte sie darum gegeben, an der Stelle dieser neuen Kellnerin spielen zu dürfen! Auch wenn es sich eigentlich schon um eine Kleindarstellerrolle handelte, denn die Kellnerin hatte im Gegensatz zu den Komparsen eine Menge Text.

Auf dem Bildschirm steuerte Alex auf den Tisch zu, an dem sein Vater saß.

»Du wirst es nie lernen, mein Sohn«, empfing ihn Herr Garbach. »Deine Nachsichtigkeit mit allem und jedem treibt das Unternehmen eines Tages noch in den Ruin.«

»Mein Vater übertreibt mal wieder. Ich bin Alexander Garbach. Und Sie sind Herr Manns?«

Er streckte dem untersetzten Mann im teuren Anzug, der seinem Vater gegenüber saß, die Hand hin. Der ergriff sie und schüttelte sie herzlich.

»Anscheinend gibt es doch noch einen Menschen am Garbach’schen Hofstaat. Das war eine nette Geste von Ihnen, junger Mann«, sagte er. »Ihr Vater nimmt mich ganz schön auseinander. Er will mich in die Pleite handeln. Sie sind gerade noch rechtzeitig aufgetaucht.«

Manns lächelte, und Alex legte seinem Vater die Hand auf die Schulter.

»Er meint es nicht so. Dad tut nur so streng, um seinen eigentlichen großzügigen Charakter zu verbergen. Sonst wären Verhandlungen mit Geschäftsleuten wie Ihnen sofort zum Scheitern verurteilt ... wenn du erlaubst ...« Alex griff nach dem Glas seines Vaters und hob es zum Mund. Er leerte es in einem Zug, während die beiden Männer zu ihm aufsahen. Alex winkte der Kellnerin, die gerade versuchte, bei dem Sessel Schadensbegrenzung zu betreiben.

»Bitte bringen Sie uns noch einen hiervon!«

Er schwenkte das Glas. Die Kellnerin sah erschrocken auf, dann lief sie los, um das Gewünschte zu holen.

Daniela krallte die Finger in ihr Kissen. Alex würde der Kellnerin jetzt helfen, ihren Job zu behalten, aber das wurde Daniela langsam zuviel. Die Rolle schien größer zu sein, als gedacht. In diesem Moment blendete das Bild über und das Zeichen des Fernsehsenders erschien. Werbepause! Daniela riss ihr Handy hoch, das immer griffbereit neben ihr lag. Heute war der Monats-Erste und es gab eine Verlosung von Komparsenrollen für »Berlin im Herzen«. Ihre Hände zitterten. Die Frage wurde eingeblendet:

Wo liegt das Hotel Garbacher Hof?

A) am Potsdamer Platz

B) am Garbacher Platz

»Sende eine SMS mit BIH A oder BIH B und gewinne eine Komparsenrolle in deiner Lieblingsserie!«, sagte eine Stimme, die für Danielas Geschmack viel zu lässig klang, als ob kaum etwas davon abhängen würde.

»A«, flüsterte sie, während ihre zitternden Finger die SMS schrieben. »A ... Potsdamer Platz.«

Garbacher Platz war lächerlich. Das war normal bei diesen Gewinnspielen. Es ging nicht darum, dass man bei der Antwort überlegen musste. Der Sender verdiente Geld bei diesem SMS Spiel, aber das war Daniela gleichgültig. Die ganze Werbepause hindurch schickte sie eine SMS nach der anderen. Sie zählte sie nicht. Irgendwann musste es klappen, es musste!

Der letzte Werbespot kam langsam zum Ende und es folgten noch einige Trailer von Abendserien. Danielas Handy piepste, da die ganzen Bestätigungsnachrichten eintrudelten.

Danke! Du nimmst an der Verlosung der Komparsenrolle teil! Besuche unsere Fanpage mit vielen Gewinnspielen und tollen Angeboten ...

Jede Bestätigung war mit Werbung aufgefüllt, aber den ganzen Müll würde Daniela später löschen.

Die Trailershow endete und die Hotelbar erschien wieder auf dem Schirm.

Alex stellte gerade lächelnd das Glas auf den Tisch und kurz darauf kam die sehr aufgeregte Kellnerin mit dem bestellten Getränk heran und servierte es Herrn Garbach an den Platz.

»Kann ich noch etwas für Sie tun?«, fragte sie höflich.

»Also auf mich wirkte das sehr gekonnt«, sagte Alex. »Und an gutes Personal ist schwer ranzukommen. Hab ich recht, Dad?«

Herr Garbach schwieg und sah etwas verkniffen aus. Herr Manns lächelte und nickte in einer Art, die deutlich zeigte, dass er von Alexanders Gebaren beeindruckt war.

Daniela wusste genau, was jetzt geschehen würde, aber sie genoss es trotzdem. Die Kellnerin bekam eine zweite Chance, Herr Garbach würde den Deal mit Manns abschließen, und die Kellnerin war ab sofort in Alex verliebt … das würde sich ein paar Wochen lang hinziehen, bis alles rauskam und Alex ihr dann schonend beibringen würde, dass er ihr nur ein guter Freund sein konnte aufgrund seines Traumas.

Die Kamera fuhr nah auf die dankbaren Augen der Kellnerin, dann wurde der Abspann eingeblendet. Daniela rührte sich nicht, denn gleich kam noch die Vorschau auf die morgige Folge. Ein Werbespot für Intimhygiene lag dazwischen, indem eine Zeichentrickfrau erst leicht verschämt und dann strahlend ein Produkt präsentierte, das auf eine rein weibliche Zuschauerriege schließen ließ. Möglich, dass es kaum Männer gab, die »Berlin im Herzen« regelmäßig anschauten. Und wenn doch, dann sorgte spätestens dieser Werbespot dafür, dass sie es kein zweites Mal wagten. Die freche Angewohnheit der Fernsehsender, zwei Minuten vor Schluss noch einen Werbeblock einzuschieben und dann noch einen Spot vor die Vorschau zu setzen, machte es nicht besser.

Die Vorschau begann, untermalt vom leisen Musikthema der Serie, und man sah die Kellnerin, die von ihrer Vorgesetzten zu unrecht gemaßregelt wurde. Die Hausdame im Garbacher Hof hatte es nämlich auf Herrn Garbach abgesehen und flirtete bei jeder Gelegenheit mit ihm. In den Foren wurde sie schon als neue Emilia gehandelt. Neue, hübsche Gesichter duldete sie nicht. Daniela freute sich auf die nächste Folge, in der Alex der Kellnerin wieder beistehen würde. Jetzt konnte sie wochenlang auf den Moment hinleben, in dem Alex dem Mädchen eine freundliche Abfuhr erteilte. Hochdramatisch – und erleichternd für alle weiblichen Fans. Und absolut zuverlässig. Alex war und blieb Dauersingle. Das war bei »Berlin im Herzen« ein Naturgesetz. Daniela schaltete den Fernseher aus und ging in ihre kleine Küche. Im Kühlschrank standen noch zwei Fertiggerichte als eiserne Reserve und heute würde eines davon dran glauben müssen. Daniela wählte Hühnerfrikassee mit Reis. Ärgerlicherweise ohne Kapern, dafür mit Erbsen. Die Billigvariante. Natürlich hätte sie auch mal bei Pizza Jim bestellen können, aber Daniela sparte ihr Geld. Sie musste zwei Wartesemester durchhalten, bevor sie ihr Studium in Angriff nehmen konnte und nutzte die Zeit, um Geld zu verdienen und etwas zurückzulegen. Sie würde es noch brauchen.

Daniela öffnete die Verpackung und kratzte den aktuell noch unappetitlichen Inhalt auf einen Teller, den sie in die Mikrowelle stellte. Dann ging sie zu ihrem Notebook und fuhr es hoch, während das Essen heiß, aber nicht unbedingt ansehnlicher wurde. Das helle Signalgeräusch ertönte gerade, als sie den Browser öffnete und die Fan-Seite von »Berlin im Herzen« aufrief. Nach jeder Folge stürmten die Fans das Forum und es gab bestimmt gleich eine Diskussion zu der neuen Darstellerin, die die Kellnerin spielte. Daniela flitzte in die Küche, um ihr Essen zu holen. Sie wollte nicht zu viele Beiträge verpassen, bevor sie selbst etwas dazu sagen konnte.

Schnell griff sie den heißen Teller und zog ihn mit einem Küchentuch auf ihr Esstablett, klemmte sich eine Flasche Apfelschorle unter den Arm und ging so schnell, wie es der volle Teller zuließ, wieder zu ihrem Computer zurück. Sie stellte das Tablett links neben die Tastatur. Dann klickte sie auf das Unterforum, in dem über Alexander Garbach geredet wurde. Jeder Darsteller hatte sein eigenes Unterforum und es verstand sich von selbst, dass Alex’ Forum das mit den meisten Beiträgen und Themen war. In den anderen Foren trieb sich kaum jemand herum, abgesehen von zweien, in denen über die Intrigen der Hausdame Gundula getratscht und spekuliert wurde und auch das Unterforum von Henry Cane, dem einzigen Darsteller mit englischem Akzent, erhielt gelegentliche Einträge. Aber wirklich rund ging es nur im allgemeinen Plauderthread und in Alexanders Fanbereich. Die neueste Diskussion war schon gestartet worden und Daniela sah über dreißig Beiträge im Counter. Sie las die Überschrift und zuckte kurz zusammen.

Eine Neue für Alex! Klappt es diesmal???

Daniela öffnete den Thread. Ihr Herz klopfte. Bestimmt spekulierten die User jetzt wieder, aber es waren und blieben nur Spekulationen … ja, nur Spekulationen. Warum manche Fans eine Freundin für Alex in der Serie wollten, verstand sie sowieso nicht. Was für ein dämlicher Gedanke. Daniela begann zügig zu lesen.

BerlinGirl

Hey! Ihr habt sie alle gesehen! Wie findet ihr sie??? Ich denke, sie würde echt gut zu Alex passen!! Endlich mal nicht so ne aufgeblasene Schnepfe!

BIH-Fan99

Joah, sie ist ok, aber irgendwie nervt das auch mit so ner Neuen. Da weiß man jetzt schon, wie’s ausgeht.

Daniela nahm einen Löffel von ihrem Frikassee und las weiter.

Janina S.:

Alex war soooo süüüß heute! Ich bin fast durchgedreht. Ich weiß auch nicht, ist sein Lächeln und so. Er ist eben lieb zu jedem, aber ich glaub auch, die verknallt sich in ihn. Ich kenn die auch. War die nicht mal woanders in ner Serie? Ich kenn sie irgendwoher! Sure!

BIH-Fan99

Jaaaa, dachte ich auch, aber ich komm grad net drauf. Wie heißt die eigentlich?

BerlinGirl

Sie heißt Verena Gint und die Rolle heißt Kristina. Ich logge ein, dass sie später von allen Krissi genannt wird.

Daniela nahm einen Schluck Apfelschorle und las weiter. Nach einer Weile wiederholten sich die Inhalte, das kannte sie schon. Oder es gab Streit. Gelegentlich aktualisierte sie den Thread, denn es kamen immer mehr Kommentare. Die meisten fanden Kristina in Ordnung bis schwer in Ordnung. Daniela schaufelte ihr Essen in sich hinein.

Alexfan

Also ich glaube, diesmal gibt Alex nach. Die haben die schon so eingeführt. Ooooooder sie ist so verknallt, dass sie ihn dann erpresst oder so, weil sie sich sonst was antut. Auf jeden Fall wird das was Größeres!!

Dingdong

@Alexfan: ja, aber nicht so, wie ihr denkt. Die beiden kommen zusammen.

BIH-Fan99

@Dingdong: loggst du das ein?

Dingdong

Ich weiß es aus sicherer Quelle.

Daniela loggte sich mit ihrem Nicknamen »Teufelchen« ein. Es war gut möglich, dass sie gleich in die Debatte einsteigen musste.

BerlinGirl

ZITAT

Dingdong hat geschrieben:

Ich weiß es aus sicherer Quelle

Und die wäre?

Dingdong

Die beiden kommen zusammen, das ist so festgelegt. Alex soll endlich wieder eine Freundin haben.

BIH-Fan99

Das wäre schööön! Ich hab ihn noch nie richtig eine küssen sehen! OMG, das wäre so geil!

Daniela klickte auf antworten. Sie schrieb ihren Kommentar in das Textfeld und drückte auf senden. Ein Fenster öffnete sich: Klicken Sie hier, um ihre Nachricht anzusehen. Daniela klickte.

Teufelchen

Hey, ihr! Denkt ihr eigentlich mal nach? Glaubt ihr echt, dass die Macher von BIH nicht mitlesen im Forum? Wenn ihr so weitermacht, schreiben sie für Alex wirklich noch ne Freundin ins Drehbuch, weil sie denken, wir Fans stehen drauf! Also passt auf, was ihr hier schreibt!!!

Daniela las ihr Posting durch. Das war gut. Sie musste regelmäßig eingreifen bei diesen dummen Teenies, die ohne nachzudenken daherredeten. Sie aktualisierte.

BerlinGirl

@Teufelchen: bleib mal locker. Aufgrund von Fanmeinungen machen die eh nix. Sonst wär die ganze Serie schon anders. Denk mal an die Sache mit Sylvies Laden oder an Sarah mit ihrer Magersucht. Einen Scheiß ändern die.

Daniela öffnete das Antwortfeld und tippte. Sie sandte den Beitrag ab.

Teufelchen

Trotzdem, ich bin dafür, dass wir so was nicht schreiben. Ist das Risiko nicht wert. Am Ende schreiben sie Alex ne Freundin rein und ich sage hiermit für alle stellvertretend, dass WIR DAS NICHT WOLLEN!!! Falls einer mitliest: Sollte Alex eine Freundin kriegen, gucken ich und meine ganzen Freundinnen BIH nie wieder!

Die Freundinnen hatte sie erfunden, aber es klang besser und erhöhte deutlich den Druck der Volksstimme, wie Daniela fand. Sie aktualisierte.

Dingdong

ZITAT

Teufelchen hat geschrieben:

Am Ende schreiben sie Alex ne Freundin rein […]

Schon passiert!

Daniela spürte, dass die Wut langsam in ihr aufstieg. Aber sie musste sich zusammenreißen. Dingdong war bestimmt wieder so ein wichtigtuender Troll … sie presste die Lippen zusammen und dachte kurz nach. Dann schrieb sie eine Antwort.

Teufelchen

Und das weißt du woher genau? Sitzt du etwa im Team und tippst mit?

BerlinGirl

Loool!

Alexfan

Dann sag mal, was du weißt! Jetzt will ich Beweise sehen ;)

Dingdong

Ich muss euch nichts beweisen. Ihr werdet es schon sehen! Die beiden kommen zusammen und sollen ein festes Paar werden. Und zwar bald schon.

»Du dämliche Bitch.« Daniela nahm ihre Apfelschorle und kippte sie fast daneben. Etwas Flüssigkeit lief ihr am Kinn herab und sie wischte sie mit dem Ärmel weg. Sie schrieb, postete ihren Beitrag und aktualisierte.

Teufelchen

Definiere »bald schon«. Ich finde es etwas gewagt, dass du hier solche Gerüchte verbreitest, ohne einen Beweis in der Hand. Alex WAR immer Single und er wird SINGLE BLEIBEN, weil das der Sinn seiner Rolle ist! Alles andere würde die Figur kaputtmachen und so dumm sind die Drehbuchschreiber auch wieder nicht. Die verlieren so viele Zuschauer, das können die sich gar nicht leisten.

Bärlinherz

Weiß man nicht. Die Leute jammern ja immer und dann gucken sies doch.

Janina S.

Ich würd’s nicht schlimm finden, wenn er mal eine hätte! Mal was anderes. Mit Sarah wäre vielleicht auch was gegangen, wenn sie nicht in die Kur gemusst hätte!

Teufelchen

NEIN! Sie wären kein Paar geworden. Denk mal dran, was Alex gesagt hat, als sie schon im Taxi gesessen hat! Ich zitiere: »Du wirst mich in der Schweiz schnell vergessen, Sarah, und das ist gut so. Ich kann das einfach nicht. Es liegt nicht an dir, das weißt du.«

Wisst ihr das nicht mehr??

Janina S.

Oh Mann, du bist ja’n echter Freak, Teufel! Kann sein …  erinnere mich dunkel. Das ist doch schon über ein Jahr her oder was.

Dingdong

Es ist egal, was früher war. Die Serie wird neu konzipiert und viele Figuren werden neu festgelegt. Zum Beispiel wird Georg, wenn er aus dem Urlaub zurückkommt, von einem anderen Darsteller gespielt, denn Hans Bartz steigt aus der Serie aus.

Daniela stieß die Luft durch die Zähne, dass es wie ein Zischen klang. Diese Dingdong ging ihr wahnsinnig auf die Nerven … und sie hatte Angst, dass sie recht haben könnte. Schrieb man so etwas, wenn man wirklich keine Ahnung hatte? Daniela öffnete nebenbei einen neuen Tab und begann zu suchen. Sie durchforstete das Internet nach Hinweisen und Informationen, aber sie fand nichts. Das beruhigte sie etwas. Die Diskussion behielt sie nebenbei im Auge, aber es tat sich nichts Großes mehr. Einmal noch aktualisieren, dann würde sie wohl zu Bett gehen.

BerlinGirl

So, Leute, morgen wieder Schule. Ich bin mal Koje! Bis denne!

Janina S.

Ich auch. Oder wie ein echter Berliner sagen würde: Ick ooch! N8!

Bärlinherz

N8 ihr! Bin auch weg!

Teufelchen

Habe jetzt recherchiert und da hat uns wohl einer nen Bärliner aufgebunden, Leuts! ;)) Keine Spur von einer Freundin für Alex! In der Vorschau findet man auch nichts! Also schlaft gut.

Dingdong

Das steht nicht im Netz. Meine Freundin arbeitet bei der Castingfirma, die für BIH castet, und die müssen es ja wissen. Also, nacht!

Daniela fühlte einen kurzen Anflug von Übelkeit. Diese verdammten Fertiggerichte. Wahrscheinlich vertrug sie kein Glutamat und reagierte empfindlich darauf … diese Dingdong mit ihrem angeblichen Insiderwissen … Daniela erwog, sie als Troll beim Moderator zu melden, aber wahrscheinlich fiel das, was sie tat, unter reine Meinungsäußerung und sie unternahmen nichts dagegen. Sie selbst hatte sich schon mehrmals als Mod im Forum beworben, war aber abgelehnt worden. Dabei hätte sie schon für Ordnung gesorgt und verantwortungsvoll solche hetzerischen Beiträge abgemahnt. Daniela loggte sich aus und fuhr das Notebook herunter. Höchste Zeit, ins Bett zu gehen.

Die Dunkelheit umgab sie. Es gab keine störenden Autogeräusche, denn Danielas kleine Wohnung lag in einer Seitenstraße. Wenn sie in die Stadt zog, um ihr Studium zu beginnen, würde sich das ändern. Aber noch war sie hier, in ihrer vertrauten Umgebung. Und trotzdem blieb der Schlaf aus. Sie probierte eine andere Liegeposition, aber es half nicht. Ihre Zunge fühlte sich trocken an und sie spürte das leichte, raue Ziehen eines unterschwelligen Durstgefühls. Zu wenig, um die Motivation zu finden, sich ein Getränk zu holen, zu unangenehm, um einzuschlafen …

Daniela drehte sich zur Wand und versuchte, das Gefühl zu verdrängen. Sie musste schlafen. Morgen war sie zur Frühschicht eingeteilt. In dem Essen war zu viel Salz gewesen. Diese Fertigkost war versalzen, überzuckert, verfettet und mit Geschmacksverstärkern versetzt. Und der Billigfraß saugte die Feuchtigkeit aus ihren Zellen und hielt sie wach. Ein paar Minuten lag sie noch so in der Dunkelheit. Dann stand sie auf.

Daniela öffnete in ihrer Küche den Kühlschrank und das Licht fiel auf den Fußboden. Sie nahm die Flasche Apfelschorle, schraubte sie auf und trank gierig. Das kühle Getränk spülte den Durst und das Salz in ihren Magen zurück. Erfrischend und wohltuend … Daniela ging mit der Flasche in der Hand ins Wohnzimmer. Sie schaltete das Licht ein und trank noch einen Schluck. Ihr Notebook lag auf dem Regal. Ihr Vater hatte es ihr geschenkt, damit sie in der Uni mitschreiben konnte, aber noch war sie keine Studentin. Bis dahin diente es ihr auf andere Weise. Sie setzte sich, klappte den Monitor hoch, schaltete das Notebook ein und Windows startete. Auf die paar Minuten kam es nicht mehr an. Da konnte sie genauso gut noch einmal ins Forum schauen, ob sich noch etwas getan hatte. Sie öffnete den Browser und rief das Forum auf.

Dingdongs Beitrag stand noch da. Es war der letzte im Thread. Daniela las sich nochmals alles durch, was Dingdong geschrieben hatte. Man konnte nicht mal beschwören, dass sie wirklich eine Frau war. Aber ganz sicher war sie ein Troll. Ein neues Mitglied, das unglaubliche Behauptungen aufstellte. Gerüchte, die sie nicht schlafen ließen. Und morgen hatte sie Frühschicht. Fast wünschte sie, dass sich noch jemand im Forum aufhalten würde, mit dem sie über die Sache reden konnte. Sich gegenseitig zu bestärken, tat gut, aber den meisten Usern schien es nichts auszumachen, dass Alex eine Freundin bekommen könnte. Und oberflächlich betrachtet war es auch nicht wirklich schlimm. Und natürlich wusste sie, dass er nur ein Schauspieler in einer Serie war. Das wussten sie alle, aber darum ging es nicht. Sie selbst war nämlich die Einzige, die weiterdachte. Die Einzige, die in der Lage war, vorausschauend zu denken. Das konnte natürlich daran liegen, dass die anderen fast alle Teenager ohne Lebenserfahrung waren und Daniela konnte diese Dinge einfach besser einschätzen. Es lagen eben Welten dazwischen, ob man fünfzehn oder einundzwanzig war.

Es handelte sich um eine Serie, aber die Schauspieler waren echte Menschen, die andere Menschen für die Kamera umarmten und auch küssten. Und Alex würde seine Filmfreundin küssen. Seine Lippen würden die ihren berühren. In echt. Und auch, wenn es nur gespielt war, würden sie sich nahe kommen, körperlich nahe. Und die Chance, dass er sich in seine Filmpartnerin verliebte, war gegeben. Dieser Gedanke war ihr allgegenwärtig.

Kiran Advani, das war Alexander Garbachs richtiger Name. Ein schöner Name, den ihm seine Eltern ihm gegeben hatten. Sein Vater stammte aus Indien und lebte mit seiner deutschen Frau in Hyderabad, wo er als Ingenieur arbeitete. Daniela hatte das alles recherchiert und stellte sich oft vor, wie es für Kirans Eltern sein mochte, den Sohn so selten zu sehen. Ob sie die Serie in ihrer Heimatstadt verfolgen konnten? Das wusste sie nicht. Vielleicht über das Internet.

Kiran Advani. Sein Name im echten Leben. Und in diesem echten Leben gab es noch keine Freundin, genau wie in der Serie. Aber das konnte sich ändern und diese naiven kleinen Mädchen trieben ihn dorthin. Daniela war sich bewusst, dass sie Kiran mit großer Wahrscheinlichkeit niemals persönlich treffen würde. Aber ganz ausgeschlossen war es nicht und sie arbeitete kontinuierlich daran. Und wenn es soweit war, dann würde sie vorbereitet sein. Noch nie in ihrem Leben hatte sie so etwas erlebt und sie spürte, dass es etwas Besonderes war, vielleicht sogar kosmisch vorbestimmt. Wenn es so etwas gab. Und das ließ sie sich nicht im Vorfeld schon kaputtmachen.

Daniela öffnete einen Tab. Wenige Minuten später hatte sie sich eine weitere Mailadresse eingerichtet. Sie wechselte zurück ins Forum und meldete sich als neue Userin mit dem Namen Carmen80 an. Sie öffnete die Diskussion um die neue Darstellerin und scrollte hinunter zu Dingdongs erstem Beitrag. Unter Dingdongs Signatur gab es einen Button für die Privatnachrichten. Daniela klickte darauf und gelangte in ihr noch leeres Postfach. Gut, dass man im BIH Forum nicht erst freigeschaltet werden musste. Daniela platzierte den blinkenden Cursor im Betreff-Feld.

Deine Postings wegen Alex, schrieb sie und setzte den Cursor ins Nachrichtenfeld.

Hey Dingdong,

ich will dich warnen. Hör auf, so einen kranken Scheiß zu verbreiten, du bescheuerte Bitch! Macht dir das Spaß, so einen Mist zu erzählen, ja? Willst du die User aufhetzen, willst du die BIH-Autoren dazu bringen, dass sie alles umschreiben? Vergiss es und halt die Fresse im Forum!! Ich weiß von anderen, dass sie dich auch scheiße finden, weil du so was schreibst. Und das ohne jeden Beweis, nur um uns zu ärgern. Lösch deine Beiträge, verpiss dich und hör auf, uns vollzuspamen!!

Carmen

Daniela las die Nachricht nochmals durch, dann drückte sie auf senden. Sie lehnte sich zurück und atmete durch. Dann wechselte sie wieder zu dem Anbieter für email-Dienste und richtete sich die nächste Adresse ein. Sie meldete sich als JimmyBFan im Forum an. Dann schrieb sie die nächste Nachricht an Dingdong.

Hallo Dingdong,

ich habe eben deine Beiträge im Forum gesehen und war schon etwas entsetzt. Ich wollte mich eigentlich gar nicht hier anmelden, aber dann habe ich es doch gemacht. Ich muss sagen, das ist schon ein starkes Stück, was du da behauptest. Du weißt vielleicht nicht, was solche Nachrichten in einem Forum auslösen können. Bitte geh verantwortungsbewusster mit deinen Aussagen um und denk nach, bevor du so etwas schreibst. Es wäre wahrscheinlich besser, alles zu löschen, bevor zu viele User das lesen.

Trotzdem alles Gute für dich,

JimmyBFan

Daniela drückte auf senden. Dann organisierte sie sich die nächste Mailadresse. Noch dreimal schrieb sie mit unterschiedlichen Identitäten an Dingdong. Mal freundlich hinweisend, mal schimpfend. Sie achtete darauf, den Schreibstil zu wechseln. Am Ende war sie sehr zufrieden mit ihrem Werk. Dingdong würde sicher nichts mehr posten und sie selbst geriet nicht in Verdacht. Das Notebook war wirklich praktisch für solche Aktionen. Mit ihrem Account Teufelchen schrieb sie nur von ihrem Stand-PC aus. Sie wusste nicht, inwieweit die Admins des Forums Zugriff auf IP Adressen hatten, aber sicher war sicher.

Daniela loggte sich aus und fuhr Windows herunter. Dann klappte sie den kleinen Bildschirm herab und stellte das Gerät zurück ins Regal. Sie gähnte. Die Müdigkeit kam über sie und sie wusste, dass sie jetzt schlafen konnte. Mit kalten Füßen ging sie zurück in ihr Schlafzimmer und schlüpfte ins Bett. Sie kuschelte sich ein und fand fast sofort eine bequeme Liegeposition.

2

Es waren nur wenige Stunden der Ruhe und eigentlich hätte sie sich müde fühlen müssen. Vielleicht war sie todmüde und ihr Körper schüttete irgendwelche Botenstoffe aus, als die Erinnerung zurückkam, denn Daniela fühlte sich hellwach, als sie sich im Bett aufsetzte. Und sie war ein wenig aufgeregt. Sie schlug die Bettdecke zurück und ging sofort Richtung Wohnzimmer. Sie öffnete das Notebook, drückte den Knopf, und das Gerät erwachte zum Leben. Qualvolle Minuten vergingen, bis sie endlich den Browser öffnen und nachsehen konnte. Dingdong hatte die Beiträge über Alex hoffentlich schon gelöscht. In ihren Postkasten mit den Fakeaccounts konnte sie gleich noch reinschauen. Sie öffnete die Diskussion und atmete enttäuscht aus. Es stand noch da. Dingdong hatte vielleicht noch nicht ins Forum hineingeschaut am frühen Morgen. Das erschien ihr unerträglich, denn gleich musste sie zur Arbeit und konnte nicht sehen oder kontrollieren, was in ihrer Abwesenheit im Forum passierte, denn aufs Smartphone schauen war während der Arbeit verboten. Die Aussicht auf eine Frühschicht ohne jede Information … grauenhaft.

Daniela stand auf und ging erst mal ins Bad. Sie duschte schnell und lief in ein Handtuch gewickelt wieder zum Rechner. Immer noch nichts. Auch keine Antworten auf ihre privaten Nachrichten an Dingdong. Sie zog sich an und setzte Kaffeewasser auf. Ihr stand nicht der Sinn nach Frühstück. Erst musste sie wissen, ob sie etwas erreicht hatte und herausfinden, was an den Gerüchten dran war.

Einmal hatte jemand behauptet, dass Kiran Advani auf Jungs stehen würde, und da waren sogar die größten Schnarchnasen des Forums erwacht und mobbten die Gerüchteköchin aus ihrer Mitte, während sie gleichzeitig Stapel an Gegenbeweisen zusammentrugen. Die Aufregung legte sich wieder und es kehrte Ruhe ein. Bis gestern. Aber sie würde auch diese Spamerin in den Griff bekommen.

***

Daniela lenkte ihren kleinen Fiat durch den morgendlichen Berufsverkehr. Das Altenheim lag nur wenige Autominuten von ihrer Wohnung entfernt und sie konnte sich einen schnellen Abstecher zur Tankstelle leisten. Am Monatsanfang kam das neue BIH-Fanheft heraus und das musste sie haben. Vielleicht gab es dort die offizielle Entwarnung oder eben das Gegenteil. Aber ganz sicher erfuhr man, ob diese Kristina ab jetzt fest zur Darstellerriege gehörte. Sie ließ das Auto in die Einfahrt der Tankstelle rollen und parkte etwas abseits der Zapfsäulen. Dann stieg sie aus und ging mit schnellen Schritten zu der gläsernen Kiosktür, die diensteifrig vor ihr zur Seite glitt. Das Zeitschriftenregal war nicht zu übersehen und Daniela wusste genau, wo sie suchen musste. Knallige Farben markierten die Ecke, in der die Zeitschriften für die Zielgruppe im Alter von zwölf bis etwa siebzehn angeboten wurden. Danielas Blick glitt über die chaotischen Cover, die in erster Linie lächelnde Jungstars zeigten. Dann sah sie es. Das Emblem von »Berlin im Herzen« prangte auf der oberen Ecke der Zeitung und Daniela griff zu. Sie stöhnte leise auf. Kristina auf dem Titelblatt. Strahlend und gut gestylt.

Verena Gint spielt ab jetzt in »Berlin im Herzen«! Lest mehr auf Seite 4 …

Daniela sah auf. Der Mann hinter dem Tresen beobachtete sie bereits. Es war besser, die Zeitung erst zu kaufen und dann zu lesen, auch wenn ihr der Weg zur Kasse und dann bis zum Auto endlos erschien. Sie ging flott durch das Regallabyrinth bis zum Verkaufstresen und legte die BIH-Fanzeitung auf den Tisch.

»Welche Nummer?«, fragte der junge Verkäufer.

»Keine. Hab nicht getankt«, antwortete Daniela und hoffte, dass er das Ding endlich einscannte und sie erlöste.

»Also nur das?«, fragte er und nahm die Zeitung in die Hand.

»Ja, nur das.« Daniela öffnete ihre Geldbörse.

»Da hat Ihre Tochter aber Glück, dass Sie extra für sie noch hierher fahren, um ihr das Heft zu kaufen«, sagte der Verkäufer und ließ den Scanner piepen.

Daniela sagte nichts. Sah sie so alt aus, dass er ihr eine Tochter zutraute?

»Würde nicht jede Mutter machen. Das sind dann drei fünfzig«, sagte er und legte die Zeitung wieder hin.

»Kümmer dich um deinen eigenen Kram«, murmelte Daniela.

»Wie bitte?«

»Nichts.«

Sie nahm schnell das Heft und lief zur Tür.

»Warten Sie!«, rief ihr der Verkäufer nach. »Sie kriegen noch fünfzig Cent!«

Daniela hörte nicht hin.

Keine zwanzig Sekunden später saß sie in ihrem Wagen und schlug mit zitternden Fingern Seite vier auf. Sie überflog den Text. Ein Interview mit Verena Gint, eine Andeutung, dass sie mal Schauspiel studiert habe, aber dann doch erst mal als Model für Katalogmode tätig gewesen war, bis sie ganz zufällig ein Agent auf einer Party ansprach und zum Casting einlud.

»Lügnerin«, sagte Daniela und las weiter. Das waren immer diese Geschichten, die gut klangen, aber in Wirklichkeit nur PR-Zwecken dienten. Verena hatte nach dieser angeblichen Einladung vorgesprochen und war angenommen worden. Ihre Rolle war tatsächlich als Hauptrolle angelegt. Und dann machte Danielas Herz einen Satz.

Auf die Frage hin, ob Kristina und Alex ein Paar werden sollen, lächelt Verena unsere Reporterin verschmitzt an. »Das sage ich euch nicht. Da müsst ihr schon weiter BIH gucken, wenn ihr das wissen wollt.«

Wir bedanken uns für das Interview, Verena, und hoffen auf spannende Folgen mit dir!

Tja, liebe Fans von BIH, das werden aufregende Wochen! Unsere Setreporterin bleibt für euch dran!

Übelkeit stieg in ihr hoch und Daniela hielt sich am Lenkrad fest. Das war das Gegenteil einer Entwarnung. Fast schon eine Ankündigung!

Jemand klopfte an ihr Autofenster und sie sah auf. Der Verkäufer stand neben ihrem Wagen und machte ihr ein Zeichen. Daniela ließ fast automatisch das Fenster herunter. Ihr war immer noch übel und sie konnte in dem Moment keinen Zusammenhang zwischen dem Auftauchen des Verkäufers und ihrer Situation herstellen.

»Ihr Wechselgeld. Ich dachte, Sie sind schon weg.« Er hielt ihr das Geldstück hin. »Ist Ihnen nicht gut? Brauchen Sie Hilfe?«

»Nein. Nur meine Ruhe.« Daniela nahm das Fünfzig-Cent-Stück und warf es achtlos neben sich auf den Beifahrersitz. Der Blick des Verkäufers blieb an der aufgeschlagenen Zeitung auf Danielas Knien hängen. Dann sah er sie wieder an.

Daniela drehte den Zündschlüssel und der Motor sprang an. Ohne ein weiteres Wort gab sie Gas und brauste davon. Sollte der Kerl doch denken, was er wollte. Sie hatte wirklich andere Sorgen.

***

Der Vormittag quälte sich voran und Daniela litt mit ihm. Die Pflegerinnen drückten ihr ein paar Sprüche rein, weil sie am Vortag die Bewohner aus Versehen in den Speisesaal gelassen hatte, obwohl noch nicht eingedeckt gewesen war, aber sie registrierte es kaum. Während sie Böden schrubbte, Urin von Klobrillen wischte und Teppiche saugte, kreisten ihre Gedanken nur um ihn. Das taten sie sonst auch, aber normalerweise handelte es sich dabei um Tagträume, in denen sie mal mit Alex und mal mit Kiran zusammen war. Positive, schöne Träume. Szenarien, die erdacht waren, aber in denen sie schwelgen konnte und die sich, wenn sie sie lange genug heraufbeschwor, echt anfühlten.

In ihrer Fantasie kam sie als neue Kleindarstellerin ans Set von BIH und der Regisseur bemerkte ihr Talent und entschied spontan, dass sie eine Szene zusammen mit Kiran spielen sollte. Einer ihrer häufigsten Träume, einer der wundervollsten. Daniela stellte sich dann vor, wie sie leicht verwundert tat ob dieser neuen Aufgabe, obwohl sie schon erwartet hatte, dass es dazu kam. Sie begrüßte Kiran, der ihr zulächelte und natürlich noch ein wenig schüchtern ihr gegenüber war. Sie gefiel ihm, das war deutlich zu sehen, und er hielt sich zurück, mit schauspielerischer Professionalität. Dann probten sie und Daniela sprach ihren neuen Text fehlerfrei, spontan und natürlich, während ihr die anderen Komparsinnen und Kleindarstellerinnen neidvolle Blicke zuwarfen und der Regisseur dem Regieassistenten beeindruckt zunickte …

Wichtig an ihren Träumen war ihr, dass sie theoretisch wahr werden konnten, auch wenn es noch so unwahrscheinlich schien. Es war theoretisch möglich, dass sie es ans Set schaffte und Kiran begegnete … und es war theoretisch möglich, dass man sie dort bemerkte und ihr eine größere Rolle anbot. Sie brauchte diese Möglichkeit für sich, für ihre Seele. Und Verena Gint konnte diese letzte Möglichkeit zunichte machen. Sie hatte das erreicht, was Daniela sich seit zwei Jahren erträumte, und sie verdarb, ja, sie vergiftete Danielas Fantasien, machte sie unrealistisch, theoretisch fast unmöglich.

In ihrem Gehirn ratterte es unaufhörlich. Sie grübelte und grübelte, erledigte ihre Arbeit wie in Trance. Und sie fand keine Lösung. Es war zum Verzweifeln. Obwohl sie genau wusste, was richtig war, konnte sie nicht bewirken, dass das Richtige passierte. Sie musste hilflos mit ansehen, wie das große Thema ihres Lebens sich in die falsche Richtung entwickelte.

Daniela klemmte ihren Mop in die Halterung des Putzwagens, lief den Gang entlang und dann die Treppe hinunter ins Erdgeschoss. Hier gab es eine wenig besuchte Personaltoilette. Ein Rückzugsort für Notfälle, den sie schon einige Male genutzt hatte, wenn ihr zum Weinen war oder sie dem ganzen Pulk für ein paar Minuten entfliehen wollte. Daniela öffnete die Tür zu dem dunklen, kühlen Raum mit den weißen Kacheln. Es schien niemand darin zu sein und sie verzichtete darauf, den Lichtschalter zu betätigen. Daniela ging zu einer der Toilettenkabinen und schloss sich ein. Und dann weinte sie. Die Tränen strömten aus ihren Augen, kaum dass sie die Tür verschlossen hatte. Sie lehnte sich gegen die Kabinenwand und schluchzte, einsam und ungehört. Es war ungerecht, so furchtbar ungerecht. Und das Schlimmste war, dass sie langsam ihren eigenen Anteil an dem ganzen Dilemma sehen konnte. Sie hätte nach Berlin gehen können und sich statt für ein Biologiestudium, auf das sie eigentlich keine Lust hatte, für ein Schauspielstudium an der Filmhochschule bewerben können. Vielleicht wäre dann alles anders gekommen. Sie hatte sich einfach nicht genügend angestrengt und sich von ihrer Familie davon abhalten lassen, ihre eigentliche Bestimmung zu leben und interessante Leute kennenzulernen … Kiran kennenzulernen … in Schauspielerkreisen gab es gewiss Parties und Treffs und es wäre nur eine Frage der Zeit gewesen, bis sie ihn getroffen hätte.

Wäre, hätte … jetzt war es vorbei. Der Zug war abgefahren und verschwand in einer Qualmwolke am Horizont, weil sie sich nicht hatte durchsetzen können.

Ihre Mutter hatte es Daniela hauptamtlich ausgeredet und als Spinnerei abgetan, als sie ihren Eltern den Wunsch mitteilte, nach Berlin zu gehen. Das war etwa drei Wochen nach Kirans Debütfolge bei BIH geschehen und Daniela besuchte damals noch das örtliche Gymnasium.

»Und was willst du dann machen? Rumsitzen und warten, dass Spielberg anruft?«

Sie hatten es ihr nicht zugetraut, sie in Grund und Boden argumentiert.

Und jetzt? Es war so viel Zeit vergangen. Viel zu viel. Und sie war selbst schuld daran, weil sie nicht stark genug gewesen war. Wieder liefen die Tränen brennend über ihr Gesicht und sie riss einige Blätter Klopapier ab, da ihre Nase ebenfalls zu laufen anfing. Daniela setzte sich auf den Toilettendeckel und versuchte, sich zu beruhigen. Das brachte so nichts. Sie musste damit aufhören. Sie war eine erwachsene Frau und BIH war nur eine Serie, nur eine Serie … eine künstliche Welt. Das musste sie sich klarmachen, über den Verstand. Es durfte nicht sein, dass sie wegen einer TV-Serie nicht mehr arbeiten konnte und unglücklich war. Und genau genommen, war ja noch gar nichts Schlimmes passiert. Noch nicht. Bisher gab es nur eine neue Rolle bei BIH, mehr nicht. Das musste gar nichts heißen und sie durfte sich wegen einer Serienrolle nicht aus der Bahn werfen lassen. Vielleicht war gar nicht vorgesehen, dass diese Kristina mit Alex zusammenkam. Und wenn doch … dann war es nicht sicher, dass sich Kiran in die Darstellerin verliebte. Niemand konnte das voraussagen. Es war noch nicht vorbei, es gab noch Chancen, das Ruder herumzureißen. Es war theoretisch möglich.

Daniela schöpfte Atem und schnäuzte sich in ein paar neue Lagen Klopapier. Ja, theoretisch noch machbar. Das genügte ihr im Grunde. Noch nicht alles vorbei. Vielleicht war dieses Ereignis auch ein Zeichen, dass sie etwas ändern sollte in ihrem Leben. Sie hatte schon öfters Ahnungen gehabt, die sich dann erfüllten, und nicht selten hatte sie einen Wink des Schicksals richtig gedeutet. Die Situation spitzte sich zu, wurde drängend, damit sie endlich aufmerkte und den Faden sah, dem sie folgen musste. Ja, das war es. Jetzt spürte sie es deutlich und die Ahnung mauserte sich zur Gewissheit. Sie besaß die Kraft, das Richtige zu tun und für ihren Traum zu kämpfen. Sie war wachsam und konsequent, vertrieb Trolle wie Dingdong und machte sich für Alex stark. Von diesem Weg durfte sie nicht abweichen, auch wenn sie mal einen Rückschlag einsteckte.