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Drei Geschichten, drei Helden, ein Feind. In verschiedenen Gestalten geistert eine diabolische Kreatur durch die Welt, um Unheil anzurichten und trifft jedes Mal auf Widerstand. Die scheinbar verrückten Gegner glauben das wahre Gesicht des Unheils zu sehen oder befindet es sich doch nur in deren Köpfen? Und wird es am Ende gelingen, es zu besiegen? Ein All-Age-Abenteuer durch Zeit, Raum und Traum.
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Seitenzahl: 108
Veröffentlichungsjahr: 2020
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„Ich fürchte mich vor dem Tag, an dem die Technologie unsere Menschlichkeit übertrifft. Auf der Welt wird es nur noch eine Generation aus Idioten geben.“.
Albert Einstein
1
Der Wecker riss Adam aus dem Tiefschlaf. Der Film am Abend zuvor war zu lang und zu spannend gewesen, als dass er ausreichend hätte schlafen können. An seinem letzten Geburtstag hatte der 13-Jährige einen Fernseher für sein Zimmer bekommen, was er nur ausnutzen konnte. Antriebslos drückte Adam den Snooze-Button des Smartphones, was ebenfalls ein kürzlich erlangtes Geschenk war, und wurde fünf Minuten nach dem Aufwachen wieder daran erinnert, dass er zur Schule musste. Mehr Antrieb hatte er beim zweiten Klingeln nicht, aber auch keine andere Wahl als aufzustehen. Andernfalls würde seine Mutter ihn dazu bringen. Es folgte eine zu lange, warme Dusche und deshalb ein hektisches Frühstück aus Industriewaren.
Halten wir uns nicht lange mit Details auf. Ein normaler Junge an einem normalen Morgen im Jahr 2019 begann einen bis jetzt normalen Tag. Seine Eltern lebten getrennt, aber auch das war nicht ungewöhnlich. Er lebte mit seiner Mutter und seinem zwei Jahre älteren Bruder Emil zusammen in einem Reihenhaus südlich der A40 in Essen. Die Mutter gab sich Mühe, Adam und Emil anständig zu erziehen, doch konnte sie selbstverständlich nicht vor allen Gefahren und negativen Einflüssen bewahren.
Als Adam das Haus an diesem Tag verließ, wünschte seine Mutter ihm wie jeden Morgen viel Spaß in der Schule und er gab seine Standardantwort: „Werde ich nicht haben.“ Allerdings verlief dieser Tag anders als alle anderen und sollte sein Leben entscheidend verändern.
***
Als es in der Schule noch einfach war, als mehr gespielt wurde und nur Grundlagen erklärt wurden, als es noch keine Noten gab, da war Adam noch gern zur Schule gegangen. Gegen Ende der Grundschulzeit wurde er faul und suchte anderweitig nach Anerkennung. Unglücklicherweise hatte er ein Talent, sich Freunde mit negativem Einfluss auszusuchen und seine mäßigen Noten führten zu einer Hauptschulempfehlung. Sein älterer Bruder Emil war ehrgeiziger und hatte es auf das Gymnasium in ihrer wohlhabenden Seite der Stadt geschafft. Nördlich der A40 hingegen waren die Mieten billiger, weshalb dort die meisten Hartz-IV-Empfänger und Migranten wohnten. Dort besuchten lediglich 15 Prozent der Schüler das Gymnasium, während es im Süden 85 % waren.
Adams engster Freund in der Hauptschule nördlich der Autobahn, kam aus einer traditionellen Familie von Kohlearbeitern, strebte selbst jedoch eine Zukunft als Gangster-Rapper an. In Anspielung auf die Verbrecher-Figur bei den Simpsons wurde er „Snake“ genannt und schlich gerade mit Adam in die geheime Raucherecke. Adam hatte bereits ein paar Male Zigaretten für die besagte Anerkennung gepafft, aber heute war es anders.
Snake holte einen kleinen Plastikbeutel aus seiner Tasche. Der Inhalt sah nicht besonders gefährlich aus. Etwas kleines Pflanzliches befand sich darin. „Weißt du, was das ist?“ fragte er. „Klar“ log Adam. Snakes nächste Frage lautete „Hast du schon mal gekifft?“ – „Ja, aber einmal reicht.“ Auch das war gelogen und sein zweifelhafter Freund ahnte es. Herausfordernd sah er Adam an, während er in dem Versteck einen Joint drehte. Machen wir auch hier keine große Sache daraus, als ob so etwas noch nie passiert wäre, sodass man es hier erfinden muss. Der pubertäre Junge nahm schließlich einen Zug, doch in diesem speziellen Fall war dies der Auslöser für den Wendepunkt in Adams Leben, der ihn zu etwas Besonderem entwickeln würde.
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Auf dem Heimweg sah er diesen Fremden zum ersten Mal. Einen obdachlosen Bettler um die sechzig Jahre alt mit einer Halbglatze. Auch er sah Adam und sagte zu ihm: „Wenn du nicht auf deine Eltern hörst, hör wenigstens auf dich selbst.“ Der Junge war verwirrt und ignorierte den Fremden. Er fragte sich, ob das Zeug, das sie geraucht hatten, vielleicht nicht das gewesen war, was Snake erzählt hatte, sondern etwas Gefährlicheres. Etwas Halluzinogenes. Der eigentliche Grund, weshalb er sich mit diesem Freund herumtrieb und ihm nacheiferte, war, dass er an Snakes Freundin Alexandra interessiert war. Deshalb hatte er die Zigaretten gepafft und deshalb war er heute einen Schritt weiter in eine zwielichtige Zukunft gegangen. Nun bekam er die Quittung und trottete mit einem starken Schwindelgefühl nach Haus.
Am Nachmittag machte er das Nötigste an Hausaufgaben und widmete sich anschließend Videospielen auf der Konsole in seinem Zimmer. Es war eine Ablenkung von der Verwirrung, doch später im Schlaf packte ihn eine weitere unheimliche Erscheinung. Er hatte einen Alptraum von einer Dame, die Alexandra oder kurz Alexa ähnelte. Umgeben von silbernem Rauch, gekleidet in einen schwarzen, ledernen Mantel stand sie vor dem Eingang eines Schlosses und lockte den ahnungslosen Adam hinein. In der Falle verwandelte sie sich in eine alte, verrunzelte Hexe und Adam selbst in den Obdachlosen. Am Schluss des Traumes verriet sie, mit wem er es zu tun hatte. Mit dem Teufel.
***
Der Wecker riss Adam aus dem Tiefschlaf. Er drückte den Snooze-Button und schlief wieder ein. Zehn Minuten später wurde er von seiner Mutter geweckt. Nach der Morgenroutine wünschte sie ihm an der Tür viel Spaß und er gab seine Standardantwort. Bis auf ein leichtes Schwindelgefühl war der Morgen relativ normal. Er ging den gewohnten zwanzigminütigen Schulweg, auf dessen Hälfte er wieder den Obdachlosen sah. „Viel Spaß in der Schule.“ wünschte auch er dem Jungen. Reflexartig gab Adam die Standardantwort „Werde ich nicht haben.“ Der Mann schüttelte den Kopf, erhob sich und ging auf Adam zu. „Wenn du dir das oft genug einredest, wirst du sicher keinen Spaß haben, aber es funktioniert auch anders herum. Wenn du jeden Morgen sagen würdest ‚Werde ich haben.‘ und dir dabei vorstelltest, wie dein perfekter Schultag sein würde und wie schön das Gefühl dabei wäre, dann programmiertest du dein Unterbewusstsein auf Erfolg.“
Da war wieder die Verwirrung. „Was?“ entgegnete Adam. „Sie sehen ehrlich gesagt nicht so aus, als ob Sie viel von Erfolg verstünden.“ - „Nein, aber du willst doch nicht so enden wie ich, oder? Für dich ist es noch nicht zu spät. Ich könnte du aus der Zukunft sein, wenn du nichts änderst.“ – „Sie kennen mich doch gar nicht. Warum rede ich überhaupt mit Ihnen?“ – „Du hast recht. Du solltest nicht mit mir reden. Und weißt du auch, warum?“ – „Weil Sie ein Fremder sind.“ – „Nein, weil nur du mich sehen kannst. Ich bin eine Halluzination und die Leute denken, du redest mit einem imaginären Freund, womit sie auch recht haben. Nenn mich Herr Morgen.“
Adam wurde auf dem restlichen Schulweg begleitet. „Denk einfach, was du mir sagen willst, statt es auszusprechen und ich gebe dir eine Antwort.“ empfahl Herr Morgen. Anstatt mit gesprochenen Worten zu antworten, tat Adam, was der Mann gesagt hatte und dachte: Was genau wollen Sie von mir? - „Ich will dich vor folgenschweren Fehlern bewahren. Fehlern wie dem gestern in der Raucherecke.“
Herr Morgen hatte nicht nur die gedachte Frage beantwortet, sondern auch von Adams Geheimnis gewusst. Vielleicht hatte er die Frage einfach geahnt und ihn in der Schule heimlich beobachtet. Er konnte doch nicht wirklich eine sprechende Halluzination sein, oder?
Herr Morgen sprach weiter „Ich bin ein Gegenstück zu der Hexe aus deinem Traum. Sie ist eine Abwandlung von Snakes Freundin und ich eine Abwandlung von dir. Ich wurde von deinem Unterbewusstsein erschaffen, um dich auf den richtigen Weg zu bringen. Dem Weg zum Erfolg.“ Das war der Beweis. Er sagte die Wahrheit. – Und wie sieht der Erfolg aus? Was ist das Ziel? - „Noch steht dir alles offen. Was willst du denn erreichen? Umso größer das Ziel ist, auf das du hinarbeitest, desto mehr wirst du erreichen.“
- Umso größer desto besser? Dann will ich Gott werden. - „Du willst also allmächtig sein. Und wie würdest du deine Macht einsetzen?“ – Ich würde mich erwachsen machen, groß und unglaublich stark. Ich würde so aussehen wie Arnold Schwarzenegger zu seiner besten Zeit und so schlau sein wie Einstein und dann würde ich die Welt in ein Paradies verwandeln.
- „Das kannst du auch alles tun. Möglicherweise schon heute. Ich zeige dir später, wie.“ Der halluzinierende Junge erreichte die Schule und sein neuer, imaginärer Freund gab ihm noch den Rat, sich dort auf den Unterricht zu konzentrieren und sich von negativen Einflüssen fernzuhalten.
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Adam versuchte, den Rat zu befolgen und hielt sich von Snake und Alexa fern. Es fiel ihm nicht leicht. Wie in seinem Alptraum wurde er fast magisch von dem Mädchen angezogen. Als er jedoch vor einer einfachen Entscheidung stand, zeigte sich Herrn Morgens Einfluss. Es ging um die Wahl einer Projektwoche. Snake und Alexa entschieden sich für das Thema Virtual-Reality. Adam wählte das Projekt Klimawandel. Er hätte nicht gedacht, dass es in dieser Gruppe jemanden geben würde, den er in irgendeiner Weise beeindrucken wollte, denn es waren die langweiligen Schüler.
Eine von ihnen war Adams Sitznachbarin Natyra. Eine vergleichsweise gute Schülerin aus einer ehrgeizigen Familie mit Migrationshintergrund. Sie war nicht nur klug und nett, sondern auch bildschön. Deshalb verging nicht einmal der erste Tag der Projektwoche, ohne dass Adam seine erste große Liebe fand, welche Alexa rasch in den Schatten stellte.
Natyra war zwar höflich, doch leider war Adam ihr offensichtlich nicht besonders sympathisch. Möglicherweise würde es sich ja noch ändern so hoffte er. Selbst wenn er nicht mit Natyra zusammenkommen würde, war sie zumindest ein Ansporn für eine positive Entwicklung. Er versuchte, sich auf den Unterricht zu konzentrieren, wobei die Lehrerin und Projektleiterin mit dem nicht ganz unpassenden Namen Baumgarten das Thema einleitete.
„Kennt jemand den Unterschied zwischen Wetter und Klima?“ fragte sie die Streber. Bei dieser Frage gab es keine Chance für Adam zu punkten. Seine Sitznachbarin hingegen meldete sich zu Wort und sagte: „Das Wort Klima bezieht sich auf einen längeren Zeitraum.“ - „Richtig.“ antwortete Frau Baumgarten und ergänzte: „Das Wetter kann sich täglich ändern. Das Klima in einer bestimmten Region ändert sich wesentlich seltener zum Beispiel durch eine Eiszeit. Wie wir wissen findet aber gerade eine weltweite Klimaveränderung statt und das Besondere dabei ist, dass sie vor allem durch Menschen verursacht wird. Und zwar, wie?“ Das war Adams Chance. Jeder wusste die Antwort heutzutage. Er meldete sich blitzschnell und imitierte dabei das Motorengeräusch eines Jets. Bevor er antwortete, bemerkte er ein leichtes Lächeln seiner Sitznachbarin.
„Durch Co2.“ - „Genau.“ sagte die Lehrerin und vervollständigte: „Co2 oder Kohlenstoffdioxid ist ein Treibhausgas. Das heißt wenn wir zu viel davon in unserer Atmosphäre haben, erwärmt sich der Planet und das ist der Klimawandel. Normalerweise verwandeln Pflanzen Kohlendioxid in Sauerstoff, aber wir haben das System aus dem Gleichgewicht gebracht. Wir haben zu wenige Bäume, zu viel Kohlekraft, fahren zu viel Auto und so weiter. Das verursacht Hitzewellen und andere Naturkatastrophen und deshalb sollten wir uns ändern. Wir sollten unser Verhalten korrigieren, um unsere verschmutzte Umwelt zu korrigieren.“
Auf dem Heimweg traf Adam seinen neuen Freund nicht. Erst am Abend erschien er ihm im Traum. Er begegnete ihm in einer unrealistischen Version seiner zukünftigen Behausung. Alles war irgendwie verzerrt und ungewiss in dem Wohnzimmer, wo Adam seinem Zukunfts-Ich gegenüberstand. Dort erklärte Herr Morgen, was er zuvor angedeutet hatte.
„Du willst also allmächtig sein und dich selbst und die Welt verbessern. Nun, das lässt sich einrichten. Es gibt einen Zustand, der sich Klartraum oder luzider Traum nennt. Das heißt, du schläfst, bist dir dessen bewusst und in der Lage, deine Träume beliebig zu steuern. Du kannst alles ausleben, was du willst. Egal ob du fliegen willst, deine Feinde besiegen oder deine Geliebte küssen. Du kannst auch neue Fähigkeiten lernen oder üben und dabei stehen dir viel mehr Mittel zur Verfügung als in Wirklichkeit. Viele Genies haben ebenfalls ihre Schlafzeit genutzt, um an ihren Projekten zu arbeiten. Normalerweise muss man bestimmte Techniken anwenden, um sich in diesen Zustand zu versetzen. Zähl mal deine Finger.“
Im Traum sah Adam sich seine Hand an und stellte fest, dass seine rechte Hand sechs Finger hatte. Herr Morgen bestätigte: „Daran merkst du, dass du träumst und jetzt übernimm die Kontrolle!“
In seinem Klartraum versuchte Adam vor sich Natyra zu erschaffen. Anfangs funktionierte es. Er schuf ihr engelsgleiches Gesicht, doch es war nicht einfach die Kontrolle zu behalten. Die ozeanblauen Augen verfärbten sich leuchtend rot und schon stand wieder die Frau seiner Alpträume vor ihm. Er entschied sich aufzuwachen.
***
Der Wecker riss Adam nicht aus dem Tiefschlaf. Er nahm eine kurze, kalte Dusche und ein ausgiebiges Frühstück. An der Tür wünschte seine Mutter ihm „Viel Spaß“ und er antwortete. „Werde ich haben.“- „Was?“ fragte sie mit einem irritierten Lächeln. - „Ich muss los.“ entgegnete der Veränderte. An der gewohnten Stelle traf er Herrn Morgen. Heute machte sein Zukunfts-Ich einen gesünderen Eindruck. Der Mann sagte: „Hallo, ich sehe, du bist auf dem richtigen Weg und jeder kleine Erfolg wird dich weiterführen. Weiter aufwärts zu deinem Ziel.“
- Welches Ziel meinst du?Gott zu werden? – „Eigentlich hat jeder Mensch das gleiche Ziel. Und zwar glücklich zu sein. Wissenschaftlich gesehen sind dafür die Glückshormone verantwortlich, die unter bestimmten Umständen ausgeschüttet werden. Du, Adam, wärst erstmal am glücklichsten, wenn du Natyra eroberst.“ - Dir brauche ich ja nichts vorzumachen. Ich glaube, du hast recht und wie soll ich das anstellen?
