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Für Leser ab 12 macht Marliese Arold in ihrem JugendromanIch will doch leben! verständnisvoll auf das Thema AIDS aufmerksam. Intensiv und einfühlsam zugleich schildert sie das eines HIV-positiven Mädchens, das nicht aufgibt, zu kämpfen. Nadine kann es nicht fassen. Florian war ihre erste große Liebe, der erste Junge, mit dem sie geschlafen hat. Und nun die erschütternde Nachricht: Florian hat Aids. Nadine kann sich kaum noch auf etwas konzentrieren, denn ihre Gedanken kreisen immer wieder um dieselbe Frage: Was, wenn sie sich mit dem Virus infiziert hat? Nadine lässt einen Test machen und erhält kurz darauf den Befund: Sie ist ebenfalls HIV-positiv …
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Seitenzahl: 188
Veröffentlichungsjahr: 2019
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Inhalt
Kapitel 1 – Die Sonne blendete …
Kapitel 2 – Ich stellte mein …
Kapitel 3 – Abends rief Marc …
Kapitel 4 – In der Nacht …
Kapitel 5 – „Mist!“ …
Kapitel 6 – Nachts kam die …
Kapitel 7 – Es wurde ein …
Kapitel 8 – Am Montagmorgen fühlte …
Kapitel 9 – Als mir Doktor …
Kapitel 10 – Meine Mutter hatte …
Kapitel 11 – In der Nacht …
Kapitel 12 – Meine Mutter stand …
Kapitel 13 – Am Mittwoch ging …
Kapitel 14 – Ich musste einfach …
Kapitel 15 – Am Montag besuchte …
Kapitel 16 – Evelyn war pünktlich. …
Kapitel 17 – Die Sonne stand …
Die Sonne blendete mich, als ich die Turnhalle verließ, und es roch schon richtig nach Frühling.
Nach dem Mief im Umkleideraum tat die frische Luft richtig gut. Vor uns trainierten immer die Kleinen, und dem Geruch nach wuschen die sich weder die Füße noch wechselten sie je die Socken.
Ich schulterte meine Sporttasche und hielt nach Marc Ausschau. Er hatte versprochen, mich nach dem Volleyballtraining abzuholen. Von dem kleinen Vorplatz aus konnte man die Straße rauf- und runterschauen. Marc war nicht zu sehen.
Vielleicht war er ja aufgehalten worden. Kein Grund, gleich ein Drama draus zu machen. Gestern Abend war ich jedenfalls eindeutig einen Schritt weitergekommen. Wir waren gestern zusammen im Kino und hatten anschließend beim Griechen Zaziki gegessen. Danach hatte Marc mich nach Hause gebracht. Vor der Haustür haben wir dann noch eine Weile rumgeknutscht. Aber gerade, als es so richtig toll wurde, quietschte die Tür, und Herr Kuhn, unser Hausmeister, kam raus, um seinen asthmatischen Dackel auszuführen. Das giftige kleine Biest sah uns und kläffte gleich los. Da war die Stimmung natürlich futsch – leider!
Noch immer kein Marc! Ob er es sich anders überlegt hatte? Er hatte inzwischen immerhin sechzehn Stunden Zeit dazu gehabt. Vielleicht mochte er mich ja doch nicht, oder er wollte nicht, dass ich glaubte, gestern Abend hätte irgendwie was Festeres zwischen uns angefangen.
Verdammt, Marc war eine harte Nuss. Es hatte eine ganze Weile gedauert, ehe ich seine Aufmerksamkeit gewonnen hatte. Aber er war der einzige Junge, der mich interessierte.
Nach der Sache mit Florian hatte ich schon geglaubt, dass mich so schnell kein Typ mehr interessieren würde. Das herrliche Kribbeln im Bauch hatte ich abgeschrieben. Aber als ich auf Meikes Party Marc kennenlernte, hatte es dann doch gekribbelt. Und wie! Es war, als wäre ich aus einem langen Winterschlaf erwacht. Meine Sensoren funktionierten wieder, die Welt kam mir größer, schöner und bunter vor. Ich erlebte alle Gefühle mit neuer Intensität. Meike meinte, es sei auch höchste Zeit gewesen. Sie hätte schon befürchtet, ich würde im Kloster enden, und das sei doch wahrhaftig kein Junge wert.
Aber anscheinend kam Marc jetzt tatsächlich nicht mehr. Ich beschloss, ihm noch fünf Minuten zu geben, und trödelte vor der Turnhalle herum. Es gibt nichts Blöderes, als zu warten, wenn man eigentlich längst weiß, dass der andere nicht mehr kommen wird.
Kim kam aus der Turnhalle.
„Hallo, Nadine, wartest du auf jemanden?“
„Messerscharf kombiniert!“
„Du machst so ein finsteres Gesicht. Kommt er etwa nicht?“
„Sieht so aus.“
Kim klemmte ihre Sporttasche auf den Gepäckträger und schloss ihr Fahrrad auf.
„Marc?“
Ich nickte. Ich war jetzt schon so sauer, dass ich mich nicht einmal darüber wunderte, woher sie das schon wieder wusste. Neuigkeiten machten in unserer Volleyballmannschaft immer blitzschnell die Runde, vor allem wer mit wem ging und wer in wen verschossen war.
„Ärger dich bloß nicht.“
Kim hockte abfahrbereit auf dem Sattel, die Beine links und rechts auf den Boden gestellt.
„Leicht gesagt“, brummte ich. Natürlich ärgerte ich mich. Wen wurmt es nicht, wenn er versetzt wird? Dabei hatte ich mich so gefreut. Beim Spielen war ich richtig in Hochform gewesen. Jeden Ball hatte ich gekriegt. Verliebt zu sein wirkt leistungsfördernd.
Ich rieb mir die schmerzenden Handgelenke. An den Unterarmen hatte ich rote Flecke. Beim Spielen hatte ich das gar nicht gespürt.
„Du warst toll heute“, sagte Kim, als hätte sie meine Gedanken gelesen.
Ich zuckte mit den Schultern. Was nützen sportliche Erfolge, wenn die Seele auf dem Boden hing? Marc, wo bleibst du? Was geht bloß in deinem Kopf vor? Erst küssen und dann kneifen?
„Ich kapier das nicht“, sagte ich laut. „Ehrlich! Warum verspricht er Sachen, die er nicht hält? Warum sagt er, dass er mich abholt, und tut es nicht? Scheiße!“
Kim warf mir einen mitfühlenden Blick zu. „Tut mir leid für dich.“
Die Fünfminutenfrist war um. Sorry, Marc, aber wenn du jetzt noch antanzt, ist es leider zu spät. Hoffentlich überlegst du dir einen guten Grund für dein Zuspätkommen.
Unwillig zerrte ich mein Fahrrad aus dem Ständer. Ich trat mit aller Kraft in die Pedale. Dabei hätte man wirklich meinen können, ich hätte mich heute schon beim Spielen genug ausgetobt.
Kim fuhr hinter mir. Wir hatten ungefähr denselben Heimweg. Am Ahornweg war meine größte Wut schon wieder verraucht. Die Straße wurde jetzt zu steil, selbst für ein Rad mit Gangschaltung. Ich sprang ab.
„Wer sein Rad liebt, der schiebt“, keuchte Kim.
