Ich will keinen Champagner - Mira Morton - E-Book

Ich will keinen Champagner E-Book

Mira Morton

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3,49 €

Beschreibung

Sie die glücklichste Frau der Welt, doch dieser eine Moment verändert alles … Die Journalistin Mara Dohm ist die neue Frau an der Seite des umwerfend attraktiven Hollywoodstars Aiden Trenton. Während sich die Klatschblätter mit Meldungen über diese ungleiche Verbindung überschlagen, will Mara nur eines: So schnell wie möglich nach Los Angeles übersiedeln und ihre große Liebe leben. Allerdings kommt sie erst gar nicht soweit, denn bereits am Flughafen will ihr jemand die Handschellen anlegen. Von alledem völlig losgelöst, genießt Aiden Trenton die Dreharbeiten zu seinem neuen Film in der Wüste Marokkos. Er erfährt nichts von Maras Problemen, denn plötzlich erschüttert eine unfassbare Meldung die Welt … Ein herzerwärmender Roman über Vertrauen und Schicksal aus der Bestsellerserie von Mira Morton. Der Roman ist in sich abgeschlossen. "HOLLYWOOD Love Story"-Serie: (1) Ich will kein Autogramm - Barcelona, Wien (2) Ich will keinen Bodyguard - Karibik (3) Ich will keinen Champagner - Wien, Mallorca, Marokko (4) Ich will keine Geschenke - Los Angeles, Mexiko (5) Ich will keinen Hollywoodstar - Los Angeles, Bahamas Alle Romane sind in sich abgeschlossen und können unabhängig voneinander gelesen werden. In der genannten Reihenfolge macht die Serie allerdings noch mehr Spaß.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 229




Inhaltsverzeichnis

Titel

1 - Los Angeles

2 - Flughafen Wien

3 - Das Geschenk

4 - Die Wohnung

5 - Das Mittagessen

6 - Das Gespräch

7 - Der Kriegsrat

8 - Die Diät

9 - Die Kündigung

10 - Der Anwalt

11 - Das Packen

12 - Das Treffen

13 - Das Abschiedsfest

14 - Das Warten

15 - In Barcelona

16 - Das Abendessen

17 - Das Hotel

18 - Das Kennenlernen

19 - Die Suite

20 - Der Morgen

21 - Die Freunde

Alle bisher erschienenen Romane von Mira Morton

Leseprobe aus „Ich will keine Geschenke“

Danke!

Quellenangaben

Die Autorin

Impressum

Viel Spaß mit meinem Roman

und keep on dreamin´!

Herzlichst,

Facebook:www.facebook.com/MiraMorton.Autorin

www.miramorton.com

[email protected]

Mira Morton

Ich will keinen Champagner

Roman

All jenen gewidmet, die versuchen, nie mit dem Träumen aufzuhören

Love, Mira

Los Angeles

Freitag

Sollte das nur ein Traum sein, dann bestehe ich darauf, nicht geweckt zu werden.

Ich stehe am Rand von Toms Infinity-Pool, Los Angeles liegt mir zu Füßen und die Luft ist angenehm warm. Atemberaubend und gleichzeitig abgehoben, so fühlt sich alles hier an.

Niemand aus meinem alten Leben kann sich so eine Anlage leisten. Toms Haus ist einfach zauberhaft. Modern, hell, alles aus Glas. In seiner Gartenanlage steht auch ein Haus für die Angestellten. Er besitzt zwei Pools, einen Tennisplatz und einen Basketballplatz. In seiner Garage stehen Autos, die ich noch nie zuvor gesehen habe.

Für Tom ist das alles normal.

Schließlich ist er ein Weltstar. Der Oscar-gekrönte Schauspieler Aiden Trenton.

Aber ich nenne ihn nie Aiden. Da käme ich mir komisch vor. Schließlich habe ich ihn nicht unter seinem Künstlernamen, sondern einfach als Tom kennengelernt.

Wahnsinn.

Ich bin die Freundin eines Hollywoodstars.

Ich!!!

Ist das zu glauben? Es ist wahr - keine Geschichte aus einer Klatschzeitung oder aus einem Society-Blog. Nein, dieser umwerfende Mann liebt tatsächlich mich.

Nun muss ich mit dieser glamourösen Welt zurechtkommen.

Natürlich gibt es Schlimmeres, aber einfach ist es auch nicht.

Das wird mir gerade wieder einmal bewusst.

Dieser Palast aus Glas und Beton soll mein neues Zuhause werden. Fühlt sich an als sei ich plötzlich Bundespräsidentin von Österreich oder ein umjubelter Popstar.

Ich?

Das ist unwirklich.

Unmöglich.

Außerhalb meines Denkuniversums.

Aber in nicht einmal zwei Wochen werde ich hier einziehen.

Mein Magen grummelt.

Ich bin schon seit dem Aufstehen mehr als seltsam drauf und habe nicht einmal Hunger. Wir haben hier auf der Terrasse gefrühstückt. Sandra, Toms gute Seele, hat wie immer den Tisch liebevoll für uns gedeckt.

Doch ich habe nur eine Tasse Kaffee getrunken. Sehr übel. Nicht für meine Figur, dafür für meine Seele.

Am liebsten würde ich jede Blume, jeden Blick auf jeden Winkel dieses Gartens, auch den auf Los Angeles, aber vor allem Toms Bild in mein Gehirn einbrennen. Zu dumm, dass ich nach Wien zurück muss und er nach Marokko.

Innerhalb von drei Wochen bin ich diesem Mann und seinem Flugzeug gleich zwei Mal hinterhergelaufen. Das schafft vermutlich niemand außer mir. Auch wenn das sonst nicht meine Art ist, bei Tom war es richtig. So gesehen ist der Abschied, der uns nun bevorsteht, der bislang unspektakulärste.

Was nicht heißt, dass er mir leicht fällt.

Im Gegenteil.

Die letzten drei Wochen mit Tom, zuerst in der Karibik und nun hier in Los Angeles, waren die aufregendsten meines Lebens. Gleichzeitig die schönsten. Noch nie wurde ich so geliebt, so auf Händen getragen wie von ihm.

Die Wärme und den Duft der englischen Rosen hätte ich auch gerne eingepackt. In Wien wird es morgen saukalt sein. Schließlich haben wir Ende November.

»Traurig, Babe?«

Tom kommt die Steinstufen herunter und umarmt mich. Er war im Haus, um Will zu bitten, schon einmal meinen Koffer ins Auto zu bringen.

»Ja. Sehr sogar. Ich weiß gar nicht, wie ich es fast zwei Wochen ohne dich aushalten soll.«

Er hält mich umschlungen und küsst mich.

Innig.

»Fragt mich jemand? Ich werde leiden wie ein Hund so alleine in der Wüste.«

Seine meerblauen Augen blitzen, und ich könnte in ihnen versinken.

Wie immer.

»Du und alleine, Tom? Jason und Will begleiten dich doch zu den Dreharbeiten nach Marokko, oder?«

»Klar. Aber du erwartest wohl nicht, dass ich des Nachts unter ihre Decke schlüpfe, Babe«, lacht er.

»Nein. Gott bewahre! Da wirst du wohl bis Dienstag in elf Tagen warten müssen.«

Sollte fröhlich klingen. Ist mir aber nicht gelungen.

Tom streichelt mein Gesicht.

»Elf Tage«, flüstert er.

»Wie soll ich die bloß ohne dich überstehen? Und warum eigentlich?«, fragt er mich.

Statt zu antworten, schmiege ich mich eng an ihn. Er riecht so gut.

»Mara, möchtest du nicht doch noch mit mir nach Marokko kommen? Mir gefällt die Idee, dass du alleine um den halben Globus fliegst ohnehin nicht. Noch dazu in einer Linienmaschine.«

»Tom. Ich will doch auch nicht nach Hause. Aber ich muss, und das ist die einfachste Lösung. Das haben wir doch schon so oft besprochen.«

»Aber es gefällt mir nicht.«

Er beginnt, meinen Hals zu küssen.

»Gar nicht«, flüstert er.

Gott! Wenn er so weitermacht, lande ich nie in Wien, sondern maximal wieder mit ihm im Bett.

Wir schmusen.

Will, sein Bodyguard, räuspert sich hinter mir.

»Mara. We have to leave«, sagt er.

»All right. Thanks, Will.«

Tom hält meine Taille umarmt.

Und sieht mich an, als würde ich ihm einen Dolch zwischen die Nieren rammen.

Was glaubt er eigentlich? Dass ich hier die Starke bin?

Mitnichten.

Aber am Montag muss ich arbeiten gehen und bei der Gelegenheit meinen Job kündigen. Und dann warten noch einige andere Punkte auf meiner Liste, an die ich im Moment gar nicht denken mag.

Ich muss zum Flughafen, es hilft ja nichts.

»And Mara, your suitcase is already in the car«, schmunzelt Will und geht.

Ich mag Toms Bodyguards. Will und Jason sind einfach tolle Typen. Raue Schale, aber weicher Kern.

»Du lässt also tatsächlich beinahe alles hier?«, stellt Tom nüchtern fest.

»Liebling, so viel wie du mir geschenkt hast, kann ich ja nicht einmal tragen«, lache ich.

»Aber Babe, das war doch nur das Allernötigste«, grinst er.

Bitte? Ich habe einen kompletten Kleiderschrank an Designer-Outfits von ihm geschenkt bekommen. Schuhe, Handtaschen, Sonnenbrillen, Strandoutfits und vieles mehr.

Ich bekomme feuchte Augen, alleine, wenn ich an den Anblick damals denke. Ein Meer aus Einkaufstaschen in seinem Privatflugzeug! Und dann kam gleich die nächste Überraschung: Wir fliegen für eine Woche in die Karibik. Dieser Mann ist einfach unglaublich.

Mir ist ein kleiner Seufzer entwischt.

»Okay, Mara. Ich werde es aushalten. Aber es wird schwer«, flüstert er in mein Ohr.

Immer wenn er das macht, spüre ich ihn bis in den Bauch.

»Ich liebe dich, Babe. Und ich will dich an meiner Seite. Jeden Tag.«

Hmmm.

Ich liebe es, wie er riecht.

Wie seine Stimme klingt.

Wie fest er mich hält.

Wie er spricht.

Und wenn ich ihn ansehe, dann ist es jedes Mal wieder um mich geschehen.

Dieser Mann ist göttlich.

»Ich liebe dich auch, Tom. Aber du kommst mich doch holen. Und dann fliegen wir hierher zurück. Es sind doch nicht einmal zwei Wochen, Liebling.«

Bin seit Neustem ich die Vernünftige hier?

»Ich weiß. Und wir telefonieren jeden Tag, ja?«

Ich vergrabe meinen Kopf an seiner Brust.

»Ja.«

In mir ist alles eng. Wieso muss ich jetzt fort?

Ich will nicht.

Ich will hier bleiben.

Hach.

Ich habs gewusst.

Ich hasse Abschiednehmen.

Flughafen Wien

Samstagmittag

Von Los Angeles über Frankfurt nach Wien. Nach mehr als einem Tag bin ich endlich am Wiener Flughafen angekommen und warte nur mehr auf meinen Koffer.

Ich schlüpfe aus dem rechten Stöckelschuh.

Tut gut. Knacks.

Das waren meine Zehen. Diese Reise hat ja ewig gedauert. Ich bin richtig verspannt. Trotz Businessclass.

So. Fuß kurz auf den Boden stellen, wieder in den Schuh und nun ist der andere dran.

Wissen Männer eigentlich, was es bedeutet, einen Tag lang in diesen Folterwerkzeugen herumzulaufen? Wehleidig, wie sie alle sind, würden sie das nicht einmal für zwei Stunden hinbekommen. Jetzt weiß ich, wie klug es war, in der Redaktion immer mit Turnschuhen herumzulaufen.

Aber ich habe ein neues Leben.

Sogar ein neues Styling.

Und ich fühle mich schon beinahe selbst wie ein … Weltstar.

Das Gepäckband beginnt zu rattern.

Na endlich. Hab schon gedacht, ich werde das nie erleben.

Alle möglichen Gepäckstücke ziehen vorbei. Nur nicht meines.

Tom ist mein Traummann.

Absolut.

In alle Belangen.

Er ist wahnsinnig lustig, tiefsinnig und super-super-romantisch. Ich mag auch sein Faible, stundenlang die passende Musiknummer für wichtige Momente auszusuchen. Und er ist ziemlich belesen.

Naja. Seine Ticks finde ich schon ein wenig ungewöhnlich. Muss man Boxershorts und Socken je nur ein einziges Mal tragen? Sie anschließend chemisch reinigen lassen und gemeinsam mit anderen Kleidungsstücken den Obdachlosen spenden?

Aber gut. Er ist ein Hollywoodstar, und wie es scheint, gehören solche Allüren dazu.

Ich vermisse ihn.

Schon seltsam, wenn ich an all das denke, was nun vor mir liegt.

Es ist prickelnd. Nicht das Materielle an sich. Sondern Toms Leben. So schrill, so … kosmopolitisch. Einfach so anders als meines.

Das Beschämende ist, dass mein plötzlich erworbener Celebrity-Status auf der Tatsache beruht, mit wem ich ins Bett gehe.

Ich und weltberühmt?

Ich und das neue Lieblingsmotiv der Paparazzi?

Hätte mir das vor drei Monaten jemand erzählt, wäre ich …?

Keine Ahnung.

… Ich wäre wohl ausgeflippt und hätte einen Vortrag gehalten von wegen innerer Werte, Intelligenz und der Rolle der Frau in einer modernen Gesellschaft.

Es ist ja auch so, dass eine Beziehung mit Tom bei vielen Frauen eventuell die Hirnzellen in die Eierstöcke katapultieren würde.

Aber nicht bei mir.

Ich bin ja nicht blöd.

Natürlich habe ich gewusst, was die Schattenseite der Medaille ist.

Nämlich: Gib dein Leben auf. Lächle in die Kamera, schau gut aus und bitte, hab ja keine eigene Meinung zur Weltpolitik.

Von mir aus, mach Charity-Projekte.

Und wenn dir gar nichts mehr einfällt, kauf dir einen Hund.

Dabei wünsche ich mir sehnlichst eine Katze.

Aber immerhin.

Wenigstens habe ich einen Beruf. Da bin ich nämlich wirklich toll. Also das ist ja eine Basis. Ich kann darauf vertrauen, dass es im schlimmsten Fall auch ein Leben nach Tom gibt. Bei meinem Hang zu falschen Männern muss ich auch darauf gefasst sein.

Blödsinn.

Ich belüge mich gerade selbst.

Daran will ich gar nicht denken.

Ich liebe Tom und werde zu ihm ziehen.

Halleluja!

Nach Los Angeles!

Mein Gott. Ich habe Angst vor meiner eigenen Courage.

Trotzdem sehe ich Babys aus Toms Augen winken, wenn ich nur an ihn denke. Was wiederum gegen die Unbestechlichkeit meiner eigenen Eierstöcke spricht.

Hm. Das wird nun also quasi mein Abschied aus Österreich.

Mir bleiben exakt zehn Tage.

Ich hab meinen neuen Ich-bin-die-Freundin-von-einem-Weltstar-Auftritt bereits intus. Ist ja einfach.

Designeroutfit. Hohe Hacken an den Füßen. Riesen-Sonnenbrille auf der Nase. In einer Halle mit Kunstlicht Ende November am Flughafen in Wien, wohlbemerkt. Und schon bin ich verwandelt.

Sollen sie mich ruhig von hinter einer Topfpflanze ablichten.

Ha! Da ist er ja.

Schicker Koffer in Braun und Creme. Auch ein Geschenk von Tom. Wie alles andere, was drinnen ist, und alles an meinem Körper.

Ich wuchte den Koffer vom Band.

Sauschwer.

Wäre nicht übel gewesen, hätte mir jemand helfen können.

Pfuh.

Ich denke bereits wie eine verwöhnte Tussi. Ob mein Marken-Kostümchen daran schuld ist?

Eher meine Fuck-me-Schuhe.

Aber Tom steht auf sie. Also trage ich sie.

So einfach ist das.

Weil ich beschlossen habe, mein neues Leben zu umarmen.

Auf jeden Fall kauf ich mir draußen eine kleine Belohnung für diese Tortur. Ob sie Cupcakes haben? Wenn nicht, dann eben Topfengolatschen, Nusskipferl und … und alles, was ›Iss mich!!!‹ schreit.

Mein Gemüt ist bestechlich.

Besonders durch Süßigkeiten.

Tini und Sanni werden sich sicher auch darüber freuen. Das wird ein Hallo mit den beiden! Ich kann es gar nicht erwarten, meine besten Freunde in die Arme zu schließen.

Dann also hopp auf.

Nur mehr durch den grünen Ausgang.

»Frau Tamara Dohm? Kann ich Ihren Ausweis sehen?«

Ich hasse es, wenn man meine Kreise stört. Ob ich diesen Typen mit einem bohrenden Blick in die Flucht schlagen kann?

Meinen Ausweis herzeigen?

Sicher nicht.

Ich mustere das Muttersöhnchen mit den Schweinsäuglein.

Dunkelbraunes Sakko.

Hellblaues Hemd.

Abgewetzte Jeans.

Mittelmäßiger Stil.

Miese Aura.

In Summe: stinknormal.

Ups!

Woher kennt er meinen Namen?

»Wer fragt?«, kontere ich.

In diese Falle tappe ich nicht.

Er kramt kurz in seinem Sakko.

Dann soll er suchen, was immer es ist.

Da vorne ist schon die Milchglastür.

Der Ausgang.

Plötzlich schnauft jemand neben mir.

»Verfolgen Sie mich?«, pfauche ich schneidend.

Ich gehe schneller.

Gleich bin ich bei der automatischen Schiebetür. Dahinter wartet mein neuer Bodyguard.

Komisch. Ich freue mich direkt, ihn zu sehen. Obwohl ich so etwas wie eine Phobie gegen diesen Berufsstand entwickelt habe.

Wenigstens wird er dann dieses schwere Designerstück zum Auto schleppen.

Der Typ tippt mir auf die Schulter.

»Hier ist mein Ausweis. Wimmerl, Zollbehörde.«

Nicht grinsen!

Ich bin eine seriöse Wirtschaftsjournalistin und habe es bei Gott nicht nötig, nur wegen eines dummen Namens einen Lachanfall nicht unter Kontrolle zu bekommen.

Zoll.

Was geht mich das an?

Ich schiebe seine Patschhand weg.

Bitte?

Hat der nichts Besseres zu tun, als eine unbescholtene Bürgerin zu ärgern? Oder bin ich die Quotenfrau der Samstag-Mittag-Zufallsstichprobe? Blumen als Willkommensgruß wird er mir ja vermutlich nicht überreichen wollen.

»Gut. Ich bin Tamara Dohm. Was wollen Sie von mir?«

»Wunderbar. Folgen Sie mir bitte. Ich darf?«

Wimmerl nimmt meinen Koffer.

Will er mir jetzt helfen, das schwere Ding nach draußen zu rollen?

»Danke, das ist aber nett.«

Ich bin nicht fixiert.

Ich kann umschwenken.

Na gut, dann gehen wir eben.

Ich schreite voraus … zur Glastür.

»Frau Dohm?«

Ich wirble herum.

Oh! Der geht in die andere Richtung.

»Hey, Sie! So geht das aber nicht. Lassen Sie sofort meinen Koffer los! Der Ausgang ist in der anderen Richtung.«

Ich zerre am Koffer.

Er auch.

»Das würde Ihnen so passen. Sie folgen mir jetzt ins Extrazimmer.«

Dieser Wimmerl grinst und geht stur weiter.

Der spinnt!

Wach auf, Mara! Das ist nicht lustig. Extrazimmer. Zoll. Flughafen.

Was sagt uns das? Es gibt Ärger und nicht zu knapp.

Schwachsinn.

Meine innere Stimme hört wieder einmal das Gras wachsen.

Es gibt überhaupt keinen Grund, mich aufzuhalten.

Was bitte soll ich denn verbrochen haben?

Nicht einmal einen Snack habe ich eingesteckt. Von einer Wasserflasche ganz zu schweigen. Und das Besteck aus dem Flieger hab ich auch nicht gemopst. Obwohl ich mir lange überlegt habe, wie ich den Polster einstecken könnte. Der war echt super. Praktisch für längere Autofahrten. Naja, nur wenn ich hinten sitze, natürlich.

Also?

Wimmerl trabt mit meinem Koffer die Gepäckhalle entlang.

Jetzt biegt er ab. Er öffnet eine weiße Tür und betritt einen kleinen Raum.

Ich hinterher. Habe ich eine Wahl?

Er setzt sich und deutet auf den Stuhl gegenüber.

Freundlich geht anders.

Aber bitte.

Eine Frau kommt herein. Sie trägt eine Polizeiuniform. Kurz nickt sie Wimmerl zu, schließt die Tür von innen, stellt sich daneben hin und schweigt.

Entzückend!

Bin ich niemand?

Umgangsformen zu Hause vergessen?

»So, Frau Dohm. Sie wollten durch den grünen Ausgang, was so viel heißt wie, Sie haben nichts zu verzollen. Nun frage ich Sie noch einmal: Haben Sie etwas zu verzollen?«

Dieser Tonfall.

Furchtbar überheblich.

Meine Nackenhaare stehen aufrecht.

Solche Typen habe ich schon gefressen!

»Nein. Obwohl? Meine Sonnenbrille vielleicht?«

Blöd stellen kann ich mich auch.

»Sehr lustig.«

»Ich wüsste nicht was. Ehrlich.«

Sicherheitshalber schalte ich auf freundlich und kooperativ. Wimmerl schaut ziemlich angestrengt aus.

Und er schwitzt … ungustiös. Hoffentlich muss ich das nicht mehr lange ertragen.

Er deutet auf meinen Koffer. Den hat er vorhin auf das Tischchen neben uns gewuchtet.

»Ist der echt?«

»Natürlich. Ein echter Koffer. Keine Riesenschildkröte, die glaubt, sie sei ein Känguru, das ich unerlaubt einführe. Ich schwöre.«

Mit zwei Fingern am Herzen sitze ich vor ihm.

Pure Zeitvergeudung.

»Ihnen werden Ihre unlustigen Scherze noch vergehen, Frau Dohm. Verlassen Sie sich drauf.«

Ich schweige.

Schweißperlen rinnen im Zeitlupentempo von Wimmerls Stirn in Richtung seiner Augen.

»Nur zum besseren Verständnis: Deutet das unübersehbare Markenlogo auf Ihrem Koffer darauf hin, dass er von eben diesem Hersteller erstanden wurde?«

»Natürlich, was denken Sie denn? Dass ich den aus China habe?«

»Na, dann ist ja alles bestens und wir werfen gemeinsam einen Blick hinein. Sie erlauben?«

Wie es ausschaut, pfeift er auf meine Antwort, denn er steht auf und öffnet meinen Koffer bereits. Schade, dass ich keine gebrauchte Unterwäsche mitführe und ganz oben eingepackt habe.

Wirklich schade.

Das muss ich mir fürs nächste Mal merken.

Oder eine Ladung Schimmelkäse.

Wäre jetzt auch ganz nett.

Diesem Wimmerl würde ich von Herzen einen olfaktorischen Schock der Sonderklasse gönnen. Auch wenn es verboten ist.

Ich sehe über seine Schulter.

Obenauf liegt eine meiner nagelneuen Handtaschen.

Superschick.

Schwarz.

Leder.

Ich habe es nicht übers Herz gebracht, dieses Teil nicht einzupacken. Tom hat eben einen anbetungswürdigen Geschmack.

Wimmerl holt sie mit zwei Fingern heraus und nennt mir die Marke.

Weiß ich doch. War sauteuer.

Dann zieht er mit spitzen Fingern ein Kleidungsstück nach dem anderen aus meinem Koffer und liest mir weitere Labels vor.

Und jetzt?

»Sagen Sie, wollen Sie leicht in die Modebranche wechseln, weil Sie das alles gar so interessiert, Herr Wimmerl?«

Er geht mir auf den Wecker.

Kann er ruhig merken.

»Wollen Sie mich eigentlich nur ärgern oder gar einen Beamten beleidigen?«, fragt er zurück.

»Nein, im Gegenteil. Ich hatte im Sinn, eine neue Freundschaft fürs Leben zu schließen!«

Boah! So ein A …

Was will er überhaupt?

Ich führe weder China-Fakes illegal nach Österreich ein noch schmuggle ich Drogen. Nicht einmal Zigaretten oder Alkohol führe ich mit.

Also worum geht es hier?

»Das gehört also alles Ihnen, Frau Dohm?«

»Nein. Ich habe mir den schönsten Koffer vom Band geschnappt und hatte vor, den Inhalt auf dem Mexikoplatz zu verhökern!«

»Am Schwarzmarkt also. Und gewerbsmäßig. Wunderbar. So wird aus einem bescheidenen Tag völlig unverhofft noch ein wirklich schöner für mich.«

Er sieht mich zornig an.

Gut, Humor versteht nicht jeder.

Nicht einmal in Wien.

»Wenn Sie das alles in Österreich oder der EU gekauft haben, um es anschließend hier weiterzuverkaufen, dann haben Sie doch sicher auch die Rechnungen dafür, oder?«

Will er mich verarschen?

»Sicher nicht. Mein Freund hat mir die Sachen geschenkt. Da wäre eine Rechnung doch eher unpassend, oder?«

»Und er hat Ihnen das in Österreich oder einem anderen EU-Staat gekauft und geschenkt?«

»Öh. Also …«

»Dachte ich mir. Im EU-Ausland gekauft?«

»Ja. In den USA.«

»Nicht gut für Sie. Gar nicht gut. Aber wollen Sie einen Kaffee?«

Das Geschenk

Samstagnachmittag

Bestens.

Jetzt hab ich wenigstens einen Automatenkaffee.

Für sich hat Wimmerl auch einen gebracht. Natürlich nicht für die Beamtin an der Tür. So weit reichen seine Manieren nicht. Ob der Kaffee ein Friedensangebot ist?

»Na, dann machen wir einmal weiter.«

Getäuscht.

»Was ist denn das?«

Wimmerl zieht ein Packerl aus meinem Koffer und hält es mir vor die Nase.

»Was ist da drinnen, Frau Dohm?«

Moment.

Wo ist denn das her?

»Keine Ahnung. Noch nie gesehen.«

Ich schau es mir genauer an.

Weißes Geschenkpapier.

Rote Schleife.

Ein Briefchen hängt daran.

Ich zupfe es herunter.

»Sie führen also Waren ein, von denen Sie gar nichts wissen? Das wird ja immer besser, Frau Magister Dohm.«

Aha. Meinen Pass mittlerweile ganz genau studiert?

›Babe! Du fehlst mir schon jetzt. Ein kleines Geschenk. Ich hoffe, du hast Lust darauf ;-) … wir müssen doch unbedingt telefonieren, nicht? I love you, Tom PS: NICHT ÖFFNEN! Erst wenn wir tatsächlich telefonieren!‹

Oh oh.

Ich brauche doch nicht noch ein Geschenk! Herrgott, ich hab schon genug Zores wegen des Koffers.

Sehr gelungen, Tom!

Aber irgendwie auch süß.

»Aufmachen.«

»Na meinetwegen.«

Ich öffne Toms Geschenk.

Sorry Liebling, ich kann nicht auf unser Telefonat warten. Das hier ist eine Zwangslage.

Solange Tom mir keine Drogen eingepackt hat, wird es völlig wurst sein, was es ist.

Ich bin da entspannt.

Wimmerl lehnt über mir.

»Und?«

»Keine Ahnung. Eine weiße Schachtel.«

»Öffnen.«

»Jaja.«

Oh … du heilige …

Tooommm!

Das kann jetzt nicht dein Ernst sein.

Ich muss sterben.

Auf der Stelle.

Ich auch.

Mist.

Meine Wallungen sind nicht mehr feierlich.

Meine Gesichtsfarbe vermutlich auch nicht.

Das … Ding … plumpst auf den Boden.

»Denkt auch an alles, Ihr Freund, was?«

Wimmerl hebt es auf und kann sich vor Lachen kaum halten.

Ich hasse dich, Wimmerl!

Dich auch, Tom!

Wirklich origineller Einfall!

»Sehr gut, das nehmen wir auch ins Protokoll auf. Zu allen Kleidungsstücken, Taschen und Schuhen kommt ein pinkfarbener Vibrator. Ihr Protokoll rahme ich mir ein, liebe Frau Magister.«

Wenn ich die Luft anhalte, falle ich bestimmt in Ohnmacht, oder?

»Aber ich bin kein Unmensch. Hier. Können Sie zurückhaben. Und viel Spaß!«

Ja, spinnt der?

Der glaubt jetzt nicht, dass ich das Ding in diesem Leben jemals … verwende?

Nachdem Wimmerl es in der Hand hatte?

Hm. Aber er sieht stylisch aus. Und ist doch recht … groß?

Argh! Ich laufe gleich Amok.

Blöd.

Weil ich bewegungsunfähig bin.

Geradezu starr.

Halte dieses rosa Ding und tue … gar nichts.

Dabei ist das ekelhaft.

»Und der Ring da?«

Wimmerls Schweinsäuglein treten hervor und drücken Tränenflüssigkeit nach außen. Der explodiert gleich vor lauter Lachen.

Er deutet auf meine Hand, die den Vibrator umklammert hält.

Ich bin baff.

Was will er mit meinem Ring?

Stimmt ja, er ist wunderschön, die Brillanten funkeln nur so.

Wie ein Himmel voller Sterne.

Leider ist es kein Verlobungsring. Das wäre dann doch zu schön gewesen.

»Aus dem Kaugummiautomat?«, quetsche ich hervor.

»Klar.«

»Ihhh!«

Ich werfe den Vibrator in den Mistkübel im Eck.

Naja. Nicht ganz. Im Zielwerfen war ich nie gut.

Das Ding liegt daneben.

Aber ich bin es los.

Wimmerl packt meine Hand.

Warme, schwitzige Hände mit Wurstfingern sind das Letzte!

Ich ziehe meine Hand weg.

»Diamanten im Wert von, naja, geschätzt einhunderttausend bis zweihunderttausend Euro? Hier gekauft? Rechnung?«

Dreht er jetzt vollkommen durch?

Kurz schaue ich auf den Brillantring. Tom hat ihn mir in der Karibik angesteckt. Dass der Ring nicht billig war, habe ich selbst schon vermutet.

Aber sooo teuer?

Dieser Wimmerl irrt sich bestimmt.

Ich trage eine kleine Wohnung an der Hand?

Das träume ich doch alles.

Und wenn nicht, dann erhält Tom den Befehl, mir in diesem Leben nie mehr wieder irgendetwas zu schenken!

Nie mehr.

Danke.

Ich kann darauf verzichten.

»Auch ein Geschenk«, sage ich kleinlaut.

»Schau einmal an. Wirklich großzügig, Ihr Herr Freund. Hat das Rundumversorgungspaket für Sie zusammengestellt. Sehr umsichtig! Aber Zeit und Geld hat er ja.«

Er schaut zum Mistkübel.

Die Polizistin auch.

Ich erwürg dich, Wimmerl! Was soll denn die Meldung jetzt?

»Sie wollen mich einfach nur demütigen, oder?«

»Keineswegs. Ich gratuliere Ihnen. Guter Fang, würde ich sagen. Aber der ist mir auch gelungen, Frau Magister. Nur zur Information, der Freibetrag bei der Einfuhr nach Österreich beträgt derzeit vierhundertdreißig Euro. Und was führen Sie mit? Nichtverzollte Waren im Wert von, ich schätze einmal … also nur ganz grob … von rund zweihundertfünfzig bis dreihunderttausend Euro. Und Sie haben vor, diese zu verkaufen. Was glauben Sie, wie man das in meiner Branche nennt?«

Mir ist heiß und kalt zugleich.

Mein Herz benimmt sich, als sei es ein Gnu und stünde einem Löwen in freier Wildbahn gegenüber.

Moment.

Wie blöd bin ich eigentlich?

Natürlich hätte ich die Geschenke von Tom bei der Einreise deklarieren müssen.

Und selbstverständlich hätte ich den roten Ausgang nehmen müssen.

»Einen ganz, ganz kleinen und wirklich dummen Irrtum?«, antworte ich kleinlaut.

Geht nicht anders.

Das Scherzen ist mir vergangen.

»Einen Irrtum? Sehr lustig. Nein. Abgabenhinterziehung und noch einiges mehr. Vereinfacht für Sie: vorsätzliches, gewerbliches Schmuggeln.«

»Das kann jetzt nicht Ihr Ernst sein.«

»Im Gegenteil, das ist mir so ernst, wie ich meine Exfrau heute schon zum Teufel gewünscht habe.«

Er grinst die etwas füllige, braunhaarige Beamtin an der Tür an.

Sie sieht verschämt zu Boden.

»Schöne Geschichte, das mit Ihnen und Herrn Trenton.«

Er kennt auch Toms Künstlernamen?

Bin ich bei der Versteckten Kamera gelandet?

Das wird es sein!

Ich drehe mich nach allen Seiten.

Kamera kann ich aber keine entdecken.

Also schaue ich Wimmerl wieder direkt in die Augen.

»Und das wissen Sie woher?«

»Aus einem unfassbar informativen Schundblatt.«

»Was? Sie haben mich gezielt abgefangen, weil Sie von Aiden Trenton und mir gelesen haben? Also, das glaube ich jetzt nicht.«

»Liebe Frau Magister Dohm, wenn Sie wüssten, wie nervtötend mein Job sein kann! Fakt ist, Sie erhalten eine Strafanzeige wegen Zollbetruges und der Ring wird zur Sicherung der hinterzogenen Abgaben beschlagnahmt. Den Rest, auch das da«, er deutet auf den Vibrator, »können Sie gerne einpacken und mitnehmen, nachdem Sie mir das Protokoll unterschrieben haben.«

Stopp.

Er will mir Toms Ring wegnehmen?

Vor meinen Augen tauchen kleine schwarze Punkte auf. Sie schwirren herum und in meinen Ohren surrt es.

Ich fühle eine unbändige Wut, die sich in meinem Körper breitmacht. Mein Bauch krampft, meine Fäuste ballen sich.

Ich schäme mich nicht mehr. Damit ist Schluss, verdammt!

»Nein, nein und noch einmal nein! Sie werden mir gar nichts wegnehmen!«, brülle ich ihn an.

Das kann er nicht mit mir machen.

Ich habe einen langen Flug hinter mir, bin saumüde und der erste Vibrator meines Lebens liegt am Boden neben dem Mistkübel.

Keine gute Mischung.

»Ring oder U-Haft, Frau Dohm. Mir ist beides recht.«

Ich atme tief durch.

Nur, um ihm die Augen nicht auszukratzen.

»Gelogen. Zweiteres wäre der Höhepunkt dieses Tages. Anschließend fahre ich heim. Das kann man nicht mehr überbieten«, schiebt er nach.

»Sicher. Das kann ich mir vorstellen, Sie … Sie Hobbysadist! Von mir aus bekommen Sie den Koffer und alles andere, aber nur über meine Leiche gebe ich Ihnen meinen Ring!«

Ich steh auf und laufe zur Tür.

»Und eine Beleidigung mehr«, jubelt Wimmerl hinter mir.

Mir egal.

Die etwas untersetzte Dame in Uniform stellt sich mir in den Weg.

Oh mein Gott!

Sie hat eine Pistole am Halfter! Die habe ich übersehen.

Ich hasse Waffen.

Ich bin allergisch gegen Waffen.

Ich habe Angst, dass das Ding von selbst losgeht und mich über den Haufen schießt. Und eine tote Mara kann ich weder mir noch Tom zumuten. Mal ganz zu schweigen von meiner Mutter.

Wimmerl baut sich direkt vor mir auf.

»Den Ring, bitte!«

Er grinst mir selbstgefällig ins Gesicht und streckt die Hand aus.

Ich bin gefangen. Fluchtweg versperrt!

»Niemals! Sie bekommen gar nichts. Und meine Handtasche brauche ich. Da ist mein Wohnungsschlüssel drinnen!«

Schreie ich?

»Wenn Sie mir Ihr Geschenk nicht auf der Stelle aushändigen, dann brauchen Sie keine Wohnung mehr, Frau Magister Dohm! Denn dann sorgt die Republik Österreich für Unterkunft und Verpflegung.«

Das ist ja die Höhe!

Sicherheitshalber drücke ich die Tasche an meinen Körper und halte sie mit beiden Händen fest. Die Frau sieht mir kein bisschen vertrauenswürdiger als vorhin aus, aber wenigstens hält sie die Hände sichtbar vor ihrem Bauch verschränkt.

Die Pistole sehe ich gerade nicht.

Das beruhigt.

Dieser Wimmerl steht aufgeblasen vor mir.

Jetzt deutet er mir mit dem Zeigefinger, ihm den Ring freiwillig auszuhändigen.

Sicher nicht.

»Ring oder Zelle?«, bietet er mir an.

Ich ziehe meine Hand weg.

Er greift danach.

So ein Mist.

Was soll ich bloß tun?

Was?

Will er mir den Finger abreißen?

Dieser Unmensch!

»Das ist meiner. Lassen Sie mich sofort los, sonst schreie ich.«

»Bitte. Wie Sie wünschen. Dann nehmen wir Sie eben fest!«

So … ein … Irrer!

Reiß dich zusammen, Mara! Im Film erzählen sie immer etwas von einem Anruf, den man auf jeden Fall tätigen darf.

Und wen bitteschön ruf ich an? Den Juwelier meines Vertrauens, damit er mir einen neuen Ring vorbeibringt?

Ist kenne nicht einmal einen!

Und überhaupt, mir ist sowieso schon alles egal. Soll er doch gewinnen, dieser Übergeschnappte.

»Bitte! Sie können alles haben!«, brülle ich Wimmerl ins Gesicht und werfe ihm meine Handtasche vor die Füße.

Er hüpft einen Meter nach hinten.

Den Koffer schupfe ich vom Tisch.

Mit einem Knall landet er auf dem Boden.

Ein paar Sachen sind herausgefallen.

»Was wird das?«, fragt er mich.

»Was das wird? Ich sichere gerade meine Abgaben, Herr Wimmerl!«

Ich sause zum Müll und werfe mit dem Vibrator nach ihm.

So. Mantel runter.

Den schmeiß ich Wimmerl um die Ohren. Die Schuhe folgen.

Noch mein Rock, Sakko und die Bluse.

Ach, die Strumpfhose habe ich in L.A. mit Toms Geld bezahlt!

Ich fetze sie von meinen Beinen.

Sie landet am Sessel.

Wimmerl steht da und verzieht keine Miene.

»Die Unterwäsche ist demnach Ihre eigene?«, fragt er und deutet auf meinen Bauch.

»Nein, der Body gehört meiner Mutter und die ist Österreicherin.«

»Schade, eigentlich«, sagt Wimmerl und ich sehe es genau: Seine Schweinsaugen grinsen schon wieder!

Ich stampfe auf.

»Genug gescherzt. Ihrer eigenen Schätzung nach ist das alles zusammen genau so viel wert wie der Ring! Nur den bekommen Sie nicht, Herr Wimmerl!«

»Frau Dohm! Ich habe es nicht notwendig, mir von blöden Zi … also von Frauen irgendetwas sagen zu lassen. Verpatzte Ehe. Zu hohe Alimente. Ex mit Kaufsucht. Ring oder Gefängnis. Sie sind dran!«, schreit er mich an.