Im Bann der Schatten - Angela Shirell - E-Book

Im Bann der Schatten E-Book

Angela Shirell

0,0
3,99 €

oder
-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

„Die Geschichte, die Du erzählen willst, wird niemand glauben können, der es nicht selbst erlebt hat. Zu unheimlich und erschütternd waren die Begebenheiten, die sich dort ereigneten, als das sie unbeteiligte Menschen verstehen würden. Du wirst auf Zweifel und Ablehnung stoßen. Solltest Du diesen Weg jedoch gehen wollen, werden wir Dich dabei unterstützen.“ Verständnisvoll blicken Mum und Dad mich an. Sie wissen, dass ich mir die Entscheidung nicht leicht gemacht habe. Aber ich kann das Geheimnis nicht länger für mich behalten. Drei Menschen sind tot, Familienväter und Söhne, ihren Angehörigen entrissen. Eine Frau wurde in den Wahnsinn getrieben. Eine andere ist vor Angst und Schrecken für immer gelähmt. Was muss noch alles passieren? Wie viele Leben und Familien müssen noch zerstört werden, bis jemand den Mut der Verzweiflung aufbringt, öffentlich über die Ereignisse zu berichten und die Menschen zu warnen? Vom ersten Moment an hatte ich ihre dunklen Schatten wahrgenommen, ihre Gegenwart mit jeder Faser meines Körpers gespürt. Doch mein Verstand leugnete ihre Existenz. Was nicht sein durfte, konnte nicht sein. Wir verschlossen unsere Augen vor ihrem diabolischen Einfluss, verkannten ihre zunehmende Macht über unser Leben. Bis zu jenem Tag… Heute bin ich bereit, mich den Dämonen erneut zu stellen. Ich rufe sie in meine Erinnerungen zurück, um nieder zuschreiben, was in jenen dunklen Tagen und Nächten wirklich geschah.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2014

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.


Ähnliche


Angela Shirell

Im Bann der Schatten

Mystery-Thriller frei nach einer wahren Begebenheit

Für drei geliebte Menschen: Mutti, Papa und Nadin. Danke, dass Ihr immer für mich da seid. Danke, dass unser Band nie zerreißen wird. Danke, dass es Euch gibt. BookRix GmbH & Co. KG81371 München

Prolog

Prolog

„Die Geschichte, die Du erzählen willst, wird niemand glauben können, der es nicht selbst erlebt hat. Zu unheimlich und erschütternd waren die Begebenheiten, die sich dort ereigneten, als das sie unbeteiligte Menschen verstehen würden. Du wirst auf Zweifel und Ablehnung stoßen. Solltest Du diesen Weg jedoch gehen wollen, werden wir Dich dabei unterstützen.“

Verständnisvoll blicken Mum und Dad mich an. Sie wissen, dass ich mir die Entscheidung nicht leicht gemacht habe. Aber ich kann das Geheimnis nicht länger für mich behalten.

Drei Menschen sind tot, Familienväter und Söhne, ihren Angehörigen entrissen. Eine Frau wurde in den Wahnsinn getrieben. Eine andere ist vor Angst und Schrecken für immer gelähmt. Was muss noch alles passieren? Wie viele Leben und Familien müssen noch zerstört werden, bis jemand den Mut der Verzweiflung aufbringt, öffentlich über die Ereignisse zu berichten und die Menschen zu warnen?

Vom ersten Moment an hatte ich ihre dunklen Schatten wahrgenommen, ihre Gegenwart mit jeder Faser meines Körpers gespürt. Doch mein Verstand leugnete ihre Existenz. Was nicht sein durfte, konnte nicht sein.

Wir verschlossen unsere Augen vor ihrem diabolischen Einfluss, verkannten ihre zunehmende Macht über unser Leben. Bis zu jenem Tag…

Heute bin ich bereit, mich den Dämonen erneut zu stellen. Ich rufe sie in meine Erinnerungen zurück, um niederzuschreiben, was in jenen dunklen Tagen und Nächten wirklich geschah.

 

 

 

 

 

 

 

Kapitel 1

Hier sitze ich nun vor meinem Computer und suche nach den richtigen Worten, um den ersten Satz zu formulieren. Gedanken um die tragischen Ereignisse auf dem Anwesen kreisen in meinem Kopf. Ich versuche sie zu ordnen, in eine zeitliche Reihenfolge zu bringen, und bis an den Anfang zurück zu kehren.

Wann und wie hatte alles begonnen? Erst nach unserem Einzug oder doch schon am Tag der Besichtigung? Spürte ich nicht bereits da dieses ungute Gefühl, dass mit dem Haus irgendetwas nicht stimmte? Bis zu jenem Tag bin ich immer meinem Instinkt gefolgt, der mich oft vor Enttäuschung und Gefahren bewahrt hatte. Heute frage ich mich, warum ich mein Gespür damals einfach ignoriert habe. Die Antwort liegt auf der Hand: Wir ließen uns von Äußerlichkeiten blenden und wollten das Offensichtliche nicht sehen.

Es war ein wunderschöner Frühlingstag im April. Die Vögel zwitscherten und die Sonne schien von einem blauen Himmel herunter auf die grünen, saftigen Wiesen. Die Obstbäume standen in voller Blüte und bildeten den malerischen Rahmen für das kleine verschlafene Städtchen am Fuße des Taunus. In diese Gegend wollten wir ziehen, in Stadtnähe wohnen, aber doch im Grünen leben. Jetzt brauchten wir nur noch das richtige Haus, um unserem Traum vom Leben auf dem „städtischen Lande“ zu verwirklichen.

Wir, das sind meine Eltern Marvin und Inge sowie meine jüngere Schwester Nadin und ihr Ehemann Dennis. Mit unserem Bearded Collie Cap und mir ist die Familie Shirell komplett.

Vielleicht hatten wir dieses Mal Glück und befanden uns auf dem Weg zu unserem neuen Domizil „An den Weinreben 12a“, das wir wenige Tage zuvor im Internet entdeckt hatten. Die Bilder und Beschreibung waren eindrucksvoll und vielversprechend, so dass wir uns umgehend telefonisch mit der Maklerin in Verbindung setzten, um nähere Details zu erfragen.

Sie lobte die Vorzüge dieses Anwesens, das für eine fünfköpfige Familie und Hund wie geschaffen sei, in den höchsten Tönen und bot uns umgehend einen Besuchstermin vor Ort an. Sie empfahl, nicht zu lange mit der Besichtigung zu warten, da es noch andere Interessenten gäbe und erfahrungsgemäß Häuser in dieser Wohngegend kurzfristig vermietet wären.

Also vereinbarten wir einen Termin für das darauffolgende Wochenende und fuhren an jenem Tag voller Erwartung und Vorfreude los. Dort angekommen, entsprach die Landschaft genau den Berichten und Fotos aus dem Internet. Eingebettet in das saftige Grün der Wiesen und den weitläufigen Obstplantagen erhob sich anmutig die kleine Gemeinde Niederhöchstadt. Am Ende der Durchgangsstraße parkte Dad das Fahrzeug und wir stiegen aus.

Die Maklerin hatte uns schon erwartet und empfing uns freundlich an der Straße. „Familie Shirell, es freut mich Sie kennenzulernen. Ich hoffe, Sie hatten eine angenehme Anreise und konnten auf der Fahrt hierher einen ersten Eindruck von dieser schönen Landschaft gewinnen. Niederhöchstadt ist eine beschauliche Kleinstadt am Fuße des Taunus. Eingerahmt von Obst- und Rapsfeldern, befinden Sie sich mitten im Grünen und gleichzeitig sehr zentral gelegen. Von hier aus sind es circa dreißig Minuten bis zur Innenstadt von Frankfurt. Aber auch Wiesbaden und Mainz erreichen Sie bequem und schnell mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Fahrzeug über die A66.“

Während Sie uns erklärte, dass man von hier aus einen wunderschönen Blick auf den Feldberg hätte, führte sie uns über eine kleine, gepflegte Allee, vorbei an villenartigen Einfamilienhäusern zum Anwesen „An den Weinreben 12a“.

„Nun, habe ich Ihnen zu viel versprochen oder ist dies ein traumhaftes Gebäude?“ Die Maklerin erwartete keine Antwort, denn sie konnte in unseren Gesichtern sehen, dass wir beeindruckt waren. In Anlehnung an den viktorianische Baustil mit weißen Erkern, bodentiefen Sprossenfenstern eingebettet in weißen Holzrahmen und einem riesigen, terrassenförmig angelegten Garten mit altem Baumbestand, strahlte die Villa eine majestätische Anmut aus. Hier könnten wir im Sommer unter den Bäumen im Schatten liegen und hätten ausreichend Rasenfläche, um mit unserem Hund Cap herumzutollen.

Nach dem uns die Maklerin zunächst die rückwärtige Seite des Hauses mit Gartengrundstück, Terrasse und stilvoll angelegten Blumenbeeten gezeigt hat, folgten wir ihr über eine kleine Allee zur Vorderseite des Anwesens.

Der Vorgarten war sehr gepflegt und liebevoll mit Blumenrabatten und Sträuchern angelegt. Ein mit weißen Marmorsteinen gefliester Treppenaufgang führte zur weißen Haustür, die mit Blumenornamenten und Glaseinsätzen verziert war.

Mir fielen die Worte von Mum und Dad auf der Hinfahrt wieder ein, dass wir auf keinen Fall den Eindruck zu großen Interesses erwecken sollten, um eine bessere Ausgangsposition bei der anschließenden Verhandlung des Mietpreises einnehmen zu können. Aber ich hatte bereits jetzt Mühe meine Begeisterung in Grenzen zu halten. Wenn schon die Außenanlage so eindrucksvoll war, wie würde erst der Innenbereich gestaltet sein? Natürlich hatte ich schon durch die Bilder im Internet eine Vorstellung von dem, was uns erwarten würde. Aber in natura wirkte das Haus viel größer und luxuriöser.

Die Maklerin schloss die Tür auf und führte uns in den Eingangsbereich des Hauses. Mir lief ein Schauer über den Rücken. Ich schaute hinter mich. War das bloß ein Luftzug, den ich gespürt hatte oder die kribbelnde Vorfreude auf den Rundgang durch das Haus, in der Hoffnung, dass unsere Erwartungen erneut übertroffen würden?

Ein Türbogen führte in das großzügig gestaltete Wohn-Esszimmer mit offenem Kamin. Ich stellte mir vor, wie wir hier die Wintermonate vor dem knisternden offenen Feuer verbringen würden. Mum schien denselben Gedanken zu haben, denn sie schaute zu mir rüber und lächelte. Eine elegante Wendeltreppe führte vom Wohnzimmer in die oberen Etagen zu den Schlaf- und Gästeräumen sowie den Badezimmern.

Der prächtige Ausblick aus den Zimmerfenstern auf die Obstfelder und den Taunus war einfach überwältigend.

Meine Schwester Nadin und ihr Mann Dennis konnten es kaum erwarten, die Räumlichkeiten im Dachgeschoss zu besichtigen. Im Internet war anhand der Bilder und Beschreibungen zu erkennen, dass es sich um ein zwei Zimmer-Wohnung von ca. 75 qm Wohnfläche handelte mit vertäfelter Zimmerdecke und leichten Dachschrägen.

Über einen separaten Treppenaufgang gelangten wir zum Appartement. Eine holzfarbene Eingangstür führte in einen kleinen Vorraum und von dort betraten wir den offen gestalteten Wohn- und Schlafbereich.

Als Nadin die Glasschiebetür im Wohnzimmer aufschob und auf die Dachterrasse hinausging, konnte sie sich ein „Wie geil ist das denn?“ nicht verkneifen. Mum sah Nadin wegen ihrer Ausdrucksweise entgeistert an, aber die Maklerin lächelte und folgte ihr auf die Terrasse. „Ja dieser Ausblick auf den Taunus ist überwältigend. Da es sich um die Westseite des Hauses handelt, können Sie von hier sehr romantische Sonnenuntergänge betrachten“.

Nadin konnte ihre Begeisterung nicht länger verbergen: „Sieh mal Schatz, die Aufteilung des Appartements ist für uns beide wie geschaffen. Unsere erste gemeinsame Wohnung und abends können wir von hier aus den Sonnenuntergang bewundern.“ Dennis ging zu ihr und nahm sie in den Arm. „Du hast Recht, hier ist es wirklich sehr schön. Vor allem freut mich, dass es Dir gefällt, denn die letzten Wohnungsbesichtigungen waren ja leider nicht so erfolgreich.“ Er gab ihr einen flüchtigen Kuss auf die Wange und drückte sie ein wenig fester an sich.

„Haben Sie sich denn schon eine Idee, wie Sie die Wohnräume untereinander verteilen wollen oder darf ich Ihnen noch Vorschläge unterbreiten?“ Die Maklerin schaute zu meinen Eltern, die sich den Grundriss der einzelnen Etagen auf einem Plan ansahen.

Natürlich hatten wir in Gedanken die Etagen schon aufgeteilt: Nadin und Dennis würden die Dachgeschosswohnung beziehen und ich zwei Zimmer und ein Badezimmer in der ersten Etage bewohnen. Mum und Dad bekämen, ebenfalls im ersten Stockwerk liegend, das große Elternschlafzimmer mit Durchgang zum eigenen Badezimmer.

„Nein, danke im Moment noch nicht“ erwiderte Mum und setzte ein Pokerface auf. „Zunächst wollen wir uns noch die Kellerräume ansehen.“

„Selbstverständlich. Wenn Sie wollen, dann zeige ich Ihnen jetzt gern den Keller im Souterrain, damit sie sich einen vollständigen Eindruck vom Haus machen können“. Die Maklerin lächelte und ging zur Tür. Über das Treppenhaus gelangten wir von der Dachgeschosswohnung über den ersten Stock bis zum Eingangsbereich im Parterre. Von da aus ging es über die Treppe hinunter in den Keller.

Da war es wieder. Dieses komische Bauchgefühl. Ein Schaudern, das meinen ganzen Körper erfasste und mir Gänsehaut verursachte. Ähnlich hatte ich schon beim Betreten des Hauses empfunden. Ich schaute zu Mum und bemerkte, wie sie sich mit der Hand über ihren rechten Arm strich, so als ob ihr plötzlich kalt geworden wäre. Sie hatte es offensichtlich auch wahrgenommen. „Das wird sicher nur der Luftzug von einem offenen Fenster sein“, beruhigte ich mich.

Im Keller waren auffällig viele Lampen an der Wand und unter der Decke montiert. Dadurch wirkten die Räume zwar heller als üblich, aber trotzdem spürte ich ein Unbehagen. Der Flur im Keller führte zur Waschküche, zu einem anderen Kellerraum mit dem typisch kleinen Kellerfenster, aus den man nicht rausschauen konnte. Man blickt nur vor einen Kellerschacht, in dem sich offensichtlich einige Spinnen heimisch fühlten.

„Der Keller ist sehr funktionell gehalten. Sie finden hier die Waschküche und zwei große Kellerräume, die Sie als Vorratsraum und Hobbyraum nutzen können. Der Vorbesitzer hatte an dieser Stelle den Werkraum mit einer großen Werkbank. Er nannte dies immer sein Hoheitsgebiet und vielleicht wird es ja jetzt das Reich von Ihnen und Ihrem Schwiegersohn.“ Die Maklerin schmunzelte und blickte zu Dad, der sich in dem Raum zunehmend skeptisch umsah. „Wenn es sich hierbei um einen Werkraum handelt, warum ist dann im ganzen Raum Teppichboden verlegt worden?“ Dad sah die Maklerin fragend an und hob an einer Ecke den Teppichboden ein Stück an. Darunter konnte man Estrich erkennen, der mit grauer Farbe überstrichen war.

„Die Auslegware wurde aus Gründen einer wohnlicheren Optik verlegt. Der graue Beton hat den hochwertigen Gesamteindruck des Hauses geschmälert und außerdem sollen Sie sich ja auch im Souterrain behaglich fühlen.“ Die Maklerin sah Dad an und hoffte seine Fragen ausreichend beantwortet zu haben.

Dennis schaute sich um und klopfte die Wände ab und wandte sich dann an die Maklerin. „Auf einem der Bilder im Internet konnte man Sichtmauerwerk erkennen. Aber in diesem Raum sind die Wände mit Rigips verkleidet und anschließend geweißt worden. Können Sie mir den Grund dafür nennen?“ Er war voll in seinem Element. Als gelernter Maler hatte er einen Blick für Renovierungsarbeiten und erwartete mit Spannung die Antwort der Maklerin. „Nun, das Sichtmauerwerk finden Sie noch in der Waschküche sowie im Vorratsraum. Lediglich in diesem Hobbyraum haben die Vormieter die Wände verkleiden lassen. Wahrscheinlich ebenfalls aus optischen Gründen und für ein angenehmeres Wohngefühl“ antwortete die Maklerin. „Und Sie können uns garantieren, dass hier in den Kellerräumen keine Feuchtigkeit oder gar Schimmel aufgetreten sind?“ bohrte Dad nach. Die Maklerin schüttelte energisch den Kopf und versicherte, dass das Haus zu keinem Zeitpunkt einen Wasserschaden hatte oder von Schimmelpilz befallen wäre. Seine Bedenken seien völlig grundlos.

Dad ging zur anderen Ecke des Raumes und hob dort ebenfalls ein Stück den Teppich an, um darunter zu schauen. Aber auch dort konnte er nur den gestrichenen Fußboden und keine Spuren von Wasser- oder Schimmelflecken erkennen.

„Nach dem ich Ihnen alle Räume des Hauses zeigen durfte, würde ich Sie gern im Wohnzimmer zu einer Erfrischung oder Tasse Kaffee einladen. Dort kann ich dann gern auch noch mögliche Fragen klären.“ Die Maklerin begab sich zum Treppenaufgang und wies uns mit einer einladenden Armbewegung den Weg nach oben.

Nachdem sie jedem von uns ein erfrischendes Getränk angeboten hat, erfuhren wir auf Nachfrage, dass das Gebäude Ende der Achtziger Jahre errichtet wurde. Die Maklerin wies darauf hin, dass es bisher nur zwei Mieterwechsel gab, was die Immobilie entsprechend aufwerten würde. Dann richtete sie die „Kardinalsfrage“ an uns, ob wir uns ein Leben auf diesem Anwesen vorstellen könnten.

Und ob wir das konnten!

Das Haus übertraf bei weitem unsere Erwartungen und wirkte wie einem Hochglanzmagazin entsprungen. Die Aufteilung der Etagen und Räume deckte sich mit unseren Vorstellungen und der Garten bot zahlreiche Möglichkeiten zum Aufenthalt im Freien. Die gesamte Wohngegend vermittelte einen gehobenen und sehr gepflegten Eindruck.

Die Höhe des Mietzinses erschien uns für dieses Anwesen schon fast ein wenig niedrig. Aber wir würden sicher nicht nach einen höheren Mietpreis fragen, auch wenn dieser durchaus angemessen wäre.

Über den Einzugstermin Ende Juni waren wir uns mit der Maklerin gleichfalls einig, da die letzten Mieter das Haus nicht mehr bewohnten, weil der Familienvater im Ausland kurzfristig einen sehr gutes Jobangebot erhalten hatte.

Also nahmen wir diese einmalige Chance wahr und unterzeichneten noch am selben Tag den Mietvertrag.

Glücklich und euphorisch fuhren wir an jenem Abend nach Hause und fieberten dem Termin des Einzugs in unserem neuen Heim entgegen.

Zu diesem Zeitpunkt ahnten wir nicht, dass uns die Maklerin über die Gründe des Auszugs der Vormieter belogen und verschwiegen hatte, dass die erste Familie mit drei Personen eingezogen ist, aber nur eine einzige Person das Haus wieder verlassen hat.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kapitel 2

 

„Die Umzugswagen sind da!“ Nadin kam aufgeregt ins Haus gelaufen und stolperte dabei über einen der unzähligen Kartons, die fertig gepackt im Flur standen.

Die letzten Wochen hatten wir im Chaos gelebt und jeden Tag mit dem Ausmisten und Einpacken von Gegenständen verbracht. Man kann nicht glauben, wie viele Dinge sich im Laufe der Jahre ansammeln. Dinge von denen man sich nicht trennen mag, weil sie Erinnerungswert besitzen oder von denen man sich nicht trennen kann, weil man der Meinung ist, sie später vielleicht noch gebrauchen zu können.

Wie zum Beispiel von jenem silbernen Amulett. Ich hatte es vor ein paar Jahren auf einem Flohmarkt zum ersten Mal entdeckt. Wie gewöhnlich schlenderte ich über den Markt und sah mir die Stände mit alten Büchern und Gemälden an. Vielleicht hatte ich ja Glück und könnte eines Tages eine kostbare Erstausgabe oder das unentdeckte Gemälde eines berühmten Malers unter all den alten Gegenständen finden. Also stöberte ich auch an jenem Tag auf dem Flohmarkt bei verschiedenen Ständen in Kisten mit alten Wälzern. An einem Stand mit knallrotem Sonnenschirm nahm ich ein interessantes Exemplar heraus, sah mir den Buchumschlag an und fing an darin zu blättern. Dabei fiel mir eine silberne Kette mit einem kreisförmigen Anhänger in die Hände. Die Vorderseite zierte ein Pentagramm mit einem leuchtend roten Stein in der Mitte und auf der Rückseite waren keltische Symbole zu erkennen. Fasziniert betrachtete ich es einen Augenblick, da der blutrote Edelstein im Sonnenlicht zu Glühen schien.

„Dieses Amulett ist etwas ganz besonderes und besitzt magische Kräfte“. Eine alte Dame mit weißem Haar erhob sich hinter dem Tisch von ihrem Klappstuhl und lächelte mich freundlich an.