Im Feuer des Lebens - Heidrun Hurst - E-Book

Im Feuer des Lebens E-Book

Heidrun Hurst

4,8

Beschreibung

Es ist die Zeit des Dreißigjährigen Krieges: Die Geschwister Jakob und Bärbel Selzer, Bergmannskinder aus dem Schwarzwald, hat es ins Rheintal verschlagen. Sie müssen nun ihren Weg im Leben finden. Jakob verlässt das kleine Dorf Odelshofen und zieht in den Krieg. Endlose Märsche und zermürbende Gefechte führen ihn immer weiter weg von seiner geliebten Elisabeth. Wird er sie je wiedersehen? Oder wird die hübsche Magdalena sein Herz erobern? Elisabeth versucht indessen, mit ihrer Mutter den elterlichen Hof zu bewirtschaften. Doch immer wieder werden ihr Steine in den Weg gelegt. Als ihre Mutter als Hexe beschimpft wird, spitzt sich die Lage zu. Das Straßburger Findelhaus hat inzwischen Zuwachs bekommen. Doch die Arbeit mit den Kindern führt Bärbel und Sebastian an ihre Grenzen. Stück für Stück lernen sie, auch in der größten Not auf Gottes Hilfe zu vertrauen. Da bedroht eine Seuche das Leben der Hausbewohner. Werden sie auch diese Prüfung bestehen? Ein packender historischer Roman aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges - zugleich die Fortsetzung von "Die Kinder des Bergmanns" .

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Heidrun Hurst · Im Feuer des Lebens

Heidrun Hurst

Im Feuer des Lebens

Roman

Im Gedenken an meine UrgroßelternJakob und Elisabeth Selzer

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.dnb.de abrufbar.

ISBN 978-3-8429-2306-5

Bestell-Nr. 512 2306

© 2014 mediaKern GmbH, 46485 Wesel

Umschlagfotos:Hintergrund: Ronald Hudson/Fotolia

Ornamente: Rockfeler/Fotolia

Knopf: donatas1205/Fotolia

Umschlaggestaltung: Ch. Karádi

Layout: J. Deusch

Gesamtherstellung: Drukarnia Dimograf, Bielsko-Biała, Polen

Printed in Germany 2014

www.media-kern.de

WAS BISHER GESCHAH

Im Winter 1606 wird Jakob Selzer unter tragischen Umständen auf dem Erzkasten bei Freiburg geboren. Die Mutter überlebt die Geburt nicht, und so ist es die zweite Frau seines Vaters, die ihm und seiner Schwester Bärbel ein liebevolles Zuhause schenkt. Doch das Leben der Bergleute ist hart und entbehrungsreich, und auch der kleine Jakob lernt schon früh, was es bedeutet, dem Berg das Silber für die Stadt Freiburg abzuringen. Als die beiden Kinder neun und elf Jahre alt sind, verlieren sie im Abstand von wenigen Wochen beide Elternteile. Noch dazu zwingt sie das Schicksal, den Erzkasten zu verlassen. Vollkommen auf sich allein gestellt, nur mit der Heiratsurkunde ihres Vaters im Gepäck, machen sie sich auf die Suche nach ihren Verwandten, die im Rheintal leben müssen. Schließlich werden sie fündig und kommen in eine ganz andere Welt, als sie es bisher gewohnt waren. Die Menschen im Rheintal waren im Vergleich zu den Bergleuten das, was man als wohlhabend bezeichnen könnte. Als sie endlich auf dem Hof ihres Onkels ankommen, müssen sie jedoch entsetzt feststellen, dass sie auch dort nicht willkommen sind. Ihr Onkel entschließt sich, nur eines der Kinder zu behalten. Während Jakob bei ihm als Knecht anfangen kann, bringt die Bäuerin Bärbel nach Straßburg, wo sie eine Stelle als Küchenmädchen antreten muss.

Die Jahre vergehen und nur an Martini ist es Jakob erlaubt, seine Schwester zu besuchen. Er wird bei seinem Onkel nicht immer gerecht behandelt, seiner Schwester hingegen scheint es in Straßburg zu gefallen. Doch dann finden die beiden Geschwister ihre große Liebe und ihr Leben nimmt noch einmal eine dramatische Wendung.

Die hier zusammengefasste Vorgeschichte finden Sie ausführlich erzählt in Heidrun Hursts Roman »Die Kinder des Bergmanns« (mediaKern 2013).

I. TEIL

Mai 1626

Auf in den Krieg

Wenn im März die Sonne damit beginnt, das Land in ihr warmes, goldenes Licht zu tauchen, erwacht die Natur zu neuem Leben. Kröten wandern zu ihren Laichgewässern, Zugvögel kehren aus fernen Ländern zurück, und die Buschwindröschen verwandeln den Waldboden in ein weißes Blütenmeer.

Nun war es Mitte Mai, der Wald roch nur noch schwach nach Bärlauch, dessen würziger Duft in den letzten Wochen durchdringend in der Luft gelegen hatte, und das Rheintal hatte sich in einen Rausch aus Farben, Formen und Fruchtbarkeit verwandelt, die Jakob in sich aufsog wie trockenes Moos den Morgentau. Er prägte sich alles ein, was sich schon so viele Male vor seinen Augen vollzogen hatte. Zumindest versuchte er es. Bis zu diesem Zeitpunkt war ihm dies noch nie wichtig erschienen, nun konnte es aber gut sein, dass dieses Wunder zum letzten Mal für ihn sichtbar wurde. Es war Zeit, Abschied zu nehmen und er wusste nicht, ob er jemals wieder zurückkehren würde.

Ein Geräusch ließ Jakob zur Seite blicken. Sein Hund Aaron, der eben noch einem Wasservogel hinterhergejagt war, kam japsend und mit hängender Zunge zu ihm zurück. Er war lange Jahre Kettenhund auf dem Bauernhof seines Oheims gewesen. Nun genoss er seine Freiheit in vollen Zügen und schien instinktiv zu wissen, dass er seit seiner Freilassung selbst für einen vollen Magen sorgen musste. Einer Verpflichtung, der er allzu gerne nachkam, auch wenn er dieses Mal keinen Erfolg gehabt hatte. Missmutig schüttelte Aaron sein zotteliges Fell, aus dem es Wassertropfen zusammen mit Blättern und kleinen, abgerissenen Zweigen regnete. Dann seufzte er, ergab sich in sein Schicksal und reihte sich neben Jakob in den Marsch der Männer ein, der vom gleichförmigen Takt einer Trommel begleitet wurde.

Peter, der auf der anderen Seite neben Jakob marschierte, beäugte den Hund misstrauisch. Für seinen Geschmack war er viel zu groß. Noch dazu sah er nicht besonders vertrauenerweckend aus. Obwohl Peter selbst ein langer Kerl war, reichte der massige Körper des Tieres bis über sein Knie. Das struppige Fell, dessen Farben von einem hellen Braun bis zu düsterem Schwarz reichten, hatte etwas Räudiges, ja sogar Wölfisches an sich, das Peter einen leisen Schauder über den Rücken jagte. Eine lange, dunkle Nase und große Stehohren vervollständigten das Bild. Er mochte ihn nicht besonders, obwohl er seinem Herrn treu ergeben zu sein schien.

Der Hund schenkte ihm einen argwöhnischen Blick aus bernsteinfarbenen Augen, als ob er seine Gedanken erraten hätte, und Peter senkte irritiert den Kopf. Der Boden unter seinen Stiefeln war schlüpfrig und feucht. Er konzentrierte sich darauf, nicht in eines der sumpfigen Löcher zu geraten, die sich hin und wieder auf ihrem Weg befanden.

Sie folgten dem Flusslauf des Rheins, der sich immer wieder zu flachen Strömen und seeähnlichen Gebilden verzweigte, zwischen denen sich eine Fülle aus bewaldeten Inseln, sumpfigen Wiesen und Riedflächen befand. Weiden säumten vielerorts das Ufer und streckten ihre langen, schlangenförmigen Wurzeln dem feuchten Untergrund entgegen. Ein wahres Paradies für jemanden, der untertauchen wollte, doch ein Albtraum für denjenigen, der sich nicht darin auskannte. Doch sie hatten einen Führer dabei, der sie durch das Gewirr aus Wasserläufen, Bäumen, Sträuchern, Sumpf und Ried führte. Peter wischte sich den Schweiß von der Stirn. Dies war kein vergnüglicher Spaziergang und er beglückwünschte sich, dass es auf den Abend zuging. Die Schnaken und winzigen Kriebelmücken, die ihn seit einer Weile wie eine Wolke umkreisten, schienen es jedoch ebenfalls zu wissen. Jeden Abend machten sie ihm mit ihren stechenden Rüsseln das Leben schwer. Er wedelte hektisch mit der Hand, doch es dauerte nur wenige Sekunden, bis die widerlichen Viecher wieder an Ort und Stelle waren.

»Wie lange wird es dauern, bis wir den Musterplatz erreichen?«, fragte Jakob plötzlich. Noch waren sie keine richtigen Söldner. Sie waren Bewerbsmänner, die man angeworben und in Listen eingetragen hatte. Auf dem Musterplatz wurde ihre körperliche Tauglichkeit überprüft. Erst dann gehörten sie der kaiserlichen Soldateska an.

Peter schnaubte und reckte sein langes Kinn vor. »Kommt ganz darauf an, wohin uns der Weibel führt.«

Sie waren erst wenige Tage unterwegs, zu einem Ort, den nur der Feldweibel kannte, der das Kommando innehatte. Fünfhundert Mann, die alle dem gleichen Ziel folgten und in ihrem Unterbewusstsein den immerwährenden Takt der Trommel in sich aufnahmen, um im Gleichschritt über unwegsames Gelände zu marschieren. Einige Packpferde folgten ihnen, neben mehreren berittenen Söldnern, die dafür zu sorgen hatten, dass sie vollständig an Ort und Stelle eintrafen. Ganz gleich, wo dies sein mochte.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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