Im freien Fall oder wie ich mich in eine Pappfigur verliebte - Jessica Park - E-Book
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Beschreibung

Der E-Book-Bestseller aus den USA! Eine herzzerreißende Liebesgeschichte mit feinsinnigem Humor für Leser von Jojo Moyes und John Green. Julie kann es nicht fassen: Statt die ersten Tage am College zu genießen, beaufsichtigt sie plötzlich eine 13-Jährige, die keinen Schritt ohne die lebensgroße Pappfigur ihres Bruders Finn unternimmt. Zugegeben, ihres sehr gut aussehenden Bruders Finn. Der befindet sich zwar gerade auf Weltreise, schreibt aber E-Mails, die Julies Knie butterweich werden lassen. Doch wieso zögert er seine Rückkehr immer weiter hinaus? Weshalb stört sich niemand an seinem platt gedrückten Doppelgänger? Und verliebt Julie sich tatsächlich gerade in eine Pappfigur?

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EPUB
MOBI

Seitenzahl:464


Für Lori, die sich ihre Scharniere selbst macht

Es geht nicht darum, was du weißt oder wann es dir bewusst wird. Es geht um den Weg dorthin.

TEIL 1

1

Julie Seagle starrte das Gebäude vor sich an und schwor, nie wieder eine Wohnung über Craigslist zu mieten. Der Gurt ihrer vollgestopften Reisetasche schnitt ihr in die Schulter, weshalb sie sie auf die beiden Koffer fallen ließ, die auf dem Gehweg standen. Schließlich war es ja nicht so, dass sie ihre Sachen jetzt noch irgendwohin bringen musste. Fassungslos musterte Julie die blinkende Neonreklame, die die angeblich besten Burritos in Boston anpries. Auch ein erneuter Blick auf den Ausdruck der E-Mail konnte nichts daran ändern. Jepp, es war die richtige Adresse. Sie hatte zwar absolut nichts gegen einen guten Burrito einzuwenden und das kleine Restaurant sah auch ganz nett aus, aber es schien ziemlich klar zu sein, dass in dem flachen Gebäude keine Dreizimmerwohnung versteckt war. Julie seufzte und holte ihr Handy aus der Handtasche.

»Hallo, Mom.«

»Julie! Bist du in Boston angekommen? In Ohio fehlst du uns jetzt schon. Ich kann einfach nicht glauben, dass du aufs College gehst. Gefällt dir die Wohnung? Hast du deine Mitbewohner schon kennengelernt?«

Julie räusperte sich. Ihr Blick ging zum Flachdach des Restaurants. »Die Wohnung ist sehr … luftig.«

»Wie ist dein Zimmer? Winzig?« Ihre Mutter klang besorgt. »Aber selbst wenn es winzig ist, ist es immer noch besser als ein Zimmer in einem dieser Betonbunker, die sie als Studentenwohnheime bezeichnen, stimmt’s?«

»Mein Zimmer? Oh … Das ist … ähm … ziemlich minimalistisch, würde ich sagen.« Julie setzte sich auf einen ihrer Koffer. Direkt hinter ihr kam mit quietschenden Bremsen ein Stadtbus zum Stehen. Das schrille Geräusch ließ sie zusammenzucken.

»Was war das denn? Geht dein Zimmer direkt auf die Straße raus? Oh Gott, du bist doch nicht etwa im Erdgeschoss? Das ist gefährlich, Julie. Ins Erdgeschoss kann man viel leichter einbrechen! Kannst du die Fenster abschließen? Ich werde deinen Onkel fragen. Vielleicht kann man dein Zimmer irgendwie sicherer machen.«

»Mom, im Moment sehe ich gar keine Fenster.« Julie spürte, wie ihr Tränen in die Augen stiegen. Es war ein einziger Albtraum. Sie war jetzt seit einer Stunde in Boston – genauer gesagt, in Jamaica Plain – und ihre Pläne für ein schillerndes Studentenleben fingen schneller an, sich in Luft aufzulösen, als sie sich das je hätte vorstellen können. »Ich glaube, ich habe gar kein Zimmer.«

Ihre Mutter schwieg einen Moment. »Was soll das heißen, du hast kein Zimmer? Ich habe doch wie verlangt zwei Monatsmieten und die Kaution an den Vermieter geschickt. Per Bankscheck, Herrgott noch mal! Hat er dein Zimmer etwa an jemand anderen gegeben?« Die aufsteigende Panik in der Stimme ihrer Mutter war keine große Hilfe.

»Ich stehe vor der korrekten Adresse. Der Taxifahrer hat mir versichert, dass ich hier richtig bin. Aber mein angebliches Apartmentgebäude ist ein Burrito-Restaurant.«

»Burritos! Großer Gott!«

»Ich weiß. Burritos sind immer ein Alarmzeichen.« Julie sah sich um. Sie hatte keine Ahnung, was sie tun sollte. »Mom, was mach ich denn jetzt?« Obwohl sie ihrer Mutter nicht unnötig Angst einjagen wollte, gelang es Julie nicht, das Zittern in ihrer Stimme zu unterdrücken. Sie war allein in einer fremden Stadt, kannte hier keine Menschenseele und saß auf einem Berg von Gepäck.

In einer belebten Straße gestrandet zu sein, hatte zumindest den Vorteil, dass sie überhaupt nicht fehl am Platz wirkte. Inzwischen waren schon eine Menge Leute an ihr vorbeigegangen, ohne sie auch nur eines Blickes zu würdigen. Es war die erste Septemberwoche und sie war in einer Collegestadt. Auf den Straßen waren zahlreiche Umzugswagen zu sehen, die sich durch den dichten Verkehr zwängten und Studenten mitsamt deren Habe vor richtigen Wohnungen absetzten, die nicht gleichzeitig ein Restaurant waren. Julie wischte sich die Tränen aus den Augen und schob sich die Sonnenbrille vor die Augen. Sie würde alles geben, jetzt in einem dieser Umzugswagen mitzufahren, eingeklemmt zwischen einigen ihrer Freunde.

»Ich habe kein Zimmer. Und das viele Geld, das du ausgegeben hast … Es hätte billiger als im Wohnheim sein sollen. Und es hätte nicht nach Burritos riechen sollen.« Julie war gerade erst von zu Hause ausgezogen. Dass sie auf einen Betrüger hereingefallen war, viel Geld für eine Wohnung bezahlt hatte, die es gar nicht gab, und jetzt ohne ein Dach über dem Kopf in Boston auf der Straße stand, war ein herber Schock für sie.

»Julie, mach dir keine Gedanken wegen des Geldes. Es ist nicht deine Schuld. Ich habe die Anzeige auch für echt gehalten. Du bleibst erst mal, wo du bist, und ich rufe beim College an und frage, ob dir dort jemand helfen kann, okay? Das dauert nur ein paar Minuten. Alles in Ordnung mit dir?«

Julie schniefte. »Ja, mir geht’s gut.«

»Du rührst dich nicht vom Fleck. Ich rufe dich gleich zurück und dann bringen wir das in Ordnung.«

Julie setzte ihre Kopfhörer auf und verbrachte die nächsten quälend langen zwanzig Minuten damit, düstere Musik zu hören, den dunkellila Nagellack, den sie am Abend zuvor aufgetragen hatte, abzukratzen und ihren Facebook-Status zu aktualisieren.

Julie SeagleBoston, 1. Tag:Weigere mich, diese Stadt als »Beantown« zu bezeichnen, ich bin doch kein Tourist. Wohne schließlich hier, auch wenn ich genau genommen gar keine Wohnung habe.

Der Straßenbelag strahlte eine gewaltige Hitze ab und bis jetzt konnte sie dieser schwülheißen Stadt nichts abgewinnen. Ein bisschen Selbstmitleid schien angebracht zu sein. Sie wollte doch nur ganz normal aufs College gehen und die Chance bekommen, ihr Studium zu genießen, ohne sich Gedanken darüber machen zu müssen, ob ihre Freunde es komisch finden würden, wenn sie wüssten, dass sie gern lernte. Es musste gar nicht die teuerste Universität des Landes oder eines der renommierten Elite-Colleges sein. Sie wollte einfach nicht mehr das Gefühl haben, sich verstellen zu müssen. Es wäre schön, endlich einmal zugeben zu können, dass sie sich für Literatur begeisterte, dass sie es toll fand, sich mit einem Lehrbuch in der Hand auf dem Sofa zusammenzurollen, und dass sie nichts lieber wollte, als sich an lebhaften Diskussionen mit anderen Studenten zu beteiligen. Und daher fand Julie es auch nicht zu viel verlangt, dass sie ein Dach über dem Kopf haben wollte, wenn sie ihr Studium begann.

Die Leute vom Whitney College würden doch sicher nicht zulassen, dass ein inzwischen schon ziemlich nervöser Neuankömmling aus Ohio ganz allein in Boston zurechtkommen musste? Natürlich konnte sie die Nacht in einem Hotel verbringen, aber eine langfristige Lösung war ihr eindeutig lieber. Es musste doch ein paar Studenten geben, die in letzter Minute ihre Pläne geändert und ihr Zimmer im Wohnheim zurückgegeben hatten, oder? Vielleicht. Das Burrito-Restaurant suchte jedenfalls Bedienungen und vielleicht war das ja ein Zeichen, dass sie ihr Spanisch aufpolieren und Interesse für die mexikanische Küche entwickeln sollte …

Julies Handy hatte noch gar nicht richtig geklingelt, als sie auch schon ranging: »Mom?«

»Dieses verdammte College war überhaupt keine Hilfe. Offenbar haben sämtliche Unis im Umkreis von fünfzig Kilometern Probleme damit, ihre Studenten unterzubringen, und Whitney weiß sich nicht mehr anders zu helfen, als sie in Hotels zu stecken. Aber mir ist da etwas anderes eingefallen. Kannst du dich noch an Erin Watkins erinnern?«

»Deine Mitbewohnerin vom College? Die Topanwältin? Ich wusste gar nicht, dass ihr noch befreundet seid.«

»Na ja, genau genommen sind wir das nicht. Ich hatte seit Jahren keinen Kontakt mehr zu ihr, aber in meinem Alumni-Magazin habe ich gelesen, dass sie in Cambridge lebt. Da stand auch, dass sie jetzt Dozentin in Harvard ist, und es war reines Glück, dass ich sie eben in ihrem Büro erwischt habe.«

»Oh Gott, ist das peinlich. Weiß sie vielleicht was von einer freien Wohnung?«, fragte Julie erwartungsvoll.

»Nein. Aber sie hat darauf bestanden, dass du bei ihr wohnst, bis du etwas Passendes gefunden hast. Ihr Sohn Matthew ist losgefahren, um dich abzuholen. Ich habe ihr die Adresse gegeben. Sie hat gesagt, das sei nicht gerade die beste Gegend der Stadt und es sei gut, dass es erst vier Uhr ist und noch nicht dunkel wird. Er fährt einen blauen Volvo und dürfte jeden Moment da sein.«

»Okay. Matt. Gefährliche Stadt. Blauer Volvo. Für den Fall, dass ich in das falsche Auto steige, ermordet werde und als Leiche in einer dunklen Gasse wieder auftauche, solltest du wissen, dass ich dich sehr lieb habe. Und untersteh dich, einen Blick in die dritte Schublade meines Schreibtisches zu werfen.«

»Das ist nicht lustig. Jedenfalls studiert Matthew am MIT, du weißt schon, das berühmte Massachusetts Institute of Technology, irgendwas mit Physik. Oder war es Mathematik? Ist das zu fassen? Aber angesichts von Erins Genen sollte es mich eigentlich nicht überraschen, dass sie ein Genie zum Sohn hat.«

»Ich bin sicher, dass er ein unglaublich cooler Typ ist. Mir wird schon ganz warm und schwummerig, wenn ich das Wort ›Physik‹ nur höre.«

»Julie, ich will dich doch nicht mit ihm verkuppeln. Ich versuche lediglich, dich an einen sicheren Ort zu bringen, damit ich mir keine Sorgen um dich machen muss.«

»Schon okay, Mom. Ich finde sicher eine andere Partnervermittlung für Boston.« Julie stand auf und strich die Vorderseite ihres Oberteils glatt. Sie drehte sich zur Straße hin, erleichtert darüber, dass sie jetzt endlich so aussah, als warte sie darauf, von jemandem abgeholt zu werden, und nicht mehr krampfhaft versuchen musste, nicht deplatziert zu wirken. »Wann hattest du eigentlich das letzte Mal Kontakt mit Erin?«

»Das ist schon Jahre her. Nach dem Studium haben wir uns nicht mehr oft getroffen. Aber Freunde, die man auf dem College findet, hat man sein Leben lang, auch wenn man mal ein paar Jahre keinen Kontakt hat. Du wirst schon sehen.«

Ein dunkles Auto wurde langsamer, hielt an und parkte direkt vor Julie in zweiter Reihe. »Mom, ich muss jetzt aufhören. Ich glaube, dieser Matt ist hier.«

»Bist du sicher, dass er es ist?«

Als das Autofenster heruntergelassen wurde, warf Julie schnell einen Blick ins Innere. »Der Typ sieht irgendwie verrückt aus. In der einen Hand hält er bunte Süßigkeiten und mit der anderen schwenkt er eine bluttriefende Sichel. Oh! Er winkt mich zum Wagen. Das muss er sein.«

»Julie, hör auf!«, befahl ihre Mutter. »Du hast keine Ahnung, wie man sich fühlt, wenn das einzige Kind in Boston gestrandet ist. Wenn ich nur bei dir sein könnte. Vergewissere dich, dass es auch tatsächlich Matthew ist. Lass dir seinen Führerschein zeigen.«

»Mach ich. Ich melde mich, wenn ich es bis zum Haus geschafft habe. Bis dann, Mom.«

»Bis dann, Schätzchen. Dieser Schlamassel tut mir so leid. Sag Erin Danke von mir. Ich werde dann später mit euch beiden reden.«

Julie beendete das Gespräch und blickte dem jungen Mann, der um das Auto herumging und auf sie zukam, erwartungsvoll entgegen. »Matt?«

»Den Koffern nach zu urteilen, musst du Julie sein. Falls nicht, entführe ich gerade die Falsche.« Er lächelte leicht und hielt ihr die Hand hin.

Er war groß, mindestens eins achtzig, mit dunkelblonden Haaren, die ihm bis in die Augen hingen. Seine blasse Haut verriet Julie, dass er im Sommer nicht viel Sonne gesehen hatte, und nach einem Blick auf sein T-Shirt wusste sie auch, warum. Auf dem Shirt, das er in seine schlecht sitzende Jeans gesteckt hatte, stand: Nietzsche is my hero. Er gehörte mit Sicherheit nicht zu den angesagten Typen und Julie vermutete, dass er sich den ganzen Sommer lang in irgendeiner dunklen Bibliothek vergraben hatte. Aber er war so nett gewesen, alles stehen und liegen zu lassen, um sie zu holen. Außerdem hatte Julie auch ein paar Seiten an sich, die nicht unbedingt massenkompatibel waren – allerdings war sie nicht so dumm, sie auf einem T-Shirt zu verkünden. Sie versteckte sie. So wie jeder andere mit ein bisschen sozialer Kompetenz.

»Danke, dass du mich abholst. Ich wusste wirklich nicht, was ich tun sollte. Hoffentlich mach ich dir nicht zu viele Umstände.« Sie half Matt, ihr Gepäck in den Kofferraum zu laden, und ließ sich dann auf den Beifahrersitz fallen. Die Septembersonne hatte den Wagen aufgeheizt und Julie fächelte mit dem Saum ihres Oberteils, um etwas Luft an ihre Haut zu bekommen.

»Kein Problem. Tut mir leid, dass es hier drin so heiß ist. Die Klimaanlage funktioniert nicht und bis jetzt hat sich niemand darum gekümmert, sie reparieren zu lassen. Aber wir müssen nicht weit fahren.« Matt drehte den Schlüssel um und wollte den Motor starten, doch der gab nur ein lautes Stottern von sich und Julie befürchtete schon, dass sie noch länger an diesem inzwischen verhassten Ort gefangen war. »Keine Angst. Das macht er immer, wenn ich versuche, ihn kurz nach dem Ausmachen wieder anzulassen. Er will nur ein bisschen mehr Benzin … Na bitte!«

Julie warf einen Blick in den Außenspiegel. Sie sah total mitgenommen aus. Und verschwitzt. Allerdings war es nicht die Art von verschwitzt, die man als »strahlend« bezeichnen konnte. Schnell wischte sie den braunen Eyeliner am unteren Lidrand weg, der ganz verschmiert war, und versuchte, ihren Pony zu glätten, der langsam anfing, sich zu wellen. Das schwülheiße Wetter war Gift für ihre von hellen Strähnen durchzogenen braunen Haare. Sie hatte nicht vor, eine Puderdose aus der Tasche zu holen und die Sommersprossen auf ihrer Nase abzudecken, aber es wäre ihr lieber gewesen, wenn sie bei der ersten Begegnung mit der Familie Watkins einen besseren Eindruck gemacht hätte.

Plötzlich riss Matt das Lenkrad nach rechts und schaffte es gerade noch, einem zu schnell fahrenden Auto auszuweichen, das ihn geschnitten hatte. »Willkommen in Boston, das vor allem für seine aggressiven Autofahrer bekannt ist.«

»Ich liebe diese Stadt jetzt schon. Abgesehen davon, dass ich übers Ohr gehauen wurde, total pleite bin, kein Zimmer habe und das Semester schon angefangen hat, ist doch alles super gelaufen, findest du nicht auch?« Julie lächelte leicht und lehnte den Kopf an den Fensterrahmen, um frische Luft zu bekommen.

»Es könnte schlimmer sein. Du könntest im dritten Semester noch bei deinen Eltern wohnen, so wie ich. Und ich bin sicher, dass du Boston lieben wirst. Jede große Stadt hat ihre Nachteile, aber zum Studieren ist Boston toll. Wenn du dich erst einmal eingelebt hast, wird es dir hier gefallen. Du fängst am Whitney College an?«

»Ja. Das MIT ist es natürlich nicht«, erwiderte sie mit einem spöttischen Lächeln. »Grundkurs Literatur kann sicher nicht mit deinen Vorlesungen konkurrieren, wie auch immer sie heißen mögen. Vielleicht Anbetung vonDifferenzialgleichungen?«

Matt lachte. »Fast. Das war letztes Jahr dran. Dieses Jahr ist es Zwanghafte Beschäftigung mit der Fourieranalysisund deren Anwendungen. Und meine Lieblingsvorlesung, Quantenphysik II: Amouröse Verstrickungen von Energie und Materie.«

Julie sah ihn an. »Du studierst zwei Hauptfächer? Physik und Mathe? Großer Gott.«

»Ich weiß. Nerd.« Er zuckte mit den Schultern.

»Nein. Ich bin beeindruckt. Ich frage mich gerade, wie deine Gehirne in deinen Kopf passen.«

»Ich wurde mit einem speziellen Kompressionsfilter geboren, mit dem ich überschüssige Informationen speichern kann, bis ich sie brauche. Es ist nur die Betaversion, daher können Fehler auftreten. Dafür kann man mich wirklich nicht verantwortlich machen.«

»Danke für die Warnung.« Julie nickte ernst. »Ich weiß noch gar nicht, in welchem Fach ich meinen Abschluss machen werde. Vielleicht Psychologie? Oder Englisch? Ich schwanke. Sind wir eigentlich noch in Jamaica Plain?«

»Nein. Jetzt sind wir in Cambridge. Und das da«, erklärte er, als sie abbogen und über eine Brücke fuhren, »ist der Charles River. Wir sind auf dem Memorial Drive und Harvard Square ist gleich da vorn. Wenn du möchtest, fahren wir hin.« Julie nickte begeistert. »Direkt an dem Platz ist eine Station der T, so wird die U-Bahn hier genannt, und bis zum Haus meiner Eltern sind es nur ein paar Minuten zu Fuß.«

Zum ersten Mal, seit ihr Flugzeug gelandet war, freute sich Julie darüber, hier zu sein. Der Fluss war herrlich und voll von Leuten, die Kanu oder Kajak fuhren. Ihre Schwimmwesten waren leuchtende Farbpunkte auf dem Wasser. Sie fuhren an Torbögen und schmiedeeisernen Pforten vorbei, an überfüllten Gehsteigen, gepflasterten Gässchen und einer bunten Mischung aus Geschäften und Restaurants. Julie gefiel, wie lebendig es hier war.

»Wie weit ist es bis zu meinem College? Vielleicht finde ich ja hier eine Wohnung.«

»Wenn du die T nimmst, ist es nicht weit. Whitney ist in der Back Bay, das ist nicht in Cambridge, sondern drüben in Boston. Du müsstest dann am Hynes Convention Center aussteigen. Dein College liegt ganz in der Nähe des Berklee College of Music.«

»Toll. Wenn ich das Bedürfnis verspüre, ein bisschen Lady Gaga zu schmettern, finde ich dort bestimmt ein paar Background-Sängerinnen.« Julie runzelte die Stirn, als sie Matts verständnislosen Blick bemerkte. »Lady Gaga? Die mit den durchgeknallten Kopfbedeckungen? Und den überdimensionierten Schulterpolstern? Hat die Musikwelt vor einigen Jahren im Sturm erobert? Hautenge Kostüme, Federn, Leder, Schnallen? Noch immer nichts?«

»Ich kann dir nicht ganz folgen«, erwiderte er. »Jedenfalls sind wir jetzt da.« Matt lenkte den Wagen in die Einfahrt eines großen, blaugrau angestrichenen Hauses mit schwarzen Holzläden und weiß abgesetzten Fenstern und Türen. Die ruhige Seitenstraße war mit Bäumen und prächtigen Gärten gesäumt und jedes der erhabenen alten Häuser stand hinter einem weißen Holzzaun oder einer immergrünen Hecke. Es war schwer zu glauben, dass eine Hauptstraße und der verkehrsreiche Harvard Square gleich um die Ecke lagen. Man musste kein MIT-Student sein, um sofort zu wissen, dass das hier ein sehr wohlhabendes Viertel war.

»Meine Mutter dürfte inzwischen zu Hause sein. Sie wollte hier sein, wenn du kommst. Mein Vater und Celeste sind vermutlich noch unterwegs. Er hatte einen Termin in ihrer Schule.«

»Deine Schwester?«, riet Julie.

Matt stieg aus. »Genau. Sie ist gerade dreizehn geworden. Ich hoffe, du magst geliefertes Essen. In meiner Familie hat seit Jahren niemand mehr eine richtige Mahlzeit gekocht.«

»Solange es keine Burritos sind, ist mir alles recht.«

Matt öffnete den Kofferraum, zögerte dann aber. »Julie? Ich sollte dir vermutlich sagen, dass …« Er zögerte.

»Ja?« Sie sah Matt an. »Was ist? Stimmt was nicht? Oh nein, wie peinlich. Es gibt Burritos, stimmt’s?« Er schüttelte den Kopf. »Oh. Ich hab’s gewusst. Deine Eltern sind sauer, weil ich ihnen quasi aufgedrängt wurde. Niemand will eine Fremde im Haus haben.«

»Nein, nein. Überhaupt nicht. Es geht nur darum, dass Celeste …« Er schien zu überlegen, wie er es ihr sagen sollte. »Na ja, sie ist ein interessantes Mädchen.«

»Interessant gefällt mir«, meinte Julie, während sie eines ihrer Gepäckstücke aus dem Kofferraum zerrte. »Interessant gefällt mir sogar sehr.«

2

Julie fragte sich, ob sie statt in einem Privathaus nicht vielleicht doch in einer Bibliothek gelandet war. An sämtlichen Wänden der großen Diele standen weiße Regale, die mit Büchern vollgestopft waren. Und es waren keine billigen Krimi- und Thriller-Ausgaben. In diesem Haus war kein Platz für leichte Lektüre. Rechts davon schloss sich ein kleiner, sonnendurchfluteter Raum an, in dem ein Flügel den meisten Platz einnahm. Sie folgte Matt nach links ins Wohnzimmer, dessen Einrichtung ihr auf Anhieb gefiel. An den Wänden hingen afrikanische Masken und Gemälde und auf den zwei Beistelltischen, die eine gemütlich aussehende Couchgarnitur in Beige einrahmten, fielen ihr ein Globus und ein dicker Weltatlas auf.

Julie fiel der starke Kontrast zwischen diesem Haus und dem ihrer Mutter auf. Ihre Mom hatte eine Schwäche für Schottenkaros, gelbe Wände und Trödel vom Flohmarkt und das Haus war immer aufgeräumt und frisch geputzt. Das alles gefiel Julie. Ihr Zuhause war einfach, aber gemütlich. Doch als sie sich jetzt umsah, musste sie zugeben, dass die wilde Mischung aus ungewöhnlichen Statuen, bunten Kissen in schrillen Mustern und Gelehrtenstube einen ungeheuren Reiz besaß.

»Matt? Bist du das? Hast du sie gefunden?« Aus einem anderen Raum drang eine Stimme zu ihnen, gefolgt vom Geräusch schneller Schritte. Als Julie den Kopf hob, sah sie das erleichterte Gesicht einer Frau, die ins Wohnzimmer kam. »Julie Seagle! Du bist deiner Mutter wie aus dem Gesicht geschnitten. Ich bin Erin Watkins. Willkommen. Gott sei Dank hat deine Mutter mich erreichen können.« Sie ging auf Julie zu und schüttelte ihr die Hand.

»Vielen Dank, dass Sie mir aus der Klemme helfen. Es ist wirklich nett von Ihnen, dass ich hier übernachten kann. Ich werde gleich morgen früh auf Wohnungssuche gehen.«

Erin war fast so groß wie Matt. Als Julie sie begrüßte, spürte sie die Knochen in Erins kalter Hand. Großer Gott, war die Frau dünn. Nicht ungesund dünn, aber ungemein zierlich.

Erin hob abwehrend die Hand und strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht, die ihrem strammen Knoten entwischt war. »Für Kate tu ich alles, daher ist es überhaupt kein Problem, dass du hier wohnst, bis du etwas Passendes gefunden hast. Da wir gerade von deiner Mutter sprechen – du solltest ihr sagen, dass alles in Ordnung ist. Ich geh mit dir nach oben und zeig dir dein Zimmer, dann kannst du sie anrufen.«

»Das mach ich schon.« Matt strebte entschlossen auf Julies Gepäck zu.

»Unsinn. Ich weiß, dass du noch für die Uni zu tun hast. Ich ruf dich, wenn dein Vater und Celeste mit dem Abendessen hier sind. Julie, komm mit.« Erin ging durchs Wohnzimmer und nahm einen von Julies Koffern. »Ich hoffe, dass es dir bei uns gefallen wird. Ich weiß, dass du heute in deine eigene Wohnung ziehen wolltest, aber hier ist es immer noch besser als in einem Hotel.«

»Mom, ich muss dringend mit dir reden.«

»Ja, ja. Matt, jetzt entspann dich mal«, erwiderte Erin.

Julie packte ihre restlichen Sachen und folgte Erin, während Matt wie angewurzelt stehen blieb. »Noch mal danke fürs Abholen«, rief sie ihm über die Schulter zu.

Matt nickte und wippte auf den Fußsohlen hin und her, die Hände in den Hosentaschen. »Gern geschehen.«

Er schien ziemlich nett zu sein und man konnte sich gut mit ihm unterhalten. Zwar sah er nicht supertoll aus, aber er war mit Sicherheit intelligent und hatte Humor. Vermutlich war er ein bisschen merkwürdig, aber mit merkwürdig konnte Julie umgehen. Sie mochte Herausforderungen und außerdem war sie froh, dass er so anders war als ihre langweiligen Mitschüler in Ohio.

Sie gingen die luftige Treppe hoch in den ersten Stock. Von der großzügigen Galerie zweigten vier Türen ab, die vermutlich zu den Schlafzimmern führten, und ein kurzer Flur ging zur Seite weg. Auch hier wieder weiße Wände und teuer aussehende Kunstwerke.

»Dein Zimmer ist gleich hier«, sagte Erin, während sie die Tür mit der Schulter aufstieß.

Das Schlafzimmer mit der dunklen Bettwäsche, den Holzregalen, Büchern, Bildern, der Stereoanlage und den DVDs wirkte eindeutig maskulin. Gegenüber dem Bett hing ein kleiner Flachbildfernseher an der Wand und auf dem Schreibtisch war gerade so viel Platz frei, dass ein Laptop hinpasste.

»Mach’s dir bequem. Das Bad ist am anderen Ende des Flurs. Ich lege dir ein paar frische Handtücher hin und … Oh, das ist sicher Roger.« Erin lauschte auf das Klingeln eines Telefons, das aus einem anderen Zimmer zu ihnen drang. »Magst du thailändisches Essen?«

»Oh ja. Vielen Dank.«

»Lass dir ruhig Zeit. Und falls du auspacken willst – die Schubladen in der Kommode sind leer«, meinte Erin, während sie rückwärts aus dem Zimmer ging, um den Anruf entgegenzunehmen.

Julie setzte sich auf das Bett und sah sich im Zimmer um. Ja, es gehörte eindeutig einem Jungen. Nicht, dass sie etwas dagegen hatte, schließlich mochte sie Jungs. Aber am liebsten wäre sie sofort zum nächsten Einrichtungsgeschäft gefahren und hätte mit einem Teil des Geldes, das sie bei ihrem Ferienjob verdient hatte, ein paar Mädchensachen gekauft. Zum Glück hatte sie den Aufsatzwettbewerb gewonnen, den der Schulbezirk veranstaltet hatte, sonst hätte sie ihre ganzen Ersparnisse für einen Computer ausgeben müssen. Es hatte Wochen gedauert, den Text über den Umgang der amerikanischen Regierung mit Naturkatastrophen zu schreiben, aber dafür hatte sie auch ein nagelneues MacBook bekommen. Es war gut, dass ihre Freunde sich vor allem für Sport, Partys oder Bandwettbewerbe interessierten, sonst wäre sie von ihnen gnadenlos aufgezogen worden, weil so etwas ja dermaßen uncool war.

Genau genommen war es so, dass ihre Freunde sie nicht wirklich verstanden. Ihre Mutter verstand sie auch nicht, obwohl sie natürlich stolz auf Julies gute Noten war. Trotzdem hatte ihre Mutter geheim gehalten, dass Julie nachmittags freiwillig in eine Literatur-AG gegangen war. Ihre Freunde hätten sich vor Lachen den Bauch gehalten. Julie hatte kein Problem damit gehabt, ein paar Stunden ihrer Freizeit zu opfern, um sich anzuhören, was ihr Lehrer über Graham Greene zu sagen hatte, aber sie war nicht bereit gewesen, ihren weniger lernbegierigen Freunden zu erklären, warum sie es getan hatte. Schule war für die anderen einfach nicht so wichtig wie für sie und die Hälfte der Zeit schienen sie gar nicht zu verstehen, worüber Julie eigentlich redete. Jared, ihr Exfreund, hätte angesichts der Vorstellung, dass jemand freiwillig Zeit fürs Lernen opferte, die Augen verdreht.

Als sie an Jared dachte, fragte sich Julie, was ihr Ex wohl gerade machte. Vermutlich trug er eine Toga und wurde an der mittelmäßigen Uni, an der er studierte, von zwei Freunden mit dem Kopf nach unten über ein Bierfass gehalten. Sie hoffte, dass er in der Menge aus geistigen Tieffliegern unterging und von jeder vollbusigen, spaghettiträgertragenden, sonnenstudiogebräunten Tussi, die er anbaggerte, einen Korb bekam. Arizona konnte ihn ruhig haben. Trotzdem wollte Julie unbedingt wissen, ob er ihren Status auf Facebook kommentiert hatte.

Sie stellte ihren Laptop auf den Schreibtisch und schaltete ihn ein. Natürlich hätte sie auch ihr Smartphone benutzen können, aber sie war einfach kein Fan der Minitastatur. Julie legte Wert auf Großbuchstaben und ein Minimum an Zeichensetzung und die Fehlerquote auf dem kleinen Gerät war einfach zu groß. Für sie musste es eine richtige Tastatur sein.

Plötzlich fiel ihr ein, dass sie ja ein Passwort brauchte, um sich ins Netz der Watkins einzuloggen. Na, großartig. Erst platzte sie in ihr Familienleben rein und dann musste sie auch noch danach fragen. Aber Internetzugang kam vor Stolz. Julie erwischte Erin, als diese gerade ihr Telefongespräch beendete.

»MrsWatkins? Es tut mir leid, dass ich Sie störe, aber könnte ich vielleicht das WLAN-Passwort haben, damit ich online gehen kann?«

»Sag Erin zu mir. Und du. Bitte. Natürlich kannst du das Passwort haben. Ich muss nur Matthew fragen. Er hat einen völlig sinnlosen Zufallscode generiert, damit keiner der Nachbarn auf unser Netz zugreifen kann. Er ist unser privater Sicherheitsexperte. Warte eine Sekunde.« Erin verschwand für einen Moment und kam dann mit einem Zettel in der Hand zurück.

»Danke.« Julie nahm den Zettel und starrte auf das fünfzehnstellige Passwort. War hier jemand paranoid? Das konnte sich doch niemand merken. Bis auf Matt, wie es schien.

»Ich sag dir Bescheid, wenn wir essen.« Erin machte die Tür hinter sich zu.

Julie ging auf Facebook und öffnete ihre Profilseite. Sie hatte schon acht Kommentare unter ihrem Status, von besorgten Freunden, denen sie im Grunde genommen völlig egal war (»Was ist passiert???«, »Was machst du denn jetzt?«, »OMG! Ruf mich an!«), aber nichts von Jared.

Jared hatte kalte Füße bekommen und verkündet, dass sie nicht einmal versuchen sollten, eine Fernbeziehung zu führen, und er deshalb schon mal prophylaktisch mit ihr Schluss mache. Was aber eigentlich auch egal war. Er war nicht der Richtige für sie und Julie hätte ihm schon vor Monaten den Laufpass geben sollen. Sie war selbst schuld, dass sie diese ausgelutschte Beziehung nicht früher beendet hatte. Vielleicht hätte sie keinen besorgten Kommentar von ihrem Ex erwarten sollen, aber eine freundliche Nachfrage hätte ja wohl nicht geschadet. Sie hätte sich gefreut, wenn sie wenigstens zivilisiert miteinander hätten umgehen können, aber möglicherweise war Julie auch zu sauer auf sich selbst, als dass sie das zugelassen hätte – selbst wenn Jared es versucht hätte.

Jetzt war sie nicht mehr in der kleinen Stadt in Ohio, nicht mehr in dieser unterdurchschnittlichen Highschool und nicht mehr in einem sozialen Umfeld, in dem Mädchen ihre Freunde beim Sport blindlings anfeuerten.

In Boston konnte alles anders sein. Es würde anders sein. Sie konnte sein, wer sie war, ohne sich Gedanken darüber zu machen, wie sie ihr Vokabular auf das geistige Niveau der anderen herunterschraubte oder ihr Interesse für die Schule versteckte.

Julie warf noch einen letzten Blick auf Jareds Profil und seine neuen Ringerkumpane und wünschte ihm im Stillen alles Gute (oder zumindest nichts Schlechtes). Dann löschte sie ihn von ihrer Freundesliste. Und ihr Status-Update?

Julie SeagleHabe die Straßen von Boston ohne bleibende Schäden überlebt (bis auf mein angekratztes Ego, weil ich so blöd war, unbesehen ein Zimmer über eine Schwindel-Website zu mieten) und befinde mich zurzeit in einem sicheren Hafen.

Julie lehnte sich zurück. Sie zögerte einen Moment, rief dann aber das Gmail-Konto auf, das sie eingerichtet hatte. Ihr Vater war der Einzige, der diese E-Mail-Adresse kannte. Der Posteingang war leer. Er würde schreiben, wenn er Zeit hatte. Sie klappte den Laptop zu.

Dann stieß sie einen tiefen Seufzer aus, blies sich den Pony aus den Augen und nahm das gerahmte Foto auf dem Schreibtisch in die Hand. Jemand in dicker Winterkleidung stand mit einem Snowboard in der Hand auf einem verschneiten Berghang. Er sah nicht aus wie Matt, obwohl das auf dem unscharfen Foto schlecht zu erkennen war.

Julie packte noch ein paar Sachen aus, faltete ihre Kleidung ordentlich zusammen und legte sie in die Schubladen der Kommode. Ein paar ihrer Kleider hängte sie auf die Bügel im Schrank. Sie hasste es, den Rest in den Koffern zu lassen, wo alles verknittern würde, aber es schien irgendwie nicht richtig zu sein, alles auszupacken, so, als hätte sie vor, länger hierzubleiben.

Nach dem Essen würde sie online gehen und anfangen, nach einem Zimmer oder einer Wohnung zu suchen. Ihr Orientierungskurs für Erstsemester begann am Donnerstag, daher hatte sie den ganzen nächsten Tag Zeit, etwas zu finden. Sie wollte das möglichst schnell erledigen und in einer so großen Stadt musste es doch einfach etwas Passendes für sie geben.

Nach einem Blick in den Spiegel wühlte sie kurz in ihrem Gepäck, bis sie ihr Make-up-Täschchen und das Glätteisen gefunden hatte. Ein paar Minuten später sah sie wieder halbwegs menschlich aus. Vielleicht nicht nach Cheerleader-Maßstäben, aber sie würde das Abendessen überstehen, ohne jemanden zu erschrecken. Und bevor sie ins Bett ging, würde sie eine lange heiße Dusche nehmen.

»Julie? Brauchst du noch was?« Matt klopfte in dem Moment, in dem sie die Tür öffnete.

»Ich dachte, du solltest lernen«, zog sie ihn auf. »Danke, ich hab alles. Wessen Zimmer ist das eigentlich?«

»Finns.« Mit leerem Blick starrte er über ihre Schulter in das Zimmer. »Er ist nicht da. Er ist verreist.«

»Finn ist dein Bruder?«

»Genau. Er ist mein Bruder.«

Julie lächelte. Du meine Güte, Matt war … merkwürdig. »Älter oder jünger?«, half sie ihm.

»Älter. Zwei Jahre.«

»Und damit wäre er …?«

Er ließ den Kopf hängen, sodass ihm die Haare in die Augen fielen, und lachte leise. »Dreiundzwanzig.«

»Dann bist du jetzt einundzwanzig. Und erst im dritten Semester? Wann hast du Geburtstag? Hast du nach der Highschool ein Jahr Pause gemacht?«

»Hab ich. Irgendwie scheinst du dich für Mathe zu interessieren. Diese offenkundige Begeisterung für Zahlen könnte bedeuten, dass du ein neues Hauptfach gefunden hast.«

Julie verschränkte die Arme vor der Brust. »Unwahrscheinlich. Im Gegensatz zu dir habe ich keinen dieser hypermodernen Kompressionsfilter.«

»Ich könnte beim Entwickler ein gutes Wort für dich einlegen. Vielleicht setzt er dich ja auf die Liste für das Nachfolgemodell.«

»Lieber nicht, aber danke für das Angebot.«

»Du hast recht. Meine Betaversion ist auch nicht das Gelbe vom Ei.«

Julie lächelte. »Echt jetzt? Ich finde sie ganz in Ordnung.«

3

»Das Essen kommt in ein paar Minuten. Du hast sicher schon einen Bärenhunger.« Erin griff in einen Küchenschrank und holte einen Stapel Teller heraus. Sie hatte sich umgezogen und trug jetzt eine Leinenbluse zu einer schwarzen Jeans. Die langen Haare hatte sie wieder fest im Nacken zusammengesteckt.

Die Klimaanlage im Haus linderte die schwüle Hitze, mit der Julie schon den ganzen Tag gekämpft hatte, und ihr kam der Gedanke, dass sie es genießen sollte, so lange sie konnte. Es war ziemlich unwahrscheinlich, dass sie eine Wohnung mit Klimaanlage finden würde. Julie nahm Erin die Teller ab. »Das mach ich.«

»Danke. Matthew hat die Platzdeckchen und das Besteck.« Sie wies mit dem Kopf in Richtung Esszimmer. »Oh, Julie? Hast du deine Mutter erreicht?«

»Ja. Und sie hat mich gebeten, noch einmal Danke von ihr zu sagen.«

»Das braucht sie doch nicht. Zum Glück hat sie den Rest deiner Sachen noch nicht hergeschickt, sonst würde jetzt alles an einer Straßenecke stehen. Ich habe ihr gesagt, dass sie alles zu uns senden soll, dann kann Matthew dir beim Umziehen helfen, wenn du eine Wohnung gefunden hast.«

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