Im Reich der Träume - Gabriel Lopez Monica - E-Book

Im Reich der Träume E-Book

Gabriel Lopez Monica

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Beschreibung

Auf einem alten Kahn. Klare Sicht, der Hafen verschwindet hinter dem Horízont... Im Reich der Träume sind in sich abgeschlossene Liebes- und Abenteuergeschichten, in Form von Lyrik, Epik und Dramatik. Der rote Faden bildet der Lebenskampf, das Streben nach Wissen, um zu überleben, und die verbindende und motivierende Kraft der Liebe. Die Erzählungen sind miteinander verknüpft, und bieten Innenansichten, in die Gedanken- und Gefühlswelt einer Vielzahl von Protagonisten, sehr unterschiedlicher Lebensläufe, vor dem Hintergrund von Weltstädten und der menschenleeren Weite von Wüsten.

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Seitenzahl: 112

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Gabriel Lopez Monica

Im Reich der Träume

Die Lehren fiktiver Leben

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Lassen Sie uns beginnen

Kapitel 1 Die Unendlichkeit

Kapitel 2 Der Beginn einer langen Reise

Kapitel 3 Eine beharrliche Frau

Kapitel 4 Okeanos

Kapitel 5 Sigurd sucht Adrian

Kapitel 6 Eva ist verliebt und hat ein Problem

Kapitel 7 Claire hat einen Wunsch

Kapitel 8 Adrian beginnt zu schreiben

Kapitel 9 – 18. Dezember 2039 – Wyatt: Präkognition Teil 1

Kapitel 10 – 22. Dezember 2039 – Jennifer Brel

Kapitel 11 – 23. Dezember 2039 – Wyatt: Präkognition Teil 2

Kapitel 12 – 25. Dezember 2039 – Hans Peter Kraft

Kapitel 13 – 26. Dezember 2039 – Aus Jennifers Briefen

Kapitel 14 – 28. Dezember 2039 – Phoenix, AZ Teil 1

Kapitel 15 – 29. Dezember 2039 – In Sibirien und in China

Kapitel 16 – 30. Dezember 2039 – Phoenix, AZ Teil 2

Kapitel 17 – 31. Dezember 2039 – Gedankenfeuerwerk

Kapitel 18 – 1. Januar 2040 – Khalid Abu

Kapitel 19 – 2. Januar 2040 – Auf Tour mit dem Grauen

Kapitel 20 – 3. Januar 2040 – Regenzeit

Kapitel 21 – 4. Januar 2040 – Renaissance

Kapitel 22 – 5. Januar 2040 – Laurence Poibrul

Kapitel 23 – 6. Januar 2040 – Holly Thornton

Kapitel 24 – 7. Januar 2040 – Andrax Paul Manzel

Kapitel 25 Das Buch

Kapitel 26 Der Proband

Kapitel 27 Homeboy

Kapitel 28 Das Ende alter Wege – der Beginn neuen Lebens

Impressum neobooks

Lassen Sie uns beginnen

Mein Name ist Gabriel Lopez Monica. Mucho gusto, sehr erfreut! Entschuldigen Sie bitte, ich bin taub. Für mich ist die Taubheit ein Segen, das hat seine Gründe.

Der Arzt schrieb: Sie sind nicht taub! Er erklärt es, glaubwürdig. Aber ich denke meine Ohren brauchen eine Pause, etwas Stille. Ich kann es mir leisten, es ihnen zu geben. Das Klopfen an der Tür, die Nachbarn, das Telefon sind nicht wirklich wichtig. Ich bin nicht mehr anwesend. Ich habe aufgehört. Ich habe Zeit und Muße an das Schöne zu denken, und dabei ist es gut zu wissen, dass ich mich wieder einschalten kann, um das Singen der Vögel, ganz früh, noch in der Dunkelheit, und später, im sanften Licht des Vorspiels, des Morgens, zu hören, zum Beispiel.

Am Anfang waren die lautlosen Münder der Menschen eine Sensation. Ich fragte sie, dies und das und sie bewegten ihre Lippen, ohne einen Laut. Erstaunt erwiderte ich: Entschuldigen sie bitte, ich kann sie nicht hören, ich bin taub. Mich vor ihnen verbeugend, führte ich mein Ohr an ihre Münder und ich antwortete: Bitte sprechen sie lauter, sie könnten auch schreiben.

Ich glaube, ich bleibe noch ein bisschen in der Stille, sie ist zu verführerisch – vielleicht ist es Liebe? Man schreibt so manches in der Ungestörtheit dieser stillen Erde. Lesen Sie selbst...

Kapitel 1 Die Unendlichkeit

Wir haben das Land gesehen, und die See.

Wir haben den Himmel gesehen, und die Sterne.

Wir haben den Lauf der Sonne und des Mondes verfolgt.

Wir sind uns ganz sicher: Der Mann steht über der Frau,

die Erde ist eine Scheibe und der Mittelpunkt der Welt.

In den Büchern ist das Geheimnis verborgen,

bis es jemand liest.

Die Augen beginnen zu leuchten.

Das Leben bekommt einen Sinn.

Wir haben das Land gesehen, und die See.

Wir haben den Himmel gesehen, und die Sterne.

Wir haben den Lauf der Sonne und des Mondes verfolgt.

Wir sind uns ganz sicher: Die Frau steht über den Mann,

die Erde ist eine Kugel – wir haben es bewiesen: E=mc².

In den Büchern ist das Geheimnis verborgen,

bis es jemand liest.

Die Augen beginnen zu leuchten.

Das Leben bekommt einen Sinn.

Schmerzlich aber ist das Wissen, und gefährlich.

Verstehen jedoch ist ein Gefühl voller Schönheit –

Das Land zu verstehen, und die See,

den Himmel und die Sterne,

die Sonne und den Mond,

die Menschen.

Dieses Wissen ist von solcher Erhabenheit,

dass manch Einer bereit ist,

den Schmerz und die Gefahr auf sich zu nehmen,

die damit verbunden sind.

Wissen bringt Kraft.

Kraft das Land zu verändern, und die See,

den Himmel und die Sterne,

die Sonne und den Mond,

die Menschen.

Eine solche Kraft ist so verführerisch, dass, um sie zu erlangen, 

manch Eine bereit ist, die Mühe auf sich zu nehmen,

eine neue Welt zu erschaffen.

Hans Peter Kraft

Kapitel 2 Der Beginn einer langen Reise

Auf einem alten Kahn. Klare Sicht, der Hafen verschwindet hinter dem Horízont. Ein blasses Blau – der grundlose Himmel, tiefer als der Ozean. Die See ist ruhig. Ein tiefes Blau. Schimmernd. Die Sonne scheint – ein Weiß, welches unerträglich für das Auge ist. Jennifer Brel nimmt das alles wahr. Es vermischt sich, diese Stimmung, mit Erinnerungen. Sie lehnt an der Reling, hört auf das Stampfen des Schiffes, schaut hinab, an der Bordwand entlang, auf das Wasser und dann, als sie des Rostes gewahr wird, der wohl schon Jahrzehnte an dem Frachter nagt, holt sie Papier und Bleistift.

Es ist heiß in der Kabine.

Wieder draußen bringt die beständige Brise Kühlung, lässt die Blätter des Notizblocks sanft flattern. Die Sonne brennt unablässig auf der Haut, sie merkt es nicht und wird dafür mit einem Sonnenbrand bezahlen. Sie schreibt:

HYPERION

Das Schwierige ist einen Anfang zu finden –

weil es keinen Anfang gibt.

Das Schwierige ist ein Ende zu finden –

weil es kein Ende gibt.

Was ist das alles?

Ich wusste es – einst,

ich glaubte es zu wissen.

Die Gefühle waren damals lauter,

ich wagte sie zu leben, so viele –

Ich weiß nicht, war ich es?

Vertrautheit damit, weißt du, kenne ich nicht,

bis auf eine Ahnung, dass es sie gibt.

Ich sah es an jeder Ecke des Hafens,

an jeder Ecke der Stadt,

meine vergebliche Sehnsucht: Paare, Verhandlungen.

Liebe ist nichts, ein Augenblick bloß, der immer währt – Glück.

Liebe ist alles, ein Augenblick, der immer währt – Schmerz.

Und jenseits des Schmerzes ist es Hoffnung.

Ich weiß es, ich fühle es –

Es ist unendlich stark, unendlich schwach.

Ein Hauch von >>>>Ja<<<< wehte vorbei.

Erinnerst du dich?

Was für ein schöner Duft!

Ich, bin keine Gefahr für dich.

Ich war, durch dich – geheilt.

Du, bist keine Gefahr für mich.

Ich will mehr von dir.

Ich rannte die Straße entlang, zum Hafen,

wo es mich entführte, die Sehnsucht, auf das Meer hinaus.

Dort draußen jetzt.

Es gibt nur mich, das Licht, das unendliche Blau

und Gedanken,

im Glitzern des Wassers, die mir widersprechen.

Das Schwierige ist nicht einen Anfang zu finden –

weil es keinen Anfang gibt.

Das Schwierige ist nicht ein Ende zu finden –

weil es kein Ende gibt.

Das Schwierige ist zu verstehen –

was nicht verstanden werden kann.

Ein großes Glück, dass es beides gibt,

im Leben eines Menschen.

Das Endliche, mit all der Schönheit,

das Unendliche, mit all der Kraft.

Beides lebt, beides bewegt sich,

durch den Raum,

der den Menschen ausmacht.

Das Endliche – wie eine Seifenblase,

wie ein Luftballon – wie ein Spiel.

Das Unendliche –

eine lautlose, innere, äußere, immerwährende Entfaltung –

überall und zugleich.

Wie der Tod, den ich nie erfahren werde (Schmerz),

wie die Liebe, die ich nie erfahre.

Und doch ist beides da, so unmittelbar, zum Greifen nah.

Kapitel 3 Eine beharrliche Frau

Die Alpen. Ein weißer Januartag. Himmel und Erde bestehen aus Schnee. Es ist kalt, weit unter dem Gefrierpunkt. Ein Sturm wütet. Jennifer Brel hört nichts davon, sie spricht beim Gehen mit sich selbst, isoliert, unter der wärmenden Maske des Helms.

>> Ist es hier immer so? Hört das nie auf? <<

Hans Peter Kraft, ihr Führer, vor ihr, hört ihre Worte. Er schweigt, ihre Stimme ist schöner als eine Antwort wäre. Er kennt diese Gegend auch anders. Er weiß wie eindrucksvoll, majestätisch, es hier sein kann. Die trockene, klirrende Kälte macht dann munter. Der blaue Himmel – ein Hochgenuß. Die dünne Luft – gefährlich berauschend. Er schaut hinauf, in das Weiße der Wirklichkeit und sieht es, seine Erinnerung: Die Bergkette der Viertausender lockt mit einem unbeschreiblichen Zauber; kaum ist der Blick oben, erkennt er dahinter noch höhere, ehrfurchtgebietendere Berge. Demütig senkt er den Blick, in das Weiße, und sieht es, die Vergangenheit: Das Tal! Der Gletscher dort ist nicht minder imposant.

Diese Welten machen winzig. Er steigt hinab, zu sich selbst und erkennt, dass er dennoch zählt. Hier herrscht eine Stille die Frieden bringt. Sie wird untermalt von der gegenwärtigen Erinnerung an seltsame, knackende Geräusche. Das war (ist) die Bewegung der Eismasse des Gletschers, dieses geheimnisvollen, scheinbar erstarrten Titanen, übersät mit Spalten die in unbekannte Tiefen führen. Wer dort hineinstürzt den erwartet eine Eiswelt – die blaue Fee, eine Geschichte: Es war einmal Uranos, und Gaia, sie hatten sechs Söhne und sechs Töchter...

Das Ende.

Vergangenheit: Schon im Tal war der Himmel bedeckt gewesen, mit grauen schnellen Wolken. Auf dem Weg wurde das ganze Firmament grau. Jennifer Brel ließ sich davon nicht beirren, sie hatte ihre Gründe für das Wagnis: Liebe und Zeitmangel. Mitten auf einen Firnfeld fing es an zu schneien. Der Gletscher lag fast hinter ihnen, ein Zurück gab es nicht mehr. Vor ihnen erstreckte sich nun die Hochebene, mit Schnee, dass auf Geröll fiel. Aus dem Schneefall wurde ein Sturm. Der Horizont verschwand.

Gegenwart: Dichtes Schneetreiben, seit Stunden, aus Pulverschnee, dessen Kristalle auf der Haut des Gesichts stechen, wie Nadeln, wenn man es wagt sich ihnen auszusetzen. Der lockere Neuschnee türmt sich auf. Trotz Schneeschuhen sinken die Beine, bei jedem Schritt, bis zu den Knien, knirschend ein. Es geht nur langsam voran. Ab und zu unterbricht ein klagendes Heulen die Stille hinter dem Visier. Draußen ist alles in Bewegung. Der Wind zerrt an ihr.

In ihrer Schutzkleidung, passend für die arktischen Verhältnisse, weiß die von der endlosen Wanderung müde Frau gar nicht mehr, warum sie all diese Mühen auf sich nimmt, aber sie vertraut ihrem Führer, diesen seltsamen Mann, mit dem seltsamen Namen: Kraft – ein Freund. Sie ist nur hier weil Kraft ihrer Hoffnung, Adrian zu finden, neue Nahrung gegeben hat. Eigentlich hatte sie aufgegeben, alle geben auf – es ist nur eine Frage der Zeit.

Sie ist müde, aber sie will noch nicht rasten. Ihr Wille treibt sie voran. Wo sollte sie auch in dieser öden Gegend einen geschützten Rastplatz finden. Hier gibt es nur lockeren Schnee, Kraft, der immer so distanziert ist und aufkommende Verzweiflung kurz vor dem Ziel zu scheitern. Sie spürt die Verführung einfach stehenzubleiben und sich in den Schnee sinken zu lassen, nur um kurz die Augen zu schließen, denkt sie, während es Schritt für Schritt weitergeht, schwer atmend. Eine leise Stimme in ihren Kopf argumentiert: Es ist sowieso zu spät, wahrscheinlich findest du nur noch ein Grab. Jennifer Brel schüttelt den Kopf. Die Hoffnung obsiegt. Es geht weiter.

Der Ort, von dem Kraft sprach, kommt in Sicht.

Die schwarzen Mauern trotzen mühelos den Sturm. Sie sind mit dem Berg verwachsen. Vulkanisches Gestein, aufgestiegen aus dem Bauch der Erde, vor Äonen. Sie ragen hoch empor und wirken wie aus einem Guss. Als ob von Titanenhand aus dem Bergmassiv gemeißelt. Ihre Botschaft ist widersprüchlich. Der kalte Stein sagt: Niemand ist willkommen! Doch als die Wanderer sich nähern erkennen sie ein Leuchten am Boden, als ob ein Teil der Mauer glühen würde, und darüber ist der warme Schein mehrerer Fenster zu sehen. Jennifer hebt die Hand zum Gesicht, öffnet das Visier, atmet die kalte Luft und schreit munter gegen den Sturm an.

>> Hans! Wo ist der Eingang? <<

Hans Peter Kraft hört es überlaut, er dreht die Lautstärke herunter und bleibt stehen. Er deutet mit den klobigen Zwei-Finger-Handschuh, an dem der Skistock nach unten hängt, nach links. Er winkt ihr ihm zu folgen, wechselt die Richtung und geht nun an der Mauer entlang. Jennifer folgt ihm, schließt das Visier und spricht wieder mit sich selbst.

>> Ist er hier? Was ist das eigentlich? <<

Dieses Mal antwortet Kraft.

>> Das ist Okeanos, ein uralter Monolith. Ja, sie leben hier: Adrian, seine Frau und ihre Kinder. <<

Jennifer bleibt stehen, ihr schießen die Tränen in die Augen. Kraft hört einen Schluchzer, und versucht daraufhin sie zu beschwichtigen.

>> Keine Angst; es sind ihre Kinder, nicht seine. Du bist es, der in seinem Kopf ist. <<

Sie glaubt ihm, aber ein leiser, bohrender Zweifel bleibt – zum Teufel mit ihr und ihren Kindern!

>> Hans! Manchmal ist es besser zu schweigen. <<

Er schweigt, sie geht weiter.

Nach einiger Zeit taucht im Schneesturm, an der grob behauenen Mauer, ein gelbschwarz schraffierter Bereich auf, darin ein rotes Schott, dass langsam zur Seite fährt, als Kraft die Stelle erreicht. Er winkt ihr und wartet. Jennifer beeilt sich.