Im Schatten der Begierde - Claudia Brunhorn - E-Book

Im Schatten der Begierde E-Book

Claudia Brunhorn

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Beschreibung

Die Theaterschauspielerin Belinda Marks befindet sich in der psychiatrischen Abteilung des Krankenhauses. Wollte sie sich tatsächlich das Leben nehmen? Ihre Geschichte glaubt man dort nicht. Dabei begann alles schon vor neun Tagen am See: An jenem heißen Sonntag, lernt sie den attraktiven Georg kennen und lässt sich dummerweise auf ein erotisches Abenteuer mit ihm ein. Ist er es etwa, der ihr in den folgenden Tagen und Nächten nachstellt und versucht, sie in seine Gewalt zu bringen? Oder ist es vielleicht doch ihr Kollege Carlos? Was ist mit der Leiche im Kofferraum, die sie findet, als sie versucht vor dem maskierten Irren zu fliehen?

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Seitenzahl: 378

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Danksagung:

Auch wenn dieses Buch nicht gerade die richtige Plattform für Sentimentalitäten sein mag, so möchte ich es mir dennoch, keinesfalls nehmen lassen, mich bei all den wunderbaren Menschen in meinem Umfeld zu bedanken, die mir so viel bedeuten und die stets an meiner Seite waren, auch, oder gerade besonders, in schlechten Zeiten.

Mein ganz besonderer Dank gilt aber:

meiner Tochter, Gina, die mein ganzer Stolz und Sonnenschein ist, meinem Lebensgefährten, Bernd, mit dem ich hoffentlich noch viele weitere glückliche Jahre verbringen werde und der mich überhaupt erst auf die Idee gebracht hat, einen Roman zu schreiben und meiner wunderbaren Mutter, die zwar solche Romane, wie diesen, nicht mag und die mich dennoch mein ganzes Leben lang, unterstützt hat, bei all meinen mehr oder weniger verrückten Ideen… ohne wenn und aber…

Danke!

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1: Hier und dort

Kapitel 2: Der Ausflug

Kapitel 3: Zweifel und Enttäuschung

Kapitel 4: Rosen der Liebe

Kapitel 5: Tiefschlaf

Kapitel 6: Herz aus Hass

Kapitel 7: Barcelona

Kapitel 8: Die alte Schleuse

Kapitel 9: Der Verletzte

Kapitel 10: Entlassung

Kapitel 11: Räuber oder Gendarm

Kapitel 12: Ausgetrickst

Kapitel 13: Überraschung

Kapitel 14: Hasta La Vista

Kapitel 1

Hier und dort

Die junge Krankenschwester wollte gerade gehen. Es war Samstag und schon fast Mitternacht. Ihre Schicht, in der Notaufnahme, war bereits seit einer viertel Stunde vorbei. Wenn sie sich beeilte, dann schaffte sie es noch auf die Party ihrer Cousine. Sie war schon umgezogen und wollte gerade auf den Gang hinaustreten. Doch der Anblick dieser Frau, die man gerade einlieferte, ließ sie erschrocken innehalten. So etwas hatte die Schwester noch nicht gesehen. Die Frau sah einfach furchtbar und irgendwie undefinierbar aus. Außerdem schrie sie wie eine Verrückte und schlug wild um sich. Es machte fast den Eindruck, als hätte man sie irgendwo aus dem Moor gefischt. Ihre langen Haare waren voller Matsch und der gesamte Körper schien vor Schlamm und Dreck zu triefen. Die junge Krankenschwester hätte nicht einmal das Alter der Frau schätzen können, denn auch das Gesicht war völlig verdreckt. Bei ihren Ausbrüchen schleuderte sie ihre matschigen Haare um sich und hinterließ überall kleine Schmutzspritzer auf den weißen Kitteln und Laken. Zwar hatte man eine Decke über sie gelegt, aber immer wieder, wenn sie sich aufbäumte, sah man, dass sie völlig nackt zu sein schien. Bei genauerem Hinsehen, war klar, dass nicht alles nur Schmutz auf der Haut war, sondern auch hier und da zumindest etwas Blut. Man wird sie erst komplett abduschen müssen, dachte die junge Schwester, damit man überhaupt die Wunden erkennen kann. Sie hatte schon viel Schlimmes in diesem Krankenhaus gesehen, aber der erbärmliche Zustand dieser Frau, ging ihr besonders nahe. Oh mein Gott, dachte sie, diese Frau muss offensichtlich etwas unglaublich schreckliches erlebt haben. Neugierig spitzte sie die Ohren, um zu erfahren, was der Notarzt, der bei ihrer Einlieferung dabei war, an die Kollegen im Krankenhaus weitergab. Sie konnte nicht alles verstehen, nur die Worte GERADE ZU SICH GEKOMMEN, SCHOCK und VERSUCHTER SUIZID.

Der dicke, schwere Ledersessel in dem sie an diesem Dienstagvormittag kauerte und auf das Eintreffen der Ärztin wartete, erinnerte Belinda an den alten Fernsehsessel ihres Vaters. Wie hatte sie es als Kind geliebt, vor dem schlafen gehen noch eine Weile mit ihm in dem riesen Ding mehr zu liegen, als zu sitzen und Fern zu sehen. Es war fast immer die Mutter, die irgendwann aus der Küche kam und Belinda aufforderte, endlich ins Bett zu gehen. „Es ist höchste Zeit für dich“, hatte sie dann gesagt. Wäre es nach ihrem Vater gegangen, hätte er sie wahrscheinlich einfach in seinem Arm einschlafen lassen und irgendwann später ins Bett getragen. Bei diesen Gedanken fiel der siebenunddreißigjährigen auf, wie sehr ihr die Eltern plötzlich fehlten. Fast so, wie in den sechs Wochen, während ihrer Kindheit, als sie zur Kur nach Langeoog musste. Damals hatte sie ebenfalls unglaubliches Heimweh. Nun jedoch, kam sie sich albern vor. Aber immer wieder tauchten all die furchtbaren Bilder der vergangenen Tage, vor ihrem inneren Auge auf und schließlich hätte sie die ganze Sache beinahe nicht überlebt. War es da wirklich so verwunderlich, dass sie nun, selbst als erwachsene Frau, sich nach ihren Eltern sehnte?

Belinda bemerkte, dass das Ticken der antiken Wanduhr, in dem kleinen Sprechzimmer, im Moment eine beruhigende Wirkung auf sie zu haben schien. Es wunderte sie ein wenig, denn normalerweise störten sie solche Geräusche eher. Vielleicht lag es an den Beruhigungsmitteln, die man ihr bis gestern Abend noch verabreicht hatte. Wahrscheinlich stand sie noch immer unter deren Einfluss.

Sie betrachtete die unzähligen Elefanten in allen möglichen Größen, Farben und Materialien, in dem Sprechzimmer. Ihrer Meinung nach, hatte extreme Sammelleidenschaft etwas ganz schön Spleeniges. Na ja, dachte sie insgeheim, sagt man nicht, dass alle Psycho Doktoren selber einen an der Marmel haben? Aber wer weiß, vielleicht stammten die Dinger ja auch von Patienten und wurden nur aus Höflichkeit aufbewahrt. Das zumindest würde das bizarre Aussehen der einen oder anderen Figur erklären. Die junge Frau hatte gerade einen ganz bestimmten Elefanten im Visier. Er stand zusammen mit etwa acht Artgenossen verschiedener Größen auf der blitzblanken Marmor Fensterbank und bestand zu etwa achtzig Prozent nur aus Hintern. Belinda konnte sich, selbst in dieser Situation, ein Lachen kaum verkneifen und je genauer sie sich im Raum umblickte, desto mehr dieser Kuriositäten vielen ihr ins Auge. Manche sahen tatsächlich sehr hübsch aus, aber andere waren wiederum völlig deformiert, oder machten gar den Eindruck, als wäre ihnen etwas Furchtbares zugestoßen.

Ihr entging aber auch nicht, dass das Fenster ein Schloss besaß und dass man die Tür des Sprechzimmers offen gelassen hatte. Die Schwester, oder war es in diesem Fall eine Arzthelferin die so fleißig mit ihren langen, roten Nägeln auf die Computertastatur einhämmerte, hatte sie somit die ganze Zeit im Blick. Ihr viel auch auf, dass es hier gar nicht nach Desinfektionsmittel roch, so wie man es sonst aus Krankenhäusern gewohnt war, sondern viel eher nach Möbelpolitur und frischem Bodenreiniger. Die Putzfrau musste wohl gerade erst hier gewesen sein, mutmaßte Belinda.

Es dauerte keine fünf Minuten, als Frau Doktor Länge das Zimmer betrat, die Tür hinter sich schloss und Belinda die Hand entgegen streckte. Dabei betrachtete die Ärztin, ihre Patientin mit einem durchdringenden Blick. Ihr Gesichtsausdruck war ernst und trotz ihrer geringen Körpergröße wirkte sie sehr autoritär. Die zierliche Frau, in dem weißen Kittel schätzte Belinda auf Ende fünfzig. Ihr bereits zur Hälfte ergrautes Haar, trug sie zu einem geflochtenen Zopf. Kein einziges Haar wagte es, sich aus der strengen Frisur zu lösen. Ganz anders als bei der Patientin, die irgendwie immer etwas wild und unfrisiert wirkte, egal wie viel Mühe sie sich auch gab und für welche Frisur sie sich entschied.

Die Ärztin setzte sich hinter ihren Schreibtisch, schlug eine dünne Akte auf, schien den Inhalt kurz zu überfliegen und sah die Patientin anschließend über ihren dünnen, goldenen Brillenrand hinweg an. Dabei blickte sie ihr mit einer solchen Aufmerksamkeit entgegen als wollte sie ihre Gedanken lesen, oder ihr sonst irgendwie hinter die Stirn blicken.

Nach einigen Sekunden der stillen Beobachtung faltete Frau Doktor die Hände und ließ sie auf den dunklen, schweren Schreibtisch sinken. Er war von solch aufwändigen Schnitzereien umrandet, wie man sie heute kaum noch sah und ebenso blank poliert wie der Aktenschrank und die Regale, die allesamt schon sehr alt, aber offensichtlich liebevoll gepflegt, oder restauriert waren.

„Wie geht es Ihnen denn heute, Frau Marks?“ Frau Doktor Länge stellte diese Frage mit ihrer ruhigen Stimme und es klang wirklich nicht nach einer Floskel. Kurz ließ Sie ihren Blick über den, mit etlichen Blessuren übersäten Körper der Patientin schweifen. Dann lächelte sie und plötzlich strahlte ihr eben noch so strenges Gesicht viel Wärme und Fürsorge aus. Ja, fast schon etwas Mütterliches, dachte Belinda.

„Wie soll es mir schon gehen?“ erwiderte die Patientin und sah dabei ebenfalls auf die Abschürfungen an ihren Armen, auf denen sich bereits Krusten gebildet hatten. „Ich würde sagen, so wie gestern. Aber ich frage mich noch immer, warum ich hier eingesperrt bin und ob man die Leiche inzwischen gefunden hat.“

Die Ärztin rückte noch ein paar Zentimeter näher an den Schreibtisch heran und ließ Belinda dabei keine Sekunde lang aus den Augen. „Frau Marks - am Sonntag waren sie noch völlig hysterisch. Wir mussten sie sedieren, weshalb ein Gespräch im weiteren Verlauf des Tages leider nicht möglich war.“ Sie wartete auf Zustimmung der Patientin und ihr entging dabei nicht, dass deren strahlend blaue Augen sich sogleich mit Tränen füllten. Aber Belinda schaffte es, trotz des dicken, schmerzhaften Kloßes in ihrem Hals, die salzigen Tropfen zurück zu halten. Sie durfte jetzt nur nicht blinzeln.

Die Ärztin fuhr fort: „Gestern ging es ihnen schon besser und so hatten wir beide ein sehr ausführliches Gespräch in dem sie mir die Geschehnisse, an die Sie sich noch erinnern, schilderten. Mit ihrem Einverständnis habe ich dieses Gespräch aufgezeichnet.“ Wieder machte sie eine kurze Pause bis Belinda zur Bestätigung nickte.

„Meine Aufgabe ist es nun herauszufinden, ob die Dinge die sie mir geschildert haben wirklich geschehen sind, oder nur in ihrem Kopf stattgefunden haben. Dass Sie nicht lügen, um es mal platt zu sagen, steht außer Frage. Aber manchmal ist es eben nicht ganz leicht, zwischen Wahn und Realität zu unterscheiden.“

„Sie glauben also allen Ernstes, dass ich Wahnvorstellungen habe?“ unterbrach Belinda jetzt aufgebracht.

„Beruhigen Sie sich, Frau Marks, das hat ja noch gar keiner gesagt. Aber bevor Sie eine Gefahr für sich oder andere darstellen, müssen wir eben auf Nummer Sicher gehen. Sie dürfen dabei nicht vergessen, in welchem Zustand Sie zu uns gebracht wurden. Abgesehen davon, hat man keine Leiche gefunden und auch niemanden der ihre Aussage bestätigt hätte.“

Nun kullerten der Patientin, die mit ihren ein Meter und siebzig, wie ein Häufchen Elend, immer tiefer in die Polster sank, doch die Tränen über beide Wangen. Es war ein leises Weinen der Verzweiflung. Sie kam sich so hilflos und verloren vor, in ihrem grauen, geliehenen Jogginganzug. Normalerweise war sie stets sehr feminin gekleidet, nicht edel, aber chic und im Sommer bevorzugte sie Kleider, die auch schon mal ein wenig sexy sein durften. Jetzt aber, hingen sogar ihre langen, dunkelblonden Haare kraftlos über ihren Schultern und dem Rücken und machten ebenfalls einen deprimierten Eindruck. Pferdehaare hatte ihre Mutter früher immer gesagt, wenn sie versuchte sie zu bändigen. Sie dachte wieder an ihre Eltern und was die wohl sagen würden, wenn sie sie so sehen könnten. Doch der Gedanke machte die Situation nur noch schlimmer. Sie musste jetzt einfach stark sein. Es wird sich schon alles aufklären, dachte sie und schluckte erneut einen dicken Kloß hinunter.

„Frau Marks“, unterbrach die Ärztin Belindas Gedanken. „Ich habe Ihren Fall heute Morgen mit meinen Kollegen diskutiert. Es gab unterschiedliche Meinungen dazu, aber das ist natürlich nicht ungewöhnlich. Wenn Sie noch immer auf Ihre Geschichte beharren, dann schlage ich Ihnen folgendes vor, damit wir möglichst zeitnah herausfinden können, was wirklich geschehen ist.“

Augenblicklich keimte ein Hoffnungsschimmer in Belinda auf und sie nahm eine aufrechtere Sitzposition ein. Gespannt lauschte sie dem Vorschlag von Frau Doktor Länge.

„Um mir ein möglichst präzises Bild der Geschehnisse, sowie Ihrer Persönlichkeit und Ihrem Umfeld machen zu können, möchte ich Ihnen anbieten, dass sie mir alles aufschreiben, was sich in der letzten Zeit zugetragen hat. Ich bitte Sie darum alles so detailliert wie möglich zu beschreiben. Jede Kleinigkeit, auch wenn sie noch so unwichtig erscheint, könnte von enormer Bedeutung sein. Also lassen sie bitte nichts aus. Schreiben sie auch Ihre Gedanken auf, denn ich möchte mir, wie gesagt, auch ein möglichst präzises Bild von Ihrer Persönlichkeit machen. Das Ganze ist natürlich absolut freiwillig und ich muss gestehen, dass es auch etwas unkonventionell ist, in so einem Fall. Aber ich halte offen gestanden nicht viel davon, Sie hier festzuhalten, was im Moment leider nötig ist, und Sie mit malen und Joga zu beschäftigen und höchstens zweimal am Tag für eine Stunde mit Ihnen Gespräche zu führen. Meiner Meinung nach können Sie die Zeit hier drinnen viel sinnvoller nutzen. Es würde wahrscheinlich außerdem dazu beitragen, dass sie das, was auch immer geschehen sein mag, besser verarbeiten können. Außerdem hege ich die Hoffnung, dass sich auf die Art Ihre Gedächtnislücken schließen werden. Man kann die Erinnerung nicht erzwingen, aber man kann ihr mit verschiedenen Mitteln ein wenig auf die Sprünge helfen. Ein weiterer Schritt in die Richtung wäre natürlich Hypnose. Aber darüber können wir noch in den nächsten Tagen sprechen. Lassen Sie es uns erst einmal auf diese Art versuchen.“

„Aufschreiben? klar, das mache ich, wenn es hilft, dass ich hier möglichst schnell wieder raus darf“, antwortete Belinda aufgeregt und erweckte den Eindruck, als wolle sie auf der Stelle loslegen. Frau Doktor Länge schien erleichtert, dass sich Belinda auf ihren Vorschlag einlassen wollte und fügte noch hinzu: „Die täglichen Gespräche finden selbstverständlich trotzdem statt. Außerdem würde ich bei der Gelegenheit das bis dahin geschriebene an mich nehmen und in Ruhe durchgehen. Frau Marks, Ich möchte Ihnen keine falschen Hoffnungen machen. Solange diese ominöse Leiche nicht auftaucht, oder ein Zeuge Ihre Geschichte bestätigt, wird es bestimmt ein wenig dauern bis wir sicher sind, dass wir Sie entlassen können. Nehmen Sie sich also Zeit zum Schreiben und lassen Sie nichts aus“, Frau Doktor schwieg kurz und legte den Kopf leicht schief. Dann fragte sie die Patientin: „Wollen wir das so machen?“ Sie lächelte Belinda zuversichtlich an und streckte ihr die Hand entgegen, gerade so, als wolle sie die Abmachung per Handschlag besiegeln. Belinda strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht und packte zu. Sie nahm sich vor, so überzeugend zu schreiben, dass man ihr einfach glauben musste.

Im Nachhinein betrachtet begann Belindas schreckliche Geschichte wahrscheinlich vor neun Tagen, also am Sonntag, den 24.Juni. Von dem Zeitpunkt an, wollte sie auch mit der Erzählung ihrer Geschichte beginnen und so ging sie in Gedanken an jenen Tag zurück um sich zu erinnern:

Die ganze Woche über hatten die Temperaturen schon über fünfundzwanzig Grad gelegen und Belinda war froh, dass sich ihre Arbeit, als Schauspielerin und Sängerin an dem kleinen Theater, im Moment, hauptsächlich auf die Abendstunden beschränkte und sie hatte durchaus Mitleid mit all denen, die dieses Glück nicht teilten und stattdessen den ganzen Tag auf der Arbeit schwitzen mussten.

Sie wurde an jenem Sonntag durch die unüberhörbare Glocke der nahegelegenen Kirche geweckt und es kam ihr vor, als wäre jeder der elf dröhnenden Schläge ein Vorwurf für ihr langes Schlafen. Wer erst gegen Mitternacht von der Arbeit kommt, der braucht auch nicht früh aufstehen, dachte sie als hätte sie es nötig, sich vor sich selbst zu rechtfertigen. Grelles Sonnenlicht durchflutete bereits das Schlafzimmer, da sie nachts nie die Jalousien schloss. Sie mochte es nun mal nicht wenn es stockdunkel war. Normalerweise dunkelte sie das Zimmer immer in den frühen Morgenstunden ab, wenn es draußen hell wurde. Aber an jenem Morgen war sie einfach zu müde gewesen um aufzustehen. Es war also auch bereits sehr warm im Schlafzimmer, trotz der offenen Balkontür. In einem geschlossenen Raum konnte die siebenunddreißig jährige noch nie schlafen. Deshalb ließ sie Sommer wie Winter, die ganze Nacht lang das kleine Fenster oder die Balkontür geöffnet. Obwohl sie ihr Haar, wie immer über Nacht, zu einem Zopf gebunden hatte, spürte sie den Schweiß in ihrem Nacken. Höchste Zeit die Fenster zu schließen und die Außenjalousien herunter zu lassen dachte sie, bevor es hier drinnen noch brütender wird und quälte sich widerwillig aus dem Bett. Etwa eine viertel Stunde später balancierte Belinda, mit einem langen T-Shirt bekleidet, einen randvollen Kaffeebecher in der einen Hand, während sie mit der anderen die schwere Terrassentür im Wohnzimmer aufschob. „Mist!“ fluchte sie, als ihr der heiße Kaffee, mit Schwung über die nackten Füße schwappte. Im Sommer schmeckte der Kaffee auf der Terrasse noch besser und half außerdem schneller wach zu werden. Sie stellte den Becher auf dem Terrassentisch ab und drehte den Wasserhahn für den Rasensprenger auf. Sofort hörte man das typisch hektische „pf“ „pf“ „pf“ „pf“ „pf“ Geräusch der Rasendusche. Vorsichtig pirschte sie sich an den kleinen Gartenhelfer heran, um nur mal eben den Fuß vom klebrigen Kaffee samt Milch und Honig zu befreien. Sie rührte immer einen ordentlichen Löffel voll Honig in ihren Kaffee und hatte sogar stets eine kleine Flasche des süßen Zeugs in ihrer Handtasche, für den Kaffee unterwegs. Seit ihr die klebrige Masse, allerdings mal, in der Handtasche ausgelaufen war und eine entsprechende Sauerrei angerichtet hatte, kam das Fläschchen zusätzlich in einen kleinen Frühstücksbeutel und erst dann in die Handtasche.

Das kühle Wasser das aus dem kleinen Rasensprenger schoss, war eine enorme Wohltat gegen die leichte Verbrennung an Belindas Fuß.

Dort, mitten auf dem Rasen, einige Meter entfernt von der, noch schattigen Terrasse, brannte die Sonne bereits erbarmungslos. Gut, dass Mama und Papa den Garten zurzeit nicht sehen können, dachte sie mit schlechtem Gewissen als sie den bräunlichen Rasen und die halb vertrockneten Büsche, die unter anderem um die gesamte Terrasse herum gepflanzt waren, begutachtete. Dazwischen gedieh das Unkraut hervorragend. Der Garten war sehr groß und als ihre Eltern noch hier lebten, war er ihr ganzer Stolz. Sie hatte das Haus in dem sie aufgewachsen war von ihren Eltern gemietet als diese nach Spanien auswanderten und ihnen versprochen, dass sie immer alles in Ordnung halten würde. Nach langem hin und her konnte sie sich mit ihrer Mutter darauf einigen, den Garten ein wenig pflegeleichter zu gestalten und einige der kunstvoll angelegten Blumenbeete in Rasenfläche oder Büsche umzuwandeln. Schweren Herzens trennte sie sich auch von dem kleinen Fischteich, der der ganze Stolz ihres Vaters gewesen war. Aber letztendlich sahen auch ihre Eltern ein, dass sie alleine, als berufstätige Frau niemals die Zeit für all die Pflege, die dieses kleine Paradies nun mal benötigte, würde aufbringen können. Selbst in diesem „pflegeleichten“ Zustand musste man noch etliche Zeit investieren, um alles ordentlich zu halten. Dennoch bereute Belinda es keinen Moment lang dieses schöne Haus mit dem großen Garten gemietet zu haben. Es war nun mal ihr zu Hause, ihr kleines Reich in dem sie sich wohlfühlte. Unter normalen Umständen hätte sie sich so etwas Großes und noch dazu in diesem Stadtteil gar nicht leisten können. Die Eltern waren da wirklich mehr als großzügig.

Irgendwann wird gewiss auch diese Hitzeperiode mal vorbei sein und dann werde ich den Garten wieder in einen ansehnlichen Zustand bringen. Das zumindest, nahm sich Belinda an jenem Sonntag ganz fest vor.

Ihr Blick viel auf die vier Kiefern am Ende des Grundstücks. Sie liebte diese Bäume, denn sie erinnerten sie an die Urlaube während ihrer Kindheit, im Süden. Dahinter trennte die Mannshohe Hecke, mit der kleinen, grünen Pforte, das Grundstück von der Straße, die ebenso ruhig war, wie die auf der Vorderseite des Hauses. Es kamen nicht viele Autos hier vorbei, denn in der Gegend gab es nur Einfamilienhäuser mit recht großen Grundstücken. Die meisten Nachbarn in dem Viertel waren schon älter, etwa wie Belindas Eltern. Fast alle hatten ihre Häuser in den Siebzigern gebaut und wohnten noch immer dort. Von den seitlichen Nachbarn war ihr Grundstück durch hohe, komplett zugewachsene Sichtschutzzäune getrennt. Zum Glück hatte ihr Vater schon vor vielen Jahren Drainagen rund um das gesamte Grundstück, entlang der bewachsenen Zäune und der Hecke gelegt. So brauchte sie nur regelmäßig das Wasser aufzudrehen und wenigstens bestand die Umrandung des Grundstücks, im Gegensatz zum übrigen Garten, noch aus vielen verschiedenen Grüntönen.

Sie erschrak, als ein paar dicke, kalte Wasserspritzer sie am Oberschenkel trafen. Der Rasensprenger hatte inzwischen eine andere Richtung eingeschlagen.

Nachdem Belinda auch den zweiten Becher Kaffee geleert hatte, bemerkte sie den kleinen Ameisentrupp, der sich bereits Zugang zu ihrem Wohnzimmer verschafft hatte. Ziel ihres Arbeitsausflugs schien die kleine Kaffeepfütze zu sein. Hätte nicht gedacht, dass die so schnell sind, wunderte sich die junge Frau, während sie sich aufmachte um einen Eimer Wasser und einen Lappen zu holen. Ob Kaffee bei Ameisen wohl den gleichen Effekt hatte wie bei Menschen, überlegte sie und beobachtete das kleine Völkchen bevor sie es mit dem Lappen vom Boden aufwischte und im Putzeimer ertränkte. Irgendwie taten ihr diese kleinen Kreaturen Leid. Es waren so interessante, kleine Geschöpfe und so unglaublich stark und fleißig. Und wenn schon, riss sie sich aus ihren Gedanken. Im Haus haben sie nun mal nichts zu suchen. Sollen sie doch draußen fleißig sein und ihrer Arbeit nachgehen.

Apropos Arbeit, unwillkürlich musste Belinda an ihre eigene Arbeit denken. Nur noch zwei Spieltage, dann war endlich Sommerpause. Für sie bedeutete das vier Wochen Urlaub, bevor es dann mit den umfangreichen Proben, für die neue Saison, losgehen würde. Die gestrige Vorstellung lief sehr gut und war natürlich ausverkauft. Aber so musste es an einem Samstagabend auch sein. Alles andere wäre schon fast eine Katastrophe. Belinda hatte das Gefühl, dass die allgemeine Stimmung, auf der Bühne und auch dahinter, deutlich lockerer war, als in den Wochen zuvor. Wahrscheinlich lag es daran, dass sich alle auf die vier Wochen Pause freuten und froh waren, dass dieses mäßig erfolgreiche Stück damit endlich abgesetzt wurde. Selbst für den kommenden Mittwoch, dem vorletzten Spieltag, waren noch ein paar restliche Karten zu bekommen. Dies war ebenfalls ein Zeichen dafür, dass man mit diesem Stück hinter den Erwartungen lag. Von der Gage, die sie als Schauspielerin und Sängerin, an dem kleinen Theater bekam, konnte sie gerade so über die Runden kommen. Große Sprünge waren nicht drin. So kam es ab und an vor, dass Belinda sich außerhalb des Theaters noch ein paar Euro, mit kleinen Jobs, als Sängerin hinzu verdiente. Dies ging aber natürlich nur, wenn ihr die Arbeit am Theater Zeit dafür ließ. Der Aufwand für solche Aufträge war meistens nicht sehr groß. Dafür waren die Gagen umso besser. Wenn sie dagegen rechnete was sie in ihrem eigentlichen Beruf verdiente und wie groß der Zeitaufwand dafür war, schlich sich der Gedanke ein, dass sie sich bei der Berufswahl vielleicht doch falsch entschieden hatte. Auf der anderen Seite aber liebte sie ihren Beruf und hatte immer davon geträumt diesen einmal ausüben und davon leben zu können. Ja, ja, „des Künstlers Brot ist der Applaus“. Diesen Spruch hatte sie schon so oft gehört und dessen Wahrheitsgehalt war leider nicht von der Hand zu weisen.

Es war bereits halb eins, an diesem heißen Sonntag, als Belinda Marks beschloss, dass sie heute mal nicht, wie so oft, zu Hause bleiben und auf den Anruf von Carlos Donato warten wollte. So schön wie es auch war in ihrem kleinen Reich. Aber zu oft endeten solche Tage damit, dass sie vergeblich auf das Klingeln hoffte, oder dass der erwartete Anruf zwar kam, aber nicht so verlief, wie sie es sich wünschte. Dann sagte Carlos ihr nämlich nur, dass er sich aus irgendeinem wichtigen Grund nicht von zu Hause loseisen konnte. Er war leider verheiratet, mit Stella. Natürlich existierte die Ehe nur noch auf dem Papier und wäre da nicht das große Haus und so weiter, dann hätten sie sich längst getrennt. Schließlich hatten sie seit über einem Jahr auch schon getrennte Schlafzimmer… Das jedenfalls, war es, was er Belinda immer wieder erzählte.

Glücklich war sie mit dieser Situation natürlich nicht. Nein, inzwischen war sie nicht einmal mehr zufrieden damit. Vor fast einem Jahr war sie ihrem Schauspieler Kollegen verfallen. Am Anfang hatte sie noch immer versucht sich gegen seine Anziehungskraft zu wehren. Er war ihr natürlich sofort aufgefallen, als er neu an das Theater kam. Mit seinem südländischem Aussehen und dessen Charme, er war Spanier, war er ein echter Hingucker. Sie hatte sich sogleich nach ihm erkundigt und als sie erfuhr, dass er verheiratet war, hat sie versucht, so gut es nur ging, Abstand zu ihm zu halten und ihn möglichst zu ignorieren. Wie gesagt, sie tat dies so gut es eben ging. An einem so kleinen Theater allerdings, mit einem ebenso kleinen Ensemble, ist das jedoch alles andere als leicht. Man hatte ständig miteinander zu tun. Oft hockte man den ganzen Tag, bei den Proben, auf engstem Raum zusammen. Sie schaffte es also nicht, lange Stand zu halten. Auch er hatte sehr schnell ein Auge auf sie geworfen und im Gegensatz zu ihr schien es ihm auch gar nichts auszumachen, dass bereits eine Frau Donato existierte. Er suchte Belindas Nähe, wann immer es ihm möglich war, machte ihr Komplimente und stellte sich wenig später auch noch als ein fantastischer Liebhaber heraus. Nie würde sie das erste mal vergessen, als sie sich körperlich näher kamen. Sie hatten in einem Drama einen sehr langen und schwierigen Dialog miteinander. Um diesen zu üben, ohne dabei die Zeit der restlichen Truppe zu vergeuden, blieben sie am Ende der regulären Probe einfach noch länger im Theater. Sie probten dort, noch fast zwei Stunden, ganz allein. Anschließend kamen sie auch privat ins Gespräch. Er begleitete sie noch in die Garderobe, als sie ihre Sachen holen wollte. Dann ging alles sehr schnell. Er wusste genau was er wollte und so küsste er sie leidenschaftlich und ging sofort aufs Ganze. Er liebte sie so heftig und fordernd, dass ihr ganz schwindlig wurde. Sie betrachteten sich dabei in den großen Garderobenspiegeln. Egal wo sie hinblickten, konnten sie ihr eigenes Liebesspiel beobachten und das machte es für beide noch lustvoller.

Nach diesem ersten mal hatte Belinda ein sehr schlechtes Gewissen, auch wenn es Carlos war, der den Anfang machte. Sie hielt das Ganze, zu diesem Zeitpunkt, noch für einen einmaligen Ausrutscher. Zwar war es eine absolut fantastische Erfahrung und sie konnte kaum aufhören daran zu denken, aber es war in jedem Fall nicht richtig und so dürfe es auch keine Wiederholung geben.

Um es kurz zu machen: aus den guten Vorsätzen wurde leider nichts. Carlos ließ einfach nicht locker. Belinda hingegen hatte sich schon zu sehr in ihn verschossen, als dass Sie lange hätte standhaft bleiben können.

Besonders war sie in seinen leichten spanischen Akzent vernarrt, der im Normalfall fast gar nicht auffiel. Aber je aufgeregter Carlos war, umso deutlicher stach er heraus und wenn sie sich liebten lispelte er ihr erotische Dinge ins Ohr und verfiel manchmal sogar komplett ins Spanische. Meistens erregte es sie, aber manchmal musste sie sich auch einfach nur halbtot lachen über dieses typische Lispeln.

Trotz alledem befand sie sich seit fast zehn Monaten in einer Situation und lebte ein Leben, das sie auf keinen Fall jemals beabsichtigte. Man konnte es drehen und wenden wie man wollte, aber sie hatte nun mal ein Verhältnis mit einem verheirateten Mann. Was für ein Dilemma! Aber gut, schließlich war es ja nur eine Frage der Zeit, bis er sich von seiner Frau trennen würde…

Es klopfte an der Tür und ohne eine Antwort abzuwarten betrat Frau Doktor Länge Belindas Patientenzimmer. Auf dieser Station gab es nur ein- oder zwei Bett Zimmer. Belinda hatte zum Glück eines für sich allein.

„Hallo Frau Marks, eigentlich sehen wir es ja lieber, wenn die Türen der Zimmer offen stehen.“

„Ich weiß, das hat Schwester Birgit auch schon gesagt“, antwortete Belinda schnell. „Aber dann kommen dauernd andere Patienten herein und sind furchtbar neugierig.“

„Hat sie einer der Patienten irgendwie belästigt?“ wollte die Ärztin wissen.

„Nein, aber manche fassen alles an und stellen zu viele Fragen. Das lenkt mich natürlich vom Schreiben ab. Deshalb hat Schwester Birgit gesagt, dass sie mal ein Auge zudrückt und ich die Tür schließen darf. Dafür kommt sie allerdings nun selber, gefühlt alle paar Minuten herein um nach mir zu sehen.“

„Ich verstehe“. Die Ärztin trat nun näher an Belinda heran, die an einem kleinen Tisch saß und mit einem Kugelschreiber in der Hand über einem dünnen Stapel Papier lehnte.

„Ich sehe, Sie waren schon sehr fleißig in den letzten paar Stunden“, dabei sah sie der Patientin über die Schulter. „Ich mache gleich Feierabend und wollte nur mal sehen, ob Sie mir vielleicht schon etwas mitgeben können.“

Belinda raffte ein paar Blätter Papier zusammen, die komplett mit Kugelschreiber vollgeschrieben waren und reichte sie der Ärztin. Die Schrift war nicht besonders schön, aber durchaus leserlich. Sie hatte in der Schule immer andere, meist waren es Mitschülerinnen, beneidet, die eine deutlich schönere Handschrift hatten.

Frau Doktor Länge nahm das Geschriebene entgegen und warf einen Blick darauf. Belinda fiel auf, dass sie kurz stockte und dann interessiert einen Abschnitt las. Voller Spannung wartete sie auf eine Reaktion der Ärztin. Einen Moment später ließ diese die Lektüre sinken und sah die Patientin, mit leicht hochgezogenen Augenbrauen, an. „Sehr schön. Da haben Sie sich ja richtig Mühe gegeben“ dann lächelte sie und fragte Belinda gerade heraus: „Was empfinden Sie, wenn sie all dies aufschreiben?“

„Ich schreibe sehr gerne. Ich merke, dass es mich entspannt und ein wenig von meiner Situation hier drinnen ablenkt.“

„Sonst nichts?“ hakte die Ärztin nach.

„Nein. Ich denke, das ist im Moment alles. Außer natürlich, dass mir inzwischen schon die Hand weh tut. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte mal handschriftlich so viel zu Papier gebracht habe.“

Die Ärztin lachte auf. „Das kann ich verstehen. Aber da können wir Abhilfe schaffen. Ich habe zu Hause noch ein altes Notebook das an sich nur noch zum Einsatz kommt wenn meine Enkelin mal zu Besuch ist. Das werde ich Ihnen später zukommen lassen. Dann können Sie weiterhin so fleißig schreiben.“

„Danke, das wäre natürlich eine Enorme Hilfe.“

Dann nahm das Gesicht der Ärztin einen deutlich ernsteren Ausdruck an und die Patientin wartete besorgt die nächsten Sekunden ab, bis Doktor Länge mit der Sprache heraus rückte. „Ich habe leider auch eine schlechte Nachricht für Sie, Frau Marks.“

„Was ist passiert?“ fragte Belinda und ihre Besorgnis wurde noch größer.

„Die Polizei hat mit ein paar ihrer Kolleginnen oder Kollegen am Theater gesprochen.“

Das ist doch positiv, schoss es Belinda sofort in den Kopf. Schließlich mag man mich dort. Das kann doch nur zu meinem Vorteil sein. „Und?“ entgegnete sie daher verwundert. Die Ärztin fuhr fort: „Nach den Aussagen Ihrer Kolleginnen, hat sich der Verdacht auf einen von Ihnen versuchten Suizid erhärtet.“

„Was!?“ stieß die Patientin ungläubig hervor.

„Ja, am Theater hat man der Polizei von ein paar Vorkommnissen der letzten Woche, speziell wohl vom vergangenen Freitag berichtet, wenn ich das richtig verstanden habe. Diese Ereignisse gäben zumindest eine gute Erklärung dafür ab, warum Sie vielleicht versucht haben sich das Leben zu nehmen.“

„Das ist nicht wahr!“ brauste Belinda nun auf und sprang dabei aus dem Sessel. „Das ist doch verrückt. Sowas würde ich nie tun.“ Tränen vor Wut schossen ihr dabei in die Augen und Frau Doktor Länge brauchte ein paar Minuten um ihre Patientin wieder zu beruhigen. Am Ende gelang es ihr einigermaßen und sie einigten sich darauf, dass sie weitere Untersuchungsergebnisse abwarten und Belinda wie besprochen, alles möglichst detailliert aufschreiben würde. Die Ärztin sprach ihrer Patientin Mut zu und diese vertraute letztendlich darauf, dass sich schon alles aufklären würde. Dann verabschiedeten sie sich. Etwa zweieinhalb Stunden später kam Schwester Andrea herein und überbrachte ein altes Notebook welches Frau Doktor geschickt hatte und so fuhr Belinda mit ihrer Geschichte fort.

In Gedanken ging Belinda wieder zurück zu jenem Sonntag vor neun Tagen und versuchte sich an alles so genau wie möglich zu erinnern:

Sie packte gerade ihre große Badetasche im Schlafzimmer, als irgendwo im Haus das Telefon klingelte. Sofort ließ sie alles fallen und versuchte das Geräusch zu orten. Es kam von unten. Sie hastete die Treppe hinunter und blickte sich suchend im Wohnzimmer um. Doch da war kein Telefon. Sie lief weiter dem Klingeln nach und fand das Gerät schließlich auf dem Gäste WC. Dorthin hatte sie es mitgenommen, als sie vorhin nach dem zweiten Becher Kaffee keine Lust hatte nach oben ins Bad zu gehen und auf keinen Fall Carlos’ Anruf verpassen wollte.

Mit der Befürchtung, dass der Anrufer gerade jetzt das Klingeln aufgab, meldete sie sich hastig mit:

„Marks?“ Sofort kreischte Belinda die Stimme ihrer Mutter ins Ohr:

„Ach Liebes, da haben wir ja Glück dass wir dich erreichen. Du hast dich ja schon so lange nicht mehr gemeldet.“ Nicht dass Belinda sich nicht hin und wieder darüber freute, die Stimmen ihrer Eltern zu hören. Aber in diesem Moment ließ sie einfach nur völlig enttäuscht die Schultern hängen. „Hallo Mama, ich weiß. Tut mir leid. Hatte einfach zu viel Arbeit“.

„Aber jetzt ist doch Sommerpause, oder?“

„Nein, Mama. Eine Woche noch. Dann haben wir’s geschafft.“

„Wann kommst du uns denn besuchen, Liebes?“

„Ach Mama, ich weiß doch noch gar nicht, ob ich es in diesem Sommer überhaupt schaffe.“

Einen Moment lang war es still in der Leitung und Belinda wusste, dass sie ihre Mutter gerade sehr enttäuscht hatte. Es war in den letzten Jahren schon fast selbstverständlich geworden, dass sie ihre Eltern während der Sommerpause in deren Wahlheimat besuchte, auch wenn es nur für ein paar Tage war. Für ihre Eltern war dies stets der Höhepunkt des Jahres, abgesehen von deren eigener Reise nach Deutschland, die meist zur Weihnachtszeit stattfand. Auch Belinda genoss die Zeit in Spanien immer sehr. Ihre Mutter verwöhnte sie rund um die Uhr mit bestem Essen und ihr Vater plante einfach tolle Ausflüge. Sie wäre nur zu gerne auch in diesem Jahr zu ihren Eltern gereist. Aber derlei Extras konnte sie sich momentan einfach nicht leisten. Sie hoffte viel mehr, dass sie während der Sommerpause den einen oder anderen Euro als Sängerin dazu verdienen konnte. Am lukrativsten war es für sie wenn sie mit einer Band auf Hochzeiten oder anderen Anlässen auftrat. Das war schon öfter vorgekommen. Das Repertoire das sich Belinda im Laufe der Jahre für solche Anlässe drauf geschafft hatte, war inzwischen ziemlich umfangreich und wurde ständig erweitert. Sie sang Stücke aus den Bereichen Rock, Pop und Schlager. Eben alles was auf Partys oder stimmungsvollen Familienfeiern gefragt war. Es war schnell verdientes Geld und Spaß machte es ihr obendrein. Nicht selten bekam sie außerdem Anfragen, ob sie anlässlich einer Hochzeit das Ave Maria oder dergleichen in der Kirche singen würde. Auch damit hatte sie schon häufiger etwas Geld dazu verdient. Sie wollte diesbezüglich längst ihre Fühler ausgestreckt haben, kam aber bisher noch nicht dazu und wollte es nun unbedingt, in den nächsten Tagen, in Angriff nehmen. Sie kannte eine Menge Musiker und so war es bisher nie ein Problem gewesen etwas Lukratives zu finden.

„Geht es dir nicht gut, mein Schatz?“ fragte Belindas Mutter nun etwas besorgt.

„Doch, doch!“ versuchte Belinda ihre Mutter schnell zu beruhigen. „Alles ist bestens. Ich habe nur so wahnsinnig viel um die Ohren.“

„Hast du endlich jemanden kennengelernt?“ japste ihre Mutter sogleich ganz aufgeregt und hoffnungsvoll. Belinda antwortete mit einem langen, genervten „nein Mama! Auch dafür habe ich keine Zeit. Ich muss arbeiten. Das bedeutet viel üben und Texte lernen. Außerdem erzähle ich dir lieber gar nicht erst wie der Garten im Moment aussieht. Auch dafür werde ich in den nächsten Wochen viel Zeit benötigen.“

„Hilft Onkel Günther dir denn gar nicht?“ Belindas Mutter klang leicht säuerlich.

„Doch, schon“, erwiderte Belinda schnell und hatte im selben Moment die Befürchtung, dass ihre Mutter nach diesem Gespräch sofort den armen, alten Onkel anrufen und ihm Vorwürfe machen würde. „Onkel Günther war vor etwa zwei Wochen hier und hat die ganze Hecke geschnitten und um das Grünzeug entlang der Zäune hat er sich auch gekümmert. Er hat sogar die ganzen Abfälle entsorgt. Aber er ist auch nicht mehr der Jüngste, Mama, vergiss das bitte nicht und zurzeit herrschen hier echt tropische Temperatuten.“

„Ja, das haben wir auch schon gehört. Aber so schlimm kann das mit dem Garten doch gar nicht sein. Da wirst du doch wohl wenigstens ein paar Tage für uns Zeit haben, oder Liebes?“

Ihre Mutter ließ nicht locker und es tat Belinda in der Seele weh, dass sie ihr noch weitere Ausreden auftischen musste. Aber die Wahrheit würde sie ihren Eltern auf keinen Fall eingestehen. Ihr war völlig klar, dass ihre Eltern sofort Geld und am besten noch gleich ein Flugticket schicken würden, wenn sie den wahren Grund kennen würden. Aber eben genau das wollte Belinda auf keinen Fall. Zum einen war sie zu stolz um Geld von ihren Eltern anzunehmen und zum anderen würde das auch zur Folge haben, dass ihre Eltern künftig ständig die Sorge hätten, dass sie nicht genug Geld verdiente und sich am Ende vielleicht nicht einmal etwas anständiges zu Essen würde leisten können. Nein, weder wollte sie sich die Blöße geben und noch weniger wollte sie ihre Eltern unnötig beunruhigen. Sie selber war ja auch einigermaßen zufrieden mit dem was sie hatte. Es war immer alles da was sie brauchte. Sie konnte sich eben nur keine Extras wie diesen Urlaub zum Beispiel leisten.

Während Belinda ihrer Mutter eine Ausrede nach der anderen auftischte, warum sie nicht nach Spanien fliegen konnte, und dabei war sie Äußerst kreativ, packte sie weiter ihre Strandtasche für den geplanten Ausflug.

„Dein Vater wird sehr enttäuscht sein wenn du uns nicht besuchst. Ich hoffe, du überlegst es dir nochmal“, flehte die Mutter.

„Ja, sicher. Das mache ich“, gab Belinda zurück, in der Hoffnung, dass das leidige Thema damit erstmal vom Tisch war. „Wie geht es denn Papa?“ ergriff sie die Gelegenheit um nun gänzlich davon abzulenken.

„Warte Schatz, ich gebe ihn dir mal. Dann kannst du ihn selber fragen“ und ihre Stimme klang dabei schon wieder deutlich heiterer.

Belinda plauderte ein Weilchen mit ihrem Vater, dann nochmal mit ihrer Mutter. Anschließend kam die übliche, ausgedehnte Verabschiedung von beiden, natürlich nicht ohne, dass sie abermals auf sie einredeten, sie unbedingt besuchen zu müssen. Am Ende waren der Mutter deutlich die unterdrückten Tränen anzuhören, wie immer und auch der Vater räusperte sich verdächtig oft.

So sehr wie Belinda ihre Eltern auch liebte und oft vermisste, aber diese Telefonate und besonders die Abschiedsszenen, waren immer sehr anstrengend. Sie war erleichtert, als das Gespräch endlich beendet war.

Zwar hatte sie die Anklopffunktion am Telefon eingestellt, dennoch blickte sie enttäuscht auf das Display, als sie feststellte, dass darauf kein weiterer Anruf angezeigt wurde. Carlos hatte also noch immer nicht versucht sie zu erreichen.

Kapitel 2

Der Ausflug

Etwa zwanzig Kilometer außerhalb der Stadt lag ein schöner, großer Badesee. Es wurde aber höchstens ein Viertel des Ufers von Badegästen genutzt. Nur an der Stirnseite des langgezogenen Sees gab es eine Liegewiese und einen kleinen Sandstrand. Dort befanden sich auch ein kleines Lokal und die Rettungsstation der DLRG. Das übrige Ufer war dicht bewachsen und wurde so gut wie gar nicht genutzt. Als Belinda und Carlos anfingen sich heimlich zu treffen, sind sie auch ein paar mal hier rausgefahren um möglichst unbeobachtet spazieren zu gehen. Natürlich mieden sie den Strand und die Liegewiese, sondern spazierten auf einem winzigen Trampelpfad, der sich versteckt durch die Bäume und Büsche schlängelte. Er führte fast das komplette, bewachsene Ufer entlang um den See herum. Gleich bei ihrem ersten Spaziergang entdeckten sie, ebenfalls sehr versteckt, eine winzige Liegebucht, direkt am Ufer. Es war eine der ganz wenigen Stellen, auf dieser Seite des Sees, an der man direkt bis ans Wasser kam. Sonst war es überall zugewachsen. Allerdings war das Wasser hier auch sofort sehr tief. Diese kleine Liegebucht wurde für Belinda und Carlos, zumindest an warmen Tagen, zu ihrem heimlichen, idyllischen Liebesnest. Man hatte, durch die Büsche hindurch, einen herrlichen Ausblick auf den See und war doch selber für alle anderen, sowieso weit entfernten Badegäste, gänzlich unsichtbar. Sie genossen es, möglichst oft, sich an dieser Stelle völlig nackt zu sonnen und ihrer Lust und Leidenschaft freien Lauf zu lassen. Nachdem sie sich geliebt hatten blickten sie oft noch lange über den See und bewunderten das Glitzern der Sonne auf dem Wasser. Als sie zum dritten mal dort waren brachte Carlos ein dickes Seil mit, in das er mehrere Knoten gemacht hatte. Er band das Seil an einen der Bäume, direkt am Ufer, fest. Nun konnten sie sich, von hier aus, in das tiefe Wasser gleiten lassen. Vorher hätte man zwar hineinspringen können, wäre aber vielleicht in Schwierigkeiten geraten, bei dem Versuch wieder heraus zu kommen. Jetzt konnte man sich am Seil festhalten. Zugegeben, man brauchte schon etwas Kraft. Aber beide waren recht sportlich und so war es für sie ein Leichtes. Von nun an gingen sie fast immer nach ihrem innigen Liebesspiel, gemeinsam nackt schwimmen. Es war einfach herrlich.

Den ganzen Herbst und Winter über, hatte Belinda dieses schöne Fleckchen sehr vermisst. Und im Frühjahr wollte sie gleich die ersten Sonnenstrahlen nutzen um sich wieder hier, mit Carlos, zu treffen. Es hatte sich allerdings, während der Wintermonate, so eingeschlichen, dass sie sich fast nur noch bei Belinda zu Hause trafen. Für Carlos war es sicherer und außerdem wohl auch bequemer.

Belinda war es langsam Leid sich ewig verstecken zu müssen und daher kaum noch aus dem Haus zu kommen und so fasste sie an diesem Sonntag den Entschluss einfach alleine an den See zu fahren. Sie würde es sich dort so schön wie möglich machen und ganz einfach die Idylle genießen. Falls Carlos es tatsächlich noch schaffen sollte, sich von zu Hause loszueisen, dann könnte er sie schließlich auch auf dem Handy erreichen und einfach nachkommen.

Zwar liebte Belinda es, mehrmals die Woche auf der Bühne zu stehen, sich dem Publikum zu präsentieren und viele Menschen um sich zu haben, aber zum Ausgleich dazu, suchte sie privat eher die Ruhe und Einsam- beziehungsweise Zweisamkeit.

Als sie in ihrem Wagen saß war die Hitze kaum noch auszuhalten. Ihr altes Auto besaß leider keine Klimaanlage und so spürte sie wie ihr der Schweiß den Rücken hinunter lief. Sie hatte vorsorglich ein großes, buntes Strandtuch über den Fahrersitz gelegt und dennoch konnte sie spüren, wie die Hitze des Sitzes an ihren Schenkeln brannte. Sie öffnete alle Fenster und band ihr langes Haar zu einem Pferdeschwanz, damit es nicht allzu sehr im Fahrtwind umherwehte. Dann legte sie ihre Lieblings CD ein und sobald sie aus der Stadt heraus war sang sie aus Leibeskräften mit. Sie hatte damals, an der Schauspielschule, natürlich auch eine gute Gesangsausbildung genossen. Aber in diesem Fall sang sie mal nicht besonders schön, sondern einfach nur möglichst laut. Das vertreibt die bösen Geister und macht gute Laune, hatte ihre Oma früher immer schon gesagt. Und sie hatte Recht!

Auf dem Weg zum See, freute sie sich schon sehr auf ihren Lieblingsplatz und war gespannt, ob noch alles so sein würde wie beim letzten mal, als sie sich dort mit Carlos getroffen hatte. Sie hatte natürlich auch alles für ein kleines Picknick eingepackt. Am Ziel angekommen, parkte sie ihren Wagen, wie üblich, an dem kleinen Feldweg, von wo aus man den Trampelpfad, der fast um den ganzen See herum führte, erreichen konnte. Weit und breit war kein anderes Auto zu sehen. Sie stapfte mit ihrer schweren Tasche, schon einige Minuten, den Pfad entlang, als ihr plötzlich bewusst wurde, dass sie wohl schon an der gesuchten Stelle vorbei gelaufen sein musste. So weit war es doch sonst gar nicht, oder? Langsam ging sie zurück und spähte dabei aufmerksam durch die Büsche, um irgendwo den Zugang zu ihrer kleinen Liegebucht zu entdecken. Tatsächlich war sie bereits seit vielen Metern daran vorbei und war erstaunt, als sie den Zugang endlich fand, dass er inzwischen noch mehr bewachsen war, als im letzten Jahr. Egal! Sie war glücklich und ihre blauen Augen leuchteten auf, als sie endlich ihre kleine Liegebucht entdeckte. Sie sah das graue Seil, das sich, noch immer festgeknotet, am Baum befand und musste lächeln.

Belinda breitete das große Strandtuch aus und streifte ihr hell blaues Kleid mit den dünnen Trägern ab. Darunter trug sie ihren dunkelblauen Bikini mit den hübschen Perlen. Ihr Haar knotete sie zu einem Dutt zusammen, damit sie im Nacken nicht so schwitzte und um die Sonne auch an ihren schönen, schlanken Hals zu lassen. Sie trank einen Becher Kaffee und aß ein paar der leckeren Kekse, die Frau Janosch, ihre Nachbarin, gestern erst gebacken und ihr herüber gebracht hatte. Es war so herrlich hier! Wie kann es nur angehen, dass wir in diesem Jahr noch kein einziges mal hier waren?! Dachte sie bei sich und wurde fast ein wenig wütend auf Carlos, der sich immer nur noch mit ihr, in ihrem Haus treffen wollte. Auf das alles hatte sie seinetwegen in den ganzen letzten Monaten verzichtet und das obwohl sie sich schon so lange danach gesehnt hatte, mal wieder hier her zu kommen. Sie lauschte den Vögeln und den Grillen. Sehen konnte sie aber weder die einen, noch die anderen in dem dichten Grün das sie umgab. Hin und wieder tauchten ein paar Libellen vor ihr, dicht über der Wasseroberfläche auf. Es sah aus, als würden sie fangen spielen und jagten einander blitzschnell hinterher.

Nach einer knappen Stunde konnte sie die Hitze kaum noch aushalten. Sie stand auf und prüfte das Seil mit den Knoten auf seine Stabilität. Es wirkte ein wenig verwittert, aber schien noch in Ordnung zu sein. Sie überlegte kurz und legte dann das Oberteil ihres Bikinis ab. Warum sollte sie es unnötig nass machen.

Es war ja eh niemand hier. Das Höschen allerdings behielt sie an. Ganz allein und dann Splitternackt, der Gedanke war ihr doch nicht ganz geheuer. Als sie ihr Oberteil ablegte sah sie, dass man bereits deutliche Abdrücke erkennen konnte. Im letzten Jahr, mit Carlos, hatten sie sich immer komplett nackt gesonnt und somit war sie stets nahtlos braun gewesen. Die Abzeichnungen ihres Oberteils gefielen ihr nun gar nicht und sie beschloss, dass sie es heute auch nicht wieder anziehen würde. Sie griff sich das Seil und ließ sich langsam in das kühle Nass hinein gleiten. So aufgeheizt von der Sonne, erschien ihr das Wasser eiskalt. Ihr Herz