Im Sonnenwinkel Classic 25 – Familienroman - Patricia Vandenberg - E-Book

Im Sonnenwinkel Classic 25 – Familienroman E-Book

Patricia Vandenberg

5,0

Beschreibung

Im Sonnenwinkel ist eine Familienroman-Serie, bestehend aus 75 in sich abgeschlossenen Romanen. Schauplätze sind der am Sternsee gelegene Sonnenwinkel und die Felsenburg, eine beachtliche Ruine von geschichtlicher Bedeutung. Auf Zehenspitzen betrat Inge Auerbach das Arbeitszimmer ihres Mannes. "Darf ich dich einmal stören, Lieber?" fragte sie sanft. "Dieser dämliche Vortrag", sagte er stöhnend. "Kannst du mir nicht ein bißchen helfen, Ingelein?" "Von dem technischen Zeug verstehe ich nun wirklich nichts", bemerkte sie lächelnd. "Außerdem ist Donnerstag. Ich gehe zum Kaffeeklatsch zu Marianne. Soll ich dir deinen Tee gleich bringen, Werner?" "Sei so lieb, wenn du mich schon so schmählich im Stich läßt." Der Gedanke, daß sie fortgehen wollte, bereitete ihm Mißvergnügen. Wenn er bei seiner Arbeit am liebsten ungestört bleiben wollte, war es doch ein beruhigendes Gefühl für ihn, Inge im Haus zu wissen. Sie deckte ihm liebevoll das kleine Tischchen am Fenster, wo er gern mal eine kurze Verschnaufpause einlegte. "Wenn es klingelt, brauchst du dich nicht darum zu kümmern", sagte sie. "Hannes ist mit ein paar Freunden da. Er macht dann schon auf." "Wenn sie die Musik nicht zu laut dudeln lassen"

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Leseprobe: Frisch verliebt!

Michaela Dornberg ist mit ganzem Herzen in die bezaubernde Welt des Sonnenwinkels eingedrungen, sie kennt die so sympathische Familie des Professors Auerbach mit dem Nesthäkchen Bambi inzwischen schon besser als jeder andere. Die geliebte kleine Bambi wird in den neuen Romanen für besondere Furore sorgen, und eine erfrischend engagierte junge Ärztin wird den Sonnenwinkel gehörig aufmischen.

Im Sonnenwinkel Classic – 25 –

Eine neue Mutter für Lausbub Dieter

Patricia Vandenberg

Auf Zehenspitzen betrat Inge Auerbach das Arbeitszimmer ihres Mannes.

»Darf ich dich einmal stören, Lieber?« fragte sie sanft.

»Dieser dämliche Vortrag«, sagte er stöhnend. »Kannst du mir nicht ein bißchen helfen, Ingelein?«

»Von dem technischen Zeug verstehe ich nun wirklich nichts«, bemerkte sie lächelnd. »Außerdem ist Donnerstag. Ich gehe zum Kaffeeklatsch zu Marianne. Soll ich dir deinen Tee gleich bringen, Werner?«

»Sei so lieb, wenn du mich schon so schmählich im Stich läßt.«

Der Gedanke, daß sie fortgehen wollte, bereitete ihm Mißvergnügen. Wenn er bei seiner Arbeit am liebsten ungestört bleiben wollte, war es doch ein beruhigendes Gefühl für ihn, Inge im Haus zu wissen.

Sie deckte ihm liebevoll das kleine Tischchen am Fenster, wo er gern mal eine kurze Verschnaufpause einlegte.

»Wenn es klingelt, brauchst du dich nicht darum zu kümmern«, sagte sie. »Hannes ist mit ein paar Freunden da. Er macht dann schon auf.«

»Wenn sie die Musik nicht zu laut dudeln lassen«, meinte er brummig.

»Sei nicht grantig, mein Schatz«, lächelte sie. »Das nächste Mal lehnst du es eben ab, einen Vortrag auf dem Kongreß zu halten.«

»Das kann ich doch nicht. Dann sagen sie gleich, daß der Auerbach auch nichts mehr zustande bringt, und werfen mich zum alten Eisen.«

Und dabei war er so voller Ideen, daß solche Gedanken wirklich übertrieben waren.

»Du wirst bestimmt wieder einen glänzenden Vortrag halten, mein Schatz«, sagte Inge.

Sie wußte schon heute, daß all diese Notizen überflüssig waren. Wenn er vor seinem sachverständigen Publikum stand, redete er aus dem Stegreif, und obgleich er sonst nicht gerade redselig war, beherrschte er seine Materie dann imponierend.

Bambi wartete schon angezogen auf ihre Mami.

»Papi meckert wohl wieder, daß du weggehst?« fragte sie flüsternd.

»Ach wo, Bambi. Wir kennen ihn doch«, entgegnete Inge.

»Ja, wir kennen ihn. Er ist der beste Papi von der ganzen Welt«, behauptete die Kleine.

Sie durfte mitgehen zum Sonnenhügel. Sie konnte mit Manuel und den kleinen Zwillingen spielen, während deren Mutter, Sandra Münster, an dem Kaffeeklatsch bei ihrer Mutter teilnahm.

Er war den drei Damen, Marianne Heimberg, Inge Auerbach und Sandra Münster, zur lieben Gewohnheit geworden.

Da konnten Gedanken ausgetauscht werden, da wurden die Probleme erörtert, von denen auch die neue Siedlung Erlenried nicht verschont blieb. Geklatscht im negativen Sinne des Wortes wurde natürlich nicht.

Das feudale Haus auf dem Sonnenhügel war dank Marianne Heimbergs Geschmack und des Einfallsreichtums ihres Mannes, des Architekten Carlo Heimberg, zu einem wunderschönen Heim umgestaltet worden.

Großartige Vergangenheit, geschaffen von den Baronen von Rieding, war mit lebendiger Gegenwart in harmonischen Einklang gebracht worden.

Marianne Heimberg, verwitwete von Rieding, war genau wie Inge Auerbach, auch als Großmutter noch eine reizvolle Erscheinung.

Tino, ihr Adoptivsohn, der ihr Glück mit Carlo Heimberg vollkommen gemacht hatte, ging, als Inge Auerbach und Bambi kamen. Auf ihn wartete Hannes Auerbach bereits.

»Vergeßt nicht, zur Tür zu gehen, wenn es läutet«, ermahnte Inge ihn noch einmal freundlich.

»Keine Sorge, Tante Inge, ich passe schon auf«, versprach er.

»Auf ihn kann man sich mehr verlassen als auf Hannes«, sagte Inge. »Der sitzt manchmal auf seinen Ohren.«

»Tino ist dafür ein Träumer. Es gleicht sich aus«, entgegnete Marianne Heimberg.

Sandra Münster kam wenig später.

»So, jetzt haben wir unsere Ruhe«, meinte sie aufatmend. »Bambi ist das beste Kindermädchen, das man sich wünschen kann. Da geben sogar Flip und Andra Ruhe.«

Diese Namen hatten sich die Zwillinge Felix und Alexandra selbst gegeben, seit sie sprechen konnten. Sie waren jetzt knapp ein Jahr alt und hielten ihre schöne Mutter sehr in Atem.

Sandra sah ein wenig abgespannt aus. Marianne bemerkte es besorgt.

»Es ist gestern abend spät geworden«, erzählte sie. »Das bin ich gar nicht mehr gewohnt. Unser neuer Syndikus ist doch da. Jetzt zeigt ihm Carlo das Haus. Später kommen sie dann. Du kannst ihn gleich kennenlernen, Inge. Er ist ein netter Mensch.«

Vorerst war das Hauptthema ihrer Unterhaltung jedoch die Hochzeit von Dr. Nicolas Allard und Sabine von Jostin, die vor ein paar Tagen stattgefunden hatte.

»Ich bin froh, daß sie nun verheiratet sind«, sagte Sandra. »Es wird Zeit, daß Sabine auch Kinder kriegt.«

»Du tust gerade so, als wäre sie schon zu alt«, äußerte Marianne Heimberg belustigt.

»Das nicht, aber man hat gespürt, was ihr fehlt, seit die kleine Natalie bei ihr war. Sie war doch ganz geknickt, als ihre Mutter sie wieder mitgenommen hat.«

Sie waren noch alle bewegt von diesem Geschehen. Sabine hatte das Kind in einem Auto gefunden. Von seinem eigenen Vater war es entführt worden, um eine große Summe von seiner geschiedenen Frau zu erpressen.

»Fünf Jahre hat er bekommen«, fuhr Sandra fort.

»Habt ihr es gelesen? Ich finde, das ist viel zuwenig und bin nur froh, daß Annabel in Wolfgang Grimmelt einen zuverlässigen Mann gefunden hat. Wie schnell sind fünf Jahre herum, und wer weiß denn, was dieser Kerl da alles ausbrütet.«

»In fünf Jahren wird Natalie sieben sein«, sagte Inge Auerbach gedankenvoll. »Es ist wirklich kein schöner Gedanke, wenn man überlegt, daß sie dann noch mal mit diesem Mann konfrontiert werden könnte.«

»Was zerbrecht ihr euch jetzt schon den Kopf darüber«, warf Marianne Heimberg ein. »Ich habe mir vorgenommen, nicht mehr so lange vorauszudenken. Die Gegenwart soll gelten. Man weiß doch überhaupt nicht, was noch kommt.«

»Bei allem schweren Denken in die Ferne, fordern die Gegenwart und der Tag ihr Recht«, zitierte Inge.

»Und die Gegenwart ist unser«, fügte Sandra hinzu. »Laßt uns genießen, was uns heute beschieden ist.«

»Genug der Weisheit, meine Damen«, ertönte Carlo Heimbergs fröhliche Stimme von der Tür her. »Dürfen sich zwei hungrige Männer zu euch an den Tisch setzen?«

»Wenn die hungrigen Männer mit Kuchen zufrieden sind«, entgegnete Marianne lachend. »Aber ich kann auch schnell ein paar Brötchen machen.«

Der Herr in Carlos Begleitung war eine sympathische Erscheinung. Inge Auerbach stellte es mit einem Blick fest und war zufrieden. Schließlich würde auch er mit seiner Familie in Erlenried wohnen, und hier war man doch schon sehr darauf bedacht, daß man gut zueinander paßte.

Als Dr. Ludwig Winkelmann stellte ihn Sandra vor. Er war etwas mehr als mittelgroß, hatte eine sportliche Figur, ein markantes Gesicht, humorvolle Augen und das gewisse Vertrauen einflößende Etwas, das Inge an Männern mochte.

»Gefällt Ihnen das Haus, Dr. Winkelmann?« fragte Sandra. »Wird es groß genug für Ihre Familie sein?«

»Ganz sicher, denn leider wird die Familie sich ja trennen müssen«, erwiderte er. »Meine Älteste hat gerade mit dem Studium begonnen und wird bei meiner Schwester in Heidelberg bleiben. Bei Andrea bin ich mir noch nicht sicher, wie wir uns entscheiden sollen, ob es gut für sie ist, so kurz vor dem Abitur die Schule zu wechseln.«

»Unser Gymnasium in Hohenborn ist aber eine sehr gute Schule«, sagte Inge Auerbach schnell, denn sie fühlte sich veranlaßt, die Schule, an der ihr Schwiegersohn, Dr. Fabian Rückert, lehrte, zu verteidigen. Marianne und Sandra pflichteten ihr bei.

»Ziemlich schwierig wird es wohl auch sein, eine Haushälterin zu finden«, fuhr Dr. Winkelmann fort. »Ich bin verwitwet, und mein Jüngster, der Dieter, ist gerade elf Jahre alt. Er braucht noch seine Ordnung. Meine Schwester, die mir bisher den Haushalt geführt hat, kann sich nicht entschließen, unser Haus in Heidelberg aufzugeben. Sie will wohl ganz sicher gehen, daß mir meine neue Stellung zusagt.«

»Sagt sie Ihnen zu?« fragte Sandra rasch.

»Sehr. Ich freue mich darauf. Mir gefällt es hier, und Sie alle sind wirklich sehr liebenswürdig.«

»Wir möchten, daß jeder, der nach Erlenried zieht, sich auch wohl fühlt«, erklärte Marianne Heimberg rasch.

»Wir sind da nämlich sehr eigen, lieber Winkelmann«, mischte sich Carlo ein. »Wir betrachten uns als eine große Familie.«

»Wie schön, daß es dies in der heutigen Zeit noch gibt«, äußerte Ludwig Winkelmann nachdenklich. »Ich freue mich, wenn wir akzeptiert werden.«

*

Er wurde ganz sicher akzeptiert. Freudig gestimmt trat er die Heimreise an.

Daheim in Heidelberg – noch war es ja sein Zuhause – wurde er mit Spannung erwartet.

Seine Schwester Helene aber hatte wohl doch erwartet, daß er den Stellungswechsel nicht vornehmen wollte. Sie machte ein enttäuschtes Gesicht, als er ihr erklärte, daß die Entscheidung bereits gefallen sei.

»Du mußt es verstehen, Heli«, sagte er. »Ich bin nicht mehr der Jüngste. Das ist eine Position, wie sie mir so schnell nicht mehr geboten wird. Ich verdiene achthundert Euro mehr im Monat, und das Haus ist bildschön, das mir Herr Münster zur Verfügung stellt. Ich müßte blöd sein, wenn ich da nein gesagt hätte. Hohenborn ist eine hübsche Stadt. Die Gegend ist einfach herrlich, und die Menschen sind so nett, wie man sie selten findet. Du solltest es dir doch einmal überlegen.«

Bisher hatten seine drei Kinder stumm zugehört. Geraldine, mit ihren zwanzig Jahren die Älteste, ergriff als erste das Wort.

»Wir verstehen es ja, Paps«, sagte sie. »Aber du mußt auch verstehen, daß ich mein Studium nicht abbrechen will.«

»Verstehe ich ja«, erwiderte er. »Du bist ja bei Tante Heli in guter Hut, wenn du hierbleibst.«

Er sah die siebzehnjährige Andrea an, die einen recht niedergeschlagenen Eindruck machte. Um so mehr wunderte es ihn, als sie überstürzt erklärte, daß es ihretwegen schon morgen losgehen könne.

»Und was soll meine Fußballmannschaft ohne mich machen, Paps?« fragte Dieter. »So ’nen Torwart kriegen sie so schnell nicht wieder.«

»Dafür bekommst du aber ein bildschönes Mansardenzimmer und einen großen Hobbyraum. Da können wir sogar eine Tischtennisplatte aufstellen. Und Freunde findest du in Erlenried auch, Dieter.«

Andrea schlang ihre Arme um ihres Vaters Hals.

»Können wir nicht schon bald umziehen, Paps?« fragte sie leise.

»In sechs Wochen, Kleines. Ich muß doch die Kündigungsfrist einhalten«, erklärte er.

Schnell lief sie aus dem Zimmer. Bestürzt blickte er ihr nach.

»Was hat sie denn?« fragte er.

»Liebeskummer«, erwiderte Geraldine, kurz Geri genannt. »Ihr Heiner hat sich eine andere angelacht. Für Andrea ist es wirklich gut, wenn sie in eine andere Umgebung kommt.«

Solche Konflikte hatte die Zwanzig­jährige längst hinter sich. Geraldine fand Männer augenblicklich blöd und arrogant. Sie wollte eine emanzipierte Frau werden, unabhängig und auf eigenen Füßen stehend. Heiraten fand sie altmodisch, Kinderkriegen noch mehr.

Ihr Vater nahm das nicht ernst. Auch das war ein vorübergehendes Stadium.

Im Augenblick hoffte er, daß es noch andauern würde, denn bald schlug die Stunde der Trennung von seiner Geri, die ihm ganz besonders nahe stand, weil sie den Schmerz um seine Frau, die Mutter seiner Kinder, die ihnen viel zu früh genommen worden war, am meisten geteilt hatte.

Aber gerade ein paar Wochen vor diesem entscheidenden Schritt, der nun nicht mehr rückgängig zu machen war, hatte er eine Frau kennengelernt, die eine recht beträchtliche Rolle in seinem Leben spielte. Mona Vogt, Mitte Dreißig, sehr attraktiv, Besitzerin einer gutgehenden Boutique. Was würde Mona zu seinem Entschluß sagen?

Diese Frage bewegte ihn, als er abends zu ihr fuhr. Heli und den Kindern sagte er, daß er zu seinem Kegel­abend gehe.

Er war einfach zu feige, die Wahrheit einzugestehen, bevor er Monas Jawort in der Tasche hatte, und um dieses fürchtete er. Zu Recht, wie er bald erfahren sollte.

*

Mona Vogt besaß eine bildhübsche Dreizimmerwohnung im gleichen Haus, in dem sich auch ihre Boutique befand.

Sie empfing ihn in einem schicken Hausanzug. Sie war eine mondäne Frau.

Eigentlich paßte sie nicht recht zu ihm. Aber darüber dachte Ludwig Winkelmann nicht nach, denn sein Herz war entflammt!

Sie hatten sich auf einem Faschingsball kennengelernt, den er eigentlich gar nicht hatte besuchen wollen. Seine Kegelfreunde hatten ihn dann doch dazu verführt.

»Wieder im Lande, Lutz?« begrüßte sie ihn gleichmütig. »Na, wie ist es? Wohl ein ziemliches Kaff?«

»Eine reizende Stadt und eine glänzende Position, Mona.« Und ehe ihn der Mut wieder verließ, fragte er: »Willst du meine Frau werden?«

Ihre Lider senkten sich.

»Deine Frau?« wiederholte sie überrascht. »Daran habe ich eigentlich nie gedacht, Lutz.«

»Wieso eigentlich nicht?« fragte er befremdet. »Habe ich dir nie gezeigt, daß ich es ernst meine?«

Sie drehte sich um und ging zu ihrer Hausbar.

»Du weißt, daß ich schon eine Ehe hinter mir habe«, sagte sie ruhig. »Ich hatte nie die Absicht, wieder zu heiraten. Und ich dachte, du wärest meiner Meinung, deswegen fand ich dich so besonders nett. Nein, ich will meine Freiheit nicht mehr aufgeben. Ich will es nicht noch einmal erleben, daß alles wie ein Spuk vorüber ist.«

»Aber für mich ist es kein Abenteuer«, erklärte er rauh. »Ich bin nicht flatterhaft. Es wird ein ganzes Leben halten, Mona.«

»Das glaubst du«, entgegnete sie mit einem kurzen Auflachen. »Denkst du auch an deine Kinder? Ich tauge nicht zur Mutter, auch nicht zur Hausfrau. Ich brauche Betrieb um mich, mein Geschäft und, wie schon gesagt, meine Freiheit.«

»Aber wir haben uns doch prächtig verstanden«, bemerkte er niedergeschlagen.

»Das bestreite ich doch nicht. Ich mag dich auch sehr, Lutz, aber eine Heirat war bei mir von Anfang an nicht drin. Bei mir mußt du einkalkulieren, daß mir morgen ein anderer Mann besser gefällt und übermorgen wieder ein anderer. Es ist zwischen uns gutgegangen, weil du mich nicht als dein Eigentum betrachtet hast. Es wäre auch sicher noch länger gutgegangen. Aber unter solchen Gesichtspunkten ist es besser, wenn wir uns bald trennen. Ich gebe mein Leben nicht auf. Ich fühle mich wohl hier.«

Er war wie vor den Kopf geschlagen. Gewiß hatte er nicht damit gerechnet, daß sie hellauf begeistert sein würde, aber er hatte doch vorausgesetzt, daß er ihr mehr bedeuten würde. Diese glatte Abfuhr demütigte ihn.

Aber war es nicht besser, daß sie so ehrlich war? Sie hätte ihn ja auch hinhalten können!

»Ja, dann ist es wohl besser, daß wir uns gleich trennen«, sagte er leise. »Es tut mir leid, Mona. Ich habe dich sehr gern gehabt.«

Sie lächelte. »Aber nun kannst du auch schon in der Vergangenheitsform sprechen, Lutz. Glaube mir, es ist besser so. Du bist ein guter Freund, aber unsere Anschauungen sind zu verschieden. Ich hoffe sehr, daß du die richtige Frau findest, Lutz. Du bist kein Einzelgänger.«

*

Er stand auf der Straße. Der Wind blies ihm um die Nase. Aus der Traum, dachte er. Aber mußte er Mona nicht dankbar sein, daß sie so nüchtern dachte?

Andrea hatte Liebeskummer, ging es ihm durch den Sinn, und dieser Gedanke bewahrte ihn davor, daß er in der nächsten Kneipe versumpfte. Er hatte auch seinen Kummer.

»Du bist schon zurück?« empfing Heli ihn erstaunt. »Nu hör dir doch das einmal an! Geri kann das Radio einfach nicht leiser stellen.«

»Laß sie doch. Sie ist jung. Etwas muß sie doch haben«, erwiderte er. »Wäre es dir lieber, sie würde sich im Beatschuppen herumtreiben?«

»Sie hat einen Haufen Freundinnen um sich versammelt. Ich weiß wirklich nicht, Ludwig, ob ich mit ihr zurechtkomme.«

»Vielleicht kommt bald die Zeit, wo sie einen Mann ins Haus bringt«, äußerte er nachdenklich. »Dann wird es sicher sehr still sein in ihrem Zimmer, und das wird dir auch nicht passen.«

»Du bist ein zu moderner Vater«, sagte Helene Winkelmann.

»Ist Andrea da?« fragte er ablenkend.

»Natürlich ist sie da. Wo sollte sie denn sein?«

Er ging zu Andreas Zimmer und klopfte an.

»Herein!« rief sie. Er trat ein.

Sie saß auf ihrer Couch, die Knie bis zum Kinn hinaufgezogen.

»Paps?« fragte sie verwundert. »Das war aber ein kurzer Kegelabend.«

Er setzte sich neben sie und legte den Arm um ihre schmalen Schultern.

»Ich war gar nicht zum Kegelabend«, gestand er mit heiserer Stimme.

Das kastanienbraune Haar, kurz geschnitten und lockig, was Andreas großer Kummer war, fiel ihr ins Gesicht. Sie sah ihn mit den aparten graugrünen Augen ihrer Mutter von unten herauf an. Es war die einzige erkennbare Ähnlichkeit, die Andrea mit seiner geliebten Ann hatte, deren Verlust ihm heute wieder doppelt schwer bewußt wurde.

»Rendezvous, Paps?« fragte Andrea lakonisch.

»So kann man es auch nennen«, erwiderte er.

»War wohl ein Fiasko? Wir haben anscheinend beide Pech.«

»Du hast wohl ganz großes?« fragte er verständnisvoll.

»Es geht.« Eine kleine, steile Falte erschien auf ihrer glatten, hohen Stirn. »Man soll sich so was nicht so zu Herzen nehmen. Wenn ihm eine mit viel Busen und Wackelpopo lieber ist, soll er doch laufen.«

Ludwig Winkelmann mußte unwillkürlich lächeln. Diese himmlische Jugend! Manchmal wünschte er, sie auch für sich zurückholen zu können.

»Bist ja erst siebzehn, Andrea«, sagte er nachdenklich.

»Mutti war auch siebzehn, als ihr euch kennenlerntet«, erklärte Andrea gedankenvoll. »Und ihr seid zusammengeblieben.«

»Wir verstanden uns halt so gut. Keiner hatte den Wunsch, mit einem anderen zu flirten. Es war alles vollkommen.« Ganz leise war seine Stimme geworden.

Andrea wußte sehr gut, daß man daran nicht rühren durfte. Ein einziges Mal hatte es Krach mit Tante Heli gegeben, als sie äußerte, daß man ja gar nicht wisse, wie alles gekommen wäre, hätte die Mutti länger gelebt.

»Ach, weißt du, Paps, am besten wird es sein, wenn man sich überhaupt nicht bindet.«

Jäh erinnerte ihn das an Mona.