In Tenebris - Alexander Ebner - E-Book

In Tenebris E-Book

Alexander Ebner

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Beschreibung

Ein Sommer in Umbrien. Ein Jugendheim. Zwei Jungen auf der Suche nach dem, was unter der Oberfläche lauert. Alex ist vierzehn – neugierig, wild und davon überzeugt, dass ihm nichts etwas anhaben kann. Bis er gemeinsam mit seinem besten Freund Kilian einen alten, überwucherten Friedhof entdeckt. Was als harmloser Nervenkitzel beginnt, wird zur Spirale aus Wahnsinn, Schuld und etwas Unaussprechlichem, das im Boden unter ihren Füßen erwacht.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Ähnliche


In Tenebris

Es kennt deinen Namen

 

Alexander Ebner

 

Impressum:

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek. Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Veröffentlicht bei Infinity Gaze Studios AB

1. Auflage

Februar 2025

Alle Rechte vorbehalten

Copyright © 2024 Infinity Gaze Studios

Texte: © Copyright by Alexander Ebner

Lektorat: Verena Ebner

Cover & Buchsatz: V.Valmont @valmontbooks

Das Werk ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung von Infinity Gaze Studios AB unzulässig und wird strafrechtlich verfolgt.

Infinity Gaze Studios AB

Södra Vägen 37

829 60 Gnarp

Schweden

www.infinitygaze.com

 

Die folgende Geschichte beruht auf

tatsächlichen Ereignissen, die sich vor einigen Jahren während eines betreuten Aufenthalts in Umbrien ereigneten.

Sie wurde auf Grundlage handschriftlicher Aufzeichnungen, Erinnerungen und interner Protokolle rekonstruiert.

 

Einige Namen, Einrichtungen, Orte und

Einzelheiten wurden zum Schutz der

Beteiligten verändert.

 

Kapitel 1

 

Die Entdeckung

 

Ich war vierzehn. Alt genug, um zu glauben, dass mir nichts etwas anhaben könnte, und dumm genug, um genau das zu beweisen. Ein schlanker Junge, braune Haare, hellhäutige, unruhige Hände, und diese Augen—lebendig, rastlos, stets auf der Suche. Nach was, wusste ich nicht. Vielleicht nach Ärger. Vielleicht nach Antworten. Vielleicht einfach nur nach irgendetwas, das sich real anfühlte.

Diese Augen sogen alles auf, was sich ihnen darbot. Licht. Bewegung. Gefahr. Sie blinzelten nie, wenn sie es nicht mussten, und hatten noch keine Ahnung, wie viel Dunkelheit in dieser Welt wirklich lauerte. Damals hielten wir uns für unsterblich. Das tun alle in dem Alter. Aber wir glaubten es nicht bloß. Wir lebten es. Und in diesem Glauben liegt ein Fehler, der irgendwann einen Preis fordert. Immer.

Man erzählt einem, man sei jemand. Man übernimmt das, ohne nachzufragen.

Bis eines Tages etwas auf einen zukriecht, das nicht in das gewohnte Weltbild passt. Etwas, das kratzt, beißt, sich in einen hineinschlängelt, ohne dass man es bemerkt. Und dann beginnt das große Verlorengehen. Nicht auf einmal. Stück für Stück. Wie ein Schatten, der sich langsam über das eigene Spiegelbild legt, bis nichts mehr übrig bleibt außer Zweifel.

Ich erinnere mich an das Gefühl, als würde die Welt auf mich warten. Ein weites Land, das seinen Atem anhielt, weil ich kommen würde, um es zu durchqueren. Wälder, in denen nie jemand einen Schritt gewagt hatte. Höhlen, in denen das Licht vor Scham einging. Ozeane, die zu tief waren, um ehrlich zu sein. Wir glaubten, all das sei nur Kulisse für unsere Pläne. Aber die Welt hat eigene Pläne. Und sie vergisst nicht.

Da draußen, zwischen feuchten Bäumen und aufgeplatzter Erde, in den stillen Stunden kurz nach Sonnenuntergang, beginnt sie zu sprechen. Nicht mit Worten. Mit Dingen. Gerüchen. Geräuschen. Wind, der kein Wind ist. Das Knacken eines Astes, obwohl du stillstehst. Stimmen, die deinen Namen nicht kennen, aber trotzdem rufen.

Ich war Alex. Und ich war bereit. Bereit, zerrissen zu werden. Ohne es zu wissen.

Kilian war mein bester Freund. Einer von denen, die sich nie ducken, auch wenn's kracht. Seine Augen schimmerten wie Wasser bei Nacht—schön, wenn du’s nicht zu genau betrachtest, aber voller Tiefe und mit etwas da drin, das nicht dorthin gehörte. Seine Gedanken waren unberechenbar. Eine Landschaft aus Blitzschlägen. Voller Ideen, die man besser nicht laut ausspricht, wenn man heil wieder nach Hause will.

Wir waren zwei kleine Götter mit dreckigen Schuhen und dreckigeren Träumen. Und irgendwo, in der faulenden Haut der Welt, wartete etwas auf uns. Schon lange.

 

 

Der Heim-Ausflug führte uns nach Umbrien. Eine Region wie gemalt – behauptete man. Grüne Hügel, weich gewölbt wie uralte Leiber, schoben sich über das Land, als lägen darunter Dinge begraben, die besser nicht gestört werden sollten. Die Zypressen standen starr und schwarz in der Dämmerung, als hätten sie alles gesehen und beschlossen, den Mund zu halten. Schweigend glitten wir durch diese Landschaft, in der sich Schönheit und Stille wie eine glatte Haut über etwas Unaussprechlichem spannten.

Wir waren allein. Zumindest fühlte es sich so an. Der Bus hatte uns abgesetzt. Der Lehrer war irgendwo in der Unterkunft versackt, mit Wein und Wurst und dieser plumpen Arroganz von Leuten, die meinen, Kinder könnten sich nicht in Schwierigkeiten bringen, wenn die Bäume hübsch genug sind.

Aber die Nacht hatte anderes mit uns vor.

Kilian und ich – wir verließen das Haus, als die anderen schliefen. Der Himmel war klar, der Mond zu grell. Sein Licht warf keine Wärme, nur Kontur. Jeder Schatten schien etwas zu verbergen. Die Kälte biss uns in die Lungen, unsere Atemwolken zerplatzten wie kleine Gespenster in der Luft. Der Boden knirschte unter unseren Sohlen, als ob die Welt gegen jeden Schritt protestierte.

Die Laternen warfen kalte Kreise auf die Straße, fast zu gleichmäßig, zu geometrisch. Als hätten sie nicht bloß Licht gespendet, sondern Grenzen gezogen. Jenseits davon begann das, wovor man Kinder warnt – mit Märchen, mit Gebeten, mit Lügen.

Kilian wirkte auf den ersten Blick wie jemand, der nichts aus der Ruhe brachte. Rotschopf, breite Schultern, ein Lachen, das auch Erwachsene mochte. Aber seine Augen verrieten ihn. Ständig in Bewegung, als scannte er die Umgebung nach Fluchtrouten. Und manchmal, in seltenen Momenten, wenn er glaubte, niemand sehe hin, lag in seinem Blick etwas Abgründiges. Etwas, das nicht lachte. Etwas, das zuhörte.

Ich war das Gegenteil von Vorsicht. Mein Kopf war voller Impulse, mein Herz ein Motor ohne Bremse.

---ENDE DER LESEPROBE---