Indisches Feuer - Carrie Williams - E-Book

Indisches Feuer E-Book

Carrie Williams

4,9
4,99 €

oder
Beschreibung

Als ihre Freundin sie im letzten Moment versetzt, stimmt Nadia nach langem Zögern zu, dass ihre frisch geschiedene Mutter Valerie sie nach Indien begleitet. Aber dann erweist sich die Mutter nicht als die konservative Frau, für die Nadia sie immer gehalten hat. Die beiden Frauen erforschen die exotischsten Orte, und dann ist es Valerie, die ein erotisches Neuerwachen erlebt, und Nadia hat mit ihren Hemmungen und unterdrückten Sehnsüchten zu kämpfen ...

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 338




Inhalt

Cover

Titel

Impressum

Prolog

Erstes Kapitel

Zweites Kapitel

Drittes Kapitel

Viertes Kapitel

Fünftes Kapitel

Sechstes Kapitel

Siebtes Kapitel

Achtes Kapitel

Neuntes Kapitel

Zehntes Kapitel

Elftes Kapitel

Zwölftes Kapitel

Dreizehntes Kapitel

Vierzehntes Kapitel

Fünfzehntes Kapitel

Sechzehntes Kapitel

Siebzehntes Kapitel

Achtzehntes Kapitel

Neunzehntes Kapitel

Zwanzigstes Kapitel

Einundzwanzigstes Kapitel

Zweiundzwanzigstes Kapitel

Dreiundzwanzigstes Kapitel

Vierundzwanzigstes Kapitel

Fünfundzwanzigstes Kapitel

Sechsundzwanzigstes Kapitel

Siebenundzwanzigstes Kapitel

Achtundzwanzigstes Kapitel

Neunundzwanzigstes Kapitel

Dreißigstes Kapitel

Einunddreißigstes Kapitel

Carrie Williams

INDISCHESFEUER

Erotischer Roman

Aus dem Englischen übertragen vonRolf Schmitz

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabe

des in der Bastei Lübbe AG erschienenen Werkes

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

Titel der englischen Originalausgabe: Chili Heat

Copyright © 2008 by Carrie Williams

Published by Arrangement with Virgin Books Ltd.,

London, England

Dieses Werk wurde vermittelt durch die

Literarische Agentur Thomas Schlück GmbH; 30827 Garbsen

Titelillustration: © getty-images/Sydney Shaffer

Umschlaggestaltung: Christin Wilhelm

E-Book-Produktion: Urban SatzKonzept, Düsseldorf

ISBN 978-3-8387-0413-5

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

Prolog

Draußen ist es schwül und heiß, aber im Zimmer ist es kühl. Ich liege auf dem Bett und höre dem regelmäßigen Klicken des Ventilators zu, der träge die Luft verteilt. Ich versuche zu schlafen, denn ich bin abgeschlafft von den nächtlichen Aktivitäten. Aber dann höre ich das Quietschen der Türangeln, und ich weiß, dass einer von ihnen zurück ist. Trotz meiner Erschöpfung beginnt ein Pochen zwischen meinen Schenkeln, und in wenigen Sekunden bin ich nass und laufe aus wie eine überreife Frucht. Es scheint, dass ich nicht genug bekommen kann. Das ist wie eine Krankheit.

Ich öffne die Augen nicht, kann sie nicht öffnen, obwohl meine Ohren den Schritten folgen, die sich durchs Zimmer bewegen. Die Flip-Flops auf dem Steinboden. Wer ist es? Natürlich hoffe ich, dass er es ist. Wenig ist mir versagt worden, abgesehen von dem, was ich am meisten begehre – ihn. Ich will ihn wenigstens noch einmal für mich haben.

Eine Hand streicht über meine nackte Hüfte, lässt sie glühen. Ich versteife mich, dann schüttle ich mich vor Verlangen. Die andere Hand schiebt sich zwischen meine Beine und gleitet zwischen die Lippen meines Geschlechts.

Zwei Finger flutschen in mich hinein, und der Daumen verharrt auf der Klitoris, reibt darüber, reibt schneller, aber immer noch federleicht. Ich krümme den Rücken, als wollte ich seinen Daumen begrüßen. Schon jetzt fühle ich, wie sich der Orgasmus aufbaut.

Ich liege gestreckt auf dem Bett, der Kopf hängt über die Seite, und die Haare fegen den Boden. Ich komme mir wie ein Opfer vor. Ich scheine unfähig zu sein, irgendwas zu tun, ich kann nicht reagieren, kann mich nicht revanchieren, nehme nur entgegen, liefere mich ihm aus, überlasse mich seiner Kraft.

Dann schließt sich ein Mund um meinen Nippel, und Zähne nagen an meinem weichen Fleisch, bis ich überrascht und vor Freude aufschreie. Ich reiße die Augen auf und blinzle einige Male im Sonnenlicht des frühen Nachmittags, das durch die Vorhänge aus Gaze gefiltert wird.

Ich schaue ihm zu, wie er sich aufrichtet und sich auf die Fersen niederlässt. Er nimmt den Schaft in die Hand und scheint ihn mir als Geschenk anbieten zu wollen. Ich lächle ihn an, als er sich mir nähert, und erst jetzt kann ich reagieren; ich lange nach unten und öffne mich für ihn.

Plötzlich ist er in mir, und die Lust fließt durch mich wie die gewaltigste Droge, die man sich erträumen kann. Aber während mein Kopf von einer Seite zur anderen schlägt und ich vor Ekstase zu winseln beginne, sehe ich sie, wie sie bei der Tür steht und uns beobachtet, ein neugieriges Halblächeln im Gesicht. Ein Halblächeln des Triumphs. Und plötzlich begreife ich, und daran gibt es nichts zu zweifeln, dass ich ihn nie wieder für mich allein haben werde.

Sie streift das Bikinioberteil ab, dann zieht sie auch noch das Höschen aus. Sie reibt kurz über ihre Spalte, dann kommt sie auf uns zu, die Augen mit einem seltenen hellen Glanz und voller Gier.

Erstes Kapitel

Ich bin aufgewühlt, als wir uns Mumbai nähern. Der Pilot kündigt an, dass jeden Moment die Anschnallzeichen aufleuchten werden. Ich schaue aus dem Fenster und sehe zuerst nichts als mein Spiegelbild: das Gesicht zerknittert und die Haare vom Schlaf zerzaust. Ich lehne mich näher ans Fenster. Obwohl wir unserem Ziel noch nicht so nahe sein können, sehe ich glitzernde Lichter unter uns, und ich fühle, wie meine Aufregung steigt.

Ich wende mich meiner Begleitung zu, und einen Moment lang spüre ich Überraschung und auch ein wenig Enttäuschung. Ich hatte nicht geplant, meine Mutter mit in den Urlaub zu nehmen, aber als meine beste Freundin Katie kurzfristig absagte und Mum vorschlug, für sie einzuspringen, ist mir auf Anhieb keine Ausrede eingefallen.

Außerdem ist Indien nicht gerade eine Gegend, in der ein achtzehnjähriges Mädchen allein herumreisen will. Da sich keine anderen Kandidatinnen aufdrängten, blieb mir nur die Alternative, meine Mum zu akzeptieren oder die Reise ganz abzusagen. Die Reise, die ich schon so lange geplant hatte. Für die ich gespart und von der ich geträumt hatte. Nein, Indien absagen, das kam nicht in Frage.

Meine Mutter heißt Valerie, und sie ist ganz okay, ehrlich. Aber nicht meine ideale Reisebegleiterin. Sie hat ein ruhiges Leben geführt, jung geheiratet und eine Familie gegründet. Seither war sie die pflichtgetreue Ehefrau eines Landarztes und wich nur selten von der Seite meines Vaters. Sie erzog meine Brüder und mich und klagte nie über Selbstaufopferung. Vielleicht hat sie sich auch nie als Opfer gesehen. Vielleicht erwarten wir Mädchen heute eben mehr vom Leben.

Deshalb war es ein Schock für uns, als Mum und Dad sich trennten. Es gab keine lautstarken Auseinandersetzungen, keine Kämpfe, keine Szenen – nur eine Mitteilung, die scheinbar aus blauem Himmel über uns hereinbrach: Sie wollten ihre eigenen Wege gehen. Soviel ich weiß, hatten sie beide keine Affäre, und während des ganzen Scheidungsprozesses redeten sie ganz normal miteinander.

Es schien so, als hätten sie sich nur entliebt. Oder vielleicht waren sie auch eine zu lange Zeit nicht mehr verliebt. Und nun war ich, das jüngste Kind, drauf und dran, auch noch das Nest zu verlassen, und da sahen sie keinen Grund mehr zusammenzubleiben.

Mum ist nie viel gereist, abgesehen von unserem Jahresurlaub auf Teneriffa oder auf dem spanischen Festland. Und selbst wenn wir im Ausland waren, gab sie sich damit zufrieden, sich auf dem Liegestuhl am Pool in der Sonne braten zu lassen, in ihrer Hand der neueste Roman von Dick Francis.

Dad ist in den fünfundzwanzig Jahren ihrer Ehe mehrere Male zurück nach Indien geflogen, hauptsächlich, um seine Familie zu besuchen. Sie hat ihn nie begleitet, weil sie »keinen Bock drauf« hatte, wie sie sich ausdrückte. Deshalb war meine Überraschung umso größer, als sie anbot, mit mir nach Indien zu fliegen. Und jetzt sitzt sie neben mir.

Ich lächle sie an, vielleicht ein bisschen zu fröhlich. »Keine kalten Füße?«, frage ich.

Sie lacht. »Keine Chance. Und du?«

Ich schüttle den Kopf, dann schaue ich wieder aus dem Fenster.

Es wird spät, und Mum besteht darauf, auf dem Flughafen ein Taxi zu nehmen, das uns in die Innenstadt bringen soll. Sie will keinen dieser klapprigen Busse riskieren. Ich gebe nach und denke, dass ich noch viele Gelegenheiten haben werde, mich gegen sie durchzusetzen. Ich habe ein Hotel gebucht, das uns auf die harten Tage, die vor uns liegen, vorbereiten soll, das Aqua am Marine Drive.

Der Taxifahrer kennt das Hotel, aber wir kommen nicht ins Gespräch, weil der Fahrer das Radio lauter stellt und mitsingt. Er trifft die Töne nicht, und bald setzen bei mir schreckliche Kopfschmerzen ein.

Als wir die Hotelhalle betreten, bin ich mit meiner Wahl zufrieden. Aber als wir uns dem Empfangsschalter nähern und ich gerade den Mund öffnen will, spüre ich, wie jemand an meinem Ärmel zupft.

»Nadia, hier bleiben wir nicht«, sagt Mum, und ich drehe mich um und sehe, dass ihre Augen Gefahr sprühen. Sie meint es ernst. Ich werfe noch einen Blick in die Halle. Nicht schlecht, finde ich. Ein bisschen anstaltsmäßig vielleicht, als ob der Bau früher ein Krankenhaus gewesen wäre.

Die Möblierung ist nicht üppig, aber ich entdecke keine Schaben und anderes Getier – jedenfalls noch nicht. Für den Preis ist das Hotel mehr als akzeptabel. Außerdem bleiben wir nur zwei oder drei Nächte, bis wir unsere Reiseroute endgültig festgelegt haben.

Bevor ich meinen Standpunkt klarmachen kann, hat Mum sich auf dem Absatz herumgedreht und verschwindet durch die Eingangstür.

Ich renne ihr hinterher und verfluche Katie und ihr dummes Drüsenfieber. So hatte ich das alles nicht geplant. Ich hole Mum gerade ein, als sie vom Bürgersteig auf die Straße tritt und ein Taxi heranwinkt.

Zweites Kapitel

Ich hätte im Hotel nachfragen sollen, bevor ich das verdammte Taxi anhielt. Dann hätte ich erfahren, dass es innerhalb weniger Gehminuten vom schrecklichen Hotel Aqua mehrere Fünf-Sterne-Hotels gibt. So komme ich mir ein bisschen albern vor, dass ich hier ins Taxi hüpfe und da schon wieder aussteigen muss, während der Fahrer lacht und mich wahrscheinlich für geistig verwirrt hält.

Ich habe Ärger mit meiner Tochter. Mir ist natürlich bewusst, dass dies ihre Reise ist und ich lediglich die Begleiterin bin, vielleicht auch das Kindermädchen oder die Leibwächterin, aber manchmal geht sie in ihrem Eigensinn zu weit. Niemals wäre ich in dieser Jauchegrube von Hotel abgestiegen, das sie für uns ausgesucht hat. Wahrscheinlich hat sie es irgendwo im Internet aufgetrieben.

Wir landen schließlich zehn Häuser vom Aqua entfernt im Intercontinental, was schon eher mein Stil ist, auch wenn die Preise einem die Luft abschneiden könnten. Aber Ravi war mehr als großzügig, als es um die Konditionen der Scheidung ging, und wenn ich das Hotelzimmer mit der Kreditkarte zahle, brauche ich eine Weile nicht darüber nachzudenken. Schließlich ist es eine lange Reise, und eine Nacht in einem bequemen Bett würde mir gut tun.

Aber vorher ist noch Zeit für einen Schlummertrunk. Nadia und ich überlassen es dem Personal, unser Gepäck aufs Zimmer zu bringen, und steuern sofort auf die Wodka-Lounge zu, wo ich ihr einen Cocktail spendieren will – alles, um die Falten auf ihrer Stirn zu glätten. Doch ich sehe, dass ihre Stimmung noch tiefer sinkt, als wir die Hotelbar betreten.

Sie ist ein schwieriges Mädchen, sie mag abgefahrene Musik und indische Filme und weiß der Teufel was sonst noch. Und die Barmusik ist überhaupt nicht ihr Ding. Es wundert mich also nicht, dass sie über starke Kopfschmerzen klagt und der lauten Musik im Taxi die Schuld gibt. Nach ein paar Minuten zieht sie sich aufs Zimmer zurück.

Ich lasse mich auf einen der weichen Sitze nieder und schaue mich um. Neben den gut aussehenden Kellnern in ihren schmucken Uniformen sehe ich nur eine Hand voll Gäste. Zwei weiße Paare, die über hohen geeisten Gläsern und kleinen Schüsseln mit Knabbereien sitzen, sowie ein einzelner Mann, der sich hinter einer Zeitung versteckt. Mir fallen seine frisch polierten Schuhe auf und das goldene Glitzern an seinen Fingern. Ich tippe, dass er ein Geschäftsmann ohne Begleitung ist.

Plötzlich neigt sich mir ein Kellner zu und fragt, was ich trinken möchte, und ich sage lächelnd, dass ich gern einem Martini die Luft aus dem Glas lassen würde. Es fühlt sich seltsam an, hier allein in der Bar zu sitzen. Ich kann mich nicht an das letzte Mal erinnern, dass ich so etwas getan habe. Aber es ist ein gutes Gefühl. In meinen Venen zischt etwas, und in meinem Kopf brummt es angenehm. Ich glaube, ich werde eine Weile hier bleiben.

Mein Getränk trifft ein, und während ich daran nippe und spüre, wie mich der Alkohol entspannt, muss ich an Ravi denken und daran, wie überrascht, vielleicht sogar geschockt er wäre, wenn er mich hier sehen würde. Ich frage mich, was er gerade macht. Wahrscheinlich ist er noch nicht lange von der Arbeit zu Hause – als Chirurg in der Notaufnahme hat er immer viele Stunden arbeiten müssen. Vielleicht schaltet er gerade bei einem Glas Whisky ab, was oft der Fall war, während er darauf wartete, dass ich das Essen servierte.

Heute Abend werde ich kein Essen servieren. Ich bin auf der anderen Seite der Welt und nicht mehr seine Ehefrau. Das war so lange meine Rolle, mein raison d’être. Ich kriege es nicht so schnell in meinen Kopf rein, dass ich nicht mehr Ravis Frau bin. Dass ich niemandes Ehefrau bin. Ich war es, die aus dieser Rolle rauswollte, aber das bedeutet nicht, dass ich sie nicht vermisse. Die Sicherheit, die sie einem gibt, das Etikett, das einem anhaftet, auch wenn es kein aufregendes Etikett war.

Ich habe mir den zweiten Martini vorgeknöpft und bin mehr als nur angeheitert – ich weiß, dass ich ziemlich betrunken bin, denn ich hebe mein Glas und spreche einen stummen Toast auf Ravi und unsere fünfundzwanzigjährige Ehe aus.

In diesem Moment faltet der Mann seine Zeitung, steckt sie unter den Arm, erhebt sich und kommt auf mich zu. Seine Augen sind auf mich gerichtet, und eine Sekunde lang lässt mich sein direkter Blick glauben, dass ich ihn kennen muss. Ich studiere sein Pfeffer-und-Salz-Haar, kurz geschnitten, und seine blassblauen Augen, dann beschließe ich, dass ich ihn nicht kenne, ihn aber gern kennen würde.

Er sieht das offenbar genauso, denn er bleibt vor mir stehen und streckt einen Arm auf den Sitz neben meinem aus. »Haben Sie was dagegen?«, fragt er, und ich höre New York in seiner Stimme, obwohl ich nicht viel gereist bin. Meine bescheidenen Kenntnisse, was Dialekte angeht, habe ich von den Fernsehshows.

»Nein, überhaupt nicht, bitte sehr.« Meine Stimme klingt selbstsicher, doch das hat nichts mit mir zu tun, sondern mit dem Alkohol. Es ist lange her, dass ein Mann sich für mich interessiert hat, und obwohl ich nicht sagen kann, dass es mir nicht gefällt, habe ich vergessen, wie so ein Geplänkel abläuft. Ich fühle mich wieder wie ein Schulmädchen.

»Charles«, sagt er und streckt seine Hand aus. Ich schüttle sie. Sein Griff ist fest und gebieterisch. Der Händedruck verrät den Mann, der weiß, was er will. In diesem Moment, so sieht es aus, könnte ich es sein, die er haben will. Tief in mir spüre ich ein heftiges Pochen.

Er ist zweifellos attraktiv; man könnte ihn liebenswürdig und charmant nennen. Seine Kleidung sieht elegant aus, und er duftet nach irgendwas Exotischem, schwach würzig und sehr männlich. Was aber am meisten meine Beachtung findet, ist seine Haut. Für einen Mann, der Mitte fünfzig sein muss, scheint sie noch sehr elastisch zu sein. Ich würde es nicht beschwören, aber ich glaube, dass ihm Gesichtsmassagen nicht fremd sind.

»Ich bin Valerie«, bringe ich schließlich heraus.

»Ah, eine Britin«, sagt er. »Und was bringt Sie nach Mumbai, Valerie?«

»Ich wollte einen Tapetenwechsel«, antworte ich. Ich weiß nicht, warum ich ihm nicht sage, dass ich mit meiner Tochter unterwegs bin, aber mir gefällt es, ein bisschen geheimnisvoll zu tun.

Das scheint zu funktionieren, denn ein Licht kommt in diese durchdringenden blauen Augen. »Tapetenwechsel«, sagt er mit einem trockenen Lächeln. »Und in welchem Gewerbe arbeiten Sie, Val? Haben Sie was dagegen, wenn ich Sie Val nenne?«

Ich schüttle entschieden den Kopf. Tatsache ist, dass ich die Abkürzung Val immer gehasst habe, aber ich will die Vertrautheit nicht zerstören, die dieser Mann aufbauen will. Wie ich schon sagte, es ist lange her, dass mich ein Mann beachtet hat, und das will ich nicht aufs Spiel setzen.

»Ich mache in Mode«, sage ich und schaue mich cool in der Bar um, als ob es mich langweilte, über meinen Job zu reden. Natürlich habe ich leichte Schuldgefühle, auch weil ich meine Familie verleugne. Dabei schäme ich mich nicht, dass ich mehr als zwei Dekaden Hausfrau war. Es ist nur so, dass der Begriff »Hausfrau« wohl nicht geeignet ist, Charles’ Feuer lodern zu lassen. »Designer« – ja, »geschiedene Frau« auch noch, weil dieser Begriff die Erfahrung anklingen lässt. Aber »Hausfrau« – nein.

»Was meinen Sie«, sagt er und wirft einen Blick auf seine Uhr – Rolex, stelle ich fest. »Oben gibt es eine schönere Bar, wenn Sie noch einen Drink möchten.« Ich muss ein wenig zweifelnd gewirkt haben, denn er fügt rasch hinzu: »Wenn Sie nicht zu müde sind.«

»Nein, nein«, sage ich schnell. »Aber ich möchte mich erst auf meinem Zimmer etwas frisch machen. Ist das okay?«

»Ja, sicher.« Er lächelt. »Treffen wir uns in fünfzehn Minuten?«

»Fein.« Ich gehe zum Lift, und während ich auf ihn warte, gehe ich meine Wäschestücke durch, die ich mitgebracht habe. Ich gerate in Panik, weil ich nicht weiß, ob ich für eine solche Situation etwas eingepackt habe. Das Höschen, das ich trage, ist klatschnass.

Drittes Kapitel

Ich will gerade eindösen, da höre ich die Karte, die in den Schlitz gesteckt wird, und dann öffnet sich die Tür. Mum geht auf den Zehenspitzen, und ich rühre mich nicht. Obwohl ein Teil von mir dankbar ist für das gute Bett und die kräftige Klimaanlage nach dem langen Flug von London, bin ich noch sauer auf sie, dass sie das Hotel Aqua so schnöde abgelehnt hat. Wenn sie das schon für unter ihrem Niveau hält, dann wird sie einen Schock erleben, wenn sie einige der Unterkünfte sieht, die ich in meinem Exemplar von Lonely Planet angekreuzt habe.

Sie hat die Bedingung akzeptiert, dass dies meine Reise ist, aber schon am Ende des ersten Tages gilt das nicht mehr, und sie bestimmt, wo es langgeht. Vielleicht glaubt sie, dass es mich nicht stört, wenn es ihr Geld ist, das sie verschleudert. Aber es stört mich. Ich bin schließlich Halbinderin, und ich bin hier, um das wirkliche Indien zu sehen, nicht die Touristenversion.

In der schalldichten Stille des Zimmers hört es sich fast so an, als keuchte sie, und ich frage mich, ob sie gelaufen ist und, wenn ja, warum? Ich lausche weiter, halte meinen Atem an und höre, wie sie murmelt: »Verdammt … Dachte ich’s mir doch … Nun gut, das muss genügen.«

Ich ächze wie im Schlaf, drehe mich auf die Seite und öffne ein Auge. Mum liegt auf Händen und Füßen auf dem Boden und bückt sich über ihren Koffer. Sie hält etwas hoch, was sie inspiziert. Es ist ein BH, erkenne ich, als ich auch das andere Auge öffne, damit ich besser sehen kann. Dann sehe ich, wie sie sich aufrichtet, Hose und Pulli abstreift und danach die Unterwäsche. Sie zieht frische Wäsche an, und ich runzle die Stirn. Warum wechselt sie die Wäsche und zieht nicht ihr Nachthemd an? Was hat sie vor?

Im Halbdunkel tritt sie vor den hohen Spiegel und betrachtet sich in der Unterwäsche. Sie drückte eine Hand auf den Bauch und verzieht das Gesicht. Ich fühle mich nicht wohl, dass ich sie heimlich beobachte, und dann bin ich auch ein wenig traurig, weil ihr Körper ihr ein bisschen peinlich ist. Dabei hat sie noch einen wirklich guten Körper.

Sie hat nie viel aus sich gemacht, und die Kleider, die sie getragen hat, ließen sie älter und formloser aussehen, als sie war. Aber für eine fünfundvierzigjährige Frau hat sie sich verdammt gut gehalten. Sie braucht eine schnittigere Frisur und mehr taillierte Kleider. Ein paar Stunden Pilates würden ihr helfen.

Aber höre doch, wer da redet! Ich trage Kombathosen und Männerstiefel und laufe wahrlich nicht als Krönung des weiblichen Chics herum!

Sie drückt die Haare fest an den Kopf und zieht einen Schmollmund, bevor sie verschiedene Arten des Lächelns übt. Für wen strengt sie sich so an? Das hätte ich gern gewusst. Ich wünschte, sie würde mit dem Unsinn aufhören und ins Bett kommen.

Ich will mich aufsetzen und ihr das sagen, als sie sich zu einer Entscheidung durchgerungen hat. Sie drehte sich um und zieht ein Kleid aus dem Koffer, ein Blümchenkleid, das sie kurz vor der Reise bei Marks & Spencer gekauft hat. Sie schlüpft hinein. Dann zieht sie ihre Sandalen an, greift nach der Zimmerkarte, zieht die Tür auf, und bevor ich etwas sagen kann, ist sie verschwunden.

Ich setze mich auf und starre auf die Tür. Wohin in Gottes Namen ist sie gegangen? Um diese Uhrzeit und in einer Stadt, in der sie keine Seele kennt? Ich ringe mit mir, ob ich ihr nachlaufen soll, aber dann sage ich mir, dass sie eine Frau Mitte vierzig ist und dass sie keine Tochter braucht, die auf sie aufpasst. Aber plötzlich bin ich hellwach, und ich bezweifle, ob ich schlafen kann, bevor ich nicht weiß, dass sie zurück ist und anständig zugedeckt im Bett liegt.

Viertes Kapitel

Ich bleibe in der Tür zur Bar stehen und bin sicher, dass er sehen kann, wie meine Hände zittern, wie mein Puls in meiner Kehle pocht. Der Alkohol verliert allmählich seine Wirkung, und ich wünschte, ich hätte noch etwas aus der Minibar stibitzt, bevor ich das Zimmer verließ, dann hätte ich meine Nerven beruhigen können. Aber ich hatte Nadia nicht stören wollen, und ich wollte auch nicht, dass sie von meinen Absichten erfuhr.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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