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Magisterarbeit aus dem Jahr 2009 im Fachbereich Medien / Kommunikation - Multimedia, Internet, neue Technologien, Note: 2,3, Freie Universität Berlin (Publizistik und Kommunikationswissenschaft), Sprache: Deutsch, Abstract: „Islamfeindschaft“, „Feindseligkeit gegenüber Muslimen“, „Ablehnung des Islams“ oder „Antiislamismus“ sind Begriffe, die in den letzten Jahren häufiger in der öffentlichen Diskussion genannt werden. In Deutschland ist es in erster Line der Pädagogik-Professor Wilhelm Heitmeyer, der im Rahmen seiner Langzeitforschung zur „Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit“ den Begriff der Islamophobie etabliert hat. Unter bewusster Ausklammerung einer rationalen Kritik am Islam wurden diese Formulierungen unter dem Schlagwort der „Islamophobie“ zusammengefasst und bildeten einen nicht unumstrittenen Begriff, der im Diskurs um eine generell ablehnende Haltung gegenüber muslimischen Personen und allen Glaubensrichtungen, Symbolen und religiösen Praktiken des Islams benutzt wird. Ablehnende und feindselige Haltungen gegenüber einer fremden Kultur, einer anderen Religion, Fremdenfeindlichkeit oder Rassismus sind in der Vorurteils- und Rassismusforschung keine neuen Phänomene. Seit einigen Jahren sind allerdings Parallelen bei Feindseligkeiten gegenüber Muslimen und Juden zu beobachten. Dieser neue und in der Forschung teilweise umstrittene Zusammenhang ist dabei kein rein wissenschaftliches, theoretisches Konstrukt, sondern orientiert sich durchaus an konkreten Ereignissen. So wurde beispielsweise am 13. Dezember 2008 die Außenmauer der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Mauthausen in Oberösterreich mit dem Satz: „Was unseren Vätern der Jud ist für uns die Moslembrut seid auf der Hut! 3. Weltkrieg – 8. Kreuzzug“ beschmiert. Einige Wochen zuvor ist es der Leiter des Berliner Zentrums für Antisemitismusforschung, Wolfgang Benz, welcher im Vorwort des 17. Jahrbuchs für Antisemitismusforschung schreibt: „Die pauschale Stigmatisierung des Islam und der Muslime wird in den Medien von Wissenschaftlern, Politikern und auf alltäglichen Foren geübt“, dabei gehe die Antisemitismusforschung von einer Vergleichbarkeit der Stimmung gegen Muslime mit Antisemitismus und Judenfeindschaft aus. In beiden Fällen würden „Verschwörungsfantasien ebenso wie vermeintliche Grundsätze und Gebote der Religion, die mit mehr Eifer als Sachkenntnis behauptet wurden“ zum Tragen kommen. Gerade die Argumentation unter der Zuhilfenahme von Stereotypen sei als ein Phänomen aus der Antisemitismusforschung bekannt und aus diesem Grund im Zusammenhang mit Islamfeindschaft interessant. [...]
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Veröffentlichungsjahr: 2010
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Islamophobie im Netz
Berlin, August 2009
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„Islamfeindschaft“, „Feindseligkeit gegenüber Muslimen“, „Ablehnung des Islams“ oder „Antiislamismus“ sind Begriffe, die in den letzten Jahren häufiger in der öffentlichen Diskussion genannt werden. In Deutschland ist es in erster Line der Pädagogik-Professor Wilhelm Heitmeyer, der im Rahmen seiner Langzeitforschung zur „Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit“ den Begriff der Islamophobie etabliert hat.1Unter bewusster Ausklammerung einer rationalen Kritik am Islam wurden diese Formulierungen unter dem Schlagwort der „Islamophobie“ zusammengefasst und bildeten einen nicht unumstrittenen Begriff, der im Diskurs um eine generell ablehnende Haltung gegenüber muslimischen Personen und allen Glaubensrichtungen, Symbolen und religiösen Praktiken des Islams benutzt wird.
Ablehnende und feindselige Haltungen gegenüber einer fremden Kultur, einer anderen Religion, Fremdenfeindlichkeit oder Rassismus sind in der Vorurteils- und Rassismusforschung keine neuen Phänomene. Seit einigen Jahren sind allerdings Parallelen bei Feindseligkeiten gegenüber Muslimen und Juden zu beobachten. Dieser neue und in der Forschung teilweise umstrittene Zusammenhang ist dabei kein rein wissenschaftliches, theoretisches Konstrukt, sondern orientiert sich durchaus an konkreten Ereignissen. So wurde beispielsweise am 13. Dezember 2008 die Außenmauer der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Mauthausen in Oberösterreich mit dem Satz: „Was unseren Vätern der
Jud ist für uns die Moslembrut seid auf der Hut! 3. Weltkrieg - 8. Kreuzzug“ beschmiert.2Einige Wochen zuvor ist es der Leiter des Berliner Zentrums für Antisemitismusforschung, Wolfgang Benz, welcher im Vorwort des 17. Jahrbuchs für Antisemitismusforschung schreibt: „Die pauschale Stigmatisierung des Islam und der Muslime wird in den Medien von Wissenschaftlern, Politikern und auf alltäglichen Foren geübt“, dabei gehe die Antisemitismusforschung von einer Vergleichbarkeit der Stimmung gegen Muslime mit Antisemitismus und Judenfeindschaft aus. In beiden Fällen würden „Verschwörungsfantasien ebenso wie vermeintliche Grundsätze und Gebote der Religion, die mit mehr Eifer als Sachkenntnis behauptet wurden“ zum Tragen kommen. Gerade die Argumentation unter der
1Heitmeyer, Wilhelm: Deutsche Zustände. Folge 1, Frankfurt 2002
2http://www.vol.at/news/welt/artikel/gedenkstaette-des-ehemaligen-kz-mauthausen-beschmiert/cn/news- 20090213-07075033
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Zuhilfenahme von Stereotypen sei als ein Phänomen aus der Antisemitismusforschung bekannt und aus diesem Grund im Zusammenhang mit Islamfeindschaft interessant.3
Die Aussagen von Wolfgang Benz sowie die Konferenz im Dezember 2008, die vom Zentrum für Antisemitismusforschung in Berlin unter dem Titel „Feindbild Jude - Feindbild Muslim“ veranstaltet wurde, lösten starke Reaktionen aus. Noch vor der Veröffentlichung des Jahrbuchs reagierte unter anderem der Hamburger Politologie Matthias Küntzel mit Ablehnung auf den von Benz hergestellten Zusammenhang und meldete Zweifel an der Wissenschaftlichkeit der Befunde des Zentrums für Antisemitismusforschung an: „Es gibt keine „Protokolle der Weisen von Mekka“. Muslimen wird nicht unterstellt, die Drahtzieher aller Revolutionen und Kriege zu sein.“ Die Auswirkungen des „Feindbilds Muslim“ und des
„Feindbilds Jude“ sind nach Küntzel qualitativ unterschiedlich.4
Einige Monate vorher, im Juni 2008, bezeichnet der Leiter des Zentrums für Türkeistudien,
Dr. Farukùen,in einem Artikel in der türkischen Zeitung „Referans“ die türkischstämmige Bevölkerung in Europa als „Europas neue Juden“, die vergleichbarer Diskriminierung und Ausgrenzung ausgesetzt seien.5Diese Aussage wurde kontrovers diskutiert, während der Integrationsminister Nordrhein-Westfalens den Vergleich als „in besonderer Weise inakzeptabel“ bezeichnete,6forderte von anderer Seite der Publizist Arne Hoffman „Redefreiheit für Farukùen“7und der Zentralrat der Juden bezeichnete die auf die Aussagen folgende Entlassung des Direktors des Zentrums für Türkeistudien als „unseriös“.8
3Benz, Wolfgang, in: Benz, Wolfgang (Hrsg.): Jahrbuch für Antisemitismusforschung 17, Berlin 2008, S. 9-10.
4http://www.matthiaskuentzel.de/contents/das-zentrum-fuer-antisemitismusforschung-auf-abwegen
5http://www.referansgazetesi.com/haber.aspx?HBR_KOD=97254&YZR_KOD=143
6http://www.sueddeutsche.de/politik/475/447210/text/7http://ef-magazin.de/2008/07/12/410-tabubruch-redefreiheit-fuer-faruk-sen
8http://www.sueddeutsche.de/politik/399/447134/text/
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Am 01.Juli 2009 wird in Dresden die aus Ägypten stammende Pharmazeutin Marwa El-
Sherbini in einem Gerichtssaal erstochen.9Der Täter soll sein Opfer als „Terroristin“ und als „Islamistin“ bezeichnet haben, die Ermordung der Kopftuch tragenden Frau lieferte den Anlass zu der bisher am stärksten in der Öffentlichkeit stattfindenden Diskussion über Islamophobie in Deutschland. Während in Teilen der überregionalen Presse die
Einschätzungen von einer „ausländerfeindlichen Tat eines fanatischen Einzeltäters“10bis zu Rassismus und Fremdenfeindlichkeit reichen11, wird an anderer Stelle darauf hingewiesen, dass womöglich „mehr als Ausländerhass“ hinter den Motiven stecken könnte.12Der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, spricht davon, dass man ein Zeichen gegen Islamophobie setzen müsse und dagegen, „dass sie, wie auch in diesem Fall, durchgehend unterschätzt und verharmlost wird. [...] Die Tat in Dresden war islamfeindlich
motiviert.”13Die Reaktionen auf den Vorwurf der Islamophobie beschreibt die Publizistin Hilal Sezgin in der taz wie folgt:
„Es reagierten hasserfüllte Internet-Berserker, von rechten Foren auf die Hatz geschickt. Es wehrten sich gute Bürger, wie aus dem wohlverdienten Schlaf geschreckt. Was das sein solle, Islamophobie, eine psychische Störung? Sie jedenfalls, versicherten mir mehrere empört, hätten diese Krankheit nicht. - Sie taten, als handle es sich um eine Exaltiertheit, von Islamophobie zu sprechen. Dabei ist Islamfeindlichkeit einfach eine Gestalt unter vielen, die Fremdenfeindlichkeit, Ausländerhass und soziale Ausgrenzung annehmen können.“14
An diesem Beispiel wird schnell deutlich, dass es bei dem Thema Islamophobie nicht nur darum geht, verschiedene Ereignisse und Geschehnisse zu dokumentieren und zu kommentieren, sondern zunächst auch - ähnlich wie es immer noch beim Antisemitismus der Fall ist - zu definieren, was der Begriff „Islamophobie“ bezeichnen will und in welchen Formen sich „Islamophobie“ manifestieren kann. Insbesondere muss dabei geklärt werden, inwiefern sich Islamophobie von Rassismus oder Ausländerfeindlichkeit abgrenzt und unterscheidet und ob es gegebenenfalls Ähnlichkeiten und Überschneidungen mit anderen
9http://www.polizei.sachsen.de/pd_dresden/5069.htm
10http://www.welt.de/vermischtes/article4051592/Polizei-ermittelt-wegen-heimtueckischen-Mordes.html
11http://www.sz-online.de/nachrichten/artikel.asp?id=2206007
12http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/?em_cnt=1821248&
13http://www.hagalil.com/archiv/2009/07/05/islamophobie/
14http://www.taz.de/1/debatte/kolumnen/artikel/1/das-reine-deutsche-gewissen/
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Einstellungen wie beispielsweise in dem Konzept der „Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit“ gibt.15
Die hier kurz angerissenen Beispiele können stellvertretend für eine Diskussion gesehen werden, die sich in jüngster Zeit immer wieder aufdrängt. Auf der einen Seite werden jüdische Diskriminierungserfahrungen als Maßstab herangezogen, um von Muslimen als ähnlich empfundene Ereignisse vergleichbar zu machen. Auf der anderen Seite wird bei eben diesem Vergleich mit dem Antisemitismus häufig der Vorwurf laut, man stelle die Singularität des Holocaust in Frage. Der Publizist Sergey Lagodinsky äußert in der taz die
Vermutung, dass die Ablehnung von Farukùeneinen Hinweis auf die Befindlichkeiten der deutschen Mehrheitsgesellschaft gebe und nicht die jüdischen Diskriminierungserfahrungen
relativiere.16
Fest steht, dass einem Vergleich, wenn er zumindest teilweise auf Emotionen und Befindlichkeiten beruht, die wissenschaftliche Basis fehlt und somit auch kein „wahr“ oder „falsch“ möglich ist. Wenn Küntzel davon schreibt, dass es keine „Protokolle der Weisen von Mekka“ gebe und auf dieser Grundlage Parallelen zwischen Antisemitismus und Islamophobie verneint, so ist das sicherlich zu kurz gegriffen. Küntzel verweist mit dieser Bemerkung auf „Die Protokolle der Weisen von Zion“, einer vermutlich aus Russland stammenden angeblichen Niederschrift einer jüdischen Weltverschwörung. In der Historie wurden „Die Protokolle der Weisen von Zion“ unter anderem in Hitlers „Mein Kampf“ oder Henry Fords „The International Jew“ verwertet und werden beispielsweise auch in der Charta der Hamas von 1988 wie die Dokumentation einer Tatsache behandelt. „Die Protokolle der Weisen von Zion“ nehmen mit ihrer Ansammlung von Mythen und Stereotypen eine nicht unwesentliche Rolle in der Verbreitung von antisemitischer Ikonographie ein und spielen über 100 Jahre nach ihrem ersten Erscheinen in Teilen der Welt immer noch eine erhebliche Rolle, sei es in Buchform, als Download im Internet oder aktuell als thematisches Gerüst für TV-Serien im Nahen Osten.
15Heitmeyer, Wilhelm: Deutsche Zustände. Folge 1, Frankfurt 2002
16http://www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/die-grenzen-des-akzeptablen/
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Antisemitismus und Islamophobie als gleichwertige Erscheinungen nebeneinander zu stellen, entbehrt vielerlei Grundlagen. Die Wurzeln und Hintergründe des Antisemitismus sind vielschichtig und haben sich historischen Gegebenheiten angepasst, laut Michael Kiefer sogar einen „flexiblen Code“ gebildet, der sich völlig unabhängig von der jeweils aktuellen
Thematik auf verschiedenste Konflikte überstülpen lässt.17Dahingegen ist der Begriff der „Islamophobie“ noch relativ neu, nicht unumstritten und auch seine Ausprägungen sind nicht hinlänglich definiert. In dem sich in den letzten Jahren verschärfenden Diskurs um „den Islam“ fällt allerdings auf, dass einige Bilder im Zusammenhang mit Antisemitismus geläufig sind. So findet sich das Bild einer religiös fundierten Weltverschwörung sowohl in den „Protokollen“, als auch in einem Blog gegen die Islamisierung Europas. Die Darstellung einer Religionsgemeinschaft als „Krankheit“, die es „auszumerzen“ gelte, Befremdung gegenüber unverständlichen Speiseregeln, das Schächten von Tieren, Falschauslegung der heiligen Schriften, das Täuschen von Mitbürgern oder die Manipulation von Politikern sind Stereotype, die auf „islamkritischen“ Websites und Blogs in ähnlicher Weise verbreitet werden, wie sie im Antisemitismus zu finden sind.
Es ist wohl eher unwahrscheinlich, dass heutzutage eine Publikation wie „Die Protokolle der Weisen von Zion“ in dieser Form eine ähnliche Wirkung haben könnte, wie zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Dagegen gilt das Internet als Kommunikationsmedium, welches es jedem Nutzer theoretisch ermöglicht, im Schutze der Anonymität an einer Diskussion teilzuhaben. Ansichten werden offener und zugespitzter vorgetragen, als es im etablierten öffentlichen Diskurs der Fall ist. Christian Katzenbach schreibt in seinem Buch „Weblogs und ihre Öffentlichkeit: „Während die Medienwirklichkeit der traditionellen Massenmedien Fernsehen, Radio und Zeitungen allein durch die spezifischen Zugriffs- und Darstellungsweisen des professionell-redaktionellen Journalismus geprägt ist, treffen wir im Internet auch auf die unzähligen Wirklichkeitsentwürfe der Nutzer, die außerhalb
17Kiefer, Michael: Antisemitismus in den islamischen Gesellschaften. Der Palästina Konflikt und der Transfer eines Feindbildes, S. 26, Düsseldorf 2002
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professionell-journalistischer Routinen und Strukturen ihre eigenen Weltdeutungen kundtun.“18
Im deutschsprachigen Raum ist so eine Szene im Internet entstanden, die sich selbst als islamkritisch bezeichnet mit einer starken Vernetzung untereinander auffällt und so einen schnellen Austausch von Informationen sicherstellt. Websites wie „Die grüne Pest“, „Stop Islam“, „Akte Islam. Für Europa - gegen Eurabien“, „Dhimmideutsch“, „Fakten & Fiktionen“, „Jihad Watch“, „Gudrun Eussner“ und insbesondere „Politically Incorrect“ erschaffen im Internet eine Gemeinschaft, die sich einer eigenen Sprache mit speziellen Codes bedient. Der Angriff, den es abzuwehren gilt, erfolgt nach Ansicht dieser Blogger auf allen Ebenen: Er betrifft den kleinen Alltag ebenso wie Grundfragen der Verfassung und der gesellschaftlichen Ordnung.
„Politically Incorrect“ gehört dabei zu den bekanntesten Blogs Deutschlands und ist das größte explizit islamfeindliche Blog („News gegen den Mainstream, Proamerikanisch,
Proisraelisch, Gegen die Islamisierung Europas, Für Grundgesetz und Menschenrechte“)19. Nach eigenen Angaben gehen täglich über 20.000 Besucher auf die 2004 von dem Sportlehrer Stefan Herre gegründete Seite „www.pi-news.net“. Laut der Leitlinien von „Politically Incorrect“ stellen sich die Autoren des Blogs „gegen diese Islamisierung Deutschlands und den damit einhergehenden Verlust unserer durch das Grundgesetz gesicherten Grundrechte. Als Blogger sehen wir uns in der Pflicht, die schleichende Islamisierung dadurch zu verhindern, dass wir von den Mainstream-Medien unterdrückten Informationen über den realexistierenden Islam in Deutschland und auf der ganzen Welt verbreiten.“20
Diese von den „Mainstream-Medien unterdrückten Informationen“ werden so neu aufbereitet und kommentiert veröffentlicht. Die Kommentarfunktion ist 24 Stunden geöffnet und bietet den Konsumenten des Blogs die Möglichkeit, untereinander zu diskutieren, sich zu bestätigen, zu weiterführenden Informationen zu verlinken oder im besten Fall an einem Diskurs teilzunehmen. Insbesondere in diesen Kommentaren, die in der Regel recht zahlreich und unmittelbar auf die Veröffentlichung eines Artikels folgen, sind häufig die immer gleichen Stereotype und Klischees zu bemerken. Es kann vermutet werden, dass ein Großteil dieser
18Katzenbach, Christian: Weblogs und ihre Öffentlichkeit: Motive und Strukturen der Kommunikation im Web 2.0, München 2008
19http://www.pi-news.net/
20http://www.pi-news.net/leitlinien/
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Klischees nicht neu ist bzw. nicht nur im Zusammenhang mit dem Islam besteht, sondern eine Adaption und Anpassung bereits bestehender, hauptsächlich antisemitischer Bilder ist.
Es stellt sich also die Frage, welche Stereotype und Klischees im Zusammenhang mit „Islamkritik“ in Deutschland auftauchen, insbesondere in ihren Ausprägungen im Internet als Medium im Allgemeinen und Weblogs im Speziellen. Darüber hinaus ist von Interesse, ob einige dieser Bilder schon aus der Antisemitismusforschung bekannt sind, somit keine neuen, „rein islamophoben“ Bilder darstellen und ob Antisemitismus und Islamophobie unter Berücksichtigung bestimmter Kriterien überhaupt vergleichbar sind.
Es ist zu vermuten, dass zumindest einige der bisher aus der Antisemitismusforschung gängigen Bilder auch in der Islamophobie wiederzufinden sind. Manche dürften nahezu identisch sein, andere sind unter Umständen den aktuellen Rahmenbedingungen angepasst, wieder andere Stereotype sind vielleicht nur im Antisemitismus oder nur in der Islamfeindlichkeit zu finden. Das Internet nimmt bei der Ausgestaltung und Verbreitung dieser islamophoben Bilder eine besondere Rolle ein. Eine Untersuchung dieser Bilder ist demnach angebracht, um die Grundlage für einen Vergleich zwischen Antisemitismus und Islamophobie schaffen zu können.
In dem auf das einleitende erste Kapitel folgende zweite Kapitel wird auf den Begriff der Islamophobie eingegangen. Es ist notwendig, auf den Ursprung des Ausdrucks und die damit einhergehende Diskussion einzugehen, um dadurch auch definieren zu können, was genau Islamophobie in dieser Arbeit bezeichnen möchte und was für Ausprägungen von Islamophobie zu beobachten sind. Darüber hinaus wird definiert, was mit „Stereotypen“ gemeint ist und was für islamophobe Stereotype existieren.
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Im dritten Kapitel wird die Rolle der Medien im Zusammenhang mit der Verbreitung und der Kultivierung von Islamophobie beleuchtet, nach einem Exkurs über die „Protokolle der Weisen von Zion“ wird untersucht, inwiefern das Internet eine ähnliche Position einnimmt, um Vorurteilen und negativen Stereotypen über Muslime zu einer ähnlichen „Karriere“ zu verhelfen.
Das vierte Kapitel behandelt Islamophobie im Netz und seine unterschiedlichen Manifestationen auf Homepages, in Weblogs, in Foren oder in sozialen Netzwerken.
Das fünfte Kapitel beschäftigt sich konkret mit einem Beispiel für Islamfeindlichkeit im Internet, mit dem Blog „Politically Incorrect“.
Das sechste Kapitel und somit der empirische Teil der Arbeit orientiert sich an der zusammenfassenden Inhaltsanalyse von Philipp Mayring. Mit diesem Instrument soll ermöglicht werden, ausgehend von der theoretischen Einordnung in den vorigen Kapiteln, auf die Frage einzugehen, welche islamophoben Stereotypen bestehen und inwiefern Stereotype, Klischees, Bilder und Themen, die aus dem antisemitischen Diskurs bekannt sind, auch in einem islamophoben Zusammenhang auftauchen. Zu diesem Zweck wird eine Anzahl von Artikeln aus dem Blog „Politically Incorrect“ ausgewertet wobei das Hauptaugenmerk auf dem Kommentarbereich liegt. In der „Policy“ des Blogs wird darauf hingewiesen, dass Kommentare, die einem eigenen Kriterienniveau nicht entsprechen, moderiert oder gelöscht werden. Der Kommentarbereich eines jeden Artikels wird 24 Stunden nach seiner Veröffentlichung geschlossen. Artikel und Kommentarbereich unterliegen somit nach 24 Stunden in der Regel keiner weiteren Veränderung und können auf Grund der Moderation des Kommentarbereichs als repräsentative Beispiele für das Weltbild der Autoren und Konsumenten der Artikel gesehen werden.
Im siebten Kapitel werden die Ergebnisse ausgewertet und Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Antisemitismus und Islamophobie dargestellt, das achte Kapitel zieht aus den Ergebnissen ein Fazit und versucht einen Ausblick auf zukünftige Forschungsfragen zu geben.
