ISO 29119 - Die Softwaretest-Normen verstehen und anwenden - Matthias Daigl - E-Book

ISO 29119 - Die Softwaretest-Normen verstehen und anwenden E-Book

Matthias Daigl

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Beschreibung

Die ISO/IEC/IEEE 29119 stellt eine neue Normenreihe für Softwareprüfungen dar, die Vokabular, Prozesse, Dokumentation und Techniken für Softwaretesten beschreibt und mit dem Ziel entwickelt wurde, innerhalb jedes möglichen Softwareentwicklungs-Lebenszyklus verwendet werden zu können. Dieses Buch gibt eine praxisorientierte Einführung und einen fundierten Überblick über diese Normen und zeigt insbesondere die Umsetzung�der Anforderungen aus der ISO 29119 hinsichtlich der Testaktivitäten auf. Der Aufbau des Buches spiegelt die Struktur der Normenreihe wider: • Historie der Testnormen und Einführung • Inhalte der ISO 29119 • Konzepte und Definitionen (Teil I) • Testprozesse (Teil 2) • Testdokumentation (Teil 3) • Testverfahren (Teil 4) • Anwendungsbeispiele Dabei wird auch auf Themen eingegangen, die es (noch) nicht in die Norm geschafft haben, wie z.B. statischer Test mit Reviews und Analyse oder Security Levels. Im Anhang findet der Leser eine Zusammenstellung von Informationen zu besonders häufig gestellten Fragen zur ISO 29119, eine Übersetzung der englischen Begriffe sowie ausführliche Referenzen. Das Buch richtet sich in erster Linie an Praktiker, die einen leichteren Einstieg in die Normenreihe und eine Hilfestellung für die Umsetzung der ISO 29119 in der Praxis suchen.

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ISO 29119 – Die Softwaretest-Normen verstehen und anwenden

Matthias DaiglRolf Glunz

Matthias Daigl ist Managing Consultant bei der imbus AG. In rund 20 Jahren als Tester, QS-Berater, Coach und Trainer hat er Erfahrungen in den verschiedensten Softwareprojekten gesammelt. Er ist begeisterter Botschafter des Einsatzes internationaler Normen und vertritt das DIN in der Arbeitsgruppe 26 des ISO/IEC JTC1 SC7 bei der Erstellung der ISO/IEC 29119. Teil 5 der ISO 29119 verantwortet er als Editor.

Rolf Glunz ist Geschäftsstellenleiter und Vertriebschef bei der imbus AG. Seit über 20 Jahren als IT-Manager, u.a. als Geschäftsführer eines DIN-Tochterunternehmens, setzt er sich heute leidenschaftlich für erfolgreiches Qualitätsmanagement und zielgerichtetes Testen von Software ein. Er berät seine Kunden, wie sie durch die richtigen Methoden, Prozesse und Produkte Qualität steigern und Kosten senken können.

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Matthias Daigl

E-Mail: [email protected]

Rolf Glunz

E-Mail: [email protected]

Lektorat: Christa Preisendanz

Copy-Editing: Ursula Zimpfer, Herrenberg

Satz: Matthias Daigl

Herstellung: Nadine Thiele

Umschlaggestaltung: Helmut Kraus, www.exclam.de

Druck und Bindung: M.P. Media-Print Informationstechnologie GmbH, 33100 Paderborn

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

ISBN:

Buch   978-3-86490-237-6

PDF   978-3-86491-772-1

ePub   978-3-86491-773-8

mobi   978-3-86491-774-5

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Wieblinger Weg 17

69123 Heidelberg

Die vorliegende Publikation ist urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte vorbehalten. Die Verwendung der Texte und Abbildungen, auch auszugsweise, ist ohne die schriftliche Zustimmung des Verlags urheberrechtswidrig und daher strafbar. Dies gilt insbesondere für die Vervielfältigung, Übersetzung oder die Verwendung in elektronischen Systemen.

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Vorwort

Mit Standards und Normen beschäftige ich mich nun schon eine ganze Weile. Seit einigen Jahren durch die Mitarbeit in den Gremien des DIN und der ISO etwas intensiver – aber schon vorher viel länger als Softwaretester und als Anwender.

Aus dieser Zeit, in der ich »nur« Anwender von Normen wie der berühmten IEEE 829 war, weiß ich noch recht gut, wie sehr man manchmal zu kämpfen hat mit dem, was die Autoren der Normen uns an Herausforderungen aufgetragen haben – was doch meist als Hilfestellung gemeint ist.

Wie erfahren wir Normen: Sie sind nicht immer perfekt. Sie sind nicht immer leicht zugänglich. Sie sind oft sehr kompakt. Manchmal sind sie sehr umfangreich. Sie lassen auch manchmal Fragen offen.

Da ich inzwischen auch die andere Seite kenne, an der Erstellung von Normentexten mitarbeite und weiß, wie sehr oft um Formulierungen und Kompromisse gerungen wird, meine ich besser zu verstehen, warum Normen so sind, wie sie sind.

Diese Meinung bezieht sich naturgemäß insbesondere auf die Normen, bei denen ich mitwirken durfte – das ist die Normenreihe ISO 29119 mit den bislang ersten vier Teilen. Ich bin überzeugt davon, dass diese Normen einen beachtlichen Nutzen für die Gemeinschaft der Softwaretester entfalten können. Und da ich das Privileg besitze, hier über Einblicke zu verfügen, die nicht jeder haben kann, möchte ich diese Einblicke gerne teilen und dadurch dazu beitragen, dass diese Normen Anwendung finden. Und ich möchte meinen Beitrag dazu leisten, es Softwaretestern zu erleichtern, diese Normen zu verstehen und anzuwenden – daher dieses Buch.

Dies ist die Stelle, an der ich mich bei einigen Menschen bedanken möchte, die mir in besonderer Weise bei der Erstellung dieses Buches geholfen haben:

Bei Rolf Glunz, der Ideengeber war, und mein Koautor ist. Er musste mich, einen professionellen Zweifler, erst von der Idee überzeugen.

Bei Dr. Christian Brandes, Michael Riemer, Marc-Florian Wendland M. Sc. und Prof. Dr. Mario Winter, die mir als kritische Reviewer wertvolle Anregungen lieferten.

Bei Dr. Klaudia Dussa-Zieger, ohne die ich nicht die Mitarbeit im NIA 01-07 des DIN begonnen hätte und die mich während einer denkwürdigen Autofahrt in die Prinzipien (und Tücken) der Normenarbeit einführte.

Bei meinem Arbeitgeber imbus, der mich nicht nur darin unterstützte, dieses Buch zu schreiben, sondern überhaupt die Grundlagen dafür schuf, indem er mir das Vertrauen entgegenbrachte, mich zu Gremiensitzungen zu schicken. Den damit verbundenen Glauben an Standards und Normen und den idealistischen Wunsch, diese mitgestalten zu wollen, halte ich für selten und schätze ich an imbus.

Und zum Schluss – und doch vor allen anderen – bei meiner Familie, meiner Frau Uli und meinen Kindern Kilian, Anika und Simon, die mir den nötigen Freiraum für das Schreiben dieses Buches gaben und in dieser Zeit meine teilweise eigenartigen Launen ertrugen!

Erlangen, im Dezember 2015

Matthias Daigl

Die Begeisterung für das Thema Normen und die umfassenden Kenntnisse meines Kollegen Matthias Daigl waren die auslösende Motivation, mit ihm gemeinsam dieses Buch zu verfassen.

Da mich das zusätzlich zur täglichen Arbeit gefordert hat, danke ich vor allem und zuerst meiner Frau Anja. Sie ist selbst Autorin und hat durch ihr Verständnis und ihre Geduld viel dazu beigetragen, dass ich die nötige Zeit aufbringen konnte.

Und natürlich danke ich Matthias, der durch seine Fachkompetenz immer eine Stütze während der Erstellung des Buches war – die Zusammenarbeit hat wirklich Spaß gemacht!

Erlangen, im Dezember 2015

Rolf Glunz

Inhaltsverzeichnis

I Historie und Grundlagen

1 Einführung

2 Entstehungsgeschichte und Kontext der ISO 29119

2.1 Bedeutung und Geschichte der Vorgängernormen

2.1.1 IEEE 829

2.1.2 BS 7925-1

2.1.3 BS 7925-2

2.1.4 IEEE 1008

2.2 Die neuen Normen

2.3 Inhaltliche Aufteilung

2.4 Zusammenhang mit bestehenden Normen und Standards

2.4.1 Themen- und branchenspezifische Normen und Standards

2.4.2 Normen mit Bezug zu Qualitätsmerkmalen

2.4.3 Normen mit Bezug zu Prozessbeschreibungen

2.4.4 Normen mit Bezug zu Dokumentation

2.5 ISO 29119 und ISTQB

2.6 Wie man eine Norm liest

2.6.1 Normativ/Informativ

2.6.2 Spezielle Vokabeln

2.6.3 Wiederholungen

2.6.4 Ziel: Klarheit

2.7 Entstehung von Normen

2.7.1 Normungsorganisationen

2.7.2 Erstellungsprozess

2.7.3 Normenautoren

II Inhalte der Testnormen

3 Inhalt ISO 29119 – Teil 1: Konzepte und Definitionen

3.1 Begriffe

3.2 Wichtige Konzepte des Softwaretestens

3.2.1 Einführung

3.2.2 Testen in Organisation und Projekt

3.2.3 Testen und der Softwarelebenszyklus

3.2.4 Risikobasierter Test

3.2.5 Test-Subprozesse

3.2.6 Testpraktiken

3.2.7 Testautomatisierung

3.3 Die Anhänge

4 Inhalt ISO 29119 – Teil 2: Testprozesse

4.1 Aufbau der Prozesse

4.1.1 Hierarchisches Modell

4.1.2 Struktur der Prozesse, Aktivitäten und Aufgaben

4.1.3 Generische Prozesse

4.1.4 Rollen in den Prozessen

4.2 Prozesse zur Testorganisation

4.3 Testmanagementprozesse

4.3.1 Testplanungsprozess

4.3.2 Testüberwachungs- und -steuerungsprozess

4.3.3 Testabschlussprozess

4.4 Prozesse der dynamischen Testdurchführung

4.4.1 Testentwurfs- und -implementierungsprozess

4.4.2 Prozess für Erstellung und Pflege der Testumgebung

4.4.3 Testdurchführungsprozess

4.4.4 Fehlermeldeprozess

5 Inhalt ISO 29119 – Teil 3: Testdokumentation

5.1 Übersicht über die Dokumente der ISO 29119-3

5.2 Allgemeine Struktur der Dokumente

5.2.1 Dokumentenspezifische Information

5.2.2 Einführung

5.2.3 Hauptteil

5.3 Inhalt und Form

5.4 Testrichtlinie

5.5 Organisationsbezogene Teststrategie

5.6 Testkonzept

5.7 Testspezifikation

5.7.1 Testentwurfsspezifikation

5.7.2 Testfallspezifikation

5.7.3 Testablaufspezifikation

5.7.4 Testspezifikation in integrierter Form

5.8 Testumgebung

5.8.1 Anforderungen an die Testumgebung

5.8.2 Anforderungen an die Testdaten

5.8.3 Bericht über Bereitstellung der Testumgebung und Bericht über Bereitstellung der Testdaten

5.9 Testberichte

5.9.1 Testprotokoll

5.9.2 Teststatusbericht

5.9.3 Testabschlussbericht

5.10 Ergebnisse

5.10.1 Istergebnisse

5.10.2 Testergebnis

5.10.3 Fehlerbericht

6 Inhalt ISO 29119 – Teil 4: Testverfahren

6.1 Überblick

6.1.1 Verständnis des Begriffs Testverfahren

6.1.2 Von der Testbedingung zum Testfall

6.1.3 Testverfahren und die Prozesse aus Teil 2

6.1.4 Testverfahren und die Dokumente aus Teil 3

6.1.5 Übersicht über die Testverfahren nach ISO 29119-4

6.2 Spezifikationsbasierte Testverfahren

6.2.1 Aquivalenzklassenbildung

6.2.2 Klassifikationsbaumverfahren

6.2.3 Grenzwertanalyse

6.2.4 Syntaxtest

6.2.5 Kombinatorische Testverfahren

6.2.6 Entscheidungstabellentest

6.2.7 Ursache-Wirkungs-Graph-Analyse

6.2.8 Zustandsbasierter Test

6.2.9 Szenariotest

6.2.10 Zufallstest

6.3 Strukturbasierte Testverfahren

6.3.1 Anweisungstest

6.3.2 Zweigtest

6.3.3 Entscheidungstest

6.3.4 Bedingungstest

6.3.5 Mehrfachbedingungstest

6.3.6 Modifizierter Bedingungs-/Entscheidungstest

6.3.7 Datenflusstest

6.4 Erfahrungsbasierte Testverfahren

6.4.1 Fehlererwartungsmethode

6.5 Testen von Qualitätsmerkmalen

6.6 Überdeckungsmessung

III Anwendungshinweise und Zukunft

7 Anwendung

7.1 Projektbeispiel »TestCenter«

7.1.1 Projektsteckbrief

7.1.2 Die Einführung der ISO 29119

7.1.3 Beispiel Prozessbeschreibung »Testplanungsprozess«

7.1.4 Beispiel Prozessbeschreibung »Testdesign und -spezifikation«

7.1.5 Beispiel Prozessbeschreibung »Testumgebung«

7.1.6 Beispiel Prozessbeschreibung »Testdurchführung«

7.1.7 Beispiel Prozessbeschreibung »Fehlerprotokollierung«

7.1.8 Beispiel Dokumentbeschreibung »Testspezifikation«

7.1.9 Beispiel Dokumentbeschreibung »Testentwurfsspezifikation«

7.1.10 Beispiel Dokumentbeschreibung »Testfallspezifikation«

7.1.11 Beispiel Dokumentbeschreibung »Testablaufspezifikation«

7.2 Projektbeispiel »MediCo«

7.2.1 Projektsteckbrief

7.2.2 Die Einführung der ISO 29119

7.2.3 Beispiel Dokumentbeschreibung »MediCo-Testplan«

7.2.4 Beispiel Dokumentbeschreibung »MediCo-Summary-Report«

7.2.5 Beispiel Dokumentbeschreibung »Headerinhalt«

7.3 Projektbeispiel »AgileDev«

7.3.1 Projektsteckbrief

7.3.2 Die Nutzung der ISO 29119 für ein Testen im Sprint

7.3.3 Beispieldokumente

8 Kritik

8.1 Während der Entwicklung

8.2 Nach Fertigstellung

9 Jenseits der heutigen ISO 29119

9.1 Statische Analyse

9.2 Reviews

9.3 Integrity Level

10 Ausblick

10.1 Prozessbewertung und Prozessverbesserung

10.2 Schlüsselwortbasierter Test

10.3 Statischer Test – Review

10.4 Modellbasiertes Testen

10.5 Überarbeitung

Anhang

A FAQ

B Abkürzungen

C Begriffe

Referenzen und weiterfuhrende Literatur

Normen

Index

Teil I

Historie und Grundlagen

1 Einführung

Ein Buch über eine neue Norm und darüber, wie man diese Norm in der Praxis anwendet, das klingt attraktiv und spannend – wenn auch sicher nicht für jeden gleichermaßen.

Spannend ist es in der Tat, denn eine neue Norm bietet immer die Möglichkeit, sich des Wissens und der Erfahrung anderer zu bedienen – sich also gewissermaßen »auf die Schultern von Riesen zu stellen«, sich so des gesammelten Wissens aller »Vorausgegangenen« zu bedienen. Insofern kann man eine Norm immer auch als eine systematisch konsolidierte Good-Practice-Sammlung von Kompetenzträgern des jeweiligen Gebietes verstehen, und das kommt meist schon nah an die Best Practice heran.

Dem steht oft gegenüber, dass die Texte einer Norm sehr formal verfasst sind und nicht a priori klar ist, wozu man den einen oder anderen Teil in der Praxis benötigt. Gott sei Dank ist das für die hier behandelte ISO/IEC/IEEE 29119 nicht der Fall, »staubtrocken« oder »praxisfremd« sind hier keine zutreffenden Attribute.

Die Autoren dieses Buches sind der Meinung, dass die hier behandelte Norm durchaus »alltagstauglich« beschrieben ist. Zusammen mit der Norm stellt dieses »Begleitbuch« quasi eine Bedienungsanleitung dar, die die Praxisrelevanz nicht nur belegt, sondern Ideen schafft, wie diese Norm ganz konkret im eigenen Unternehmen und Projekt Nutzen stiften kann.

Dieses Buch ist kein Ersatz für die Beschaffung der Norm: Wer normenkonform arbeiten will, kann auf den Lizenzerwerb der Norm nicht verzichten – letztlich auch, um in den Genuss der kontinuierlichen Ergänzungen und Fortschreibungen zu kommen. In diesem Buch wiederholen wir also nicht den detaillierten Inhalt, sondern erklären und erläutern die Norm und zeigen, wie man aus den verschiedenen Teilen der Norm Nutzen ziehen kann.

Der Aufbau des Buches soll dem Leser helfen, sich schnell zu orientieren und durch die Erläuterungen zu den verschiedenen Bereichen der Norm möglichst direkt Ideen für die Anwendung der Norm zu entwickeln. Mit dem Originaltext der Norm »auf dem Schoß« kann dieses Buch als Nachschlagewerk verwendet werden, aber auch als »Kompass«, der einen Weg zur Nutzung aufzeigt. Und auch als Einstieg in das Thema »Softwaretest-Normen und deren praxisorientierte Anwendung« eignet es sich als Grundlagenlektüre.

Der Einfachheit und besseren Lesbarkeit halber nennen wir die Norm in diesem Buch ISO 29119 – vollständig müssten wir immer von der ISO/IEC/IEEE 29119 sprechen. Damit soll keinesfalls eine Bewertung oder Hierarchie der beteiligten Organisationen ISO, IEC und IEEE vorgenommen werden.

Nutzungshinweis

Sicher ist es hilfreich, dass man das Buch nicht »am Stück« lesen muss. Schnelle Orientierung schaffen die vier Teile, die das Buch gliedern:

Teil I: Historie und Grundlagen

Teil II: Inhalte der Testnormen

Teil III: Anwendungshinweise und Zukunft

Anhang: FAQ, Glossar, Verweise und Referenzen

Diese Struktur unterstützt den Leser, je nach Interesse gezielt den für ihn attraktiven Inhalt zu finden.

Teil I schildert neben dieser Einführung mit dem Kapitel 2 Entstehungsgeschichte und Kontext den Werdegang der Norm, was sicher auch für diejenigen interessant ist, die sich bislang generell nicht damit beschäftigt haben, wie Normen überhaupt entstehen. Inhaltlich steht eine Norm ja selten für sich allein. So skizziert dieses Kapitel auch die Berührungspunkte der ISO 29119 zu anderen Normen und Standards.

Ein gutes Beispiel für einen solchen Berührungspunkt ist das ISTQB®. Viele, die sich professionell mit dem Testen von Software und Systemen beschäftigen, setzen heute auf die Vorgaben des International Software Testing Qualifications Board, kurz ISTQB (vgl. Abschnitt 2.5). Die verschiedenen Ausbildungsstufen des »Certified Tester« sind aktuell ein unbestrittenes Qualitätsmerkmal der Testerausbildung. Die neue Norm ISO 29119 kann man als Weiterführung und Ergänzung dieser ISTQB-Lehrpläne verstehen, somit ist das Buch auch für diese Gruppe von Lesern interessant – auch, weil künftige Lehrpläne sicher auf die Inhalte der ISO 29119 eingehen werden. Somit wird die ISO 29119 zukünftig auch bei der Ausbildung von Testern eine wichtige Rolle spielen – ein weiterer Grund, sich schon jetzt mit den Inhalten zu beschäftigen.

Teil II behandelt ganz konkret die Inhalte der einzelnen Normenteile. In vier Kapiteln geht es analog zu den Normen um Konzepte und Definitionen (ISO 29119 – Teil 1), um Testprozesse (ISO 29119 – Teil 2), Testdokumentation (ISO 29119 – Teil 3) und schließlich um Testverfahren (ISO 29119 – Teil 4). Die Ausführungen und Erläuterungen vor dem Hintergrund umfassender Testerfahrung bieten eine praxisorientierte Interpretation des jeweiligen Teils, wobei der geneigte Leser gut beraten ist, sich parallel zu dieser Lektüre auch mit den originalen Normentexten zu versorgen – so kann er das Thema »Test« so professionell, vollständig und umsichtig wie möglich gestalten.

Teil III liefert zusammen mit diesen inhaltlichen Darstellungen aus Teil II verschiedene Beispiele im Kapitel 7 Anwendung, die inspirieren sollen, sich erfolgreich »auf die Schultern der Riesen« zu stellen – eben jener Spezialisten, die ihre Erfahrungen in die Norm haben einfließen lassen. Die konkrete Anwendung im eigenen Projekt oder Unternehmen ist sicher nur ein möglicher Nutzen – die weiteren Kapitel des Teils III bieten zusätzlichen Mehrwert: Im Kapitel 8 Kritik stellt sich das Buch der aktuellen kritischen Diskussion über den Sinn der ISO 29119, mit dem Kapitel 9 Jenseits der heutigen ISO 29119 wird die Grenze gezogen zu den Themen, die aktuell (noch) nicht durch die Normenreihe abgedeckt sind, und mit dem Ausblick bietet das Buch eine Zukunftsperspektive.

Der Anhang rundet das Buch ab: Oft gestellte Fragen werden möglicherweise in Anhang A FAQ schnell beantwortet, Glossar und Abkürzungen sowie Begriffe sind zum Nachschlagen geeignet und die verschiedenen Verweise und Referenzen auf weiterführende und Quellenliteratur machen das Buch zu einem umfassenden Ratgeber.

Damit liefert »ISO 29119 – Die Softwaretest-Normen verstehen und anwenden« neben einem übersichtlichen Nachschlagewerk einen Einstieg in die Materie und konkrete Anreize, wie Sie die ISO 29119 schnell und effektiv für die eigene Projektpraxis nutzen können. Und wenn dies gelingt, hat dieses Buch seinen Zweck erfüllt!

Norm oder Standard?

Ein Standard stellt eine allgemein anerkannte einheitliche Vorgehensweise dar. Der Begriff Standard sagt nichts über seine Entstehungsgeschichte aus – er kann auch nur innerhalb eines Unternehmens oder eines Industriezweigs vereinbart sein oder von einer beliebigen Gruppe von Personen erarbeitet worden sein, ohne klare Erstellungsregeln. Er hat sich aber in einem gewissen Umfeld durchgesetzt. Man spricht auch von einem »De-facto-Standard«.

Eine Norm hingegen wird von einer (staatlich) anerkannten Normungsstelle – z.B. dem DIN, der ISO oder dem CEN – nach definierten, transparenten Regeln und einem anerkannten Normungsprozess erstellt. Man spricht auch von einem »De-jure-Standard«.

Im allgemeinen Sprachgebrauch nutzt man im Deutschen beide Begriffe allerdings oft synonym. Dieses Buch bezieht sich auf Normen, und daher wird auch meist dieser Begriff verwendet – wir erlauben uns aber die Verwendung des Begriffs »Standard«, wenn es der Lesbarkeit hilft.

2 Entstehungsgeschichte und Kontext der ISO 29119

Wer »richtig«, mit einem gewissen Anspruch und nicht »einfach nur so« Software testen möchte, für den steht schon seit Jahren eine Anzahl von Normen zur Verfügung. Diese Normen sind bewährt, bekannt und verfügbar, schon weil sie auch durch das erfolgreichste Ausbildungsschema für Softwaretester, den ISTQB® Certified Tester (siehe Abschnitt 2.5), referenziert werden.

Interessanterweise sind sich viele ISTQB Certified Tester gar nicht bewusst1, dass ihre Arbeit sich an Standards und Normen orientiert, geschweige denn an welchen – vielleicht, weil sie sich in der Certified-Tester-Ausbildung mehr auf die Inhalte konzentrieren als auf die Nummern der Normen. Trotzdem gibt es diese:

Zu nennen wären hier der Standard IEEE 829 [IEEE829], die beiden Normen BS 7925-1 [BS7925-1] und BS 7925-2 [BS7925-2] sowie IEEE 1008 [IEEE1008].

Insgesamt wird in diesem Kapitel neben den eben genannte Normen eine ganze Anzahl weiterer Normen und Standards erwähnt, die zur ISO 29119 in Bezug gesetzt werden können. zeigt diese Normen gruppiert nach Themenbereichen als Übersicht.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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