Jagd der Vampire - Hagen Ulrich - E-Book

Jagd der Vampire E-Book

Hagen Ulrich

4,8

Beschreibung

Jan hat das von Ioan Radulescu gesteuerte Attentat überlebt, doch Cosmins Cousin gelingt es, die Spuren zu verwischen. Zusammen mit dem bigotten Stadtrat Peter Harrach, Bischof Ottaviani und dessen Fanatikern setzt Ioan seine Intrigen fort, um an das Erbe Cosmins zu kommen. Bei der Bundestagswahl zieht Peter Harrach über die sächsische Landesliste in das Parlament ein.Der zickige Gothic-Fan Sebastian erfährt, daß der Magie seines Geistes kaum Grenzen gesetzt sind. In der Kasbah der Bucharis werden ihm alte Schriften offenbart. Ein uralter Pakt rührt sich, längst vergessene Magie wird wieder lebendig und Basti ist ihr Ziel. Doch der Junge weigert sich. Er will sein Leben mit dem Vampir Cosmin teilen und nicht in einen Streit zwischen magischen Wesen und Menschen gezogen werden. Ein Vampirclan an der Backe plus seine verrückte Familie, das reicht völlig, wie er findet.Malte, der Womanizer, hat ganz andere Sorgen. Zum ersten Mal muss er erleben, wie es ist, tatsächlich verliebt zu sein. Und das geringste Problem dabei ist noch, dass Suha, seine Angebetete, rund um die Uhr von zwei Aufpassern begleitet wird, die darauf achten, dass sie weder Schleier, noch Sonnenbrille absetzt. Denn der Blick einer Medusa ist für Menschen tödlich.Lalla Sara, das mächtige Oberhaupt des Buchari-Clans, sieht, wie ihre Familie und ihr Lebenswerk durch die Bedrohungen von außen gefährdet sind. Die Buchari-Vampire rüsten zum Krieg.

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Hagen Ulrich

Jagd der Vampire

 

 

 

Von Hagen Ulrich bisher erschienen:

Hochzeit der Vampire, ISBN print: 978-3-86361-190-3

Böses Blut der Vampire, ISBN print: 978-3-86361-322-8

Auch als E-book.

 

 

 

Himmelstürmer Verlag, Kirchenweg 12, 20099 Hamburg,

Himmelstürmer is part of Production House GmbH

www.himmelstuermer.de

E-mail: [email protected]

Originalausgabe, März 2015

Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Verlages

Rechtschreibung nach Duden, 24. Auflage.

Coverfoto: www.istockphoto.com

Das Model auf dem Coverfoto steht in keinen Zusammenhang mit dem Inhalt des Buches und der Inhalt des Buches sagt nichts über die sexuelle Orientierung des Models aus.

Umschlaggestaltung: Olaf Welling, Grafik-Designer AGD, Hamburg. www.olafwelling.de

Lektorat: Andrea Weil, www.weil-texte.de

E-Book-Konvertierung: Satzweiss.com Print Web Software GmbH

 

ISBN print 978-3-86361-349-5

ISBN epub 978-3-86361-350-1

ISBN pdf 978-3-86361-351-8

 

Die Handlung und alle Personen sind frei erfunden. Jegliche Ähnlichkeiten mit realen Personen wären rein zufällig.

Handelnde Personen

Die Meyer-Frankenforsts

Jan Meyer-Frankenforst, 30Jan ist glücklich mit Elias al-Buchari zusammen und lebt mit ihm zusammen in Bonn in der alten Villa. Er bereitet seine Promotion vor und arbeitet mit Elias für die Buchari-Stiftung. Von Lalla Sara hat er sich in einen Vampir verwandeln lassen. Aus einer vorangegangenen Beziehung mit Sophie Harrach, die an Krebs gestorben ist, hat er zwei kleine Söhne.

 

Clemens Meyer-Frankenforst, 78Großonkel von Jan und pensionierter Lehrer. Er ist frühzeitig in den Ruhestand gegangen, nachdem er dem Schulalltag nicht mehr gewachsen war. Aus seinem Hobby hat er eine tagesfüllende Tätigkeit gemacht und züchtet Bienen. Wenn an den Bienen nichts zu tun ist, genießt der alte Herr Oud-Musik im Wintergarten bei seinem zweiten Hobby, der Orchideenzucht. Als Jan und Ninas Eltern als Unbeteiligte einem Attentat zum Opfer fallen, hat er sofort die verwaisten Geschwister aufgenommen und bemüht sich, ihnen den Vater zu ersetzen.

 

Monika Meyer-Frankenforst, 76Großtante von Jan und Nina. Sie ist die gute Seele der Villa Meyer-Frankenforst. Clemens und sie konnten keine Kinder bekommen und haben die verwaisten Kinder gern aufgenommen.

 

Dr. Hubert Schäfer, 82 Nachbar, Hausarzt und Mediziner im Ruhestand, verwitwet. Der alte Herr lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen würde gern einen Artikel über Vampire in Medical Review schreiben.

 

Nina Meyer-Frankenforst, 26Jans jüngere Schwester, mit Kerim al-Buchari verheiratet.

Die Bucharis

Elias al-Buchari, 26 Erbe der Familie al-Buchari. Elias ist der auserkorene Erbe einer alten Familie. Der talentierte Oud-Spieler hat sich für ein Medizinstudium entschieden und lebt mit Jan in der alten Villa. Zusammen mit ihm zieht er dessen Söhne auf.

 

Mounia al-Buchari, 26Elias Zwillingsschwester. Sie kam zwölf Minuten nach Elias auf die Welt, liebt Shopping und Parties, ist aber nicht nur ein Partygirl. Sie weiß was sie will und vor allem, was sie nicht will.

 

Kerim al-Buchari, 23Kerim ist der Cousin der Geschwister Elias und Mounia. Sein Weltbild ist einfach und teilt sich in jagen oder gejagt werden auf. Er zieht es vor, der Jäger zu sein.

 

Ali al-Buchari, 32Ehemaliger Militärpilot. Der wortkarge und zurückhaltende Vampir hat sich geoutet und arbeitet mit dem früheren Bonner Kommissar Michael Strang für Interpol. In Lyon haben sie ein kleines Haus.

 

Lalla Sara al-BuchariDie Matriarchin. Niemand weiß genau, wie alt die Matriarchin des Clans ist. Sie war schon immer da und bestimmt die Geschicke des Clans. Sie achtet darauf, dass das Geheimnis der Familie gehütet wird.

Die Dschinnen

Abdarrahman bin Schamhurisch, genannt Hakim,König der Dschinnen

 

Schazadeh Bilal,Ein Marid und Wächter des Königreiches der Dschinnen, der sich ganz gern ein wenig dümmer stellt, als er ist. Sammelt in seinem Garten magische Geschöpfe, darunter Simurghs und Sphingen.

Die Radulescus

Ioan RadulescuIoan ist ein illegitimer Nachfahre von Vlad III. Tepes. Brutal, berechnend und menschenverachtend wie er ist, nimmt er sich alles, von dem er glaubt, dass es ihm zusteht. Er hält sich für den ungekrönten König des Endes der Nahrungskette. Mit Peter Harrach ist er eine geschäftliche Partnerschaft eingegangen und manipuliert den Politiker, ohne dass dieser es ahnt.

 

Cosmin RadulescuCosmin ist ein legitimer Nachfahre von Radu III. cal Frumos, einem ehemaligen Fürsten der Walachei. Er hütet die Fürstenkrone der Walachei und ein altes Buch, vor seinem Cousin Ioan. Vor dessen Terror flüchtet er in den Clan der Buchari-Vampire.

Die Harrachs

Peter Harrach, 60Der katholische und Rom treue CDU-Politiker ist Stadtrat in Plauen und leitet die von ihm begründete Marianische Laienorganisation. Er strebt eine Bundestagskarriere an und will schwule Jugendliche heilen lassen. In seinem Haus finden regelmäßig Bibellesungen statt.

 

Elisabeth Harrach, 59Blasse und wenig selbstständige Ehefrau, die außer Kirche und Familie nichts mehr vom Leben hat. Ihre Kinder sind bis auf den Jüngsten aus dem Haus und sie wagt nur selten, aus dem Schatten ihres Mannes herauszutreten.

 

Sebastian Harrach, 20, genannt BastiSebastian wurde von seiner bigotten Familie verstoßen und hat das spießige Plauen verlassen. Mit Religion hat er nichts am Hut. Der Gothic-Fan und Spieleprogrammierer liebt Dark Romance Partys und ist manchmal etwas zickig, leichtsinnig und sehr stur.

Die Kastens

Annette Kasten, 43Sie hat Kunstgeschichte studiert und ist fasziniert von italienischem Barock. Die Mutter von Malte verarztet gelegentlich auch die Sportverletzungen von Sebastian, der mit ihrem Sohn zusammen turnt.

 

Achim Kasten, 46Der Umweltpolitiker Achim Kasten sitzt für die Grünen im Stadtrat und ist ein erbitterter Gegner von Peter Harrach.

 

Malte Kasten, 21Malte ist Bastis bester Freund, mit dem er Computerspiele programmiert. Sie sind wie Brüder. Malte ist bekennender Barney-Stinson-Fan und immer auf der Suche nach einer Freundin. In puncto Frauen ist er der absolute Nerd und träumt von Felltangas tragenden Vampiramazonen. Auf den hitzigen Basti hat er immer ein wachsames Auge.

 

Weitere Personen

 

Peter Lux, 50, genannt Spooky LuxHauptkommissar bei der Bonner Polizei und zuständig für alles, was irgendwie den Rahmen des Normalen sprengt

 

Lars Wilhelm, 30Kommissar bei der Bonner Polizei, der nicht so recht weiß, was er von schwulen Vampiren halten soll

 

Jens Nicolay, 21Frisch von der Polizeiakademie im Team von Lux gelandet und hat mit Jan Weilmann eine Begegnung der dritten Art

 

Jan Weilmann, 17Von zuhause weggelaufener Teenager auf der Suche nach seinen Wurzeln. In seiner Umgebung brennt es immer wieder und in ihm lauert etwas.

Das Attentat

Als die Schüsse fielen und Schreie ertönten und Elias von der Treppe der alten Villa aus sah, wie Jan langsam mit einem ungläubigen Ausdruck im Gesicht zusammenbrach, krallte sich eine eisige Faust um sein Herz. Wie konnte das sein? Wer schoss da auf Jan? Und warum?

Jans Großtante schrie, mit Schmerzen in der Stimme: „Hilfe!“ Sie hielt sich den Arm und blickte gleichzeitig auf den vor ihr liegenden Jan.

Aus der angrenzenden Küche kam Clemens ins Foyer gestürzt und blieb betroffen vor dem Körper seines Großneffen stehen. Schnell griff er nach dem alten Bakelit-Telefon, das neben dem Eingang auf einem kleinen Tischchen stand. Dort landete auch immer die Post für die Bewohner des Hauses.

Der alte Herr behielt einen klaren Kopf, obwohl er so weiß war wie eine der Marmorstatuen, die im Garten standen.

„Elias, ich kümmere mich um Jan und Monika. Schnapp dir den Schweinehund!“

Unbeschreibliche Wut ergriff den jungen Buchari-Vampir und mit einem unartikulierten Schrei brach die Wut aus ihm hervor.

Er hatte zwar Angst um Jan, wusste aber auch, dass es nur wenig gab, was einen Vampir umbringen konnte. Kugeln aus einer Pistole gehörten nicht dazu. Er sprang die Treppe runter und beugte sich über den an der Haustür liegenden Jan. Blut lief aus mehreren Wunden und sammelte sich in einer Lache. Der Blutgeruch weckte die uralten Instinkte des jungen Vampirs. Seine Fänge meldeten sich und traten hervor.

Habibi, halte durch! Den Kerl lasse ich nicht entkommen. Der hätte auch unsere Kinder treffen können. Oder Clemens. Was ist mit Monika? Rasch sah er sich um. Sie lag ein paar Schritte entfernt am Boden, die Hand auf ihren Arm gepresst. Rasch ging Elias zur ihr und zog die Hand weg. Blut sickerte durch ihre Bluse und entsetzt schlug er sich mit der Hand auf den Mund. Sie hatte einen Streifschuss abbekommen, war aber bei Bewusstsein.

„Junge, es geht schon, es ist nicht so schlimm“, stöhnte die alte Dame.

 

Elias richtete sich auf und sprang aus der Villa. Suchend glitt sein Blick die Straße hinunter. Der Zusteller, der ihnen angeblich ein Paket hatte liefern wollen, bestieg gerade seelenruhig einen Lieferwagen und wollte davonfahren.

Durch die Schüsse aufgeschreckte Passanten blieben auf dem Gehsteig stehen. Einige zückten ihre Handys und telefonierten. Elias Blick folgte dem gelben Postwagen, der gerade startete und sich in Bewegung setzte. Ganz normal, nicht einmal besonders schnell.

Elias sprintete dem Lieferwagen hinterher und sprang mit einem gewaltigen Satz durch die offene Hecktür. Im Laderaum stolperte er. Nach Halt suchend riss er einen Stapel Pakete um und wurde von den umstürzenden Paketen begraben. Mit einem Fluch machte er sich frei und packte durch die offene Laderaumtür den Fahrer am Kragen.

Der verriss das Lenkrad mit einem entsetzten Blick, als er Elias sah, und dann knallte das Fahrzeug gegen einen der Alleebäume in der Kronprinzenstraße. Elias und der Fahrer wurden aus dem Fahrzeug geschleudert und landeten auf der Straße, schlitterten über den rauen Asphalt.

Etwas benommen griff der Fahrer in seine Jacke und zog erneut die Pistole. Er richtete sie auf Elias und drückte ab. Der Vampir rollte sich blitzschnell zur Seite ab und sprang auf den Schützen zu. Kugeln pfiffen ihm um die Ohren, eine Kugel streifte ihn am Arm und er schrie wütend auf.

„Ich schicke dich in die unterste aller Höllen, du dreckiger Hund!“, donnerte Elias. Und dann kam er über den Killer und trat ihm gegen die Hand, die die Pistole hielt.

Der Mann wehrte sich, so gut es eben ging, hatte aber gegen einen Vampir keine Chance. Und schon gar nicht gegen einen Vampir mit einer mörderischen Wut im Bauch. Elias dachte an seine Familienmitglieder, die er vor Jahren durch einen Irrtum verloren hatte, er dachte an Jan und Nina, deren Eltern bei einem irren Anschlag gestorben waren.

Grandmère hatte ihn einst beruhigen müssen, als seine Familie bei dem Flugzeugunglück starb und er zu einem Rachefeldzug hatte starten wollen. Sie hatte ihn davon abgehalten, doch er hatte diese Wut nie vergessen und tief in sich begraben. Jetzt kam sie wieder hervor. Der Fahrer hatte nicht auch nur den Hauch einer Chance.

 

Jörg Paulus verstand die Welt nicht mehr. Die Stimme mit den roten Augen hatte ihm doch versprochen, dass jetzt alles besser werden würde. Er hatte seine Aufgabe erledigt, gut sogar, denn der Mann, auf den er geschossen hatte, konnte das unmöglich überlebt haben. Und das hatte die Stimme zur Bedingung gemacht. Doch jetzt schwieg die Stimme und er sah die roten Augen nicht mehr.

Wo ist denn meine Belohnung?, dachte er benommen. Kurz konnte er sich aufrappeln und auf die Knie aufrichten. Er tastete nach der Pistole, die ein Stück weiter geschlittert war. Der Fuß des Angreifers donnerte in seine Seite und mit einem widerlichen Geräusch brachen seine Rippen. Wenn er nur an seine Pistole herankäme!

Kurz gelang es ihm, die Waffe zu erhaschen. Er fühlte den Lauf, doch dann griff eine Hand nach seinem Hals und er bekam keine Luft mehr. Grüne, leuchtende Augen mit geschlitzter Pupille starrten ihn an und langsam dämmerte es dem Fahrer, dass das hier vielleicht doch nicht so gut ausgehen würde für ihn.

Mit letzter Kraft schlug er mit der Pistole nach dem Gesicht seines Angreifers und fühlte, wie sich der Griff kurz lockerte. Doch mit unglaublicher Gewalt wurde ihm die Waffe entrissen. Ungläubig starrte er auf die Mündung der Waffe, die sich aus ein paar Meter Entfernung auf ihn richtete. Blut spritzte und etwas verspätet bemerkte er, dass die Waffe von einer Hand gehalten wurde. Seiner Hand, die immer noch am Ende seines Armes saß. Aber der Arm war ja so weit weg?

Dann bahnte sich ein grauenhafter Schmerz den Weg durch den Schock in sein Hirn und Jörg kreischte schrill. Er wandte den Kopf und starrte auf den Stumpf seines Armes, aus dem das Blut spritzte.

Es heißt, dass das Gehör als Letztes schwindet, fuhr es Jörg Paulus durch den Kopf. Es wurde dunkel.

„Fahr zur Hölle, Bastard!“ war das Letzte, was er hörte, als ihm der Kopf mit einem heftigen Ruck auf den Rücken gedreht wurde und seine Wirbelsäule brach.

 

Sirenen heulten durch die Kronprinzenstraße, von beiden Seiten kamen mehrere Polizeifahrzeuge. Beamte in Schusswesten und Helm sprangen aus den Mannschaftswagen und drängten neugierige Passanten beiseite. Langsam näherten sie sich Elias. Sie richteten die Waffen auf den blutbespritzten Medizinstudenten, der sich schwer atmend über die Leiche des Killers beugte.

Vorsichtig und mit den entsicherten Waffen im Anschlag näherten sich drei Beamte.

Elias atmete tief durch und verbarg seinen Kopf zwischen den Armen. Seine Fänge verschwanden im Kiefer und die Augen bekamen ihre normale Färbung, auch wenn es ihm mit dem Blutgeruch in der Nase nicht gerade leichtfiel.

„Heben Sie die Hände über den Kopf und stehen Sie langsam auf!“, rief einer ihm zu. „Strecken Sie die Hände aus!“

„Ich bin unbewaffnet! Und ich habe mich nur verteidigt, als dieser Irre uns angriff!“, knurrte Elias.

„Ganz ruhig. Es ist alles in Ordnung.“

„Nicht ist in Ordnung“, brüllte Elias. „Wie kann es denn in Ordnung sein, wenn plötzlich jemand auf uns schießt?“

„Beruhigen Sie sich, Herr ...?“, rief der Beamte erneut.

„Elias al-Buchari“, sagte Elias heftig atmend und versuchte sich zu beruhigen.

„Ist mit Ihnen alles in Ordnung? Sind Sie verletzt?“

„Ich glaube, mich hat eine Kugel am Oberarm gestreift. Aber es ist nicht schlimm“, antwortete Elias. Er fühlte sich auf einmal sehr erschöpft. „Was ist mit den anderen? Mein Partner wurde getroffen und seine Tante.“

„Hilfe ist unterwegs. Kommen Sie mit, dann können Sie sich versorgen lassen“, sagte einer der Beamten und griff ihm vorsichtig unter die Arme.

Elias ließ sich hochziehen. Im Weggehen belauschte er mit seinem feinen Gehör, wie die anderen Polizisten sich leise unterhielten.

„Schau dir die Leiche an! Der hat den Killer mit bloßen Händen in Stücke gerissen und ihm den Hals umgedreht. Der Kerl könnte sich jetzt auf den eigenen Arsch starren, wenn er noch lebte.“

„Hast du das schon mal gesehen?“

„Das bekommt man sonst nur in schlechten Splatterfilmen zu sehen. Himmel, wir werden die Straßenreinigung brauchen, wenn die Spurensicherung fertig ist.“

„So ein schmales Handtuch. Er hat einen Streifschuss und erledigt einen Bewaffneten mit bloßen Händen. Nicht zu fassen!“

„Vielleicht das Adrenalin, das soll ja manchmal ungeahnte Kräfte freisetzen.“

„Ich bin gespannt, was seine Vernehmung ergibt.“

 

Zwei Sanitäter verließen gerade die Villa mit einer Bahre und Elias riss sich von dem Beamten los, der ihn stützte. Mit wenigen Sprüngen erreichte er den Krankenwagen, wo Clemens stand. Der alte Imker wandte sich an Elias, ohne den Blick von Monika abzuwenden, die gerade in den Transporter geschoben wurde. Sie schien kaum ansprechbar und starrte Elias an.

„Wie geht es ihr?“, fragte Elias besorgt.

„Monika hat einen Streifschuss und einen schweren Schock. Sie bringen sie sicherheitshalber ins Krankenhaus und ich komme mit. Ich melde mich bei euch. Bleib du hier. Drinnen ist Hubert mit Dr. Broich beschäftigt, sie kümmern sich um Jan.“

Elias nickte und eilte in die Villa. Auf dem Boden lag Jan und atmete etwas mühsam, war aber bei Bewusstsein. Der alte Doktor Schäfer gab gerade den Sanitätern die Anweisung, den Patienten in seine Praxis zu bringen. „Das geht doch nicht!“, protestierte ein Notarzt. „Der Mann muss auf die Intensivstation!“

Dr. Broich, der jüngere Partner von Hubert Schäfer und selbst Notfallmediziner, zog den Notarzt auf die Seite. „Herr Kollege, ich versichere Ihnen, wir wissen genau, was wir tun.“ Mit einem skeptischen Blick auf die blutenden Wunden gehorchten die Sanitäter.

Dann traf Hauptkommissar Lux ein. Der erfahrene Beamte übernahm die Leitung und ließ sich einen kurzen Bericht geben.

„Was ist mit ihm?“, fragte danach einer der beiden Polizisten, die Elias immer noch misstrauisch von der Seite ansahen. „Sollen wir ihm Handschellen anlegen?“

„Nein, das ist nicht nötig“, sagte Lux und wandte sich an den jungen Vampir, der noch immer zitterte.

„Was ist hier denn eigentlich passiert? Auf Sie und Jan ist geschossen worden?“

Elias atmete tief durch. Alles wird gut, Jan ist bald wieder auf dem Damm und Monika ist auch nicht schwer verletzt. Dann berichtete er dem Kommissar, an was er sich erinnerte.

„Herr Lux, was war das für ein Irrer? Wer schießt auf uns?“

„Keine Ahnung, wir versuchen herauszufinden, wer der Täter ist. Die Spurensicherung müsste gleich da sein. Wollen Sie sich vielleicht setzen?“

„So voller Blut? Monika reißt mir den Kopf ab, wenn ich hier alles vollsaue“, sagte er automatisch und sah an sich herunter. Nachdem er sich mit dem Killer im Dreck und in Blut gewälzt hatte, klebte eine unappetitliche Masse an ihm und der Geruch stieg ihm erneut in die Nase.

Er fauchte, seine Fänge kamen wieder hervor und der Kommissar sah den jungen Vampir mit aufgerissenen Augen an.

„Schätze, es ist besser, wenn Sie sich erst einmal waschen. Und vielleicht etwas zu sich nehmen. Vielleicht einen Tee zur Beruhigung. Oder etwas anderes.“ Lux räusperte sich. „Später unterhalten wir uns weiter.“

„Kann ich nach Jan sehen?“

„Natürlich, vielleicht braucht Dr. Schäfer Hilfe.“

Siedend heiß fiel Elias etwas ein. Er sah auf die Uhr und hielt den Kommissar am Arm fest.

„Marius und Rasmus müssten bald aus dem Kindergarten abgeholt werden. Ich müsste eigentlich gleich losfahren.“

„Nein, ich möchte, dass Sie in der Nähe bleiben. Wenn Sie so in den Kindergarten fahren, haben wir bald den nächsten Einsatz“, sagte Lux. „Wo sind Ihre Söhne?“

Elias nannte ihm die Anschrift des Kindergartens.

„Ich schicke eine Kollegin hin, die sich darum kümmert. Gehen Sie zu Herrn Meyer-Frankenforst.“

Ein Beamter kam und forderte den Kommissar auf, ihm zu folgen. Noch immer war Sirenengeheul zu hören und der blinkende Schein des Blaulichts flutete durch das Fenster.

In der Kasbah

Hatte Sebastian zunächst gedacht, der Trip in die Kasbah der Bucharis sei ein reiner Studienaufenthalt in der Bibliothek, so sah er sich nach ein paar Tagen eines Besseren belehrt. Malte und er erkundeten mit den jungen Bucharis die Umgebung und die Dörfer rund um die alte Burg.

Cosmin nahm an diesen Ausflügen selten teil. Lalla Sara hatte mit ihm anderes zu besprechen, außerdem hatte er seinen eigenen Geschäften nachzugehen. Lediglich den Abend und die Nacht hatten die beiden für sich, wovon ein guter Teil auf das Abendessen entfiel.

In der Kasbah der Bucharis herrschte ein großer Trubel, zahlreiche junge Wissenschaftler aus dem von Jan betreuten Austauschprojekt zwischen der Universität Bonn und der Stiftung nutzten die Gästequartiere. Sie bevölkerten das Anwesen und arbeiteten in den gewaltigen Archiven der Stiftung.

Eines späten Abends saßen die Bucharis mit Malte, Sebastian und Cosmin zusammen im Innenhof der Kasbah und besprachen die Planung für die kommenden Tage, als Sebastian unverhofft Lalla Saras Stimme in seinem Kopf vernahm.

Ich möchte mit dir allein sprechen. Bitte begleite mich.

Das uralte Clanoberhaupt erhob sich, wünschte allen eine gute Nacht und verließ den Diwan. Sebastian fühlte die neugierigen Blicke der anderen, als er wortlos aufstand und der alten Dame folgte. Vor dem Diwan warte sie auf ihn und zusammen durchschritten sie die Gänge der alten Kasbah.

„Wie gefällt es dir bei uns?“, fragte ihn die Lalla.

„Naja, alles ein bisschen ungewohnt und neu, aber ich finde es schön hier. Es wird über alles geredet, jeden Tag gibt es etwas Neues. Es ist ... wie soll ich sagen? ... aufregend, aber toll. So viele neue Eindrücke. Und es ist wirklich schön bei Ihnen. Mir gefällt Ihre Burg und die Landschaft, das Gebirge“, schwärmte Sebastian und Lalla Sara schmunzelte.

„Keine Angst vor den wilden Bestien?“, fragte die alte Dame. „Und vor dem bösen marokkanischen Vulkangott, dem du geopfert werden sollst?“

„Woher wissen Sie ...?“, fragte Sebastian etwas verlegen. „Nee, ich hab mich an Hischam, diese übergroße Plüschmieze von Elias, gewöhnt, er ist ja wirklich total lieb und verschmust.“

„Nun, dein Freund Malte hat mir erzählt, dass du ein wenig überreagiert hast, als ihr eure Sachen für den Abflug gepackt habt.“

Natürlich, der Schlumpf, die olle Tratschtante, dachte Sebastian. Na warte, dir werd ich bei Gelegenheit den Marsch blasen ...

„Wie dem auch sei, komm herein, dies sind meine eigenen Räume.“

Zusammen betraten sie einen geschmackvoll eingerichteten Raum, in dem die Farben Blau und Gold dominierten. Kunstvoll verzierte Ornamente schmückten die Decke.

Lalla Sara nahm Platz hinter einem zierlichen Schreibtisch aus Thujaholz und bedeutete Sebastian mit einer Handbewegung, sich gleichfalls zu setzen.

„Morgen werde ich dir, Malte und Cosmin das alte Archiv der Stiftung zugänglich machen. Vorher möchte ich mit dir noch etwas besprechen, damit du weißt, was auf dich zukommt.“

Sebastian rutschte unter dem durchdringenden Blick der Lalla hin und her. Ihm war die mehr als siebenhundertfünfzig Jahre alte Vampirin nicht so ganz geheuer. Schon einmal war er mit ihr aneinandergeraten, als sie in der Villa Meyer-Frankenforst Cosmin verhört hatte und dabei nicht zimperlich vorgegangen war. Er hatte sich schützend vor seinen Freund gestellt und mit allem, was ihm zur Verfügung stand, Lalla Sara die Stirn geboten.

Was bei Ioan Radulescu, Cosmins Cousin, geholfen hatte, das hatte die Buchari-Vampirin nicht sonderlich beeindruckt.

Sie gab sich meist nur als etwas strenge, wenn auch liebevolle Großmutter. Er lehnte sich etwas misstrauisch zurück.

„Dafür sind Malte und ich gekommen, damit wir ein paar zusätzliche Ideen für unsere Computerspiele bekommen. Sagten Sie nicht, dass in den Archiven viele Quellen und Dokumente zu finden sind, die wir verwerten könnten?“

„So ist es, ihr werdet viele Anregungen finden. Aber nicht nur das.“ Sie hielt kurz inne. „Du weißt, welchen Ursprung die Buchari-Vampire haben?“

„Ja, Elias hat mir die Familiengeschichte erzählt. Es war ein Dschinn, ein Geist, der in Ihren verletzten Vorfahren fuhr, mit ihm verschmolz und einen Vampir aus ihm machte. Und seitdem sind alle Bucharis Vampire, die sich teilweise von Blut ernähren müssen, aber tageslichttauglich sind. Und Sie haben ein paar magische Fähigkeiten.“

„Genau, die Fähigkeiten des Dschinns haben sich vererbt. Ich kann mich in einen Sturm verwandeln, Gedanken lesen, auch wenn es mir bei dir schwerfällt, und habe die sonstigen Fähigkeiten, die Vampire und Dschinnen so haben. Ähnlich wie dein Freund Cosmin.“

„Ja, das weiß ich alles“, warf er ein. „Das hat er mir erzählt und auch gezeigt.“

„Unterbrich mich nicht“, wies sie ihn zurecht. „Warum seid ihr jungen Leute immer so ungeduldig?“

Sebastian brummte etwas, wagte aber nicht, laut zu widersprechen.

„Wie dem auch sei, es ist so, dass es hier in der Kasbah noch mehr Bewohner gibt, die du möglicherweise kennenlernen wirst. Es gibt ein paar Gänge, die wir nur sehr selten betreten. Sie reichen tief in den alten Vulkan hinein. Die jüngeren Bucharis, die du kennst, haben diese Bereiche noch nie gesehen. Sie wissen gar nichts davon.“

„Und warum erzählen Sie ausgerechnet mir davon?“, fragte Sebastian. „Eigentlich geht mich das doch gar nichts an.“

„Es hat etwas mit deinen magischen Fähigkeiten zu tun, Sebastian.“

„Bitte was?“ Sebastian fragte sich gerade, ob er sie richtig verstanden hatte. Tickt die Alte noch ganz sauber? „Was denn für magische Fähigkeiten?“

„Du hast ganz richtig gehört, Sebastian. Du hast magische Fähigkeiten, nicht nur eine gewaltige Fantasie, die ihresgleichen sucht. Es war schon immer so: Worte und Ideen schaffen Welten und du hast diese Worte und Ideen. Cosmin und ich haben darüber gesprochen und auch aus diesem Grund entschieden, dass Malte und du Zugang zu allen Bereichen bekommen sollen. Ich vertraue Cosmin und auch Malte, deinem etwas leichtfertigen Freund“, erklärte Lalla Sara.

Sebastian schwirrte der Kopf. Magie, er? Da musste er erst einmal in Ruhe drüber nachdenken. Stattdessen fragte er: „Und wer wohnt noch hier?“

„Die Kasbah der Bucharis ist auch ein Eingang in das Reich der Dschinnen, Ifrit und Marid sowie eines ihrer Oberhäupter. Sie zeigen sich, bis auf ein paar Ausnahmen, nur sehr selten in ihrer echten Gestalt. Sie leben unter uns, als Mitarbeiter der Stiftung. Manche von ihnen helfen uns bei der Suche nach jungen Talenten, die wir fördern können. Andere bewachen das Anwesen und beschützen uns vor der Außenwelt, die nicht immer freundlich ist. Die derzeitige Regierung ist uns wohlgesonnen, aber das war nicht immer so.“

„Aber was hat das mit mir zu tun? Wenn ich ehrlich sein soll, ist mir das nicht so ganz geheuer.“ Sebastian zog die Schultern hoch. „Ich habe ja grundsätzlich nichts dagegen, ganz im Gegenteil, ich liebe diese alten Mythen, weil sie so tolle Ideen liefern für unsere Computerspiele. Aber ich und magische Fähigkeiten?“

„Sebastian, du lebst mit einem Vampir zusammen, einem magischen Wesen. Du bist so erfolgreich als Spieleprogrammierer, weil du insgeheim offen bist für die Magie, die es noch gibt in der Welt.“ Lalla Saras Stimme klang sanft, fast zärtlich. „Du weißt instinktiv, was Dämonen, Feen, Vampire und all die anderen magischen Geschöpfe sind, denen du in deinen Spielen ein Leben gibst. Du wirst noch erfolgreicher sein, wenn du den richtigen Umgang mit der Magie lernst. Du hast Magie in dir aufgenommen.“

„Ich habe überhaupt nichts aufgenommen. Wann und wo sollte das passiert sein? Ich müsste das ja schließlich wissen, oder? Ich verstehe nur Bahnhof.“

„Magie ist um uns herum, denn sie ist natürlich und immer ein Teil der Welt gewesen, in der wir leben. Als du meintest, Cosmin vor mir schützen zu müssen und bereit warst, mich anzugreifen, hast du Magie eingesetzt und ich habe mich verteidigt. Du erinnerst dich?“

„Das war Magie?“ Sebastian dachte daran, wie er und Cosmin sich dort, in der Villa, plötzlich der Vampire des Buchari-Clans hatten erwehren müssen.

„Dein Freund Cosmin Radulescu kann ebenfalls ein wenig mit Magie umgehen, und wir wissen beide, was sein Erbe ist. Er trägt eine große Verantwortung auf seinen Schultern. Aber er weiß auch um seine Grenzen. Jedoch ist das nicht das Thema. Ich möchte dir etwas zeigen.“

Lalla Sara stand auf und ging zu einem Schrank in der Ecke ihres Büros. Als sie ein paar Worte murmelte, fuhr der Schrank mit einem knarzenden Geräusch beiseite. Dahinter offenbarte sich ein Hohlraum und die Lalla ging hinein.

Sebastian reckte den Hals, wagte aber nicht aufzustehen, weil sie ihn nicht dazu aufgefordert hatte.

Toll, diese olle Burg hat also auch Geheimräume. Das ist ja megacool. Wer weiß, was sie da alles hortet.

Lalla Sara kehrte zurück, in der Hand ein hölzernes Schmuckkästchen. Es war reich verziert mit emaillierten Einlegearbeiten und silbernen Beschlägen. Sie stellte es vorsichtig vor Sebastian auf den Tisch.

„Hübsch“, entfuhr es Sebastian. „Was ist das für ein Holz? Es sieht sehr alt aus.“

„Das ist Zedernholz aus dem Libanon, eine schöne Handarbeit“, erklärte Lalla Sara und schob ihm das Kästchen zu. „Öffne es.“

„Soll ich wirklich? Was ist da drin?“, fragte Sebastian, als er es in die Hand nahm.

„Öffne es!“, wiederholte sie mit Nachdruck und er folgte ihrer Aufforderung.

„Hm, ich sehe da einen ollen Ring auf einem Samtkissen. Der sieht so ein bisschen aus wie einer von Cosmins Ringen. Der trägt auch gern solche Klunker.“

„Schau ihn dir genauer an. Nimm ihn in die Hand.“

„Er ist ziemlich schwer. Das sieht man ihm gar nicht an“, stellte Sebastian fest und drehte den Ring hin und her, um ihn von allen Seiten genau zu betrachten. „Und in den Stein ist etwas eingeritzt. Sieht aus wie ein Muster, so eine Art Stern.“

„Das ist das Siegel des Sulaiman. Zwei miteinander verschränkte Dreiecke bilden einen sechszackigen Stern. Und dieser Stern ... „

„Ja, jetzt erkenne ich den Stern, obwohl es etwas abgenutzt ist“, unterbrach Sebastian eifrig, „das Symbol verwenden wir auch für die Magier in verschiedenen Games. Ein Magier kann damit Geister beschwören und so‘n Kram. Oder Blitze schleudern. Und den vier Elementen befehlen. Auf der RingCon kann man die Dinger für ein paar Euro kaufen.“

„Es ziemt sich nicht, jemandem dauernd ins Wort zu fallen“, sagte Lalla Sara streng und er zog schuldbewusst den Kopf ein.

„Ja, stimmt, tut mir leid. Soll nicht wieder vorkommen.“

„Was ist denn die RingCon?“, wollte Lalla Sara wissen. „Das Wort habe ich noch nie gehört.“

„Das ist eine Messe für Fantasyfans. Da trifft man Fernseh- und Kinostars aus den Herr-der-Ringe-Filmen und Vampir- und Werwolffilmen. Händler bieten dort ihre Arbeiten an. Auch so billigen Schmuck wie den hier.“

Lalla Sara schloss die Augen und atmete tief ein.

„Kennen Sie ‚Super Natural‘? Das ist eine Serie, in der zwei Brüder Dämonen jagen. Oder ‚Vampire Diaries‘, da geht es auch um zwei Brüder, übrigens Vampire, aber die haben sich in ein und dasselbe Mädchen verliebt“, plapperte Sebastian und verstummte, als er den Blick aus Lalla Saras dunklen Augen auf sich spürte.

Oha, ich glaube, Queen Mum is not amused.

Sebastian knabberte nervös auf seiner Lippe.

„Nun gut. Ein Magier wie Sulaiman − und er war einer der größten Magier, die es jemals gab − kann damit viel bewirken. Dieser Ring war zuletzt im Besitz von El Glaoui, des mächtigen Paschas von Marrakesch und Fürsten der Glaoua. Thami El Glaoui hatte so viel Macht, dass er den Sultan von Marokko stürzen konnte und er war nicht einmal ein ausgebildeter Magier.“

Sebastian beäugte den Ring in seiner Handfläche, als ob er jeden Moment explodieren könnte, und verzog das Gesicht. Dann wollte er den Ring wieder in das Kästchen zurücklegen, doch Lalla Sara machte eine beiläufige Handbewegung und das Kästchen klappte mit einem Klicken zu.

„Warum erzählen Sie mir das alles?“, fragte er. „Was hat das mit unserer Spielefirma zu tun?“

„Ich möchte, dass du diesen magischen Ring an dich nimmst, Sebastian. Du sollst ihn tragen“, gebot sie und ergriff Sebastians Hand. Er starrte sie an.

„ICH? Der Ring ist potthässlich, völlig verschrammt und überhaupt mach ich mir nix aus Schmuck. Beim Turnen bleibe ich damit bestimmt laufend irgendwo hängen. Oder ich verletze Malte. Ich will das magische Dingsbums nicht!“

„Cosmin übertreibt wirklich nicht“, murmelte sie mit einem Seufzer. „So ein störrischer Esel!“

„Was sagten Sie?“

„Ich hab gesagt, dass du ein dickköpfiger, störrischer Esel bist und eine echte Heimsuchung, die in nichts den Plagen des Alten Testamentes nachsteht.“

„Pht! Lassen Sie mich mit diesen alten Geschichten in Ruhe. Die sind nun wirklich gruslig. Da lässt ein Gott kleine Babys sterben ... oder führt Krieg mit Biowaffen gegen die Bevölkerung und ihre legitime Regierung. Ich meine, der Pharao war bestimmt kein Heiliger. Aber Frösche regnen lassen, Heuschrecken schicken und das Nilwasser blutrot färben? Das ist doch pervers!“

„Es ist nicht zu fassen. Da übergibt man dir einen Ring, damit du beginnst, den Umgang mit der Magie zu lernen. Und du nennst das Siegel des Sulaiman potthässlich. Man muss es gehört haben!“

Sie schüttelte den Kopf und ihre Ohrringe klimperten.

„Ich krieg von solch billigem Schmuck bestimmt Grünspan an die Finger. Malte hat mir mal eine gefälschte Rolex geschenkt. Kaum hatte ich die ein paar Tage getragen, wurde mein Handgelenk grün. Oder, wenn es schlechtes Silber ist, dann verfärbt sich die Haut schwarz. Und überhaupt ... Magie! Ich glaube an so was nicht. Mein Vater hat mich schon die ganze Zeit genervt mit den Wundern und Kirche. Ich bin froh, den ganzen Quatsch los zu sein, und jetzt kommen Sie und erzählen mir etwas von Magie!“

„Sebastian, das ist kein billiger Schmuck, sondern ein mächtiges, mehr als dreitausend Jahre altes magisches Artefakt. Keine Kopie, sondern einer der echten Ringe des Sulaiman. Er hatte mehrere und zwei davon sind im Besitz der Bucharis“, sagte sie mit dem letzten Rest an Geduld, den sie aufbringen konnte, und streckte ihm ihren Stock entgegen. „In diesen Stab ist der andere Ring eingelassen. Ich habe ihn 1905 vom Gouverneur des Mazenderan bekommen.“

„Fein, dann behalten Sie den Ring doch auch. Da gibt es doch auch bestimmt das passende Collier dazu? Oder Ohrringe? Ich trage keinen Schmuck, jedenfalls nicht so was.“

Lalla Sara rollte mit den Augen und schien lautlos bis zehn zu zählen, bevor sie fortfuhr.

„Das ist kein Schmuck, sondern ein Werkzeug und verdammt noch mal, bei allen guten Geistern, du wirst ihn tragen!“

„Und warum sollte ich das tun?“

„Weil ich will, dass du etwas lernst und ich außerdem auch ein paar Anteile an eurer Firma halte.“

„Es war nie die Rede davon, dass Sie darüber bestimmen, was ich anziehe. Wir haben vereinbart, dass Malte und ich weiterstudieren und unsere kleine Firma weiterführen. Dafür haben Sie uns etwas Geld zur Verfügung gestellt. Aber wie wir arbeiten, das wollten Sie uns überlassen. Und zur Arbeit und Ausstattung eines Spieleprogrammierers gehört es bestimmt nicht, irgendwelche billigen Ringe zu tragen.“

„Das ist keine Imitation, sondern ein echter Ring, den du da in Händen hältst. Das habe ich schon die ganze Zeit gesagt.“

„Oh“, machte Sebastian. „Das Ding ist wirklich echt? Aber dann gehört es doch ins Museum.“

Sara, der Junge ist eine echte Herausforderung. Cosmin tut mir wirklich leid, dachte sie halb amüsiert, halb erzürnt. Der hält den Ring des Sulaiman für Modeschmuck!

„Das Ding gehört in die Hand eines Magiers, und da du einer bist, wirst du ihn tragen. Du musst ihn nicht an der Hand tragen, sondern kannst ihn auch an einer Kette um den Hals legen. Und es ist ein edles Material, das durch Magie geschützt wird. Es färbt nicht ab.“

Sebastian musterte den Ring immer noch, während Lalla Sara aus ihrem Schreibtisch eine Halskette hervorzog.

„Befestige den Ring an der Kette und trage die Kette um den Hals, wenn du ihn nicht an die Hand stecken willst“, sagte sie und hob den Finger, als er schon Luft holte. „Still jetzt! Zufällig weiß ich, dass du am Hals ganz gern etwas trägst.“

Verdammter Mist, das ist ja sowas von peinlich, hier bleibt ja gar nichts geheim! Jetzt werde ich auch noch rot.

Der Ring verschwand eilig unter Sebastians Shirt.

„Du wirst deinem Lehrer sagen, dass du den Ring von mir bekommen hast und dass er dir beibringen soll, wie man ihn benutzt. Das wird künftig Teil eures Unterrichts sein.“

„Dann kann doch Malte den Umgang mit Magie lernen“, schlug Sebastian vor. „Er ist der Techniker von uns beiden. Der weiß immer, welche neuen Konsolen auf dem Markt sind. Und wenn ich mir das so überlege, dann ist der Ring doch auch so was Technisches?“

Unter dem eindringlichen Blick von Lalla Sara verstummte er.

„Malte ist aber nicht das Ziel der Magie. Das bist du und deswegen beenden wir die Diskussion, jedenfalls, was dieses Thema betrifft.“

Bevor sie fortfahren konnte, klingelte das Telefon und Lalla Sara warf einen Blick auf das Display.

„Elias ruft an? Um die Zeit?“, murmelte sie und nahm den Hörer ab. Sebastian wollte aufstehen, doch sie schüttelte den Kopf und bedeutete ihm, sitzen zu bleiben.

„Elias, was gibt es?“

Ihr Gesichtsausdruck erstarrte zu einer Maske, als sie den Worten ihres Enkels lauschte. Sebastian wurde unruhig. Er spürte die Besorgnis hinter der versteinerten Miene der alten Stiftungsvorsitzenden. So sehr er auch die Ohren spitzte, konnte er doch nicht verstehen, was am anderen Ende der Leitung gesagt wurde. Es musste etwas sehr Ernstes sein.

„Ich verstehe. Wie geht es Jan?“ ... „Und Kommissar Lux führt die Ermittlungen? Gut!“ ... „Was ist mit den Zwillingen?“ ... „Und Monika, geht es ihr gut?“ ... „Ich werde Ali, Kerim und Mickey schicken, nur für den Fall.“ ... „Was weiß man über den Täter?“ ... „Tot?“ ... „Ja, ich mache dir keinen Vorwurf!“ .... „Obwohl es besser gewesen wäre, wenn du ihn am Leben gelassen hättest.“

Sebastian bekam es mit der Angst zu tun und er rutschte nervös auf dem Stuhl herum. Lalla Sara war, wenn sie gute Laune hatte, eine redselige und zum Plaudern aufgelegte Zeitgenossin. Das hatte er mitbekommen, als er während der Krankheit seiner verstorbenen Schwester Sophie in der Villa Meyer-Frankenforst gewesen war, und Elias oder Jan gelegentlich mit Lalla Sara telefoniert hatten. Umso ernster musste die Lage sein, wenn sich die Lalla so kurz fasste.

„Ich lasse die Maschine startklar machen und schicke deine Cousins los. Mach dir keine Sorgen. Oleg von Leistikow wird uns helfen. Ruf mich an, wenn es etwas Neues gibt.“

Endlich legte sie auf und schwieg. Nach einer gefühlten Ewigkeit hielt Sebastian es nicht mehr aus und er platzte los: „Lalla Sara, was ist passiert?“

„Auf Jan ist geschossen worden und auch Monika hat einen Streifschuss. Jan wird gerade operiert. Er hat mehrere Kugeln abbekommen und Dr. Schäfer und sein Kollege kümmern sich um ihn. Elias hat den Attentäter getötet. Die Bonner Polizei ermittelt bereits.“ Sie erhob sich und eilte zur Tür. „Komm, wir müssen die anderen informieren und alles Notwendige veranlassen. Unser Gespräch müssen wir verschieben.“

Sebastian traute seinen Ohren nicht. Jan war Wissenschaftler an der Universität Bonn und wie sein Partner Elias ein starker Vampir. Dass er ein direkter Zögling der mächtigen Lalla Sara war, wussten nur wenige. Jan legte wenig Wert auf seine Macht und nutzte sie kaum.

Nur einmal, als er irrtümlich glaubte, Cosmin würde sich an seinem Sohn Marius vergreifen, hatte Sebastian erlebt, dass in Jan ein harter Kämpfer steckte. Und nun sollte Jan von mehreren Kugeln niedergestreckt worden sein?

„Aber Jan ist doch ein Vampir? Wie kann er denn ...? Er wird es doch überleben?“, stotterte Sebastian. Seine Gedanken überschlugen sich. Was war mit seinen kleinen Neffen? Hatten die das etwa mit ansehen müssen? Gar nicht auszudenken, es war noch gar nicht so lange her, dass ihre Mutter Sophie an Krebs gestorben war. Und Monika, die ihn und Cosmin so herzlich in der gemütlichen alten Godesberger Villa aufgenommen hatte, wenn sie beide zu Besuch waren.

Sebastian mochte den Vater seiner beiden Neffen Marius und Rasmus. Sie verstanden sich gut, und auch Cosmin war ein gern gesehener Gast in der Villa Meyer-Frankenforst. Die Zwillinge liebten es, dem Radulescu-Vampir bei seinen Besuchen zuzuhören. Cosmin hatte in seinem langen Leben viel erlebt und wusste daraus eine kindgerechte Abenteuergeschichte zu machen. Da wimmelte es von Wolfsjagden in den schneebedeckten Karpaten, von grimmigen Vrykolakas, die die Dörfer heimsuchten, von säbelschwingenden osmanischen Soldaten, aber auch von grusligen Geistern und Dämonen und großen Schätzen.

Jans Söhne hingen an Cosmins Lippen, wenn er erzählte, und nutzten es schamlos aus, dass dieser seine Rolle als Märchenonkel genoss.

„Sebastian, Vampire sind vieles, aber nicht kugelfest“, sagte die Lalla. „Jan ist verletzt, aber deswegen musst du dir keine Sorgen machen. Dr. Schäfer ist bereits dabei, ihn zu behandeln. Vermutlich wird er sich ziemlich wundern.“

Sebastian meinte, ein kleines Lächeln in dem faltigen Gesicht zu sehen. Aber nur kurz, dann trat wieder ein grimmiger Ausdruck zutage. „Mehr wissen wir zur Stunde nicht. Nun komm schon, wir wollen die Familie informieren.“

Zusammen kehrten sie zurück zu den anderen, die sich im großen Diwan aufhielten und sich dort nach dem Essen über das Tagesgeschehen austauschten. Malte flirtete mit irgendeinem weiblichen Wesen. Basti musste fast gegen seinen Willen grinsen, als er das sah.

Typisch Malte, die Welt kann untergehen, aber er versucht, bei einer Frau zu landen.

Mounia und ihre Tochter waren nicht zu sehen, vermutlich wurde die Kleine ins Bett gebracht. Cosmin unterhielt sich angeregt mit dem sonst so wortkargen Ali. Michael Strang, der muntere Rotschopf mit der lockeren Zunge, lachte über einen Witz. Konstantin saß bei seinem Adoptivvater Oleg von Leistikow, die beiden sprachen leise und Sebastian konnte nicht verstehen, um was es ging.

Mitarbeiter der Stiftung huschten umher, schenkten Tee nach, noch bevor die Gäste danach fragten, und reichten Süßigkeiten auf goldenen Tabletts.

Und das sollen also Dschinnen sein? Die sehen doch ganz normal aus. Plötzlich drehte einer der Mitarbeiter den Kopf und zwinkerte Sebastian zu. Für einen kurzen Moment glaubte Sebastian, blau leuchtende Augen zu sehen.

Wasserpfeifen gurgelten und aromatisch duftende Rauchschwaden zogen durch den Raum. Die Szenerie strahlte eine Friedlichkeit aus, die Sebastian in der kurzen Zeit seines Aufenthaltes schon zu schätzen gelernt hatte.

Und jetzt lag Tausende Kilometer entfernt Jan auf einem Operationstisch und kämpfte womöglich um sein Leben?

 

Lalla Sara klopfte mit ihrem Stock auf den Boden. Der Hall ließ die Gespräche sofort verstummen. Sie informierte die Familie in knappen Worten, was geschehen war, und ging dazu über, Anweisungen zu erteilen, ohne auf ihre entsetzten Gesichter zu achten.

„Kerim, Ali und Michael, ihr fliegt sofort mit dem Helikopter los. Es wird keinen Anschlussflug geben, also müsst ihr direkt nach Bonn fliegen. Ihr wisst, was zu tun ist. Elias erwartet euch. Ich werde Scherif Musa informieren, damit er für die notwendigen Genehmigungen sorgt. Ich weiß, dass es spät ist, aber ihr könnt euch am Steuer abwechseln. Werdet ihr das schaffen?“

„Natürlich werden wir das, Grandmère“, antwortete Kerim. Sein Bruder Ali nickte und die beiden Piloten verließen mit dem alarmiert dreinschauenden Michael den Diwan.

„Ich kann meine alte Dienststelle kontaktieren, vielleicht weiß das Amt für Militärkunde schon mehr. Der Oberst wird für die notwendigen Genehmigungen sorgen“, bot Oleg von Leistikow an und Lalla Sara nickte.

„Tun Sie das. Ich will, dass meine Enkel sofort Schutz erhalten. Engagieren Sie einen Sicherheitsdienst. Setzen Sie alles in Bewegung, was hilfreich sein könnte. Niemand greift meine Familie an“, grollte Lalla Sara.

 

Die Runde löste sich auf und Sebastian spekulierte mit Cosmin in ihrem Schlafzimmer darüber, was in Bonn passiert sein könnte.

„Was meinst du, ob Jan irgendwelchen Blödsinn an der Uni angestellt hat? Hat er einem anderen Wissenschaftler vielleicht Fördergelder gemopst?“

„Sebastian! Jan doch nicht.“

„Oder ob er vielleicht jemanden gebissen hat, um ihm das Blut auszusaugen? Eine Frau, und ihr Freund oder Vater wollte Rache? Was meinst du?“

„Hase, du spinnst wirklich! Jan und jemanden beißen, was für eine absurde Idee! Ich wette, der weiß gar nicht, wie das geht!“

Sebastians Fantasie gebar die wildesten Ideen, bis Cosmin ihn aufforderte, darauf zu warten, bis aus Bonn neue Informationen vorlägen.

„Ja, aber ...“, rief Sebastian aus dem Badezimmer. „Machst du dir gar keine Gedanken? Immerhin ist auf Jan geschossen worden. Und meine kleinen Neffen sind vielleicht in Gefahr?“

„Natürlich, aber solange wir nicht mehr wissen, bringt das nichts. Komm ins Bett.“

Sebastian kam aus dem Bad und Cosmin richtete sich im Bett auf. „Was hast du für eine Kette am Hals? Lass mal sehen.“

„Och, Lalla Sara hat mir vorhin so’n ollen Ring gegeben, angeblich von König Sulaiman. Ich soll ein Magier sein, versucht sie mir einzureden, und deswegen muss ich das hässliche Ding jetzt tragen. Weiß auch nicht, was das soll.“

„Na, dann komm zu mir, mein kleiner Magier!“

Sebastian kuschelte sich an Cosmin und schnupperte an seinem Hals. Wie zufällig ließ er leise kichernd seine Hand auf Cosmins Oberschenkel rutschen. Behutsam streichelten seine Fingerkuppen über die Innenseite.

„Hase?“

„Ja?“, flötete Sebastian.

„Kann es sein, dass einer von uns beiden an etwas denkt, aber nicht an das, wovon gerade die Rede war?“

„Kann schon sein“, gab Sebastian zu und fuhr mit seinen Lippen an Cosmins Ohrläppchen entlang. Mit einem Bein schob er die Bettdecke von sich herunter, bis er nackt vor Cosmin lag. „Aber es hat weniger mit Denken zu tun.“

„Wir sind nicht zu Hause in Bonn in meinem Schlafzimmer mit dem großen Bett und deiner Spielzeugkiste.“

„Och, schon, aber wo wir grad davon reden, du darfst gern ein bisschen mit mir spielen“, schlug Sebastian vor und wälzte sich herum. „Ich kann etwas Ablenkung gebrauchen.“

Er fühlte, wie Cosmins Blick sich an seinem Po festsog. Sebastian, der gern und bis zum Exzess tanzte, wusste, dass er ein sehr muskulöses und knackiges Fahrgestell hatte. Seine Beine waren sehnig und sehr biegsam. Auf dem Dancefloor wusste Sebastian sich zu bewegen und nutzte es stets schamlos aus, dass Cosmin sich vom Spiel seines Körpers fesseln ließ.

Und so war es auch jetzt. Der Vampir seufzte bereitwillig und begann, Sebastians Körper zu liebkosen. Der junge Mann spürte, wie sich die Erregung in heißen Wellen in seinem Körper aufbaute und er griff mit einer Hand in den neben dem Bett stehenden Rucksack. Seine Finger förderten ein stählernes Halsband zutage, ebenso Lederarmbänder und Ketten. Flugs wand er sich an Cosmin vorbei aus dem Bett und legte den Halsreif an. Ebenso glitten die Armbänder über seine Hand- und Fußgelenke. Wortlos lächelnd hielt er Cosmin das lose Ende der Kette hin und ließ sich zurück auf das Bett ziehen, ein wenig Widerstand andeutend.

Cosmin ging nur zu gern auf das Angebot ein und zog die Kette etwas ruckhaft zu sich und dann begann das Hin und Her, das sie beide liebten. Bald entzog sich Sebastian seinem Freund, dann gab er sich ihm wieder hin. Cosmin wurde immer erregter, manchmal traten seine Fänge hervor und fuhren über Sebastians willigen Körper. Sie wälzten sich über das Bett. Ein leidenschaftliches Stöhnen spornte Cosmin an, und irgendwann hatte er Sebastians Fuß- und Handgelenke ans Bett gefesselt. Der junge Mann liebte das Gefühl des Ausgeliefertseins, zu wissen, dass er jemandem ausgeliefert war, dem er körperlich niemals gewachsen war. Und der das nicht ausnutzte, sondern eine bestimmte Grenze nie überschritt.

Cosmins Hände massierten die Pobacken seines Partners, er küsste das sich ihm entgegen reckende Hinterteil und spreizte die muskulösen Backen, auf denen kleine Schweißperlen die Haut glänzen ließen. Sebastian spürte, wie Cosmins Zunge über seinen Po wanderte. Seine Finger weiteten den Eingang und Sebastian drückte sich ihm weiter entgegen.

„Nimm mich!“, wimmerte er leise. „Worauf wartest du?“

„Basti, du bist und bleibst ein sexgeiles, kleines Luder“, schnurrte Cosmin genüsslich, während er in Sebastian eindrang und ihn mit rhythmischen Stößen auf das Bett drückte. Mit einer Hand hielt er ihm den Mund zu. Er liebte Sebastians ungehemmte Lust, aber hier in der Kasbah schien es unpassend, durch die dünnen Türen und Fenster zum Innenhof alle Bewohner daran teilhaben zu lassen.

Cosmin war ein erfahrener Liebhaber mit Ausdauer, aber Sebastian war nicht minder ausdauernd und fordernd. Er befreite sich aus den lockeren Fesseln, glitt unter Cosmin hervor und setzte sich rittlings auf ihn, um dessen Erektion erneut in sich eindringen zu lassen. Der Vampir drückte ihn rücklings auf das Bett und Sebastian schlang seine Beine um ihn, während er sich von seinem Freund ficken ließ. Sie blickten sich in die Augen, und Sebastian sah Liebe, Lust und Vertrauen, die er genauso erwiderte, während er Cosmin in sich spürte.

Als sie schließlich voneinander abließen, gaben sie sich stumm der wohligen Erschöpfung hin. Nach einer Weile stand Cosmin auf und holte Handtücher aus dem Bad, mit denen sie die Spuren ihres Liebesspiels beseitigten.

„Cosmin?“

„Hm?“

„Ich hab dich lieb“, nuschelte Sebastian, während er schon am Wegdösen war. Das leise Brennen in seinem Po hinderte ihn nicht am Einschlafen, sondern trug die Wonne in seine Träume hinein, zusammen mit einem warmen Gefühl der Geborgenheit. „Ich dich auch, Hase, ich dich doch auch“, murmelte Cosmin und streichelte über Sebastians Rücken.

Die Attentäter

In der Kreisgeschäftsstelle der CDU in Plauen saß Stadtrat Peter Harrach und brütete über den Schlagzeilen im Internet. Seine Gedanken drehten sich um seine verstorbene Tochter, das Begräbnis und die Demütigungen, die er in Bonn über sich hatte ergehen lassen müssen.

Nicht nur, dass sich seine kleinen Enkel Marius und Rasmus in den Händen dieses Perversen und seines marokkanischen Strichers befanden − er weigerte sich, im Zusammenhang mit Jan Meyer-Frankenforst die Bezeichnung „Vater“ zu verwenden −, nein, er hatte obendrein rechtlich gesehen keine Chance, die Kinder aus den Klauen dieser Typen zu befreien.

Und dann hatte sich auch noch sein jüngster Sohn Sebastian von der Homoseuche anstecken lassen und den Cousin seines Geschäftspartners mit hineingezogen. Cosmin Radulescu, dieser anständige junge Mann mit den soliden Wirtschaftskenntnissen, der auch Interesse an einer geistlichen Karriere bekundet hatte, der war nun in die Fänge dieser abartigen und degenerierten Clique geraten, die den göttlichen Schöpfungsplan verhöhnte.

„Sie spucken Gott ins Gesicht und halten dies für ihr gutes Recht!“, knurrte der CDU-Politiker. „Und unser Staat verleugnet seine christlichen Wurzeln. Wie kann das nur sein?“

Glücklicherweise hatte sein Geschäftspartner Ioan Radulescu nicht ihn dafür verantwortlich gemacht und die Sache in die Hand genommen. Mehr und mehr verfestigte sich bei Peter Harrach der Eindruck, in dem Rumänen einen Unternehmer gefunden zu haben, der christliche Werte mit Geschäftssinn zu vereinbaren wusste. Ioan hatte seine Verbindungen spielen lassen und dabei war herausgekommen, dass dieser Jan Meyer-Frankenforst früher einmal in dubiose Verbrechen verwickelt gewesen war, für die man ihn nie belangt hatte. Angeblich sollte er damit nichts zu tun gehabt haben, aber man wusste ja, wie so etwas lief. Obendrein war er im Kulturaustausch tätig, häufig in Marokko zu Besuch.

Je mehr er darüber nachdachte, desto wütender wurde Peter Harrach. Um sich abzulenken, griff er zum Telefon und wollte Ioan anrufen, als einer seiner Mitarbeiter hereinkam und ohne eine Begrüßung losplapperte.

„Schauen Sie in die Google News, dort steht etwas von einem Mordanschlag auf einen jungen Bonner Wissenschaftler und seine Familie. Es gab eine wilde Schießerei in Bad Godesberg, dort lebt doch ...“

Der Mann verstummte, als er das totenblasse Gesicht seines Chefs sah. Peter Harrachs hämmerte in die Tastatur seines Computers. Er überflog die Berichte, die der Express und der General-Anzeiger Bonn schon online gestellt hatten.

Dann verließ er ohne ein weiteres Wort das Büro und ignorierte die Frage der Sekretärin des Vorsitzenden. Sie schoss von ihrem Stuhl empor und wollte über irgendwelche Planungen sprechen. Das interessierte ihn momentan überhaupt nicht.

„Nicht jetzt, Frau Kelle, nicht jetzt. Ich habe einen Termin. Bin übers Handy zu erreichen, falls es etwas Dringendes gibt.“

Er setzte sich in sein Auto, das vor der Parteizentrale stand, und fuhr los. Während der Fahrt rief er Ioan an und kündigte sein Kommen an.

Sie trafen sich auf dem alten Anwesen außerhalb Plauens, das den Harrachs gehörte und das Peter an seinen Geschäftspartner vermietet hatte. Seit gut einem Jahr bewohnte Ioan Radulescu das Hauptgebäude der Burgruine und restaurierte es mithilfe von Peter Harrachs kirchlicher Jugendgruppe. Das war ein Punkt, mit dem er sehr zufrieden war. Die älteren Handwerksmeister, die dort nach ihrer Pensionierung tätig waren, hatten ihm berichtet, wie lammfromm ihre Auszubildenden waren.

Auch jetzt noch waren die Handwerker aktiv, als der Stadtrat eintraf.

Als er klingelte, öffnete Tichon, einer der Assistenten von Ioan, ihm die Tür und ließ ihn ein.

„Guten Tag, Herr Harrach. Sie werden schon erwartet. Herr Radulescu ist in seinem Büro.“

„Danke, ich kenne den Weg“, antwortete der Stadtrat und eilte zu Ioan.

„Hallo Peter, wie geht es?“

„Hast du schon die Nachrichten gelesen? Das Vorkommnis in Bad Godesberg? Auf diesen ...“, er presste die Lippen zusammen und zischte, „ist geschossen worden. Aber er hat es überlebt, wie es scheint.“

Ioan Radulescu sah überrascht aus.

„Nein, davon habe ich noch nichts gelesen. Wo finde ich es?“

„Google News, Stichwort Bonn, Mordversuch an jungem Bonner Wissenschaftler. Es ist nicht zu fassen, der Teufel muss seine Hände im Spiel haben“, klagte Peter Harrach.

„Warte mal, Peter. Hier ist es“, sagte Ioan Radulescu und las laut vor.

„Auf einen jungen Wissenschaftler der Bonner Universität und seine Familie wurde heute ein Mordversuch verübt. Dabei wurden Jan M. (30) und eine Angehörige (76) leicht verletzt. Der bewaffnete Täter wurde von Elias B., seinem Lebensgefährten, getötet. Die Polizei geht nach dem derzeitigen Stand der Informationen von Selbstverteidigung aus.“

„Familie, dass ich nicht lache. Eine widerliche Perversion der von Gott geheiligten Familie ist es, wenn man dieses Konstrukt ‚Familie‘ nennt“, schäumte Peter Harrach.

„Hier ist ein Bericht im Fernsehen. Der läuft gerade live“, sagte Ioan und schaltete die Lautsprecher des Computers ein.

„... total geschockt. Ich kam gerade vom Einkaufen, als ich Schüsse hörte. Dann kam dieser Paketbote und hielt noch die Waffe in der Hand. Kurz darauf dieser junge Mann, der Freund von Herrn“, an dieser Stelle legte die Regie ein Piepen über den Namen. „Er raste ihm hinterher, so schnell wie ein Blitz, zerrte den Paketboten aus dem Auto. Dann fielen weitere Schüsse und die Kugeln pfiffen nur so über die Straße. Hier steckt auch noch eine im Baum. Ich habe mich fallen lassen und die Polizei gerufen. Genau habe ich es nicht gesehen, aber dann habe ich die Schreie gehört. Mein Gott, dieses schrille Kreischen werde ich mein Lebtag nicht vergessen“, berichtete eine Zeugin des Vorfalls.

„Konnten Sie erkennen, was mit dem Täter geschah?“, fragte der Reporter und die Kamera hielt direkt auf das Gesicht der Frau.

„Er ist von dem Freund getötet worden. Wenn Sie mich fragen, ist das völlig zu Recht geschehen. Die beiden haben doch Kinder, mein Gott, die hätten getroffen werden können.“ Die Frau schüttelte den Kopf, sichtlich betroffen. „Das sind so nette Nachbarn. Die alte Frau“, Piep, „ist im Krankenhaus.“

„Kennen Sie die Familie denn näher?“

„Natürlich. Jan und seine Schwester kenne ich von Kindesbeinen an. Letztes Jahr ist erst die Mutter der beiden kleinen Söhne gestorben. Wenn ich mir vorstelle, dass sie nun beinahe auch den Vater und die Oma verloren hätten?“

„Hatten sie Feinde?“

„Nicht, dass ich wüsste.“

Die Kamera schwenkte auf den Reporter. Im Hintergrund waren Polizeifahrzeuge zu sehen.

„Die Polizei hält sich noch zurück und kann zu den Hintergründen des Vorfalls und über den Täter noch nichts sagen. Wir informieren Sie, sobald wir mehr wissen.“

 

„Er war ein Werkzeug der Vorsehung. Wie sehr habe ich darum gebetet, dass Gott diese verrotteten Perversen zur Hölle schickt. Und nun scheint es, dass Satan so stark ist, dass er dieses Werkzeug Gottes aufhalten konnte“, zeterte der Stadtrat.

„Das verstehe ich auch nicht, dieser Freund von deinem Beinahe-Schwiegersohn ...“

„Ich bitte dich, nenne ihn nicht so!“

„Also gut, aber ich verstehe auch nicht, wie der bewaffnete Täter von diesem Stricher getötet werden konnte. Peter, beruhige dich. Ich werde ein paar Tage abwarten, und dann werde ich über meine Kanäle nachforschen, was da passiert ist. Es ist noch nicht aller Tage Abend.“

Unterricht beim Dschinnenmeister

Am nächsten Morgen erwachte Sebastian, als ihn ein Sonnenstrahl an der Nase kitzelte. Er richtete sich auf. Das Bett neben ihm war leer. Auf dem Kopfkissen fand er eine Nachricht.

 

Hey Langschläfer! Ich bin mit Kostja auf einer Besichtigungstour und schaue mir die Hotels der Bucharis an.

Ich werde erst am Abend zurück sein. Denk dran, dass Malte und du heute zu Abdulaziz Al-Zoman geladen seid. Schmeiß also Malte aus dem Bett, geh mit ihm frühstücken und lasst euch dann zu dem alten Scheich bringen.

C.

 

„Langschläfer“, murmelte er und sah auf die Uhr. „Es ist noch keine neun Uhr. Kann ich was dafür, dass du an präseniler Bettflucht leidest?“

Sebastian krabbelte aus dem Bett und ging ins Bad, um die letzten Spuren der Nacht zu entfernen. Cosmin hatte diverse Utensilien ihrer Aktivitäten schon weggeräumt und Sebastian grinste, als er seinen Halsreif fand. Einen Moment überlegte er, ob er ihn anlegen sollte, entschied sich aber dagegen.

Für den Unterricht vielleicht nicht so ganz angemessen, und bevor ich diesem ollen Scheich erklären muss, weshalb ich das trage ... Nee, lieber nicht. Außerdem ist da noch dieser doofe Ring, den ich ja dem Scheich zeigen soll.

Danach zog er sich an und machte sich auf den Weg zu Malte. Wie erwartet, pennte der noch tief und fest. Malte lag quer über dem Bett, ein Bein baumelte heraus und mahlende Geräusche ertönten. Er knirschte im Schlaf mit den Zähnen.

„Schlumpf! Wach auf!“

„Lass mich“, kam es schläfrig unter der Decke hervor. „Ich will noch schlafen.“

„Nix da, du musst aufstehen. Erstens gibt es Frühstück und zweitens haben wir eine Verabredung mit nem Scheich, der uns was erzählen soll. Also raus mit dir aus dem Bett!“

„Du bist schon genauso ein Sklaventreiber wie Cosmin“, murrte es vom Bett. „Ich komme ja schon.“

„Außerdem hast du wieder mit den Zähnen geknirscht.“

„Ja und? Bist du meine Mutter?“, sagte Malte, setzte sich auf die Bettkante und gähnte. „Oh Mann, dieses frühe Aufstehen ist nichts für mich.“

„Es ist nach neun Uhr!“

„Sag ich doch. Mitten in der Nacht“, sagte Malte und grinste. „Okay, ich komme gleich.“

„Ich bin dann unten beim Frühstück“, sagte Sebastian und verließ Maltes Zimmer. „Vergiss dein Laptop nicht“, rief er vom Flur.

 

„Es hat wirklich einen Vorteil, dass den Bucharis ein paar Hotels gehören“, meinte Malte und schob sich ein Stück Toast in den Mund, auf dem er eine bedenkliche Menge Omelette untergebracht hatte. „Das Frühstücksbuffet ist wirklich Wahnsinn. Was liegt denn an heute?“

„Cosmin hat mir einen Zettel hingelegt. Wir haben gleich einen Termin bei einem Scheich.“

„Wenn ihr Schlafmützen endlich fertig seid mit dem Frühstück“, sagte Mounia honigsüß hinter Malte, „dann bringe ich euch zu Scheich Abdulaziz Al-Zoman. Das ist der Dozent für Dschinnen und Dschinnenmagie. Lalla Sara hat ihn gebeten, euch zu unterrichten.“

„Boah, musst du dich immer so anschleichen?“, keuchte Malte. Dramatisch griff er sich ans Herz. „Wenn ich zwanzig Jahre älter wäre, würde mich der Schock ins Grab bringen.“

„Bist du aber nicht. Und dein Herz ist völlig gesund, ich höre, wie es das Blut in den Adern rauschen lässt. Schönes Geräusch, ich liebe es!“, gurrte Elias Schwester. „Ich warte im Garten auf euch. Bis gleich.“

„Basti, das ist doch gruselig“, sagte Malte kopfschüttelnd, als sie sich umdrehte und zum Ausgang schritt. „Vampire! Die steht auf den Sound of Blood!“

„Wenn es ihr Spaß macht?“

„Sie ist eine ehrbare Mutter mit einem Kind und einem Ehemann. Aber ich wette, sie steht auf mich.“ Malte beugte sich über den Tisch und flüsterte: „Das macht sie nämlich andauernd. Verfolgt mich und erschreckt mich. Ich warte auf den Tag, wo sie mich unter der Dusche oder im Bett ... Aua!“

Mounia war blitzschnell zurückgekehrt und hatte ihm einen Schlag in den Nacken verpasst.

„Siehst du, sie tut es schon wieder!“, seufzte Malte und Mounia verdrehte die Augen, als Sebastian kicherte.

„Oh nein, ich halt mich da raus“, sagte er. „Mich ziehst du da nicht mit rein. Auf gar keinen Fall!“

„Da gibt es auch nichts, in das er dich hineinziehen könnte. Er hat irgendwelche Einbildungen. Ihr nehmt doch nicht irgendwelche Drogen?“, fragte Mounia. „Können wir dann endlich? Es ist unhöflich, Abdulaziz Al-Zoman warten zu lassen.“

„Drogen? Höchstens mal beim Clubbing. Und hier ist weit und breit kein Klub, in dem man mal ein bisschen abhängen könnte“, nörgelte Malte. Dann hellte sich seine Miene auf. „Mensch, das ist überhaupt die Idee! Die Kasbah braucht einen Klub! Das ist doch die Wahnsinns-Location! Keine Nachbarn, die sich über zu laute Musik beschweren, und das in den alten Vulkangängen. Mounia, das wäre megacool!“

„Sebastian, hat Malte immer solche verrückten Einfälle?“, fragte Mounia genervt und verdrehte die Augen. „Ein Klub in der Kasbah! Das fehlte uns noch.“

„Wieso? Ist doch eine gute Idee? Ich kann Malte nur recht geben.“

„Das ist mein Bro! Der versteht mich“, kommentierte Malte kauend. „Dann käme hier endlich mal Leben in die Bude! Immer nur diese langweiligen Wissenschaftler.“

„Ja, und Grandmère legt auf? Oder macht sie den Türsteher?“, fragte Mounia. „Werdet fertig, wir müssen los. Eure Laptops könnt ihr hinten verstauen.“

Hastig stopfte Malte sich das letzte Stück Croissant in den Mund und Sebastian leerte eilig den Kaffeepott, den er in der Hand hielt.

„Also, Abdulaziz Al-Zoman ist ein bekannter Wissenschaftler, sehr würdevoll und sehr weise. Er weiß alles über Dschinnen und wird euch vollstopfen mit Geschichten über Marids und Ifrit, wie man sie beschwört und abwehrt, wo sie wohnen und was sie alles so machen.“