Verlag: Ravensburger Buchverlag Kategorie: Für Kinder und Jugendliche Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2017

Jagd über das Teufelsmeer. Das neues Abenteuer der Geister-Gang E-Book

Kester Schlenz

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E-Book-Beschreibung Jagd über das Teufelsmeer. Das neues Abenteuer der Geister-Gang - Kester Schlenz

Sie dachten, sie seien aus der Unterwelt entkommen. Doch jetzt schlägt der Schlund zurück... Das neue Abenteuer der Geister-Gang: noch witziger, noch skurriler! Till, Meck und Bea ist die Flucht aus der Unterwelt geglückt. Zusammen mit dem ziemlich lebendigen Geist des Piraten Störtebeker, dem sprechenden Spatz Horst und dem nussverliebten Vampirhörnchen Stribbi wurden sie wieder auf dem Jahrmarkt ausgespuckt. Doch zum Entspannen bleibt keine Zeit, denn das Tor zwischen den Welten öffnet sich erneut und der arme Meck wird wieder in das Reich der Toten gezogen ...

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E-Book-Leseprobe Jagd über das Teufelsmeer. Das neues Abenteuer der Geister-Gang - Kester Schlenz

Impressum

Als Ravensburger E-Book erschienen 2017Die Print-Ausgabe erscheint im Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH© 2017 Ravensburger BuchverlagText © Kester SchlenzUmschlag- und Innenillustrationen: Max MeinzoldLektorat: Svenja Wulff, Valentino Dunkenberger

Alle Rechte dieses E-Books vorbehalten durch Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH, Postfach 1860, D-88188 Ravensburg.ISBN 978-3-473-47794-4www.ravensburger.de

Widmung

Für

meine fantastische Familie

Ritt des Vampirhörnchens

Der Hund war gigantisch. Bullig, kräftig, der Hals so dick wie ein Abflussrohr.

Und er rannte direkt auf uns zu.

Wir gingen gerade am Waldrand spazieren. Wir: Das sind meine Wenigkeit – Till –, meine besten Freunde Meck und Bea und unsere etwas sonderbaren Freunde aus der Unterwelt: der Piratengeist Klaus Störtebeker, genannt Störti, der sprechende Spatz Horst und das Vampirhörnchen Stribbi.

Stribbi war – wie immer – vorausgelaufen und hockte gerade mitten auf dem Weg. Er hatte den Hund noch nicht bemerkt, der nur noch wenige Meter entfernt war. Gleich würde er sich auf unseren kleinen Freund stürzen.

„Nein!“, rief ich und wollte schon losrennen, als Störti seine große Pranke auf meine Schulter legte und mit ruhiger Stimme sagte: „Keine Angst, Till. Mit dem wird Stribbi schon fertig.“

Und so blieben wir alle stehen und warteten ab, was passieren würde.

Knurrend und mit gefletschten Zähnen raste der Hund auf Stribbi zu. Das Vampirhörnchen rührte sich nicht. Hinter dem Hund tauchte jetzt an einer Wegbiegung sein Besitzer auf: ein großer Kerl mit fiesem Grinsen.

„Pfeifen Sie Ihren Hund zurück!“, rief ich.

Der Kerl grinste nur dämlich und antwortete: „Der will doch nur spielen, mein Hasso.“

Jetzt war die Bestie direkt vor Stribbi und riss das Maul weit auf.

Ich erstarrte.

Doch dann passierte etwas Unglaubliches. Stribbi rief: „Attacke!“, sprang aus dem Stand ungefähr einen Meter hoch, warf sich nach vorn, machte einen Salto und landete im Nacken des völlig verdutzten Hundes. Dort krallte sich das Hörnchen fest und rief: „Los, Brauner, jetzt wollen wir mal ein bisschen reiten.“

Der Hund jaulte und wand sich vor Zorn. Er schnappte in die Luft und versuchte, das Vampirhörnchen abzuschütteln. Vergeblich. Stribbis Krallen waren starke und kräftige Waffen. Schließlich blieb der Hund erschöpft stehen und hechelte.

„Das hässliche Pferd hat keine Lust mehr“, piepste Stribbi, sprang in einer fließenden, blitzschnellen Bewegung von dem Hund herunter und hüpfte dann auf meine linke Schulter. Und dort saß er, grinste und tat, als ob er kein Wässerchen trüben könnte. Der Hund winselte und wälzte sich unterwürfig auf dem Rücken. Horst flatterte heran und setzte sich auf meine andere Schulter.

„Ich hab’s dir doch gesagt, Junge“, brummte Störti und gluckste vergnügt.

„Stribbi, du kleines Kampfhörnchen. Mann, hatte ich Angst um dich“, sagte ich und streichelte sein weiches Fell.

Stribbi schnurrte zufrieden und sah gespannt nach vorn.

Horst piepste: „Auweia, jetzt gibt’s Ärger.“

Denn nun war auch der Besitzer des Hundes am Ort des ungleichen Kampfes angekommen.

„Was habt ihr mit meinem Hasso gemacht?“, brüllte er und kam mit erhobener Faust auf uns zu.

Störti trat einen Schritt vor.

Der Mann erstarrte. Er sah einen zwei Meter großen, sehr kräftigen Kerl in einem Piratenkostüm vor sich. In seinem Gürtel hing links ein Säbel, rechts eine große Pistole.

Störti stellte sich direkt vor Hassos Herrchen und sagte mit ruhiger Stimme: „Du pestkranker Sohn einer Schiffsratte. Hässlicher Klabautersack. Gammeliges Seetanggesicht. Willst du es tatsächlich wagen, die Geister-Gang anzugreifen? Uns, die Herren der Sieben Meere?“

Bea räusperte sich.

„Verzeihung. Ich meine natürlich: die Herren und die Dame der Sieben Meere“, ergänzte Störti und grinste. „Du nimmst jetzt deinen kleinen Pinscher an die Leine und gehst ganz schnell weiter. Sonst sehe ich mich gezwungen, dir deine wirklich überaus hässliche Visage zu verbeulen und deinem dämlichen Köter alle Beine zu brechen.“

„Ja, der Hund sieht doof aus“, piepste Stribbi. „Und sein Papa auch.“

Meck, Bea und ich warteten angespannt, was nun passieren würde. Der Hundebesitzer stand da und starrte Störti bebend vor Wut ins Gesicht.

Der Pirat stierte ungerührt zurück.

Meck sah die beiden an und meinte trocken zu dem Hundebesitzer: „Sie müssen wissen, dass Herr Störtebeker schon im Jahre 1456 die deutsche Meisterschaft im Stierkampf gewonnen hat. Er hat fünfzehn Gegner in Grund und Boden gestiert.“

Schließlich gab Hassos Herrchen auf. Der lange Blick in Störtis untote Augen hatte ihn am Ende fertiggemacht.

„Komm, Hasso“, brummte er, drehte sich weg und ging weiter. Der Hund trottete mit eingezogenem Schwanz hinterher.

Schließlich standen wir wieder allein auf dem Weg am Rand des Waldes, sahen uns an und fingen alle an zu lachen. Mit der Geister-Gang konnte man wirklich irre Sachen erleben. Immer noch kichernd schlenderten wir weiter.

Die Geister-Gang

In diesem Moment klingelte mein Handy.

„Dein Sprechkästchen bimmelt“, sagte Störti. Für ihn war es immer noch wie Zauberei, dass man über viele Kilometer hinweg mithilfe eines so kleinen Dings mit anderen Leuten reden konnte. Und er stammte immerhin aus der ANDEREN WELT, in der es jede Menge verrückter Typen und Sachen wie sprechende Dächer gab. Aber über Handys in unserer Welt, der echten Welt, konnte er sich immer noch nur schwer wundern.

Der untote Pirat, das Vampirhörnchen und Horst waren jetzt seit einem Monat bei uns. Wir hatten die drei und viele andere Wesen auf einer abenteuerlichen Reise kennengelernt. Es war allerdings keine freiwillige Reise gewesen: Meck, Bea und ich waren auf einem Jahrmarkt von einer Hexe namens Madame Malus verhext worden, die dort als Wahrsagerin ihren Kunden angeblich die Zukunft voraussagen konnte. Wir drei hatten an ihrem Zelt die Heringe rausgezogen und anderen Unsinn gemacht – was wir bitter bereuen sollten. Zur Strafe hatte uns Madame Malus in die ANDERE WELT gezaubert – eine bizarre Unterwelt voller Geister, Gespenster, Untoter, Werwölfe, Vampire und Trolle. Dort hatten wir den Geist des Piraten Klaus Störtebeker, Stribbi, Horst und viele andere freundliche, aber auch ein paar sehr gefährliche Wesen kennengelernt. Nach einigen wirklich irren Abenteuern gelang uns mithilfe von Störti, Stribbi und Horst schließlich die Flucht aus der ANDEREN WELT durch den geheimnisvollen SCHLUND. Dieser gefährliche Weg hinaus aus der Unterwelt endete ausgerechnet im Inneren der Geisterbahn auf unserem Jahrmarkt. Deren Betreiber war auch ein Bewohner der ANDEREN WELT. Sein Name war Verschwindibus – weil er gelegentlich unsichtbar wurde. So war ihm auch die Flucht durch den SCHLUND gelungen. Eines Tages tauchte er einfach im Inneren der Geisterbahn wie aus dem Nichts auf. Der eigentliche Besitzer der Geisterbahn hatte die Begegnung mit Verschwindibus nie überwunden und sich entsetzt davongemacht. Er war nie wiedergekommen.

Störti, Stribbi und Horst wohnten jetzt im Keller der Geisterbahn in einem großen Raum, der gleichzeitig auch das Hauptquartier der Geister-Gang war. Die Geister-Gang – diesen Namen hatten wir uns nach unserem gemeinsamen Abenteuer gegeben. Wir waren eine eingeschworene Gemeinschaft: drei Kinder, ein Geist, ein Vampirhörnchen und ein sprechender Vogel. Ich heiße wie gesagt Till und bin zwölf. Meck ist elf, sehr lustig, dick wie ein Wal und ein prima Kerl. Bea ist zehn und dünn wie ein Bambusrohr. Aber sie hat ein Mundwerk wie ein Maschinengewehr. Wer sich mit ihr anlegt, wird mit Wortgranaten niedergemacht. Störti hatte sie bereits in der ANDEREN WELT während unseres ersten Abenteuers zu einem Mitglied seiner Mannschaft ernannt. Wie Meck und mich übrigens auch. Wir waren also nicht nur Mitglieder der Geister-Gang, sondern auch waschechte Matrosen, ohne je ein Schiff betreten zu haben. Allerdings hatten wir ehrfürchtig vor dem riesigen Piratenschiff gestanden, neben dem Störti zusammen mit der freundlichen Mumie Margot, dem dicken Weingeist, dem zahnlosen Vampir Lücke und einem Nebelgeist namens Blickdicht in einer Art Geisterwohngemeinschaft gelebt hatte. Das Schiff lag noch immer fest verankert auf dem Fluss, an dem die Geister in der ANDEREN WELT gewohnt hatten.

Niemand durfte wissen, dass der Geist eines Piraten, ein Vampirhörnchen und ein sprechender Spatz in der Menschenwelt lebten. Die Folgen wären nicht auszudenken. Also führten Bea, Meck und ich unser normales Schülerleben unauffällig weiter und besuchten unsere Freunde so oft wie möglich in der Geisterbahn. Die war natürlich die perfekte Tarnung, denn hier fielen Störti, Stribbi und Horst nicht weiter auf. Alle dachten, dass diese verrückten Wesen zur Geisterbahn gehörten und hier mit irgendwelchen Tricks gearbeitet wurde. Den Spatz hielten viele für ein technisch hochwertiges Spielzeug und das Vampirhörnchen für ein verkleidetes Eichhörnchen, dessen Stimme von einem Bauchredner kam.

Ab und an wagten wir aber auch einen Spaziergang, damit unsere Freunde mal rauskamen. Auffallen wollten wir dabei natürlich nicht. Das war uns heute natürlich wirklich prima gelungen. Auffälliger ging es ja wohl nicht!

Also, wo war ich? Ach ja: Mein Handy klingelte. Meine Mutter wollte, dass ich nach Hause kam. Sie vermutete, dass ich meine Hausaufgaben noch machen musste, womit sie verdammt recht hatte.

Wir gingen zurück in Richtung Stadt, verabschiedeten uns von Störti, Stribbi und Horst und verabredeten uns für den kommenden Nachmittag in der Geisterbahn. Keiner von uns ahnte, dass an eben jenem Nachmittag ein neues, gefährliches Abenteuer beginnen sollte, das uns weit, weit weg in eine ferne, unheimliche Welt führen würde …

Die Rache des SCHLUNDS

Am nächsten Tag trafen wir uns gleich nach der Schule wieder in unserem Klubhaus im Keller. Störti saß auf dem riesigen roten Sofa und las aus einem Buch über sich selbst laut vor. Stribbi und Horst hockten einträchtig nebeneinander auf seinem Schoß. Verschwindibus hatte Zitronentee gekocht und Kekse gebacken. Es war verdammt gemütlich in unserem Hauptquartier. Bea, Meck und ich lümmelten jeder in einem Sessel und hörten uns die Geschichten von Störtis Abenteuern auf den Sieben Weltmeeren an. Und natürlich kamen wir auch immer wieder auf unsere eigenen Erlebnisse in der ANDEREN WELT zu sprechen – wie etwa unsere abenteuerliche Flucht durch den geheimnisvollen SCHLUND. Wir fragten uns, was wohl aus der furchtbaren Madame Malus geworden sein mochte. Wo sie jetzt ihr Unwesen trieb und ob sie möglicherweise Rachegelüste hatte.

„Ich werde sie mit einer Hand zermalmen, wenn ich sie in die Finger kriege“, rief Störti und zog seinen Säbel. „Und ihre zerbröselten Reste werde ich den Haien zum Fraß vorwerfen, wenn ich dieses Ungeheuer erwische!“ Dabei fuchtelte er so schwungvoll mit dem Schwert, dass er seinen Becher mit Zitronentee glatt vom Tisch fegte.

Meck stand auf, um einen Lappen aus dem Badezimmer zu holen. Wenig später hörten wir seine Stimme von draußen aus dem Kellerflur der Geisterbahn.

„Komisch“, sagte er. „Ich glaub, irgendwas stimmt hier nicht.“

Und tatsächlich – aus dem Flur hörten wir ein seltsames Ächzen, Stöhnen und Raunen.

„Verdammt“, rief Störti. „Das klingt überhaupt nicht gut!“

Alle sprangen auf und eilten hinaus zu Meck. Der stand vor der Tür zum Abstellraum, die allerdings keine normale Tür mehr war. Statt Holz sah man eine weiße, vor sich hin wabernde Fläche. Die Tür schien zu leben. Verschwindibus erstarrte.

„Der SCHLUND“, sagte er mit leiser Stimme. „Er hat sich wieder geöffnet! Meck, geh sofort einen Schritt zurück, sonst –“

Doch ehe unser Freund reagieren konnte, passierte das Unfassbare: Aus der wabernden Masse schoss plötzlich eine Art Greifarm hervor, packte Meck und zog ihn langsam in die Tür hinein!

„Neiiiiiin!“, schrie Meck verzweifelt und stemmte sich gegen den erbarmungslosen Klammergriff der weißlichen Kralle. Doch ehe wir anderen irgendetwas tun konnten – bevor wir überhaupt richtig begriffen hatten, was hier gerade passierte –, verschwand Meck auch schon mit einem schlürfenden Geräusch in der unheimlichen weißen Substanz. Das Ganze hatte nur wenige Sekunden gedauert.

Störti löste sich als Erster aus seiner Erstarrung. Mit noch immer gezogenem Säbel stürmte er auf die Tür zu und schrie: „Gib uns gefälligst unseren Freund zurück, du mieser, algiger Drecks-SCHLUND! Beim Barte des Klabautermanns. Dich mache ich fertig!“

Sofort schoss der Greifarm wieder hervor, packte Störti und begann, auch ihn hinein ins Innere des SCHLUNDS zu ziehen. Doch der Pirat verfügte über ungeheure Kräfte und wehrte sich verzweifelt. Dem SCHLUND-Greifarm gelang es aber trotzdem, unseren Piratenfreund Zentimeter für Zentimeter zu sich hin zu ziehen.

„Los“, schrie Bea, „wir müssen ihm helfen!“

Und ohne nachzudenken sprangen Stribbi, Horst, Bea und ich zu Störti und fingen gemeinsam an, mit aller Kraft an ihm zu ziehen. Nur Verschwindibus blieb starr vor Entsetzen mitten im Flur stehen. Unsere vereinte Kraft verlangsamte das Zerren des Greifarmes deutlich. Mit zusammengebissenen Zähnen hielten wir uns alle an den Händen und zogen so doll an Störti, wie wir nur konnten.

„Sauber, ihr tapferen Leicht- und Schwermatrosen“, donnerte der Pirat. „Zusammen schaffen wir das! Und jetzt passt mal auf!“

Dann hob er seinen Säbel, um den Greifarm des SCHLUNDS zu zerteilen, aber nun schoss ein zweiter, noch größerer Arm aus der Tür hervor und wickelte sich um Störtis Hand. Ein gewaltiges Stöhnen und Schnaufen drang aus der Tür heraus, und auf einmal spürten wir, dass unsere gesamte Gruppe wie von einem gewaltigen Staubsauger hinein in die weiche, wabernde Masse der Tür gezogen wurde. Es gab erneut ein lautes schlürfendes Geräusch und dann hüllte uns völlige Dunkelheit ein.

Ich wurde ohnmächtig.

Meck ist weg

Ich wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war, als ich schließlich von Möwengeschrei und dem Rauschen von Wellen, die auf einen Strand brandeten, wieder geweckt wurde.