Jeder Fisch ist schön - wenn er an der Angel hängt - Susanne Fröhlich - E-Book
Beschreibung

Wieso ist es so schwer, den richtigen Mann zu ködern? Weshalb haben manche Frauen immer bloß einen mickrigen Hering an der Angel, obwohl sie doch einen kapitalen Hecht an Land ziehen wollten? Wieso erreichen die nettesten Männer so schnell ihr Verfallsdatum? Und warum ist es schwerer, eine Beziehung frisch zu halten als eine Auster? Susanne Fröhlich und Constanze Kleis widmen sich diesen und weiteren wichtigen Fragen, verraten die besten Fangplätze, beschreiben die leckersten Köder und das optimale Equipment. Am Ende hat die Leserin nicht nur einen Angelschein, sondern höchstwahrscheinlich auch Mr. Right am Haken. »Endlich erfolgreich flirten: Das ultimative Kultbuch für Singels!« Fritz

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EPUB
MOBI

Seitenzahl:284


Susanne Fröhlich | Constanze Kleis

Jeder Fisch ist schön – wenn er an der Angel hängt

Fischer e-books

Für Gerd und Ulli – unsere größten Angel-Erfolge

Für Julia, Kathrin und Patricia – unsere Lieblings-Anglerinnen und natürlich auch für Mama und Papa

Einleitung

Sie sind Single und Sie halten dieses Buch in der Hand. Daraus schließen wir zwei Dinge. Erstens wollen Sie endlich wissen, wie es funktioniert mit Mr. Right und Ihnen. Zweitens haben Sie vermutlich einige Standardwerke zu diesem Thema studiert und es hat Ihnen bislang nicht mehr eingebracht als das Problem, noch ein weiteres Regal ganz ohne männliche Hilfe an die Wand dübeln zu müssen, um Ihre Ratgeber-Bibliothek standesgemäß unterbringen zu können. Das wird sich nun ändern.

Bislang galt für Sie das Gleiche wie für Rock Hudson als Roger Willoughby, Held des Filmes »Ein Goldfisch an der Leine«. Als Fachverkäufer eines Geschäfts für Angelbedarf weiß er theoretisch alles übers Angeln. Erst als der »König der Fischer« von seinem Chef zur Teilnahme an einem Wettangeln genötigt wird, zeigt sich, dass die Fische sich weder von seinem perfekten Equipment noch von seinem beträchtlichen Know-how beeindrucken lassen. Also stolpert der Experte von einem Desaster ins andere und überlebt die sich selbst aufblasende Anglerhose sowie den Gesichtsverlust schließlich nur mit Hilfe einer Frau und der Erkenntnis, dass Theorie und Praxis selten so weit auseinander klaffen wie beim Angeln. Das gilt auch für das Fischen nach Mr. Right und für die meisten Ratgeber zum besseren Bandeln. Ausgenommen natürlich für diesen.

Wir gehen nämlich davon aus, dass Fische und Männer nicht lesen. Jedenfalls nicht die Bücher, in denen steht, wer sie sind, warum sie so sind und weshalb sie beispielsweise kilometerweit eiskalte Flüsse heraufschwimmen (Fische) oder über die Weltmeere surfen müssen (Männer), wo man doch genauso gut den Bus nehmen kann, um von A nach B zu kommen. Deshalb verhalten sie sich auch selten so, wie sie es laut Gebrauchsanweisungen tun sollten. Das führt zu einigen Irritationen, die nicht wenig zur Single-Quote beitragen. Und auch so gesehen haben Männer und Fische weitaus mehr gemeinsam als nur Schuppen, die Unfähigkeit ein Telefon zu bedienen oder das eher übersichtliche Verfallsdatum. Wie Männer werden auch Fische gern verkannt. Nehmen wir beispielsweise das Gerücht, sie würden nicht reden. Dabei sind mittlerweile mehr als 100 Fischarten bekannt, die Lautäußerungen von sich geben.

Auch was ihre Erscheinungsformen anbelangt, sind Männer und Fische besser als jeder statistische Mittelwert. Zwischen Aal und Zander, Kerl und Kerl liegt die ganze wunderbare Vielfalt der Natur und also 1001 Gelegenheiten, den Goldrichtigen zu angeln. Deshalb lautet die oberste Fischerinnen-Regel: Jeder Fisch ist anders und es gibt nicht einen für alle, sondern für jede einen anderen, der ihr gut tut. Manche entzückt ein Karpfen, auch wenn der ein ähnlich kompliziertes Innenleben hat wie die letzte Steuerreform. Andere begeistert ein geschmeidiger Lachs und einige entdecken in einer Makrele die Erfüllung all ihrer Wünsche. Die zu kennen, auch darauf kommt es beim Angeln an und noch auf ein paar andere Kleinigkeiten.

Etwa darauf, die wirklichen Stolpersteine zu erkennen. Und das sind die, die wir uns selbst in den Weg legen. So der typisch weibliche Irrtum, dass es sich beim Baggern, Balzen, Bandeln um eine Art Arbeitsbeschaffungsmaßnahme oder Nebenjob handelt. Das Gegenteil ist der Fall. Was Männer anbelangt, bringen weniger Erwartung, weniger Männer-Wissen, weniger Engagement oft weitaus mehr. Die so entstandene Freizeitlücke wollen wir mit Sinnvollerem füllen. Wir werden uns praktischen und damit auch aussichtsreicheren Dingen zuwenden als der Suche nach dem männlichen Wesenskern oder einer mathematischen Formel für das große Glück. Etwas Chaos braucht die Liebe nämlich zu ihrer freien Entfaltung. Auch wenn Sie das eher beunruhigt, beim Angeln kommt es auf eine ausgewogene Balance von Zufall und Berechnung an. Das heißt, wir werden dem Zufall genau jene Entwicklungshilfe leisten, die er benötigt, um Ihnen alle Möglichkeiten zu eröffnen. Aber wir werden sicher nicht bis auf die letzte Stelle hinterm Komma Ihren Start auf Wolke sieben berechnen. Das können wir nicht. Das kann niemand. Außerdem finden wir, ist es ganz allein Ihre private Angelegenheit, wie und mit wem Sie glücklich werden wollen. Wir werden nur dafür sorgen, dass Sie dabei die denkbar besten Chancen haben.

Wie und wo beißt er an, wie bleibt er dran und womit kann man ihn möglichst lange frisch halten, das sind die Fragen, auf die Sie hier Antworten finden. Vor allem aber wollen wir uns dem widmen, was Frauen wirklich ändern können: sich selbst, ihre Einstellung zum Angeln, zum Mann und damit ihre Aussichten auf einen kapitalen Fang. Wie der Fisch den Wurm, braucht nämlich auch der Mann überzeugende Argumente, um anzubeißen. Die liefern wir Ihnen in diesem Buch. Sie werden merken, dass die sich nicht wesentlich von den Gründen unterscheiden, die Sie dazu motivieren, zur Angel zu greifen. Am Ende haben Sie nicht nur endlich Ihren Goldfisch an der (langen) Leine, sondern auch die optimalen Voraussetzungen, dass er dran bleibt. Denn natürlich lassen wir Sie nicht allein, wenn es ernst wird. Schließlich soll Ihnen Ihr Fang noch möglichst lange Freude bereiten. Auch darin liegt der Mehrwert dieses Buches und ganz nebenbei auch der Daseins-Zweck des Mannes. Wozu sollte er sonst gut sein?

Kapitel 1Die Beute

Dem Mann geht’s wie dem Fisch: Er wird in seiner Artenund Ausdrucksvielfalt notorisch unterschätzt. Aber auch wenn es mancher Anglerin bisweilen so vorkommt: Entgegen anders lautenden Gerüchten ist Mann genauso wenig gleich Mann wie Fisch gleich Fisch. Es gibt 1001 Erscheinungsformen, von den Geschmacksvariationen ganz zu schweigen. Trotzdem hängen nicht wenige Anglerinnen dem Vorurteil an, ein Fisch sei wie der andere. Kennt man einen, kennt man alle. Und noch bevor sie die Angel überhaupt aus dem Wasser ziehen, wissen sie bereits, was dran hängt: eine Enttäuschung. Kein Wunder, dass man bei solch trüben Perspektiven die Lust verliert, überhaupt noch einen Köder auszuwerfen. Lohnt sich nicht, wozu der Aufwand? Vorurteile, mit denen sich die Anglerin um die fetteste Beute bringt.

Mysterium Mann

Die größten Rätsel der Menschheit sind gelöst. Bloß eines nicht: wie Männer ticken. Da bieten wir alles auf, wovon Männer angeblich so träumen, rasieren uns die Beine, investieren ein Vermögen in Kosmetika, Fitnesscenter und Klamotten. Sind aufregend, anregend und können sogar die ersten drei Plätze der Bundesliga auswendig. Gelassen sehen wir darüber hinweg, dass sie nicht aussehen wie Leonardo di Caprio, PMS für ein Start-up-Unternehmen halten und Socken mit Schlümpfen tragen. Hingerissen lauschen wir ihren stundenlangen Ausführungen über Power-Halsen, PS und wie sie es unter Aufwendung all ihrer hervorragenden Eigenschaften geschafft haben, den Schlüssel fürs Chef-Klo zu ergattern.

Trotzdem: Der eine verschwindet einfach über Nacht. Der Nächste kann sich – »Du, ich habe die Trennung von meiner Ex noch nicht verarbeitet« – monatelang nicht entscheiden. Andere scheinen unter einer ernsthaften Telefon-Phobie zu leiden. Und die meisten reagieren bei der leisesten Andeutung von Verbindlichkeit wie der Allergiker auf die Polle. »Das ist Sybille, eine Freundin«, stellen sie einen im Freundeskreis vor, als wäre man ihnen zufällig zugelaufen und hätte nicht die letzten zwei Wochen mit ihnen verbracht.

Manche bleiben einem zwar länger erhalten. Aber das vermutlich auch nur, weil das ganze Balzen, Baggern und Süßholzraspeln sie so anstrengt, dass sie erst mal eine Ruhepause auf unserem Sofa brauchen. Da liegen sie nämlich und sind von der ersten Phase des Bandelns so erschöpft, dass sie streng genommen den Notarzt bräuchten. Aber ausnahmsweise tun’s ein Bier und ein paar Schnittchen auch. Statt eines Traumprinzen hat man plötzlich eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme am Hals.

Jede Frau kann ein Lied von den Irrungen und Wirrungen, von Enttäuschungen und Fehlgriffen singen, die bei der Suche nach Mr. Right so anfallen. Lauter Nieten, nichts als Trostpreise. Kurz: Jeder Single, weiblich, weiß aus leidvoller Erfahrung, dass Männer und Frauen einfach nicht zusammenpassen. Denn Männer:

Klappen nie den Klositz runter.

Hören nie zu, außer Jörg Wontorra spricht.

Können einen halben Tag damit zubringen, sämtliche Baumärkte im Umkreis von 100 Kilometern nach einer bestimmten Dübelgröße zu durchforsten, brechen aber lautlos zusammen, wenn sie einmal mit zum Schuhkauf kommen sollen.

Glauben immer noch, mit zwanzig Prozent Anteil an der Hausarbeit wären sie hundertprozentig aus dem Schneider.

Verwechseln das Badezimmer mit den Niagarafällen.

Sind mit 36,5 Grad Fieber praktisch schon tot.

Haben immer mehr zu tun als Frauen. Auch wenn sie auf dem Sofa liegen. Sie nennen es »Denken«.

Brauchen fünf Töpfe um eine einfache Tomatensoße zuzubereiten. Aus der Dose.

Können sich weder Geburtstage, Jubiläen noch unsere drei Lieblingsgerichte merken. Aber die Bundesliga-Tabellen der letzten zehn Jahre, die fallen ihnen sogar noch im Schlaf ein.

Quasseln stundenlang über Dax, Bruttosozialprodukt und HTML, verstummen aber sofort, wenn man sie fragt: »Wie war’s denn heute bei der Arbeit?«

Fragen immer: »Hast du deine Tage?«, wenn wir sagen: »Wolltest du nicht den Müll runterbringen?«

Werden blass, wenn wir mit dreißig auf eine rote Ampel zufahren.

Glauben immer zu erkennen, wenn eine Frau einen Orgasmus hat. Ganz einfach, weil eine Frau bei ihnen immer zum Höhepunkt kommt.

Halten es für den Gipfel der Romantik, wenn sie uns mit einem Parfüm aus dem Duty-Free beglücken. Die gleiche Sorte, die sie auch schon unseren Vorgängerinnen mitgebracht haben.

Finden, dass man die Umwelt schont, wenn man Bettwäsche nicht öfter als einmal alle sechs Monate wäscht.

Halten Pamela Anderson für intelligent.

Finden Madonna blöd.

Finden Filme, in denen nicht mindestens 20 Schauspieler verbrannt, ertränkt, zerquetscht, filetiert, atomisiert oder erschossen werden, »stinklangweilig«.

Geraten in Ekstase, wenn ihnen Mami einen knochentrockenen Braten mit zerkochten Kartoffeln und in Mehlschwitze ertränktem Blumenkohl serviert. Kredenzen wir ihnen ein raffiniertes Fünf-Gänge-Menü, für das wir einen Tag in der Küche verbracht haben, lautet ihre erste Frage: »Gibt’s auch Bier?«

Glauben, Frauen kommen mit einem Bügel-Gen auf die Welt und das erste Wort, das wir sprechen, ist »will putzen!«

Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Sicher fällt Ihnen auch noch eine Menge ein, was dafür spricht, sich lieber einen Hund anzuschaffen, als unsere kostbare Energie weiterhin an ein Geschlecht zu vergeuden, das uns und unsere phantastischen Qualitäten einfach nicht zu schätzen weiß. So ein Hund freut sich wenigstens, wenn wir nach Hause kommen, für ihn sind wir immer die Größten, und haben Sie schon mal erlebt, dass ein Mann aus dem Häuschen gerät, bloß weil wir ihm einmal am Tag eine Schüssel Dosenfutter – kalt – kredenzen? Eben.

Andererseits: Irgendwas muss dran sein am Mann, sonst hätten Sie sich nicht dieses Buch zugelegt. Es soll also ein Mann sein. Gut, für die Anschaffung eines solchen Exemplars fallen uns natürlich auch ein paar unschlagbare Argumente ein, wenn es denn der Richtige ist:

Er ist der beste Fußwärmer, den man sich wünschen kann.

Mit ihm kann man über Dinge lachen, bei denen uns jede Frau sofort die Freundschaft kündigen würde.

Er kann einen immer überraschen: Oder haben Sie schon mal von einer Freundin ein Geschenk bekommen, das mit zwei Rollen Tesafilm verklebt war und einen Ring für 1000 Mark enthielt?

Er ist der Garant für regelmäßigen Sex. Wenn sie will.

Mit niemandem kann man so wunderbar langweilige Abende auf der Couch und vor dem Fernseher verbringen.

Er vergrößert den Horizont. Oder haben Sie vor ihm schon mal was von Garage-Rock, Free Jazz und Abseits-Falle gehört?

Er erklärt einem die Welt und weshalb Flugzeuge oben bleiben.

Er fragt einen nicht, wie teuer das Kleid war, er sagt höchstens: »Steht dir wunderbar.«

Er installiert einem Antiviren-Programme, entrümpelt die Festplatte und legt Excel-Tabellen für unsere Zyklus-Berechnungen an.

Er kann sich für kleine Bäuchlein und zarten Unterarmflaum begeistern, selbst wenn der streng genommen schon Flokati-Ausmaße hat.

Er hält uns für Zauberinnen, bloß weil wir seine Socken sortieren, schwarze von blauen unterscheiden können.

Mit ihm kann man trinken und essen, ohne bei jedem Bissen jede Kalorie vorgezählt zu bekommen.

Mit ihm braucht man nicht stundenlang zu diskutieren, weshalb wir beim letzten Telefongespräch so kurz angebunden waren.

Es ist einfach schön, in den Armen eines Mannes einzuschlafen und aufzuwachen, auch wenn der dabei einen Blutstau riskiert.

Er schleppt die schweren Einkäufe nach Hause.

Er findet es spannend, die Jahresendabrechnung der Nebenkosten bis ins kleinste Detail auseinander zu nehmen und uns damit ungefähr 1000 Mark zu sparen.

Er versteht, dass man auch mal allein sein will.

Ihm fällt gar nicht auf, wenn wir viermal dasselbe Kleid anziehen.

Es ist jemand da, dem man von der zickigen Kollegin und dem tyrannischen Chef erzählen kann.

Vor ihm ist noch niemandem aufgefallen, dass wir wunderschöne Knie haben.

So. Diesen wollen sie und sonst keinen. Den einen Kerl, der zu Ihnen passt. Jetzt müssen Sie nur noch wissen, wie man unter all den Trostpreisen das große Los herausfindet, diese wunderbare Trophäe nach Hause schafft und für alle Zeiten behält. Gut, wenigstens so lange, wie wir sie behalten wollen.

Wenn es also wirklich das ist, was Sie wünschen, haben wir eine gute und eine schlechte Nachricht für Sie. Zuerst die schlechte: Alle, und wir meinen wirklich alle, Männer haben lästige Eigenarten. Jetzt die gute: Manche können aber trotzdem ganz hinreißend, liebevoll, fürsorglich, aufmerksam und leidenschaftlich sein. Und zwar länger, als wir brauchen, um ihre Telefonnummer auswendig zu lernen.

Diese fette Beute zu schnappen erfordert allerdings ziemlich aufwendige Vorbereitungen, und die fangen alle bei unserer Einstellung zum Angeln und zu den Männern an. Die ist nämlich leichter zu ändern als die Männer. Sicher, das ist ungerecht. Schon wieder sollen die Frauen etwas tun. Aber: Was hat es Ihnen bislang gebracht darauf zu warten, dass Ihnen Mr. Right sozusagen auf dem Silbertablett präsentiert wird? Wie weit sind Sie mit Ihren Träumen gekommen, der Ideal-Fisch würde Ihnen in den Schoß springen? Fix und fertig, sozusagen schon verzehrtauglich? Wohin haben Sie ihre Wünsche geführt, irgendwann käme der Traumprinz bei Ihnen vorbeimarschiert und würde Ihnen sagen: »Auf dich habe ich mein Leben lang gewartet«? Haben Sie bislang geglaubt, es sind die falschen Männer, die Ihnen die Sicht auf den Richtigen versperren, dann müssen Sie jetzt umdenken: Es ist die Art und Weise, wie Sie die Männer betrachten, die Ihnen die schönsten Perspektiven verhagelt. Wir nennen sie auch die Fang-Bremsen oder den Fang-Verhüter. Sie lauten:

Männer sind Schweine

Männer sind übersichtlich

Männer verstehen heißt Männern verzeihen

Männer sind Schweine

Für Frauen beginnt die Suche nach Vertrauen, Nähe und Intimität mit dem genauen Gegenteil – mit einem fetten Misstrauensvotum. Folgt man den Ausführungen der Anglerin im Freundinnenkreis, so gibt es am gewöhnlichen Mann mehr auszusetzen als an der Deutschen Bahn. Vielleicht glauben sie, wer grundsätzlich das Schlimmste erwartet, kann nur angenehm überrascht werden? Möglicherweise hoffen sie, sich die bösesten Enttäuschungen ersparen zu können, wenn sie im Mann gleich so etwas wie eine niedere Lebensform sehen? Aber: Würden wir uns einen neuen Wagen in dem Bewusstsein kaufen, dass er auf der nächsten Autobahn garantiert einen Reifen verliert? Niemals! Trotzdem versuchen wir, uns ganz und gar illusionslos der Illusion hinzugeben, irgendwo da draußen könne der Goldrichtige warten.

»Alle Männer sind gleich«, lautet die übliche Anglerinnen-Devise. Der Traum: Trotzdem einen zu finden, der anders ist. Klingt irgendwie bescheuert. Aber ist tägliche Anglerinnen-Praxis. Wir sind felsenfest davon überzeugt, dass Männer nur deshalb Reste von Zivilisation aufrechterhalten, weil es Anstand und Strafgesetzbuch verbieten, Frauen einfach an den Haaren in ihre Höhlen zu schleppen. Wir glauben, weil der Fortbestand der Menschheit und nebenbei auch der männliche Hormonhaushalt mit nur drei Sätzen:

»Kommst du öfter her?« – »Gehen wir zu dir oder zu mir?« und nachher »War ich gut?« – leider nicht mehr zu sichern ist, geben sich Männer – kurzfristig – Mühe. Wir denken: Deshalb und nicht etwa aus Nettigkeit oder Einsicht, sind sie ausnahmsweise auch bereit, so zu tun, als könnten sich Männer und Frauen verstehen. So die weibliche Litanei. Und natürlich könnte jede eine Million Gründe oder wenigstens fünf Ex-Liebhaber aufzählen, die die Theorie bestätigen: Der Mann an sich ist mit uns nicht kompatibel. Keine fragt sich, was ist mit dem jeweiligen Mann eigentlich genau schief gelaufen? Die meisten suchen lieber Trost in einfachen Lösungen:

Man hat es eigentlich gleich gewusst.

Die Männer sind alle, und zwar alle (ausgenommen vielleicht der Dalai Lama) Verbrecher (wie Walter Kollo 1913 sang. Dass er eine unumstößliche Wahrheit mit einer glatten Lüge relativierte, »aber lieb sind sie doch«, ist ein weiteres Indiz dafür, dass Männern nicht zu trauen ist).

Der Mann war falsch, die Frau ist immer die Richtige.

Hört man Frauen über Männer reden, weiß man, was Sartre mit »Die Hölle, das sind die anderen« meinte. Selbst versierte Kriegsberichterstatter würde das nackte Grauen packen angesichts der Plagen und Torturen, die Frauen im Nahkontakt mit Männern durchleiden. Sicher, als Opfer muss man sich irgendwie zur Wehr setzen. Und Frauen sind ja meistens – wenn nicht gar immer – Opfer all jener hässlichen Eigenschaften, mit denen Männer serienmäßig ausgestattet werden. Von Frauen.

Wir wollen hier kein Mitleid schinden, besonders nicht für ein Geschlecht, das seine Interessen erfahrungsgemäß blendend allein durchsetzen kann.

Wir wollen nur die Frage stellen, welchen Sinn es macht, sich ausgerechnet von einem Menschen, von dem man sich so viel erhofft, so wenig zu erwarten. Gleichzeitig auf das Wunderbare zu spekulieren und dabei stets das Schlimmste anzunehmen kostet ja nicht nur eine Menge emotionaler Energie. Wenn Frauen Männern nicht mehr Vertrauensvorschuss gönnen als beispielsweise einer Vogelspinne, erreichen sie nur eines: Sie verursachen selbst jene Enttäuschungen, die sie durch ihr Katastophendenken eigentlich vermeiden wollen. Und das geht so:

Eine Frau lernt einen Mann in einer Bar kennen. Er ist attraktiv, entgegenkommend, unterhaltsam. Sie verabreden sich zu einem Essen. Nachdem die erste Euphorie über den geglückten Fang verflogen ist, kommen ihr jedoch Zweifel. Was, wenn er wieder so eine Enttäuschung ist? Schön, sie haben viel geredet. Aber er hat nicht ein einziges Mal danach gefragt, was sie eigentlich beruflich macht. Und dann die Manieren! Hat nicht mal einen Drink springen lassen. Obwohl er doch die ganze Zeit nach der blonden Bedienung geschielt hat. Wenn sie es recht bedenkt, wird das bestimmt wieder so ein Aufreißer sein, der sie ständig betrügt oder gar wie eine heiße Kartoffel fallen lässt, sobald er hat, was er will – was alle wollen: Sex! Bildet der sich etwa ein, dass sie es sooo nötig hat? Typischer Fall von männlicher Selbstüberschätzung. Denkt, sie ist eine, die man leicht haben kann.

Dem will sie es zeigen und sie tut es. Als sie sich schließlich das nächste Mal treffen, ist sie bereits so geladen, als hätte sie die letzten 30 Jahre mit ihm in einer Einzimmerwohnung verbracht. Seine Witze findet sie nervig, seinen Aufzug spießig und seine Gedanken– die liegen vor ihr wie ein offenes Buch. Sie hat es ja gleich gewusst, weil sie nichts anderes wissen wollte.

Er hatte keine Chance, außer der, ihr wieder einmal zu bestätigen, dass Männer und Frauen einfach nicht zusammenpassen.

So kommt man zwar nicht an den Mann, aber bei allen anderen Frauen blendend an. Zum Frust über erlittene Unbill paart sich bei Frauen oft auch die Lust, im Wettbewerb der Klageweiber Schmerzenskönigin zu sein. Der Verdacht liegt nahe, zumal Frauen über nichts freimütiger sprechen als über die Niederlagen mit den Kerlen. Und zwar auch solche, die sich sonst nicht mal übers Wetter unterhalten könnten, ohne verschiedener Meinung zu sein. Der Seufzer »Typisch Mann!« funktioniert durch alle sozialen Schichten, international und in allen Sprachen als eine Art weibliches Esperanto. Frau versteht und bekommt im Kreise der Bundes- und Leidensgenossinnen, was ihr von männlicher Seite versagt bleibt: Geborgenheit, Mitleid, Solidarität, Verständnis. »Männer sind Schweine!«, heißt der Kanon. Klagen über angeborene Rücksichtslosigkeit, Gemeinheit, Gefühlskälte, Egoismus und die Unfähigkeit, einer Frau die Welt zu Füßen zu legen, ist für die Solistin, was die Klingel für den Pawlowschen Hund: Tröstlich. Es signalisiert, jetzt gibt’s Futter für die verwundete Seele. Wenigstens von weiblicher Seite.

Sicher sind gewisse geschlechtsspezifische Übereinstimmungen in Wesen, Auftreten, Vorlieben und Abneigungen der Männer nicht ganz von der Hand zu weisen. Aber sie beschränken sich darauf, dass die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mann noch im Schlaf die deutschen Fußballmeister seit 1963 auswendig aufsagen kann, vermutlich um einiges höher liegt als der aktuelle Spitzensteuersatz. Alles andere ist Gerücht, Vorurteil und Bremsklotz beim Fischen nach Mr. Right. Es mag tröstlich sein, in ein paar lieb gewonnenen und vermeintlich selbst erlebten Vorurteilen Halt zu finden. Und natürlich ist die schöne Übersichtlichkeit von Witzen wie »Was haben alle Männer in Single-Bars gemeinsam? Sie sind verheiratet.« auch nicht zu verachten. Aber als Unterhaltungsprogramm und nicht als Raster für die Partnersuche.

»Stopp!«, mögen jetzt manche einwenden und können mindestens zehn Freundinnen nennen, die von sich sagen: »Er hat mich eiskalt sitzen gelassen« oder: »Er war einfach bindungsunfähig!« Klingt ja auch allemal besser als »Vielleicht hätte es mich auch genervt, wenn er mir beim ersten Date gleich mit Heiratsplänen gekommen wäre« oder »Na schön, möglicherweise reicht sein Gehalt ja wirklich nicht ganz aus, täglich Rosen regnen zu lassen. Jedenfalls, wenn er seine Wohnung nicht aufgeben will.« Und selbst wenn – was wir nicht verleugnen wollen – eine wieder mal an einen geraten ist, dessen soziale Fähigkeiten nur noch von denen einer Amöbe zu toppen sind – was hilft es, sich in Frauenfrustgesprächen zu ergehen?

Beweinungsgruppen mögen ein willkommenes Ventil sein. Auf Dauer aber machen sie nur mutlos. Sie verhindern, was mit diesem Zweck-Pessimismus erreicht werden soll: positiv überrascht zu werden. Wer ständig nur potenziellen Gefahren ins Auge sieht, bleibt zwar vor unangenehmen Erfahrungen gefeit. Aber er wird auch keine angenehmen erleben.

»Tunnelblick« nennen Psychologen dies Phänomen einseitiger Wahrnehmung. Es verhindert, dass man die Gelegenheiten am Wegesrand erkennt und nutzt. Aus lauter Angst vor einem Hai vorsichtshalber nur in der eigenen Badewanne zu angeln schützt zwar garantiert vor Raubfischen. Aber es beißt eben auch kein anderer an. Und außerdem: Frau kann Männern ja vieles nachsagen. Aber so dämlich sind sie nun auch wieder nicht, sich längerfristig für jemanden zu interessieren, der ihrem Geschlecht das Leumundszeugnis einer Kakerlake ausstellt.

Männer sind übersichtlich

(Zeig mir, was du trägst, und ich sag dir, wer du bist)

Sind die übelsten Vorurteile einmal ausgeräumt, könnte man sich ganz entspannt ans Baggern, Bandeln, Balzen machen. Ohne Angst, jeder Mann sei ein potenzieller Heckenschütze, der aus dem Hinterhalt auf unser Herz zielt, bleibt sehr viel mehr Energie, die Aufmerksamkeit angenehmeren und nützlicheren Dingen zuwenden. Etwa dem Problem, unter den 1001

Möglichkeiten die richtige Auswahl zu treffen. Schließlich ist man nicht hauptberuflich Single und kann sich schon aus zeitlichen Gründen nicht mit allen verabreden, die im richtigen Alter sind.

Selbst wenn man diejenigen abzieht, die verheiratet, zu klein, zu groß, zu dünn oder zu dick sind, bleiben noch eine ganze Menge übrig. Vor allem Fragen, die sich nicht so leicht vorab durch ein ansprechendes Äußeres und ein anregendes Gespräch an irgendeinem Tresen beantworten lassen. Ist er treu? Gut im Bett? Zärtlich? Geizig? Großzügig? Wäre er ein guter Vater? Wie verhält er sich in der natürlichen Beziehungslaufbahn? Wird er sich an der Hausarbeit beteiligen oder muss man ihm erst schonend beibringen, dass Frauen nicht deshalb so kleine Hände haben, damit sie beim Putzen besser in die Ecken kommen? Kurz: Die Solistin will wissen, ob es sich lohnt, sich die Beine zu rasieren. Wäre doch blöd, vier kostbare freie Abende an einen Mann zu vergeuden, der sich später als Fehlinvestition erweist. Jetzt will sie Sicherheit, will an der Verpackung hochrechnen, was drin steckt im Paket »Mann«.

Gut, einiges hat sie sich selbst an Kenntnissen beigebracht. Zum Beispiel, niemals ein zweites Mal mit einem auszugehen, der schon beim ersten Mal die Rechnung »getrennt« ordert. Und jemand, der sein Ego für eine seltene Orchideenart hält, die mehr Aufmerksamkeit braucht als eine ganze Krabbelstube, kommt ihr auch nicht noch mal unter. So ergibt sich zusammengenommen ein ganz hübscher Katalog an Maßstäben. Dieser Wahrnehmungsfilter soll es der Solistin erlauben, die Guten von den Schlechten flugs zu unterscheiden.

Unterstützt wird sie dabei von den Typisierungen der Frauenmagazine, die die Sehnsucht ihres Klientel nach Orientierung im Angebotsdschungel schon wegen der Auflage gern aufgreifen. Natürlich sind diese Zeitschriften durchaus nützlich, aber man muss sie nicht ganz ernst nehmen. Zumal die Kategorisierungen der Spezies »Mann« ohnehin eher in den Spaß-Sektor fallen. Trotzdem – hört man sich in Solistinnen-Kreisen um – suchen nicht wenige Singles sich das Angeln mit ziemlich übersichtlichen Grundsätzen zu erleichtern.

Demnach sind Männer in Tennis-Socken so sexy wie eine Fußmatte, Kerle, die am Samstag zum Fußball gehen, so intelligent wie ein Toast. Jungs, die mit einem »Haben wir uns nicht schon mal gesehen?« aufwarten, sollten – ginge es gerecht zu in der Single-Welt – eigentlich von der Teilnahme am öffentlichen Leben nach 22 Uhr disqualifiziert werden. »Typisch Pascha« heißt es, wenn er ihr die Tür aufhält. Ein »Blender« soll er sein, weil er seinen Mercedes-Schlüssel – und wir sprechen hier von der S-Klasse – nicht in seinem Jackett, sondern auf dem Tisch deponiert. Da soll vom Hobby »Bloß keinen Heimwerker« bis hin zu den Schuhen »Wer italienische Slipper trägt, ist ein Muttersöhnchen« – jede Äußerlichkeit mehr über einen Mann aussagen als er selbst über sich weiß. Unterfüttert wird das Ganze dann mit pseudowissenschaftlichen Studien. Die belegen dann angeblich, dass Männer mit Glatze besonders potent sein sollen. Und solchen, die bei den sieben Zwergen mitspielen könnten, werden Höchstwerte in Sachen »Charme« und »Intelligenz« nachgesagt. Logisch, denn irgendwie müssen die ja ihr Handicap kompensieren. Andererseits: War nicht auch Rumpelstilzchen ein bisschen klein geraten?

Einmal abgesehen davon, dass wir auch nicht begeistert wären, würde man unsere selbstredend komplexe Persönlichkeit in Schubladen von der Größe einer Streichholzschachtel zwängen, sind solche Kriterien nicht nur überflüssig. Mit diesen Rastern wird das Fanggebiet auf Waschbecken-Format verkleinert. Für die dicken Fische bleibt kein Lebensraum mehr übrig. Die schwimmen lieber woanders. Dort, wo man ihnen genug Freiraum zur Selbst-Entfaltung bietet. Also nicht bei Charlotte, 38. Bei ihr lösen nämlich allein Anzüge ähnliche Instinkte aus wie der Buschbrand bei der Antilope: Flucht. »Das ist doch total spießig. Da seh ich doch gleich Bausparvertrag, Rentenversicherung und Urlaub auf Mallorca! Wie furchtbar!«

Charlotte will etwas ganz anderes, »einen Großstadtcowboy«, einen, der Abenteuer und Freiheit liebt, so wie sie. Dies soll er gefälligst auch in seinem Outfit dokumentieren, damit sie gleich weiß, woran sie ist: Jeans und kariertes Hemd. Schwierig in einer Dienstleistungs- und Bankenhauptstadt wie Frankfurt, wo 90 Prozent der Männer schon von Berufs wegen gezwungen sind, in Schlips und gedeckten Farben aufzutreten. Auch die Großstadtcowboys. Zieht man bei den restlichen zehn Prozent diejenigen ab, die verheiratet oder schwul sind (bei dem Outfit mindestens acht Prozent) und dann noch jene, die zwar das richtige Outfit tragen, aber ansonsten zu alt oder zu jung sind, sinkt die Wahrscheinlichkeit, den Mann ihrer Träume zu treffen, in den Promillebereich.

Männer verstehen heißt Männern verzeihen

Jede Anglerin ist anders. Aber eines ist so ziemlich allen gleich: Sie zeichnen sich durch eine außerordentliche Wissbegier aus. Mit der Energie, mit der der Botaniker die gemeine Fruchtfliege studiert, legen sie ihr liebstes Forschungsobjekt unter das Brennglas wissenschaftlicher Neugier: den Mann. Das ist gut so, schon weil wir diesem anspruchsvollen Hobby einen hoffentlich Schwindel erregenden Absatz dieses Buches verdanken. Und es ist verständlich. Man will ja schließlich wissen, mit wem man es zu tun hat. Andererseits stellt sich auch hier die Frage: Was steckt dahinter, wenn Frauen jede noch so absurde Verlautbarung über den Mann so begierig aufnehmen, als handele es sich um eine Formel für reißfeste Nylons? Und: Was bringt es, zu wissen, dass eine unvollständige Ausstattung der linken Hirnhälfte dafür sorgt, dass er sich leider keine Geburtstage merken kann?

Wir haben es ja auch geschafft, irgendwie von den Bäumen zu steigen, und können – trotz vergleichsweise mangelhafter muskulärer Voraussetzungen – einen Reifen wechseln und ein Bild an die Wand dübeln. Außerdem, hat schon mal jemand im Bücherregal eines Mannes Gebrauchsanweisungen à la »Männer sind vom Mars, Frauen von der Venus« gesehen? (Falls doch, hat Ihre Vorgängerin wohl noch einige Altlasten hinterlassen und er war bloß zu faul zum Aufräumen). Und die so genannten Männer-Magazine geben zwar tiefe Einblicke, aber weniger in unser Innenleben. Dennoch gelingt es den Männern auch ohne größere Fortbildungs-Ambitionen in Sachen weibliche Psyche seit Jahrtausenden mit uns zusammenzuleben, und zwar – wie wir meinen – recht angenehm. Zwar kann hier nicht in Abrede gestellt werden, dass es bisweilen hilfreich wäre, sie hätten wenigstens im Aufklärungsunterricht aufgepasst. Schon weil es immer noch Exemplare gibt, die die Klitoris für eine Balkon-Pflanze halten. Trotzdem: Der Drang, unbedingt hinter die männliche Kulisse schauen zu wollen, verschwendet kostbare Zeit, die wir zum Nägellackieren oder bei der »Lindenstraße« sinnvoller verbringen könnten. Und er führt auf eine ganz falsche Fährte. Wozu die ganze Neugier? Was bringt es, zu erfahren, dass er als 10-Jähriger mal ohne Nachtisch ins Bett geschickt wurde? Wollen wir vielleicht alles verstehen, um alles verzeihen zu können? Weil er eine schwere Kindheit hatte, weil seine Mama ihm dreimal das Sandmännchen verwehrt hat und weil Männer eben so sind, wie sie sind? Nehmen wir den Seitensprung. Ist ja nicht seine Schuld, wenn er sich ständig nach anderen umdreht. Das haben ihm seine Vorfahren in die Gene geschrieben. Der Mann muss rausgehen und nach dem Gießkannenprinzip seinen Samen verstreuen, so Anthropologen – und meinen, der Sinn solch hormongesteuerten Tuns läge im Fortbestand der Menschheit. Es habe sich für die Evolution einfach als nützlich erwiesen, dass ein richtiger Mann befruchtet, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Möglich, dass es auch Männer gegeben hat, die bis zehn warteten, aber deren Erbgut habe sich dann eben auch nicht so weit verbreitet und schon gar nicht durchgesetzt.

Womit wir es also heute zu tun haben, sind die direkten Nachfolger des promisken Höhlenbewohners. Und deshalb kann der Mann auch nichts dafür, wenn er emotional noch einen Lendenschurz trägt. Genauso gut könnte man sagen: Warum mögen Männer heute Frauen in Miniröcken? Weil Steinzeitfrauen mit langen Röcken stolperten und dabei die Babys töteten, die lange Röcke gemocht hätten. So ein gängiger Anthropologen-Witz. Trotzdem: Frauen suchen gern nach mildernden Umständen für männliche Mangelerscheinungen. Ganz einfach, um den Mann oder sich selbst nicht als solche betrachten zu müssen. Wenn er nichts dafür kann, dann ist es sicher nicht persönlich gemeint. Besser es hat irgendwas mit Hormonen oder Synapsen zu tun als mit Desinteresse, wenn er sich nicht mehr meldet. Wenn er ständig zu spät kommt oder sich für sie nicht mehr interessiert als für eine tote Maus in der Ecke. Dann muss sie eben noch mehr lesen, um seine subtilen Zeichen richtig zu deuten oder sich beim nächsten Mann optimaler auf ihn und seine besondere Psycho-Struktur einzustellen.

Das ist löblich gedacht. Im Prinzip genügt es aber, sich an der Botschaft von Gertrude Stein zu orientieren. Sie sagte: »Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose.« Entsprechend ist ein Mann ein Mann ist ein Mann und keine Aufforderung in Psychologie zu promovieren. Meist ist es ganz hilfreich, sich beispielsweise eine Freundin zum Maßstab zu nehmen. Würde die regelmäßig zu spät zu Verabredungen kommen, würde man ja auch nicht stundenlang über ihre vermeintlich gestörte Vater-Tochter-Beziehung grübeln.

Hinter männlichem Fehlbetragen steckt nicht mehr als männliches Fehlbetragen, also ungefähr so viel wie zwischen Tapete und Wand. Das für die Balz nützliche Wissen über den Mann lässt sich deshalb auf einige wenige Maximen reduzieren:

Männer gibt es in vielen Erscheinungsformen. Aber eines sind sie sicher nicht: ein Bildungsauftrag.

Es gibt viele Entschuldigungen für ein Fehlbetragen. Die sollte er allerdings selbst vorbringen, und zwar glaubhaft. Das ist das Mindeste, was wir verlangen können.

Sie essen am liebsten Fleisch.

Die Rolle der Mutter Theresa ist schon besetzt.

Resumee: Männer sind auch Menschen

Machen Sie sich locker und gehen Sie die Sache entspannt an. Der Mann an sich ist nicht der natürliche Feind einer jeden glücklichen Beziehung. Es sind immer Einzelne, die unter bestimmten Bedingungen nicht dafür taugen.

Vergessen Sie, was Sie jemals über Männer gehört haben. Fangen Sie ganz von vorne an. Nehmen Sie sie einfach als eine Spezies, über die Sie nichts wissen und noch viel erfahren wollen. Und zwar aus erster Hand und nicht aus den Erfahrungen anderer.

Überprüfen Sie Ihre eigenen »Erfahrungen«. Was war gut und was war schlecht mit Ihren Verflossenen? Und zwar in dieser einmaligen Kombination. Lassen Sie sich nicht dazu verführen, Ihre ganz persönlichen Erfahrungen auf alle Männer dieser Welt hochzurechnen.

Ein Mann soll Sie überraschen? Dann geben Sie ihm auch die Gelegenheit und tun Sie nicht so, als wüssten Sie schon über alles, was er will, was er anstrebt, was er sicher unterlässt, Bescheid. Jeder Mann ist anders und nicht typisch.

Hören Sie auf, sich die Männer zu erklären. Das können die selbst viel besser, und das sollten sie auch ruhig tun. So viel Mühe muss sein.

Kapitel 2Rasterfahndung

Die Anglerin weiß, was sie will: Einen kräftigen, saftigen Fisch mit hohem Omega Fettsäurengehalt und trotzdem leicht bekömmlich. Sieht der Fisch nicht ganz so aus, wie von der Anglerin zurechtgedacht, gibt’s kein Pardon. »Guck dir die Schuppen an, ne, ansonsten alles dufte, aber so Schuppen, nicht mit mir.« Da ist die Anglerin radikal. Egal wie lecker und hübsch der Fisch ist – erreicht er nur 97 von 100 Anerkennungs-Punkten, muss er zurück ins Wasser. Gnadenlos. Schließlich hat sie gelernt und bekommt es von allen Seiten eingeflüstert, dass frau als Anglerin nicht anspruchsvoll genug sein kann. Und daran hält sie sich. Ein Fisch, der vor ihren Augen bestehen will, sollte gleichzeitig kämpferisch und sanft, wohlschmeckend, aber nicht schwer verdaulich, pikant, aber nicht zu scharf, fest, aber nicht zäh im Fleisch, bunt, aber nicht zu schrill sein. Je nach Stimmung und Gelegenheit. Am besten er vereint alle Eigenschaften der gesamten Fischfauna in sich, ist gleichzeitig Lachs und Hering, Kabeljau und Scholle, selbstverständlich ohne Gräten und Haken. Kurz: Der Fisch ihrer Träume soll quadratisch, praktisch und mundgerecht sein. Aber: Klingt das nicht verdammt nach einem Fischstäbchen? Und: Wieso verhält sich die Qualität des Fangs immer umgekehrt proportional zu den eigenen Wünschen?

Warum Frauen wissen, was sie wollen – aber selten bekommen, was sie brauchen!