Jerry Cotton - Folge 3034 - Jerry Cotton - E-Book

Jerry Cotton - Folge 3034 E-Book

Jerry Cotton

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Beschreibung

Als Phil und ich auf dem Airport von Nashville, Tennessee, ankamen, stand uns eine schwierige Aufgabe bevor. Wir sollten einen Gangsterkrieg verhindern. Aus verschiedenen Informationen hatte sich abgezeichnet, dass der McLintock-Clan aus Tennessee sich anschickte, gegen den Lamont-Clan in Kentucky ins Feld zu ziehen. Beweise dafür gab es allerdings nicht. Das änderte sich schnell, als in einer einsamen Hütte drei von Lamonts Männern erschossen aufgefunden wurden ...

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Seitenzahl: 131

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Inhalt

Cover

Impressum

Ohne jede Spur

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2015 by Bastei Lübbe AG, Köln

Verlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian Marzin

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: shutterstock/g-stockstudio

E-Book-Produktion: César Satz & Grafik GmbH, Köln

ISBN 978-3-7325-1620-9

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Ohne jede Spur

»Sieh einer an, wenn das nicht der kleine Ben Lamont ist«, sagte Alexander McLintock abschätzig. »Und natürlich nicht allein, sondern in Begleitung von zwei Babysittern.«

Ben Lamont verzog das Gesicht. McLintock hatte vier Männer dabei.

»Hallo, Alex«, sagte er. »Du hier und nicht bei einer deiner Huren? Hat man dich aus dem Bett gescheucht?«

McLintock zeigte sich unbeeindruckt. »Ihr seid hier in Tennessee, auf dem Gebiet unserer Familie. Was wollt ihr?«

»Das weißt du ganz genau, Rotschopf«, erwiderte Lamont zornig.

»Wie du meinst, Froschfresser, wenn du nicht antworten willst, bitte. Deine Entscheidung. Dann musst du auch mit den Konsequenzen leben«, sagte McLintock und gab seinen Leuten ein Zeichen.

Sofort griffen sie die drei Männer an, die keine Chance hatten.

Wie üblich sammelte ich Phil gegen halb acht vor seinem Apartmenthaus ein. Gut zehn Minuten später erreichten wir das J. Edgar Hoover Building, unseren Arbeitsplatz – oder zumindest das Gebäude, in dem sich unsere Schreibtische befanden.

Seit wir mit Mr High von New York nach Washington gegangen waren, erstreckte sich unser Einsatzgebiet auf die gesamte Ostküste bin hin zum Mississippi. In Washington waren wir eher selten.

Nachdem ich den Jaguar abgestellt hatte, gingen wir auf direktem Weg zu unseren Büros. Dort checkten wir kurz die Nachrichten. Außer ein paar Memos gab es nichts Wichtiges.

»Na denn, auf zu Mr High«, sagte Phil.

»Und zu seiner gut aussehenden Sekretärin«, ergänzte ich.

»Du weißt, dass ich um gebundene Frauen einen Bogen mache«, sagte Phil und lächelte. »Und da werde ich bei ihr auch keine Ausnahme machen. Außerdem ist sie die Sekretärin vom Chef. Da wären Komplikationen vorprogrammiert.«

Ich nickte. »Was dich aber nicht davon abhält, mit ihr zu flirten.«

Phil zuckte mit den Schultern. »Na ja, da ist ja nichts dabei, oder?«

»Komm, gehen wir«, sagte ich.

Vor Mr Highs Büro saß niemand. Dorothy war nicht an ihrem Platz.

»Dann musst du heute wohl aufs Flirten verzichten«, sagte ich.

Phil grinste. »Kein Problem. Auch wenn du mir das vielleicht nicht abkaufst.«

»Was ist kein Problem?«, ertönte auf einmal Dorothys Stimme.

Sie kam mit ein paar Akten den Flur entlang und lächelte uns an. »Sorry, wo sind nur meine Manieren geblieben? Guten Morgen.«

»Guten Morgen«, sagte Phil freundlich. »Ist er da?«

Sie nickte. »Als ich vor ein paar Minuten wegging, war er es zumindest noch.«

Ich grüßte sie ebenfalls und wartete einen Augenblick darauf, dass Phil noch etwas sagte. Er hatte aber wohl keinen coolen Spruch auf Lager, sondern drehte sich um und klopfte an die Tür von Mr Highs Büro.

Unser Chef, der Leiter der Field Operation Section East, saß an seinem Schreibtisch und winkte uns zu sich herein. Wir folgten der Aufforderung, begrüßten ihn und setzten uns.

»Einen Augenblick«, sagte er und tippte noch etwas auf seiner Computertastatur. »So, das wäre erledigt. Guten Morgen, meine Herren. Es gibt Arbeit.«

Phil zeigte sich erfreut. »Das ist gut. Worum geht es?«

Mr High schaute ihn an. »Diesmal wird es Ihre Aufgabe sein, Verbrechen zu verhindern, bevor sie geschehen.«

Phil schaute ihn überrascht an. »Das hört sich interessant an.«

»Schon mal von der Lamont- oder der McLintock-Familie gehört?«, fragte Mr High uns.

»Glaube nicht«, erwiderte Phil.

»Die Namen kommen mir bekannt vor, aber es klingelt nicht«, sagte ich.

Mr High nickte. »Die Lamonts sind eine Familie mit Sitz in Louisville, Kentucky. Reich geworden sind sie mit Drogen, Glücksspiel und anderen illegalen Tätigkeiten. Inzwischen besitzen sie auch einige legale Unternehmen, inklusive Pferdezucht, was in Kentucky für wohlhabende Leute wohl fast zum guten Ton gehört. Etwas weiter südlich, in Nashville, Tennessee, residiert die McLintock-Familie. Auch eine Familie von Verbrechern, die in ähnlichen Geschäftszweigen tätig ist. Bisher war die Grenze zwischen Kentucky und Tennessee gleichsam die Grenze ihrer beiden Gebiete. Jeder blieb auf seiner Seite. Jetzt aber sieht es so aus, als wollten beide Seite expandieren.«

Ich nickte. »Und das bedeutet Krieg.«

»Genau«, stimmte Mr High mir zu. »Und viele Opfer. Dabei interessieren mich weniger die Verbrecher, die auf beiden Seiten tätig sind, als all die Opfer, die mit keiner von beiden Seiten etwas zu tun haben. Eine solche Auseinandersetzung führt gewöhnlich zu Kollateralschäden. Die gilt es zu vermeiden. Und genau das ist Ihre Aufgabe.«

»Sollen wir etwa als Schlichter auftreten?«, fragte Phil überrascht.

»Unternehmen Sie, was auch immer nötig ist, um den Schaden zu begrenzen«, antwortete Mr High. »Wie gesagt, es geht mir vor allem um Kollateralschäden. Wenn Sie es schaffen, die beiden Familien aus dem Verkehr zu ziehen, kein Problem, machen Sie das. Das wird aber wahrscheinlich nicht einfach sein. Es würde aber auch reichen, wenn Sie den Grund für die Übergriffe herausfinden und die Sache einfach beruhigen. Dabei koordinieren Sie die Arbeit der Field Offices von Louisville und Nashville. Die dortigen Leiter sind bereits über Ihr Eintreffen informiert worden.«

»Hört sich interessant an«, sagte ich. »Wir sollten uns erst mal alle Informationen über die beiden Familien aneignen und dann schauen, wer hinter dem Zwist steckt. Vielleicht ein paar junge Familienmitglieder, die sich ihre Sporen verdienen wollen und jetzt auf Konfrontationskurs sind.«

»Vielleicht«, sagte Mr High. »Ein paar Informationen liegen bereits vor, aber die Kollegen vor Ort werden Ihnen sicher noch mehr erzählen können. Es ist nicht so, dass ich ihnen nicht zutraue, die Situation zu lösen, aber es wäre mir lieber, wenn jemand mit Erfahrung die Aktionen koordiniert.«

»Geht klar, Sir«, sagte ich.

»Miss Taylor hat ein paar Unterlagen für Sie zusammengestellt«, sagte er. »Sie kümmert sich auch um die Flugtickets. Koordinieren Sie das bitte mit ihr. Ansonsten: Viel Erfolg!«

»Danke, Sir«, sagte Phil.

Wir verabschiedeten uns und verließen sein Büro.

Phil wandte sich an Dorothy. »Und Sie kümmern sich wie immer liebevoll um unseren Flug, Dorothy?«

Sie nickte. »In der Tat. Wann wollen Sie fliegen? So schnell wie möglich? Ich habe mich schon informiert. Es gibt heute noch zwei Verbindungen: eine am Nachmittag und eine am Abend. Natürlich beide vom Ronald Reagan.«

Phil schaute mich an. »Spricht irgendetwas gegen den früheren Flug?«

Ich schüttelte den Kopf. »Von meiner Seite nicht. Wenn du nichts Wichtiges zu erledigen hast, wie etwa deine Spesenabrechnung, können wir schon am Nachmittag fliegen.«

Phil winkte ab. »Nein, wenn es darum geht, ein paar Gangsterfamilien aus dem Verkehr zu ziehen und Leben zu retten, muss der Papierkram leider warten.«

»Na dann, den ersten Flug bitte«, sagte ich zu Dorothy.

***

Unser Flug vom Reagan Airport ging pünktlich ab. Wir hatten ein wenig Zeit, uns zu entspannen und die Unterlagen zu sichten.

»Die beiden Familien sind dort unten recht bekannt«, meinte Phil. »Die Lamonts stammen von französischen Siedlern ab. Es geht das Gerücht, dass es ihre Vorfahren waren, die der Stadt Louisville zu Ehren des französischen Königs Ludwig XVI. ihren Namen gegeben haben. Und natürlich sind sie auch in der Pferdezucht aktiv, haben einen guten Rennstall.«

»Hört sich ja richtig nett an«, sagte ich.

Phil nickte und verzog das Gesicht. »Das ist die offizielle Variante. In ein paar versteckten Ecken des Internets ist aber auch von den Drogenküchen und Anbaugebieten von Gras in den ländlichen Gegenden von Kentucky die Rede. Da sollen die Lamonts ebenfalls ihre Finger drin haben. Und im Handel mit Oxy, Oxycodon, einem Medikament, bei dem sie über geschmierte Ärzte Rezepte ausstellen lassen und das sie dann an Abhängige verkaufen. Ein lukrativer Geschäftszweig.«

»So viel zum schönen Schein und der weniger schönen Realität«, sagte ich. »Und die McLintocks? Die sind sicher nicht französischer Abstammung, nicht wahr?«

Phil lächelte. »Nein, sicher nicht. Eher schottischer. Wobei das von ihnen wohl nicht so sehr betont wird. Keine Ahnung, warum. Jedenfalls geben auch sie sich Mühe, ein sauberes Image zu pflegen. Allerdings steckt dahinter genau so viel Dreck wie bei den Lamonts. Sie machen im Grunde das Gleiche, wobei ich nicht gesehen habe, dass bei ihnen Prostitution erwähnt wird. Bei den Lamonts schon, das hatte ich vergessen zu erwähnen.«

»Ja, die klassische Kombination«, sagte ich. »Sonst noch etwas Wissenswertes?«

»Die McLintocks nutzen den Erfolg der Musikstadt Nashville quasi als Parasit, sie versorgen nämlich die gesamte Branche mit Drogen«, fuhr Phil fort. »Es gab einige mehr oder weniger unbekannte Musiker, Produzenten und so, die daran gestorben sind. Ein paar Blogger machen die McLintocks dafür verantwortlich.«

»Wobei es keine Beweise gibt«, sagte ich. »Zumindest nicht laut den Akten. Es ist den lokalen Polizeikräften und dem FBI gelungen, ein paar kleinere Fische aus dem Verkehr zu ziehen, an die Familien selbst ist bisher aber niemand herangekommen. Die haben sich immer ziemlich bedeckt gehalten.«

»Bisher«, meinte Phil. »Möglicherweise treibt der Zwist sie ja jetzt aus ihrer Deckung heraus. Wir müssen dann nur dafür sorgen, dass wir das mitbekommen, dann können wir sie vielleicht festnageln.«

»Möglich«, sagte ich nachdenklich. »Wobei unsere oberste Priorität die ist, Kollateralschäden zu verhindern. Und die werden kaum zu vermeiden sein, wenn die beiden Familien in den Krieg ziehen. So gerne ich sie vor Gericht bringen würde, muss ich Mr High recht geben: Die Sicherheit der unbeteiligten Bürger geht vor.«

»Klar«, sagte Phil. »Vielleicht schaffen wir es, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden. Wir brauchen nur etwas Glück. Wenn die Kollegen vor Ort etwas haben, das uns weiterbringt, können wir es vielleicht schaffen, großen Schaden zu verhindern und zumindest ein paar der Familienmitglieder zu verhaften.«

»Mag sein«, sagte ich und steckte die Akte weg. »Der Flug dauert noch gut eine Stunde. Da werde ich mich etwas entspannen. Vielleicht kommt mir eine gute Idee.«

»Dem schließe ich mich an«, sagte Phil und holte ein Buch heraus.

***

Als wir in Nashville gelandet waren, gingen wir zum Ausgang, wo uns bereits zwei FBI-Agents erwarteten.

»Guten Abend, Sir, Special Agent William Tazel«, begrüßte mich der Erste und schüttelte mir die Hand. »Sie können mich auch einfach Will nennen, wir sind hier in Nashville nicht so förmlich wie an der Ostküste.«

»Guten Abend, das ist Inspektor Phil Decker, ich bin Inspektor Jerry Cotton«, stellte ich uns vor.

Ich setzte bewusst darauf, dass es für die Erledigung unserer Aufgabe besser war, eine gewisse Distanz aufrechtzuerhalten.

»Special Agent Mike Matthews«, stellte sich der andere vor, dem wir ebenfalls die Hand schüttelten.

»Sollen wir Sie zum Field Office fahren oder direkt zum Hotel?«, fragte Agent Tazel.

»Zum Field Office«, antwortete ich. »Wir wollen heute noch mit der Arbeit loslegen. Wissen Sie, ob Mr Calhan noch dort ist?«

Der Agent lächelte. »Sicher, er weiß ja, dass Sie kommen. Außerdem wohnt er mehr im Büro als in seinem Haus.«

»Prima, dann können wir gleich mit ihm reden«, sagte Phil. »Fahren wir los!«

Wir folgten den beiden Agents zu ihrem Wagen, stiegen ein und fuhren los. Es wurde langsam dunkel und die vielen Neonlichter der Geschäfte zeigten uns eine lebendige Stadt.

»Mögen Sie Countrymusic?«, fragte Agent Matthews.

»Es geht«, erwiderte Phil.

»Schade«, sagte der Agent. »Sie befinden sich hier im Herzen dieser Musik. Nashville ist das Zentrum. Hier gibt es Hunderte von Musikstudios, Plattenlabels und natürlich auch Künstler. Musiker kommen aus der ganzen Welt hierher, um ihre Alben aufzunehmen.«

»Ja, das ist uns nicht entgangen«, sagte Phil. »Wenn etwas Zeit ist, werden wir uns gerne mal die Stadt anschauen und in den Musikgeschäften rumstöbern. Die gibt es hier doch sicher auch, oder?«

Agent Tazel lächelte. »Und ob! Mike kann Ihnen einige gute Läden empfehlen. Er kennt sich da aus. Neben seiner Tätigkeit als Agent ist er nämlich auch Musiker, ein sehr begabter sogar.«

Agent Matthews zeigte sich ein wenig schüchtern. »Mensch, Will, jetzt übertreibst du wieder einmal. Außerdem wollen die Inspektoren sicher nichts davon hören.«

»Es ist gut, wenn man als Agent ein Hobby hat, als Ausgleich zur Tätigkeit beim FBI«, sagte ich. »Und Musiker, das ist echt klasse. Welches Instrument spielen Sie denn?«

»Gitarre«, antwortete Agent Matthews. »Wobei ich eigentlich Sänger bin. Aber das allein reicht ja meistens nicht, man muss auch mindestens ein Instrument spielen.«

Phil lenkte die Konversation auf ein anderes Thema. »Die McLintocks sollen ja auch im Musikgeschäft aktiv sein. Was können Sie uns über die erzählen?«

»Musikgeschäft?«, erwiderte Agent Tazel sarkastisch. »Kann man so sagen. Sie versorgen die Branche mit Stoff. Zumindest nehmen wir das an. Beweisen konnten wir bisher nichts. Die McLintocks gehören zum alten Gangsteradel der Gegend. In Nashville haben sie ihren Hauptsitz, aber sie sind fast in ganz Tennessee aktiv.«

»Und nicht einmal das FBI hat es geschafft, einen von ihnen vor Gericht zu bringen?«, fragte ich zweifelnd.

Der Agent schüttelte den Kopf. »Nein, nicht mal wir. Als Calhan die Leitung des Field Office vor ein paar Jahren übernommen hatte, hielt er vor allen Agents eine Rede. Dabei war eines seiner erklärten Ziele, die McLintocks hinter Gitter zu bringen. Er hat sich wirklich Mühe gegeben und viel versucht. Aber immer wenn wir dachten, dass wir sie haben, haben sie sich aus der Affäre gezogen.«

»Und wie? Glauben Sie, dass sie Leute beim FBI haben?«, fragte Phil direkt.

»Schwer zu sagen«, antwortete Agent Matthews. »Bei all dem, was vorgefallen ist, wäre das gut möglich. Die McLintocks haben vor allem eines: Geld. Damit schmieren sie jeden, der gegen sie aussagen könnte. Und wenn das nicht klappt, drohen sie ihm. Sie glauben nicht, wie viele Zeugen schon ihre Aussagen geändert haben. Natürlich wissen wir, dass die McLintocks dahintersteckten, aber wir konnten nichts dagegen unternehmen. Ich muss gestehen, ich glaube schon fast nicht mehr daran, dass wir sie irgendwann kriegen. Aber jetzt, wo Sie aus Washington hier sind, wer weiß, geschieht vielleicht ein Wunder.«

»Wunder sind unsere Spezialität«, meinte Phil. »Aber mal im Ernst. Unsere Aufgabe besteht vor allem darin, einen Krieg zwischen den McLintocks und den Lamonts zu vermeiden.«

»Tatsächlich?«, stieß Agent Tazel überrascht aus. »Das ist doch das Beste, was uns passieren kann. Die legen sich gegenseitig um, wir haben weniger Arbeit und sind sie los.«

»Das wäre bestimmt nicht schlecht«, sagte ich. »Es geht auch nicht darum, die Gangster zu schützen. Unser Chef befürchtet, dass ein Krieg zwischen den beiden Familien eine Menge Kollateralschäden mit sich bringen würde. Unsere Aufgabe ist es, diese zu verhindern. Wir arbeiten, das darf man nie vergessen, für die Bürger dieses Landes, deren Schutz uns anvertraut ist. Das ist unsere oberste Priorität. Gangster verfolgen oder bekämpfen wir nur, um das zu erreichen.«

»Interessanter Gesichtspunkt«, sagte Agent Tazel. »Und natürlich haben Sie recht. Wobei man auch bedenken muss, wie viel Schaden diese Gangster anrichten, wenn man sie nicht aus dem Verkehr zieht oder sie sich nicht gegenseitig aus dem Verkehr ziehen. Haben Sie daran schon gedacht?«

»Das ist ein wichtiger Punkt, den Sie da ansprechen«, sagte ich. »Natürlich sollte man das auch berücksichtigen. Und wenn wir eine realistische Chance sehen, eine der Familien oder alle beide vor Gericht zu bringen, ohne zu viele Zivilisten dabei zu gefährden, werden wir die auch ergreifen. Glauben Sie mir, auch wir verhaften Kriminelle sehr gern.«

»Und ob«, fügte Phil hinzu. »Das ist eigentlich mein Hobby.«

»Dann bin ich gespannt, was passieren wird, während Sie hier in Nashville sind. Ihnen eilt ja ein gewisser Ruf voraus. Sie haben schon viele Dinge fertiggebracht, die mancher für unmöglich halten würde.«

Phil lächelte. »Ja, wie gesagt, Wunder sind unsere Spezialität. Wobei es im Grunde natürlich nur grundsolide Polizeiarbeit ist, der wir unsere Erfolge zu verdanken haben, nicht irgendeine Magie.«

»Das glaube ich gern, Sir«, sagte Agent Tazel. »Aber manche Leute haben es eben drauf. Und Sie fallen offenbar in diese Kategorie.«

Ich lächelte. »Dann wollen wir mal hoffen, dass wir Sie nicht enttäuschen.«

***

Als wir wenig später das FBI Field Office Nashville erreichten, brachten uns die beiden Agents auf direktem Wege zum Büro von Theo Calhan. Er war ein Weißer, mit Sommersprossen im Gesicht sah er harmlos aus. Ich wusste aber, dass er ein guter Kriminalist und untadeliger FBI-Mann war.