Jerry Cotton - Folge 3071 - Jerry Cotton - E-Book

Jerry Cotton - Folge 3071 E-Book

Jerry Cotton

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Beschreibung

Es begann mit antiamerikanischen Demonstrationen in Washington, in denen den USA die Strafe Allahs angedroht wurde. Sie sollte in Form einer Seuche das Land heimsuchen. Nichts wirklich Besorgnis erregendes. Doch dann wurde das FBI informiert, dass ein Behälter mit gentechnisch modifizierten Pest-Erregern aus einem Labor verschwunden war. Das bedeutete höchste Alarmstufe! Phil und ich nahmen die Ermittlungen auf und wollten als erstes mit dem Wissenschaftler sprechen, der die Pest-Erreger entwickelt hatte, aber Allan Branfield war spurlos verschwunden ...

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Seitenzahl: 129

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Inhalt

Cover

Impressum

Jeder hat seinen Preis

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2016 by Bastei Lübbe AG, Köln

Verlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian Marzin

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Film: »Wallanders letzter Fall«/ddp-images

E-Book-Produktion: César Satz & Grafik GmbH, Köln

ISBN 978-3-7325-2866-0

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Jeder hat seinen Preis

Rush Hour in Washington, D.C. …

Es herrschte Hochbetrieb in der Capitol South Metro Station. Abertausende drängten nach Büroschluss in die Züge der Subway.

Ein halbes Dutzend maskierter Gestalten drängte sich brutal durch die Menge.

»Allah straft Amerika!«, rief einer der maskierten Männer. Nur die Augen ließ der Schlitz der schwarzen Sturmhaube frei.

Seine behandschuhte Rechte griff in einen Plastikbeutel. Er zog den blutigen Kadaver einer Ratte hervor und schleuderte ihn von sich.

Schreie gellten. Menschen stoben auseinander. Weitere Rattenkadaver flogen durch die Luft.

»Die Pest wird die gottlosen Amerikaner ausrotten!«, rief die heisere Männerstimme des Maskierten, der eine weitere Ratte in die Menge schleuderte. Rattenblut spritzte durch die Gegend. »Amerika soll verrecken!«

Mr High deutete auf den großen Flachbildschirm in seinem Büro. Er hatte soeben die Aufzeichnung einer Überwachungskamera angehalten. Ein Standbild zeigte jetzt einen maskierten Mann, der tote Ratten auf völlig verschreckte Passanten warf und dabei wirre, pseudoreligiöse Parolen rief.

»Sie haben vielleicht ähnliche Bilder bereits in den Medien gesehen«, sagte der Leiter der Field Operation Section East. »Diese hier stammt von der Capital South Metro Station, aber Derartiges hat sich gestern am späten Nachmittag kurz nach Büroschluss in einem halben Dutzend Städten an der Ostküste abgespielt.«

»Ich habe davon gehört«, sagte mein Partner Phil.

»Die Nachrichten waren voll davon«, ergänzte ich.

Mr High nickte. »Genau das Gleiche hat sich in Subway-Stationen in New York, Philadelphia, Baltimore, Atlanta und Miami abgespielt. Maskierte werfen tote Ratten in die Menge und behaupten, dass sie mit Pest-Erregern verseucht seien. Nur Stunden später tauchten Propaganda-Videos im Internet auf, die diese Szenen verwendeten, um islamistische Drohungen gegenüber den USA zu bekräftigen.«

»Hatten die Täter Zugang zu dem Videomaterial der Überwachungskameras?«, fragte Phil. »Oder haben sie sich später aus den Medien bedient?«

»Nein, Letzteres wäre zu spät gewesen. Die Internet-Videos sind sorgfältig produziert. Unsere Spezialisten waren bereits an der Sache dran und haben festgestellt, dass zum Beispiel peinlich genau darauf geachtet wurde, dass alles, was die Identifikation der Täter erleichtern könnte, herausgeschnitten wurde.«

»Woher stammt das Material dann?«, fragte Phil.

Mr High betätigte die Fernbedienung und zeigte uns einen dieser Clips. Wieder waren Maskierte zu sehen, die Ratten warfen. Aber diesmal waren nicht die Stimmen der Täter selbst zu hören. Stattdessen war der Clip mit Musik unterlegt und ein Sprecher aus dem Off kündigte den nahen Untergang Amerikas an.

»Das Land der Gottlosen wird entvölkert werden! So will es Allah! Die Pest kehrt zurück. Sie ist die Geißel Allahs, und jetzt schlägt er damit die Ungläubigen!«, sagte der Sprecher.

»Ist das mit Absicht so wackelig?«, fragte ich.

Mr High drehte sich kurz zu mir um. »Sie sprechen einen wichtigen Punkt an, Jerry.«

»Sie meinen, dass die Täter eigene Kameraleute hatten?«, vermutete ich. »Die Bilder aus den Überwachungskameras waren nicht so wackelig.

»Genau das vermuten unsere Experten auch«, bestätigte Mr High. »Es wird sich noch herausstellen, ob das zutrifft.«

»Kameras sind inzwischen so klein, dass sie kaum noch zu bemerken sind«, warf Phil ein.

»Trotzdem werden die Aufnahmen der Überwachungskameras jetzt dahingehend untersucht, ob irgendwo verdächtige Personen zu erkennen sind, die die Szene filmen«, erläuterte Mr High. »Ich weiß, dass das eine schwierige Suche ist, aber vielleicht ein Ansatzpunkt, um die Identität dieser Leute herauszufinden.«

Ich hatte das unbestimmte Gefühl, dass hinter der Sache noch etwas mehr stecken musste. Etwas, womit Mr High bis jetzt noch nicht herausgerückt war.

»Entscheidend ist diese Stelle«, sagte Mr High und spulte das Propaganda-Video etwas weiter vor. An dieser Stelle schwoll die Hintergrundmusik etwas an. Man sah, wie die Passanten in heller Panik auseinanderstoben, während weitere Kadaver durch die Luft flogen und auf dem Bahnsteig landeten. Ein Mann in einem hellen Regenmantel hatte einen der blutigen Kadaver abbekommen. Danach waren blutrote Schmierflecken an seinem hellen Mantel, vor allem am Ärmel, denn er hatte den Rattenkadaver mit dem Arm abzuwehren versucht.

»Auch eure Medizin wird euch nicht helfen! Kein Antibiotikum schützt euch vor dieser Pest, denn Allah will, dass ihr alle untergeht«, sagte der Sprecher aus dem Off. Der Akzent erinnerte mich unwillkürlich an jemanden. Texas, dachte ich. Der Sprecher stammt aus Texas, oder er versuchte gezielt den Eindruck zu erwecken. Auch das hielt ich für möglich.

»Sie werden den Akzent des Sprechers bemerkt haben«, sagte Mr High.

»Erinnerte mich an Dr. Willson in Quantico«, gab ich zurück. Willson war der Gerichtsmediziner unseres Scientific Research Team in Quantico.

Mr High lockerte etwas den Sitz seiner Krawatte und nickte dann. »Unsere Experten sind sich noch nicht sicher, ob dieser Akzent wirklich echt ist. Er scheint etwas übertrieben und dient vielleicht nur dazu, die wahre sprachliche Färbung des Sprechers zu verschleiern.«

»Beten wir dafür, dass das nur irgendwelche Wichtigtuer sind, denen es lediglich darum geht, in die Medien zu kommen«, meinte Phil. »Aber spätestens nach den Ergebnissen der Tests an den Ratten wird man ja wissen, ob das der Fall ist.«

Ein Telefon auf Mr Highs Schreibtisch klingelte.

Unser Chef nahm ab. Nachdem er einige Augenblicke zugehört hatte, fragte er: »Und Sie sind ganz sicher?« Eine weitere Pause folgte. »Gut, ich danke Ihnen«, fuhr unser Chef anschließend fort und legte auf. Dann wandte er sich wieder Phil und mir zu. »Die Testergebnisse aus New York City liegen vor – dort zumindest mit negativem Ergebnis.«

»Immerhin!«, meinte ich.

»An den Rattenkadavern wurden keine Yersinia-Pestis-Bakterien gefunden, und nach Ansicht der dortigen Mediziner hatten die Tiere auch keinerlei Symptome einer Pest-Infektion.«

»Woran starben sie dann?«, fragte ich.

»Rattengift. Da sind sich die Kollegen ziemlich sicher.«

»Wahrscheinlich haben die Täter sie vergiftet, um sie für ihre Show einsetzen zu können«, glaubte Phil.

»Der entscheidende Punkt ist folgender«, erklärte Mr High und verschränkte dabei die Arme. »Wir wissen, dass es sich nicht nur um eine leere Drohung handelt.«

»Wie soll ich das verstehen?«, fragte ich.

Mr High hob die Augenbrauen. »Was ich Ihnen jetzt sage, ist noch top secret und der eigentliche Grund, dass wir in diesem Fall eingesetzt werden und nicht die FBI Field Offices vor Ort. Die Sache ist so brisant, dass die vorerst nicht einmal eingeweiht sind.«

»Worum geht es?«

»Vor wenigen Tagen ist aus einem gentechnischen Labor ein Präparat entwendet worden, das Pest-Bakterien enthält. Das wäre an sich nicht so schlimm. Die Pest ist heute mit Hilfe von Antibiotika in den meisten Fällen heilbar, und bei einem einigermaßen gut ausgebildeten Gesundheitssystem ist der Ausbruch einer Epidemie nahezu ausgeschlossen. Bei diesem Erreger-Typ verhält sich das allerdings anders. Er wurde gentechnisch verändert und ist angeblich resistent gegenüber allen bekannten Antibiotika.«

»Was ist das für ein Gen-Labor?«, fragte ich. »Eine Bio-Waffen-Schmiede der Army?«

»Es nennt sich Dennison-Carelli Institute of Genetic Research und gehört der Firma Dennison-Carelli Inc., die eine ganze Reihe von Bio-Technologie-Firmen, Labordienstleistern und Forschungsinstituten betreibt, teilweise in Kooperation mit Universitäten, Kliniken, dem Militär oder interessierten Privatfirmen. Der Diebstahl des Erregers soll so lange wie möglich geheim gehalten werden, um Panikreaktionen zu vermeiden und dem oder den Tätern nicht unnötig Fahndungswissen zukommen zu lassen.«

»Wenn diese maskierten Rattenwerfer dahinterstecken, wird sich bald jemand melden, der auch den Diebstahl bekannt gibt«, stellte ich fest.

Mr High nickte. »Auch deswegen bleibt uns nicht viel Zeit.«

»Wieso ist das bisher noch nicht geschehen?«, fragte Phil und sprach damit eine Frage aus, die auch mir auf der Zunge gelegen hatte. »Ich meine, wenn es diesen Wahnsinnigen darum geht, möglichst viel Schrecken zu verbreiten, dann wäre das doch die ideale Gelegenheit!«

»Ja, darüber habe ich mit einem Terrorismusexperten in Quantico gesprochen. Es könnte sein, dass man hier bewusst eine andere Strategie verfolgt.«

»Und welche?«, hakte ich nach.

»Stufe eins: Man sorgt mit Aktionen, wie sie in den Subways der großen Ostküstenstädte stattgefunden haben, für Verunsicherung und Medienaufmerksamkeit. Sowohl die Täter selbst als auch die Verbreiter der Propaganda-Videos lassen keinen Zweifel daran, dass sie das Ziel hatten, resistente Pest-Bakterien zu verbreiten. Aber noch glaubt das niemand. Erste Testergebnisse sind negativ. Es scheint sich um leere Drohungen zu handeln. Danach lässt man die Bombe platzen und verbreitet die Nachricht von dem Verschwinden des resistenten Erregers. Die Behörden werden erst dementieren, aber mit jedem Tag unglaubwürdiger werden. Die Terroristen haben ihr Ziel erreicht: maximale Verunsicherung. Landesweit wird dann eine starke mediale Aufmerksamkeit für dieses Thema da sein, und selbst wenn alle Testergebnisse negativ sein sollten, wird man von nun an wissen, dass sich so etwas jederzeit wiederholen kann. Und dann unter Einsatz des gestohlenen Erregers.«

»Kompliziert, aber perfide«, meinte ich.

»Wie gesagt, es ist eine Theorie – allerdings die Theorie eines erfahrenen Experten, Dr. Rutland Garvey. Sie werden sicher noch Gelegenheit bekommen, mit ihm zu sprechen.«

Abermals klingelte eines der Telefone auf Mr Highs Schreibtisch. »Sie entschuldigen mich einen Moment«, sagte unser Chef und nahm das Gespräch entgegen. Einige Augenblicke hörte Mr High einfach nur schweigend und mit dem Hörer am Ohr zu, ehe er schließlich erklärte: »Die Inspektoren werden gleich bei Ihnen sein. Nein, warten Sie mit allem, was Sie tun, bis Jerry und Phil bei Ihnen sind, Dr. Willson.« Mr High legte auf und wandte sich wieder uns zu. »Das war Dr. Willson. Er wartet bei dem Labor auf Sie, das ich Ihnen gerade genannt habe. Willson scheint etwas überpünktlich zu sein. Aber umso besser.«

Ich sah Phil kurz an.

Das, so wussten wir, war das Signal zum Aufbruch.

***

Man musste vom J. Edgar Hoover Building aus westwärts bis an den Rand von Washington, D.C. fahren, um zu dem Gelände zu gelangen, auf dem das gentechnische Labor zu finden war.

Kein Hinweisschild deutete darauf hin, was in mehreren kastenförmigen Gebäudekomplexen auf dem Gelände eigentlich genau getrieben wurde. An der Einfahrt zum Gelände stand ein schlichtes Firmenschild und der Hinweis, dass man Mitglied in einem Interessenverband der chemischen Industrie war.

Dass es hier offenbar um eine sehr sensible Einrichtung ging, bekamen wir schon an der Einfahrt mit. Unser Wagen wurde kontrolliert und Phil und ich mussten aussteigen, um ebenfalls durchsucht zu werden. So kontrolliert, gelangten wir immerhin schon einmal zum Parkplatz. Dort stellte ich meinen Jaguar ab. Wir stiegen aus und kamen dann über eine weitere Sicherheitsschleuse auf das eigentliche Firmengelände.

Eine blonde Frau mit grünen Augen und einer strengen Knotenfrisur nahm uns in Empfang. Ihr schneeweißer Kittel passte zu ihrer adretten Erscheinung und der klinisch reinen Umgebung. »Ich bin Dr. Francine Daynor. Sie sind die FBI-Inspektoren, die uns angekündigt worden sind.«

»So ist es«, sagte ich und hielt ihr meine ID-Card entgegen, Phil ebenfalls.

»Man wird hier ja gründlicher durchsucht als an jedem Flughafen », meinte Phil.

»Wir beschäftigen uns hier mit hochsensiblen Dingen, Inspektor Decker«, sagte Dr. Daynor, wobei sie ihren Kopf nach hinten legte, was ihr einen etwas überheblichen Gesichtsausdruck gab. »Ich bringe Sie jetzt zu unserem Forschungsleiter. Ihr Kollege Dr. Willson wartet dort schon sehnsüchtig auf Ihre Ankunft.«

Dr. Daynor ging vor uns her und führte uns durch blitzblanke, steril wirkende Flure. Männer und Frauen in weißen Kitteln kamen uns entgegen. Ihre Gespräche verstummten, sobald sie auf uns aufmerksam wurden.

Anscheinend wirkten Phil und ich in diesem abgeschlossenen Reich der Wissenschaft wie ein Fremdkörper.

Phil warf mir einen kurzen Blick zu und ich wusste, dass er dasselbe über Dr. Daynor dachte, was auch mir durch den Kopf ging: Mit der war nicht zu spaßen.

»Ich hoffe, dass Sie von nun an diesem Fall die nötige Priorität widmen«, sagte sie. »Bisher hatte ich diesen Eindruck allerdings noch nicht.«

»Das tut mir leid, Ma’am«, sagte ich.

»Es geht hier um einen der brisantesten Diebstähle aller Zeiten. Jemand ist in den Besitz von unvorstellbar gefährlichem Probenmaterial gekommen und es steht zu befürchten, dass dieses Material in die Hände von Organisationen gelangt ist, die bereit sind, dieses Material vollkommen hemmungslos als Waffe und Erpressungsmittel einzusetzen.«

Wir blieben vor einer Tür stehen.

»Sie können vollkommen sicher sein, dass auch das FBI diesem Fall die notwendige Priorität gegeben hat, Dr. Daynor«, versicherte ich. »Und Sie können ebenfalls sicher sein, dass wir alles tun werden, um jeglichen Schaden abzuwenden, soweit dies in irgendeiner Form in unserer Macht steht.«

Dr. Daynor hob die Augenbrauen. »Große Worte, Inspektor Cotton. Sie werden sich daran messen lassen müssen.«

»Das ist mir bewusst«, erklärte ich.

»Und jetzt geben Sie mir bitte Ihre Smartphones«, verlangte die Angestellte des Dennison-Carelli Institute.

»Wir sind im Dienst«, sagte ich ernst. »Unsere Handys werden wir keinesfalls aus der Hand geben.«

»Es tut mir leid, aber das ist hier so Vorschrift. Ihre Waffen können Sie bei sich behalten, aber nicht Ihre Smartphones.«

»Wie gesagt, das mögen Ihre Regeln sein, aber die gelten nicht für uns«, erklärte ich mit Nachdruck. »Im Übrigen sind wir hier, um das Verschwinden eines Wissenschaftlers sowie einiger Proben mit höchst infektiösem Material aufzuklären. Diese Kombination bedeutet, dass es sich um einen Fall handelt, der die nationale Sicherheit betrifft.«

Dr. Daynor machte ein leicht verächtliches Gesicht. »Ich persönlich glaube Ihnen sofort, dass Sie nicht hier sind, um irgendwelche Forschungsergebnisse zu stehlen …«

»Ihr Vertrauen ehrt uns ja richtig«, ließ sich Phil mit einem etwas galligen Unterton vernehmen.

»… aber es wäre durchaus möglich, dass jemand Ihre Smartphones gehackt und übernommen hat. Diese Geräte lassen sich dann als Spionageinstrumente erster Güte verwenden. Zum Beispiel, um den Inhalt der Gespräche abzuhören, die gleich mit Ihnen geführt werden.«

»Es bleibt dabei«, sagte ich. »Und was den Sicherheitsaspekt angeht, so sollten Sie schon darauf vertrauen, dass das FBI ausreichend Vorsorge trägt, damit niemand seine elektronische Kommunikation infiltrieren kann.«

Einige Augenblicke herrschte ein angespanntes Schweigen. Man konnte Dr. Daynor ansehen, dass ihr die Situation zu entgleiten drohte. Anscheinend schien sie die Möglichkeit, dass sich jemand irgendeiner Anordnung von ihr widersetzen könnte, gar nicht in Betracht gezogen zu haben. Das lag wohl so weit außerhalb ihres Vorstellungsvermögens, dass sie sich auf eine derartige Situation nicht einmal gedanklich vorbereitet hatte.

»Es wäre schön, wenn Sie uns nun umgehend zu unserem Gesprächspartner bringen würden«, hörte ich Phil sagen. Sein Unterton war keineswegs weniger nachdrücklich, als es meiner gewesen war.

»Ich hoffe doch, dass wir nicht erst einen Gerichtsbeschluss erwirken müssen, damit wir mit normaler Dienstausrüstung Ihren Sicherheitsbereich betreten und Ermittlungen anstellen können«, fügte ich noch hinzu.

»Ich werde Rücksprache halten müssen, ehe ich Ihnen noch etwas dazu sagen kann«, erklärte Dr. Daynor, was im Klartext wohl nichts anderes bedeutete, als dass sie sich bereits auf dem Rückzug befand.

»Tun Sie das«, ermunterte ich sie.

Dr. Daynor ging zu einem der zahlreichen hausinternen Sprechgeräte, die hier überall installiert waren. In knappen Worten schilderte sie anschließend einem Vorgesetzten das Problem, das sie mit uns hatte.

»In Ordnung«, sagte sie schließlich, als sie das Gespräch beendet hatte und sich erneut uns zuwandte. »Folgen Sie mir jetzt in das Besprechungszimmer und behalten Sie meinetwegen bei sich, worauf Sie nicht verzichten zu können glauben.«

»Danke, Ma’am«, gab ich zurück.

»Danken Sie lieber Dr. Anthony, dem Leiter unseres Instituts. Er scheint ein weiches Herz zu haben.«

»Von Ihnen kann man das nicht sagen, oder?«

»Wollen Sie mich provozieren?«

»Nur befragen, Dr. Daynor.«

»Ich hoffe, dass Sie den professionellen Anforderungen dieser Ermittlungen gewachsen sind, Inspektor Cotton. Ich habe da durchaus meine Zweifel und hoffe, dass ich mich irre. Denn die Gefahr, in der sich womöglich ganz Washington oder sogar die gesamte Westküste der Vereinigten Staaten befinden, ist unvorstellbar groß.«

»Und ich hoffe auf etwas mehr Kooperationsbereitschaft, Dr. Daynor. Denn alles andere nutzt nur denjenigen, die vielleicht hinter diesem Diebstahl stecken oder daraus Kapital schlagen wollen.«

»Sie machen sich vielleicht nicht wirklich klar, worum es hier eigentlich geht, Inspektor.«

»Dann klären Sie mich auf. Dafür sind wir ja hier!«