Verlag: Bastei Entertainment Kategorie: Abenteuer, Thriller, Horror Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2018

Jerry Cotton Sammelband 3 - Krimi-Serie E-Book

Jerry Cotton  

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E-Book-Beschreibung Jerry Cotton Sammelband 3 - Krimi-Serie - Jerry Cotton

Sammelband 3: Fünf actiongeladene Fälle und über 300 Seiten Spannung zum Sparpreis! G-Man Jerry Cotton hat dem organisierten Verbrechen den Krieg erklärt! Von New York aus jagt der sympathische FBI-Agent Gangster und das organisierte Verbrechen, und schreckt dabei vor nichts zurück! Damit ist er überaus erfolgreich: Mit über 3000 gelösten Fällen und einer Gesamtauflage von über 850 Millionen Exemplaren zählt er unbestritten zu den erfolgreichsten und bekanntesten internationalen Krimihelden überhaupt! Und er hat noch längst nicht vor, in Rente zu gehen! In diesem Sammelband sind 5 Krimis um den "besten Mann beim FBI" enthalten: 2790: Der Wall Street Anschlag 2791: In Brooklyn tickt die Killeruhr 2792: Randalls Rudel 2793: Blood Song 2794: Kill, Baby, Kill Jerry Cotton ist Kult - und das nicht nur wegen seines roten Jaguars E-Type. Jetzt herunterladen und garantiert nicht langweilen!

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E-Book-Leseprobe Jerry Cotton Sammelband 3 - Krimi-Serie - Jerry Cotton

Impressum

BASTEI ENTERTAINMENT Vollständige eBook-Ausgaben der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgaben Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG Für die Originalausgaben: Copyright © 2015 by Bastei Lübbe AG, Köln Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller Verantwortlich für den Inhalt Für diese Ausgabe: Copyright © 2018 by Bastei Lübbe AG, Köln Covermotive von © shutterstock: Flik47 | ostill ISBN 978-3-7325-7013-3

Jerry Cotton

Jerry Cotton Sammelband 3 - Krimi-Serie

Inhalt

Jerry CottonJerry Cotton - Folge 2790Aus einem geheimen, militärischen Forschungslabor ist eine EMP-Bombe gestohlen worden. Eine fürchterliche Waffe, die zwar keine Menschen tötet, aber im Umkreis von mehreren Meilen sämtliche elektronischen Geräte zerstört. Was das für unsere Gesellschaft bedeuten würde, konnten wir uns ausmalen. Es verdichteten sich die Hinweise, dass die Bombe in der Nähe des Finanzzentrums Wall Street gezündet werden sollte. Für das FBI New York begann ein Wettlauf gegen die Zeit, den wir eigentlich nur verlieren konnten...Jetzt lesen
Jerry Cotton - Folge 2791Hunderttausend Dollar für den, der bis Mitternacht Jane Greenwood tötet" - so war es im Internet zu lesen und machte die Runde durch die Gangsterkreise von New York. Dass dies kein schlechter Scherz war, dafür garantierte der Urheber dieser Message: Paul Russell, ein bekannter Gangster, den wir seit Wochen vergeblich suchten. Wir mussten herausfinden, wer diese Jane Greenwood war und sie beschützen, aber als wir der jungen Dame gegenüberstanden, ergab sich ein ganz anderes Bild...Jetzt lesen
Jerry Cotton - Folge 2792Uns war ein wichtiger Zeuge, Stan Gorman, abhanden gekommen, der vor Gericht gegen den berüchtigten Boss Pablo Diaz aussagen sollte. Das FBI war im Großeinsatz, um Gorman zu finden, wenn er überhaupt noch lebte. Dabei kamen uns immer wieder die berüchtigten Kopfgeldjäger von Harmon Randall in die Quere, von denen wir nicht wussten, auf welcher Seite sie standen. Es dauerte nicht lange, dann flogen Phil und mir die Kugeln von allen Seiten um die Ohren...Jetzt lesen
Jerry Cotton - Folge 2793Die letzten Klänge des Songs "Immortal Glory" kreischten aus den Verstärkern. Der Sänger von "The Dark Edge" riss die Arme in die Höhe. Drei Männer mit Gewehren stürmten die Bühne des Madison Square Garden und erschossen den Frontman der Band vor 20.000 Zuschauern. Tosender Beifall erhob sich, denn dass war das wohlbekannte Finale der Band. Doch diesmal blieb Jimmy Nelson liegen und bald wurde es zur Gewissheit - er würde nie mehr aufstehen....Jetzt lesen
Jerry Cotton - Folge 2794Ganz zufällig bemerkte ich bei unserer neuen Kollegin, Susan Kraemer, verdächtige Prellungen und Hautabschürfungen. Ihre ausweichenden Antworten ließen darauf schließen, dass ihr Mann wohl hangreiflich geworden war. Kurz darauf wird Susans Mann ermordet aufgefunden. Hatte sie etwas damit zu tun? Phil und ich verfolgten eine Spur, die uns in eine ganz andere Richtung führte und doch wieder zurück zu Susan Kraemer. War sie die Spinne im Netz oder gar die Gottesanbeterin...Jetzt lesen

Inhalt

Cover

Impressum

Der Wall Street Anschlag

Vorschau

Der Wall Street Anschlag

»So langweilig hatte ich mir das nicht vorgestellt, als ich mich bei der Army gemeldet habe«, sagte Antonio Jenkins, kaute auf einem Kaugummi herum und blickte in die dunkle Nacht. »Ich wäre viel lieber in Bagdad oder Kabul und würde Jagd auf ein paar Terroristen machen.«

Sein Partner, Harry Beuyd, grinste. »Du hast ja keine Ahnung, was du da sagst. Sei froh, dass du einen so ruhigen Job hast und dafür nicht mal die Staaten verlassen musst. Ich muss keine Straßenschlachten im Mittleren Osten mehr haben oder mich bei vierzig Grad an eine Zielperson heranschleichen. Glaub mir, das hört sich in patriotischen Erzählungen immer viel besser an, als es in Wirklichkeit ist.«

Jenkins blickte seinen älteren Kollegen an. »Du hast gut reden, du hast das ja alles schon mitgemacht. Aber mich haben sie direkt nach der Grundausbildung zur Bewachung dieser blöden Forschungseinrichtung hier eingeteilt. Mitten in New Mexico. Dabei habe ich mich für den Kampfeinsatz in Übersee gemeldet.«

»Normalerweise nehmen die doch jeden Freiwilligen. Hast du Mist gebaut oder warum bist du hier gelandet?«, fragte Beuyd.

Jenkins schüttelte den Kopf. »Nein, bei der medizinischen Untersuchung kam heraus, dass ich für irgend so eine Tropenkrankheit anfällig bin. Und das war’s dann. Aus der Traum vom Kampfeinsatz.«

»So kann es gehen«, sagte Beuyd und schaute in die stockfinstere Nacht hinein. In der Nähe der Einrichtung befanden sich keine weiteren Gebäude, nicht einmal Straßenlaternen. Außer ein paar Tieren und karger Vegetation gab es hier nicht viel. Er schaute auf die Uhr. Die Wachablösung würde erst in fünf Stunden kommen.

»Die Langeweile bringt mich noch um. Hier passiert ja rein gar nichts«, murrte Jenkins weiter. »Ich glaube, ich beantrage meine Versetzung.«

Er wollte gerade zum nächsten Satz ansetzen, als der Körper von Harry Beuyd nach hinten geschleudert wurde. Auf der Wand hinter ihm befand sich plötzlich ein blutroter Fleck.

›Ein Schuss! Ein lautloser Schuss!‹, fuhr es Jenkins durch den Kopf. Im Bruchteil einer Sekunde schossen ihm die verschiedenen Möglichkeiten, die er ergreifen könnte, durch den Kopf. Sich zu Boden werfen, in Deckung gehen, zum Telefon hechten. Doch er kam nicht mehr dazu, auch nur eine davon auszuwählen. Ihn ereilte das gleiche Schicksal wie seinen Kollegen. Eine Kugel traf ihn direkt ins Herz. Er war schon tot, bevor sein Körper auf dem Boden aufschlug.

Kurz darauf schlichen sich dunkel gekleidete Männer auf das Gelände der Forschungseinrichtung und setzten die schlafenden Soldaten und Mitarbeiter in den Baracken außer Gefecht. Als Nächstes drangen sie in den gesicherten Schutzbereich des Geländes ein. Dann fuhr eine Wagenkolonne vor, auf die ein zylinderförmiges Gerät von knapp zwei Metern Länge und mit einem Durchmesser von etwa einem Meter verladen wurde. So schnell wie sie gekommen waren, verschwanden die dunklen Gestalten wieder. Die ganze Aktion hatte weniger als 20 Minuten gedauert. Und fast zwei Dutzend Menschenleben gefordert.

***

Es war ein schöner, wolkenloser Tag im Spätsommer. Nachdem es in der letzten Zeit recht bewölkt und kühl gewesen war, brachte die Sonne heute viele New Yorker dazu, sich in T-Shirts auf die Straße zu wagen. Die Frauen setzten auf kurze Röcke und tiefe Ausschnitte.

»Ich wusste doch, dass es etwas gab, was mir den Sommer richtig sympathisch macht«, sagte Phil und schaute einer kurvenreichen Blondine mit schwarzem Minirock hinterher, die direkt vor dem Jaguar über die Straße ging. Ein Blickfang für Männeraugen. Nicht nur Phil wurde von diesem Anblick magisch angezogen.

»Gut gebaut«, kommentierte ich und schaute auf die Ampel. Die nächste Grünphase ließ noch etwas auf sich warten.

»Von mir aus können wir noch einen Umweg fahren und das schöne Wetter und die aktuelle Damenmode genießen«, schlug Phil vor.

»Kein Problem«, sagte ich und fuhr los. Die letzte Woche war relativ ruhig gewesen und wir waren früh dran. Die Blondine war hinter der nächsten Kreuzung verschwunden, doch hatten Phils Adleraugen inzwischen weitere aufreizende Mitglieder des weiblichen Geschlechts ausgemacht.

»Ja, ja«, philosophierte ich, »was wäre das Leben von uns Männern ohne die schönen Frauen dieser Welt.«

»Es wäre weitaus weniger farbenfroh«, meinte Phil und deutete auf eine etwa zwanzigjährige schlanke Frau, deren Kostüm im Sonnenschein in allen Farben des Regenbogens funkelte. Während es elegant aussah, war es gleichzeitig überaus sexy.

»Und die Modeschöpfer dieser Welt wären größtenteils arbeitslos«, fügte ich hinzu und richtete meinen Blick auf die Straße. Direkt vor uns bremste ein Wagen scharf ab und ich wollte gerade eine Verwünschung ausstoßen, da erhielten wir einen Anruf aus dem Field Office. Eine Mitteilung höchster Priorität. Wir sollten uns unverzüglich dort einfinden.

»Das verheißt nichts Gutes«, sagte Phil.

»Ich bin gespannt darauf zu erfahren, was los ist«, sagte ich, wechselte die Spur und fuhr auf dem schnellsten Weg ins Field Office.

***

Im Field Office angekommen, gingen wir sofort zu Mr Highs Büro. Er war nicht da.

»Sie möchten sich bitte in Konferenzraum zwei einfinden«, begrüßte Helen uns. »Die anderen sind schon da.« Sie nahm eine große Kanne Kaffee und begleitete uns zum Fahrstuhl.

»Was ist denn los?«, fragte Phil neugierig.

»Weiß ich auch nicht genau«, antwortete Helen. »Mister High ist heute schon früher im Büro gewesen und hat eine Menge Telefonate geführt. Jetzt sollen die wichtigsten Mitarbeiter gebrieft werden.«

»Da bin ich mal gespannt«, sagte ich und stieg in den Fahrstuhl.

Wir erreichten den Konferenzraum innerhalb einer Minute. Am Eingang standen zwei Agents. Sie nickten nur, als sie uns sahen, und öffneten die Tür. Wir traten ein. Ein Blick in die Runde zeigte mir, dass fast alle wichtigen Agents des New Yorker FBI anwesend waren. Steve Dillaggio, Zeery, Joe Brandenburg, Les Bedell, June Clark, Blair Duvall, Fred Nagara, George Baker und Tim Holden – sie alle saßen um den großen Konferenztisch herum. Auch die Vernehmungsspezialisten Irwin Foster, Malcolm Snyder und Jimmy Stone waren anwesend, ebenfalls Ben Harper von der Fahrbereitschaft. Sarah Hunter konnte ich nicht ausmachen*** sie hatte gerade Urlaub und befand sich – soweit mir bekannt war – in Südeuropa. Mr High stand neben dem Videoprojektor am Ende des Raumes, neben ihm ein Mann von Ende vierzig, mit dunkler Brille und schütterem Haar, den ich nicht kannte.

Mr High bedeutete uns Platz zu nehmen. »Dann sind wir jetzt vollzählig«, sagte er zu dem Mann, der neben ihm stand, und ergriff das Wort.

»Meine Damen und Herren, vor wenigen Stunden hat sich etwas ereignet, das sich zu einer nationalen Katastrophe ausweiten könnte. Worum es sich dabei konkret handelt, wird Ihnen Special Agent Peter Thompson von der FBI-Zentrale Washington mitteilen. Er ist eigens zu uns gekommen, um uns über die aktuelle Situation zu unterrichten und uns beim Ergreifen der geeigneten Maßnahmen zu unterstützen.«

Er nickte Thompson zu, der sich räusperte und das Wort ergriff. »Meine Damen und Herren, vor etwa sieben Stunden wurde in eine geheime militärische Forschungseinrichtung in New Mexico eingebrochen. Die Täter haben 19 Soldaten und Mitglieder des Forschungsteams getötet, Dr. Eric Stoltz, den wissenschaftlichen Leiter des Projekts, entführt und eine neu entwickelte Massenvernichtungswaffe gestohlen: eine experimentelle EMP-Bombe!«

Er hielt einen Moment lang inne, um unsere Reaktionen abzuwarten. Zu Recht, denn ich war mir sicher, dass nicht alle Anwesenden wussten, worum es sich bei einer EMP-Bombe handelte.

Thompson fuhr fort. »EMP steht für Elektromagnetischer Impuls. Eine EMP-Bombe strahlt einen kurzen hochenergetischen Impuls aus, der sämtliche elektronischen Geräte im Umkreis zerstört. Sie hat keine mechanische Sprengwirkung und sendet ebenfalls nur eine sehr geringe radioaktive Strahlung aus. Somit ist der Personenschaden vernachlässigbar. Aber alle elektrischen Geräte werden von der Impulswelle in Mitleidenschaft gezogen.«

Ben Harper meldete sich zu Wort. »Bedeutet das, dass der Impuls die Stromleitungen überlastet? Reicht es nicht, danach wieder die Sicherungen hereinzuschrauben, um die Schäden zu beseitigen?«

Thompson schüttelte den Kopf. »Nein, ganz so einfach ist das nicht. Durch die Strahlung wird in alle Metallbauteile ein hoher elektrischer Strom induziert, was unter anderem dazu führt, dass elektronische Bauteile zerstört werden. Die Schäden sind irreparabel. Aufgrund der verheerenden Folgeschäden wird die EMP-Bombe als Massenvernichtungswaffe eingestuft. In der Nähe eines Flugzeugs ausgelöst wird sämtliche Elektronik an Bord zerstört, was den Absturz des Flugzeugs zur Folge hat. Autos, die über eine ziemliche Menge Bordelektronik verfügen, fahren nicht mehr. Handys und Funkgeräte werden zerstört. Die gesamte elektronische Infrastruktur des Bereichs, in dem die Bombe gezündet wird, fällt aus. Und das kann Tausende von Menschenleben kosten.«

»Wie groß ist die Reichweite der Bombe?«, fragte ich.

»Da die Täter einen Großteil der Aufzeichnungen ebenfalls gestohlen haben, können wir das nicht mit Sicherheit sagen«, antwortete Thompson. »Unsere Experten gehen von einem Radius von rund zwei Meilen aus, in dicht besiedelten Gebieten mit vielen Gebäuden aus Stahlbeton wird das betroffene Gebiet etwas kleiner sein.«

»Das hört sich nicht gut an«, erwiderte ich und dachte nach. Eine solche Bombe könnte in New York Schäden in Milliardenhöhe anrichten – ganz abgesehen von den Menschenleben, die das kosten würde.

Thompson fuhr fort. »Die FBI-Zentrale in Washington hat in Zusammenarbeit mit Homeland Security eine Liste potenzieller Anschlagsziele im ganzen Land erstellt. Ich bin hier, um mit Ihrer Unterstützung dafür zu sorgen, dass die denkbaren Ziele im Bereich New York vor einem möglichen Anschlag geschützt werden.«

»Und um was für Ziele handelt es sich dabei?«, fragte Steve Dillaggio.

»Neben Flughäfen ist es vor allem die Wall Street, die für einen solchen Anschlag anfällig wäre. Das Chaos, das ein EMP-Anschlag auf das Zentrum der internationalen Finanzwelt hätte, wäre enorm. Es wäre eine Katastrophe, die die Welt in ein neues Finanzchaos mit unabsehbaren Folgen stürzen würde. Stellen Sie sich vor, dass alle elektrischen Geräte, die mit Computertechnik arbeiten, zerstört werden würden. Sämtliche Computer, Fernsehgeräte und Telekommunikationsanlagen wären irreparabel beschädigt. Flugzeuge und Hubschrauber im betroffenen Gebiet würden abstürzen. Autos würden nicht mehr fahren. Aber das wirkliche Chaos würde durch die verlorenen Finanzdaten entstehen. Es würde Milliarden kosten und sehr wahrscheinlich eine neue Finanzkrise auslösen. Wie schlimm das werden könnte, ist kaum vorstellbar. Unsere Analytiker in Washington sind gerade dabei, ein Worst-Case-Szenario auszuarbeiten. Aber so viel ist jetzt schon klar: Es würde wirklich schlimm werden!«

***

Nach dem letzten Satz von Thompson herrschte für einige Sekunden Totenstille im Konferenzraum. Ich konnte mir vorstellen, was in den Köpfen der anwesenden Agents vorging. Es war kaum vorstellbar, was ein terroristischer Anschlag auf die Wall Street auslösen könnte.

»Ist bekannt, wer die Drahtzieher hinter dem Diebstahl der Bombe sind?«, stellte ich die Frage, die sicherlich jeden anderen im Raum ebenfalls beschäftigte.

Thompson schüttelte den Kopf. »Nicht mit Sicherheit. Die Täter waren gut vorbereitet und haben kaum Spuren hinterlassen. Die Kameras vor Ort haben sie frühzeitig ausgeschaltet. Und zu der Zeit befand sich auch kein Satellit in der Gegend. Die kargen Spuren werden aktuell ausgewertet, die Chancen, verwertbare Hinweise zu finden, werden allerdings als gering eingestuft. Das FBI-Office in Santa Fe kümmert sich um weitere Nachforschungen. Inzwischen haben die Analytiker der Zentrale in Washington die Situation bearbeitet und der Computer hat die Namen eventuell beteiligter Terroristen und Interessengruppen ausgespuckt. Für den Bereich New York sind es vor allem drei Personen, die unsere Aufmerksamkeit verdienen.«

Er hielt kurz inne. »Nummer eins ist Jesús Guzman, ein Mexikaner, der aktuell in New York lebt. Er wurde in der Vergangenheit mit verschiedenen Anschlägen in Verbindung gebracht, ihm konnte aber bisher nichts nachgewiesen werden. Nummer zwei ist der Engländer Michael Moon. Laut Interpol und CIA soll er sich aktuell ebenfalls hier aufhalten. Sein genauer Aufenthaltsort ist nicht bekannt. Auch er wird der Teilnahme an verschiedenen terroristischen Anschlägen verdächtigt, allerdings ebenfalls ohne konkrete Beweise. Moon wird als überaus gefährlich eingeschätzt. Er arbeitet gewöhnlich mit einem Team von Söldnern zusammen, Leute, die er speziell für einen Auftrag rekrutiert. Nummer drei ist unter dem Namen Trevor Hawk bekannt. Über ihn liegen nur wenige Informationen vor. Wahrscheinlich stimmt noch nicht einmal der Name. Er verfügt über Verbindungen zu Terror-Netzwerken im Mittleren Osten. Ihn aufzuspüren wird voraussichtlich am schwersten sein.«

»Da haben wir ja einiges zu tun«, sagte Phil.

Mr High schaute Phil und mich ernst an. »Jerry und Phil werden sich darauf konzentrieren, diese drei Personen aufzuspüren und festzunehmen. Aufgrund der erweiterten Befugnisse, die wir durch den Patriot Act haben, können wir sie längere Zeit festsetzen, eine Option, von der wir aufgrund der Brisanz der Situation Gebrauch machen werden. Die anderen Agents werden für die Sicherung der verschiedenen potenziellen Anschlagziele eingeteilt. Wir werden eng mit dem NYPD, anderen FBI-Dienststellen und Homeland Security zusammenarbeiten. Dabei muss darauf geachtet werden, keine Informationen durchsickern zu lassen. Wenn die aktuelle Gefahr publik wird, kann allein das eine enorme Auswirkung auf die internationalen Finanzmärkte haben. Gehen Sie also umsichtig vor.«

Ich nickte. »Und innerhalb welchen Zeitrahmens müssen wir Ergebnisse vorweisen können? Existieren Informationen darüber, wann die Bombe einsatzbereit sein wird?«

Thompson ergriff das Wort. »Da es sich um eine Neuentwicklung handelt, schätzen unsere Experten, dass sie innerhalb von fünf Tagen einsatzbereit sein wird. Innerhalb dieses knappen Zeitrahmens müssen die Drahtzieher gefunden und verhaftet und die Bombe sichergestellt sein.«

»Fünf Tage. Nicht gerade viel Zeit, um eine Katastrophe zu verhindern«, murmelte Phil.

»Dann sollten wir uns schnell an die Arbeit machen«, sagte ich und schnappte mir eine der Mappen, die weitergehende Informationen zur aktuellen Situation enthielten.

***

Direkt nach Abschluss der Konferenz gingen Phil und ich in unser Büro, um die Unterlagen durchzugehen, die wir von Agent Thompson erhalten hatten.

»Bei der Größe des Geräts besteht eine gewisse Chance, es aufzuspüren, bevor es eingesetzt werden kann«, sagte Phil, während er durch die Akte blätterte.

Ich nickte zustimmend. »Ja, zumindest können wir ausschließen, dass es jemand in einem Koffer mit sich herumträgt. Bei einem Gewicht von einer halben Tonne und den Maßen ist auf jeden Fall ein Fahrzeug für den Transport nötig. Laut den Unterlagen gibt die Bombe auch eine geringe Menge radioaktive Strahlung ab, die allerdings leicht abgeschirmt werden kann, sodass eine Entdeckung anhand dieses Faktors so gut wie ausgeschlossen ist.«

»Schade«, antwortete Phil, »sonst hätten wir ein paar Hubschrauber mit entsprechenden Sensoren einsetzen können. Vielleicht sollten die klugen Wissenschaftler, die immer wieder neue Bomben erfinden, demnächst mal daran denken, wie man sie wiederfinden kann. Das würde unsere Arbeit enorm erleichtern.«

»Wahrscheinlich hatten sie genug damit zu tun, eine EMP-Bombe zu erfinden, die keine Atomexplosion auslöst. Das ist nämlich gar nicht so einfach. Ich habe mal etwas im Internet recherchiert. Es gibt verschiedene Arten, wie ein starker elektromagnetischer Impuls ausgelöst werden kann. Da wäre zum einen eine Atombombe, die in großer Höhe gezündet wird. Eine andere Möglichkeit, den Effekt zu erzielen, ist durch hohe Stromimpulse in großen Spulen. Durch Laserstrahlen kann ebenfalls ein EMP künstlich erzeugt werden. Das Phänomen tritt auch in der Natur auf, etwa bei einem Blitz, Wechselwirkungen zwischen Gasen in der Erdatmosphäre und dem Erdmagnetfeld und last but not least durch Asteroideneinschlag.«

»Steht in den Unterlagen, wie es die klugen Jungs mit den weißen Kitteln geschafft haben, die EMP-Bombe zu bauen?«, fragte Phil.

Ich schüttelte den Kopf. »Nein, das wird nicht erwähnt. Ist dem Militär wohl zu geheim. Aber ich gehe mal davon aus, dass kein Asteroideneinschlag nötig ist, um die Bombe zu zünden.«

»Schade, denn ich glaube, für die nächste Zeit ist ein solches Ereignis in New York nicht geplant«, merkte Phil grinsend an.

»Wir sollten uns auf die drei potenziellen Drahtzieher konzentrieren und sie ausfindig machen. Angefangen mit dem Mexikaner«, sagte ich.

Phil tippte die Namen in seinen Computer ein. »Jesús Guzman ist auch der Einzige von den dreien, der einen festen Wohnsitz angemeldet hat. Sollte nicht schwer sein, ihn zu finden – es sei denn er macht gerade Urlaub in New Mexico.«

»Das werden wir bald wissen«, sagte ich.

***

Unsere erste Station war das Büro der Agents Hale und Banks. Sie waren ebenfalls eingeweiht, also konnten wir mit ihnen offen sprechen.

»Endlich können wir mal die Welt retten«, begrüßte uns Banks, wie üblich ein wenig vorlaut.

»Hoffen wir, dass es nicht so weit kommt«, entgegnete Phil ernst. Banks zuckte etwas zusammen.

»Wir machen uns auf die Suche nach Guzman«, sagte ich den beiden jungen Agents. »Führen Sie bitte in der Zwischenzeit eine ausführliche Recherche über Guzman, Moon und Hawk durch. Jedes noch so kleine Detail kann wichtig sein. Telefon- und Internetverkehr, Aufenthaltsorte, Kontakte etc. Fangen Sie mit Guzman an und leiten Sie die Infos an meinen Bordcomputer weiter.«

»Wird gemacht«, sagte Hale kurz und fing sofort an, mit seinem Computer zu arbeiten.

»Betrachten Sie es als erledigt«, fügte Banks hinzu und setzte sich neben Hale.

Phil und ich verabschiedeten uns und gingen zum Fahrstuhl.

»Die beiden sind inzwischen richtig gut geworden«, sagte ich zu Phil.

Er grinste. »Stimmt. Aber sie sind manchmal noch ein wenig übereifrig. Daher möchte ich sie lieber an der kurzen Leine halten.«

»Wir sollten sie demnächst mehr an Außeneinsätzen teilnehmen lassen«, sagte ich.

»Wenn sich die Gelegenheit ergibt«, antwortete Phil und stieg in die Fahrstuhlkabine, deren Tür sich gerade geöffnet hatte.

Wenige Minuten später saßen wir im Jaguar und fuhren aus der Tiefgarage.

»Jesús ist eigentlich ein ungewöhnlicher Name für einen Terroristen«, sagte Phil.

»In der Tat«, antwortete ich. »Allerdings ist der Vorname Jesús in Mexiko fast genauso verbreitet wie Maria. Da kann es schon mal vorkommen, dass sich jemand mit dem Namen Jesús höchst unchristlich verhält. An welchen Terroranschlägen soll er denn beteiligt gewesen sein?«

Phil konsultierte den Bordcomputer. Hale hatte bereits die ersten Daten über Guzman geschickt. »Liegt alles schon gut zehn Jahre zurück. Ein Bombenanschlag auf eine US-Botschaft im Mittleren Osten, Mord an einem Diplomaten in Kuwait. Insgesamt acht Anschläge sollen auf sein Konto gegangen sein, fast alle im Mittleren Osten. Vor seiner terroristischen Karriere war er Soldat der mexikanischen Armee und hat später als Söldner gearbeitet. Aber vor zehn Jahren scheint Schluss gewesen zu sein. Vielleicht hat er sich da zur Ruhe gesetzt.«

»Wie alt ist er denn?«, fragte ich Phil.

»Inzwischen 48. Sieht aber auf dem Foto etwas älter aus. Das liegt vielleicht auch an den Narben auf seiner rechten Gesichtshälfte. Der hat ganz schön was abbekommen.«

Ich warf einen Blick auf das Display. Die rechte Seite von Guzmans Gesicht war mit vielen kleinen Narben übersät. Sein rechtes Augenlid hing leicht herunter. »Wenn er sich keiner kosmetischen Schönheitsoperation unterzogen hat, wird es leicht sein, ihn wiederzuerkennen.«

Ich fuhr mit dem Wagen über die Williamsburg Bridge nach Brooklyn. Guzman war auf der Viola Street gemeldet, nordöstlich vom John F. Kennedy International Airport. Aufgrund des dichten Verkehrs brauchten wir etwas mehr als eine Stunde zum Ziel.

Die Viola Street war recht klein, nur eine Seitenstraße, auf der nicht viel Verkehr herrschte. Das Haus, in dem Guzman gemeldet war, hatte einen kleinen Vorgarten, der hauptsächlich aus Rasen und nur wenigen einzelnen Blumen bestand. Gegenüber befanden sich zwei Supermärkte, vor denen Autos parkten. Keine besonders vornehme Wohngegend.

Zunächst fuhren wir mit dem Jaguar die Straßen der Umgebung ab, um uns einen Überblick zu verschaffen. Dann parkten wir in Sichtweite von Guzmans Wohnung und observierten sie zunächst. Durch ein Fenster sah man Licht in sich verändernder Helligkeit und wechselnden Farben, wie es für einen Fernseher typisch war. Wahrscheinlich war Guzman zu Hause. Ansonsten war in der Umgebung nichts Verdächtiges auszumachen.

»Wie wollen wir vorgehen?«, fragte Phil. »Immerhin haben wir es hier mit einem potenziellen Terroristen zu tun. Vielleicht schießt er erst, bevor er Fragen stellt.«

Ich überlegte kurz. »Ich werde zur Haustür gehen und klingeln, während du seine Wohnung aus einiger Entfernung beobachtest. Wenn er öffnet, kommst du nach und gibst mir im Haus Deckung. Sollte er versuchen abzuhauen, rennst du zur Rückseite des Gebäudes und stellst ihn dort. Wenn er direkt aus dem Fenster auf mich zielt, gibst du mir von der Straße aus Feuerschutz.«

»Hört sich gut an. Dann wollen wir mal.«

Ich fuhr den Jaguar um die Ecke, außer Sichtweite der Wohnung von Guzman. Dann stiegen wir aus und legten kugelsichere Westen an.

Ich zog mein Sakko über die Weste und ging zu dem Haus, in dem Guzman wohnte. Phil verschanzte sich in Sich- und Schussweite hinter einer großen stählernen Mülltonne.

Beim Hauseingang angekommen, überflog ich kurz die Klingelschilder. Acht Namen, der von Guzman war auch dabei. Ich klingelte und hielt dabei die Fenster von Guzmans Wohnung im Auge. Dort tauchte ein Schatten auf und verschwand wieder. Einen Moment lang geschah nichts. Dann knackte es in der Gegensprechanlage und eine Stimme mit stark südländischem Akzent ertönte. »Was wollen Sie?«

»Ich möchte zu Mister Guzman«, antwortete ich.

»Und wer sind Sie?«, kam die nächste Frage aus dem kleinen Lautsprecher.

»Agent Cotton, FBI«, antwortete ich.

Wieder geschah einen Moment lang nichts. Dann ertönte der Türsummer. Ich drückte die Tür auf. Phil hatte das Geschehen beobachtet und kam schnell auf mich zu. Ich hielt die Tür auf.

»So weit, so gut«, sagte er und zog seine Pistole. Ich tat es ihm gleich.

Wir gingen vorsichtig das Treppenhaus hinauf, auf alles gefasst. Guzmans Wohnung befand sich im ersten Stock. Nach wenigen Stufen kamen wir oben an. Der Flur war leer. Ich ging nach links, in Richtung von Guzmans Wohnung. Die Tür war verschlossen. Kein Klingelschild. Als Phil zu mir aufgeschlossen hatte, stellte ich mich neben die Tür und klopfte.

»FBI, Mister Guzman, öffnen Sie bitte die Tür«, sagte ich.

»Nehmen Sie erst die Waffen runter und halten Sie dann Ihre Marke vor den Türspion«, sagte eine Stimme aus dem Innern der Wohnung. Ich schaute mich im Flur um, um Kameras zu entdecken, konnte aber keine ausmachen. Guzman war ein Profi. Entweder wusste er, wie FBI-Agents vorgehen, oder er hatte hier wirklich irgendwo Kameras versteckt. Ich entschied mich auf die Forderung einzugehen, steckte meine Pistole ins Halfter und hielt meine Dienstmarke vor den Türspion.

»Ihr Partner soll seine Waffe auch einstecken«, sagte die Stimme hinter der Tür. Also doch Kameras. Ich nickte Phil zu, er senkte langsam seine Waffe. Kurz darauf öffnete sich die Tür einen Spalt weit. Das finstere Gesicht eines dunkelhaarigen Mannes mit einigen grauen Strähnen kam zum Vorschein. Er war nicht sehr groß, vielleicht eins siebzig, hatte kräftige Arme und einen Bauchansatz. Abgesehen von seinem Bart sah er nicht wie der typische Terrorist aus. Ich konnte nur seine linke Hand sehen, seine Schulter und den rechten Arm hatte er hinter der Tür verborgen.

»Was wollen Sie?«, fragte er wenig höflich.

»Zunächst einmal möchte ich Ihre Hände sehen«, antwortete ich. Er musterte mich mit seinen tiefbraunen Augen und lächelte. Dann hörte ich ein leises Klicken. Ein wohlbekanntes Geräusch. Er hatte den Abzug seiner Waffe, die er hinter der Tür verborgen hatte, entspannt. Zentimeter für Zentimeter machte er die Tür weiter auf, bis seine Hand zum Vorschein kam. Er hatte eine Pistole in der Hand.

»Würden Sie die Waffe bitte zur Seite legen«, forderte ich ihn auf, darauf vorbereitet, sofort zur Seite zu springen und meine Waffe zu ziehen, sollte er eine falsche Bewegung machen.

Er überlegte kurz. Dann ging er in die Knie, legte seine Pistole auf den Boden und stand wieder auf.

»So weit, so gut«, sagte ich. Dabei war ich mir sicher, dass sich in seiner unmittelbaren Nähe weitere Waffen befanden.

»Dürfen wir eintreten?«, fragte ich.

Guzman nickte und machte eine einladende Geste. Ich trat ein. Phil, der immer noch die nach unten gerichtete Pistole in der Hand hielt, folgte mir.

Die Wohnung sah recht traurig aus. Zumeist dunkle Möbelstücke, auf denen Kleidungsstücke und Nahrungsmittel herumlagen. Keine Pflanzen. Keine Bilder. Die Tapete schien einmal weiß gewesen zu sein, war jetzt aber vergilbt. Guzman war wohl ein starker Raucher. Auch die vielen Zigarettenstummel in dem gläsernen Aschenbecher auf dem Tisch deuteten darauf hin.

Guzman trat ein paar Schritte zurück. »Ihr Kollege mit der Pistole macht mich nervös«, sagte er.

»Kein Grund zur Beunruhigung, er hat die Waffe gut im Griff und hat nicht vor sie zu benutzen, wenn Sie sich nicht der Verhaftung widersetzen«, stellte ich klar.

»Verhaftung? Sie wollen mich verhaften? Warum?«, fragte er. »Ich habe mir nichts zuschulden kommen lassen.«

»Darüber lässt sich streiten«, kommentierte Phil.

»Ich verhafte Sie unter Bezugnahme auf den Patriot Act von 2001. Jedem Widerstand gegen eine Verhaftung werden wir entsprechend begegnen«, sagte ich ernst.

Guzman lächelte kalt. »Darf ich noch meinen Koffer packen?«, fragte er.

»Das werden wir für Sie erledigen«, antwortete ich und holte Handschellen hervor. »Drehen Sie sich bitte um.«

»Nicht erschrecken«, sagte er und drehte sich um. An seinem Rücken steckte ein Messer in seinem Gürtel.

»Das hatte ich schon erwartet«, sagte ich, nahm das Messer, warf es zur Seite und legte Guzman Handschellen an. »Sie sind ja ganz schön vorsichtig«, merkte ich an.

»Ich habe so meine Erfahrungen«, sagte Guzman ruhig, als ich ihn nach weiteren Waffen durchsuchte. »Was wird mir vorgeworfen? Patriot Act – das hört sich verdammt nach Terrorismus an. Damit habe ich nichts zu tun. Ich bin ein rechtschaffener Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika.«

»Ich frage mich ernsthaft, wie Sie das überhaupt geschafft haben«, meinte Phil und spielte auf Guzmans Vergangenheit an.

»Vor dem 11. September war vieles einfacher«, sagte Guzman.

»Ja, das stimmt«, sagte ich und behielt ihn im Auge, während Phil die anderen Räume der Wohnung durchsuchte. Nach ein paar Minuten kam er mit drei Messern, einem Revolver, einer abgesägten Schrotflinte und zwei Pistolen zurück.

»Sie besitzen ein ganz schön umfangreiches Waffenarsenal für einen unschuldigen, rechtschaffenen amerikanischen Bürger«, meinte Phil, während er die Waffen in eine Tasche packte. »Haben Sie auch die entsprechenden Waffenscheine?«

Guzman gab nur eine ausweichende Antwort. »Diese Waffen dienen nur der Selbstverteidigung, die ein Recht ist, das mir verfassungsmäßig zusteht. Davon, dass Sie einfach in die Wohnung eines unbescholtenen Bürgers eindringen und ihn verhaften können, steht allerdings nichts in der Verfassung.«

»Unbescholtener Bürger?«, fragte Phil nach. »Sie waren früher Söldner. Ganz abgesehen von all den Anschlägen, in die Sie verwickelt waren. Unter unbescholten verstehe ich etwas anderes.«

»Das ist lange her. Mein Leben als Söldner habe ich hinter mir gelassen, seit Allah mir die Augen geöffnet hat.«

»Sie sind konvertiert?«, fragte ich. Davon stand nichts in seiner Akte.

Guzman nickte. »Vor zehn Jahren hat mich Allah auf den Pfad des Friedens geführt, dem ich seither stolz und konsequent folge.«

»Schöne Rede«, meinte Phil. »Wir nehmen Sie trotzdem mit. Es gibt da nämlich ein paar Fragen, die Sie uns beantworten müssen.«

Wir brachten Guzman und die sichergestellten Waffen zum Wagen. Die Waffen verstaute ich im Kofferraum, während Phil Guzman auf dem Rücksitz Platz nehmen ließ. Dann fuhren wir zur Zentrale. Guzman sagte während der ganzen Zeit kein Wort mehr. Ich war gespannt, was das Verhör ergeben würde.

***

Zu Beginn des Verhörs waren nur Guzman, Phil und ich im Raum. Die Vernehmungsspezialisten Irwin Foster und Malcolm Snyder beobachteten uns über Video.

»Mister Guzman, fangen wir bei den einfachen Fragen an«, sagte ich, um das Verhör einzuleiten. »Womit verdienen Sie aktuell Ihren Lebensunterhalt?«

»Ich erledige Gelegenheitsjobs für einen Bekannten«, kam die Antwort.

»Und um was für Jobs handelt es sich dabei?«, fragte ich nach.

Guzman gähnte. »So dies und das. Zumeist fahre ich Trucks. Mein Bekannter hat eine Speditionsfirma. Manchmal helfe ich auch nur beim Beladen und Entladen. Was halt so anfällt.«

»Und das reicht, um in New York zu leben?«, fragte Phil nach.

»Ich führe ein bescheidenes Leben«, antwortete Guzman. Damit hatte er recht. Seine Wohnung hatte keinen besonders luxuriösen Eindruck gemacht. Auch der alte Mustang, der auf seinen Namen angemeldet war, deutete nicht darauf hin, dass ihm Luxus wichtig war. Geld war also offenbar nicht seine Motivation. Wenn er etwas mit dem geplanten Anschlag zu tun hatte, musste es andere Gründe geben.

»Haben Sie Familie?«, fragte ich ihn.

»Natürlich habe ich Familie«, antwortete er. »Schließlich bin ich in Mexiko aufgewachsen. Dort hat jeder Familie.«

»Ich meine eine Frau und Kinder«, fügte ich hinzu.

Ein Schatten huschte über sein Gesicht. »Das ist eine ziemlich persönliche Frage«, sagte er ausweichend und mit einem drohenden Unterton. »Steht das nicht in Ihren Akten?«

»Ich wollte es von Ihnen hören«, sagte ich ruhig.

Er zögerte. Seine Hände zitterten leicht. Für einen Moment schien es so, als hätte ich seine verwundbare Stelle getroffen.

»Ich hatte eine Frau und einen Sohn. Doch das ist lange her. Jetzt lebe ich allein. Beantwortet das Ihre Frage?« Er schaute mich mit drohendem Gesichtsausdruck an, so als wollte er mir verbieten, weitere Fragen zu diesem Thema zu stellen.

»Was ist mit Ihrer Frau und Ihrem Sohn passiert?«, hakte ich nach.

Er hatte sich wieder gefangen. »Sie leben allein in Mexiko. Ohne mich. Das ist besser für sie.«

»Eheliche Probleme können einem Mann ganz schön zusetzen«, sagte ich verständnisvoll. »Warum haben Sie sich von Ihrer Familie getrennt?«

Da war es wieder, dieses Zittern. Doch diesmal nur ganz kurz. Ich rechnete damit, dass er mich jeden Moment anspringen würde. Aber er blieb gefasst. Offenbar hatte er gelernt, seine Gefühle zu beherrschen. »Während meiner Zeit bei der Armee und danach habe ich mir nicht nur Freunde gemacht. Jemand hatte es auf mich abgesehen. Da habe ich meine Familie aus der Schusslinie gebracht. Jeder Familienvater und Ehemann hätte genauso gehandelt.«

»Das muss schwer gewesen sein«, sagte ich.

»Das ist meine private Angelegenheit«, erwiderte Guzman nur.

»Haben Sie demjenigen, der es auf Sie abgesehen hatte, auch Ihre Narben zu verdanken?«, fragte ich weiter.

Er nickte. »Aber das ist meine Sache und hat nichts mit irgendwelchen Terroristen zu tun. Lassen Sie mich wieder frei!«

»Das können wir leider nicht machen«, sagte Phil. »Irgendein Computer hat Ihren Namen ausgespuckt und jetzt wollen wir wissen, ob Sie inzwischen ein braver Bürger geworden sind oder immer noch für antiamerikanische Gruppierungen tätig sind.«

Wir setzten das Verhör noch zwei Stunden fort – ohne Ergebnis. Dann übergaben wir an Foster und Snyder.

»Harter Brocken«, sagte Phil, als wir den Verhörraum verlassen hatten.

»Ja«, antwortete ich, »oder er weiß wirklich nichts.«

Ich überlegte kurz. »Wenn jemand noch etwas aus ihm herauslocken kann, dann Foster und Snyder. Wir halten ihn auf jeden Fall weiter fest. In der Zwischenzeit nehmen wir uns den Nächsten auf der Liste vor.«

Phil nickte und folgte mir zum Büro von Hale und Banks.

***

»Wir hatten Sie eigentlich erst später erwartet«, sagte Hale überrascht, als wir in das Büro der beiden jungen Agents eintraten.

»Die Zeit drängt und es steht viel auf dem Spiel«, sagte Phil kurz. »Ich hoffe, Sie haben nicht rumgetrödelt.«

»Wie weit sind Sie mit Ihren Recherchen?«, fragte ich.

Banks griff nach einer Akte und reichte sie mir. »Mit Guzman sind wir fertig. Das ist seine Akte. Über Michael Moon haben wir noch nicht sehr viel gefunden. Und für die Recherche zu Trevor Hawk hatten wir noch keine Zeit.«

Phil nahm die Akte entgegen, bevor ich sie nehmen konnte. »Zeit, das ist genau die Sache, die wir im Moment nicht haben. Wir haben jetzt vier Uhr nachmittags, und was glauben Sie, warum sich die Kollegen noch nicht für den Feierabend bereitmachen? Weil es heute vielleicht keinen Feierabend geben wird. Die Situation ist ernst, sehr ernst. Und wir brauchen Resultate, jetzt, oder besser schon vor einer Stunde.«

Eine Schrecksekunde lang blickten die jungen Agents meinen Partner sprachlos an. Dann wurden sie aktiv.

»Wir wissen zwar nicht, wo Moon sich gerade aufhält«, setzte Hale an, »aber wir haben jemanden gefunden, der es wissen könnte. Zumindest ist es sehr wahrscheinlich, dass er es weiß. Wenn auch nicht sicher.«

»Dann machen Sie es nicht so spannend und geben Sie uns die Infos«, sagte ich.

Banks reichte mir eine weitere Akte. »Steht alles hier drin. Wir haben zwar noch nicht alles beisammen, aber die Kontaktperson ist vermerkt. Mitsamt aktueller Adresse in New York und sämtlichen Telefonnummern.«

Ich schnappte mir die Akte, warf einen kurzen Blick hinein und sagte zu Phil: »Nicht schlecht. Ich glaube, wir sind wieder im Geschäft.«

Dann machten wir uns auf zum Jaguar. Wir hatten noch eine ganz schöne Strecke vor uns.

***

Die Kontaktperson, die Hale und Banks ermittelt hatten, war James Byrne, ein millionenschwerer Investment-Banker, der sich auf gut betuchte Klienten spezialisiert hatte. Dadurch hatte er auch Verbindungen zu solchen Leuten, die ihr Vermögen auf wenig ehrliche Art erworben hatten – wie etwa Michael Moon. Byrnes Büro befand sich in Manhattan, unweit der Wall Street. Wie Hale und Banks aber bereits herausgefunden hatten, hielt er sich zurzeit bei einem seiner Kunden auf, in einer wohlhabenden Wohngegend auf Staten Island. Bei dem Verkehr, der um diese Zeit herrschte, würde die Fahrt wahrscheinlich mehr als eine Stunde dauern. Schon als wir Manhattan verließen und über Brooklyn Richtung Staten Island fuhren, nahm der Verkehr zu und staute sich bald.

»Ich will nicht hoffen, dass uns der Verkehr im entscheidenden Moment einen Strich durch die Rechnung macht und verhindert, dass wir die EMP-Bombe rechtzeitig finden«, sagte Phil genervt.

Ich hupte, als mir ein wenig rücksichtsvoller Fahrer die Vorfahrt nehmen wollte. »Dann hätte sich die Zivilisation sozusagen selbst außer Gefecht gesetzt. Aber wenn wir langsam vorankommen, gilt das wahrscheinlich auch für die Terroristen.«

»Schwacher Trost«, sagte Phil und schaute in die Akte, die wir von Hale und Banks erhalten hatten. »Dieser Michael Moon pflegt einen ganz anderen Lebensstil als Jesús Guzman. Liebt Luxus, fährt gerne teure Autos und umgibt sich gewöhnlich mit einer kleinen Privatarmee. Da müssen wir schwerere Geschütze auffahren als bei Guzman.«

»Das werden wir«, antwortete ich, »sobald wir ihn gefunden haben. Ich hoffe, dieser Byrne hat wirklich einen so guten Draht zu Moon, wie wir annehmen. Sonst verschwenden wir wertvolle Zeit im Verkehrsdschungel.«

»Das ist die heißeste Spur, die wir momentan haben«, sagte Phil und klappte die Akte zu.

Kurz nach fünf Uhr nachmittags erreichten wir die unweit vom Wolfes Pond Park gelegene Huguenot Avenue in Staten Island. Hier sollte sich Byrne aufhalten, und zwar bei der Hausnummer 18. Ich fuhr die Straße entlang und suchte seinen Wagen, einen silbermetallicgrauen Aston Martin Vanquish.

»Da ist der Wagen, nicht zu übersehen«, sagte Phil und deutete auf das sündhaft teure Gefährt.

»Dann sind wir noch nicht zu spät«, antwortete ich und hielt nach einem Parkplatz Ausschau. Ich hatte gerade einen gefunden und machte mich daran einzuparken, als Byrne auftauchte und in sein Auto einstieg.

»Jetzt aber schnell«, sagte ich und sprang aus dem Wagen. Phil folgte mir. Nach wenigen Schritten hatten wir den Aston Martin erreicht. Ich klopfte an die Scheibe auf der Fahrerseite. Byrne, der gerade noch über einigen Papieren gebrütet hatte, schreckte kurz zusammen und schaute mich dann durch die Glasscheibe an.

»Tut mir leid, ich habe kein Kleingeld«, rief er, machte eine abweisende Geste und widmete sich wieder seinen Unterlagen.

»Der Mann scheint Humor zu haben«, sagte Phil, hielt seine Marke vor die Scheibe und klopfte. Diesmal schaute Byrne genauer hin und erkannte, dass wir nicht auf sein Kleingeld aus waren.

Er drückte einen Knopf und die Scheibe glitt nach unten weg. »Was liegt an?«, fragte er ein wenig genervt.

»Steigen Sie bitte aus«, sagte ich und behielt all seine Bewegungen im Auge.

Als er ausgestiegen war, fragte er noch einmal: »Was liegt an?« Diesmal hatte seine Stimme einen leicht drohenden Unterton.

»Wir haben ein paar Fragen an Sie«, sagte ich kühl.

»Dann lassen Sie sich von meiner Sekretärin einen Termin geben«, antwortete er barsch und wollte gerade wieder in seinen Wagen steigen, als sich Phil ihm in den Weg stellte.

»Sie verletzten meine Bürgerrechte«, sagte er und wurde rot im Gesicht. »Wenn mein Anwalt mit Ihnen fertig ist, werden wir ja sehen, wer zuletzt lacht.«

Langsam wurde mir sein unhöfliches Verhalten zu viel. »Ich dachte eigentlich, dass wir wie zivilisierte Menschen miteinander reden könnten. Wenn dies nicht der Fall sein sollte, dann sagen Sie das ruhig. Wir können auch anders.«

Diesmal musterte er mich genau. Und er erkannte, dass ich nicht zu Scherzen aufgelegt war und es ernst meinte.

»Ist ja gut, was wollen Sie denn?«, fragte er, diesmal in vernünftigem Tonfall.

»So gefällt mir das«, sagte Phil.

»Wir wollen wissen, wo wir Michael Moon finden können«, sagte ich.

»Ich habe keine Ahnung«, kam die Antwort wie aus der Pistole geschossen. Byrne schien mit einem Mal nervös zu werden.

Ich schaute ihm tief in die Augen. »Ich habe eigentlich mit einer positiveren Antwort gerechnet. Also denken Sie noch mal genau nach.«

Byrne schüttelte den Kopf. »Ich habe keine Ahnung, wo Moon steckt. Habe ihn schon lange nicht mehr gesehen, mindestens einen Monat. Der könnte überall sein.«

Wieder die falsche Antwort. »Dann ist es ja ein glücklicher Zufall, dass Sie vor zwei Tagen mit ihm telefoniert haben. Möchten Sie eine Abschrift des Gesprächs haben, um sich besser erinnern zu können?«

Byrnes Nervosität steigerte sich. Er schaute sich hektisch um, wie ein wildes Tier, das in der Falle saß und versuchte, einen Fluchtweg zu finden.

»Ich komme in Teufels Küche«, sagte er ängstlich.

»Da haben Sie vollkommen recht«, erwiderte ich. »Vor allem, wenn Sie nicht langsam reden und uns verraten, wo wir Michael Moon finden.«

Byrne schluckte. Gerade schien er reden zu wollen, da biss er sich auf die Unterlippe. Dann setzte er zum zweiten Mal an. »Sie müssen mir versichern, dass dieses Gespräch unter uns bleibt und Sie mit keinem Sterbenswörtchen erwähnen, dass Sie diese Information von mir haben.«

Ich schaute ihn ernst an. »Wir haben keinen Grund, Sie weiter in die Sache hineinzuziehen. Sie geben uns die Information, vergessen unser Gespräch und wir sind genauso schnell weg, wie wir gekommen sind.«

»Na gut«, sagte Byrne, »ich werde Ihnen wohl vertrauen müssen. Moon hat mich vor zwei Tagen angerufen. Ich sollte den Transfer einer größeren Summe Geld für ihn erledigen. Zu einer Bank auf den niederländischen Antillen. Danach habe ich ihm die Unterlagen persönlich gebracht. Nach Newark.«

Moon befand sich also in Newark, vor den Toren von New York.

»Und wo genau in Newark?«, fragte ich nach.

»Direkt im Zentrum, in der Cedar Street, Hausnummer 7. Das ist eine kleine Seitenstraße der Broad Street. Er hat dort ein oder zwei komplette Etagen angemietet. Der Rest des Hauses steht leer. Somit ist er mit seinen Leuten allein in dem Gebäude«, antwortete Byrne.

»Wie viele Leute sind bei ihm?«, wollte Phil wissen.

Byrne zuckte mit den Schultern. »Keine Ahnung. Ich habe vier oder fünf Typen gesehen. Sahen nicht gerade freundlich aus. Aber vielleicht waren mehr in dem Gebäude.«

»Waren sie bewaffnet?«, hakte Phil nach.

»Nicht, dass ich wüsste«, antwortete Byrne. »Aber möglich wäre es schon. Ich regele nur ein paar finanzielle Angelegenheiten für Moon und bin keiner seiner engeren Vertrauten. Wenn seine Leute Waffen tragen, würden sie sie mir sicher nicht zeigen.«

»Ist Ihnen in dem Gebäude sonst noch etwas aufgefallen? Irgendwelche Leute oder Geräte?«, fragte ich.

»Nein, nichts Besonderes, glaube ich. Aber ich habe nur zwei Räume gesehen und das Haus war recht groß. Bin nur rein ins Erdgeschoss, habe mit Moon die Details der Transaktion besprochen, mir die Unterschriften geben lassen und war dann wieder weg.«

»Danke für Ihre Hilfe«, sagte ich und deutete Phil an zu gehen. »Eine Sache noch: Wenn Sie irgendjemandem von diesem Gespräch erzählen oder Moon irgendeine Nachricht zukommen lassen, ist unser Deal gestorben. Dann weiß Moon, wer uns die Information über seinem Aufenthaltsort gegeben hat.«

Byrne zuckte zusammen. »Von mir erfährt niemand etwas«, versicherte er mir.

Ich verabschiedete mich und ging mit Phil zurück zum Jaguar.

»Glaubst du, der hält dicht?«, fragte Phil.

»Davon gehe ich aus. Er weiß, was passieren würde, wenn Moon herausfände, dass er ihn verraten hat. Jetzt müssen wir uns auf Michael Moon konzentrieren. Vielleicht haben wir Glück und er ist im Besitz der EMP-Bombe und hat sie in Newark versteckt.«

»Ja, warum sollten wir nicht auch mal Glück haben«, antwortete Phil und stieg in den Jaguar. Wir kontaktierten Mr High und gaben die Informationen über Michael Moons Aufenthaltsort durch. Jetzt kam es darauf an, dass wir schnell handelten und keine Fehler machten.

***

Wir vereinbarten mit Mr High, dass wir uns zum Aufenthaltsort von Michael Moon begeben sollten und er alle weiteren notwendigen Schritte einleitete.

»Wenn wir gleich auf Terroristenjagd gehen, sollten wir noch was Vernünftiges essen. Mein Magen macht sich schon bemerkbar«, sagte Phil während der Fahrt.

»Ich glaube, da musst du dich mit Fastfood zufriedengeben. Für ein richtiges Essen haben wir keine Zeit«, entgegnete ich.

»Das ist das Schlimme an Terroristen: Sie verbreiten Angst und Schrecken und machen dabei nicht mal vor meinem Magen Halt. Schau mal dort, ein Hotdog-Stand!«, sagte Phil und deutete auf einen kleinen Stand am Straßenrand, der Hotdogs und anderes Fastfood im Programm hatte.

Ich bremste und Phil öffnete die Tür. »Aber schnell«, sagte ich. »Und bring mir zwei Hotdogs mit. Aber mit wenig Ketchup, ich möchte nicht, dass die Sitzbezüge des Wagens ruiniert werden.«

Phil erledigte seine Eilbestellung und war nach fünf Minuten zurück im Wagen. »Damit halte ich noch ein paar Stunden durch«, sagte er und biss in den Hotdog, aus dem hinten Ketchup herauslief.

»Ups!«, sagte ich ermahnend.

Aber Phil hatte vorgesorgt. »Tropft alles nur auf die Servietten«, entgegnete er.

Zehn Minuten später erreichten wir die Broad Street in Newark und fuhren an der Cedar Street vorbei. Auf die Schnelle war nichts Verdächtiges zu erkennen. Ich bog zwei Straßen weiter links ab und dann wieder links auf die Halsey Street, die parallel zur Broad Street verlief. Dort parkte ich den Wagen, weit genug vom Zielgebiet entfernt.

Phil stieg aus, ich folgte ihm.

»Besser wir trennen uns, um nicht aufzufallen«, sagte Phil.

Ich schaute auf die Uhr. In fünfzehn Minuten sollten wir Mr High Meldung erstatten. »Geht klar. Ich gehe die Halsey Street entlang. Versuch du, von hinten an das Gebäude heranzukommen.«

Wir setzten uns in Bewegung. Die Halsey Street war um diese Zeit recht belebt. Viele Leute hatten Feierabend und tätigten ihre Einkäufe.

An der Cedar Street angekommen ging ich in einen Laden und kaufte mir eine Tageszeitung. Ich schlug sie auf und blickte über sie hinweg in die Cedar Street hinein. Auf der linken Seite befanden sich einige kleine Geschäfte, in einstöckigen Häusern. Dahinter erhob sich ein vierstöckiges Gebäude. Das musste es sein! Von hier aus konnte ich keine Details erkennen. Was mir aber auffiel, war der Wagen, in dem zwei Männer saßen und sich unterhielten. Möglicherweise waren es Wachposten, die Moon dort postiert hatte. Wahrscheinlich befanden sich um das Gebäude herum noch mehr. Um keinen Verdacht zu erregen, ging ich in normalem Tempo zurück zum Jaguar und stieg ein. Phil kam zwei Minuten später.

»Ein Wagen mit zwei Wachposten auf der Cedar Street, direkt vor dem Haus«, sagte ich.

»Und ein weiterer auf der Broad Street«, sagte er. »Was auch immer die da machen, die wollen nicht gestört werden.«

»Dann werden wir ihnen mal die Suppe versalzen«, sagte ich und informierte Mr High über die Gegebenheiten vor Ort.

***

Mr High hatte einen umfassenden Einsatzplan erarbeitet, an dem mehrere FBI-Agents und ein SWAT-Team beteiligt waren. Alle Aktionen wurden bis ins Detail besprochen und koordiniert. Für einen erfolgreichen Einsatz war die Einhaltung des vorgegebenen Zeitplans von absoluter Wichtigkeit.

Weitere Agents, die inzwischen in der Gegend eingetroffen waren, positionierten an verschiedenen Orten Miniaturkameras, damit die Einsatzzentrale das Gelände im Auge behalten konnte. Dann lief der Countdown.

Die Dämmerung stand kurz bevor, als Mr High von der Zentrale aus den Einsatzbefehl gab.

Zwei als Obdachlose verkleidete Beamte bewegten sich auf den Wagen vor dem Haus auf der Cedar Street zu und hielten die darin befindlichen Wachposten mit Pistolen in Schach. Zeitgleich wurden die Wachen in dem parkenden Wagen auf der Broad Street, die Phil ausfindig gemacht hatte, verhaftet. Damit war der Weg frei.

Phil und ich fuhren zusammen mit einem Teil des SWAT-Teams in einem Lieferwagen über die Cedar Street auf das Gebäude zu. Direkt vor dem Eingang stoppte der Lieferwagen und wir sprangen heraus. Ein Mann des SWAT-Teams öffnete die Tür zum Gebäude mit einem Rammbock. Die Tür flog mit einem Knall auf und wir stürmten das Gebäude. Drei Mitglieder des SWAT-Teams nahmen sich das Erdgeschoss vor, während Phil und ich mit zwei weiteren über die Treppe zur ersten Etage vorstießen.

Kurz bevor wir die erste Etage erreicht hatten, hörten wir Schüsse aus dem Erdgeschoss. Ich hatte nicht lange Zeit, mir darüber Gedanken zu machen, denn da schossen schon zwei bewaffnete Männer aus einer Tür auf der ersten Etage. Bevor einer von uns etwas sagen konnte, hoben sie ihre Waffen. Ich zögerte nicht und schoss dem ersten Mann in die Schulter. Er ließ seine Pistole fallen und wurde nach hinten gegen die Wand geschleudert. Der Zweite hatte eine Maschinenpistole. Einer der Männer hinter mir erwischte ihn, doch noch im Fallen zog er den Abzug der MP durch und eine Salve von Kugeln flog an mir vorbei. Aus den Augenwinkeln sah ich, dass einer der Männer des SWAT-Teams getroffen wurde.

»Wahrscheinlich nur die Weste«, sagte Phil kurz. »Sichern Sie die Etage und bleiben Sie bei ihm«, wies er den anderen Mann des SWAT-Teams an. Ich schaute das Treppenhaus herunter und sah, wie unten weitere Mitglieder des SWAT-Teams in das Gebäude eindrangen.

Zu zweit arbeiteten wir uns vor, um die Etage zu sichern. Ich voraus, Phil gab mir Deckung. Hinter der Tür, durch die uns die beiden schießwütigen Männer entgegengekommen waren, befand sich ein großer Raum, in dem Möbel gelagert wurden. Unübersichtliches Terrain. Hinter jedem größeren Schrank war genug Platz, um sich zu verstecken.

Ich hechtete in den Raum und verschanzte mich hinter einem Schrank. Nichts passierte. Kein Schuss fiel. Insgeheim hoffte ich, auf keinen weiteren Widerstand zu stoßen.

»Erdgeschoss und Keller sind gesichert. Weder Moon noch die Bombe gefunden«, hörte ich über Funk. Das SWAT-Team würde sich jetzt weiter hocharbeiten. Da das Gebäude vier Stockwerke hatte, lag noch einiges an Arbeit vor uns.

Ich wollte gerade um die Ecke schauen, als ich ein Geräusch hörte. Jemand tippte auf einem Computer herum.

»Mach schnell«, flüsterte jemand. Ich riskierte einen kurzen Blick und sah zwei Männer. Einer arbeitete an einem Notebook, der andere zielte mit einer Waffe in meine Richtung. Noch während ich meinen Kopf zurückzog, feuerte er. Ich spürte den Luftzug der Kugel, die an meinem Gesicht vorbeisauste.

»FBI. Lassen Sie Ihre Waffen fallen und ergeben Sie sich«, schrie ich. Als Antwort fiel ein weiterer Schuss. Die beiden hatten wohl nicht vor, sich zu ergeben.

Phil hatte sich inzwischen eine andere Stellung gesucht und gab mir ein Zeichen. Er feuerte ein paar Schüsse ab und deckte damit meinen Vorstoß. Der Mann, der gerade auf mich geschossen hatte, hob seine Waffe, als er mich sah. Doch ich war schneller. Getroffen stürzte er zu Boden. Der andere drehte sich um, hob seine Arme und schrie: »Nicht schießen, ich bin unbewaffnet!«

Ich kam aus meiner Deckung und näherte mich ihm vorsichtig, bereit, bei Gefahr sofort zu schießen.

»Nehmen Sie Ihre Hände hinter den Kopf und drehen Sie sich um«, sagte ich zu dem Mann, der sich ergeben hatte. Ich langte gerade zu meinen Handschellen, da fiel ein weiterer Schuss. Der Mann, der sich gerade hatte ergeben wollen, stürzte zu Boden.

»Verdammt«, fluchte ich und suchte Deckung. Wer hatte geschossen?

»Da versteckt sich noch einer«, rief Phil mir zu und feuerte ein paar Mal, um den Schützen in Deckung zu zwingen.

***

Ich schaute mich um. An der Decke hingen verschiedene Lampen, einige mit silberfarbenem Metallrahmen. In einer konnte ich die Bewegung eines Schattens erkennen. Nicht genau, aber aufgrund des Winkels der Lampe konnte ich in etwa abschätzen, wo sich die Person aufhielt. Ich schlich um ein paar Schränke herum und versuchte, den Schützen zu umgehen, um ihm in den Rücken fallen zu können. Phil, der meine Bewegung von hinten mitverfolgte, nickte. Er hatte erkannt, was ich vorhatte.

Ich hatte fast die anvisierte Position erreicht, da fielen woanders im Haus Schüsse. Der Schütze, den ich verfolgte, nutzte die Ablenkung, um seine Position zu wechseln. Einen Augenblick lang konnte ich ihn sehen, die blonden Haare, das Gesicht mit der schmalen Nase – es war Michael Moon. Doch bevor ich etwas unternehmen konnte, war er hinter ein paar Kommoden verschwunden. Immerhin wusste ich jetzt, in welche Richtung er sich bewegte. Ich gab Phil ein Zeichen. Er kam zu mir. Ohne Worte gab ich ihm zu verstehen, was ich vorhatte.

Wir setzten uns in Bewegung, ich rechts herum, Phil links.

Dann hörte ich plötzlich ein quietschendes Geräusch. Ich schaute um eine der Kommoden herum und sah, wie Moon ein altes, verrostetes Fenster zum Hinterhof öffnete.

Ich nahm ihn ins Visier und sagte: »Moon, Sie sind verhaftet. Lassen Sie Ihre Waffe fallen und drehen Sie sich um.«

Moon nahm die Hände hoch, ließ seine Waffe aber nicht fallen. Er drehte sich langsam um und lächelte. »Jetzt haben Sie mich genau da, wo Sie mich haben wollten. Sie haben gewonnen.«

Bevor ich noch etwas sagen konnte, sprang er zur Seite, legte an und wollte auf mich feuern. Noch im Sprung wurde er aber getroffen. Er kam nicht mehr dazu abzudrücken. Phil hatte ohne zu zögern reagiert.

Moon fiel unsanft zu Boden und schrie auf, als er aufprallte. Die Verletzung musste höllisch wehtun. Phil lief mit vorgehaltener Waffe auf ihn zu, schob mit dem Fuß Moons Pistole zur Seite und ließ ihn nicht aus den Augen. Ich ging auf Moon zu und durchsuchte ihn. Dabei stellte ich zwei Handys und ein Wurfmesser sicher.

»Jetzt habe ich Sie wirklich da, wo ich Sie haben wollte«, sagte ich, als ich Moon Handschellen anlegte und ihn an einem Heizungsrohr festmachte. Seine Verletzung sah nicht schlimm aus, nur eine Fleischwunde, aber sie blutete ziemlich stark. Ich gab ihm ein Stück Stoff und wies ihn an, es bis zur Ankunft des Arztes auf seine Wunde zu drücken.

Einige Männer vom SWAT-Team kamen auf unsere Etage. »Alle anderen Stockwerke sind gesichert«, sagte einer der Officers. »Wir haben das gesamte Gebäude unter Kontrolle.«

Ich nickte. Jetzt galt es nach der Bombe zu suchen – wenn sie hier war. Wenn sie sich überhaupt im Besitz von Moon befand. Jetzt, nachdem wir alle Männer von Moons Team verhaftet hatten, konnten wir in Ruhe suchen.

»Schauen Sie zu, dass Moon ärztlich versorgt wird, und bringen Sie ihn dann ins Field Office«, sagte ich zu einem Mann des SWAT-Teams. Er nickte, holte sich noch einen zweiten Mann hinzu und brachte Moon weg. Um ihn würden wir uns später kümmern.

Es dauerte eine geschlagene Stunde, das gesamte Haus vom Keller bis zum Dach zu durchsuchen. Wir fanden automatische Waffen, ein paar kugelsichere Westen, Notebooks, Funkgeräte und einen ganzen Haufen C4-Sprengstoff. Von der Bombe allerdings fehlte jede Spur.

»Wenn Moon etwas mit dem Diebstahl der EMP-Bombe zu tun hat, dann hat er sie woanders gelagert«, sagte Phil. »Oder wir haben ihn bei einer anderen Schweinerei gestört.«

Ich nickte zustimmend. »Das werden wir beim Verhör herausfinden. Wenn er selbst nicht redet, wird bestimmt einer seiner Männer den Mund aufmachen. Söldner sind mehr auf ihren Eigennutz bedacht und redseliger als irgendwelche fanatischen Attentäter. Lass uns ins Field Office fahren. Hier können wir nichts mehr tun.«

***

Michael Moon und vier seiner Helfer waren ins Field Office gebracht worden. Wie erwartet war Moons Schussverletzung nicht schwerwiegend. Ein Arzt hatte ihn untersucht und behandelt und zur Vernehmung freigegeben. Jetzt waren wir wieder an der Reihe.

»Kein guter Tag für Sie«, sagte ich zu Moon, als ich in das Verhörzimmer trat. Hinter Moon standen zwei bewaffnete Beamte. Er selbst trug Handschellen. Phil trat nach mir ein und machte die Tür zu.

»Dabei hätte alles so schön sein können«, fuhr ich fort, »wenn nicht aus heiterem Himmel all die Polizeibeamten aufgetaucht wären und Ihren Plan vereitelt hätten.«

Moon schaute mich mit emotionslosen grauen Augen an. »Wer hat Ihnen den Tipp gegeben? Wer hat mich verraten?«

»Gute Frage«, erwiderte ich. »Aber wer oder was Sie verraten hat, diese Frage müssen wir noch etwas zurückstellen. Zuerst habe ich nämlich noch ein paar Fragen. Zunächst zu Ihrem Zeitplan. Für wann hatten Sie die Aktion geplant?«

»Was bieten Sie mir, wenn ich Ihnen das sage?«, stellte er als Gegenfrage.

»Das hängt davon ab, wie kooperativ Sie sind«, antwortete ich.

Er musterte mich genau und überlegte einen Moment. Er schien seine Möglichkeiten auszuloten. Sein Spielraum war begrenzt. Aber er war ein kluger Kopf. Vielleicht hatte er noch ein Ass im Ärmel. Ich war gespannt.

»Ich will einen Deal mit dem Staatsanwalt. Dann gebe ich Ihnen alle Informationen, die ich habe«, sagte er.

Ich schaute ihn ernst an. »Sie wollen einen Deal? Es ist schon recht spät. Bevor ich meinen Vorgesetzten bitte, den Staatsanwalt zu wecken, möchte ich etwas in der Hand haben. Wissen Sie, ich blamiere mich nicht gerne. Also, geben Sie mir etwas und wir sehen weiter.«

Moon überlegte. »Ich kann Ihnen den Aufenthaltsort von zwei international gesuchten Terroristen verraten. Aber dafür verlange ich eine Generalamnestie für mich. Und zwar schriftlich und unterschrieben vom Generalstaatsanwalt. Das Dokument wird im Beisein meines Anwalts unterschrieben. Das ist der Deal.«

Ich überlegte. Moon hatte also noch ein Ass im Ärmel. Aber dem FBI ging es nicht um irgendwelche Terroristen. Wir wollten die EMP-Bombe. Entweder hatte Moon wirklich nichts mit dem geplanten Anschlag zu tun, oder er wollte uns in die Irre führen.

»Sie wollen also, dass wir Sie im Tausch gegen zwei Terroristen freigeben? Zwei für einen sozusagen«, sagte ich.

Zum ersten Mal lächelte er und zeigte seinen kühlen britischen Charme. »Ganz genau, zwei für einen. Ein guter Deal für Sie und für mich.«

»Werden Ihre Terroristenfreunde dann nicht sauer auf Sie sein?«, fragte ich.

»Sie müssen ja nicht erfahren, dass ich sie verpfiffen habe, oder?«, antwortete er.

»Ich denke darüber nach«, sagte ich und drehte mich in Richtung Tür um. »Und was ist mit der Bombe?«

Genau in diesem Augenblick schaute ich wieder in sein Gesicht und konnte den Hauch eines Fragezeichens erblicken. Einen Moment lang sah er so aus, als würde er nicht wissen, wovon ich sprach. Dann hatte er sich wieder gefangen.

»Was wollen Sie darüber wissen?«, fragte er mich. Er war ein geschickter Rhetoriker. Aber wenn ich seine Reaktion auf meine Erwähnung der Bombe richtig deutete, hatte er keine Ahnung von einer Bombe.

»Alles, was Sie darüber wissen«, sagte ich. Ich entschied mich, die Probe aufs Exempel zu machen und ihn auf eine falsche Fährte zu locken. »Das ganze C4, das Sie auf der Cedar Street gebunkert hatten – wollten Sie damit eine Bombe bauen? Und wenn ja, was war Ihr Anschlagsziel und wer waren Ihre Auftraggeber?«

»Wenn Sie auf den von mir vorgeschlagenen Deal eingehen, werde ich Ihnen auch diese Fragen beantworten. Betrachten Sie es als einen Bonus«, sagte er.

Ohne noch etwas zu sagen, verließ ich den Raum. Phil folgte mir auf den Flur. Wir gingen nach nebenan, wo die Vernehmungsspezialisten Irwin Foster und Malcolm Snyder das bisherige Verhör verfolgt hatten.

»Was ist euer Eindruck?«, fragte ich die beiden.

Foster schüttelte den Kopf. »Sieht nicht so aus, als wüsste er etwas über die EMP-Bombe. Wir sollten seine Leute befragen, um herauszufinden, was er wirklich geplant hat. Wahrscheinlich hat es aber nichts mit der EMP-Bombe zu tun.«

»Ganz meine Meinung«, sagte ich.

Wir berieten uns mit Mr High und vereinbarten, dass Moon und seine Leute weiter von unseren Vernehmungsspezialisten verhört werden sollten. Zum einen wollten wir herausfinden, was er geplant hatte. Und zum anderen wollten wir sicherstellen, dass es nichts mit der EMP-Bombe zu tun hatte.

Phil und ich machten kurz nach Mitternacht Schluss und fuhren nach Hause. Es war ein langer Tag gewesen. Und noch immer hatten wir keinen Hinweis auf den potenziellen Anschlag bekommen.

***

»Ich bin gespannt, was Foster und Snyder aus Michael Moon und seinen Leuten rausgeholt haben«, sagte Phil, als wir am nächsten Morgen zum Field Office fuhren. Es war eine kurze Nacht gewesen und er sah entsprechend aus.

»Das werden wir gleich beim Meeting mit Mister High und Peter Thompson erfahren. Vielleicht haben die anderen Teams mehr Erfolg gehabt. Hoffe ich zumindest«, erwiderte ich.

»Hoffentlich bringt Helen wieder Kaffee, damit ich richtig wach werde«, sagte Phil und gähnte demonstrativ.

»Das kann ja was werden, wenn unser Stundenplan in den nächsten Tagen aus 16-Stunden-Schichten mit kurzen Imbiss-Pausen besteht.«

»Ein Grund mehr, diesen Schurken rechtzeitig das Handwerk zu legen«, meinte Phil und schaute hungrig zu einem auf unserem Weg liegenden Restaurant. »Jetzt könnte ich ein richtig ordentliches Frühstück vertragen.«

»Bevor ich dich abgeholt habe, war ich einkaufen und habe ein paar Sandwiches und was zu trinken besorgt«, sagte ich und deutete auf die beiden Papiertüten, die hinter meinem Sitz standen. »Habe mir gedacht, dass es ein langer Tag ohne Pausen werden könnte, und entsprechend vorgesorgt.«

Phils Miene heiterte sich plötzlich auf. Er holte eine der Tüten nach vorne, stellte sie auf seinen Schoß und kramte darin herum. »Mann, das ist ja ein regelrechtes Futterparadies für einen hungrigen FBI-Agent. Gut, dass ich dich zum Partner habe und nicht eine von den schlanken weiblichen Agents, die nichts für gehaltvolles Essen übrig haben.«

»Lass mir aber auch noch was übrig«, erwiderte ich scherzhaft. »Sonst muss ich mir einen anderen Partner suchen, weil ich an Unterernährung leide. Außerdem muss das vielleicht für den ganzen Tag reichen.«

»Geht klar«, sagte Phil, während er sich ein Thunfisch-Sandwich in den Mund schob.

Kurz darauf hatte ich die Zentrale erreicht. Mir fielen die zusätzlichen Sicherheitskräfte auf, die um das Gebäude platziert waren. Kein Wunder bei der erhöhten Alarmstufe. Auch die Kontrolle, der wir uns beim Einfahren in die Tiefgarage unterziehen mussten, war gründlicher als sonst.

Genau wie am Tag zuvor fand das Meeting in Konferenzraum 2 statt. Die Agents waren vollzählig anwesend, sogar jene, die bis in die Morgenstunden gearbeitet hatten. Foster und Snyder etwa, die ziemlich verschlafen aussahen. Ihre Gesichter hellten sich auf, als Helen mit zwei großen Kannen Kaffee den Raum betrat.