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Studienarbeit aus dem Jahr 2005 im Fachbereich Germanistik - Sonstiges, Note: 1,0, Georg-August-Universität Göttingen (Seminar für deutsche Philologie Göttingen), Veranstaltung: Hauptseminar: Die Republik im Fadenkreuz. Der TATORT im Spiegel der bundesrepublikanischen Gesellschaft 1970 – 2000., Sprache: Deutsch, Abstract: Der Frage, wie die gesellschaftliche Situation der Frau, im Öffentlichen wie im Privaten im untersuchten Zeitraum - nämlich ab Mitte der 1970er Jahre bis Anfang der 1980er Jahre - tatsächlich aussieht, wird sich der erste Teil dieser Arbeit widmen. Der zweite Teil dieser Arbeit will exemplarisch an der im Rahmen der Reihe TATORT erschienenen Fernsehproduktion Wodka Bitter Lemon3 untersuchen, wie diese mit den in den Studien erarbeiteten Frauenbildern umgeht. Betrachtet werden soll, ob und in wie weit sich die zentralen Frauenrollen in Wodka Bitter Lemon an den Stereotypen der bundesrepublikanischen Fernsehlandschaft der 1970er Jahre orientieren, ob die Themen Emanzipation und/ oder Doppelrolle der Frau thematisiert werden, und nicht zuletzt, welche Funktion das Konzept „Emanzipation“ in Wodka Bitter Lemon hat. [...]
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Veröffentlichungsjahr: 2008
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Georg-August-Universität Göttingen Seminar für deutsche Philologie
Hauptseminar: Die Republik im Fadenkreuz. Der TATORT im Spiegel der bundesrepublikanischen Gesellschaft 1970 - 2000
"Jetzt sei nicht schwierig!" -Frauenbilder der 1970er zwischen soziologischer Sicht
und medialer Aufbereitung
Christina Durant
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Unter dem Einfluss der von der Neuen Frauenbewegung und dem Schlagwort der Emanzipation1seit den 1960er Jahren ausgelösten Veränderungen die gesellschaftliche Situation der Frau betreffend, wurde das Jahr 1975 zum „Jahr der Frau“ erklärt. In diesem Rahmen erschienen verschiedene Untersuchungen, die sich mit der tatsächlichen rechtlichen und beruflichen Situation von Frauen in der BRD im vergangenen Jahrzehnt beschäftigten und darüberhinaus auch ihre Stellung in und ihre Bedeutung für die Familie in den Focus nahmen. Alle Autorinnen und Autoren kommen übereinstimmend zu dem Ergebnis, dass sich rechtlich für die Frau in der BRD zwar viel verändert hat, die tägliche Lebenspraxis aber nach wie vor in vielen Bereichen von einem patriarchalisch geprägten Frauenbild bestimmt ist.
Obwohl die Frau dem Mann rechtlich gleichgestellt ist, kommt es in nahezu allen Bereichen zu einer Benachteiligung der Frau. Die im Untersuchungszeitraum herrschenden Berufschancen für Frauen, angefangen von der
Lehrstellenvergabe bis hin zu Aufstiegschancen, zeichnen ein deutliches Bild. Frauen in Führungspositionen sind in den 1970er Jahren eine verschwindend geringe Minderheit. Darüberhinaus wird klar, dass der überwiegende Teil der bundesrepublikanischen Frauen in ihrem Leben zumindest für eine begrenzte Zeit Vollzeit-Hausfrau ist. Diejenigen, die nach einer sogenannten Familienphase wieder in den Beruf zurückkehren, sind nicht nur am Arbeitsplatz benachteiligt, durch die von ihnen zu versorgende Familie sind sie auch einer Doppelbelastung ausgesetzt, die ein Mann so nicht zu bewältigen hat.
Neben diesen Studien existieren für den gleichen Zeitraum auch solche, die sich mit dem Frauenbild in den zeitgenössischen Medien befassen. Korrespondierend zu der untergeordneten, sich weitgehend auf das Private konzentrierenden Rolle der tatsächlichen Frau, sind Frauen im Fernsehen der 1970er Jahre massiv unterrepräsentiert. Das von ihnen vermittelte Bild hat mit
1Definition Emanzipation: Befreiung, Gleichstellung. Der Kampf von Frauen, um die gleichen Rechte zu erlangen, die Männer traditionell haben. Vgl. Probst, Ulrich (Hrsg.): Frauen und Männer sind gleichberechtigt. Zur politischen Emanzipation der Frau in der Bundesrepublik Deutschland. München 1981. S. 9.
Elemente, die Emanzipation definieren nach Erika Runge: Frauen. Versuche zur Emanzipation. Frankfurt a. M. 1970. S. 272 ff.: Dazu gehört es, einen Beruf zu ergreifen, der traditionell Männern vorbehalten ist, als Frau sexuelle Freiheiten in Anspruch zu nehmen, die bisher nur Männern zugestanden wurde, die Trennung vom (Ehe-)Mann in Betracht zu ziehen, um „überlieferten Unterdrückungsmechanismen zu entkommen“ und die Refelxion über die „individuelle und historische Situation“ und die daraus erwachsenen Erkenntnisse in die Tat umzusetzen.
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der tatsächlichen „Durchschnittsfrau“ in der Bundesrepublik wenig zu tun: Das Leitbild für die Frau im deutschen Fernsehen ist jung, schön, ledig und scheinbar unabhängig, dicht gefolgt vom mütterlichen Typ, wobei tatsächliche Darstellung von Haus- und Erziehungsarbeit weitgehend ausbleibt.2Der Frage, wie die gesellschaftliche Situation der Frau, im Öffentlichen wie im Privaten im untersuchten Zeitraum - nämlich ab Mitte der 1970er Jahre bis Anfang der 1980er Jahre - tatsächlich aussieht, wird sich der erste Teil dieser Arbeit widmen.
Der zweite Teil dieser Arbeit will exemplarisch an der im Rahmen der Reihe TATORT erschienenen FernsehproduktionWodka Bitter Lemon3untersuchen, wie diese mit den in den Studien erarbeiteten Frauenbildern umgeht. Betrachtet werden soll, ob und in wie weit sich die zentralen Frauenrollen inWodka Bitter Lemonan den Stereotypen der bundesrepublikanischen Fernsehlandschaft der 1970er Jahre orientieren, ob die Themen Emanzipation und/ oder Doppelrolle der Frau thematisiert werden, und nicht zuletzt, welche Funktion das Konzept „Emanzipation“ inWodka Bitter Lemonhat.
und Familie
