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Nach dem Tod von König Richard Löwenherz löst Königinmutter Alienor die herzogliche Hofhaltung in Poitiers auf und verlässt ihre Residenz für immer. Ohne den Schutz ihrer mächtigen Gönnerin ist auch Jezabel gezwungen, Poitiers den Rücken zu kehren. Ihr erstes Ziel der Reise ist der Hof von König Philippe Auguste in Paris, denn dort lebt Kronprinzessin Blanche, Alienors Enkelin. Doch Jezabel ist nicht willkommen. Erst nachdem sie das Leben des Thronfolgers gerettet hat, wird ihr gestattet, den Winter im Louvre zu verbringen.
Als Henry de Brézé, der inzwischen eine Adelige geehelicht hat, am Königshof eintrifft, bricht Jezabel überstürzt nach Straßburg auf und reist dann weiter nach Bingen. Dort trifft sie wieder auf Irmengard, die sie in die Geheimnisse der Heilkunst einweiht. Doch kaum verläuft Jezabels Leben in ruhigen Bahnen, taucht eines Tages überraschend Ritter Henry de Brézé auf ...
Dritter Teil der großen Saga um die Parfumeurin Jezabel.
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Seitenzahl: 476
Veröffentlichungsjahr: 2022
Nach dem Tod von König Richard Löwenherz löst Königinmutter Alienor die herzogliche Hofhaltung in Poitiers auf und verlässt ihre Residenz für immer. Ohne den Schutz ihrer mächtigen Gönnerin ist auch Jezabel gezwungen, Poitiers den Rücken zu kehren.
Ihr erstes Ziel der Reise ist der Hof von König Philippe Auguste in Paris, denn dort lebt Kronprinzessin Blanche, Alienors Enkelin. Doch Jezabel ist nicht willkommen. Erst nachdem sie das Leben des Thronfolgers gerettet hat, wird ihr gestattet, den Winter im Louvre zu verbringen.
Als Henry de Brézé, der inzwischen eine Adelige geehelicht hat, am Königshof eintrifft, bricht Jezabel überstürzt nach Straßburg auf und reist dann weiter nach Bingen. Dort trifft sie wieder auf Irmengard, die sie in die Geheimnisse der Heilkunst einweiht.
Doch kaum verläuft Jezabels Leben in ruhigen Bahnen, taucht eines Tages überraschend Ritter Henry de Brézé auf …
Über Brigida Anello
Brigida Anello verbrachte ihre Kindheit und Jugend in Bayern, bevor sie eine Ausbildung in den USA absolvierte. Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland arbeitete sie in Heidelberg für verschiedene internationale Unternehmen. Sie war u.a. in der Verlags- und Reisebranche tätig, so z.B. für einen wissenschaftlichen Verlag sowie diverse Ferienclubs am Mittelmeer. Die Liebe zur Literatur verbindet sie mit ihrer Leidenschaft für berühmte Frauengestalten der Geschichte. Seit 2005 ist sie wieder in Bayern zu Hause und schreibt unter verschiedenen Pseudonymen historische Romane, Biografien, Krimis und Sachbücher.
Die Autorin ist Mutter eines erwachsenen Sohns.
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Brigida Anello
Jezabel – Die Erbin der Düfte
Historischer Roman
Cover
Inhaltsverzeichnis
Titelinformationen
Informationen zum Buch
Newsletter
Was bisher geschah
Personenverzeichnis
1 Die Reise beginnt
2 In Amboise
3 Von Orléans nach Artenay
4 Auf Burg Toury
5 Das Wiedersehen
6 Tod in Étampes
7 Bonjour Paris
8 Am Königshof
9 Die Entscheidung
10 Wintereinbruch
11 Der Gesandte
12 Adieu Paris
13 Der Sonne entgegen
14 Von Nancy an den Rhein
15 Auf dem Fluss
16 Am Ziel
17 Villa Rustica
18 Gift
19 Die Geburt
20 Der Besucher
21 Abschied
Glossar
Impressum
Liebe Leserinnen und Leser,
bitte haben Sie Verständnis, dass bei dem vorliegenden Buch mitunter Begrifflichkeiten verwendet werden, die nicht dem heutigen Verständnis von Wertschätzung und Offenheit gegenüber anderen Kulturen entsprechen. Diese Begrifflichkeiten sind vor dem historischen Kontext zu verstehen und ein Zeugnis der damaligen Zeit. Sie geben nicht die persönliche Meinung oder Ansichten der Autorin bzw. des Verlages wieder.
Dieses Buch ist ein Roman, dessen frei erfundene Handlung vor dem Hintergrund historischer Ereignisse spielt. Einige Figuren – wie etwa König Philipp II. August von Frankreich, seine Ehefrau Königin Agnes-Maria von Andechs-Meranien, Kronprinz Ludwig und seine junge Gemahlin Blanche von Kastilien sind historisch belegt und haben ihren Platz in der Geschichte. Andere Figuren und Geschehnisse sind Produkte meiner Phantasie. Da die Geschichte des Hochmittelalters nicht lückenlos belegt und der nachfolgende Text keine wissenschaftliche Abhandlung ist, habe ich mir die Freiheit genommen, Daten, Ereignisse und Schauplätze nach meiner Vorstellung zu interpretieren.
Inhaltsübersicht
Informationen zum Buch
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Was bisher geschah
Personenverzeichnis
1 Die Reise beginnt
2 In Amboise
3 Von Orléans nach Artenay
4 Auf Burg Toury
5 Das Wiedersehen
6 Tod in Étampes
7 Bonjour Paris
8 Am Königshof
9 Die Entscheidung
10 Wintereinbruch
11 Der Gesandte
12 Adieu Paris
13 Der Sonne entgegen
14 Von Nancy an den Rhein
15 Auf dem Fluss
16 Am Ziel
17 Villa Rustica
18 Gift
19 Die Geburt
20 Der Besucher
21 Abschied
Glossar
Impressum
Band 1: Jezabel – Das Geheimnis der Düfte
Während des dritten Kreuzzugs 1189 ins Heilige Land lebt in den Gassen der Hafenstadt Akkon der jüdische Alchimist Moses, der sich mit der Gewinnung kostbarer Düfte aus den geheimnisumwitterten Stoffen Ambra und Moschus beschäftigt. Seine einzige Tochter Jezabel lernt an seiner Seite bereits in frühester Jugend alles über die Herstellung begehrter Aromen. Die Mutter des Sultans sowie die wohlhabendsten, einflussreichsten Adligen, Künstler und Beamten des Landes zählen zu ihren Kunden, die Lotionen und Duftöle werden mit Gold aufgewogen. Kauffahrer aus Italien, Frankreich und Deutschland reißen sich um die Ware. Auch Sultan Saladin, mächtigster Herrscher des Orients, will die Geheimnisse sinnlicher Düfte sowie deren begehrenswerte Schöpferin für sich gewinnen. Doch der Jude Moses und seine kluge Tochter wissen ihre Geheimnisse zu wahren.
Da marschiert im Jahr 1189 das Kreuzritterheer im Heilige Land ein, verstärkt durch den englischen König Löwenherz und seine Soldaten, um die heiligen Stätten des Christentums aus den Händen der Muslime zu befreien. Zwei Jahre lang werden sie Akkon belagern, bis die Stadt schließlich 1191 in die Hände der Christen fällt.
Bei der Eroberung der Stadt gehen Haus und Labor des Alchimisten Moses in Flammen auf. Ein englischer Ritter rettet Jezabel und ihren Vater aus dem brennenden Gebäude. Während sich Henry de Brézé auf den ersten Blick in die schöne Jüdin verliebt, fürchtet sich diese vor dem bedrohlich wirkenden Fremden.
Brézé bringt Jezabel und ihren Vater in seinem Quartier im christlichen Feldlager unter. Nach und nach fühlt sich das Mädchen zu dem englischen Ritter hingezogen, der sich sehr um ihre Zuneigung bemüht. Doch aus Angst vor dem christlichen Fremden flieht sie aus dem feindlichen Lager. Schon nach kurzer Zeit greifen sie die Wachen des Sultans auf. Unverzüglich wird sie im königlichen Harem untergebracht. Der Sultan will sie als Parfümeurin und Geliebte gewinnen, doch Jezabel weigert sich, ihre Rezepturen herausgeben und als Kadine dem Sultan zu Willen sein. Der versucht sie erst mit Geschenken, dann mit Versprechungen für sich einzunehmen. Als ihm das nicht gelingt, vergewaltigt er Jezabel brutal.
Nun ist sie zu allem bereit – nur nicht zur Preisgabe ihrer Rezepte. Doch der Herrscher möchte um jeden Preis das Herz der schönen Jüdin gewinnen, die er nicht nur wegen des zu erwartenden Goldsegens begehrt.
Aber auch Henry de Brézé kann die exotische Schöne nicht vergessen. Während er noch über ihre Rettung nachdenkt, gelingt Jezabel die Flucht aus dem Harem. Sie kehrt ins Heerlager der Kreuzritter zurück und wird – mit ihrem Vater, dem aquitanischen Ritter Kerouaq und seinem Knappen – auf ein Schiff gebracht, das sie zur Königinmutter Alienor von Aquitanien nach England und in Sicherheit bringen soll. Dort soll sie auf Henry warten, der sie auf seine Burg mitzunehmen verspricht.
Moses jedoch ist es gelungen, Ambra-Stücke und Moschus aus dem zerstörten Akkon zu retten. Versteckt unter der Kleidung gelingt ihm, seine Schätze in Sicherheit zu bringen und nach Europa zu schmuggeln, wo diese Substanzen bis dahin unbekannt sind. Mit diesen Kostbarkeiten will er eine neue Existenz in England aufbauen.
Auf hoher See setzen die abergläubischen Seeleute die Gruppe in einem Boot aus. Bevor es in den Fluten versinkt, werden die Schiffbrüchigen von Fischern gerettet.
Nun beginnt eine abenteuerliche Odyssee, die die Reisenden quer durch Italien, nach Rom, Florenz, Bozen und über die Alpen bis in die reiche Handelsstadt Nürnberg führt, wo sich Moses Aufnahme bei einem befreundeten Kauffahrer erhofft. Doch der alte Mann stirbt während der Reise, seine Tochter und ihre Gefährten müssen den Weg ohne ihn fortsetzen.
In Nürnberg angekommen, nimmt der Handelsherr Giselher Jezabel nach einigem Zögern in seinem Haus auf, während Kerouaq und sein Knappe nach England weiterziehen. Jezabel hat nun zwar eine neue Heimat gefunden, doch ein Wiedersehen mit Henry de Brézé ist in weite Ferne gerückt.
Band 2: Jezabel – Der Garten der Düfte
Die Alchimistin Jezabel lebt nach ihrer Flucht aus Palästina im fernen Nürnberg im Hause des Patriarchen Giselher, dem ehemaligen Handelspartner ihres verstorbenen Vaters. Der reiche Kauffahrer hat in seinem Haus ein Laboratorium zur Parfümherstellung eingerichtet, in dem die junge Frau Luxusdüfte für Kaiser und Adel herstellt und damit ihrem Gastgeber und sich selbst zu Reichtum verhilft. Giselher möchte die schöne Jüdin heiraten. Aber diese hofft auf die baldige Rückkehr ihrer großen Liebe, Ritter Henry de Brézé, der als Gesandter der Königinmutter Alienor um die Freilassung ihres Sohnes, König Richard Löwenherz, aus der Geiselhaft Kaiser Heinrich IV. kämpft.
Als sie Giselhers Tochter vor dem Tod im Kindbett rettet, macht sie sich deren Ehemann, den verschlagenen Kaufmann Waldemar, zum Feind, der auf ihren Tod gehofft hatte. Er denunziert die Frau als Zauberin und Hexe beim Rat der Stadt. Misstrauisch verhört der Schultheiß die Alchimistin, deren Erfolge schon lange Neid und Missgunst der Bürgerschaft erregen. Während die Räte die Anschuldigungen gegen die Alchimistin überprüfen, schickt ihr der Kaiser ein junges Mädchen, das Jezabel in die Geheimnisse der feinen Düfte einweihen soll. Nur widerwillig nimmt die Parfümeurin die kleine Apollonia, Enkelin der kaiserlichen Heilerin, unter ihre Fittiche.
Da trifft Ritter Kerouaq im Hause Giselher ein, um Jezabel eine Nachricht von Henry de Brézé zu überbringen. Dieser hat die Kaiserpfalz zu Bamberg verlassen, um zur Burg Trifels in der Pfalz zu reisen, wo sein König in Geiselhaft gefangen sitzt. Nach Nürnberg wird er nicht zurückkehren. Jezabels Traum von einem gemeinsamen Leben an der Seite des Ritters scheint damit zu enden.
Noch während sie über eine Ehe mit Giselher nachdenkt, wird die Stadt von einer geheimnisvollen Seuche heimgesucht. Als sich die Todesfälle häufen und Jezabel als Verursacherin beschuldigt wird, drängt Kerouaq die Alchimistin, mit ihm die Stadt zu verlassen, um in England bei der Königinmutter Alienor von Aquitanien Schutz zu suchen.
Auf dem Schiff des kundigen Weinhändlers Kuno fahren sie an die Nordseeküste, um nach England überzusetzen.
Die Reisenden betreten ein Land, das durch die enorme Lösegeldforderung des Kaisers in schwere Not geraten ist. England stöhnt unter der Last horrender Steuern. Doch die Hofhaltung in Windsor ist so prunkvoll wie eh und je, und die Königinmutter nimmt die Alchimistin mit offenen Armen auf. Die eitle Frau ist entzückt darüber, in Jezabel eine talentierte Parfümeurin gefunden zu haben, die bereit ist, ihre Kenntnisse ausschließlich in den Dienst der Fürstin zu stellen.
Als Alienor nach Poitiers aufbricht, um die Intrigen des englischen Hofs hinter sich zu lassen, reist die Alchimistin an ihrer Seite ins Poitou. Vom ersten Tag an verliebt sie sich in die Schönheit der Stadt und schwelgt in der glanzvollen Hofhaltung ihrer Herrin. Land und Leute sind so recht nach dem Geschmack der Parfümeurin. Adelige und Ritter werben um die Gunst der verführerischen Frau, die unter der Sonne des Südens aufblüht. Zu ihrem Glück fehlt nur noch eins: ein Wiedersehen mit ihrem geliebten Henry.
Eines Tages kommt Ritter de Brézé mit Botschaften für die Herzogin an den Hof – in Begleitung seiner Ehefrau. Jezabel ist verzweifelt: Wie soll sie den Verrat ihres Liebsten je vergessen? Sie vergräbt sich in ihrer Arbeit. Dann trifft eine Nachricht ein, die das Leben aller für immer verändern wird. Alienors Lieblingssohn Richard ist während einer Belagerung gefallen. Seine trauernde Mutter zieht sich in das Kloster Fontevrault zurück und lässt den prächtigen Fürstenhof von Poitiers hinter sich.
Jezabel und ihre Schülerin bleiben zurück und beschließen, nach Paris aufzubrechen, um Alienors Enkelin, die Kronprinzessin von Frankreich, um Schutz und Obdach zu bitten. Hauptmann Marcillac, Jezabels treuer Verehrer, bietet an, sie auf dieser Reise begleiten.
Auf der Loire
Jezabel von Akkon, Parfümeurin und Lehrmeisterin von
Apollonia von Salerno, ihre Schülerin
Paul de Marcillac, Hauptmann der Palastwache von Poitiers, Jezabels treuer Verehrer
Bernard, ein Loire-Flussschiffer
Auf dem Weg nach Paris
Jean, Weinbauer im Dorf Artenay
Baron Toury, ehemaliger Waffenbruder von Hauptmann Marcillac
Guinevere, seine Ehefrau
Jehanne, ihre Leibdienerin
Nando, Anführer der Gauklertruppe
Zina, die Tänzerin, Nandos Frau
Perla, Tochter von Nando und Zina, Zwillingsschwester von
Enis, Sohn von Nando und Zina
Lili, Tänzerin der Akrobatentruppe, Ehefrau von
Diego, Akrobat
Janosch der Stelzenmann, Sohn von Lili und Diego
Mara die Wahrsagerin, Tochter von Lili und Diego
Ramon der Feuerschlucker
Sandro, Akrobat
In Paris
Marie, eine kleine Bettlerin
Blanche, Kronprinzessin von Frankreich, Ehefrau von Louis VIII., Enkelin der Herzogin Alienor von Aquitanien
Louis, Thronfolger von Philippe Auguste, Blanches Gemahl
Philippe Auguste II., König von Frankreich, Feind der Familie Plantagenet
Agnes-Maria von Andechs-Meranien, Königin von Frankreich, Gemahlin von Philippe Auguste
Adelaide, eine Hofdame der Thronfolgerin
Abou/Henri, Jezabels Kindheitsfreund, ein Page des Kronprinzen
Artephius, Alchimist im Louvre
Henry Graf de Brézé, Gesandter des englischen Königs, Jezabels große Liebe
Isabeau Gräfin de Brézé, seine Gemahlin
Der Weg an den Rhein
Rose, eine Bäuerin und Heilkundige
Gisèlle Baumont, Gutsherrin auf dem Dinghof
Arnaud, Gisèlles Knecht
Thibaud, ein Rheinschiffer, Arnauds Neffe
Fernand, der Schiffsjunge, sein Sohn
Colbert, der Steuermann
Die Villa Rustica
Ritter Eberhard von Kühnau, ein Freund der
Frau Irmengard, Heilerin und Pflanzenkundige, eine Schülerin der Hildegard von Bingen
Gerlinde und Rosamunde, Irmengards Schülerinnen
Adelheid, eine neue Schülerin, Gerlindes Nachfolgerin
Hubertus, Knecht in der Villa Rustica
Isabel, Apollonias neugeborene Tochter
Graf Hoheneck, Adelheids Vormund
Ritter Kerouaq, Henry de Brézés Freund, Apollonias Verehrer
Schon von Weitem vernahm Jezabel das Plätschern der Wellen, die gegen den Bootsanleger schlugen. Ihre Nasenflügel blähten sich, als sie den brackigen Geruch des Wassers in die Lungen einsog. Vor ihnen, an einem Holzposten gebunden, dümpelte ein langes flaches Boot, beladen mit allerlei Körben, Truhen und Kisten. Die junge Frau in Männerkleidung drehte sich zu ihrem Begleiter und seinen Männern um und fragte irritiert:
»Seht Ihr das, Paul? Der Kahn ist voll beladen. Wie sollen darauf noch fünf Menschen Platz finden?«
»Der junge Herr wird sich wohl mit einem Plätzchen zwischen meinen Waren begnügen müssen«, drang eine nörgelnde Stimme an ihr Ohr. »Wenn mein Boot den hohen Herrschaften nicht genehm ist, müsst Ihr Euch wohl nach einer anderen Mitfahrgelegenheit umschauen. Aber ich kann Euch versichern, dass ausnahmslos alle Bootsführer Waren nach Amboise oder Orléans schaffen. Wer, glaubt Ihr denn, unternimmt aus reinem Vergnügen eine Bootsreise auf der Loire? Also ist mein Boot so gut wie jedes andere, um Euch ans Ziel zu bringen.«
Die Stimme gehörte Bernard, dem Bootseigner, der sich zwischen den gestapelten Waren aufgerichtet hatte, um die Neuankömmlinge mit gerunzelter Stirn zu mustern.
»Seid still, ich bitte Euch!«, zischte Hauptmann Paul de Marcillac seiner Schutzbefohlenen zu. »Es war schwer genug, diesen Kerl davon zu überzeugen, fünf Männer zusätzlich an Bord seines Frachtkahns zu nehmen. Verscherzt Euch das Wohlwollen des Griesgrams nicht bereits vor der Abfahrt.«
»Verzeihung, ich wollte dich nicht beleidigen!«, rief Jezabel den rundlichen Mann in dem sauberen grünen Kittel und der brauen Hose aus derbem Leinen zu. Das Beinkleid endete unterhalb des Knies und ließ seine runden Waden und nackten Füße sehen.
»Dann kommt!«, knurrte der Flussschiffer, streckte aber seine Hand aus, um den zwei vermeintlichen Jünglingen beim Besteigen des Kahns zu helfen. Nach ihnen sprangen die drei Soldaten an Bord, worauf der Kahn gefährlich ins Schwanken geriet.
»Setzt Euch hin, bevor wir kentern«, keifte Bernard, der seine Weinamphoren und die Getreidekisten offenbar bereits im Fluss treiben sah.
Sobald alle ein Plätzchen gefunden hatten, löste Bernard das Tau, welches das Boot am Anleger hielt, und stieß es mit einem langen Stock vom Ufer ab. Mit gemächlichen Bewegungen begann er, das Fahrzeug flussaufwärts zu staken. Nachdem Hauptmann Marcillac die Arbeit des Flussschiffers eine Weile beobachtet hatte, rief er ungehalten aus:
»Geht das nicht schneller? Auf diese Weise werden wir Orléans niemals erreichen.«
»Nur Geduld, werter Herr, hinter der nächsten Biegung beginnt der Treidelpfad, dort wartet der Schiffszieher mit zwei kräftigen Rössern auf uns. Dann geht die Fahrt zügig voran. Aber mit einem Boot stromaufwärts zu fahren ist nun einmal eine schweißtreibende Angelegenheit. Vielleicht wärt Ihr besser stromabwärts nach Angers oder Nantes gefahren, wenn Ihr es eilig habt.«
»Red keinen Unsinn, Kerl, was sollen wir in Angers oder Nantes, wenn wir nach Orléans müssen?«, knurrte einer der Soldaten.
»Auch wieder wahr«, beeilte sich Bernard zu versichern und wischte sich mit dem Hemdsärmel die Stirn trocken. Das Staken des vollbeladenen Kahns erwies sich als Schwerstarbeit. Der Schiffer atmete hörbar auf, als nach geraumer Zeit am rechten Ufer ein Hüne auftauchte, der zwei massige Pferde am Zügel hielt.
»Na endlich!«, keuchte Bernard, zog seine Filzkappe vom Kopf und winkte damit dem Mann, der daraufhin mit bloßen Füßen ins Wasser stieg, um dem Boot entgegenzugehen. Sorgfältig befestigten Treidler und Schiffer die Stricke am Boot, die vom Kummet der Tiere hingen. Dann ging der Kahnzieher zu den Pferden zurück, schwang sich mühelos auf den Rücken des Hengstes und bohrte ihm die nackten Fersen in die Flanken. Mit einem Ruck schoss das Boot vorwärts, als die Pferde mit aller Kraft anzogen. Damit sie sich in der Sommerhitze nicht überanstrengten, ließ der Schiffsreiter seine Tiere im Schritt gehen.
»Wie lange werden wir unterwegs sein nach Orléans?«, rief Jezabel dem Bootsführer zu, der erschöpft auf einen Getreidesack gesunken war und sich mit seiner Filzkappe das schweißnasse Gesicht abtrocknete.
»Wenn wir auf dem Weg dorthin nicht aufgehalten werden, etwa fünf Tage«, gab er zur Antwort. »Nachts lagern wir am Ufer und legen erst morgens wieder ab, denn der Fluss ist tückisch, auch wenn er ruhig und harmlos aussieht. Des Nachts erkennt man weder Strudel noch Stromschnellen, darum ist es klüger, nur bei Tageslicht zu fahren.«
»Und wie viele Tage werden wir von Orléans nach Paris brauchen?«, wandte sie sich nun an den Hauptmann.
»Nicht länger als acht, höchstens neun. Habt Ihr es denn so eilig, Euch meiner Gesellschaft zu entledigen?«, versuchte Paul zu scherzen. »Ihr wisst doch, dass ich und meine Männer uns verabschieden werden, sobald wir die Pariser Stadtgrenze erreichen, weil wir auf schnellstem Weg nach Poitiers zurückkehren müssen. Auf dem Heimweg habe ich dann reichlich Zeit, mir eine gute Ausrede zu überlegen, weshalb ich ohne Order den Palast verlassen habe. Ich hoffe nur, dass König John Nachsicht walten lässt und mich nicht allzu hart für meine Eigenmächtigkeit bestraft.«
Bevor Jezabel antworten konnte, schlug Apollonia, die an einem Getreidesack gelehnt geschlafen hatte, die Augen auf.
»Seht nur«, jammerte sie und hob einen Arm, der von den sengenden Sonnenstrahlen gerötet war. »Bis wir in Paris ankommen, werde ich braun sein wie eine Haselnuss, schlimmer als ein Bauer auf dem Feld. Warum sind wir gezwungen, ohne den Schutz eines Kastells zu reisen und in der Sonne zu braten? Warum sitzen wir in diesem erbärmlichen Kahn und nicht auf einem ordentlichen Segelschiff? Gab es denn keine bequemere Möglichkeit, die Loire zu befahren?«, befragte sie mit Leidensmiene den Hauptmann.
»Still jetzt!«, fuhr Jezabel ihre Schülerin an und schielte ängstlich zu Bernard hinüber, der nicht ahnte, dass sich unter seinen Passagieren zwei Frauen in Männerkleidung befanden. »Sei Hauptmann Marcillac lieber dankbar für seine Fürsorge und verschone uns mit deinen Klagen. Kein Wort mehr über deine Nöte, hast du mich verstanden?«
»Ich bin ja schon still. Aber könnt Ihr vielleicht eine Salbe für mich mischen, mit der sich die Sommersprossen und Hautrötungen bleichen lassen? Eine Salbe mit Bleiweiß vielleicht?«, fragte das Mädchen ihre Lehrmeisterin. »Wenn wir in Paris sind, meine ich.«
»Wir werden sehen. Ohne die notwendigen Ingredienzien und Gerätschaften kann ich gar nichts herstellen, wie du sehr wohl weißt. Und wir wissen nicht, ob wir am Königshof überhaupt willkommen sind, trotz des Empfehlungsschreibens der Herzogin. König Philipp ist kein Freund der Plantagenets. Es wäre durchaus denkbar, dass er uns abweist, weil wir im Dienst von Henry Plantagenets Witwe standen. Dann müssen wir uns unverzüglich auf den Weg an den Rhein machen.«
Auch wenn Jezabel kein Wort der Klage über die Lippen kam, litt sie ebenso wie ihre Schülerin unter der unbarmherzigen Hitze. Als sie ihre Hand ins Wasser gleiten ließ, um Trinkwasser aus dem Fluss zu schöpfen, gebot ihr Bernard mit einem Warnruf Einhalt.
»Tut das nicht, junger Herr, im Wasser verbergen sich geheimnisvolle Krankheiten, die beinahe immer zum Tod führen. Ich habe schon einige unter schlimmen Leibschmerzen und Krämpfen sterben sehen, nachdem sie aus dem Fluss getrunken haben. Hier.« Er hielt ihr einen Tonkrug entgegen. »Das ist Wein aus Villandry, süffig und süß, der wird Euch besser bekommen als das schmutzige Flusswasser, in dem allerlei Unrat treibt.«
Schnell zog Jezabel ihre Hand zurück und griff stattdessen nach dem Weinkrug. Sie nahm einen langen Zug daraus und reichte ihn dann seinem Besitzer zurück.
»Ich danke dir für den guten Rat, Schiffer. Du hast eine große Anzahl Amphoren mit Wein geladen. Kann ich zwei davon für mich und meine Gefährten kaufen?«
Der Bootsführer nickte und als die junge Frau ihm vier Kupfermünzen in die Hand drückte, schob er ihr zwei Krüge hin. Gierig stillten die Männer einer nach dem anderen ihren Durst, so dass der erste Krug schon nach kurzer Zeit leer war.
»Hauptmann, darf ich Euch eine Frage stellen, die mich schon lange quält?« Apollonia drehte sich mit sorgenvoller Miene zu Marcillac um, der daraufhin nickte. »Müssen wir über himmelhohe Berge steigen, um an den Rhein zu gelangen? Solche, deren Häupter selbst im Sommer mit Schnee bedeckt sind und wo wilde Bergvölker im Hinterhalt lauern, um uns zu überfallen und zu berauben?«
»Um Himmels willen, nein, natürlich nicht. Wie kommt Ihr darauf? Schaut Euch doch um. Ist das Tal der Loire nicht wunderschön? Lieblich wie ein Frauenantlitz, will ich meinen. So sind die meisten Landschaften in Frankreich, dem Auge wohlgefällig. Nur im Süden, an der Grenze zu Aragon und Navarra, ragen himmelhohe Berge empor. Sie schützen Aquitanien vor den tollwütigen Heidenvölkern, die sich in Al Andalus ausgebreitet haben. Auch im Osten soll es gewaltige Gipfel geben, aber das weiß ich nur vom Hörensagen, ich selbst habe sie noch nie gesehen. Aber woher wisst Ihr denn von den Felsgiganten, die sommers wie winters unter Eis und Schnee begraben sind?«, wunderte sich ihr Begleiter.
»Weil ich diese Berge selbst schon überquert habe«, erwiderte das Mädchen stolz. »Als ich in Begleitung meiner Großmutter von Salerno aus in den Norden ins Heilige Römische Reich zog, weil uns Kaiserin Konstanze nach Bamberg befohlen hatte. Diese Reise ist mir in keiner guten Erinnerung. Sie war äußerst mühsam und sehr gefährlich, und als wir über die Gipfel wanderten, habe ich gefroren wie noch nie zuvor in meinem Leben. Eine weitere Erfahrung dieser Art würde ich mir gern ersparen.« Beim Gedanken an die gefahrvolle Alpenüberquerung verzog sich ihr hübsches Gesichtchen vor Grauen.
Der Hauptmann lachte und schüttelte den Kopf. »Davor braucht Ihr Euch dieses Mal nicht zu fürchten. Ihr werdet durch die wunderschöne französische Landschaft mit ihren sanften Hügeln, lieblichen Tälern, mächtigen Flüssen und endlosen Wäldern reiten. Eisige Alpengipfel oder grimmige Bergvölker habt Ihr dabei nicht zu fürchten. Wie alt wart Ihr denn bei Eurer Fahrt in den Norden? Ihr müsst noch ein Kind gewesen sein.« Marcillac betrachtete die Kleine mit neuem Respekt.
»Gerade einmal zehn Jahre, als uns der kaiserliche Befehl in die Bamberger Kaiserpfalz rief«, erwiderte Apollonia. »Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich im sonnigen Süden von Italien gelebt, nicht weit von Neapel entfernt. Dieses gefrorene Wasser, das die Menschen nördlich der Alpen Schnee nennen, hatte ich bis dahin noch nie gesehen. Ich wusste auch nicht, dass man sich in Tierfelle hüllen muss, um den Winter zu überstehen. Damals habe ich viele neue Erfahrungen gemacht, auf die ich allerdings gern verzichtet hätte.«
»Und Ihr, Jezabel? Habt Ihr Eure Schülerin auf dieser Reise begleitet?«, wollte der Hauptmann wissen, denn die Parfümeurin hatte bisher kaum etwas über ihre bewegte Vergangenheit erzählt.
Jezabel, die neben ihm saß, wandte ihren Blick zu ihm. Was sie sah, war ein stattlicher junger Mann mit breiten Schultern und dunklen Augen, das Haar eine unbändige schwarze Mähne.
»Nein«, sagte sie mit einem Lächeln. »Zu der Zeit kannte ich Apollonia noch nicht. Sie kam im Alter von zwölf oder dreizehn Jahren zu mir nach Nürnberg, auf Befehl Kaiser Heinrichs.«
»Ihr könnt von Glück sagen, dass Euch die Strapazen einer Alpenüberquerung erspart geblieben sind. Ich habe gehört, dass selbst kampferprobte Männer davor zurückschrecken.«
»Ihr täuscht Euch, Paul. Auch ich bin vor Jahren über die schneebedeckten Gipfel des Hochgebirges gezogen. Mein Vater …« Sie brach ab und verstummte. Ihre Begleiter starrten sie fragend an und warteten auf die Fortsetzung ihrer Geschichte, doch sie senkte den Kopf und schwieg.
»Ich möchte nicht darüber sprechen. Die Erinnerungen sind zu schmerzlich«, erklärte sie schließlich, denn bisher hatte sie vor Fremden noch nie ein Wort über den Tod ihres Vaters verloren.
Ihre Begleiter wechselten verständnisvolle Blicke. Die Zeit bis zum Abend verbrachte die kleine Gruppe mit belanglosen Plaudereien über die Schönheit der vorbeiziehenden Landschaft mit den Weinbergen und Dörfern mit strohbedeckten Hütten entlang des Ufers. Hirtenjungen, die Schafe und Ziegen auf den üppig grünen Uferwiesen hüteten, zogen die Mützen vom Kopf und winkten ihnen damit zu. Milchmädchen, mit schweren Eimern beladen, riefen Grüße übers Wasser. Als die Dämmerung anbrach, glitt der Treidler vom Pferderücken, löste die Seile vom Kummet der Pferde und band das Boot an einem Baumstamm fest, so dass es sanft im seichten Wasser hin- und herschaukelte.
»Hier rasten wir bis Tagesanbruch«, teilte Bernard seinen Begleitern mit. Dann öffnete er einen Tonkrug und entnahm ihm einen Kanten Brot, von dem er sich große Brocken abbrach. Paul und seine Soldaten hatten ihren Proviant in Tücher gewickelt, deren Knoten sie jetzt lösten. Zum Vorschein kamen Brot, Trockenfleisch und Käse, das sie mit den Frauen teilten. Doch Jezabel verspürte keinen Hunger, und auch Apollonia begnügte sich mit einigen Bissen Brot und einem Becher Wein. Müde vom ungewohnten Aufenthalt im Freien fielen den beiden Frauen schon bald die Augen zu.
Das Plätschern der Wellen weckte Jezabel am nächsten Morgen. Die Sonne stand noch tief am Horizont, der Himmel glühte in allen Farben, von Rot über Orange bis hin zu einem sanften Violett. Über dem Fluss lösten sich langsam die letzten Nebelschwaden auf, und die Fischer auf ihren Flachbooten zogen die Netze durchs Wasser. Bernards Boot hatte bereits Fahrt aufgenommen, die Treidelpferde gingen in gleichmäßigem Schritt ihrer Arbeit nach. Unbemerkt von den Schläfern hatte Bernards Kahn abgelegt. Noch halb im Schlaf wusste die junge Frau einen Moment lang nicht, wo sie sich befand. Erst als ihre Schülerin sich neben ihr reckte und streckte und dabei herzhaft mit offenem Mund gähnte, wurde ihr die Gegenwart des Hauptmanns und seiner Soldaten bewusst.
»Apollonia, höre sofort damit auf und benimm dich. Die Männer starren dich an.«
Schlaftrunken rieb sich das Mädchen die Augen.
»Wo sind wir?«, murmelte sie.
»Woher soll ich das wissen?«, knurrte ihre Lehrmeisterin verärgert. »Zieh auf der Stelle deine Hosen zurecht, jedermann kann deine nackten Beine sehen.«
Da die stoffreichen und dabei einengenden Frauengewänder sich auf Reisen immer wieder als äußerst hinderlich erwiesen hatten, trugen sie beide Männerkleidung, die ihnen beim Gehen und Reiten genügend Bewegungsfreiheit boten.
»Und wenn schon!«, entgegnete die Kleine störrisch. »Glaubt Ihr etwa, die Männer wissen nicht, wie Beine aussehen?«
Dann drehte sie Jezabel den Rücken zu und erbat von Marcillac, der neben ihr auf einem Getreidesack saß, einen Schluck Wein, um sich damit den Mund zu spülen. Verärgert wollte Jezabel ihre respektlose Schülerin scharf zurechtweisen, als Bernard sich zu Wort meldete.
»Heute Abend legen wir in Amboise an. Dort findet morgen das Hochfest Corpus Christi statt. Als anständige Christenmenschen werdet Ihr sicher daran teilnehmen wollen. Ich jedenfalls werde es tun, danach die Messe besuchen und um Gottes Segen für meine Unternehmung beten«, rief ihnen der Schiffer zu, der vorn im Boot saß.
Irritiert blickte Jezabel zu Marcillac hinüber.
»Du beabsichtigst also an Land zu gehen und am Fronleichnamsfest teilzunehmen?«, antwortete der unbefangen. »Das Ereignis werden wir uns sicher auch nicht entgehen lassen. Sollen wir um die Mittagszeit zum Boot zurückkehren? Oder gedenkst du länger in Amboise zu bleiben?«
»Nein, ich darf meine Fracht nicht ohne Aufsicht lassen. Gerade bei solchen Festen sind die meisten Langfinger unterwegs. Solange ich an Land bin, bewacht der Treidler die Waren, aber auch er möchte das Fest besuchen. Wenn Ihr so freundlich sein wollt, Herr, mittags am Boot zu sein, können wir noch einige Stunden Tageslicht für die Weiterfahrt nutzen.«
»Das Hochfest Corpus Christi? Was ist das?«, flüsterte Jezabel, die jüdischen Glaubens war, ihrem Reisebegleiter zu.
»Das werdet Ihr morgen selbst erleben. Aber Ihr dürft in der Menge nicht auffallen oder Euch als Andersgläubige zu erkennen geben, das wäre für uns alle lebensgefährlich. Beobachtet mich aufmerksam und macht genau das, was ich tue. Bekreuzigt Euch und kniet nieder, wenn es angebracht ist, habt Ihr verstanden?«
»Ja, aber …«, begann sie, aber er schnitt ihr mit einer Handbewegung das Wort ab.
»Keine Widerrede, Jezabel. Entweder Ihr tut das, was ich Euch sage, oder wir bleiben auf dem Boot, und Ihr verpasst ein farbenfrohes Spektakel. Bis morgen früh habt Ihr Zeit, es Euch zu überlegen. Ich werde meine Männer und mich keiner unnützen Gefahr aussetzen, nicht einmal für Euch.«
»Ach bitte, Magistra«, mischte sich nun auch Apollonia ein. »Ein wenig Abwechslung wäre doch schön. Bitte, lasst uns an Land gehen und den Festlichkeiten beiwohnen. Auch ich würde gerne die Messe besuchen. Ihr könnt in der Zwischenzeit Proviant für uns besorgen. An Festtagen wie diesen tischen sie in den Wirtshäusern alle nur erdenklichen Köstlichkeiten auf. Ein paar Würste, ein Stück reifer Käse, frisches Brot und einige Stücke Honigkuchen würden uns die Fahrt versüßen.«
»Also gut«, stimmte ihre Lehrmeisterin widerwillig zu. »Ich bin mit einem kurzen Landgang einverstanden. Wir werden einige Viktualien beschaffen, und wer will, kann den Gottesdienst besuchen.«
An diesem Abend legten sich alle außer Jezabel mit gespannter Vorfreude zur Ruhe. Der kommende Tag versprach allerlei unterhaltsame Abwechslung.
Sobald die Morgendämmerung anbrach, begannen sich die Reisenden auf dem Boot zu regen, um sich Gesicht und Hände zu säubern, die Haare mit den Fingern zu glätten und die vom Schlaf zerknitterten Gewänder zurechtzuziehen. Als Jezabel ihre rotbraune Haarpracht unter dem Filzhut feststeckte, fragte der Hauptmann entsetzt:
»Ihr wollt doch nicht etwa so in den Ort gehen?«
»Was meint Ihr damit?«, entgegnete sie unwirsch. »Was ist denn mit meiner Tunika und den Beinlingen nicht in Ordnung?«
»Es sind Männerkleider, und Ihr seid eine Frau, falls Ihr das schon vergessen habt. Frauen ist das Tragen von Männerkleidung bei Strafe verboten. Wenn man Euch dabei erwischt, werden zwanzig Peitschenhiebe noch die mildeste Strafe für dieses Vergehen sein. Ihr habt doch sicher ein Bliaut in Eurem Bündel. Tragt das zum Fest, ich bitte Euch«, forderte er mit leiser Stimme.
»Und wie sollen wir hier unsere Kleidung wechseln, wenn ich fragen darf? Soll ich mich etwa vor aller Augen entblößen und unter den Blicken der Männer meine Tunika abstreifen?«, zischte sie ihm leise zu.
Einen Moment lang überlegte der Hauptmann, dann hatte er eine Idee.
»Wenn ich meinen Umhang hochhalte, könnt Ihr Euch dahinter verbergen und ungestört Frauenkleider anlegen. Auf dem Fluss ist heute weit und breit kein Boot zu sehen, also seid Ihr vor neugierigen Augen sicher. Und nun beeilt Euch, wenn ich bitten darf!«
Seinen Männern befahl er: »Los, Kerle, dreht euch um und achtet darauf, dass kein Neugieriger dem Boot zu nahe kommt. Und Ihr, werte Damen, trödelt nicht!«
Die beiden Parfümeurinnen beeilten sich, aus der Reisekleidung in die weichen Frauengewänder zu schlüpften und sich gegenseitig beim Schnüren des Mieders und dem Anlegen der Hauben zu helfen. Mit geübten Handgriffen befestigte Jezabel den Stoffbeutel mit dem Ambra unter dem Kleid. Bernard riss entsetzt die Augen auf, als er sah, dass sich die beiden schmucken Jünglinge plötzlich in gut gekleidete Damen verwandelt hatten.
»Ihr seid ein Lügner und Betrüger, der ohne mein Wissen Frauen aufs Boot geschmuggelt hat«, beschuldigte er den Hauptmann mit zornbebender Stimme. »Dafür sollte ich Euch anzeigen. Und dem Pfarrer berichten, dass diese Weibsbilder in Männerkleidung umherziehen. Ihr wisst, dass solches Verhalten gegen die guten Sitten verstößt und deshalb verboten ist. Was habt Ihr Euch nur dabei gedacht? Wollt Ihr uns alle an den Pranger bringen?«
»Das besorgst du schon selbst, Kerl, wenn du weiterhin dein Wissen lautstark in die Welt hinausschreist. Hier«, er drückte dem erzürnten Schiffer eine kleine Silbermünze in die Hand. »Kauf dir eine anständige Mahlzeit und ein paar ordentliche Schuhe. Den Rest legst du zur Beruhigung deines Gewissens in den Opferstock. Die Summe sollte genügen, um deine Augen vor der wundersamen Verwandlung der Burschen in edle Damen zu verschließen.«
Blitzschnell ließ der Bootsführer den unerwarteten Schatz unter seinem Kittel verschwinden. Sobald der Treidler den Kahn am Ufer festgebunden hatte, war Bernard mit einem Satz an Land und kurz darauf ihren Blicken entschwunden. Der Hauptmann hoffte insgeheim, dass sein Weg ihn nicht schnurstracks zum Dorfpriester führen würde, um das Geheimnis seiner Passagiere preiszugeben. Die Mitreisenden folgten gemächlichen Schrittes dem Schiffer, während der Schiffszieher es sich mit einem Krug Wein auf der Uferwiese bequem machte. Marcillac bot Jezabel den Arm, und das Paar schritt Apollonia und den Männern voran der Ortschaft entgegen. Alle Welt schien heute auf den Beinen zu sein. Zwischen Händlern, Marktfrauen, Edelleuten, Bürgern, Bauern und Fischern tummelten sich Landstreicher, Bettler, Taschendiebe und Beutelschneider, die es auf die Börsen der gut betuchten Gläubigen abgesehen hatten. Es herrschte dichteres Gedränge als bei einem Markttag in Poitiers, wenn auf den Tischen der Krämer nicht nur Fleisch und Käse, sondern auch Gold- und Silbergeschmeide, Stoffe aller Art, Bänder, Gewürze, Lederarbeiten und Waffen feilgeboten wurden. Der staubige Weg von der Kirche durch das Dorf bis hinunter an den Fluss war von allem Unrat befreit und mit einem leuchtenden Teppich aus bunten Wiesenblumen bedeckt. In atemloser Spannung warteten die Menschen am Wegrand darauf, dass der Tragehimmel, unter dem das Gefäß mit der geweihten Hostie gezeigt wurde, endlich an ihnen vorbeigetragen wurde. Dichte Schwaden wohlriechenden Weihrauchs und aufgeregtes Raunen kündigten das nahende Schauspiel an und ringsum sanken die Zuschauer ehrfürchtig auf die Knie.
»Kniet nieder!«, raunte Marcillac seiner Begleiterin zu und zog sie, als sie zögerte, an ihrem Gewand neben sich in den Straßenstaub.
An vier Pfosten spannte sich der reich verzierte, mit Goldfäden bestickte, weiß schimmernde Seidenhimmel über einem kostbaren Pokal, der von prachtvoll gewandeten Trägern gehalten wurde. Der Pfarrer hielt das Gefäß so in die Höhe, dass alle Gläubigen es sehen konnten. Es enthielt die geweihte Hostie, den Corpus Christi. Zu seinen Ehren trug der Geistliche ein Gewand aus weißem und rotem Brokat, eine Gabe des Burgherrn, dem das Dorf Amboise gehörte. Gemessenen Schritts zog die Prozession an der betenden Menge vorüber, die sich unablässig bekreuzigte und dabei endlose Lobpreisungen murmelte. Der dumpfe Klang der Kirchenglocke begleitete den feierlichen Umzug durch den Ort zurück in die Kirche, deren Pforten weit geöffnet waren, um die Gemeinde zur Messe einzuladen. Nach und nach erhoben sich die Menschen von den Knien und folgten dem Zug in respektvollem Abstand hinein ins Halbdunkel der Kirche, wo nun der Gottesdienst mit anschließendem Abendmahl stattfinden sollte.
»Kommt Ihr mit, Paul? Ich suche nach einem Händler, der mir Proviant für die Reise verkauft. Oder habt Ihr andere Pläne?«, wollte Jezabel wissen, die aufgestanden war und sich den Staub aus den Falten des blaugrünen Gewands schüttelte. Es war das einzig gute Bliaut, das ihr von den vielen kostbaren Festgewändern geblieben war, die ihr die Herzogin zum Geschenk gemacht hatte. Alle ihre prachtvollen Kleider, Gebende, Hauben, Schleier, Umhänge und Mäntel waren in ihrer Kammer im Maubergeonne-Turm in Poitiers zurückgeblieben, um in Zukunft eine Dame aus König Johns Hofstaat zu schmücken. Von den in jahrelanger Arbeit erworbenen Reichtümern waren ihr außer ein paar kleinen Schmuckstücken und einem Beutel Silber- und Kupfermünzen nur zwei Flakons mit edlen Düften, einige Brocken Ambra und eine Phiole mit Moschus geblieben. Ihre unersetzlichen Gerätschaften, die kostbaren Ingredienzien und Parfüms hatte sie im Laboratorium zurücklassen müssen. Bei diesem Gedanken krampfte sich ihr Magen vor Kummer zusammen. Zum Glück hatte Apollonia, die sich unter keinen Umständen von ihrem Geschmeide trennen wollte, ihren wertvollsten Schmuck, Geschenke der Herzogin Alienor, in den Saum der Umhänge und Kleider eingenäht, die sie heute zum Kirchgang trugen. Ganz mittellos würden die beiden Parfümeurinnen auch in Zukunft nicht sein, obwohl das Mädchen sicher nur im äußersten Notfall bereit wäre, sich von seinen Schätzen zu trennen.
»Nein, ich begleite Euch«, antwortete der Hauptmann. »Die Männer habe ich angewiesen, zusammen mit der Kleinen den Gottesdienst zu besuchen und achtzugeben, dass sie keine Dummheiten macht. Dort drüben sehe ich einen Händler, der geräucherte Würste und Salzfleisch anbietet. Kommt, wir wollen sehen, was er sonst noch zu verkaufen hat.« Marcillac griff nach ihrem Ellbogen und schob sie durch die Menschenmenge hinüber zu dem Stand.
»Womit darf ich den hohen Herrschaften dienen?«, fragte der Händler, der seine Kundschaft kundigen Blickes musterte, mit öliger Stimme und breitete die Arme aus, um ihnen sein reichhaltiges Angebot vor Augen zu führen. »Steht Euch der Sinn nach Schweinewürsten aus dem Buchenrauch oder schmecken Euch die kleinen Lammwürstchen besser? Hier habe ich Wurst aus Rinderblut und fettem Speck, gewürzt mit Majoran und einer guten Prise Pfeffer. Oder braucht Ihr gesalzene Rinderstreifen, die einen ganzen Winter überdauern, ohne zu schimmeln?«
Marcillac deutete auf diese und jene Wurst und fragte dann den Krämer nach Trockenobst und Käse.
»Wenn Ihr Euch einen Augenblick gedulden wollt, Herr, werde ich Euch das Gewünschte sogleich holen lassen. Roussel, du fauler Esel, los, spute dich, du hast gehört, was der Herr gesagt hat. Geh hinüber zu Margarite und hole die Ware.«
Der Händler gab seinem halbwüchsigen Gehilfen, der Jezabel bisher mit halb offenem Mund aus verklebten Augen angegafft hatte, einen unsanften Stoß in die Rippen, woraufhin sich dieser stolpernd in Bewegung setzte. Nach kurzer Zeit kam er mit einem Bündel zurück, dessen verknotete Enden er vor den Käufern auseinanderzog. Würziger Duft stieg aus dem sauberen Leintuch empor, in dem ein appetitlich weißer Käselaib, umringt von getrockneten Trauben, Birnen- und Apfelscheiben, lag.
»Ziegenkäse, ganz frisch und sehr bekömmlich. Wollt Ihr kosten, edle Dame?« Auf einer breiten Messerschneide hielt der Händler ihr ein Stück entgegen.
Jezabel kaute vorsichtig, nickte dann aber beifällig. »Wir nehmen auch die Früchte und den Käse. Was soll alles zusammen kosten?«
Nun begann ein erbittertes Feilschen um den Preis, denn der gewiefte Krämer hatte mit scharfem Blick erkannt, dass bei den fein gekleideten Herrschaften klingende Münze zu holen war. Schließlich wurde man sich handelseinig, und beladen mit einer Vielzahl an Köstlichkeiten machten sich Jezabel und ihr Begleiter auf den Rückweg zum Boot. Unterwegs konnte sie nicht umhin, sich lobend über die Sauberkeit der schmucken Häuser und Gärten zu äußern, an denen sie vorüberkamen. Auch verschmutzte kein Unrat den Weg, weder stank es nach Fäkalien noch nach Küchenabfällen, die selbst in Poitiers zwischen den Häusern verrottet waren. Auch zur ärmlichsten Hütte führte ein ordentlich gefegter Weg, auf dem nicht ein Halm Unkraut wucherte. In den Gärten gab es neben säuberlich geharkten Gemüsebeeten alle Arten von Sommerblumen, die dem Dorf ein farbenfrohes Aussehen verliehen. Sogar auf manchen Fensterbänken blühten in farbigen Töpfen Kornblumen und Goldmohn mit Natternkopf um die Wette, die bunte Pracht umschwirrt von Hummeln und Bienen.
»Die französischen Adelsherren führen ein strenges Regiment«, erklärte der Hauptmann. »Nur wenige dulden auf ihrem Besitz Schlamperei und Nachlässigkeit. Jedes Jahr müssen die Lehnsherren den Steuereintreibern und damit dem König selbst Rede und Antwort stehen über die Erträge ihrer Ländereien. Die Steuern in Frankreich sind hoch. Keiner der Burgherren kann sich erlauben, seine Untergebenen faulenzen zu lassen. Wer nachlässig mit seinem Besitz umgeht, läuft Gefahr, dass er enteignet wird und das Land an die Krone zurückfällt. Glaubt Ihr, auch nur ein Adeliger riskiert, seinen Besitz zu verlieren? Das Ergebnis seht Ihr selbst: Saubere Dörfer, ertragreiche Felder, zufriedene Untertanen, die keinen Hunger leiden müssen.«
»Schon im Poitou habe ich erzählen hören, dass Frankreich ein reiches Land ist. Jetzt bin ich neugierig auf Städte wie Orléans und Paris, die angeblich im Reichtum schwelgen.«
»Paris wird Euch gefallen«, prophezeite Marcillac, während sie gemächlich zum Fluss hinunterschlenderten. »Anders als König Richard von England kam sein Freund König Philipp mit Schätzen beladen vom Kreuzzug zurück. Wie man hört, lässt er nun mitten in Paris einen neuen Palast für sich errichten, der im Abendland seinesgleichen sucht. Wohl an die achtzig Räume und mehr soll allein der Wohnbereich haben, außerdem gibt es Ställe für unzählige Schlachtrösser, Turnierplätze, Springbrunnen und eine derart prachtvolle Gartenanlage, dass die Hängenden Gärten von Babylon armselig dagegen wirken. Angeblich hat Saladins Palast ihm als Vorbild für diesen Prachtbau gedient. Am liebsten würde ich Euch dorthin begleiten, um dieses Wunder der Baukunst mit eigenen Augen zu sehen.«
»Dann kommt doch mit«, forderte Jezabel ihn lächelnd auf. »Wie Ihr wisst, freue ich mich über jede Stunde, die ich in Eurer Gesellschaft verbringen darf. Begleitet Apollonia und mich an den Königshof. Wer weiß, vielleicht kann der Herrscher einen tüchtigen Hauptmann wie Euch für seine Palastwache brauchen und bietet Euch eine Stellung an. Es wäre schön, Euch immer in meiner Nähe zu wissen, Paul. Der Gedanke an den bevorstehenden Abschied macht mir das Herz schwer.«
Nach ihren Worten ging der breitschultrige Mann eine Weile mit gesenktem Kopf schweigend neben ihr her, bis er sich schließlich stockend zu einer Antwort entschließen konnte:
»Ihr wisst, wie gerne ich Euch begleiten würde, Jezabel, nicht nur nach Paris, sondern ein Leben lang. Wenn Ihr einwilligt, meine Frau zu werden, folge ich Euch bis ans Ende der Welt, das verspreche ich hiermit. Ich habe Euch schon einmal gefragt, aber keine Antwort erhalten. Sagt ›Ja‹, und wir werden noch heute vor den Altar treten, wenn Ihr es wünscht. Meine Familie besitzt eine kleine Burg und das dazu gehörende Wehrdorf in der Gascogne. Nichts Prächtiges, aber es gewährt uns ein Auskommen. Dort könnten wir in Frieden und bescheidenem Wohlstand leben. Es ist kein Königsschloss mit zahlreichen Räumen und großem Luxus, aber es würde uns gehören. Gebt mir Euer Jawort, jetzt und hier, und macht mich zum glücklichsten Mann Frankreichs.«
Sein Gesicht glühte vor Eifer, nicht nur sein Mund, auch seine Augen flehten um ihre Zustimmung. Doch sie wandte sich ab und erwiderte mit kaum hörbarer Stimme:
»Nicht jetzt und heute, mein Freund. Lasst mir noch ein wenig Zeit zum Nachdenken. Ihr seid mir lieb und teuer, Paul, das wisst Ihr. Aber die Ehe ist eine Verpflichtung auf Lebenszeit. Eine solch wichtige Entscheidung kann ich nicht hier auf der Straße treffen. Sie will wohlüberlegt sein, das versteht Ihr doch.«
»Dann denkt darüber nach, aber lasst Euch nicht zu viel Zeit damit. Sobald die Mauern von Paris in Sichtweite kommen, brauche ich eine Antwort.«
»Ich verspreche es!« Nun sah sie ihm offen ins Gesicht und nickte zur Bekräftigung.
Als sie das Boot erreichten, saßen die Männer bereits auf ihren Plätzen, und Apollonia hatte ihr Bliaut gegen Kittel und Beinlinge getauscht. Vor dem Schiffer lag ein Brocken gekochtes Rindfleisch, von dem er breite Streifen abschnitt, die er sich genüsslich in den Mund stopfte. Als der Hauptmann noch einmal seinen Umhang ausbreitete, half Apollonia ihrer Lehrmeisterin aus dem Kleid und in die Reisekleidung. Sobald der Treidler mit zufriedener Miene von seinem Rundgang durch Amboise zurückgekehrt war, schwang er sich auf den Pferderücken, dann zogen die Treidelgäule an, und die Fahrt ging weiter.
Am Vormittag des sechsten Tags auf der Loire erreichten die Reisenden den geschäftigen Hafen von Orléans. Kaum lag das Boot fest vertäut am Ufer, als der Schiffer lauthals begann, seine Waren anzupreisen. Schon nach kurzer Zeit war er umringt von Hausfrauen und Händlern, die ihm die Krüge mit dem süßen Wein aus Villandry förmlich aus den Händen rissen. Er war so beschäftigt, dass er kaum bemerkte, wie seine Passagiere das Boot verließen und sich auf den Weg in die Stadt machten. Von der Menschenmenge mitgerissen, ließen sie sich ins Stadtinnere treiben.
»Wir haben Glück, heute scheint Markttag zu sein.« Der Hauptmann beobachtete aufmerksam das Gewimmel von Menschen und Tieren in den engen Gassen. »Das trifft sich gut, vielleicht finden wir einen Pferdehändler, der drei kräftige Tiere zum Verkauf anbietet.«
»Drei? Warum nur drei? Wir brauchen fünf!« Apollonias übellaunige Stimme übertönte selbst den Straßenlärm.
»Nun, Demoiselle, Ihr werdet Euch den Pferderücken mit einem der Männer teilen müssen. Ich bin nicht gewillt, für fünf Pferde zu zahlen, wenn drei den gleichen Dienst tun, nämlich uns nach Paris zu bringen«, erwiderte der Hauptmann ruhig.
Unter den Wimpern warf das Mädchen ihrer Lehrmeisterin einen raschen Blick zu, schluckte dann aber hastig die patzige Antwort hinunter, die ihr bereits auf den Lippen lag. Jezabel hatte ihre Hand in die rechte Armbeuge des Hauptmanns gelegt, und ihre Schülerin griff an seiner linken Seite nach dem Ärmel der Tunika. Die Frauen befürchteten, im dichten Menschengewühl verloren zu gehen, und klammerten sich an Paul fest. Von der Menge vorangeschoben, erreichte die kleine Gruppe einen weitläufigen Platz. Dort war der Lärm so groß, dass man sein eigenes Wort kaum verstand, denn es reihte sich Warentisch an Verkaufsstand. So weit das Auge reichte, boten zahllose Kaufleute ihre Waren feil. Hier war alles zu finden, was das Herz begehrte, von Viktualien, Gewürzen und Kräutern bis zu Stoffen, bestickten Bändern, Hauben, Filzhüten, Silberringen und Goldketten, Ledergürteln, Stiefeln, Seidenschuhen, Schwertern, Messern, Dolchen und Waffen aller Art. Auch ein mit Duftsalben und Lotionen bestückter Tisch fehlte nicht. Apollonia war an einem der Stände stehen geblieben und bestaunte mit leuchtenden Augen die filigrane Stickarbeit der farbigen Seidenbänder, die vor ihr ausgebreitet lagen.
»Was verlangst du für dieses goldene Band?«, fragte sie den erstaunten Händler.
»Nun, es kommt nicht oft vor, dass sich ein junger Herr für meine Seidenbänder begeistert …«, begann der Mann mit gerunzelter Stirn, doch Paul mischte sich sogleich in das Gespräch ein.
»Der Junge sucht nach einem Geschenk für seine Schwester. Komm, Kerl, dieses Band ist viel zu teuer für deinen schmalen Beutel. Du findest schon noch etwas, das du auch bezahlen kannst.«
Mit hartem Griff packte er Apollonias Arm und zog sie mit sich fort, gefolgt von den misstrauischen Blicken des Verkäufers.
»Seid Ihr wahnsinnig? Wollt Ihr, dass man Eure Verkleidung durchschaut, uns alle in den Kerker wirft und Euch am Pranger auspeitschen lässt?«, zischte er der sich windenden jungen Frau ins Ohr. »Ihr bleibt jetzt an meiner Seite, bis ich Euch eigenhändig auf einen Gaul gesetzt habe. Keine unüberlegten Käufe, keine Begeisterung mehr an buntem Tand, habt Ihr das verstanden, Demoiselle?«
Da Paul die meisten Menschen um Haupteslänge überragte, dauerte es nicht lange, bis er den Viehmarkt in einer Ecke des Platzes erspäht hatte. Jedes der angebotenen Rösser musterte er mit fachkundigem Blick, blieb hie und da stehen, um das Gebiss eines Tieres zu begutachten, prüfend über Leib und Kruppe zu streichen, die Beingelenke abzutasten und die Hufe anzuheben. Als einer der Händler ihn schließlich ansprach, verlangte er nach rahmigen Pferden, auf denen zwei Reiter bequem Platz fanden.
»Ihr seid vom Fach, wie mir scheint«, entgegnete der Rosstäuscher anerkennend. »Und das Glück ist heute auf Eurer Seite. Dort drüben habe ich zwei Stuten, die genügend über dem Boden stehen, um Euren Ansprüchen zu genügen. Mit einem dritten kann ich Euch allerdings nicht dienen.«
Es dauerte eine Weile, bis sich der Hauptmann sowohl von der Gesundheit als auch der Tauglichkeit der Tiere überzeugt hatte und dem Händler die geforderten Münzen auf die schwielige Handfläche zählte. Dann befahl er seinen Soldaten bei den Pferden zu bleiben, bis er mit einem dritten zurückkam. Noch immer hielt er Apollonias Oberarm umklammert, so dass sie gezwungen war, ihm auf Schritt und Tritt zu folgen. Nach einer Weile blieb Marcillac stehen, um einen hochbeinigen grauen Hengst zu betrachten.
»Gefällt er Euer Gnaden?«, fragte der Händler, der am Gatter gelehnt stand.
»Das weiß ich erst, wenn ich ihn genau angeschaut habe«, entgegnete der Hauptmann.
»Dann kommt und seht ihn Euch an. Er ist mein bestes Pferd im Stall«, prahlte der Verkäufer.
Wie schon zuvor unterzog Paul auch dieses Tier einer eingehenden Prüfung. Zuletzt besah er sich gründlich jeden einzelnen Huf, bevor er sich aufrichtete, den Händler taxierte und mit lauter Stimme verkündete:
»Du bist ein elender Betrüger, Mann. Wenn das dein bestes Pferd ist, dann sind die anderen nichts als Schlachtvieh für den Abdecker. Das Tier leidet an Hufrehe. Hast du geglaubt, ich würde es nicht erkennen? Mach dich fort, und besorg mir ein gutes Pferd, das diesen Namen auch verdient.«
Er gab dem Mann einen so heftigen Stoß, dass er unbeholfen vorwärtsstolperte und fast gefallen wäre. Es dauerte eine ganze Weile, bis er zurückkam, am Halfter einen gescheckten Wallach mit kurzen kräftigen Beinen. Nachdem auch dieses Pferd von Paul gründlich geprüft und schlussendlich für gut befunden wurde, wechselten einige Münzen den Besitzer, und der Rosstäuscher wies ihnen den Weg zur Werkstatt des Sattlers, wo sie die Pferde aufzäumen lassen konnten.
Die Sonne wanderte bereits dem Horizont entgegen, aber die Stadttore waren noch weit geöffnet, als sie die Stadt verließen. Jezabel klammerte sich an Pauls Rücken, während Apollonia hinter einem der Wachsoldaten auf dem Wallach ritt. In leichtem Galopp verließen die Reiter das Tal der Loire, um sich auf den Weg nach Paris zu machen.
Die Nacht verbrachten sie unterm Sternenhimmel, beschienen von einem beinahe vollen Mond, dessen Licht die Landschaft in einen silbrigen Schein tauchte, der die Schatten weniger bedrohlich wirken ließ. In der Nähe war das Plätschern eines Bächleins zu hören. Die Eintönigkeit des Geräuschs wirkte so beruhigend, dass die beiden Frauen, die Köpfe an einen Sattel gelehnt, schon bald eingeschlafen waren, während die Männer sich mit der Nachtwache abwechselten. Als die Reihe an Marcillac war, setzte er sich neben der schlummernden Jezabel ins Gras und betrachtete ihre weichen Gesichtszüge. Dann beugte er sich über sie und wisperte dicht an ihrem Ohr:
»Heirate mich, Liebste, heirate mich!«
Als hätte sie seine Worte gehört, drehte sie sich im Schlaf zu ihm um und schmiegte ihre Wange vertrauensvoll in seine Hand, die neben ihrem Kopf auf dem Sattel lag. Da neigte er sich zu ihr und streifte mit seinem Mund zärtlich ihre Lippen. Als sie im Schlaf aufseufzte, strich er ihr eine Haarsträhne aus der Stirn und deckte sie mit seinem Umhang zu. So saß er neben der Frau, die er liebte, bis der Morgen dämmerte, und sie die Augen aufschlug.
»Paul!« Verwundert rieb sie sich die Augen. »Habt Ihr etwa die ganze Nacht neben mir gekauert? An den Sattel gelehnt? Eure Glieder müssen erstarrt sein und Ihr halbtot vor Müdigkeit. Warum habt Ihr Euch nicht einen bequemeren Platz gesucht, wo Ihr die Beine ausstrecken konntet?«
»Es geht schon. Macht Euch um mich keine Sorgen. Als Soldat bin ich es gewohnt, überall und in jeder Lage zu schlafen, egal, wie unbequem sie auch sein mag. Kommt, lasst Euch aufhelfen.«
Er reichte ihr die Hand und zog sie in die Höhe. Einen Moment lang standen sie dicht aneinander gelehnt, seine Arme um sie geschlungen, und Jezabel roch das Leder des Sattels und den Pferdeschweiß, der seinen Kleidern anhaftete. Erst als sie seine Lippen auf ihrem Haar spürte, machte sie sich von ihm los und lief hinüber zum Bach, um sich Gesicht und Hände zu waschen.
»Welchen Ort erreichen wir als nächsten?«, wollte sie wissen, als sie zurückkam.
»Artenay«, antwortete er. »Ein verschlafenes Nest, das nichts weiter zu bieten hat als ein paar kümmerliche Weinberge. Aber wenn ich mich recht erinnere, gibt es dort einen kleinen Gasthof mit recht ordentlicher Küche, in dem wir vielleicht auch übernachten können. Danach geht es weiter nach Toury. Dort lebt der Baron de Toury, einer meiner alten Waffenbrüder, der uns bestimmt in seiner Burg beherbergen wird. Von Toury aus sind es nur noch wenige Tagesritte bis nach Paris.«
»Und worauf warten wir dann noch? Auf nach Artenay!«, lachte Apollonia, die dem Gespräch gelauscht hatte. »Hört Ihr, wie mein Magen knurrt? Er freut sich schon jetzt auf einen knusprigen Kapaun oder ein saftiges Stück Wildschweinbraten.«
Kurz darauf saßen alle zu Pferd, und die Reise ging weiter. Wie Paul es vor nicht allzu langer Zeit geschildert hatte, durchquerten sie grüne Täler und ritten vorbei an sanft ansteigenden Hügeln, begleitet von Sonnenschein, Vogelgezwitscher und einem frischen Wind, der von der Loire herüberwehte.
»Was ich Euch schon längst fragen wollte«, rief Jezabel, an Pauls breiten Rücken gelehnt. »Woher kennt Ihr den Weg nach Paris so genau? Seid Ihr schon oft dort gewesen?«
»Nur ein paarmal, wenn ich mit meinen Männern die Herzogin begleitet habe.«
»Welche Art von Geschäften hat denn die englische Königin nach Paris geführt?«, fragte seine Begleiterin neugierig.
»Nun ja, sie war nicht nur Englands Königin, sondern auch die Herzogin von Aquitanien, und somit eine Vasallin der französischen Krone. Wie alle anderen Fürsten war und ist sie Untertanin des Königs. Zu wichtigen Anlässen wie Hochzeiten oder Taufen musste sie bei Hofe erscheinen. Ich hatte das Privileg, sie dorthin zu begleiten.«
»Warum nicht ihr Gemahl?«, wollte Jezabel wissen.
»Glaubt Ihr im Ernst, dass Henry von England, der Urenkel von William dem Eroberer, das Knie vor einem französischen König gebeugt hätte?« Der Hauptmann lachte. »Hättet Ihr den Monarchen gekannt, würdet Ihr diese Frage nicht stellen.«
»Erzählt mir von Henry und seiner Königin«, bat sie ihm, aber er schüttelte lachend den Kopf.
»Ein anderes Mal vielleicht«, wich er aus. »Das ist eine sehr lange, sehr verworrene Geschichte, die sich eher dazu eignet, von einem fahrenden Sänger an kalten Winterabenden vor dem Kaminfeuer erzählt zu werden.« Schwungvoll hob er Jezabel auf den Pferderücken.
Es war früher Nachmittag, als der Hauptmann sein Pferd zügelte, die Nase in den Wind hielt und schnupperte.
»Ich rieche Rauch, dann kann das Dorf Artenay nicht mehr weit sein.«
Neugierig hob Jezabel den Kopf, um über die Schulter des Reiters hinweg Ausschau nach der angekündigten Ortschaft zu halten. Noch bevor die ersten Hütten in Sicht kamen, waren wildes Geschrei, Trommeln und raues Gelächter zu hören, und ein durchdringend köstlicher Geruch von gebratenem Schweinefleisch wehte ihnen entgegen.
»Was ist da los?«, fragte einer der Wachmänner misstrauisch. »Ein Überfall auf das Dorf?«
»Wohl eher ein Fest«, erwiderte der Hauptmann kopfschüttelnd.
»Was für ein Fest soll das sein?«, knurrte der Soldat. »Soweit ich weiß, ist heute kein Feiertag.«
»Warum reiten wir nicht hin und sehen selbst nach?«, war Apollonias Stimmchen zu hören. »Ich habe Hunger. Vielleicht geben sie uns etwas von dem Fleisch ab, das so verlockend duftet.«
»Haltet die Waffen bereit, Männer!«, befahl der Hauptmann. »Wir wissen nicht, wer oder was uns in Artenay erwartet. Vielleicht geraten wir in einen Hinterhalt. Ich reite voran, ihr bleibt dicht hinter mir.«
Damit ließ er sein Pferd antraben, und die anderen folgten ihm mit gezogenen Schwertern in den Händen.
Je mehr sie sich den Hütten näherten, umso lauter wurde der Lärm. Nun mischten sich auch Klänge von Drehleier und Schalmei zwischen die Schläge der Trommel sowie lautes Händeklatschen im Takt der Musik. Dann sahen sie die Tanzenden, die sich um den Dorfbrunnen herum zu den Klängen der Instrumente drehten und wiegten. Weinkrüge kreisten von Hand zu Hand, Weiber tanzten mit offenen Haaren und bis über die Knie entblößten Beinen, während die Männer mit wehenden Kitteln um sie herumstampften. Betrunkenes Grölen übertönte beinahe die Musik, halb entblößte Paare wälzten sich ineinander verschlungen im Staub. Girlanden aus Wiesenblumen und Weinlaub spannten sich von Hütte zu Hütte und wanden sich um den Brunnen. Etwas abseits loderte ein Feuer, die Quelle des verführerischen Duftes, denn ein Halbwüchsiger war damit beschäftigt, den Bratspieß zu drehen, an dem ein knuspriges Ferkel hing, dessen austretendes Fett zischend in die Flammen tropfte.
»He, du da, ja, dich meine ich!«, rief Marcillac dem Burschen zu, um seine Aufmerksamkeit zu wecken. Doch der schenkte ihm nur einen flüchtigen Blick, um sich sofort wieder seiner Aufgabe zu widmen. »Gib gefälligst Antwort, wenn ich mit dir rede, Bauernlümmel! Was wird hier gefeiert?«
»Was wollt Ihr von meinem Sohn?« Die barsche Stimme gehörte einem baumlangen Kerl mit zottigen Haaren und vom Wein gerötetem Gesicht, der zwischen den Jungen und die Reiter getreten war. »Er ist taub, er kann Euch nicht hören. Sprecht mit mir, wenn Ihr eine Auskunft wollt.«
»Und wer bist du, wenn ich fragen darf?« Von seinem Pferd herab musterte Marcillac den breitschultrigen Sprecher misstrauisch.
»Jean, zu Diensten, Herr, freier Bauer auf eigenem Weinberg. Mein Wort gilt in Artenay, ich sorge hier für Recht und Ordnung. Also, noch einmal: Was wollt Ihr?«
»Wissen, was gefeiert wird«, entgegnete der Hauptmann. »Heute ist kein Feiertag im Kirchenkalender, soweit ich weiß. Aber vielleicht ist das in deinem Dorf ja anders und ihr verehrt einen unbekannten Dorfheiligen, dem ihr ein eigenes Fest gewidmet habt. Antworte, was geht hier vor sich?«
»Das Weinfest zu Ehren des Gottes Bacchus, obwohl ich nicht weiß, was das einen Fremden wie Euch angeht«, erwiderte der Weinbauer aufsässig. Daraufhin bekreuzigten sich die Reiter, außer Jezabel, voller Entsetzen.
»Ein Fest zu Ehren eines heidnischen Gottes? Seid ihr denn alle von Sinnen, Mann? Willst du mitsamt dem Rest des Dorfes auf dem Scheiterhaufen enden? Weißt du nicht, dass solche Götzenanbetung strengstens verboten ist und mit dem Tode bestraft wird?«
»Schon unsere Vorfahren haben in den Weinbergen zu Bacchus um eine gute und reichliche Ernte gebetet und ihm Trankopfer gebracht, und es hat weder ihnen noch den Reben geschadet. Warum sollten wir vor der nächsten Lese nicht beisammensitzen und mit dem Wein des Vorjahres auf eine bevorstehende gute Ernte anstoßen? Wer sollte sich an unserem harmlosen Fest stören?«, zeigte sich der Bauer uneinsichtig.
»Vielleicht der Bischof von Orléans, wenn er von eurem Treiben erfährt. Diese Orgie scheint alles andere als harmlos zu sein«, brüllte Marcillac zornig.
»Und wer sollte dem Kirchenmann davon berichten?«, schrie der Weinbauer zurück. »Ihr vielleicht?«
Durch die zornigen Stimmen aufgeschreckt, wankten die ersten Betrunkenen näher. Einige hatten nach Harken und Knüppeln gegriffen, die sie drohend in den Händen schwenkten.
»Paul, lasst uns weiterreiten, bevor diese Heiden uns angreifen«, bat Jezabel und zupfte ihn ängstlich am Ärmel.
