Johanna, die Hübschlerin von Cölln - Ludger Trier - E-Book

Johanna, die Hübschlerin von Cölln E-Book

Ludger Trier

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Beschreibung

Von der Abtei Michaelsberg auf dem Siegberg kommend, galoppierten die Mönche Michael und Gereon von Truhtesdorb Richtung Rhein. An seinem Uferweg sollte ihre Reise nach Konstanz beginnen. Die zwei waren Brüder. Sie hatten auf der Benediktinerabtei Michaelsberg ihr Mönchsgelübde abgelegt, so wie es bei später Geborenen üblich war. Abt Pilgrim vom Drachenfels von der Abtei Siegburg hatte sie beauftragt, zum Konzil nach Konstanz zu reiten. Begleitet wurden sie von Jakob, einem Beauftragten des Juden Mordechai Salmann aus Cölln. Salmann, der durch seinen florierenden Geldverleih sehr reich geworden war. Die Hübschlerin Johanna aus Cölln, die Mätresse eines Cöllner Prälaten, wurde von einigen hohen Herren beauftragt, mit nach Konstanz zu reisen, dort sollte sie den Prälaten treffen. Es erwartet Johanna ein Abenteuer das sie durch alle Höhen und Tiefen des Lebens führt.

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Seitenzahl: 133

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Johanna, die Hübschlerin von Cölln

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Prolog

Der Überfall

Graf Rudolf von Hohenberg

Der Ritterschlag

Im Zollernschloss zu Sigmaringen

Schloss Hegne

Hochzeit auf der Reichenau

Tod am Bischofssitzle

Fest am Lanzenhof

Jagd im Wollmatinger Ried

Jakob

Impressum neobooks

Prolog

Jan von Trier

Erstes Buch

Johanna, die Hübschlerin von Cölln.

ISBN: 978-3-00-051560-6

Der Autor

L. J. von Trier, Zum Mühlenberg 2a

53844 Troisdorf

E-Mail: [email protected]

www.Ludger-Trier.de

Copyright: L. J. von Trier 2017

Die Verwertung der Texte ist ohne schriftliche Erlaubnis

des Autors nicht gestattet.

Das gilt auch für Vervielfältigungen, Übersetzungen,

Mikroverfilmung und der Verarbeitung

mit elektronischen Systemen.

Fotos Löbe, Sigmaringen, Bild D. Niehus, Troisdorf

Abt Pilgrim von Abtei Michaelsberg HJohanna Hübschlerin von Cölln

Michel und Gereon Mönche der Abtei Michaelsberg

Abt Frieder Kloster Hirsau H

Dietrich II von Moers Erzbischof von Cölln H

Jakob Bote des Salmann H

Mordechai Salmann Cöllner Jude H

Sander Rothschild Konstanzer Jude H

Burgl Hübschlerin

Franz und Jan von Trier Aachener Glockengießer H

Sigismund Deutscher König H

Barbara von Cilli Deutsche Königin H

Philipp Graf von Rheinfels H

Wilhelm II Graf von Rheinfels H

Gerlach Graf u. Bischof von Nassau H

Rudolf Graf von Hohenberg H

Albrecht Graf von Zollern H

Mathilde Gräfin von Zollern H

Johann III Burggraf von Nürnberg H

Georg von Knörringen Burgherr in Hegne H

Walter von Loe Burgherr der Wasserburg Wahn H

Clara Erste Frau der königlichen Garde

Clementia Zweite Frau der königlichen Garde

Georgia Dritte Frau der königlichen Garde

Rosemarija Vierte Frau der königlichen Garde

Historische Personen sind hinter dem Namen mit H gekennzeichnet.

deren Vornamen sind teilweise geändert.

Truhtesdorb, Freitag, 20. August Anno Domini 1414.

Von der Abtei Michaelsberg auf dem Siegberg kommend galoppierten die Mönche Michael und Gereon von Truhtesdorb Richtung Rhein. An seinem Treidelweg sollte ihre Reise nach Konstanz beginnen. Die zwei waren Brüder. Sie hatten auf der Benediktinerabtei Michaelsberg ihr Gelübde abgelegt, so wie es bei Spätgeborenen üblich war. Abt Pilgrim vom Drachenfels von der Abtei Siegburg hatte sie beauftragt, zum Konzil nach Konstanz zu reiten. Begleitet wurden sie von Jakob, einem Beauftragten des Juden Mordechai Salmann aus Cölln. Salmann war durch einen florierenden Geldverleih sehr reich geworden. Seine Familie war kurz nach der Judenschlacht, die am 23.8.1345 stattgefunden hatte, nach Cölln zurückgekehrt. Jakob sollte dem König Sigismund ein Schreiben übergeben, in dem der Kölner Erzbischof Friedrich IV von Saarwerden angeklagt war seine Schulden, trotz mehrfacher Mahnung, nicht zurückzahlen zu wollen. Die Hübschlerin Johanna aus Cölln, die Mätresse eines Cöllner Prälaten, wurde von einigen hohen Herren beauftragt mit nach Konstanz zu reisen, dort sollte sie den Prälaten treffen. Sie gehörte zu den „frie frowen“, Dirnen, die nicht jedermann bedienen mussten, sondern sich ihre Freier selbst aussuchen konnten. Im Verlauf der Reise nach Konstanz stießen die Herren Franz und Jan von Trier aus Aachen zu den Reisenden aus Siegburg, um mit ihnen zusammen zum Konzil zu gelangen. Die beiden Brüder sollten von König Sigismund akzeptierte Genehmigungen erhalten, demnach die Abtei Unterhaltsgebühren für zwei Brücken über die Agger erheben dürfe. Darüber hinaus mussten sie auch zur Insel Reichenau, dort sollten sie bei Abt Friedrich von Zollern Abschriften holen, die die Reichsunmittelbarkeit des Benediktinerklosters auf der Reichenau beurkundeten. Abt Pilgrim benötigte diese Urkunden, sollten sie ihm doch in einem Rechtsstreit zwischen Herzog Wilhelm I., ehemals Graf von Berg helfen, mit dem er schon seit vielen Jahren in Fehde lag. Dabei kam es später zu kriegerischen Auseinandersetzungen, in deren Verlauf Truhtesdorb am 17. August 1402 durch Wilhelm von Selbach, einem Vasallen des Abtes, vollständig niedergebrannt wurde. Nachstehend die Abenteuer und Erlebnisse, die Johanna auf der Reise mit ihren Weggenossen erlebte

Auf dem Weg zum Konzil nach Konstanz

Nachdem die Mönche Michael und Gereon in der Abtei Michaelsberg gegen vier Uhr an den Laudes teilgenommen hatten, stiegen sie auf ihre bereits gesattelten Pferde, nahmen das Packpferd am Zügel und ritten zum Sanderhof, dem Domizil ihrer Familie in Truhtesdorb. Dort würden sie den ihnen bereits bekannten Jakob aus Cölln treffen, der sie auf ihrer Reise nach Konstanz begleiten sollte. Bei ihrer Ankunft saß er mit einer Frau bereits in der guten Stube des Sanderhofs am Herrentisch, auf dem Brot, Geselchtes und Käse aufgetragen waren. Sie gesellten sich dazu und stillten ihren Hunger, denn im Kloster hatten sie noch kein Frühmahl erhalten; den dort erhaltenen Proviant wollten sie nicht anbrechen. Das Kleid der Frau aus roter Wolle war das Kleid einer Hübschlerin mit gelbem, auf der linken Seite angenähtem Spinnrad. Auf dem Kopf trug sie ein rotes Käppli, so wie es die Stadt Cölln für derlei Frauen vorschrieb. „Sollte die Frau mitreisen wollen“, sagte Michael, „so wird Abt Pilgrim das sicher nicht wünschen, Jakob. Wir gehen davon aus, dass das so ist, weil auf dem Hof ein Packpferd und zwei Reitpferde stehen, eines davon ein isabellfarbener Zelter. Es ist unmöglich, dass sie in den Klöstern übernachtet die wir aufsuchen werden, das wird dir verständlich sein. Wir können uns nicht um sie kümmern, ihr müsst deshalb mindestens eine Meile hinter uns reiten, denn wir möchten nicht mit ihr in Verbindung gebracht werden“, sagte Michael. „Wenn es nicht schon so spät wäre, würde ich mit Gereon zum Kloster zurückreiten, um die Anweisung unseres Abtes einzuholen, wie wir uns in dieser Situation zu verhalten haben.“

„Was hat das für eine Bewandtnis mit ihr?“

„Sie ist die Mätresse eines sehr hohen Prälaten aus Cölln, stammt von dort und wohnt in Truhtesdorb. Der Prälat war zur Königskrönung in Aachen eingeladen worden, und alle Prälaten, die dort waren, wurden angewiesen auch beim Konzil in Konstanz zu erscheinen“, so Jakob. „Er hat mir eine größere Summe gegeben und noch einmal den gleichen Betrag zugesagt, wenn ich mit ihr wieder heil nach Cölln zurückkomme. Natürlich bekommt ihr von mir die Hälfte des Betrages, den ich bekommen habe als Entschädigung. Abt Pilgrim darf nichts davon erfahren, das könnte für meinen Prälaten ein Problem werden, denn würde bekannt, dass er seinen Gelübden untreu würde, wären sie Ausgestoßene und müssten aus Cölln fliehen.“

„Es ist nicht gerade selten, dass Priester eine Beziehung haben, doch eine Legitimierung gibt es nicht“, sagte Michael. „Wenn es die Männer überkommt, darf der Samen nicht verschleudert werden, weil ein Ungeborenes im Samen stecken könnte. Deshalb geht auch die Geistlichkeit zur Hure, mit dem Segen der Kirche.“

Wie hoch ist der Betrag, den du erhalten hast?“ „Sechshundert Gulden sind dem Prälaten seine Liebe wert, davon erhaltet ihr hundertfünfzig und bei Rückkehr nochmal hundertfünfzig Gulden, ich bekomme auch erst nach Rückkehr die restlichen dreihundert. Ihre Reisekosten trägt sie selbst.“ Nach kurzer Unterredung mit Gereon sagte Michael zu Jakob: „Wir sind einverstanden unter der Voraussetzung, dass die Maid ein normales Kleid überzieht und das Dirnengewand in der Versenkung verschwindet.“

„Wie heißt sie denn?“ „Johanna ist ihr Name, und wie ihr erkennen könnt, ist sie jung und schön, man kann ihr ihren Beruf nicht ansehen. Sie hatte in ihrer Jugend klösterliche Erziehung. Lesen, Schreiben und Rechnen, auch Latein hat sie gelernt. Ihre Mutter stammt aus Cölln und ist adeligen Geblütes, nur der Vater ist Jude, demnach ist sie nach rabbinischem Gesetz keine Jüdin, sie ist katholisch getauft.“

„Da hat sie auch nichts verpasst, die Juden haben unseren Herrn Jesus ans Kreuz geschlagen und anschließend gerufen: „Dein Blut komme über uns und über unsere Kinder!“ meinte Gereon. Jetzt haben sie das, was sie sich gewünscht hatten. Die Juden werden allenthalben verachtet und verfolgt, ich habe gehört, dass sogar bereits einige auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden.“ Michael schüttelte nur den Kopf und ging nicht auf das eben Gesagte ein, aber es war überdeutlich zu spüren, dass er anderer Meinung war.

Aus den Kaminen der Häuser stieg Rauch von den morgendlichen Herdfeuern steil in die Höhe. Kein Windchen wehte. Die Sonne am Himmel stieg höher und höher, ließ die Nebel zerfließen und brachte bereits erste Wärme. Sie entledigten sich ihrer Umhänge, an der linken Seite kamen Kurzschwerter zum Vorschein, an der rechten Seite hatte jeder einen Dolch stecken. Auch Jakob trug solche Waffen.

„Hoffen wir, dass diese Waffen nie benutzt werden müssen“, rief Johanna. „Wenn ich Blut sehe, wird mir schlecht.“

„Nicht so empfindlich, Jungfer Johanna,“ sagte Jakob. „Bei eurer Menses seht ihr es auch oder seid ihr bereits keine Jungfer mehr und bekommt kirchlichen Nachwuchs

Schaut nach Jakob, ich habe nichts dagegen, für mich gilt immer noch: Mund an Mündlein, Bauch an Bäuchlein, Pelz an Pelzlein, frischer Mut und schwupps hinein.“ „Diese losen Reden will ich künftig nicht mehr hören,“ kam sogleich die Antwort von Michael. „Wir sind Mönche und allergisch gegen solcherlei Geschwätz, dem dabei auch noch der Witz völlig fehlt.“ Es dauerte nicht mehr lange, und sie befanden sich bereits am Rhein, der wie ein silbernes Band träge durch die farbige Herbstlandschaft floss. Lastkähne schaukelten sanft auf seinen Wellen und wurden dank eines lauen Windes Richtung Cölln geschoben. Ein Lastenkahn mit niederem Bug und hohem Heckhaus glitt im Kriechgang Rhein aufwärts, er wurde von Pferden am Rheinufer gegen die Strömung getreidelt. Johanna hatte jetzt ein hochgeschlossenes züchtiges Kleid an, kein Mensch hätte in ihr eine Hübschlerin erkennen können.

Jakob fragte sie: „Ist das bei dir Beruf oder Berufung, wie teilst du dich den Freiern mit?“

„Es gibt einfache, ordinäre und edle Hübschlerinnen, zu den letzteren zählt man mich. Fensterhennen nennt man diejenigen, die sich in den Fenstern ihrer Kammern barbusig zeigen, um Männer anzulocken. Ich werde durch Empfehlungen bekannt. Mein Prälat will das aber nicht mehr, er will mich für sich alleine haben, und solange die Bezahlung stimmt, ist mir das auch recht. Es ist aber nicht so, dass ich einen jungen, schönen und interessanten Mann abweise. Dass dies keiner erfährt, dafür sorge ich schon. Mein Prälat bekommt das auch nicht mit, dem binde ich das ganz bestimmt nicht auf die Nase. Einfache und ordinäre Hübschlerinnen haben geschlechtliche Krankheiten, ich habe mich bisher davor hüten können. Außerdem leiden sie unter der Sorte Läuse, die man auch als Liebeskäfer bezeichnet. Bei manchen dieser Frauen ist das so schlimm, dass die Läuse nicht nur in den Schamhaaren, sondern schon in den Augenbrauen und Wimpern sitzen. So, jetzt wisst ihr genug und sollt mich nicht mehr danach fragen!“

Die Mönche hatten den Auftrag, die Burg Drachenfels zu besuchen, dort sollten sie zusätzliche Anweisungen erhalten. Die Burg lag hoch über dem Rhein auf einem Berg, der Drachenfels genannt wurde. Sie gehörte zum Erbe des Abtes Pilgrim, er war der Eigentümer. Oben angekommen sahen sie einen Steinbruch, der sich bis an die Burgmauer in den Fels gefressen hatte. Seit mehr als zweihundert Jahren brach man hier den Trachyt, einen Sandstein, aus dem der Dom zu Cölln gebaut wird. Auf der Burg erhielten sie den Auftrag, eine gute Bekannte eines für die Siegburger Abtei wichtigen Cöllner Prälaten mitzunehmen. Außerdem bekamen sie die Anweisung noch vorher zum Benediktinerkloster Laach zu reiten, dort sollten sie eine Botschaft abgeben und zusätzliche Anweisungen erhalten. Den Reisenden stand so gar nicht der Sinn danach den anstrengenden Umweg über Laach zu nehmen. Leider war der Auftrag von Abt Pilgrim mit Unterschrift und Siegel versehen, daher blieb ihnen nichts anderes übrig, als ihn auszuführen. Im Dorf Winter setzten sie mit einer Fähre auf die gegenüberliegende Rheinseite hinüber und hatten das Benediktinerkloster Laach nach zwei Tagen erreicht. Nachts schliefen sie in ihren Zelten, denn an keinem der Reisetage war abends eine Unterkunft aufzutreiben, es sei denn, sie hätten einen weiteren Umweg in Kauf genommen. In Laach angekommen konnten sie in einer Herberge des Klosters übernachten. Michael und Gereon ruhten im Kloster und mussten abends um 19 Uhr an den Gebeten zur Vesper, später gegen 21 Uhr an der Komplet und frühmorgens gegen zwei Uhr an der Matutin teilnehmen, um fünf Uhr am Laudes, dem Morgengebet, um sechs Uhr an der Prim; das waren ihre letzten Gebete im Kloster. Die Gebete zur Terz gegen neun Uhr konnten sie versäumen, da waren sie bereits mit Jakob und Johanna auf dem Weg nach Andernach. „Das Leben im Kloster ist ein hartes Leben, davon sind wir jetzt für die nächsten fünf Monate befreit, Gereon, das heißt aber nicht, dass du deine Gebete vergessen darfst, du hast beim Reiten genug Gelegenheit und Zeit zu beten.“ Die Tage waren immer noch voller Sonnenschein, der einzige, der Probleme machte, war der Allerwerteste von Johanna. „Mein Arsch tut mir weh, ich glaube, ich habe mich schon wund geritten“, jammerte sie. „Soll ich mal nachsehen?“, erbot sich Jakob. „Eine Wundsalbe kann ich mir selbst einreiben, aber ob die was nutzt, wage ich zu bezweifeln. Das einzige, was mir helfen kann, ist ein weiches Schaffell. Der Damensattel auf meinem Zelter ist nicht so bequem wie die Herrensättel von euch. Ich wünschte, ich hätte auch so einen, dann könnte ich wie ihr blasenfrei reiten.

„Dem ist abzuhelfen,“ meinte Gereon. „In Andernach werden wir deinen Zelter gegen ein rüstiges Reitpferd eintauschen. Edle Zelter sind gesucht, da werden wir sicher schnell handelseinig. „Dann benötige ich Männerkleider“, verlangte Johanna. „Die Brüste muss ich einschnüren, damit sie nicht vorstehen, und ich mich gleich als Frau zu erkennen gebe.“ „Das mache ich gern“, erbot sich Jakob.

„Deine Hände sind mir zu grob, ich mach es lieber selbst, und damit ist auch das Thema erledigt.“ „Wir müssen bedenken, dass den Frauen, die in Männerkleidern ertappt werden, der Scheiterhaufen droht.“ Am übernächsten Tag waren sie in Andernach und suchten gleich einen Pferdehändler auf. Der hätte auch ein passendes Pferd gehabt, doch sie wurden mit ihm nicht handelseinig. Einen guten Sattel haben sie ihm dann doch noch preiswert abgekauft. Eine Schneiderin war bald gefunden, und nachdem sie bei Johanna Maß genommen hatte, versprach sie, dass zwei Reithosen am nächsten Mittag fertig seien. Zwei vorhandene gebrauchte Jacken passten wie angegossen. Sie wies Johanna darauf hin, dass Frauen in Männerkleidern erhebliche Strafe drohe, sie solle sich nicht erwischen lassen. Gegen Abend konnten sie ihre Pferde in einer Gastwirtschaft unterstellen, drei Zimmer mit je zwei Betten waren frei und wurden bezogen. Johanna lehnte das Angebot von Jakob ab, mit in seinem Zimmer zu schlafen, obwohl er hoch und heilig versprach sie nicht anzurühren. Das gemeinsam eingenommene Abendmahl war gut, der Rotwein vorzüglich. Früh gingen sie zu Bett, da sie versäumten Schlaf nachzuholen hatten.

Am nächsten Morgen saßen vier junge Männer am Tisch, drei stämmige Mannsbilder und ein Hänfling, dem die Haare wild im Gesicht hingen. Der Wirt wollte wissen, ob die Frau auch noch frühstücken käme. Jakob unterrichtete ihn, dass sie bereits abgeholt worden sei. Dafür wäre jetzt der junge Mann dabei. Der Zelter bekam einen neuen Sattel, und weiter ging der Ritt Richtung Coblenz, das sie am Abend noch zu erreichen gedachten. Dort angekommen hatten sie Glück, und konnten mit ihren Pferden in einer Herberge unterkommen. Der Ritt war sehr anstrengend gewesen, da sie oft galoppiert hatten, alle Pferde waren erschöpft. Johanna ging nach dem Abendmahl, das sie aus ihrem Geldbeutel bezahlt hatte, zu den Pferden, um zu sehen, ob diese gut versorgt waren. Sie stand gerade bei ihrem Pferd, als Michael dazukam. „Wenn ihr, Jungfer Johanna, später mal euren Gemahl so behandelt wie euer Pferd, dann wird die Ehe ewig halten.“ „Ich habe nicht vor, jemals zu heiraten; die Männer sind mir, von Ihnen, Michael und ihrem Bruder Gereon, mal abgesehen, viel zu untreu und unbeständig, sie denken nur an sich.“

„Bedenkt, Johanna, dass ihr bisher nur mit solchen Männern zu tun hattet, doch es gibt auch andere.“ „Eine Nadel im Heuhaufen ist eher zu finden, als solch einer, ich will nicht lange suchen müssen.“ „Und ich bin mir sicher, dass euch einer über den Weg laufen wird, und mit Gottes Willen werdet ihr ihn erkennen“, sagte Michael. Am darauf folgenden Tag wurde nach dem Morgenmahl gesattelt. „Jungfer Johanna“, rief Jakob, „zieht den Bauchgurt eures Pferdes ziemlich stramm, das spinnt nämlich, als ich ihm heute früh eine Rübe bringen wollte, hätte es mich fast gebissen. Wie der Herre, so´s Gescherre.“ Als sie zusammen aus dem Tor der Herberge ritten, gab Johanna Antwort: „Wäre euch Recht geschehen, denn wie ich mich erinnere, wart ihr es, der mich gegen Mitternacht besucht hat. Eure Verletzung an der Stirne, habt ihr meinem Messer zu verdanken. Hättet